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Scholary Paper (Seminar), 2008, 24 Pages
Author: Markus Imhof
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Details
Institution/College: University of Göttingen
Tags: Risikotransfer, Finanzinnovationen, Verbriefung, Risiken, Securitization, Risikotransfer, Alternativer, ART, Versicherung, Risiko, ABS, Alternativer Risikotransfer, Zweckgesellschaft, SPE, SPV
Year: 2008
Pages: 24
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10213-6
File size: 235 KB
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Abstract
In Folge einer Reihe von schweren Naturkatastrophen zu Beginn der frühen 90er Jahre in den USA, wie zum Beispiel Hurrikan Andrew oder das Northridge Erdbeben, waren die Rückversicherungskapazitäten knapp und teuer. Zum Zwecke des Risikotransfers wurden daher zum ersten Mal erfolgreich Versicherungsrisiken verbrieft und an den Kapitalmarkt begeben. Durch diese Innovation entstand ein Markt für originäre und derivative Wertpapiere, sogenannte Insurance Linked Securities (ILS), mit Bindung entweder an Schaden- und Unfallversicherungsrisiken (P&C) oder Lebensversicherungsrisiken. Seit der Entstehung des ILS-Marktes ist ein enormes Wachstum zu beobachten. Ziel dieser Arbeit ist es, aufgrund der aktuell stetig wachsenden Akzeptanz von ILS Produkten den Nutzen von Verbriefungen / Securitizations als Instrument des Alternativen Risikotransfers (ART) zu identifizieren, um dadurch eine fundiertere Prognose über die Entwicklung von ILS geben zu können. Mithilfe einer Gegenüberstellung der klassischen und alternativen Methoden des Transfers von Versicherungsrisiken soll veranschaulicht werden, inwiefern Verbriefungen eine Finanzinnovation darstellen. Aufgrund der wachsenden Bedeutung von Verbriefungen wird im Folgenden am Beispiel von Katastrophenanleihen (Cat Bonds) die Grundstruktur einer Securitization verdeutlicht, um anschließend anhand einer Analyse der unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten besser beurteilen zu können, warum Katastrophenanleihen für eine breite Masse von Investoren attraktiv sind. Die Beurteilung von Verbriefungen als ART Instrument wird durch eine Betrachtung der Kostenaspekte und eine Darstellung der bilanziellen Wirkungsweise abgerundet. Abschließend folgt eine kritische Bewertung des Nutzens von Verbriefungen aus Sicht der beteiligten Akteure, um dadurch die mögliche Weiterentwicklung von ILS Produkten für den Markt besser beurteilen zu können.
Excerpt (computer-generated)
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abkürzungsverzeichnis 3
Abbildungsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Risikotransfer im Versicherungskontext 4
2.1 Klassische Methoden 4
2.2 Insurance Linked Securities als Finanzinnovation 5
3. Insurance Securitization 6
3.1 Grundstruktur einer Verbriefung von Risiken 6
3.2 Systematisierung der Gestaltungsmerkmale von ILB 8
3.2.1 Risikointensität 8
3.2.2 Schadenverlaufsabhängigkeit 9
3.2.3 Ausgestaltung der Trigger 12
3.3 Kostenaspekte einer Verbriefung 12
3.4 Bilanzielle Wirkung einer Securitization 13
4. Bewertung des Einsatzes von Insurance Linked Bonds 15
4.1 Bedeutung für die Versicherungsnehmer 15
4.2 Allgemeine Bedeutung aus Sicht der Versicherungsbranche 15
4.2.1 Spezielle Bedeutung für Erstversicherer 15
4.2.2 Spezielle Bedeutung für Rückversicherer 16
4.3 Bedeutung für die Investoren 17
5. Schlussbetrachtung 18
Anhang 20
Literaturverzeichnis 23
2
Abkürzungsverzeichnis
ABS
Asset Backed Securities
MBS
Mortage Backed Securities
SPV
Special Purpose Vehicle
ILS
Insurance Linked Securities
ILB
Insurance Linked Bond
BoB
Book of Business
P&C
Property & Casualty
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Idealtypisches Grundmodell einer Securitization unter Begebung originärer
Finanztitel 7
Abbildung 2: Bilanzielle Wirkung des Alternativen Risikotransfers 14
Abbildung 3: Reaktion der Kapitalmärkte auf Hurrikan Katrina 17
3
1. Einleitung
In Folge einer Reihe von schweren Naturkatastrophen zu Beginn der frühen 90er Jahre in den
USA, wie zum Beispiel Hurrikan Andrew1 oder das Northridge Erdbeben,2 waren die Rück-
versicherungskapazitäten knapp und teuer.3 Zum Zwecke des Risikotransfers wurden daher
zum ersten Mal erfolgreich Versicherungsrisiken verbrieft und an den Kapitalmarkt begeben.
