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Subtitle: Funktion und Bedeutungswandel des Ornamentes in der Produktgestaltung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 58 Pages
Author: Sandra Mende
Subject: Design (Industry, Graphics, Fashion)
Details
Institution/College: State Academy of Art and Design Stuttgart (Institut für Architekturgeschichte und -theorie)
Tags: Ornamentik, Industriedesign, Architekturgeschichte
Year: 2008
Pages: 58
Grade: 1,2
Bibliography: ~ 125 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04409-7
File size: 778 KB
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Abstract
Ornamente spielen in nahezu allen Kulturkreisen und Epochen eine sehr wichtige Rolle. Jedoch wird dies allerdings gerne übersehen, wurde doch gerade das Ornament als normativ-ideologisch stark umstrittenes Gestaltungsmittel schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts als unvereinbar erachtet mit industrieller Fertigung. Umso fremdartiger mutet sicherlich daher die Thematik „Ornamentik im Industriedesign“ an. Dennoch wurde weiterhin, nicht nur im Bereich des Kunsthandwerks, sondern auch in der industriellen Produktgestaltung mit Ornamenten gearbeitet, allerdings ohne, dass diese als solche bezeichnet worden wären, geschweige denn, dass sie Eingang gefunden hätten in die Lehre bzw. die Theorie des Industriedesigns. Diese bislang fehlende zusammenhängende Darstellung der Funktion und des Bedeutungs-wandels des Ornamentes durch alle Epochen und dessen Interpretation findet im Rahmen die-ser Arbeit statt. Durch die Analyse unterschiedlicher Wirkungspotentiale des Ornamentes soll ein neues Bewusstsein geschaffen werden für die Problematik des Ornamentes und versucht werden, in Zeiten zunehmender Produktuniformität das Ornament als Gestaltungsfaktor neu zu bewerten. Nach einer allgemeinen geschichtlichen Einordnung des Ornamentes, wird dies anhand zweier Beispiele aus dem Industriedesign untersucht. Betrachtet man die Literatur zur Produktgestaltung, ist feststellbar, dass dem Ornament als Gestaltungselement wenig oder gar keine Aufmerksamkeit zugesprochen wird. Das Ornament wurde in den Bereich des Kunsthandwerks verbannt, wo auch seine Ursprünge liegen. Jedoch vermied der Ausschluss des Ornamentes aus der Theorie der Gestaltung nicht die Produktion von ornamentierten Produkten . Des Weiteren erscheint das Ornament als Gestaltungselement in der gesamten Entwicklungsgeschichte der Menschheit. „Das Ornament konnte offensichtlich nur zeitweise in einigen Stilperioden (wie beispielsweise im Bauhaus) gewissermaßen durch eine gewaltsame Ideologie unterdrückt werden.“ Die These „[...] Sachlichkeit [ist] als Ausdruck der Produktion und Ornament als Ausdruck des Marktes [...]“ zu verstehen, gab den Anstoß zu weiteren Überlegungen für diese Arbeit: * Existiert ein elementares Bedürfnis nach Ornamenten? * Was ist aus heutiger Sicht alles unter dem Begriff Ornament zu verstehen? * Worauf basiert die formale Erscheinung des Ornaments? Wie wirkt es? * Was sind Einsatzmöglichkeiten des Ornamentes für die Produktgestaltung?
Excerpt (computer-generated)
ORNAMENTIK IM INDUSTRIEDESIGN
FUNKTION UND BEDEUTUNGSWANDEL
DES ORNAMENTES IN DER PRODUKTGESTALTUNG
Theoretische Ausarbeitung
Architekturgeschichte III
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Sandra Mende
ii
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS 2
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 3
EINLEITUNG 4
1.
VORGEHENSWEISE UND AUFBAU DER ARBEIT 5
2.
FUNKTION & BEDEUTUNGSWANDEL - EIN HISTORISCHER ABRISS 6
2.1 URSPRÜNGE DES ORNAMENTES 6
2.1.1
Die anthropologische Ebene 7
2.1.2
Die psychologische Ebene 10
2.1.3 Die soziologische Ebene 12
2.2 ORNAMENT IM 19. UND 20. JAHRHUNDERT 14
2.2.1
Frühindustrielles Design - Historismus 14
2.2.2 Gegenbewegungen zum Historismus 18
2.2.2.1
Arts and Crafts 18
2.2.2.2
Der Jugendstil 19
2.2.2.3
Die Werkbundbewegung 21
2.2.3
Funktionalismus 23
2.2.4
Art Deco 25
2.2.5
Das Dritte Reich 27
2.2.6
Die langen 50er Jahre 28
2.2.7 Zusammenfassung der Ornamentformen 29
3.
