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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 28 Pages
Author: Christian Voggenreiter
Subject: Speech Science / Linguistics
Details
Institution/College: University of Hamburg
Tags: Kongruenz, Indogermanischen, Indogermanische, Syntax
Year: 2005
Pages: 28
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06018-9
ISBN (Book): 978-3-638-95147-0
File size: 262 KB
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Abstract
In den meisten Handbüchern, Aufsätzen und Kommentaren, die sich mit der Syntax des Indogermanischen auseinandersetzen, finden sich Verweise auf Kongruenzerscheinungen, die bereits für das Urindogermanische angenommen oder aus ihm abgeleitet werden. Größtenteils bleiben die Ausführungen zu diesem Thema jedoch skizzenhaft und wenig wurde bisher aus diesen Beschreibungen deduziert. Diese Arbeit hat die Entstehung grammatischer Kongruenz im Allgemeinen und ihre Ausprägung in den indogermanischen Sprachen zum Gegenstand.
Excerpt (computer-generated)
Indogermanische Syntax
WiSe 2004/2005
Seminar 07.022
Die grammatische Kongruenz
im Indogermanischen
Eine Hausarbeit von
Christian Voggenreiter
DIE GRAMMATISCHE KONGRUENZ IM INDOGERMANISCHEN
Christian Voggenreiter, Hamburg 2005 (Abgabedatum 02.08.2005)
Eine Hausarbeit im Rahmen des Seminars
07.022 Indogermanische Syntax
WiSe 2004/2005
Institut für Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft (IAAS)
Abteilung für Phonetik, Allgemeine Sprachwissenschaft und Indogermanistik (PhASI)
der Universität Hamburg
Gliederung
Abkürzungen 3
1. Vorbemerkungen 4
2. Grundlagen 5
2.1. Die Kongruenz als Teilgebiet der Syntax 5
2.1.1. Bestimmung des Kongruenzbegriffs 5
2.1.2. Gliederung der grammatischen Kongruenz 6
2.1.3. Abgrenzung der grammatischen Kongruenz 7
2.1.4. Entstehung syntaktischer Kongruenz 8
2.1.4.1. Givóns Ansatz 8
2.1.4.2. Ansätze zu anderen Kongruenzerscheinungen 10
2.2. Zur diachronen Syntaxforschung 11
3. Grammatische Kongruenz im Indogermanischen 13
3.1. Gemeinsamkeiten der frühesten Zeugnisse 13
3.2. Kongruenzverhältnis in der Grundsprache 13
3.2.1. Nominale und prädikative Kongruenz 14
3.2.2. Verbale Kongruenz 20
4. Schlussbemerkungen 24
Quellenangaben 26
2
Abkürzungen
ahd.
=
althochdeutsch
Akk.
=
Akkusativ
fem.
=
femininum
gr. = griechisch
idg.
= indogermanisch
lat.
= lateinisch
mask.
=
maskulinum
Nom.
=
Nominativ
uridg.
=
urindogermanisch
voruridg. = vorurindogermanisch
vs.
= versus
3
1.
Vorbemerkungen
In den meisten Handbüchern, Aufsätzen und Kommentaren, die sich mit der Syntax des
Indogermanischen auseinandersetzen, finden sich Verweise auf Kongruenzerscheinungen, die
bereits für das Urindogermanische angenommen oder aus ihm abgeleitet werden. Größtenteils
bleiben die Ausführungen zu diesem Thema jedoch skizzenhaft und wenig wurde bisher aus
diesen Beschreibungen deduziert. Woran liegt das? Man sollte annehmen, dass methodische
Probleme der diachronen Sprachwissenschaft die Ursache hierfür seien, da die Erforschung
syntaktischer Verhältnisse in der sprachlichen Vorgeschichte ganz eigene Schwierigkeiten
aufweist, wie wir später noch sehen werden. Doch auch die Linguistik als synchrone
Sprachwissenschaft, hat bisher wenig Ergebnisse geliefert, die unserem Wissen um
Kongruenz als grammatischem Phänomen, ihrer Entstehung und Entwicklung, eine
theoretisch gesicherte Grundlage beschert hätte. So schreibt
Christoph Jaeger
dazu:
,,Nach übereinstimmender Auffassung zahlreicher Autoren, die sich mit Kongruenzerscheinungen
befasst haben, fehlt bis heute eine umfassende, systematische Beschreibung auf dem Gebiet der
syntaktischen Kongruenz."1
Vergleiche auch
G. G. Corbett
in ,,Syntax":
"Agreement is still poorly understood."2
Diesen
Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Sprachwissenschaft allgemein einer lückenlosen
Aufarbeitung dieses Problems entbehrt, und noch zu wenig Forschungsarbeit geleistet wurde,
die speziell die grammatische Kongruenz zum Thema gehabt hätte. Einflussreiche
Hypothesen, die hier aber nicht unerwähnt bleiben sollen, wurden von
Talmy Givón
und
Joseph Greenberg
verfasst, die im Rahmen der allgemeinen Sprachwissenschaft theoretische
Grundlagen erarbeitet haben. Für die Indogermanistik sind vorrangig die Schriften
Berthold
Delbrücks, Hermann Hirts, Karl Brugmanns
und
Winfred P. Lehmanns
zu nennen.
