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Der Terrorismus und seine (vernachlässigten) Opfer close

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Der Terrorismus und seine (vernachlässigten) Opfer

Subtitle: Eine soziologisch-theoretische Betrachtung

Scholary Paper (Seminar), 2008, 28 Pages
Author: Frederik Obermaier
Subject: Sociology - War and Peace, Military

Details

Event: Das Opfer
Institution/College: Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Tags: Terrorismus, Opfer
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 28
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 68  Entries
Language: German
Archive No.: V91573
ISBN (E-book): 978-3-638-05036-4
ISBN (Book): 978-3-638-94354-3
File size: 255 KB

Abstract

Anschläge in Djerba, auf Bali, in Jakarta, Kabul, Madrid und London und Irak – der Terrorismus ist überall. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht mit neuen unheilvollen Nachrichten über terroristische Anschläge, Entführungen und Morde in den Zeitungen lesen oder im Fernsehen sehen. Das Bild der zwei Jumbo-Jets, die sich in die Zwillingstürme von New York bohrten, hat sich wie kein anderes in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Der 11. September 2001 mit knapp 3000 Opfern war bislang beispiellos in der Geschichte des Terrorismus. Und doch ist Terrorismus kein neues Phänomen – er hat eine lange Tradition: Da ist der nordirische Terrorismus der IRA, der Unabhängigkeitsterrorismus der Korsen, Basken und Katalanen, das Olympiamassaker von 1972, 1977 die Entführung Hanns Martin Schleyers, die Geiselnahme der Gruppe Danshjuyane Khate Emam in der amerikanischen Botschaft in Teheran, die Entführung des Kreuzfahrtschiffes Achille Lauro, die Sprengung des Pan Am Fluges 103 über Lockerbie – all diese Fälle zeigen, dass der Terrorismus mittlerweile eine der größten sicherheitspolitischen Herausforderungen der Nachkriegsgeschichte darstellt. Aus soziologischer Sicht mangelt es jedoch vor allem an einem: Einer Betrachtung des Phänomens aus Opfersicht. Immer wieder ist von dem Terroristen als Täter, seinem Antrieb, seiner Sozialisation und seinen Ideologien die Rede. Eine dezidierte Opferbetrachtung ist jedoch bisher in der Forschung weitgehend vernachlässigt worden. Genau hier soll diese Arbeit ansetzen.


Excerpt (computer-generated)

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät

Seminar: Das Opfer

Wintersemester 2007/2008

Seminararbeit

zum Thema:

Der Terrorismus und seine

(vernachlässigten) Opfer

- eine soziologisch-theoretische Betrachtung

eingereicht von:

Frederik Obermaier

Eichstätt, den 28. Januar 2008


1

EINLEITUNG

3

2

DAS PHÄNOMEN TERRORISMUS

4

2.1

BEGRIFFSDEFINITION: TERRORISMUS

4

2.2

ARTEN DES TERRORISMUS

7

2.2.1 NATIONALISTISCHER TERRORISMUS

7

2.2.2 IDEOLOGISCHER TERRORISMUS

7

2.2.2.1 Ideologischer ,,alter Terrorismus": Sozialrevolutionärer Terrorismus

7

2.2.2.2 Ideologischer ,,neuer Terrorismus": Al-Qaida

8

2.2.3 TERRORISMUS MIT STAATLICHER BETEILIGUNG

8

2.2.3.1 Staatsterrorismus

8

2.2.3.2 Staatlich geförderter Terrorismus

9

2.2.3.3 Staatlich geduldeter Terrorismus

9

3

TERRORISTISCHE IDEOLOGIE, STRATEGIE UND ZIELE

10

3.1

GRUNDSÄTZLICHE BZW. LANGFRISTIGE ZIELE

10

3.2

BEGRENZTE BZW. KURZFRISTIGE ZIELE

10

3.2.1 RACHE

11

3.2.2 REAKTION

11

3.2.3 RUHM

12

3.3

EXKURS: SELBSTMORDTERRORISMUS

12

4

TERRORISMUS ­ URSACHEN UND ERKLÄRUNGEN

14

4.1

ERKLÄRUNGEN AUF INDIVIDUELLER EBENE

14

4.2

ERKLÄRUNGEN AUF NATIONALER EBENE

14

4.3

ERKLÄRUNGEN AUF GESELLSCHAFTLICHER EBENE

15

4.4

ERKLÄRUNGEN AUF TRANSNATIONALER EBENE

16

5

DIE ROLLE DES OPFERS IM TERRORISMUS

18

5.1

DAS UNMITTELBARE BZW. DIREKTE OPFER

18

5.1.1 DAS OPFER ALS ENTMENSCHLICHTES MITTEL DES TERRORISMUS

18

5.1.2 OPFERERFAHRUNGEN UND ÜBERLEBENSSTRATEGIEN

19

5.1.3 DAS LEBEN MIT DER OPFERERFAHRUNG

21

5.2

DAS INDIREKTE OPFER: STAAT UND RECHTSORDNUNG

21

6

SCHLUSSBETRACHTUNG

23

2


Einleitung

Anschläge in Djerba, auf Bali, in Jakarta, Kabul, Madrid und London und Irak ­ der Terrorismus ist

überall. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht mit neuen unheilvollen Nachrichten über

terroristische Anschläge, Entführungen und Morde in den Zeitungen lesen oder im Fernsehen sehen.

Das Bild der zwei Jumbo-Jets, die sich in die Zwillingstürme von New York bohrten, hat sich wie

kein anderes in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Der 11. September 2001 mit knapp 3000

Opfern war bislang beispiellos in der Geschichte des Terrorismus.

Und doch ist Terrorismus kein neues Phänomen ­ er hat eine lange Tradition: Da ist der nordirische

Terrorismus der

IRA

, der Unabhängigkeitsterrorismus der Korsen, Basken und Katalanen, das

Olympiamassaker von 1972, 1977 die Entführung Hanns Martin Schleyers, die Geiselnahme der

Gruppe

Danshjuyane Khate Emam

in der amerikanischen Botschaft in Teheran, die Entführung des

Kreuzfahrtschiffes

Achille Lauro

, die Sprengung des

Pan Am

Fluges 103 über Lockerbie ­ all diese

Fälle zeigen, dass der Terrorismus mittlerweile eine der größten sicherheitspolitischen

Herausforderungen der Nachkriegsgeschichte darstellt.

Aus soziologischer Sicht mangelt es jedoch vor allem an einem: Einer Betrachtung des Phänomens

aus Opfersicht. Immer wieder ist von dem Terroristen als Täter, seinem Antrieb, seiner Sozialisation

und seinen Ideologien die Rede. Eine dezidierte Opferbetrachtung ist jedoch bisher in der Forschung

weitgehend vernachlässigt worden. Genau hier soll die nachfolgende Arbeit ansetzen ­ auch wenn

dies aufgrund der dürftigen Quellenlage nur in begrenztem Umfang möglich ist.

Zu allererst möchte ich allerdings einen Blick auf den Begriff ,,Terrorismus" werfen. Der Versuch

einer Definition soll dabei weiter führen als die Feststellung, dass der Begriff zuerst im 18.

Jahrhundert für die Schreckensherrschaft der Jakobiner verwendet wurde. Ich möchte zudem die

verschiedenen Ausprägungen des Terrorismus der heutigen Zeit erläutern, bevor ich im folgenden

Kapitel dem Antrieb des einzelnen Terroristen und den Ursachen des Terrorismus als Ganzem auf

den Grund gehen werde. Eine Darstellung derselbigen ist nötig, jedoch möchte ich es nicht bei dieser

täterbasierten Betrachtung belassen, sondern mich im nachfolgendem Kapitel den direkten und

indirekten Opfern des Terrorismus zuwenden. Dabei soll die Opferwerdung und -erfahrung sowie

Bewältigung derselbigen im Mittelpunkt stehen. Abschließend möchte ich noch kurz möglichen

Bekämpfungs- und Präventionsmöglichkeiten beleuchten ­ schließlich sind es diese Strategien, die

eine Viktimisierung von Vorneherein verhindern können.