BEGRIFFSABGRENZUNGEN UND MERKMALE 32
3.1 INDUSTRIEDESIGN 32
3.2
ORNAMENT 33
3.2.1
Ornament und Muster 34
3.2.2
Ornament und Dekor 34
3.2.3
Ornament und Zeichen 35
3.2.4
Ornament und Symbol 36
4.
WIRKUNGSPOTENTIAL UND TYPOLOGIE 37
4.1
WIRKUNGSPOTENTIAL DES ORNAMENTES 37
4.2
ORNAMENTTYPEN DER INDUSTRIELLEN PRODUKTION 39
4.2.1
Das erweiterte Ornament 39
4.2.2
Das uneigentliche Ornament 40
4.2.3
Das funktionale Ornament 41
4.2.4
Das reine Schmuckornament 42
4.2.5
Das heraldische Ornament 42
4.2.6 DAS UNAUFFÄLLIGE ORNAMENT 44
5.
RAUMTEILER ALGUE 45
5.1
BESCHREIBUNG 45
5.2
FUNKTION UND WIRKUNGSGRAD DES ORNAMENTES 46
5.3
WIRKUNG UND ERSCHEINUNG DES ORNAMENTES 48
5.3.1
Abstraktion 48
5.3.2
Atmosphäre 48
5.4
NEUE EINSATZMÖGLICHKEITEN 50
6.
ZUSAMMENFASSUNG 51
QUELLENVERZEICHNIS 54
iii
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
ABBILDUNG 1:
DIE ORNAMENTTYPEN 39
ABBILDUNG 2:
RAUMTEILER ALGUE 45
ABBILDUNG 3:
DAS EINZELELEMENT ALGUE 46
ABBILDUNG 4:
ATMOSPHÄRISCHE WIRKUNG ALGUES 49
ABBILDUNG 5:
,,STOOL" VON MAJKEN VILHELMSEN 53
4
EINLEITUNG
Ornamente spielen in nahezu allen Kulturkreisen und Epochen eine sehr wichtige Rolle. Je-
doch wird dies allerdings gerne übersehen, wurde doch gerade das Ornament als normativ-
ideologisch1 stark umstrittenes Gestaltungsmittel schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts als
unvereinbar erachtet mit industrieller Fertigung. Umso fremdartiger mutet sicherlich daher die
Thematik ,,Ornamentik im Industriedesign" an. Dennoch wurde weiterhin, nicht nur im Be-
reich des Kunsthandwerks, sondern auch in der industriellen Produktgestaltung mit Ornamen-
ten gearbeitet, allerdings ohne, dass diese als solche bezeichnet worden wären, geschweige
denn, dass sie Eingang gefunden hätten in die Lehre bzw. die Theorie des Industriedesigns.
Diese bislang fehlende zusammenhängende Darstellung der Funktion und des Bedeutungs-
wandels des Ornamentes durch alle Epochen und dessen Interpretation findet im Rahmen die-
ser Arbeit statt. Durch die Analyse unterschiedlicher Wirkungspotentiale des Ornamentes soll
ein neues Bewusstsein geschaffen werden für die Problematik des Ornamentes und versucht
werden, in Zeiten zunehmender Produktuniformität das Ornament als Gestaltungsfaktor2 neu
zu bewerten. Nach einer allgemeinen geschichtlichen Einordnung des Ornamentes, wird dies
anhand zweier Beispiele aus dem Industriedesign untersucht.
1
Nach Leitherer, E. (Industriedesign. Entwicklung- Produktion-Okonomie, 1991).
2
Escherle weist das Zeichen, bzw. Ornament als Aktionsmittel des Design neben der Form, Größe, dem
Material, der Oberfläche und der Farbe aus. Vgl. Escherle, H.-J. (Industriedesign, 1986), S. 38. Bei
Nieschlag, Dichtl, Hörschgen wird die Ornamentierung als Unterart einer ästhetischen Formgebung
aufgefasst und in Opposition zur funktionsbedingten Formgebung gestellt. Vgl. Nieschlag, R.; Dichtl,
E.; Hörschgen, H. (Marketing, 1985), S. 175.
5
1.
VORGEHENSWEISE UND AUFBAU DER ARBEIT
Betrachtet man die Literatur zur Produktgestaltung, ist feststellbar, dass dem Ornament als
Gestaltungselement wenig oder gar keine Aufmerksamkeit zugesprochen wird. Das Ornament
wurde in den Bereich des Kunsthandwerks verbannt, wo auch seine Ursprünge liegen.
