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Über die Kunst auf Rezipienten verändernd einzuwirken

Untertitel: Der Versuch einer Würdigung der aristotelischen Dramentheorie

Hausarbeit, 2007, 10 Seiten
Autor: Karsten Rohrbeck
Fach: Design (Industrie, Grafik, Mode)

Details

Veranstaltung: Philosophiegeschichte
Institution/Hochschule: ecosign/Akademie für Gestaltung
Tags: Kunst, Rezipienten, Philosophiegeschichte
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 10
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 4  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V89931
ISBN (E-Book): 978-3-638-04101-0
ISBN (Buch): 978-3-638-93947-8
Dateigröße: 96 KB
Anmerkungen :
Auszug aus dem Kommentar des Dozenten: Sie haben sich in Ihrer Hausarbeit mit der Poetik des Aristoteles beschäftigt und sie in Zusammenhang mit der Nikomachischen Ethik gesetzt. Heraus kommt dabei eine moralische Deutung der poetischen Begrifflichkeiten. Sie können sich vorstellen, dass mir das nicht geheuer ist und meine Auffassung in eine andere, rituell-ästhetische Richtung geht. Nichtsdestoweniger stellen Sie die Fähigkeit zu einer stringenten Argumentation unter Beweis.


Zusammenfassung / Abstract

»Was die Menschen bewusst und absichtlich tun, das tun sie, so Aristoteles, um einer Sache willen, die ihnen als gut erscheint. Was gut ist, wird erstrebt und so ist das Streben nach dem Guten oder den Gütern der eigentliche Antrieb für das Tun der Menschen.« (Rapp: Aristoteles, S. 18) Aristoteles unterscheidet mögliche Güter ihrer Art nach in »äußere Güter, innere Güter des Körpers und innere Güter der Seele […]. Zu den äußeren Gütern gehören u. a. Reichtum, Freundschaften, […] zu den inneren Gütern des Körpers gehören Gesundheit, Schönheit, Stärke, […] und als innere Güter der Seele gelten die verschiedenen Tugenden.« (Rapp: Aristoteles, S. 18) Stets das rechte Gut und jenes allein mittels guter Handlungen zu erlangen, fällt nicht immer leicht. Auch Aristoteles hatte dies bereits erkannt: »Zum Beispiel gilt normalerweise der Reichtum als ein Gut, es gibt allerdings auch immer wieder Fälle, in denen jemand durch seinen Reichtum zu Schaden kommt.« (Rapp: Aristoteles, S. 16f) Wir wissen heute aber, dass jener Schaden seltener denjenigen mit besagtem Reichtum, als vielmehr all die anderen zu treffen pflegt. Sei dies aus Unwissenheit (um die möglichen Kollateralschäden), weil »man zwar im einen [z. B. allgemeinen] Sinne [wusste], dass eine Handlung […] gut sei, [sie es] in einem anderen [z. B. konkreten] Sinn jedoch nicht« war. (Rapp: Aristoteles, S. 47) Oder immer öfter auch: weil man, trotz besseren Wissens um die geringe ›Güte‹ der Sache, den Schaden billigend, ihn ›bewusst 
und absichtlich‹ (mit–)herbeiführte. Diese Erfahrungen, die ja nur Beleg für den Zustand 
der Welt und der Menschen sind, stellen uns in die Pflicht, noch sensibler über unsere eigenen Handlungen zu reflektieren. Wir müssen uns bewusst sein, dass unsere Handlungen weitreichende und nachhaltige Folgen haben, für die wir die Verantwortung zu tragen haben. Gerade auch die vielgestaltigen medialen Kommunikations-Handlungen, denen wir uns heute leichtfertig, meist beiläufig und fast naiv hingeben, weisen eine solch »enorme Macht« auf, dass sie »die Mentalitäten zum Tanzen zu bringen« vermögen. (Beigbeder: 39,90, S. 35) Weshalb eben auch die »68er [zwar] mit der Revolution angefangen [haben, dann aber] in die Werbung gegangen« seien. (Beigbeder: 39,90, S. 28)


Textauszug (computergeneriert)

Über die Kunst auf Rezipienten verändernd einzuwirken

Der Versuch einer Würdigung der aristotelischen Dramentheorie

Karsten Rohrbeck, WiSe 06/07

ecosign / Akademie für Gestaltung


Inhalt

1 Warum den Zuschauer verändern 2

2 Über die Dichtkunst 3

3 Wie die Nachahmung eine Reinigung erwirkt und was diese Reinigung für den Rezipienten

bedeuten kann 5

Literatur 10

1 Warum den Zuschauer verändern

»Was die Menschen bewusst und absichtlich tun, das tun sie, so Aristoteles, um einer

