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Agnes Karll und die Entwicklung der freiberuflichen Krankenpflege in Deutschland

Hausarbeit, 2007, 24 Seiten
Autor: Julian Först
Fach: Pflegewissenschaften

Details

Veranstaltung: Pflegewissenschaft 1
Institution/Hochschule: Hochschule Fulda
Tags: Agnes, Karll, Entwicklung, Krankenpflege, Deutschland, Pflegewissenschaft
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 24
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V91181
ISBN (E-Book): 978-3-638-04586-5

Dateigröße: 1424 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die vorliegende Hausarbeit zeigt die Arbeitsbedingungen in der Krankenpflege um 1900, sowie den Verlauf der Erfolge Agnes Karlls und ihrer Berufsorganisation auf. Sie geht dann auf die weitere Organisationsentwicklung bis heute ein. Zusätzlich findet sich im Anhang zur besseren Einschätzung der Person Agnes Karll eine Biografie. Für die Hausarbeit wichtigste Quelle war das autobiografieähnliche Buch „Agnes Karll – Die Reformerin der deutschen Krankenpflege“ von Anna Sticker. Gerade während der Biografierecherche und der Erarbeitung der Entwicklung der Berufsorganisation zeigte sich, dass mit dem Inhalt und Briefen aus „erster Hand“ sehr gut zu arbeiten war. Auch Magdalene Rübenstahl griff in ihrem Buch „Wilde Schwestern“ zur Aufbereitung neben Originalartikeln aus damaligen (Fach-) Zeitschriften besonders auf Sticker zurück. Rübenstahls Magistra-Arbeit verschaffte mir einen aufschlussreichen Überblick über die Problematik der damals in der Privatpflege Tätigen und den unhaltbaren Bedingungen in der Krankenpflege vor 1900. „Vom ‚Lazaruskreuz’ zu ‚Pflege aktuell’“ von Marianne Schmidbaur stellt die Hauptquelle für den Bereich Entwicklung der „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands“ (B.O.K.D.) ab dem Ersten Weltkrieg bis hin zum „Deutschen Verband für Krankenpflege“ (DBfK) dar.


Textauszug (computergeneriert)

Hochschule Fulda

Fachbereich Pflege und Gesundheit

Studiengang

Pflege (B. Sc.)

1. Fachsemester

HAUSARBEIT

Agnes Karll

und die Entwicklung der freiberuflichen

Krankenpflege in Deutschland

Modul 1: Pflegewissenschaft I

WS 2006/2007

Verfasser:

Julian Först

Abgabetermin:

28. Februar 2007


INHALTSVERZEICHNIS

1

Einleitung 2

2

Voraussetzungen in der Krankenpflege vor 1900 3

3

Veränderungen durch Agnes Karll und die B.O.K.D. 7

3.1 Erste Schritte die Bedingungen der Krankenpflege zu verbessern 7

3.2 Gründung der B.O.K.D. und ihre Mitwirkung im ICN 9

4

Von der B.O.K.D. über den Agnes Karll-Verband zum DBfK 13

4.1 Erster Weltkrieg und Weimarer Republik 13

4.2 NS-Zeit und Neuformierung ab 1945 14

4.3 Die Entwicklung vom AKV zum DBfK 15

5

Zusammenfassung und Schlusswort 17

6

Anhang: Agnes Karll ­ Eine Biografie 18

7

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis 21

8

Literaturverzeichnis 22

1


1

Einleitung

Um 1900 stand die Organisation der Krankenpflege im Blickpunkt der öffentlichen

Diskussion.

Die

bisherigen

Strukturen

der

aufopfernden

,,gottgefällige[n]

,Liebestätigkeit′" (Schmidbaur 2002: 59), die die Mutterhäuser vertraten und

daneben die Verhältnisse der meist unqualifizierten ,,Krankenwartung" niedriger

Schichten verlangten geradezu eine Reformierung, um den gestiegenen

medizinischen Anforderungen gerecht zu werden. Im Zuge der Frauenbewegung

und der Emanzipation kämpfte Agnes Karll, die nach zehnjähriger Tätigkeit in der

Krankenpflege am Rande des körperlichen Ruins stand, energisch an der

Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Ausbildung mit ihren Mitstreiterinnen in

ihrem neu gegründeten Berufsverband.

