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Workout und Turnaround als Geschäftsfeld für Banken?

Subtitle: Eine neo-institutionalistische Analyse vor dem Hintergrund der Wertschöpfungsarchitektur von Problemkrediten

Diploma Thesis, 2007, 121 Pages
Author: Dipl. Oec. Sebastian Gröll
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2007
Pages: 121
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 140  Entries
Language: German
Archive No.: V91426
ISBN (E-book): 978-3-638-04629-9

File size: 428 KB

Abstract

„Hätte die Automobilindustrie eine dem Banksektor vergleichbare Fertigungstiefe, dann müsste sie die Rinder züchten, aus deren Häuten das Leder der Autositze gefertigt wird. Wie dieses häufig in der einschlägigen Literatur auffindbare Zitat überspitzt formuliert verdeutlicht, steht der deutsche Bankensektor vor einer grundlegenden Konsolidierungphase. Die gesamte Wertschöpfungskette einer Bank muss im Rahmen einer make-or-buy-Analyse kritisch unter Risiko- und Ertragsgesichtspunkten untersucht und daraufhin neu strukturiert werden. Gerade im Bereich des Kreditgeschäfts sieht hierbei die Wissenschaft großen Handlungsbedarf. In nahezu allen großen deutschen Banken nimmt das Kreditgeschäft eine überragende Stellung ein. Jedoch wird dieser Bereich in den letzten Jahren aufgrund einer drastischen Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen negativ belastet. Die Banken sehen sich aufgrund hoher Forderungsverluste mit sinkenden Erfolgsmargen und steigenden Risikokosten konfrontiert. Vergleicht man die Insolvenzzahlen des Statistischen Bundesamtes der Jahre 1980 und 2006, so kann man einen enormen Anstieg von knapp 6000 auf über 30000 Unternehmensinsolvenzen feststellen. Betrachtet man jedoch eine Insolvenz aus dem Blickwinkel des Wettbewerbsprinzips, so stellt man fest, dass ein geordnetes Wirtschaftssystem Voraussetzungen etablieren muss, damit erfolglose Unternehmen durch ein Abwicklungsverfahren aus dem Markt ausscheiden. Ein solches Verfahren muss auch derart gestaltet sein, dass es Unternehmen vor einem Marktausschluss bewahrt, die sich lediglich temporär in einer Notsituation befinden. Somit bestehen grundsätzlich stets zwei Handlungsoptionen im Falle eines notleidenden Kredites: Die Durchführung eines Workouts (Abwicklung) oder bei begründeter Hoffnung auf einen erfolgreichen Fortbestand eines Turnarounds (Sanierung) des insolvenzbedrohten Unternehmens. Des Weiteren übt eine zweite reibende Kraft Einfluss auf die Bankenbranche aus, nämlich die in der Institutionenökonomik dargestellten Prozesse und Entwicklungen. Diese erfassen nicht nur die Branche der Banken, sondern das gesamte Wirtschaftssystem und führen durch sinkende Transaktionskosten sowie einer starken Vernetzungstendenz zu einer Dekonstruktion der Wertschöpfungsarchitektur auf nahezu allen Stufen des Unternehmens. Kombiniert man diese beiden Gegebenheiten miteinander so bietet sich für die Bankenbranche ein attraktives neues Geschäftsfeld in Form eines optimalen Problemkreditmanagements.


Excerpt (computer-generated)

Universität Hohenheim
Fakultät W: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Institut für Betriebswirtschaftslehre
Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen

Diplomarbeit

Workout und Turnaround als Geschäftsfeld für Banken? -

Eine neo-institutionalistische Analyse vor dem Hintergrund
der Wertschöpfungsarchitektur von Problemkrediten

von

Sebastian Gröll

Studiengang: Wirtschaftswissenschaften
Eingereicht am: 22. August 2007

 

 

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS ...  II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS ...  V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS  ...  VI
TABELLENVERZEICHNIS ...  VII

1. PARADIGMENWECHSEL IM KREDITGESCHÄFT?  ...  1
1.1. PROBLEMSTELLUNG ...  1
1.2. ZIELSETZUNG ...  2
1.3. GANG DER ARBEIT  ...  3

2. GRUNDLAGEN ...  5
2.1. DEFINITIONEN UND ABGRENZUNGEN ...  5
2.1.1. Problemkredit  ...  5
2.1.2. Turnaround und Workout  ...  6
2.1.3. Neue Institutionenökonomik  ...  7
2.1.4. Wertschöpfungsarchitektur ...  9
2.2. AKTUELLE ENTWICKLUNGEN AUF DEM DEUTSCHEN MARKT FÜR PROBLEMKREDITE  ...  11
2.3. INSOLVENZRECHTLICHE GRUNDLAGEN ...  13
2.4. URSACHEN UND BETROFFENE ANSPRUCHSGRUPPEN ...  14
2.4.1. Ursachen für Unternehmensinsolvenzen  ...  14
2.4.2. Betroffene Anspruchsgruppen bei einer Insolvenz  ...  15

3. DIE WERTSCHÖPFUNGSKETTE IN BANKEN  ...  17
3.1. DIE WERTKETTE ALS THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN ...  17
3.1.1. Das Grundmodell der Wertschöpfung von Porter ...  17
3.1.2. Bankbetriebliche Besonderheiten der Leistungserstellung ...  20
3.1.3. Deppes faktortheoretische Ansatz der Wertschöpfung in Banken  ...  22
3.1.4. Weiterentwicklungen ...  23
3.2. AUFSICHTSRECHTLICHE REGELUNGEN IN BEZUG AUF DIE WERTSCHÖPFUNGSKETTE IN BANKEN ...  25
3.2.1. Kreditwesengesetz insbesondere §25a Abs. 2 KWG ...  25
3.2.2. Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MaK) und neue Basler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II)  ...  26
3.3. WERTSCHÖPFUNGSARCHITEKTUREN IN DER BANKENBRANCHE ...  27
3.3.1. Banks as Layer Player  ...  28
3.3.2. Banks as Market Maker  ...  28
3.3.3. Banks as Orchestrators ...  29
3.3.4. Banks as Integrators  ...  29
3.4. DIE KREDITWERTSCHÖPFUNGSKETTE IN BANKEN  ...  30
3.4.1. Die Wertschöpfung in Banken  ...  30
3.4.2. Die Kreditwertschöpfung in Banken ...  32
3.4.3. Potentielle Kreditwertschöpfungsarchitekturen  ...  34
3.5. DIE PROBLEMKREDITWERTSCHÖPFUNGSKETTE  ...  36
3.5.1. Allgemeiner Teil der Problemkreditwertkette ...  37
3.5.1.1. Übernahme des Problemkredits  ...  37
3.5.1.2. Analyse der Krisenursachen  ...  37
3.5.1.3. Sanierungsprüfung  ...  38
3.5.2. Die Turnaround-Wertschöpfungskette ...  41
3.5.2.1. Sanierungsprüfung  ...  41
3.5.2.2. Bestandsaufnahme  ...  41
3.5.2.3. Wahl des Sanierungskonzeptes ...  42
3.5.2.4. Finanzwirtschaftliche Sofortmaßnahmen  ...  43
3.5.2.5. Leistungswirtschaftliche Maßnahmen  ...  45
3.5.2.6. Rückführung des Engagements  ...  46
3.5.3. Die Workout-Wertschöpfungskette  ...  47
3.5.3.1. Übergabe an die Workoutabteilung  ...  47
3.5.3.2. Umfassende Bestandsaufnahme  ...  48
3.5.3.3. Wahl des Abwicklungskonzeptes  ...  48
3.5.3.4. Sicherheitenprüfung ...  50
3.5.3.5. Sicherheitenverwertung  ...  51
3.5.3.6. Abschluss und Erfolgsmessung  ...  52
3.6. RESTRUKTURIERUNG DER WERTSCHÖPFUNGSKETTE  ...  54
3.6.1. Das Konzept des Sourcing  ...  54
3.6.2. Entscheidungskriterien für eine Rekonstruktion der Wertkette  ...  54
3.6.2.1. Strategische Überlegungen  ...  54
3.6.2.2. Produktionskosten-Perspektive ...  55
3.6.2.3. Ansätze der Neuen Institutionenökonomik ...  55
3.7. THESENARTIGE ZUSAMMENFASSUNG DES KAPITELS  ...  56

4. KREDITPORTFOLIOMANAGEMENT VON BANKEN  ...  57
4.1. PARADIGMENWECHSEL IM KREDITPORTFOLIOMANAGEMENT  ...  57
4.2. NEOINSTITUTIONELLE ANALYSEMAßSTÄBE  ...  59
4.2.1. Analysekriterien aus der Property-Rights-Theorie ...  59
4.2.2. Analysekriterien aus der Principal-Agent-Theorie ...  62
4.2.3. Analysekriterien aus der Transaktionskosten-Theorie  ...  66
4.3. DARSTELLUNG DER ZENTRALEN KERNKOMPETENZEN EINER BANK ...  69
4.3.1. Marktzugangsbezogene Kernkompetenzen  ...  69
4.3.1.1. Vertriebskompetenz  ...  70
4.3.1.2. Kontaktkompetenz  ...  70
4.3.1.3. Kundenbindungskompetenz ...  71
4.3.2. Funktionalitätsbezogene Kernkompetenzen  ...  72
4.3.2.1. Abwicklungskompetenz ...  72
4.3.2.2. Infrastrukturkompetenz ...  73
4.3.2.3. Transformationskompetenz  ...  73
4.3.3. Integritätsbezogene Kernkompetenzen  ...  74
4.3.3.1. Führungskompetenz ...  74
4.3.3.2. Kommunikations- und Informationskompetenz  ...  75
4.3.3.3. Strategiekompetenz ...  75
4.4. NEO-INSTITUTIONALISTISCHE ANALYSE DER DARGESTELLTEN KERNKOMPETENZEN  ...  77
4.5. REKONSTRUKTION DER PROBLEMKREDITWERTSCHÖPFUNGSARCHITEKTUR  ...  80
4.5.1. Analyse des allgemeinen Teils der Problemkreditwertschöpfungskette  ...  82
4.5.1.1. Ursachenanalyse  ...  82
4.5.1.2. Sanierungsprüfung  ...  82
4.5.2. Analyse der Turnaround-Wertschöpfungsarchitektur  ...  84
4.5.2.1. Bestandsaufnahme  ...  84
4.5.2.2. Sanierungskonzeption ...  84
4.5.2.3. Finanzwirtschaftliche Sofortmaßnahmen  ...  85
4.5.2.4. Leistungswirtschaftliche Maßnahmen  ...  86
4.5.2.5. Rückführung und Kontrolle  ...  86
4.5.3. Analyse der Workout-Wertschöpfungsarchitektur ...  88
4.5.3.1. Abwicklungskonzeption  ...  88
4.5.3.2. Sicherheitenprüfung ...  88
4.5.3.3. Sicherheitenverwertung  ...  89
4.5.3.4. Abschluss und Kontrolle ...  89
4.6. Ergebnisse der Untersuchung und Rekonstruktion  ...  91

5. AUSBLICK UND „LITERATURE REVIEW“  ...  93

6. LITERATURVERZEICHNIS ...  96

7. ANHANG ...  111

 

 

 

1. Paradigmenwechsel im Kreditgeschäft?

1.1. Problemstellung

„Hätte die Automobilindustrie eine dem Banksektor vergleichbare Fertigungstiefe, dann müsste sie die Rinder züchten, aus deren Häuten das Leder der Autositze gefertigt wird.“1 

Wie dieses häufig in der einschlägigen Literatur auffindbare Zitat überspitzt formuliert verdeutlicht, steht der deutsche Bankensektor vor einer grundlegenden Konsolidierungphase. Die gesamte Wertschöpfungskette einer Bank muss im Rahmen einer make-or-buy-Analyse kritisch unter Risiko- und Ertragsgesichtspunkten untersucht und daraufhin neu strukturiert werden. Gerade im Bereich des Kreditgeschäfts sieht hierbei die Wissenschaft großen Handlungsbedarf. 2

In nahezu allen großen deutschen Banken nimmt das Kreditgeschäft eine überragende Stellung ein. Jedoch wird dieser Bereich in den letzten Jahren aufgrund einer drastischen Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen negativ belastet. Die Banken sehen sich aufgrund hoher Forderungsverluste mit sinkenden Erfolgsmargen und steigenden Risikokosten konfrontiert. Vergleicht man die Insolvenzzahlen des Statistischen Bundesamtes der Jahre 1980 und 2006, so kann man einen enormen Anstieg von knapp 6000 auf über 30000 Unternehmensinsolvenzen feststellen.3

Betrachtet man jedoch eine Insolvenz aus dem Blickwinkel des Wettbewerbsprinzips, so stellt man fest, dass ein geordnetes Wirtschaftssystem Voraussetzungen etablieren muss, damit erfolglose Unternehmen durch ein Abwicklungsverfahren aus dem Markt ausscheiden. Ein solches Verfahren muss auch derart gestaltet sein, dass es Unternehmen vor einem Marktausschluss bewahrt, die sich lediglich temporär in einer Notsituation befinden. Somit bestehen grundsätzlich stets zwei Handlungsoptionen im Falle eines notleidenden Kredites: Die Durchführung eines Workouts (Abwicklung) oder bei begründeter Hoffnung auf einen erfolgreichen Fortbestand eines Turnarounds (Sanierung) des insolvenzbedrohten Unternehmens.4

Des Weiteren übt eine zweite treibende Kraft Einfluss auf die Bankenbranche aus, nämlich die in der Institutionenökonomik dargestellten Prozesse und Entwicklungen. Diese erfassen nicht nur die Branche der Banken, sondern das gesamte Wirtschaftssystem und führen durch sinkende Transaktionskosten sowie einer starken Vernetzungstendenz zu einer Dekonstruktion der Wertschöpfungsarchitektur auf nahezu allen Stufen des Unternehmens. Veränderte Marktbedingungen, abweichende Unternehmensgestaltungen sowie neue Geschäftsmodelle sind die Folgen.5

Kombiniert man diese beiden Gegebenheiten miteinander, also einen wachsenden Markt für Unternehmensinsolvenzen auf der einen Seite und neue Organisationsmöglichkeiten im Rahmen der neoinstitutionalistischen Entwicklungen auf der anderen Seite, so bietet sich für die Bankenbranche ein attraktives neues Geschäftsfeld in Form eines optimalen Problemkreditmanagements. Die Darstellung dieser Sachverhalte soll Zweck dieser Ausarbeitung sein und nun in der folgenden Zielsetzung verdeutlicht werden.

1.2. Zielsetzung

Wie vorhergehend beschrieben, soll in dieser Ausarbeitung der Workout- beziehungsweise Turnaroundprozess einer neoinstitutionalistischen Analyse unterzogen werden, um potentielle Geschäftsfelder innerhalb der Wertschöpfungsarchitektur zu identifizieren, in denen die Bank Kernkompetenzen sowie Kosten- oder Wettbewerbsvorteile aufweist.

Die nachfolgenden Ausführungen sollen einen prozessualen Bezugsrahmen durch die Wertschöpfungskette generieren, um auf Basis dieser Architektur einzelne Prozesse herausgreifen zu können, die dann einer neoinstitutionalistischen Analyse unterzogen werden. Eine Analyse anhand der verschiedenen Teilprozesse der Wertschöpfungsarchitektur hat den Vorteil, dass sie zum einen die Leistungspotentiale der Bank verdeutlichen und andererseits die Stärken und Schwächen des Unternehmens offen legen.6

Verschiedene theoretische Grundmodelle aus unterschiedlichen Bereichen werden hierbei in ursprünglicher oder modifizierter Weise angewendet, um eine strategische Analyse und Planung im Problemkreditmanagement durchführen zu können. Involvierte Theorien sind beispielsweise die Theorie der Wertschöpfungskette aus der Produktionswirtschaft, sowie die Principal-Agent-Theorie, die Transaktionskostentheorie und die Property-Rights-Theorie aus der Institutionenökonomik. Des Weiteren werden finanzwirtschaftliche Ansätze, zum Beispiel die Theorie der Finanzintermediation, integriert, um eine breit aufgestellte Analyse des Geschäftsfeldes „Problemkreditmanagement“ in einer Bank durchführen zu können.

[....]


1 Ein in der Literatur häufig verwendetes Bonmot ohne Verfasser, siehe bspw. Frohmüller (o.D.), S. 1.

2 Vgl. Dickopf/Hommel/Knecht (2007), S. 10 f.: Vor allem aufgrund der Dominanz der Fremdfinanzierung deutscher Gesellschaften, sowie einem hohem Gesamtvolumen an NPL in den Bilanzen deutscher Kreditinstitute.

3 Vgl. Fischer (2004), S. 1 sowie Statistisches Bundesamt Deutschland (2007), S. 1.

4 Vgl. Kayser (1983), S. 1.

5 Vgl. Lübcke (2004), S. 117 f.

6 Vgl. Gutschelhofer (2002), S. 492.


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