Was wir unabhängig von den tatsächlichen Verhältnissen im Urindogermanischen annehmen
können, ist dass die Ursachen für die syntaktische Kongruenz, die alle Zweige und
Tochtersprachen der Indogermania aufweisen, eben dort, in vorhistorischer Zeit, zu suchen
sind. Diese Verhältnisse vollständig zu klären, kann im Rahmen dieser Hausarbeit sicher nicht
geleistet werden, jedoch soll nach vorangehenden Erläuterungen zum Kongruenzphänomen in
1 Christoph Jaeger, ,,Probleme der syntaktischen Kongruenz ", S.8, 1992
2 G.G. Corbett in ,,Syntax Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung", 2. Halbband, S.1235,
1995
4
der Sprachwissenschaft allgemein, ein Bezug zur Indogermanistik hergestellt werden, um
einen Teil zur Lösung dieser Syntaxproblematik beizutragen.
2.
Grundlagen
2.1. Die Kongruenz als Teilgebiet der Syntax
2.1.1. Bestimmung des Kongruenzbegriffs
Im ersten Schritt gilt es zu klären, was mit
Kongruenz
(lat. für
Übereinstimmung,
Gleichförmigkeit
) im sprachwissenschaftlichen Sinne eigentlich gemeint ist. Viele
Definitionen des Kongruenzbegriffs stellen als grundsätzliches Merkmal von grammatischer
Kongruenz eine Übereinstimmung von Morphemen fest, andere behaupten, es gäbe eine
Übereinstimmung in der Flexion. Diese und andere Begriffsbestimmungen haben eines
gemeinsam, sie versuchen Kongruenz über den formalen Ausdruck in der Morphologie zu
fassen, was insofern wenig verwunderlich scheint, als syntaktische Kongruenz vornehmlich in
flektierenden Sprachen festzustellen ist.
,,Eine sprachtypologische Betrachtungsweise des Kongruenzphänomens zeigt, dass syntaktische
Kongruenz hauptsächlich in flektierenden Sprachen auftritt, wo ihr bestimmte Aufgaben bei der
Satzkonstituierung zukommen, die der agglutinierende und der isolierende Sprachtyp anders lösen."3
Die Kongruenz ist im sprachlichen System ein Teilgebiet der Syntax, nicht der Morphologie,
woraus folgt, dass sie sich nicht über ihren formalen Ausdruck bestimmen lässt, auch wenn
im Ergebnis die Morphologie durchaus betroffen sein kann. Auf welcher sprachlichen Ebene
lassen sich dann die Determinanten finden, über die eine Kongruenz im grammatischen Sinne
hergestellt werden kann? Es muss dies eine Ebene sein, die sowohl Syntax als auch
Morphologie betrifft und metasprachliche Konzepte bereitstellt, die sich formal
unterschiedlich ausdrücken lassen, aber Assoziationen zwischen den kongruierenden
Elementen herstellen. Ihrer Natur nach werden sie
morpho-syntaktische
4 Kategorien genannt.
Nicht die Morpheme an sich also, sondern noch nicht näher bestimmte Satzelemente
kongruieren hinsichtlich einer oder mehrerer morpho-syntaktischer Kategorien, die ihren
Ausdruck in der Morphologie haben können.
3 Christoph Jaeger, ,,Probleme der syntaktischen Kongruenz", S.10, 1992
4 vgl. H. Bußmann, ,,Lexikon der Sprachwissenschaft", S.363, 2002
5
,,Die Kongruenz ist nicht davon abhängig, dass morphologisch dasselbe sprachliche Zeichen zum
Ausdruck der Kongruenzkategorie verwendet wird; [...] Am übergeordneten Teil kann die
Kongruenzkategorie auch gänzlich unausgedrückt bleiben."5
Abwesenheit von bestimmten Morphemen hat dementsprechend nicht zur Konsequenz, dass
keine Kongruenz vorliegen kann, Anwesenheit derselbigen stellt aber im Einzelfall ein Indiz
für Kongruenz dar. Was wir bei grammatischer Kongruenz im Folgenden zu berücksichtigen
haben, sind eben diese Kategorien, die nicht ausschließlich auf die vier genannten beschränkt
werden können, da bestimmte Sprachen ebenso bezüglich anderer Kategorien kongruieren
können. So gibt es Sprachen, die eine
Objekt-Verb-Kongruenz
zeigen und Kategorien
zugrundelegen wie ,,Belebtheit" oder ,,Definitheit"6. Welche Kategorien die
Kongruenzgrundlage darstellen, ist für jeden Fall spezifisch zu bestimmen.
2.1.2. Gliederung der grammatischen Kongruenz
Die grammatische Kongruenz gliedert sich in drei primäre Formen. Hinsichtlich der
Entwicklung, Entstehung und ihrem Ausdruck in der Grammatik der Einzelsprache, ist es
wichtig sich die Unterschiede zwischen diesen Kongruenzerscheinungen jederzeit vor Augen
zu halten. Ob Abhängigkeiten zwischen den unterschiedlichen Ausprägungen der Kongruenz
existieren, und wenn in welchem Maße das der Fall ist, konnte noch nicht vollständig geklärt
werden.
-
Nominale Kongruenz
:
Die nominale Kongruenz betrifft allein die Nominalphrase. Hierbei kongruieren
Substantivbegleiter (Determinanten, adjektivische Attribute, Appostionen) mit dem
Bezugssubstantiv.
Bsp.: Deutsch:
,,der schöne Mann" vs. ,,die schönen Ferien"
-
Verbale Kongruenz
:
Bei der verbalen Kongruenz gibt es Übereinstimmung in morpho-syntaktischen
Kategorien zwischen flektiertem Prädikatsteil und Subjekt oder Objekt des Satzes.
Bsp.: Subjekt-Verb-Kongruenz
Deutsch:
,,Ich lese." vs. ,,Sie liest." vs. ,,Die Mädchen lesen"
5 M. Meier-Brügger, ,,Indogermanische Sprachwissenschaft", S.253, 2002
6 vgl. H. Bußmann, ,,Lexikon der Sprachwissenschaft", S.364., 2002
6
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