Subtitle: Glückstheorien zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Scholarly Essay, 2008, 18 Pages
Author: Jan Thomas Otte
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Details
Institution/College: University of Heidelberg (Theologische Fakultät)
Tags: Glück, Seminar, Segen, Segnen
Year: 2008
Pages: 18
Bibliography: ~ 32 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04547-6
ISBN (Book): 978-3-638-94346-8
File size: 282 KB
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Abstract
1. Wo begegnet uns spontan Glück? Das Internet, Glücksymbole, Bücher, Seminare, Ratgeber und Praxen sind voll mit der Suche nach diesem Begriff. Dabei kann man unter „Glück“ diverse Vorstellungen der Lebensführung subsumieren. Es gibt über 260 verschiedene professionelle philosophische Entwürfe und über drei Millionen deutschsprachige Webseiten zu diesem Thema! 2. Welche Nuancen verstehen wir primär von Glück? Eine erste Kategorisierung kann das Unterscheiden zwischen den „letzten Dingen“, transzendentaler Glückseligkeit und praktischer Lebenswirklichkeit andererseits sein. Dabei ist ersteres grundsätzlich nicht verfügbar, letzteres durch materielle Güter scheinbar begrenzt. Weiter lässt sich „Glück“ im Diesseits zerlegen in dauerhafte (happiness/well-being) und situationsbedingte Zustände (joy/pleasure). Diese wiederum können überwiegend psychisch als auch physiologisch wahrgenommen werden. Letzteres kann zur Sucht werden. 3. Welche Glückstheorien sollte man unter anderem kennen? 1. Aristoteles: Glück = Wesensgerechte Entfaltung menschlicher Anlagen (eudaimonia). Dazu gehören Vernunft, politisches Wirken uns Tugend, das Maßhalten zwischen Extremen. 2. Epikur: Glück = Lust als Prinzip gelingendes Lebens, dass Schmerz vermeiden will und sich auf die leidenschaftlichen Grundbedürfnisse des Menschen, wie Freunden, konzentriert. 3. Stoa: Glück = Ablehnen der Lust. Dafür aber Pflicht und Tugend als Lebensprinzip. Einheit mit dem natürlichen Kosmos und der Gemeinschaft durch Verdrängung persönlicher Leidenschaft. 4. Immanuel Kant: Glück = Moralisches Leitziel und Nebenprodukt der Tugend, indem der Mensch hedonistisch seinen Wünschen und Willen folgt. Glück kann diesseitig nicht erreicht werden, jedoch annähernd durch sittliches Verhalten. 5. Arthur Schopenhauer: Glück = Angeborener Irrtum unserer Existenz. Empfehlung, mehr auf die Persönlichkeit zu schauen statt materielle Güter anzustreben.
Excerpt (computer-generated)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Theologisches Seminar (WTS)
Thema: Glück was ist das?
Seminar: Segen und Segnen
Glück was ist das?
Glückstheorien zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Essay über die praktische Bedeutung von Glück und ein philosopi-
scher Abriss von den Sophisten bis zu Schopenhauer, Größen wie Sok-
rates und Kant und was sie uns heute noch zu sagen haben.
Inhaltsverzeichnis: Glück was ist das?
A. Meditation 3
B. Bestandsaufnahme als Annäherung: Wo begegnet uns Glück? 4
1. Interdisziplinäre Wortfelder: Was für Nuancen verstehen wir von Glück? 7
2. Philosophische Glückstheorien: Was ist das Wesen von Glück? 9
3. Philosophische Hintergründe 13
C. Literatur 16
A. Meditation
Was sind die philosophischen Hintergründe, die das praktische Erleben im Alltag erhellen?
Wie wichtig ist Glück für die Entfaltung ganzheitlichen Lebens? Wo liegt der Unterschied der
Zustände zwischen ,,glücklich" und ,,selig", den Kategorien des Utilitarismus, Nominalismus
und Hedonismus? Das Empfinden von Glück ist sowohl ein Gefühl als auch ein Zustand. Je-
sus knüpfte in seinen 9 Makarismen1 der Bergpredigt das Wohlergehen auch an Bedingungen
an, sanftmütig, gerecht und friedfertig zu sein.
Doch entscheidend in der Praxis sind häufig nicht objektive Tatsachen, sondern das subjekti-
ve Erleben der betreffenden Person. Glück bewegt sich zwischen spontanem, unerwartetem
Erleben und längerfristigem Erfahren, was in einem retrospektiven Reflexionsprozess, wie
z.B. das Erkennen von allem Grund zur Dankbarkeit, bemerkbar wird. Diese Erfahrung ist
mittelbar für Andere und bestärkt den eigenen Glauben, der Glückseligkeit zwischen dem
situativen Glücksfall, Glücksgütern und dem finalen Glücklich sein.
