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Das "musische Preußen" Sophie Charlottes - Kunst und Politik am Hof der ersten Königin in Preußen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 47 Pages
Author: Clemens Götze
Subject: History - Modern Times, Absolutism, Industrialization

Details

Event: Kunst und Politik in Preußen
Institution/College: University of Potsdam (Historsches Institut)
Tags: Preußen, Sophie, Charlottes, Kunst, Politik, Königin, Preußen, Kunst, Politik, Preußen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 47
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 38  Entries
Language: German
Archive No.: V92334
ISBN (E-book): 978-3-638-05714-1
ISBN (Book): 978-3-638-94793-0
File size: 278 KB

Abstract

Die Arbeit vermittelt anhand ausgewählter Beispiele der Hof- und Repräsentationskunst am Königshof zu Preußen das Selbstverständnis der ersten preußischen Königin Sophie Charlotte. Ausgehend von deren Abstammung auf dem Fürstenhause Hannover wird ihre Lebensgeschichte umrissen und die dynastischen Beziehungen der Fürstin zum europäischen Hochadels des ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhunderts dargestellt. Durch die Besprechung ihrer Hofhaltung zu Lietzenburg wird verdeutlicht, dass sich Sophie Charlotte stets als Welfin fühlte und nicht als Mitglied des Hauses Hohenzollern. Es wird dabei deutlich, dass sie - da ihr auf dem Feld der politischen Einflussnahme wenig Spielraum für eigene Bestrebungen blieb - ihre Abstammung und Würde vor allem durch Kunstpolitik und Förderung von Musik und Fest ausdrückte, worin sie der Dame fürstlichen Geblütes ihrer Zeit entsprach.


Excerpt (computer-generated)

Universität

Potsdam Clemens

Götze

Historisches

Institut Sommersemester

2005

6. Semester

HS Kunst & Politik in Preußen (Teil I)

MA NF Neuere Geschichte


Das ,,musische Preußen" Sophie Charlottes

Kunst & Politik am Hof der ersten Königin in Preußen


1

Inhalt

Inhalt _____________________________________________________________________ 1

1.

Vorbetrachtungen _______________________________________________________ 2

2.

Die Welfenprinzessin Sophie Charlotte_______________________________________ 3

2.1. Herkunft __________________________________________________________________ 3

2.2. Eindrücke in der Jugend und die modischen Welten _________________________________ 5

2.3. Vermählung mit dem brandenburgischen Kurprinzen Friedrich ________________________ 8

3.

Die Kurfürstin und ihr Hof zu Lietzenburg ___________________________________ 18

3.1. Der Bau des Schlosses und die Finanzen der Kurfürstin _____________________________ 18

3.2. Die Hofhaltung Sophie Charlottes _____________________________________________ 21

3.3. Wohnkultur und Lebensart in Lietzenburg _______________________________________ 23

3.4. Die schönen Künste _________________________________________________________ 33

4.

Fazit_________________________________________________________________ 42

5. Anhang ________________________________________________________________ 43

5.1.

Quellen_______________________________________________________________ 43

5.2. Literatur__________________________________________________________________ 43

5.2.1 Katalog _______________________________________________________________________ 43

5.2.2 Monographien__________________________________________________________________ 43

5.2.3. Aufsätze______________________________________________________________________ 44


2

1. Vorbetrachtungen

Die vorliegende Arbeit stellt sich zwei wesentliche Anliegen. Zum Einen soll das nach wie vor

beständige Etikett des sogenannten Musenhofes hinterfragt und aufgeklärt werden. Dabei muss

zunächst geklärt werden, was darunter zu verstehen ist, wenn von einem deutschen Fürstenhof

als einem Musenhof die Rede ist. Es gilt zu klären, welche Merkmale einen solchen ausmachen,

wobei schon die erste Schwierigkeit darin besteht, von regionalen Einzelfällen auf eine gesamt-

gültige Definition zu schließen. Aus diesem Grund muss stets erwogen werden, welcher Aspekt

nun speziell ist und welcher als allgemeingültig gelten darf. Des Weiteren wird schon mit diesem

ersten Arbeitsschritt herauszustellen sein, welche Unterschiede es im europäischen Vergleich der