Die vorliegende Hausarbeit zeigt die Arbeitsbedingungen in der Krankenpflege um

1900, sowie den Verlauf der Erfolge Agnes Karlls und ihrer Berufsorganisation auf.

Sie geht dann auf die weitere Organisationsentwicklung bis heute ein. Zusätzlich

findet sich im Anhang zur besseren Einschätzung der Person Agnes Karll eine

Biografie.

Für die Hausarbeit wichtigste Quelle war das autobiografieähnliche Buch ,,Agnes

Karll ­ Die Reformerin der deutschen Krankenpflege" von Anna Sticker. Gerade

während der Biografierecherche und der Erarbeitung der Entwicklung der

Berufsorganisation zeigte sich, dass mit dem Inhalt und Briefen aus ,,erster Hand"

sehr gut zu arbeiten war. Auch Magdalene Rübenstahl griff in ihrem Buch ,,Wilde

Schwestern" zur Aufbereitung neben Originalartikeln aus damaligen (Fach-)

Zeitschriften besonders auf Sticker zurück. Rübenstahls Magistra-Arbeit verschaffte

mir einen aufschlussreichen Überblick über die Problematik der damals in der

Privatpflege Tätigen und den unhaltbaren Bedingungen in der Krankenpflege vor

1900.

,,Vom ,Lazaruskreuz′ zu ,Pflege aktuell′" von Marianne Schmidbaur stellt die

Hauptquelle

für

den

Bereich

Entwicklung

der

,,Berufsorganisation

der

Krankenpflegerinnen Deutschlands" (B.O.K.D.) ab dem Ersten Weltkrieg bis hin zum

,,Deutschen Verband für Krankenpflege" (DBfK) dar.

2


2

Voraussetzungen in der Krankenpflege vor 1900

Die Krankenpflege um die Jahrhundertwende war ausschließlich geprägt von den

kirchlichen Mutterhäusern und Ordensgemeinschaften, die ihren Schülerinnen eine

schon damals veraltete, strenge und völlig unzureichend geregelte ,,Ausbildung"

boten. Selbst die sich damals in Deutschland formierende ,,neue" Organisation

,,Rotes Kreuz" übernahm für die Pflegeausbildung von Frauen das alt hergebrachte

System der Mutterhäuser, was ein deutsches Phänomen darstellt (vgl. Seidler 1993:

206). ,,Damit trafen Organisationsmuster aus alten religiösen Gemeinschaften mit

noch zu besprechenden Vorstellungen von der Stellung der Frau in der bürgerlichen

Gesellschaft zusammen, deren gegenseitige Auseinandersetzung den inneren

Aufbau und die äußere Erscheinungsform der Schwesternschaften in der Folge stark

beeinflusste." (Seidler 1993: 206f)

Eine statistische Erhebung des Kaiserreichs 1876 ermittelte, dass 87% der

insgesamt 8681 Frauen mit Tätigkeit in der Krankenpflege auf rein caritativer Basis

arbeiten. Die Anzahl der Schwestern ist proportional gesehen auf die damalige

Gesamtbevölkerungszahl von 43 Millionen verschwindend gering. Nur 6%, bzw. 7 %

waren unabhängig von der Kirche beim Roten Kreuz oder in der freiberuflichen

Pflege (gegen Entgelt) tätig (vgl. Seidler 1993: 207).

Es herrschten härteste Arbeitsbedingungen für die Schwestern in Mutterhäusern,

weshalb in den 1880er Jahren der Anteil der ,,wilden Schwestern" (also die in der

freiberuflichen Krankenpflege Tätigen) auf über 20% anstieg (vgl. Seidler 1993: 211).

Gründe für die ,,Verselbstständigung" in die freie Krankenpflege waren vor allem die

körperliche Ausbeutung und die Reglements der konfessionellen Häuser, bessere

Verdienstmöglichkeiten (vgl. Seidler 1993: 211), sowie der wachsende Bedarf an

Pflegenden sowohl im privaten -, als auch im öffentlichen Krankenhausbereich.

