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Subtitle: Die ökonomische Relevanz der Werte in Wirtschaftsethik, Theologie und den Medien
Scholarly Essay, 2008, 9 Pages
Author: Jan Thomas Otte
Subject: Economics / Business: Business Ethics, Corporate Ethics
Details
Institution/College: University of St. Gallen
Tags: Profit, Prinzipien, Gallen, Symposium
Year: 2008
Pages: 9
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-05659-5
File size: 282 KB
Die Arbeit wurde nominiert zum St. Gallen Award Wings of Excellence, größter weltweiter Studentenwettbewerb.
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Abstract
Ökonomische Kontingenz und Kongruenz ethischen Wertemanagements: 1. Gute Sitten sind mehr als Marketing oder Strategie, sondern die Grundlage für die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens und damit für dessen langfristigen Erfolg. 2. Fast jedes Unternehmen hat heute Wertkodexe, zumindest formuliert auf der Website und Imagebroschüren. Viel wichtiger aber ist die Frage: Wie lebt man diese vor? 3. Konkurrenzdruck ist kein Hindernis, sondern eine Chance pragmatischer Implementierung ethischer Werte als allgemein verbindliche Normen in Unternehmen. 4. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Politik und Kirche, Kultur und Gesellschaft ist der Schlüssel zur Außenwirkung der eigenen Corporate Governance. 5. Das marktwirtschaftliche Prinzip kann im Einklang mit Nachhaltigkeitsimperativen stehen, um langfristig Wirtschaft und Ethik miteinander zu verzahnen.
Excerpt (computer-generated)
Jan Thomas Otte
Profit machen, Prinzipien beherzigen?
Impulse zur ökonomischen Relevanz der Werte im globalen Kapitalismus
in der Wirtschaftsethik, Theologie und den Medien
1. Preise als ökonomisch-relevante Werte unterm Strich der Gewinngleichung 2
2. Glaubwürdige Wertorientierung mit ganzheitlichem Nachhaltigkeits-Effekt 4
3. Ökonomische Kontingenz und Kongruenz ethischen Wertemanagements 5
4. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Politik und Kirche, Kultur und Gesellschaft ist
der Schlüssel zur Außenwirkung der eigenen Corporate Governance 7
5. Das marktwirtschaftliche Prinzip kann im Einklang mit Nachhaltigkeitsimperativen
stehen, um langfristig Wirtschaft und Ethik miteinander zu verzahnen. 7
1
1. Preise als ökonomisch-relevante Werte unterm Strich der Gewinnglei-
chung
Werte sind nicht gleich Werte, sondern werden intersubjektiv verstanden. Ohne
Kontext sind Werte weder moralisch noch wertend. Ursprünglich ist der Begriff Wert, mit
dem wir heute als
umbrella term
Grundwerte, Leitkulturen und Wertekodexe subsumieren
können, kein philosophisch-theologischer Begriff, sondern stammt aus der Nationalöko-
nomie. Während Aristoteles nach dem
eu sän
, also dem, was ein Leben zu einem guten
Leben macht, suchte, waren es Ökonomen wie Karl Marx oder Herbert Spencer, die nach
dem Mehrwert einer Sache fragten.
Weitere Anstrengungen von Unternehmen sind notwendig, ein Wertemanage-
ment in eine Ethik zu integrieren, die ,,einerseits nicht der ökonomischen Grundfärbung
des Wertebegriffs erliegt, anderseits aber auch metaphysische Übersteigerungen ins Abso-
lute vermeidet"1. Wertorientierte Konzerne können auf präskriptive Normen in allgemei-
nen Firmenphilosophien verzichten, wenn sie im Management vermehrt ihre subjektiv-
individuell entwickelten Werte fördern. Denn erst bei Entscheidungen mit moralischen
Konsequenzen haben Werte eine moralische Dimension, die über den eigenen ,,morali-
schen Kompass"2 individueller Werte hinaus geht.