Glücksforscher verwenden dabei gerne den Begriff ,,subjektives Wohlbefinden". Ob Zufrie-
denheit, Lebensqualität oder Freude, im jugendlichen Jargon als ,,Flow": Philosophen be-
schäftigen sich schon lange mit der Frage: ,,Was ist Glück?" Dabei kamen sie zu sehr unter-
schiedlichen Auffassungen. Insbesondere beim eigenen Handeln, als dessen Resultat Glück
oder Unglück oft verstanden wurde.
1. Wo begegnet uns spontan Glück?
Das Internet, Glücksymbole, Bücher, Seminare, Ratgeber und Praxen sind voll mit der Suche
nach diesem Begriff. Dabei kann man unter ,,Glück" diverse Vorstellungen der Lebensfüh-
rung subsumieren. Es gibt über 260 verschiedene professionelle philosophische Entwürfe und
über drei Millionen deutschsprachige Webseiten zu diesem Thema!
2. Welche Nuancen verstehen wir primär von Glück?
Eine erste Kategorisierung kann das Unterscheiden zwischen den ,,letzten Dingen", transzen-
dentaler Glückseligkeit und praktischer Lebenswirklichkeit andererseits sein. Dabei ist erste-
res grundsätzlich nicht verfügbar, letzteres durch materielle Güter scheinbar begrenzt.
1
Matthäus 5,3-9:
3 Selig (Maka,rioi) sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. 4 Selig
sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. 5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das
Erdreich besitzen. 6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. 7
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 8 Selig sind, die reinen Herzens sind;
denn sie werden Gott schauen. 9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
3
Weiter lässt sich ,,Glück" im Diesseits zerlegen in dauerhafte (
happiness/well-being
) und si-
tuationsbedingte Zustände (
joy/pleasure
). Diese wiederum können überwiegend psychisch als
auch physiologisch wahrgenommen werden. Letzteres kann zur Sucht werden.
3. Welche Glückstheorien sollte man unter anderem kennen?
1.
Aristoteles
: Glück = Wesensgerechte Entfaltung menschlicher Anlagen (
eudaimonia
).
Dazu gehören Vernunft, politisches Wirken uns Tugend, das Maßhalten zwischen Extre-
men.
2.
Epikur
: Glück = Lust als Prinzip gelingendes Lebens, dass Schmerz vermeiden will und
sich auf die leidenschaftlichen Grundbedürfnisse des Menschen, wie Freunden, konzent-
riert.
3.
Stoa
: Glück = Ablehnen der Lust. Dafür aber Pflicht und Tugend als Lebensprinzip. Ein-
heit mit dem natürlichen Kosmos und der Gemeinschaft durch Verdrängung persönlicher
Leidenschaft.
4.
Immanuel Kant
: Glück = Moralisches Leitziel und Nebenprodukt der Tugend, indem der
Mensch hedonistisch seinen Wünschen und Willen folgt. Glück kann diesseitig nicht er-
reicht werden, jedoch annähernd durch sittliches Verhalten.
5.
Arthur Schopenhauer
: Glück = Angeborener Irrtum unserer Existenz. Empfehlung, mehr
auf die Persönlichkeit zu schauen statt materielle Güter anzustreben.
B. Bestandsaufnahme als Annäherung: Wo begegnet uns Glück?
,,Bist du denn glücklich?", fragt ein junger Mensch vorsichtig seinen Freund, der Probleme in
der Partnerschaft mit seiner Freundin hat. Es ist wohl das wichtigste, was heute unsere Bezie-
hungen zu Anderen, vor allem aber uns selbst, ausmacht: Glücklich sein. Hauptsache glück-
lich! Das scheint in Zeiten unsicherer Arbeitsplätze, wandelndem Klima und Patchwork-
Familien immer mehr ein relevantes Thema zu sein.
Ein neues Fragen nach Glück. Doch was ist das? Wohl etwas, das einfach wirksam als auch
schnell zu konsumieren ist. Möglichst unabhängig von religiösen Konventionen, Einschrän-
kungen und Bedingungen für das glückliche Erleben. Manche streben bescheiden danach in
ihrem Umfeld, andere wollen die totale Lustmaximierung solange das ihnen möglich ist.
Einige von ihnen nehmen dabei wenig Rücksicht auf Andere. Ist denn jeder seines Glückes
Schmied? Gibt es nicht auch Gründe, die für eine Jammer-Mentalität in unserem Land spre-
4
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