Durch diese Innovation entstand ein Markt für originäre und derivative Wertpapiere, soge-
nannte Insurance Linked Securities (ILS), mit Bindung entweder an Schaden- und Unfallver-
sicherungsrisiken (P&C) oder Lebensversicherungsrisiken.4 Seit der Entstehung des ILS-
Marktes ist ein enormes Wachstum zu beobachten.5
Ziel dieser Arbeit ist es, aufgrund der aktuell stetig wachsenden Akzeptanz von ILS Produk-
ten den Nutzen von Verbriefungen/ Securitizations als Instrument des Alternativen Risiko-
transfers (ART) zu identifizieren, um dadurch eine fundiertere Prognose über die Entwicklung
von ILS geben zu können. Mithilfe einer Gegenüberstellung der klassischen und alternativen
Methoden des Transfers von Versicherungsrisiken soll veranschaulicht werden, inwiefern
Verbriefungen eine Finanzinnovation darstellen. Aufgrund der wachsenden Bedeutung von
Verbriefungen wird im Folgenden am Beispiel von Katastrophenanleihen (Cat Bonds) die
Grundstruktur einer Securitization verdeutlicht, um anschließend anhand einer Analyse der
unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten besser beurteilen zu können, warum Katastro-
phenanleihen für eine breite Masse von Investoren attraktiv sind. Die Beurteilung von Ver-
briefungen als ART Instrument wird durch eine Betrachtung der Kostenaspekte und eine Dar-
stellung der bilanziellen Wirkungsweise abgerundet. Abschließend folgt eine kritische Bewer-
tung des Nutzens von Verbriefungen aus Sicht der beteiligten Akteure, um dadurch die mög-
liche Weiterentwicklung von ILS Produkten für den Markt besser beurteilen zu können.
2. Risikotransfer im Versicherungskontext
2.1 Klassische Methoden
Der Transfer von Versicherungsrisiken ist insbesondere im Bereich der Schaden- und Unfall-
versicherung (P&C) kein neues Phänomen. Als klassische Methode bezeichnet man in diesem
Zusammenhang den Risikotransfer mittels versicherungstechnischer Instrumente.6 Die ein-
1 Auf 2006 indexierter Gesamtschaden von 22 987 Mio. US Dollar; o.V. (2007): Natur- und Man-made-
Katastrophen in 2006, in: Sigma Nr. 2, S. 35.
2 Auf 2006 indexierter Gesamtschaden von 19 040 Mio US Dollar; o.V. (2007): Natur- und Man-made-
Katastrophen in 2006, in: Sigma Nr. 2, S. 35.
3 Stahlmann, Bert / Teller, Nicholas (2007), S. 915.
4 o.V. (2006): Verbriefung - Neue Möglichkeiten für Versicherer und Investoren, in: Sigma Nr. 7, S. 5.
5 Für eine Übersicht über die Wachstumsentwicklung von Katastrophenanleihen siehe Anlagennummer 4.
6 Vgl. Liebwein, P. (2000), S. 368.
4
fachste Möglichkeit eines Risikotransfers ist im Rahmen der Vertragsgestaltung realisierbar,
wodurch erreicht wird, dass ein Teil des Risikos beim Versicherungsnehmer verbleibt.7 Dar-
über hinaus können, wie bei der traditionellen Rückversicherung, Versicherungsunternehmen
als Risikoträger fungieren, um im Schadenfall die Verluste des Zedenten ganz oder teilweise
zu kompensieren.8 In der Praxis findet man Fälle, bei denen das Ursprungsrisiko auf mehrere
Versicherungsunternehmen gleichzeitig verteilt wird. Dies erfolgt im Rahmen von Mitversi-
cherungen oder sogenannten Versicherungspools. Mittels einer Übertragung von Risiken auf
andere Versicherungsunternehmen können diese i.w.S. von der gesamten Branche getragen
werden. Folglich ist es durch einen Risikotransfer möglich, Ereignisse zu versichern, welche
die Deckungsmöglichkeiten eines einzelnen Versicherungsunternehmens überschreiten.
2.2 Insurance Linked Securities als Finanzinnovation
Unter dem Begriff ,Alternativer Risikotransfer′ versteht man die innovativen Methoden, ver-
sicherungstechnisches Risiko unter Verwendung von kapitalmarktspezifischen Instrumenten
zu transferieren.9 Die verwendeten Instrumente können in originäre und derivative Finanztitel
unterteilt werden. Als Innovation und damit als etwas Neuartiges kommt dieser Methode zu-
teil, dass im Gegensatz zu den klassischen Methoden des Risikotransfers nun sämtliche Kapi-
talmarktteilnehmer als Risikoträger in Frage kommen.10 Bezugnehmend auf die zuvor ange-
sprochenen Deckungsmöglichkeiten im Sinne der klassischen Methoden ist anzumerken, dass
durch Alternativen Risikotransfer die Versicherungskapazitäten11 enorm erweitert werden,
sodass nun Risiken, die bisher als unversicherbar galten, übernommen werden können.1213
Darüber hinaus ist die innovative Methode des ,Alternativen Risikotransfers′ sowohl für Erst-
als auch für Rückversicherer praktikabel, wodurch Engpässe im Bereich des klassischen Risi-
kotransfers vermieden werden.14 Selbst Nichtversicherungsunternehmen15 haben theoretisch
die Möglichkeit, ohne Versicherer Risiken an den Kapitalmarkt zu begeben. Insurance Linked
Securities erfüllen nicht nur den heutigen Bedarf an Risikotransferalternativen für die Versi-
7 In der Praxis wird dies zumeist durch Schadenbeteiligung, Schadenhöchstgrenzen oder Schadenminderungs-
pflichten erreicht; Vgl. Liebwein (2000), S. 368.
8 Vgl. Liebwein (2000), S. 368.
9 Vgl. Zietsch, D. (2005), S. 361.
10 Vgl. Liebwein, P. (2000), S. 369.
11 ,,Die Branchenkapazität ist definiert als die Summe der finanziellen Ressourcen des Versicherungsmarktes im
Verhältnis zum Ausmass (sic) möglicher Schäden."; o.V. (2005), S. 31.
12 o.V. (2005): Innovationen zur Versicherung unversicherbarer Risiken, in: Sigma Nr. 4, S. 1-42.
13 Bereits 1 % des US-Kapitalmarktvolumens würde die Kapazität des gesamten US Versicherungsmarktes ver-
doppeln; Vgl. Liebwein, P. (2000), S. 370 f.
14 Vgl. Liebwein, P. (2000), S. 390 f.
15 Im Mai 1999 versicherte sich der Betreiber des Disneyland Tokio (Oriental Land) gegen die Schäden aus einer
Naturkatastrophe ab; Vgl. Eickstädt, J. (2001), S. 204 f.