Fürstenhäuser gibt. Dies wiederum leitet auch den zweiten Aspekt dieser Arbeit ein. Nach dem

Ausloten des Begriffs Musenhof muss sich eine Betrachtung darüber anschließen, welche

Möglichkeiten einer deutschen Prinzessin zur Verfügung standen, sich im Rahmen einer fürst-

lichen Herrin an der Seite eines Regenten ein mehr oder minder eigenständiges Leben aufzu-

bauen. Dazu müssen auch Fragen nach der Rolle der Frau in der hochadeligen Gesellschaft

geklärt werden, ebenso ist prinzipiell nach der Herkunft einer fürstlichen Person zu fragen.

Außerdem ist zu beleuchten, weshalb sich in Lietzenburg nur diese Art von Hofhaltung etablie-

ren konnte, jede andere Möglichkeit jedoch nicht denkbar war.

Überdies soll ausgewertet werden, wie sich die Hofhaltung der ersten preußischen Königin

darstellte, welche Ausmaße diese hatte, wo die Gründe und Vorbilder für ihren Hof zu suchen

sind. Vermutlich finden sich Vorbilder und Inspirationen in Frankreich und dem französischen

Königshof, weswegen sich der Blick auch auf die Hofhaltung Ludwigs XIV. richten muss.

Als Quellen sollen dabei vorwiegend Briefwechsel zwischen Frankreich und Hannover, sowie

zwischen Hannover und Berlin dienen. Zudem werden weitere zeitgenössische Berichte über

Sophie Charlottes Hof herangezogen und auch der Blick der Forschung untersucht und disku-

tiert.

Die Arbeit stützt sich im Folgenden argumentativ auf eine zu beweisende These: Der Hof der

ersten Königin in Preußen war nicht der Musenhof, der in der Forschung immer wieder gern

heraufbeschworen wird. Vielmehr muss er als der Versuch einer Fürstin gesehen werden, sich

selbst in angemessenem Rahmen in der höfischen Gesellschaft des ausgehenden 17. und frühen

18. Jahrhunderts nach außen hin zu präsentieren, und zwar auf der Grundlage eines Selbstver-

ständnisses, das aus einer dynastischen Tradition herrührte. Inwiefern dies für den Zeitgenossen

und unsere heutige Welt an höfischer Kunst und Kultur ablesbar war bzw. ist, soll im Weiteren

herausgestellt und besprochen werden.


3

Ich bin wie eine Königin,

Zwar schön geschmückt und hoch erhaben;

Doch reißt ein kleiner Wind dahin

All meiner Blätter Schönheits=Gaben:

Die Blätter fallen leichtlich ab,

Ein Norden=Wind kann sie vertreiben;

Doch fällt mein Purpur schon ins Grab,

Muß mir doch meine Crone bleiben!

Johann von Besser1

2. Die Welfenprinzessin Sophie Charlotte

2.1. Herkunft

Die 1668 unweit von Osnabrück auf Iburg geborene Sophie Charlotte ist die einzige Tochter

Sophies von der Pfalz und ihres Gemahls Ernst August von Braunschweig-Lüneburg. Die

Wichtigkeit von Nachkommen in der fürstlichen Gesellschaft braucht an dieser Stelle nicht

betont zu werden, es sei nur darauf verwiesen, dass Kinder beiderlei Geschlechts mitunter ein

Problem darstellen konnten. So musste ein Sohn, wenn er nicht nach hauseigenem Primogenitur-

Gesetz die Landesherrschaft übernahm, mit einer Apanage ausgestattet werden, um versorgt zu

sein. Töchter mussten wiederum verheiratet werden, was mitunter auch extrem kostspielig

werden konnte, wenn es darum ging eine standesgemäße Aussteuer zu finanzieren. Kurzum, die

Versorgung der Kinder war nicht selten schwierig und musste gut bedacht sein.

Für Sophie Charlotte stellte sich das Problem der Verheiratung insofern nicht, als sie die

einzige Tochter des Herzog-Paares war. Zudem gehörte sie einem der ältesten Fürstenge-

schlechter im Reich an, eine Tatsache, die nach damaligem Verständnis wichtiger war als bloßer

Prunk und Prachtentfaltung. Die Notwendigkeit der Selbstdarstellung ist unbestritten, nur kam es

vor allem darauf an, worauf man Bezug nehmen konnte. Wichtig waren in diesem Zusam-

menhang glorreiche Vorfahren nebst ihren Ansprüchen und rühmliche Taten, die das eigene

Selbstverständnis eines Hauses bestimmten. Es war nicht ausreichend mittels eines beein-

druckenden Schlosses mit Porzellankabinett und Gemäldegalerien zu repräsentieren, denn all

diese Erscheinungsformen fürstlicher Repräsentation konnten nicht über einen offensichtlichen

Mangel an Größe des Hauses hinweg täuschen, geschweige denn ihn ausgleichen.2

1 KÖNIG, Johann Ulrich: Des Herrn von Besser Schrifften. Beydes in gebundener und ungebundener Rede nebst

dessen Leben und einem Vorberichte. Erster Theil, Leipzig 1732, S.220.

2 Vgl. HAHN, Peter-Michael: Hofkultur und Hohe Politik. Sophie Charlotte von Braunschweig-Lüneburg, die erste

Königin in Preußen aus dem Hause Hannover. In: Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten


4

Beide Elternteile hatten nun den Vorteil, dass sie auf nennenswerte Ahnen und eine beacht-

liche Dynastie-Geschichte verweisen konnten. Die Herrschaftsansprüche der Welfen auf den

niedersächsischen Raum sind Jahrhunderte weit zurückzuverfolgen und belegbar. Die Mutter

Sophie Charlottes wiederum konnte auf ihre pfälzischen Vorfahren und die englische Königs-

familie verweisen, was nach 1714 noch Bedeutung erlangen sollte, als einer ihrer Söhne als Georg

I. den englischen Thron besteigt. Freilich konnte das am Ende des siebzehnten Jahrhunderts

keiner wissen, umso mehr ist es bezeichnend, wie sehr auf Tradition und Ahnen Bezug genom-

men wurde.

Es konnte soweit gehen, dass, aus Sicht der Verwandten, unstandesgemäße Ehepartner ein

Leben lang nicht vollends akzeptiert wurden. Wir sprechen von dem Fall d′Olbreuse. Ungeachtet

dessen, dass Sophies Schwager Georg Wilhelm gegen das Abkommen, welches die Erbfolge des

Hauses bestimmte, verstieß, war vor allem die Vermischung fürstlichen Blutes mit dem des

niederen Adels skandalös. Vom Standesbewusstsein der Herzogin Sophie zeugen unter anderem

auch ihre Heiratspläne für die eigenen Kinder.3

So berühmt beide Fürstengeschlechter der Eltern waren, so kurios erscheint heute die Ver-

mählung Sophies von der Pfalz mit Ernst August von Braunschweig-Lüneburg. Die Geschichte

ist bekannt und liest sich wie der Stoff zu einem Film. Das für damalige Verhältnisse ältliche

Fräulein heiratete den jüngeren Bruder eines Herzogs, nachdem dieser sich von der vorher

geschlossenen Verlobung gelöst und zudem versprochen hatte, niemals zu heiraten und auf

seinen Erbanspruch zu verzichten. Im Grunde für die fürstliche Welt von damals ein sonderbares

Ding, für die Prinzessin Sophie war es ein Glücksfall. Nicht nur, dass sie fortan erst einmal

abgesichert war, in ihrem Gemahl fand sie auch einen durchaus stattlichen Mann. ,,Ich hatte ihn

sehr jung in Holland gesehen, sein schönes Aussehen hatte noch zugenommen, er gefiel jeder-

mann"4, schrieb Sophie in ihren 1680 begonnenen, wie sie im Vorwort angibt, zur Zerstreuung

verfassten, Memoiren. Dass er damals noch nicht als potenzieller Heiratskandidat galt, hinderte

beide nicht daran, einen Briefwechsel zu beginnen, der von Ernst August ausging, nach kurzer

Zeit jedoch von Sophie abgebrochen wurde. ,,Ich hatte Angst, die Welt möchte sagen, meine

Freundschaft für ihn wäre zu stark."5 Schon hier wird deutlich, dass die späteren Eheleute eine

gewisse Zuneigung empfunden haben dürften, und aus Sophies Memoiren ist herauszulesen, dass

sie ihren Gemahl förmlich anbetete, so sehr, ,,daß ich mich verloren glaubte, wenn ich ihn nicht

Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Sophie Charlotte und ihr Schloß. Ein Musenhof des Barock in Brandenburg-Preußen,

München u.a. 1999, S.31-42, [hier S.31].