Jedoch vermied der Ausschluss des Ornamentes aus der Theorie der Gestaltung nicht die Pro-
duktion von ornamentierten Produkten3. Des Weiteren erscheint das Ornament als Gestal-
tungselement in der gesamten Entwicklungsgeschichte der Menschheit.4 ,,Das Ornament
konnte offensichtlich nur zeitweise in einigen Stilperioden (wie beispielsweise im Bauhaus)
gewissermaßen durch eine gewaltsame Ideologie unterdrückt werden."5
Die These ,,[...] Sachlichkeit [ist] als Ausdruck der Produktion und Ornament als Ausdruck
des Marktes [...]"6 zu verstehen, gab den Anstoß zu weiteren Überlegungen für diese Arbeit:
*
Existiert ein elementares Bedürfnis nach Ornamenten?
*
Was ist aus heutiger Sicht alles unter dem Begriff Ornament zu verstehen?
*
Worauf basiert die formale Erscheinung des Ornaments? Wie wirkt es?
*
Was sind Einsatzmöglichkeiten des Ornamentes für die Produktgestaltung?
Hierzu ist eine historische Analyse erforderlich. Der Bedeutungswandel und die Funktion des
Ornamentes wird auf drei Ebenen betrachtet der anthropologischen, der psychologischen
und der soziologischen Ebene, angefangen bei den Ursprüngen des Ornamentes, um das Be-
dürfnis nach Schmuck im weiteren Sinn zu bestätigen.
Kern der Überlegungen verkörpert die Analyse eines produktgestalterischen Objektes, dem
*
Raumteiler Algue von Erwan und Ronan Bouroullec,
der nochmals anhand spezifischer Merkmale den vorgenannten Fragen und daraus entwickel-
ten Antworten auf den Grund gehen soll.
3
Das Ornament wurde nur durch andere Begriffe wie Zeichen, Bildzeichen, Dekor, Muster, Oberflä-
chenstruktur, etc. Vgl. Koppelmann, U. (Produktmarketing, 1989), S. 260 ff.
4
Vgl. Kapitel 2.1
5
Leitherer, E. (Fragen, 1982), S. 307.
6
Meurer, B.; Vincon, H. (Entwurf, 1979), S. 15.
6
2. FUNKTION
UND
BEDEUTUNGSWANDEL
-
EIN HISTORISCHER ABRISS
2.1 URSPRÜNGE DES ORNAMENTES
Eine Auseinandersetzung mit dem Ornament und dessen Bedeutung hat schon sehr früh in der
Geschichte der Menschheit begonnen. Offenbar dienten Ornamente von jeher dazu, elementa-
re Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen.7 Über den ursprünglichen Sinn der Ornamentie-
rung gibt es verschiedene Erklärungsansätze, die keinesfalls alle durch ein generelles Verlan-
gen des Menschen nach Schmuck8 zu interpretieren sind.
Die ersten Anfänge von Ornamentierung und Kunst9 als Artefakte10 sind auf das Schmücken
des eigenen Körpers zurückzuführen.11 Anzeichen dafür finden sich bereits vor ca. 50.000
Jahren, also in der jüngeren Altseinzeit.12 So lange zurück werden die Fundstücke von rotem
Ocker datiert, von denen man annimmt, dass sie unter anderem zur Körperbemalung verwen-
det wurden13. Hier kann unterschieden werden in den direkten (d.h. z.B. Tätowierung) und
den indirekten Körperschmuck (d.h. sämtliche dem Körper beigefügte Utensilien wie z. B.
Perlenschnüre, Armreife, etc.).
7
Wiedemann, J. (Ornament - heute, 1972), S. 74.
8
Für Wilson stellen Zeitzeugen wie beispielsweise der eines Armbandes aus Mammutelfenbein mit ein-
gravierten Mäandermotiven aus der Zeit um 22.000 v. Chr. die Begründung des Meschen sich schmü-
cken zu wollen dar. Vgl. Wilson, E. (Ornamente. Das Handbuch einer 8000jährigen Geschichte, 1996),
S. 28. Für Schmarsow jedoch ist die Ornametik eine der ältesten Äußerungen künstlerischer Betätigung.
Vgl. Schmarsow, A. (Anfangsgründe, 1910), S. 192.
9
Für Loos stellt das Ornament den Anfang aller bildenden Kunst dar, allerdings bezeichnet er es als
,,[...] Lallen der Malerei [...]". Vgl. Loos, A. (Ornament, 1985), S. 58 auch Wilson, E. (Ornamente.
Das Handbuch einer 8000jährigen Geschichte, 1996), S. 28. Als Begründung für die Gleichbehandlung
von Ornament und Kunst führt Boesch an, dass die Grenze zwischen Kunst und Kunsthandwerk ohne-
hin willkürlich sei, da sie letztlich weniger von objektiven Merkmalen als von subjektiver Bewertung
abhänge. Vgl. Boesch, E. E. (Das Magische und das Schöne, 1983), S. 221 ff. oder vgl. Pfeifer, H.
(Formenlehre, 1926), S. 7 ff. In weiter entwickelten Kulturen sei das Ornament von den Werken der
bildenen Kunst dann durch die andersgeartete Aufgabe zu unterscheiden. Das Ornament werte seinen
Träger auf, das Kunstwerk dagegen sei autonom, d.h. an keinen Träger gebunden, es stelle selbst wirk-
liche Dinge dar. Vgl. Henze, W. (Ornament, 1958), S. 18.
10
Artefakten vorgelagert ist das Sammeln von Gegenständen wie besonders geformten Muscheln oder
Versteinerungen. ,,Diese Gegenstände [...] stellen einen Wert dar und dadurch [...] die allererste und ur-
sprünglichste Kunstform." Braem, H. (Die Sprache der Formen, 1990), S. 17.
11
Vgl. Pfeifer, H. (Formenlehre, 1926), S. 7 ff. und Wilson, E. (Ornamente. Das Handbuch einer
8000jährigen Geschichte, 1996), S. 28; in derselben Weise argumentiert auch Jones. Vgl. Jones, O.
(Grammatik, 1987), S. 15.
12
Zur zeitlichen Einteilung vgl. Wick, K.; Wick, R. (Form, 1972), S. 166.
13
Vgl. Leroi-Gourhan, A. (Hand, 1980), S. 451 f.
7
Zeitlich nachgelagert folgte das Dekorieren der Bekleidung oder von Gegenständen, die den
Menschen umgaben. Ornamentale Elemente finden sich bereits auf frühestens ca. 6000 Jahre
alten Funden von Gebrauchsgegenständen aus gebranntem Ton14.
Die meisten Theorien, sie sich mit den Gründen der Anwendung von Ornamenten beschäfti-
gen, beziehen sich auf den frühzeitlichen Menschen. Read zieht dabei beispielsweise Paralle-
len zwischen Gegenständen aus der Steinzeit und Produkten aus dem Industriezeitalter, nicht
was die Beutung des Ornamentes für den Menschen anbelangt, sondern was allgemeine ,,Ge-
setze" der Ornamentik betrifft15.
Am aussagekräftigsten erscheint die Einteilung in eine anthropologische, eine psychologische
und soziologische Ebene16, um eine umfassende Analyse aus verschiedenen Blickwinkeln
nach Bedeutungsinhalten zu gewährleisten:
*
Die
anthropologische
Ebene setzt sich mit den Wirkungen des Ornamentes an einem
Objekt innerhalb der Verbindung zwischen Mensch und Umfeld auseinander.
*
Die
psychologisch
e Ebene verdeutlicht die Funktionen des Ornamentes für die Psyche
des Menschen.
*
Auf
soziologischer
Ebene wird versucht zu klären, inwieweit ein Objekt innerhalb
zwischenmenschlicher Beziehungen das Entstehen oder Festigen gesellschaftlicher
Strukturen mitbeeinflussen kann.
Nach Brandlhuber ergeben sich allerdings aufgrund von unklar definierten Grenzen17 der drei
Wissenschaftsdisziplinen Überschneidungen bei der Zuordnung von Ornamentbedeutungen.
2.1.1 DIE ANTHROPOLOGISCHE EBENE
Die unter
Kulturanthropologi
e18 zugeordneten Ursprünge dekorativen Gestaltens begründen
sich unter anderem auf der Aussage von Cassirer, nach der der Mensch nicht mit der Umwelt
direkt in Berührung steht, sondern durch ein so genanntes symbolisches System19.
14
Vgl. Boesch, E. E. (Das Magische und das Schöne, 1983), S. 223; auch Leitherer stellt fest, dass das
Ornament bereits in den allerersten Phasen menschlicher Produktwelt zu beobachten ist. Vgl. Leitherer,
E. (Fragen, 1982), S. 307.
15
Vgl. Read, H. (Kunst, 1956), S. 152 f.