Sache willen, die ihnen als gut erscheint. Was gut ist, wird erstrebt und so ist das Streben

nach dem Guten oder den Gütern der eigentliche Antrieb für das Tun der Menschen.«

(Rapp: Aristoteles, S. 18) Aristoteles unterscheidet mögliche Güter ihrer Art nach in »äußere

Güter, innere Güter des Körpers und innere Güter der Seele [...]. Zu den äußeren Gütern

gehören u. a. Reichtum, Freundschaften, [...] zu den inneren Gütern des Körpers gehören

Gesundheit, Schönheit, Stärke, [...] und als innere Güter der Seele gelten die verschiedenen

Tugenden.« (Rapp: Aristoteles, S. 18) Stets das rechte Gut und jenes allein mittels guter

Handlungen zu erlangen, fällt nicht immer leicht. Auch Aristoteles hatte dies bereits erkannt:

»Zum Beispiel gilt normalerweise der Reichtum als ein Gut, es gibt allerdings

auch immer wieder Fälle, in denen jemand durch seinen Reichtum zu Schaden kommt.«

(Rapp: Aristoteles, S. 16f) Wir wissen heute aber, dass jener Schaden seltener denjenigen mit

besagtem Reichtum, als vielmehr all die anderen zu treffen pflegt. Sei dies aus Unwissenheit

(um die möglichen Kollateralschäden), weil »man zwar im einen [z. B. allgemeinen] Sinne

[wusste], dass eine Handlung [...] gut sei, [sie es] in einem anderen [z. B. konkreten] Sinn

jedoch nicht« war. (Rapp: Aristoteles, S. 47) Oder immer öfter auch: weil man, trotz besseren

Wissens um die geringe >Gütebewusst und

absichtlich Welt und der Menschen sind, stellen uns in die Pflicht, noch sensibler über unsere eigenen

Handlungen zu reflektieren. Wir müssen uns bewusst sein, dass unsere Handlungen

weitreichende und nachhaltige Folgen haben, für die wir die Verantwortung zu tragen haben.

Gerade auch die vielgestaltigen medialen Kommunikations-Handlungen, denen

wir uns heute leichtfertig, meist beiläufig und fast naiv hingeben, weisen eine solch

»enorme Macht« auf, dass sie »die Mentalitäten zum Tanzen zu bringen« vermögen.

2


(Beigbeder: 39,90, S. 35) Weshalb eben auch die »68er [zwar] mit der Revolution

angefangen [haben, dann aber] in die Werbung gegangen« seien. (Beigbeder: 39,90, S. 28)

Wesentlicher vielleicht noch, muss man außerdem einsehen, dass jene Macht des aktiv

Handelnden

nicht von ungefähr kommt. »Man kann [schließlich] nicht nicht kommunizieren.«

(Watzlawick: Menschliche Kommunikation, S. 53) Wir sind naturgemäß programmiert auf

Reaktion. Wir glauben zwar stets und in allem die uneingeschränkt freie Wahl zu haben.

Aber nicht so in der Wahrnehmung und damit auch nicht in der gesamten Kommunikation

und also auch Medienrezeption. Obsolet ist folglich die Frage: WARUM den Zuschauer

verändern? Es bleibt vielmehr die Frage: WIE den Zuschauer verändern?

In seiner >Poetik Dichtkunst auf den Rezipienten dar. Die nur fragmentarische Überlieferung der >Poetik macht es schwierig, das in ihr Gesagte allein aufgrund seiner selbst angemessen zu deuten.

Sie wird im Folgenden daher dargelegt unter Berücksichtigung von Aristoteles′ Philosophie

von der >EthikHandelnNikomachische Ethik Die tiefere Gedankeneinheit, die diese Aspekte der Philosophie des Aristoteles eint ist

offensichtlich. Die Bemühung um eine >gesamt-aristotelischePoetik auch im Vordergrund. Zugunsten dessen wird aber auf eine so ausführliche Unterscheidung

der Kunstformen, wie sie Aristoteles vornimmt, verzichtet und zumeist stellvertretend das

Wort >DichtungDichtkunstNikomachische

Ethik im Gesamtzusammenhang der aristotelischen Weltanschauung zu begreifen. Verweise auf die

>Nikomachische Ethik Farbgebung abgesetzt.

2 Über die Dichtkunst

Aristoteles sagt: »Die Epik und die tragische Dichtung, ferner die Komödie und die

Dithyrambendichtung sowie [...] das Flöten­ und Zitherspiel: sie alle sind, als Ganzes

betrachtet, Nachahmungen.« (Aristoteles: Poetik, S. 5) Für Aristoteles heißt das, »dass

es nicht Aufgabe des Dichters ist mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern

vielmehr, was geschehen könnte.« (Aristoteles: Poetik, S. 29) Außerdem sei »Dichtung

etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung; denn die Dichtung

teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit. Das

3



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