Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Diplomarbeit, 2000, 131 Seiten
Autor: Oliver Dehn
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Details
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft/Journalistik)
Tags: Amerikanisierung, Politik, Medien, Zusammenspiel, Publizistik, Politik, Perspektive, Studiengang, Diplom-Germanistik/Journalistik
Jahr: 2000
Seiten: 131
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-15888-6
Dateigröße: 392 KB
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Textauszug (computergeneriert)
Amerikanisierung der Politik durch die Medien?
Das Zusammenspiel von Publizistik und Politik
unter systemtheoretischer Perspektive.
DIPLOMARBEIT
im Studiengang Germanistik in der Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Verfasser: Oliver Dehn
11 / 2000
"...Die tatkräftigsten Verkörperungen dieses homo sensationalis waren fast alle in den Jahren zwischen 1910 und 1930 nach Hollywood gewandert und hatten dort eine psy-chische Erfüllung gefunden, wie sie in jeder anderen Epoche und an jedem anderen Ort undenkbar gewesen wäre..."
(F. Scott Fitzgerald: "Die Macht des geschriebenen Wortes", 1940)
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ... 6
Abkürzungsverzeichnis: ... 7
Einleitung ... 8
Kapitel 1 : Systemtheoretischer Ansatz ... 16
1.1 Das Verständnis von Systemen - Grundbegriffe der Systhemtheorie ... 17
1.1.1 Komplexität und Kontingenz ... 18
1.1.2 Sinn und Grenzen ... 19
1.1.3 Codierung und Programmierung ... 20
1.1.4 Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien ... 21
1.2 Funktionale Differenzierung und die Teilsysteme Politik und
Publizistik ... 22
1.2.1 Theorie funktional differenzierter Teilsysteme: ... 22
1.2.2 Modernisierung als Umstellung der Differenzierungsform: ... 25
1.2.3 Aus- und Binnendifferenzierungen: ... 27
1.3 Systembeiträge und Interdependenz ... 33
1.3.1 Funktionen und Leistungen: ... 33
1.3.2 Interdependenzen: ... 37
1.3.3 Steuerungsmedien - Publizität als Währung: ... 40
Kapitel 2 : Tendenzen in Gegenwartsgesellschaften ... 44
2.1 Versuch einer Lagebeschreibung ... 45
2.1.1 Moderne als Epoche der Entfaltung und Entgrenzung von
Kommunikation: ... 45
2.1.2 Amerikanisierung als Zeitdiagnose: ... 54
2.2 Aufmerksamkeitsökonomie ... 65
2.2.1 Relevanzsteigerung von Publizistik, Werbung und Public
Relations: ... 65
2.2.2 Gesellschaftliche Tauschmärkte: ... 75
Exkurs: Von Gauklern und Stars ... 83
Kapitel 3 : Intersystembeziehungen von Politik und Publizistik ... 88
3.1 Konsequenzen struktureller Kopplung ... 89
3.1.1 Darstellungszwänge und Camouflage: ... 90
3.1.2 Politische Kommunikation ... 96
3.2 Wahlkampf als Versuch, Anschlußkommunikation zu erzeugen ... 99
3.2.1 Resonanz ... 99
3.2.2 Der Transformationsprozeß von Geschenken ... 100
Schlußbetrachtung: Amerikanisierung -
Resümee eines Mißverständnisses? ... 106
Literaturliste ... 112
Anhang Abbildungen
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Publizität im Subsystem Journalismus II
Abb. 2 Publizität im Subsystem Werbung II
Abb. 3 Modell der Wahlkampfkommunikation III
Abb. 4 Aufbau des Funktionssystems Publizistik - Journalismus IV
Abb. 5 Aufbau des Funktionssystems Publizistik - Public Relations V
Abb. 6 Aufbau des Funktionssystems Publizistik - Werbung VI
Abb. 7 Transformationsmodell von Publizistik und Politik VII
Abb. 8 Anschluß fremdcodierter Kommunikation: Publizistik/Wirtschaft VIII
Abb. 9 Anschluß fremdcodierter Kommunikation: Publizistik/Politik VIII
Abb. 10 Typen und Akteure politischer Kommunikation IX
Abb. 11 Werbeausgaben und Pro-Kopf-Konsumausgaben in den USA X
Abb. 12 Amerikanisierungsmerkmale als historischer Prozeß IX
Einleitung
Eines der hervorstechenden Merkmale der Politik in der Demokratie ist ihr Mitteilungsreichtum: Politik hat mit Kommunikation zu tun. In plural verfaßten Gemeinwesen offenbart sich dieser Umstand traditionell in Form von Diskussionen, die in meist öffentlicher Form Kontroversen artikulieren, dabei durch Rede und Gegenrede, sowie durch den Redner selbst, verschiedenen Positionen ein Gesicht verleihen und so den Diskurs zu einer tragenden Säule der politischen Kultur institutionalisiert haben. Disputation ist somit die idealtypische (politische) Erscheinungsform von Rationalität (MÜNCH, 1986). Moderne Demokratien sind Verhandlungsdemokratien und daher sind es die Kommunikationen im öffentlichen Raum, die das Fundament des Politischen bilden. Dies gilt um so mehr, als wir es mit einer Ordnung zu tun haben, bei der die Geschicke Aller nicht vom Handeln Einzelner abhängen, sondern von einem fortwährenden Handlungs- und Kommunikationengeflecht verschiedener Akteure - auch und gerade korporativer Akteure.