16
Eine ähnliche Einteilung findet sich bei Kicherer, wo es darum geht, die Beziehungsebenen Produkt
Mensch in ihrer kulturellen Bedingtheit zu analysieren. Vg. Kicherer, S. (Industriedesign, 1987), S. 116
ff. Siehe auch Brandlhuber, J. (Industrie-Design und Ornament, 1992), S. 7 f.
17
So sei die Anthropologie eine breit angelegte Wissenschaft, die sich mit der Entwicklung des Menschen
beschäftigt und auch soziologischen sowie psychologischen Fragestellungen nachgeht. Vgl. Brandlhu-
ber, J. (Industrie-Design und Ornament, 1992), S. 8.
8
Anthropologie, als ,,Inbegriff der Vorstellungen des Menschen von sich selbst und seiner Stel-
lung im Ganzen aller Dinge [...]"20 beinhaltet nach Brandlhuber auch die Vorstellungen dar-
über, welche außerirdischen Mächte über das ,Ganze′ wachen würden und wie man sich ih-
nen gegenüber zu verhalten habe.21
Eine wesentliche Bedeutung früher Ornamente wird in diesem religiösen, bzw. magisch-
kultischen Bereich gesehen.22 Zunächst wurden Ornamente in den Dienst der Magie gestellt,
um mit deren Hilfe Geister zu beeinflussen und Schutz vor bösen Kräften zu gewährleisten.23
Löwy geht sogar davon aus, dass Ursprung und Zweck nahezu aller dekorativer Elemente im
magischen Bereich liegen.24
,,Man glaubte und glaubt es vielfach heute noch, sich am besten gegen alle
missgünstigen Einflüsse schützen zu können, indem man Dinge des täglichen
Lebens mit bestimmten Ornamenten versah, sowohl tierischen wie pflanzli-
chen, denen man eine magische Kraft zutraute."25
Koch-Harnack, G. (Symbole, 1989), S. 22
In dieser frühen Entwicklungsstufe der Menschheit besaß das Ornament somit
Symbolcharak-
ter
26. Es sollte dazu dienen, den Menschen nur geistig-abstrakt erfahrbare Sachverhalte zu
veranschaulichen27, und damit die Furcht vor dem Ungewissen zu mindern, sofern es ich um
religiöse bzw. magische Symbole handelte.
18
Zur Unterscheidung zwischen Kulturanthropologie und Anthropologie vgl. Kicherer, S. (Industriede-
sign, 1987), S. 117 Fußnote.
19
Vgl. Cassirer, E. (Essay, 1944), S. 47.
20
Kicherer, S. (Industriedesign, 1987), S. 117 Fußnote.
21
Brandlhuber, J. (Industrie-Design und Ornament, 1992), S. 9.
22
Vgl. Mana, J. (Design, 1978), S. 26 f.; vgl. Braun-Feldweg, W. (Industrial Design heute, 1966), S. 13 f.;
vgl. Lips, J. (Ursprung, 1951), S. 47; vgl. Boesch, E. E. (Das Magische und das Schöne, 1983), S. 225
ff.; vgl. Gombrich, E. H. (Ornament, 1982), S. 269 ff.; vgl. Koch-Harnack, G. (Symbole, 1989), S. 22
ff.; vgl. Wiedemann, J. (Ornament - heute, 1972), S. 18; vgl. Holz, H. H. (Kunstwerk, 1972), S. 143.
23
Vgl. Gsöllpointner, H. (Gegenstand, 1981), S. 347. Die hier zu findende Abbildung zeigt eine
afroamerikanische Frau der Somba mit Skarifikationen am Körper, die böse Geister vor dem Eindrin-
gen hindern sollen.
24
Vgl. Löwy, E. (Ursprünge, 1930), S. 20 ff.
25
Vgl. hierzu auch Lips, J. (Ursprung, 1951), S. 54 f.
26
Zum Symbolbegriff vgl. Brugger, W. (Wörterbuch, 1963), S. 319 f.; vgl. Henze, W. (Ornament, 1958),
S. 45 ff.; vgl. Biedermann, H. (Knaurs Lexikon der Symbole, 1989), Vorwort; vgl. Forstner, D. (Welt,
1961), S. 11; vgl. Dotzler, G. (Ornament, 1984), S. 230.
27
Vgl. Brugger, W. (Wörterbuch, 1963), S. 320; ,,In allem urtümlichen Kunstschaffen haben wahrschein-
lich die religiösen, symbolischen und praktischen Beweggründe eine innige Einheit gebildet." Henze,
W. (Ornament, 1958), S. 46;
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