3 Umso kurioser scheint uns heute, dass der Plan Sophie Charlotte mit dem französischen Dauphin zu verheiraten

unter anderem auch deshalb gescheitert sein dürfte, da eine Prinzessin aus einem Haus, das noch nicht einmal die

Kurfürstenwürde innehatte, nicht sonderlich interessant für das französische Königshaus gewesen sein dürfte.

4 GEERDS, Robert (Hrsg.): Die Mutter der Könige von Preußen und England. Memoiren und Briefe der Kurfürstin

Sophie von Hannover, München u. Leipzig 1913, S.37.

5 Ebd.


5

sah."6 Es darf also davon ausgegangen werden, dass dieses Fürstenpaar über das politische Kalkül

hinaus etwas verband, was beispielsweise bei deren Tochter Sophie Charlotte nicht der Fall sein

sollte.

Für Sophie von Hannover waren die Voraussetzungen zu einem standesgemäßen Leben nach

der Vermählung mit Ernst August gegeben, nachdem ihre Kindheit und Jugend mitunter wenig

Anlass zur Freude gegeben hatte. Mit ihrem Gemahl konnte sie nun das Projekt der Rangerhöh-

ung und Erhebung des Hauses Hannover in den Kurfürstenstand vorantreiben. Sie sollten es

1692 erreichen.

Eben dieses beschriebene Standesbewusstsein dürfte die junge Sophie Charlotte am Hofe

ihrer Eltern soweit mitbekommen haben, dass sie sich in den folgenden Jahren, auch und vor

allem nach ihrer Hochzeit mit dem Brandenburger, doch immer wieder als Hannoveranerin und

Welfin fühlte, denn als eine der Hohenzollern.

2.2. Eindrücke in der Jugend und die modischen Welten

Da Sophie Charlotte die einzige Tochter Sophie von Hannovers war, kam ihrer Erziehung mit

Sicherheit eine Sonderstellung zu. Vermutlich stellte sie für die Herzogin eine Art Lebens-

mittelpunkt in besonderem Sinn dar, während sich der Vater in der Politik erging und die vier

Brüder Sophie Charlottes von Hofmeistern erzogen wurden. Vor diesem Hintergrund ist die

enge Bindung von Mutter und Tochter leicht zu erklären.

Wie aber war nun die Mutter, und was davon hat möglicherweise auf die Tochter eingewirkt

und ihr Wesen mitgeprägt? In einem amtlichen Führer des Sitzes Herrenhausen heißt es über die

Schlossherrin: ,,Sophie, ′die Mutter der Könige′, verbindet das Zeitideal der inneren grandeur und

sérenité mit Lebensklugheit und jenem überlegenen Humor, dem sie einen Teil ihrer Berühmtheit

verdankt."7 Freilich ist dem Leser hier etwas besonders schmackhaft dargestellt worden, gleich-

wohl kann nicht in Abrede gestellt werden, dass Sophie von Hannover, trotz aller Herrschafts-

ansprüche und Intrigen gegen unstandesgemäße Personen, eine überaus feinsinnige Frau war. Sie

gilt als eine der geistreichsten und gebildetsten Frauen ihrer Zeit.8 Und genau von ihr geht auch

immer wieder das Etikett des Musenhofes aus, welches dann auf die Hofhaltung ihrer Tochter in

Preußen übertragen wurde.

