Subtitle: Ein differenzierter Blick auf die Schriftkritischen Stellen des "Phaidros"
Termpaper, 2007, 10 Pages
Author: Karsten Rohrbeck
Subject: Design (Industry, Graphics, Fashion)
Details
Institution/College: ecosign/Akademie für Gestaltung
Tags: Platons, Medien-Kritik, Philosophiegeschichte
Year: 2007
Pages: 10
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 4 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04100-3
ISBN (Book): 978-3-638-93946-1
File size: 101 KB
Auszug aus dem Kommentar des Dozenten: Sie haben sich mit Platons Schrift-Kritik beschäftigt. Dabei ist Ihnen eine Hausarbeit geglückt, die vor allem durch ihre philosophische Selbstständigkeit glänzt, aber nicht nur. Sie haben das platonische Denken über die Schrift exzellent durchdrungen und vor allem exzellent mit medienphilosophischen Ansätzen verknüpft. Eine durchweg und auf ganzer Linie eine inhaltlich exzellente Arbeit.
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Abstract
»Kein Verständiger […] wird es wagen, seine Gedanken in Sprache niederzulegen und noch dazu in unwandelbarer Weise, was bei dem schriftlich Abgefassten der Fall ist.« (Postman S. 22) Oberflächlich besehen kann man hierin Kritik an der Schrift selbst oder am Geschriebenen im Allgemeinen lesen. In dieser Arbeit will ich zeigen, dass Platon dies keines Falls im Sinn hatte. Vielmehr reagierte er scharfzüngig auf das, was für uns heute selbstverständlich geworden und weithin akzeptiert ist. Er greift weniger die Schrift selbst an, als das, wofür sie steht zu seiner Zeit. Und das ist, wie sich am Ende zeigen wird – entgegen einer ersten Vermutung – durchaus verständlich und nachvollziehbar und auch angebracht. »Es ist immer bedenklich zu behaupten, dieses oder jenes Ereignis habe einen Philosophen ›geprägt‹ […]. Durch Platons eigene Äußerungen im Siebenten Brief aber dürfen wir sagen, dass die politische Dauerkrise der athenischen Polis und die Begegnung mit Sokrates zu seinen wichtigsten Grunderfahrungen gehören.« (Helferich S. 27f) In dem Brief heißt es: »Da ich nun aber sah, dass diese Männer in kurzer Frist die frühere Verfassung als eine goldene erscheinen ließen, unter anderem einen mir befreundeten älteren Mann, den Sokrates, den ich fast unbedenklich für den gerechtesten aller damals Lebenden erklären möchte, nebst andern nach einem Bürger aussandten, um diesen mit Gewalt seiner Hinrichtung entgegen zuführen […] da erfüllte es mich mit Unwillen und ich selbst zog mich von dem damaligen schlechten Regime zurück.« (Helferich S. 24) »Ein großes Problem war […] die Abhängigkeit der Demokratie von dem Einfluss führender Persönlichkeiten in der Volksversammlung. Die Sophisten waren es, die der politischen Führungsschicht der Zeit ihre Bildung vermittelten, insbesondere die höchst wichtige Fähigkeit des Redens betreffend.« (Helferich S. 28) Aber für sie »war die Rhetorik nicht nur Gelegenheit zu schauspielerischen Darbietungen, sie war vielmehr ein nahezu unerlässliches Mittel, um Belege und Beweise in eine Ordnung zu bringen, das heißt, sie war ein Mittel zur Mitteilung von Wahrheit. […] Zwar setzte sie stets den mündlichen Vortrag voraus, aber ihre Macht, Wahrheit zu offenbaren, beruhte auf der Macht der geschriebenen Worte, Argumente in einer geordneten Abfolge zur Geltung zu bringen. […]
Excerpt (computer-generated)
Platons Medien-Kritik
Ein differenzierter Blick auf die Schriftkritischen Stellen
des >Phaidros
Karsten Rohrbeck
Philosophiegeschichte B, SoSe2007
ecosign / Akademie für Gestaltung Köln
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Grundzüge Platons 2
3 Die Dialogform in Platons Schriften und ihre Funktion 4
4 Die Vorzüge der gesprochenen gegenüber der geschriebenen Rede 6
Quellenverzeichnis 11
1 Einleitung
»Kein Verständiger [...] wird es wagen, seine Gedanken in Sprache niederzulegen und noch
dazu in unwandelbarer Weise, was bei dem schriftlich Abgefassten der Fall ist.« (Postman S.
22)
Oberflächlich besehen kann man hierin Kritik an der Schrift selbst oder am Geschriebenen im
Allgemeinen lesen. In dieser Arbeit will ich zeigen, dass Platon dies keines Falls im Sinn
hatte. Vielmehr reagierte er scharfzüngig auf das, was für uns heute selbstverständlich
geworden und weithin akzeptiert ist. Er greift weniger die Schrift selbst an, als das, wofür sie
steht zu seiner Zeit. Und das ist, wie sich am Ende zeigen wird entgegen einer ersten
Vermutung durchaus verständlich und nachvollziehbar und auch angebracht . . .
2 Grundzüge Platons
»Es ist immer bedenklich zu behaupten, dieses oder jenes Ereignis habe einen Philosophen
>geprägtSiebenten Brief aber dürfen wir sagen,
dass die politische Dauerkrise der athenischen Polis und die Begegnung mit Sokrates zu
seinen wichtigsten Grunderfahrungen gehören.« (Helferich S. 27f) In dem Brief heißt es:
»Da ich nun aber sah, dass diese Männer in kurzer Frist die frühere Verfassung als eine
goldene erscheinen ließen, unter anderem einen mir befreundeten älteren Mann, den Sokrates,
den ich fast unbedenklich für den gerechtesten aller damals Lebenden erklären möchte, nebst
andern nach einem Bürger aussandten, um diesen mit Gewalt seiner Hinrichtung entgegen
zuführen [...] da erfüllte es mich mit Unwillen und ich selbst zog mich von dem damaligen
schlechten Regime zurück.« (Helferich S. 24)
2
»Ein großes Problem war [...] die Abhängigkeit der Demokratie von dem Einfluss führender
Persönlichkeiten in der Volksversammlung. Die Sophisten waren es, die der politischen
Führungsschicht der Zeit ihre Bildung vermittelten, insbesondere die höchst wichtige
Fähigkeit des Redens betreffend.« (Helferich S. 28) Aber für sie »war die Rhetorik nicht nur
Gelegenheit zu schauspielerischen Darbietungen, sie war vielmehr ein nahezu unerlässliches
Mittel, um Belege und Beweise in eine Ordnung zu bringen, das heißt, sie war ein Mittel zur
Mitteilung von Wahrheit. [...] Zwar setzte sie stets den mündlichen Vortrag voraus, aber ihre
Macht, Wahrheit zu offenbaren, beruhte auf der Macht der geschriebenen Worte, Argumente
in einer geordneten Abfolge zur Geltung zu bringen. [...] Die Regeln der Rhetorik zu
missachten, die eigenen Gedanken aufs Geratewohl zur Sprache zu bringen, ohne richtige
Betonung, ohne die angemessene Leidenschaftlichkeit, das wirkte wie ein Affront gegen die
Intelligenz der Zuhörer und erregte den Verdacht der Lügenhaftigkeit.« (Postman S. 33f)
Unter anderem in Bezug auf jene gemeinsamen Ansichten zu Struktur und Qualität einer
guten Rede musste aber auch Platon sich mitunter die Bezeichnung >Sophist »Mit der Sophistik ist das Wissen ein reflektiertes Wissen, ein Reflexionswissen geworden.
Es ist zur Einsicht gekommen. [...] In der Sophistik heißt >Philosophie rationale Weltauffassung, wissenschaftliche Betätigung überhaupt bzw. Bildung, die man
durch Bezahlung erhalten kann.« (Helferich S. 28)
»Für Platon hingegen bedeutet Philosophie ein Streben nach Weisheit, das höchste, wozu der
Mensch überhaupt gelangen kann: >ein größeres Gut als sie, von Gott den Menschen
gegeben, ist weder gekommen noch wird es je kommen zu, weil es ohne Philosophie kein richtiges Erkennen und kein richtiges Handeln geben kann
und weil nur die Philosophie den Ausweg aus der Krise zeigen kann.« (Helferich S. 29) In
der Politeia lässt Platon Sokrates sagen:
»Wenn nicht entweder die Philosophen König werden in den Staaten oder die jetzt
sogenannten Könige und Gewalthaber wahrhaft und gründlich philosophieren und also dieses
beides zusammenfällt, die Staatsgewalt und die Philosophie [...], eher gibt es keine Erholung
für die Staaten [...] und ich denke auch nicht für das menschliche Geschlecht.« (Helferich S.
29)
Für Platon macht einen Philosophen also weit mehr aus, als die Sophisten in seinen
Augen zu leisten in der Lage waren. Wir finden darauf bereits einen ersten Anhaltspunkt in
der Form seiner Schriften.
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