3


1 Das Phänomen Terrorismus

1.1 Begriffsdefinition: Terrorismus

Täglich taucht der Begriff ,,Terrorismus" zahlreiche Male in den Medien auf, in wissenschaftlichen

Arbeiten wird er geradezu selbstverständlich verwendet und in nationalen Sicherheitsgesetzen, die

zahlreiche Staaten seit dem 11. September 2001 verabschiedet haben, wimmelt es nur so vor

Begriffen wie "Terrorismus", "terroristische Organisation", "Terrorakt" oder "terroristisches

Netzwerk". Dennoch ist Terrorismus kein eindeutig definiertes Phänomen. Das zeigen nicht zuletzt

die bisher erfolglosen Versuche der Vereinten Nationen, Terrorismus trennscharf zu definieren1.

Betrachtet man Terrorismus unter rein juristischen Gesichtspunkten erscheint die Begriffsdefinition

einfach: ,,Es handelt sich um schlichte Kriminalität", wie Kühne feststellt2. Denn trotz aller

Unterschiede der nationalen Gesetzbücher weist Terrorismus die Tatbestandsmerkmale von einer

oder gleich mehreren Straftaten auf ­ sei es Tötung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Raub

oder Erpressung. Wirft man jedoch einen kriminologischen bzw. soziologischen Blick auf den

Terrorismus wird die Differenzierung viel schwieriger. Wie sich Terrorismus dann einigermaßen

sinnvoll und einigermaßen trennscharf definieren lässt, soll im Folgenden anhand von sieben Punkten

erläutert werden. Die Merkmale rekurrieren dabei größtenteils auf die Terrorismus-Definitionen von

Louise Richardson, Hans-Joachim Schneider, Wilhelm Dietl, Kai Hirschmann und Rolf Tophoven3:

Ein erstes Abgrenzungskriterium des Terrorismus von gewöhnlicher Kriminalität ist demnach die

Begründung durch eine Ideologie

.

Denn während normale Kriminelle aufgrund emotionaler

Probleme oder wegen des Strebens nach einem Vorteil delinquent werden, ist es bei Terroristen eine

Ideologie4. ,,Die[se] weltanschauliche Idee und das Bemühen dieser Idee zum Durchbruch zu

verhelfen, sind Auslöser und Anlass für terroristische Taten."5 Zwar können auch emotionale

Probleme des einzelnen Terroristen zu seinen Taten beitragen, eine Ideologie mit absolutem

Wahrheitsanspruch ­ seien dies religiöse, philosophische oder umwelttechnische Überlegungen ­

liefert aber letztendlich immer die zugrunde liegende Begründung.

Zweitens handelt es sich bei Terrorismus um

geplante und organisierte

Gewalt

­ sei es

angewendete oder nur angedrohte6. Ein spontaner Gewaltausbruch ­ etwa bei einer eskalierenden

1 Vgl. Zumach, Andreas: Der Terror mit dem Terror. Lässt sich ,,Terrorismus" überhaupt definieren? Der Streit der

UNO ist in vollem Gange. In: taz, 11.September 2002, S. 26.

2 Kühne, Hans-Heiner: Unzeitgemäße Betrachtungen zum Problem des Terrorismus. In: Feltes, Thomas/Pfeiffer,

Christian/Steinhilper, Gernot (Hrsg.): Kriminalpolitik und ihre wissenschaftlichen Grundlagen. Festschrift für Prof.

Hans-Dieter Schwind zum 70. Geburtstag. Heidelberg 2006, S. 103.

3 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. Die Ursachen der Gewalt und wie wir sie bekämpfen können.

Frankfurt am Main 2007. Sowie: Dietl, Wilhelm/Hirschmann, Kai/Tophoven, Rolf: Das Terrorismus-Lexikon. Täter,

Opfer, Hintergründe. Frankfurt am Main 2006.

4 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 28, sowie: Dietl, Wilhelm/Hirschmann,

Kai/Tophoven, Rolf: Das Terrorismus-Lexikon. A.a.O., S. 18 und: Kühne, Hans-Heiner: Unzeitgemäße

Betrachtungen zum Problem des Terrorismus. A.a.O., S.103.

5 Ebd., S.103.

6 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 28 sowie: Schneider, Hans Joachim: Kriminologie der

Gewalt. Leipzig 1994, S.175 und Dietl, Wilhelm/Hirschmann, Kai/Tophoven, Rolf: Das Terrorismus-Lexikon.

