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Scholary Paper (Seminar), 2001, 10 Pages
Author: Jochen Apel
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Details
Institution/College: University of Kassel (FB 01 - Philosophie)
Tags: Anders, Gewalt, Eine, Diskussion, Seminar, Günther, Anders, Antiquiertheit, Menschen
Year: 2001
Pages: 10
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15855-8
File size: 146 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Gesamthochschule Kassel
WS 2000/01
Seminar: Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen
Referat: Gewalt - ja oder nein?
Eine notwendige Diskussion
Referent: Jochen Apel
Das Buch, das obigen Titel trägt und Thema dieser Darstellung seien wird, ist in acht Teile unterteilt:
1. Zur Person: der Philosoph Günther Anders
2. Das Gespräch: von Notstand und Notwehr
Ein Interview mit Günther Anders, das von Manfred Bissinger geführt wurde und 1987 in der Zeitschrift "Natur" erschien.
3. Das Echo I: öffentliche Reaktionen
Öffentliche Reaktionen von "bekannten" Menschen, u.a. Politiker, Schriftsteller, Journalisten, Theologen, etc.
4. Die Zuspitzung I: vom Ende des Pazifismus
G. Anders verschärft seine Thesen in einem fiktiven Interview.
5. Das Echo II: Stimmen aus dem Publikum
Reaktionen (Leserbriefe) auf G. Anders Interview in der "Natur"
6. Die Zuspitzung II: die Atom-Resistance - neue ausgewählte Stücke zum Thema "Notstand und Notwehr"
7. Ein Nachtrag: Nur an Wochenenden
Ein fiktives Gespräch, welches eine bestimmte Haltung kritisiert ("Wochenendrevolutionäre")
8. Keine Schlussworte:
"In Sachen Gewalt" - der Physiker Peter Kafka
"Dank für die Warnung" - der Theologe Prof. Helmut Gollwitzer
Ich werde mich, vor allem zu Beginn, auf die Teile von und mit Günther Anders konzentrieren, auch deshalb, weil die vielfältigen Reaktionen schwierig zusammenzufassen sind.
Der Einstieg in die Gewaltdiskussion erfolgt in oben genanntem Interview in der Zeitschrift "Natur". Zu Beginn des Interviews wird Anders Position zur Atomdiskussion geklärt. Anders beklagt, dass trotz Tschernobyl und Hiroshima keine Konsequenzen gezogen würden. Er sagt sehr zynisch, dass aus Tschernobyl und Hiroshima ein Symbol gemacht werden müsse. Was an diesen beiden Orten geschehen ist, kann jeden Tag und an jedem Ort wieder geschehen. Für Tschernobyl bedeutet dies sogar, dass wenn an einem einzigen Ort der Welt dieses Ereignis eintritt, dann kann es an allen anderen Orten miteintreten.
Dass aus der atomaren Bedrohung, die nicht an Staatsgrenzen haltmacht, keine Konsequenzen gezogen werden, macht Günther Anders fassungslos. Als der Interviewer Manfred Bissinger dann fragt, wie sich die Atomgegner Gehör verschaffen können, antwortet Anders, dass er der Meinung sei, dass man mit Gewaltlosigkeit nichts mehr erreichen kann. "Verzicht auf Tun reicht nicht als Tun."1
Anders führt aus, dass wir uns in einem Zustand befinden, den man juristisch als Notstand werten muss. Alles Leben auf der Erde, auch das zukünftige, sei von Leuten bedroht, die dieses zwar nicht direkt umbringen wollten, aber doch dieses Risiko in Kauf nähmen, da sie nur technisch, faktisch und ökonomisch denken. Deshalb befinden wir uns im Notstand. Im Notstand sei vor allen Gesetzbüchern der Welt Notwehr erlaubt oder sogar empfohlen (vergl. Strafgesetzbuch § 53, 1-3).
Durch gewaltlosen Protest könne man nicht sinnvoll Widerstand leisten. Als Beispiel führt er das Überreichen von Blumensträußen an Polizisten oder Hungerstreiks an. Solche Aktionen seien nur "Happenings"2, Schein-Aktionen und kein wirkliches Handeln gegen die Bedrohung.
Da man von den Machthabern bedroht würde, bliebe einem/uns nichts anderes übrig, als zurückzudrohen und "diejenigen Politiker, die gewissenlos die Katastrophe in Kauf nehmen oder direkt vorbereiten, ineffektiv zu machen"3
Anders betont aber stets, dass Gewalt niemals Ziel, sondern immer nur Methode seien dürfe. Wenn sich Gewaltlosigkeit, so paradox es klingt, nur mit Gewalt erreichen lässt, dann muss schlechterdings Gewalt die Methode sein.
[...]
1 Anders, Günther: Gewalt - ja oder nein? Eine notwendige Diskussion, München 1987. S. 23
2 ebd. S. 24
3 ebd. S. 24
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22.03.2007 23:31:20
Ein Geschichtchen das schon vor langer, langer Zeit erzählt wurde. Der intelligente Krieg und der dumme Schafshirt. In langen, langen Kolonnen eilten die Soldaten über Land. An ihrer Spitze ritt stolz der General. Unmittelbar hinter ihm, der ihm untertänigst er-gebene Stab, auch hoch zu Ross, gefolgt von der Masse stramm marschierender, gehorsamster Soldaten. Im Gleichschritt stürmten sie an einer Schafsweide vorbei, trompetend und paukend. Der Hirte sah sie verständnislos an und versuchte den General anzuhalten. Spöttisch lächelnd blieb der stehen, fragte mitleidig und hochmütig vom Ross herab: „Was willst du von mir?“ „Ich möchte wissen wohin ihr geht?“ „In den Krieg, das siehst du doch oder bist du zu dumm, das zu sehen?“ „Ich weiss nicht was dumm ist, ich möchte nur wissen wo ihr hingeht und was Krieg ist, das weiss ich auch nicht.“ „Du bist noch dümmer als ich zuerst dachte. Bist du so einsam und ohne Freunde, dass du noch nie Streit hattest?“ „Ich habe viele Freunde und wir gehen liebevoll mit einander um. Gibt es Streit aus Unliebe?“ „Ja natürlich. Wer nicht liebevoll mit dir umgeht, ist zwangsläufig dein Feind und dann habt ihr Streit.“ „Es gibt ein paar wenige, die nicht so liebevoll sind zu mir, aber deswegen habe ich nicht Streit mit ihnen. Sie sind auch nicht meine Feinde. Aber jetzt verstehe ich, wen du Feind nennst. Dieses Wort ist für mich auch neu.“ „Wenn dich einer zu seinem Feind erklärt, ist er zwangsläufig auch dein Feind.“ „Aber nur wenn ich ihn zu meinem Feind erkläre, und das tue ich nicht. Was ist das, dumm?“ „Das Gegenteil von Intelligent. Wie bewerten das mit dem IQ.“ „Wer ist dumm und wer intelligent?“ „Ich bin sehr intelligent, im Gegensatz zu dir, der du sehr dumm bist.“ „Das ist eine dürftige Erklärung, aber vielleicht weisst du es auch nicht so genau. Sage mir, ist Streit und Krieg dasselbe?“ „Im Prinzip ja. Aus Streit kann Krieg werden, muss aber nicht.“ „Ach so. Warum geht ihr in den Krieg?“ „Weil uns das Nachbarland zu seinem Feind er-klärte.“ „So so, und ihr habt es zu eurem Feind erklärt. Ist das die Intelligenz, die du so sehr rühmst?“ „Glaubst du denn, wir lassen uns das bieten!? So dumm sind wir nicht!“ „Was tut ihr im Krieg?“ „Wir zerstören Wälder, Äcker und Felder, verbrennen Dörfer und Städte und töten so viele Feinde wie möglich.“ „Bis das ganze Nachbarland kaputt ist und nie-mand mehr lebt?“ „Nein nein, wir sind grosszügig und human. Wenn der Feind kapituliert und den Krieg als verloren erklärt, das muss er schriftlich dokumentieren, dann schliessen wir Frieden und gehen wieder nach Hause.“ „Warum beginnt ihr einen Krieg, wenn ihr doch jetzt schon wisst, dass ihr wieder Frieden schliesst?“ Der General riss sein Pferd herum und galoppier-te an die Spitze der Armee, die, wie vorprogram-miert, weiter marschierend funktionierte, mit Pauken und Trompeten. Verdutzt sah ihm der Hirte hinterher und dachte über den IQ nach, ohne zu verstehen: „Sie haben keine Nächstenliebe, keine Ehrfurcht vor dem Leben, auch nicht vor dem eigenen, dar-um opfern sie es der Hab- und Machtgier, ermor-den sich gegenseitig und den Frieden. Sie ver-achten die Gewaltlosigkeit.“ Doch jetzt weiss er, was Weisheit ist. Dass nur mit Nächstenliebe der Frieden und somit die Werterfüllung allen Seins erarbeitet werden kann, wusste er längst, trotz seiner Dummheit, im Ge-gensatz zum generalisierten IQ. Er dachte an die einsam zurückgebliebenen jungen und alten Lei-denden, wischte sich die Tränen von den Augen und sagte: „Friede sei mit euch. Aber auch mit euch, die ihr hoch zu Ross sitzt und der Dummheit nicht ge-wahr werdet, die ihr reitet, oder reitet sie euch?“ Damals wussten sie allerdings noch nichts von Albert Schweitzers „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben.“ Und „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, war ihnen lächerlich. Und heute wollen sie immer noch nichts davon wissen und spötteln weiter!! Bitte antworte auf mmschnyder bluewin. Bitte @ und ch nicht vergessen