Es gibt kein geistiges Interesse, das die Kurfürstin Sophie nicht in den Kreis ihres Denkens zieht. [...] Der

Kreis um die Kurfürstin hat im gleichzeitigen Deutschland sicher nicht seinesgleichen gehabt. Man möchte

sagen, daß hier eine Kultur der Musenhöfe ihren Ausgang genommen und bei den Nachkommen Sophiens

6 Ebd, S.60.

7 VON ALVENSLEBEN, Udo: Herrenhausen. Die Sommerresidenz der Welfen. 2. Auflage, Berlin 1939, S.10.

8 Vgl. GHAYEGH-PISHEH, Kohra: Sophie-Charlotte von Preußen. Eine Königin und ihre Zeit, Stuttgart 2000, S.17.


6

sich fortgepflanzt hat. Charlottenburg, Monbijou, Sans Souci, Bayreuth und das Weimar Anna Amalias sind

Glieder einer Kette, die in Herrenhausen beginnt, und der das deutsche Geistesleben seine feinsten Erin-

nerungen verdankt.9

Zunächst einmal dürfte es wohl richtig sein, wenn man den oben genannten Höfen ein musisches

Potenzial nicht abspricht. Doch sollte auch nach den Gründen für die Herausbildung derselben

gefragt werden. So muss davon ausgegangen werden, dass im Falle Sophies von Hannover nicht

die mangelnde politische Präsenz auf der europäischen Bühne, wie etwa im Falle Weimars, zur

aktiven Gestaltung des Geisteslebens geführt haben wird, sondern in Kunst und Kultur eher eine

Ausdrucksweise des politischen Anspruches der Herzogin und späteren Kurfürstin zu sehen ist,

wie er etwa am Vorbild Versailles wahrgenommen werden konnte. Zweifellos ist über das

Ausmaß einer Vorbildfunktion des französischen Hofes unter Ludwig XIV. immer wieder dis-

kutiert worden, gleichwohl kann nicht in Abrede gestellt werden, dass seine Besucher ihre

Eindrücke mit in die Heimat nahmen und dort zu eigenen Ideen, je nachdem was die Mittel

hergaben, umformten.

Es ist im Grunde der Aspekt der Moden, die in der Regel aus Frankreich, Italien oder den

Niederlanden, ja selbst aus Fernost, kamen und sich an den europäischen Höfen verbreiten

konnten. Im ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhundert war der Hof von Ludwig XIV. mit

Sicherheit einer der bedeutendsten Höfe Europas, und konnte somit auch modisch tonangebend

wirken. Die höfische Herrenmode entwickelte sich unter der Regierung Ludwigs in ihrer Form

weiter und entfaltete einen besonderen Prunk, sodass der König mehrmals Verbote für das

Tragen von Gold- und Silberbrokaten aussprach, und nur noch wenige privilegierte Personen

solch edles Kleid tragen durften.10 Allerdings war vor allem für die Damenmode kein ständiges

Vorbild für neue Kreationen vorhanden, denn die Königin von Frankreich fristete ein Schatten-

dasein und wurde von den Mätressen des Königs mehr oder weniger verdrängt und an schillern-

der Größe und Ausstrahlung überragt. Da der selbst ernannte Sonnenkönig bekanntermaßen

zeitlebens dem schönen Geschlecht sehr zugeneigt gewesen war, wechselten die Favoritinnen

seiner Majestät mitunter rasch, was zur Folge hatte, dass die Etablierung grundlegender

modischer Veränderungen der höfischen Damenmode am Ausgang des 17. Jahrhunderts nicht

gewährleistet war, wie es hingegen bei der Herrenmode durch die Person des Königs möglich

sein konnte.11 So wurden vor allem modische Details und Accessoires zum Interesse der

höfischen Damenwelt. Solche Modeerscheinungen konnten mitunter auch ausarten, wie

Elisabeth Charlotte von Orléans im Juni 1687 aus Versailles an ihre Tante in Hannover schrieb:

9 VON ALVENSLEBEN: Herrenhausen [wie Anm.7], S.11.

10 LOETZ, Hélène: Die höfische Mode. Von der Rhingrave zur Fontange. In: PAAS, Sigrun (Hrsg.): Liselotte von der

Pfalz. Madame am Hofe des Sonnenkönigs, Heidelberg 1996, S.189-198.

11 Ebd., S.193.



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