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Scholary Paper (Seminar), 2001, 15 Pages
Author: Martin Klüners
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Gotik, Renaissance, Thomas, Mann, Renaissancismus
Year: 2001
Pages: 15
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15938-8
File size: 218 KB
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Excerpt (computer-generated)
Gotik, nicht Renaissance -
Thomas Mann und die
Überwindung des Renaissancismus
Martin Klüners
1. Einleitung 1
2. Biographisches 2
2.1 Die ungleichen Brüder 2
2.2 Italien 4
2.3 Literarisch-geistige Strömungen der Zeit und der Einfluß Nietzsches 6
3. Der Renaissancebegriff in seinem Werk 7
3.1 ,,Cito et velociter": Gladius Dei (1902) 8
3.2 ,,Epikureer und Säue": Fiorenza (1905) 10
3.3 ,,Gotik, nicht Renaissance": Betrachtungen eines Unpolitischen (1918) 11
3.4 ,,Kreuz, Tod und Gruft": Doktor Faustus (1947) 13
4. Literatur 15
1. Einleitung
Das Proseminar ,,Renaissancerezeption in Europa" des Sommersemesters 2001 behandelte, ausgehend von Jacob Burckhardts Die Kultur der Renaissance in Italien (1860), den Einfluß einer unter Historikern der Zeit verstärkten Diskussion über jene Epoche der europäischen Geschichte auf Kunst und Kultur der zweiten Hälfte des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Bereits beim Vergleich mit den Werken anderer Historiker, namentlich Jules Michelets und Walter Paters, wurden unterschiedliche Interpretationsansätze deutlich - ein Phänomen, das sich auch bei zeitgenössischen Philosophen und Künstlern finden läßt und geradezu typisch ist für ihre Renaissancerezeption. Zahlreiche Referate über u.a. Cassirer, Meinecke, Heyse und Warburg unterstrichen den Eindruck, daß ein ,objektives` Bild der Epoche offenbar nicht nur nicht möglich gewesen ist, sondern von vielen gar nicht angestrebt wurde - so auch von Friedrich Nietzsche nicht, dessen Wirkung aber gerade auf die Literatur seiner Zeit und der nachfolgenden Jahrzehnte von größter Bedeutung gewesen ist. Die Décadence suchte als Ausgleich einer kollektiv empfundenen Schwäche den von Nietzsche inspirierten Übermenschen- und Ruchlosigkeitskult, mit dem sich auch die Gebrüder Mann auseinandersetzten, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise. Im folgenden soll der Renaissancebegriff Thomas Manns in Abgrenzung zu dem seines Bruders Heinrich und der Décadence im allgemeinen untersucht werden - es empfiehlt sich ein Einstieg über die Biographie der beiden, um dann, im zweiten Teil der Arbeit, die Untersuchung am konkreten Beispiel, an ausgewählten Werken des Autors, fortzusetzen.
2. Biographisches
Zum Verständnis von Thomas Manns Künstlerpersönlichkeit und damit auch seines literarischen Schaffens, insbesondere seines Verhältnisses zum Renaissancekult seiner Epoche, bietet seine Biographie die vermutlich triftigsten Erklärungsmöglichkeiten; der folgende Teil der Arbeit widmet sich folglich ihr unter besonderer Berücksichtigung der für den Werdegang des jungen Schriftstellers eminent wichtigen, ja prägenden Beziehung zu seinem in vielerlei Hinsicht als Vorbild fungierenden älteren Bruder Heinrich sowie dem Einfluß zeitgenössischer geistig-literarischer Strömungen auf den jeweiligen Renaissancebegriff der Brüder Mann, der ein durchaus unterschiedlicher ist.
2.1 Die ungleichen Brüder
Thomas Mann wird geboren am 6.Juni 1875 als zweiter Sohn des Kaufmanns, Konsuls und Senators Johann Heinrich Mann und seiner aus Brasilien stammenden Frau Julia - als Sproß einer wohlhabenden Familie des Patriziats der Hansestadt Lübeck, einer der Hauptstätten des für Norddeutschland, ja den Norden an sich so typischen Backsteingotik, in der die Reformation und damit das lutherische Bekenntnis schon sehr früh, nämlich 1529, Einzug gehalten hat. ,,Die kleine, alte Stadt mit ihren schmalen, winkeligen und giebeligen Straßen, ihren gotischen Kirchen und Brunnen (...) und dem großen, altersgrauen Patrizierhause, in dem [er] aufgewachsen [ist]"1, wird für ihn recht bald schon zu einer Art Synonym für das Väterlich-Pflichtbewußte, Bürgerliche, sein nordisches Erbe, das er dem Liederlich-Südlichen, dem mütterlichen Erbteil, beispielsweise in seiner Erzählung Tonio Kröger (1903)2, vorziehen wird. Doch der Weg zum Schrifsteller vollzieht sich nicht völlig geradlinig, er ist vielmehr auch eine Reaktion auf das Verhalten des vier Jahre älteren Bruders Heinrich, der, eigentlich bestimmt zum Erben des väterlichen Geschäfts, mit 18, noch zu Lebzeiten des Vaters, die Schule und die Heimat ,,kühn und rücksichtslos"3 verläßt und zunächst in Dresden eine Buchhändlerlehre beginnt, um dann in Berlin als Volontär beim Verlag S. Fischer zu arbeiten. Das Rebellische des Älteren mag auch Anlaß für Thomas gewesen sein, sich nicht durch überragende schulische Leistungen hervorzutun, daran erkennbar, daß er zweimal ein Schuljahr wiederholen muß und ohne Abitur von der Schule abgeht. Der frühe Tod des Vaters am 13. Oktober 1891 sowie sein testamentarisch verfügter Wille, die Firma aufzulösen, da er von seinen Söhnen die Fortführung derselben offenbar nicht zu erwarten hat, ebnet den Weg für deren schrifstellerische Karrieren. Der Vorbildcharakter Heinrichs für Thomas ist nicht zu leugnen, mehr noch: mindestens das gesamte erste Jahrzehnt der literarischen Tätigkeit des letzteren ist vor allem auch zu verstehen als ein gleichzeitiges Nacheifern und Kontrapunktieren des Schaffens des älteren Bruders4.
[...]
1 Thomas Mann: Erzählungen (hier: Der Bajazzo) - Fiorenza - Dichtungen. Frankfurt/M. 1990, S. 107. Im folgenden zit.als Mann: Erzählungen.
2 Mann: Erzählungen, S. 271-338.
3 Hermann Kurzke: Thomas Mann. Das Leben als Kunstwerk. Eine Biographie. München 1999, S. 115. Im folgenden zit.als Kurzke: Biographie.
4 Vgl. Kurzke: Biographie, S. 114-128.
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