A.a.O, S.17.

4


Demonstration ­ ist demnach noch kein Terrorismus, ebenso wenig wie so genannter

Cyberterrorismus streng genommen nicht unter den Begriff ,,Terrorismus" fällt.

Drittes Terrorismus-Merkmal ist die

Übermittlung einer Botschaft

7. Der Zweck einer

terroristischen Tat ist es meist nicht, den Feind zu besiegen, sondern eine Botschaft zu verkünden. So

verkündete beispielsweise nach dem 11. September 2001 der

Al-Qaida

-Sprecher Abu Ubeid al-

Qurashi: ,,Die Wiederherstellung arabischer und islamischer Größe wurde eingeläutet"8.

Eng mit diesem Charakteristikum verknüpft ist der vierte Teil der Terrorismus-Definition, wonach

Tat und Opfer

symbolische Bedeutung

haben9. So standen beispielsweise die Zwillingstürme des

New Yorker World Trade Centers für die Finanzmacht der USA und Hanns-Martin Schleyer in den

Augen der

RAF

für die Elterngeneration mit ihrer wenig ruhmreichen und oft totgeschwiegenen

nationalsozialistischen Vergangenheit.

Das fünfte von Richardson aufgeführte Kriterium ist die Feststellung, dass Terrorismus ,,die

Vorgehensweise von Gruppen auf substaatlicher Ebene

[ist], nicht von Staaten"10. Richardson

geht davon aus, dass Staaten zwar Terrorismus als Instrument ihrer Außenpolitik nutzen, man

Terrorgruppen jedoch als substaatliche Akteure und nicht als Staaten sehen muss, um ihr Verhalten

,,mit analytischer Klarheit" begreifen zu können11. Hans Joachim Schneiders Terrorismus-Definition

hingegen liegt eine andere Sichtweise zu Grunde: Demnach ist Terrorismus ,,Gewaltanwendung oder

als Drohung [...], die von einer Einzelperson oder einer Gruppe angewandt werden, die im Auftrag

einer [...] Regierung handelt"12. Dies stellt genau die Konfliktlinie dar, an der eine

Terrorismusdefinition der Uno bisher gescheitert ist. Denn eine große Staatenmehrheit will die

Terrorismusdefinition auf Einzelpersonen und Gruppen beschränken. Nur wenige Länder, die sich

selbst als Opfer von Staatsterrorismus sehen ­ wie etwa Kuba oder Palästina - plädieren für die

umfassendere Definition13. Wie ich in Kapitel 2.2.3 noch erläutern werde, ist es durchaus sinnvoll,

dieser Argumentation zu folgen und auch Staaten in die Terrorismus-Definition einzuschließen.

Weniger umstritten hingegen ist das sechste Kriterium, wonach beim Terrorismus

Opfer von Gewalt

und das durch die Tat zu erreichen versuchte Publikum nicht identisch

sind14. Demnach sind

Opfer nur das Mittel um ein größeres Publikum zu erreichen. Sie werden entweder per Zufall

ausgewählt oder sind Repräsentanten einer größeren Gruppe ­ wie etwa Diplomaten. Über diese

Opfer und die öffentliche Aufmerksamkeit, die Margaret Thatcher nicht umsonst als ,,Sauerstoff" des

7 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 28.

8 Ubeid al-Qurashi, Abu zitiert im Middle East Media Research Institute Special Dispatch Nr, 353. In:

http://www.memri.org/bin/articles.cgi?Area=sd&ID=SP35302, Zugriff am 28. November 2007.

9 Vgl. Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 29.

10 Ebd. S. 29.

11 Ebd. S. 29.

12 Schneider, Hans Joachim: Kriminologie der Gewalt. A.a.O., S.175.

13 Vgl. Zumach, Andreas: Der Terror mit dem Terror. Lässt sich ,,Terrorismus" überhaupt definieren? Der Streit der

UNO ist in vollem Gange. A.a.O., S.26.

14 Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S. 29, vgl. Auch: Wardlaw, Grant: Political Terrorism.

Cambridge 1984, S. 16 sowie: Gibbs, Jack P.: Conceptualization of Terrorism. In: American Sociological Review

54, 1989, S. 329-340.

5


Terrorismus bezeichnet hat, wollen die Täter dann die eigentliche Zielgruppe erreichen15. Dies sind je

nach wissenschaftlicher Betrachtung und Art des Terrorismus meist die Regierung eines Landes oder

ein ,,als interessiert unterstellter Dritter"16. Dieser Dritte war etwa in Zeiten des Linksterrorismus der

RAF

das so genannte Proletariat. Diese ,,Unterdrückten" waren Empfänger der Botschaften der

Roten

Armee Fraktion

und zugleich ihre Legitimationsressource. Im Rahmen des transnationalen

Terrorismus à la

Al-Qaida

lässt sich heute allerdings feststellen, dass der ,,als interessiert unterstellte

Dritte" an Bedeutung verloren hat, was in Kapitel 6 noch weiter ausgeführt wird.

Der deutlichen Abgrenzung des Terrorismus vom Guerilla- und Unabhängigkeitskampf dient das

siebte Kriterium, wonach sich Terrorismus bewusst

gegen Zivilisten richtet

. Letztendlich ist dieses

ein weiterer Punkt, an dem eine international konsensfähige Terrorismus-Definition meist scheiterte.

Denn wie lassen sich Anschläge von "Terroristen" unterscheiden von "legitimer Gewaltanwendung"

durch Freiheitskämpfer oder Guerilleros?

Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela beispielsweise

gilt weltweit als geachteter Freiheitskämpfer. Dennoch bleibt festzuhalten, dass er mit dem ihm

unterstehenden

Afrikanischer Kongress (ANC)

einst mit Briefbomben und anderen terroristischen

Maßnahmen das Apartheid-Regime bekämpfte. Hier zeigt sich wieder, dass des Einen Terrorist des

Anderen Befreiungskämpfer sein kann.

Terroristen selbst halten sich meist für Freiheitskämpfer ­ so auch Bin Laden: ,,Wir kämpfen, weil

wir freie Männer sind, die nicht schlafen können, solange sie unterdrückt werden", rechtfertigt er sein

Handeln17. Um dennoch zu einer klaren Terrorismus-Definition zu gelangen, ist Richardsons

Definition sehr hilfreich ­ zwar bleibt die Abgrenzung zu Freiheitskämpfern schwierig, zumindest

aber lassen sich so Terroristen von Guerilleros unterscheiden. Denn Guerilla ist demnach eine

,,irreguläre Armee, die gegen die regulären Truppen des Staates kämpft"18. Terroristen hingegen

geben sich nicht der Illusion hin, den Feind militärisch besiegen zu können. So ist er ,,die Waffe

derjenigen, die einen Wandel herbeiführen wollen, und zwar schnell, die aber zu wenige sind, um

sich entweder in einem demokratischen System durchzusetzen oder mit einiger Aussicht auf Erfolg

Krieg führen können"19. Terroristen kämpfen vielmehr für die Verbreitung ihres Gedankenguts. In

den Worten von Terrorismus-Forscher Franz Wördemann heißt das: ,,Guerilleros wollen den Raum,

Terroristen das Denken besetzen"20. Dass die Übergänge von beidem fließend sind, zeigte nicht

zuletzt die

RAF

, die unter Andreas Baader anfangs in Deutschland einen Guerillakrieg nach

lateinamerikanischem Vorbild entfachen wollte, bevor sie den Weg des Terrorismus einschlug.21

15 Thatcher, Margaret: Rede bei American Bar Association am 15. Juli 1985.

http://www.margaretthatcher.org/speeches/displaydocument.asp?docid=106096, Zugriff am 29. November 2007.

16 Vgl. Münkler, Herfried: Guerillakrieg und Terrorismus. In: Neue politische Literatur, 15. Jahrgang, 3/1980,

S.320ff.

17 Bin Laden, Osama: Message to America., 30.Oktober 2004.

18 Richardson, Louise: Was Terroristen wollen. A.a.O., S.30.

19 Ebd., S.36.

20 Zitiert in Dietl, Wilhelm/Hirschmann, Kai/Tophoven, Rolf: Das Terrorismus-Lexikon. A.a.O, S.20.

21 Vgl. Fetscher, Iring/ Rohrmoser, Günter: Ideologien und Strategien. Opladen 1981, S.27.

6



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