Die Arbeitsbedingungen in den Mutterhäusern kennzeichnen folgende Merkmale:

· 15 und mehr Arbeitsstunden pro Tag, dafür nur ,,Taschengeld"

· Keine Erholungszeiten und keinen Anspruch auf Jahresurlaub

· Fehlende Absicherung im Krankheits- oder Rentenfall

· Hohe Krankheitsanfälligkeit, Suizidgefährdung

· Ungeregelte Ausbildung, daher auch schlecht ausgebildete Pflegende, die

den Berufsstand in Misskredit zu bringen drohten

· Absolute Gehorsamspflicht gegenüber den Oberinnen

· Aufgabengebiet umfasste neben pflegerischen genauso hauswirtschaftliche

Tätigkeiten

(vgl. Seidler 1993: 211 und Rübenstahl 1994: 39)

3


Besonders Keuschheit, das Armutsgelübde und der Liebesdienst am Nächsten

(nach dem Vorbild der ,,Imitatio Dei") standen entgegen dem Konzept einer

spezifizierten

Ausbildung

im

Vordergrund

(vgl.

Rübenstahl

1994:

26f).

Gesellschaftlich wurde Krankenpflege entweder als ,,barmherzige Liebestätigkeit"

(von Mutterhäusern geprägte Einstellung) oder als missachtete Lohnarbeit

(Privatkrankenpflege) gesehen (vgl. Rübenstahl 1994: 15). Gegen Ende des 19.

Jahrhundert war das bloße ,,Lohnwartetum" für ,,Siechenanstalten" nicht mehr

ausreichend. Mit fortschreitender Medizin stiegen auch die Anforderungen an das

Pflegepersonal, das bis dato nicht ausgebildet war.

Theodor Fliedner war Begründer der Diakonissenanstalt Kaiserswerth, wo auch

Florence Nightingale Seminare besuchte, und er entwickelte nach konservativem

Bild um 1836 das Prinzip der Diakonissenhäuser (vgl. Rübenstahl 1994: 39). Doch

nur das Konzept einer mehrmonatigen krankenpflegerischen Ausbildung wurde vom

Ausland kopiert ­ das Konzept der Mutterhäuser blieb beim deutschen Insel-Dasein.

Ostner und Krutwa-Schott (1980, in: Rübenstahl 1994: 33) bringen es auf den Punkt:

,,Hier beginnt das Mutterhausprinzip in das Prinzip ,Arbeitshaus′ frühkapitalistischer

Prägung, [...] [mit] Arbeit als Lebensinhalt ohne vertraglich geregelte Entlohnung

oder vertraglich ausgehandelte Arbeitszeit [...], überzugehen."

Großer Vorteil des Mutterhaussystems waren die geringen Kosten für die Hospitale.

Gerade gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als viele neue Krankenhäuser erbaut

wurden, bestand größerer Bedarf an Pflegepersonal. ,,Proletarisierung und

Pauperisierung weiter Bevölkerungskreise, Kriege und Verstädterung erzeugten

einen Bedarf neuartiger medizinischer Massenversorgung." (Rübenstahl 1994: 39).

So scheint es nur verständlich, dass dann auch städtische Kliniken auf das

bewährte, kostengünstige System zurückgriffen (vgl. Rübenstahl 1994: 34).

Zusätzlich gliederte sich das System bestens in die gesellschaftlichen Strukturen ein.

Unverheiratete Frauen wussten sich im Mutterhaus gesellschaftlich geachtet und

abgesichert; dem damaligen Frauenbild wurde voll entsprochen (vgl. Kapitel 5); die

Ärzte wurden durch besser geschultes Personal unterstützt und vermochten sogleich

ihr Berufsfeld, analog zum Frauenbild, dem der Krankenpflege überzuordnen. Man

kann geradezu von einer Erfolgswelle der Mutterhäuser sprechen, da die

Krankenhäuser von pflichtbewussten, streng erzogenen jungen Frauen profitierten,

anders als vom zuvor teuer bezahlten Lohnwartepersonal, das oftmals männlich und

unqualifiziert gewesen ist (vgl. Rübenstahl 1994: 34f).

4



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