5
cherungsbranche, sondern haben gleichzeitig durch ihren innovativen Charakter zu einer Er-
weiterung der Versicherungs- und Anlagemöglichkeiten beigetragen.
3. Insurance Securitization
3.1 Grundstruktur einer Verbriefung von Risiken
Als Insurance Securitization wird die Verbriefung und der anschließende Transfer von Versi-
cherungsrisiken an den Kapitalmarkt bezeichnet.16 Zielsetzung der Verbriefung ist die Verein-
fachung und Kostenreduktion einer Überführung der zuvor vom Versicherungsmarkt getrage-
nen Risiken auf den Kapitalmarkt.17 Zu diesem Zweck können sowohl originäre als auch de-
rivative Kapitalmarktinstrumente eingesetzt werden; die folgenden Ausführungen beziehen
sich auf die Verbriefung mittels originärer Finanztitel, insbesondere Cat Bonds.18
Als Grundlage einer solchen Transaktion separiert der Erst- oder Rückversicherer aus seinem
gesamten Versicherungsportfolio genau abgegrenzte Risiken, welche anschließend verbrieft
und am Kapitalmarkt emittiert werden sollen. Für diese Transaktion sind in der Praxis zwei
Methoden zu beobachten.19 Im Rahmen einer
direkten Emission
werden die Wertpapiere
direkt vom Versicherungsunternehmen an den Kapitalmarkt begeben. Die zweite Methode ist
in ihrer Anwendung wesentlich häufiger zu beobachten und wird als
indirekte Emission
be-
zeichnet. Dabei werden die zuvor separierten Risiken an eine Special Purpose Vehicle
(SPV)20 zediert, die speziell für diesen Zweck gegründet wurde. Diese auch als Zweckgesell-
schaft bezeichnete Unternehmung fungiert im weiteren Sinn als Rückversicherer, da zwischen
den beiden rechtlich selbstständigen Unternehmen unter Zahlung einer Prämie ein Rückversi-
cherungsvertrag21 abgeschlossen wird.22 Das SPV refinanziert sich im Folgenden durch die
Emission von Wertpapieren, die eine verbriefte Verbindung mit den versicherungstechnischen
Risiken des Sponsors beinhalten. Das durch die Ausgabe der Wertpapiere an die Investoren
erschlossene Kapital wird von der Zweckgesellschaft in Anlagen höchster Bonität, wie zum
Beispiel Staatsanleihen, investiert und bei einer Depotbank hinterlegt. Die Anlage muss je-
derzeit liquidierbar sein, damit das Kapital im Fall eines Schadeneintritts beim Versiche-
16 Bereits in den 70er Jahren etablierte sich vor allem in den USA der Handel von forderungsgestützten Verbrie-
fungen, sog. Asset Backed Securities (ABS). Insbesondere der Handel von Hypothekenkrediten, sog. Mortga-
ge Backed Securities (MBS), führte zu einem rasanten Anstieg des Handelsvolumens von verbrieften Kredi-
ten; Vgl. Hartmann-Wendels, T. / Pfingesten, A. / Weber, M. (2004), S. 260 f.
17 Vgl. Speck, K. (2005), S. 11.
18 Man spricht in diesem Zusammenhang von sog. Insurance Linked Bonds (ILB).
19 Vgl. Anders, S. (2005), S. 36 f.
20 SPVs werden u.a. aufgrund steuerlicher Vergünstigungen in Gebieten gegründet, in denen gemilderte regula-
torische Bedingungen zu finden sind. Damit ist zum Beispiel eine gemilderte Eigenkapitalhinterlegungspflicht
gemeint. Zu diesen Gebieten gehören unter anderem die Cayman Islands.
21 Die bilanzielle Darstellung erfolgt als Rückversicherung und wird von den Aufsichtbehörden anerkannt und
hat somit positiven Einfluss auf die Solvabilität.
22 Vgl. Hochrainer, S. (2006), S. 99.
6
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