Die Geschichte des kommunikativen, diskursiven Gemeinwesens reicht bis in die Antike zurück. Es war Solon von Athen, der um 594 v.Chr. als erster den Gedanken der Gesamtverantwortung der Bürgerschaft für das Ganze, die Polis, in einen reformierten Verfassungsentwurf zur Neuordnung Athens einbrachte.1 Zur Erlangung dieses Antrags, zur Begründung seiner Maßnahmen und zu ihrer späteren Rechtfertigung, hat sich Solon unmittelbar an die gesamte Bürgerschaft gewendet. „Er tat dies mittels Gedichten (Elegien), die er auf der Agora vortrug; beim ersten Mal erreichte er die Aufmerksamkeit für dieses (...) Verfahren, indem er sich als wahnsinnig gewordener Herold präsentierte“ (NIPPEL, 1991, S.19). Solon gelang noch eine direkte Vermittlung gesellschaftsimmanenter Zusammenhänge, ein Umstand, der sich grundlegend gewandelt hat: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“ (LUHMANN, 1996, S.9). Heutzutage kann man sich noch nicht einmal über Politik streiten, ohne die Komponente ihrer Vermittlung zumindest implizit zu berücksichtigen, denn bereits das strittige Thema oder der mit einem Thema verbundene Politiker - und selbst diese Zuordnung wurde meist massenmedial vermittelt - stellen eine Art Sekundärerfahrung des kollektiven Gedächtnisses dar. Die Bilder und Vorstellungen, die wir heute vom politischen Leben und seinen Akteuren haben, stammen meist nicht aus eigener Anschauung, sondern eher vom Zu-schauen, vom Rezipieren eines journalistischen Beitrags in Rundfunk und Presse.
Tauscht man sich im Alltag über Politik aus, so sind die gemeinsamen Wissensvorräte, die diese Kommunikation erst ermöglichen, in der Regel auch vermittelte Sinnbestände – Rezeptionsergebnisse aus der Publizistik. Gleiches gilt für ein beliebiges Sport- oder Kulturereignis ebenso, wie für Naturkatastrophen oder Börsenkurse.
Hinzu tritt bei der Politik das Problem der Abstraktheit des Gegenstandes, denn das Politische ist seinem Wesen nach nicht direkt zugänglich, weder als Struktur, noch als Prozeß. Ähnlich wie die Idee des Staates, bleibt das „Ding an sich“ sowohl inhaltlich als auch räumlich den Menschen fern, es bedarf daher der Vermittlung und der Übermittlung. Selbst die Akteure aus Fleisch und Blut, die Politiker, haben sich als reale Personen seit den Zeiten Solons unserem Blick und unserem Ohr entzogen - ausgenommen wir sitzen gerade auf der Zuschauertribüne eines Plenarsaales oder verfolgen eine Wahlkampfveranstaltung in räumlicher Kopräsenz „live“ mit. Die Agora der griechischen Polis ist aus unserer Welt ebenso verschwunden, wie der klassische Bote - die modernen Massenmedien sind hinzugetreten. Sie haben die öffentliche Kommunikation der antiken Foren in den Privatbereich des Haushalts geholt, mit Radio und Fernsehen gleichsam elektronische Foren geschaffen, die im Vergleich zu den antiken Vorbildern jedoch ungleich geringere Feedbackchancen eröffneten2 - „Entscheidendes Charakteristikum heutiger öffentlicher Kommunikation ist ihre institutionalisierte Unpersönlichkeit“ (RÜHL, 1980, S.243). Die modernen Massenmedien bedingen wohl auch den Verlust an Unmittelbarkeit und Sinneserfahrung, sind jedoch kaum ursächlich dafür. Es ist vielmehr die allgemeine Entwicklung hin zur Neuzeit, u.a. sind zu nennen der Flächenstaat und die moderne „wissenschaftlich-technische Zivilisation“ (RONNEBERGER, 1978[a]) als Massengesellschaft, die eine generelle Mittelbarkeit von Erleben und Erfahrung bedingen - eine „time-space-distanciation“ – wie etwa GIDDENS (1990) meint, als Ausdruck gesellschaftlicher Modernität. Fest steht also: „Ein großer Teil des politischen Handelns ist heute öffentliche Kommunikation“ (MÜNCH, 1992). Auf Politik kann man daher kaum eingehen, ohne das Mediensystem, die Publizistik zu berücksichtigen und umgekehrt. Der kleinste gemeinsame Nenner lautet daher zunächst: Es besteht eine Beziehung. Von welcher Art und Beschaffenheit dieser Zusammenhang ist, soll diese Arbeit untersuchen.