Um ethische Handlungsmaßstäbe zum Leben zu erwecken, muss ein wertorien-
tiertes Unternehmen genau darum ins Gespräch mit seinen
Stakeholdern
kommen, die
vom Wert eines Unternehmens profitieren. Doch schaffen ethische Werte auch gleich fi-
nanziellen Mehrwert? Allein mit Gewinn-Hypothesen zu argumentieren ist nicht glaub-
würdig genug. Führungskräfte brauchen eine konsistente Haltung, eine klare ethische Ur-
teilsfähigkeit, um langfristig erfolgreich zu sein. Dazu gehört eine stärkere Bewusstseins-
orientierung3, d.h. ein positives Verständnis dafür, dass Werte in einem System, wo ris-
kantes Verhalten von Managern durch Unternehmen sehr stark belohnt wird, kein beliebig
verfügbarer Katalog mit kontrollierbarer Wirkung sind.
David Hume betonte, dass es eine kategoriale Differenz zwischen Sein und Sol-
len gebe4, man also nicht vom rein deskriptiven Modell zum normativen Imperativ schlie-
ßen kann. Jesus und seine Jünger sprachen nie explizit von Werten, jedoch von der Wahr-
heit. Platon sprach ebenfalls nicht von Werten, sondern von der Idee des Guten. Bis zur
1 Wieland, Josef, Die Ethik der Governance, in: Wieland, Josef (Hg.), Studien zur Governanceethik, Bd. 1,
Marburg 52007, S. 81.
2 Lennick, Doug u.a., Moral Intelligence. Wie Sie mit Werten und Prinzipien Ihren Geschäftserfolg steigern,
Heidelberg 2006, S. 86ff.
3 Enderle, Georges, Handlungsorientierte Wirtschaftsethik: Grundlagen und Anwendungen, in: St. Galler
Beiträge zur Wirtschaftsethik, Bd. 8, Stuttgart 1993.
4 Hume, David, A Treatise of Human Nature, Oxford 1978 (orig. 1740).
2
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff ,,Wert" ökonomisch verstanden und war
Gegenstand der Nationalökonomie, bis Herrmann Lotze die umfassendere Wertphiloso-
phie begründete. Doch Werte an sich sind zunächst subjektiv, kein
Mission Statement
auf
der Basis fest kodifizierbarer Grundwerte. Individuelle Werte, auf die sich eine größere
Zahl von Menschen einigt, schaffen Normen und nicht umgekehrt.
Ökonomen haben keine philosophische Werttheorie, sondern equilibrieren Wert
mit Preis als Gleichgewicht5 für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Der Wert eines Ge-
genstands ist davon abhängig, welche subjektive Bedeutung der Einzelne ihm zuschreibt.
Ökonomisch gesehen sind Preise ,,nichts anderes als aggregierte Wertvorstellungen"6. In
der Theologie sind Werte dagegen Verhaltensweisen wie das Fragen nach Wahrhaftigkeit,
Treue und Gerechtigkeit.
In der Philosophie hingegen liegt die Sache anders. Hier ist der Wertbegriff ,,das
Ergebnis einer Hypostasierung von Wertprädikaten".7 So ist ein Glas Wasser für einen
Schwimmbad-Besitzer weniger wertvoll als für einen verdurstenden Marathonläufer, der
bereits lediglich einen Schluck vom kostbaren Nass wertschätzen würde.8 Wenn es dabei
um Geld geht, wird der Käufer nur dann denjenigen Preis akzeptieren, der unter seinem
subjektiven Werteempfinden liegt. Im Kern divergieren ökonomische Werte von ethi-
schen Maßstäben.9 Ihre wissenschaftliche Konzeption und daraus resultierende Hand-
lungsempfehlungen werden kontrovers diskutiert.
5 Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG4), Art. ,,Wert/Werte", S. 1468.
6 McK Wissen, Das Magazin von McKinsey, 11. Ausgabe, ,,Wert", Hamburg 2004, S. 22.
7 Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Art. ,,Wert", S. 1108.
8 Oermann, Nils Ole, Anständig Geld verdienen? Protestantische Wirtschaftsethik unter den Bedingungen
globaler Märkte, Gütersloh 2008, S. 209.
9 Camenish, Paul F., Business Ethics: On Getting to the Heart of the Matter, in: Stackhouse, Max L. u.a.
(Hg.), On Moral Business, Classical and Contemporary Ressources for Ethics in Economic Life, Princeton
(USA) 1995, S. 587ff.
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