Als Themen und Forschungsfelder sind Politik und Kommunikation aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz dieser Beziehung und v.a. durch die Expansion der Massenmedien und ihren Wandel unter dem Titel „politische Kommunikation“ zu einem stark beachteten Gegenstand gerade der Kommunikationswissenschaft geworden.
Der Zugang zur Erforschung der Zusammenhänge von Politik und Kommunikation läuft dabei meistens auf zwei Grundfragen hinaus:
1) Auf welche Weise bestimmt Kommunikation den politischen Prozeß?
2) Auf welche Weise bestimmt Politik die gesellschaftliche Kommunikation?
(SCHULZ, 1991).
Beiden Positionen gemeinsam ist, daß unter Kommunikation meistens öffentliche Kommunikation, also Massenkommunikation mit publizistischen Medien, verstanden wird. Außerdem wird bei beiden Zugangsweisen ein jeweils unterschiedliches Abhängigkeits- oder Determinierungsverhältnis unterstellt, gewissermaßen ein Beziehungsgefälle der gegenseitigen Einflußnahme.3 Unbeachtet bleibt bei einer solchen a priori Schwerpunktlegung meist die neutrale Position als mögliche dritte Konfiguration und Zugangsweise. Diese wird repräsentiert von der theoretischen Konzeption nichthierarchischer, getrennter und funktional differenter Teilsysteme von Gesellschaft und ihren spezifischen Leistungserbringungen füreinander. MARCINKOWSKI (1993) spricht von der Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels weg von mechanistischen Beeinflussungsmodellen gesellschaftlicher Teilbereiche durch hierarchische Steuerung, hin zu der modifizierten Sichtweise gesellschaftlicher Selbststeuerung, wie sie von der neueren Systemtheorie repräsentiert wird.
Mit der Wahl einer makroperspektivischen, systemtheoretischen Perspektive auf das Zusammenspiel von Publizistik und Politik, soll somit auch eine unvoreingenommene theoretische Position eingenommen werden.
[...]
1 Zu politischen Theorien der griechisch-römischen Antike, vgl. Nippel, 1991.
2 Teilweise wird Massenkommunikation als interaktionsfreie Kommunikation klassifiziert, vgl. Gö rke/ Kohring, 1996. Das Internet hält zwar Gesprächsforen in großer Anzahl bereit, deren Charakter jedoch ein gänzlich anderer ist, als eine klassische face-to-face Rede- oder Versammlungssituation, die durch die Möglichkeit direkter Intervention, über ein weit größeres Maß an Spontaneität und ein breiteres Spektrum von Humankommunikation verfügt. Man denke etwa an die ad-hoc-Redner an der Londoner Hydeparkcorner.
3 Es scheint analytisch weniger sinnvoll, eine Dominanz-Dependenz-Beziehung bereits als gegeben in bezug auf ein bestimmtes Beziehungsgefüge wie etwa das von Politik und Publizistik oder auch von Publizistik und Ökonomie zu unterstellen. Hinsichtlich einer komplexen, funktional ausdiffernzierten Gesellschaft gar von einem symbiotischen „Supersystem“ zu sprechen (vgl. Plasser, 1985), erscheint dagegen unlogisch.
Kommentare
Bisher keine Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Vertriebscontrolling: Ziele, Aufgaben und Instrumente
Autor: Markus A. WiemannWirtschaft - Handel und Distribution, 2003 Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Einfluss durch Massenmedien am Beispiel der Kriegsberichterstattung des Irak Krieges - Instrumentalisierung der Medien durch die Regierung
Autor: Jacqueline AhnertSoziologie - Medien, Kunst, Musik, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 34,90 EUR
Konvergenz von Internet und Fernsehen - Strategische Implikationen für private Fernsehsender
Autor: Svenja KressMedien / Kommunikation - Medienökonomie, -management, 2001 Als PDF-Datei downloaden für 19,99 EUR
Bedeutung des unternehmerischen Personalrisikomanagements
Autor: Manuel RauschenbergWirtschaft - Personal und Organisation, 2003 Als PDF-Datei downloaden für 7,99 EUR
Max Webers Protestantismusthese - eine Darstellung unter Berücksichtigung ausgewählter Kritiker
Autor: Martin VeselySoziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 8,99 EUR
Veränderungen des Dualen Systems durch die digitalisierung des Fernsehens?
Autor: Andre KaiserMedien / Kommunikation - Medienökonomie, -management, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 34,90 EUR
Zu: Max Webers "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus"
Autor: Eike FreeseSoziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen, 1999 Als PDF-Datei downloaden für 8,99 EUR
Strukturwandel in der Fernsehindustrie - Digitalisierung, Konvergenz und Wertschöpfung
Autor: Sven KatschnigMedien / Kommunikation - Film und Fernsehen, 2002 Als PDF-Datei downloaden für 29,90 EUR
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: