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Scholary Paper (Seminar), 2002, 19 Pages
Author: Christian Heger
Subject: Film Science
Details
Tags: Zeitgeschichte, Fernsehen, Siebziger, Film, Ulrike, Grunewald, Peter, Hartl
Year: 2002
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06566-5
File size: 162 KB
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Abstract
Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine filmwissenschaftliche Untersuchung zur Präsentation von Zeitgeschichte im Fernsehen am Beispiel des Films "Die wilden Siebziger" von Ulrike Grunewald und Peter Hartl (BRD 2001). Zunächst werden die inszenatorischen Standards des historiodokumentarischen Formats umrissen, wie es speziell durch Guido Knopp und seine „ZDF-Redaktion Zeitgeschichte“ Mitte der Neunziger Jahre popularisiert wurde; danach folgt eine Analyse seiner inszenatorischen Kernelemente am konkreten Einzelbeispiel. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Montage der einzelnen Sequenzelemente, die Wechselwirkung zwischen Ton- und Bildebene sowie die Relevanz der charakteristischen Zeitzeugen-Interviews.
Excerpt (computer-generated)
Christian Heger
Zeitgeschichte im Fernsehen
,,Die wilden Siebziger" Ein Film von Ulrike
Grunewald und Peter Hartl
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung 2
II.
1967 bis 1977: Ein Jahrzehnt im Zeitraffer Sequenzelemente und Gesamtstruktur ... 3
III.
Der Reiz des Audiovisuellen Inszenierung zwischen Bild und Ton 5
IV.
Die Tendenz zur Personengeschichte Zeitzeugen im Interview 12
Literaturverzeichnis 15
1
I. Einführung
Seit Guido Knopp mit seiner ,,ZDF-Redaktion Zeitgeschichte" Mitte der Neunziger Jahre mit
großem finanziellem Erfolg begann, deutsche Zeitgeschichte in Form von mehrteiligen
Fernsehreihen aufzubereiten, erfuhr das bereits tot geglaubte Format der historischen TV-
Dokumentation einen regelrechten neuen Boom. In der Nachfolge von breitenwirksamen
Stoffen wie ,,Hitler Eine Bilanz" (1995), ,,Hitler Helfer" (1996), ,,Vatikan Die Macht der
Päpste" (1997) oder ,,Kanzler Die Mächtigen der Republik" (1998) etablierte sich
marktübergreifend ein neues Konzept audiovisueller Geschichtsdarstellung Knopp′scher
Prägung, von dem sich neben den ARD-Anstalten als maßgebliche deutsche Institutionen
rundfunkgemäßer Grundversorgung sogar Produktionen des britischen Pioniersenders BBC
zuweilen beeinflusst zeigen1. Bildbeiträge von oft nur wenigen Sekunden Länge können als
genuines Merkmal solcher Sendungen dabei ebenso unschwer festgestellt werden wie die
zahlreichen interviewhaften Berichte prominenter bis privatimer Zeitzeugen, die in zuweilen
fast grellen Licht vor in der Regel völlig dunkler Studioleinwand von der Kamera
aufgenommen werden. Die beinahe götzenhafte Fixierung auf zeitgeschichtliche
Originaldokumente lässt die zuständigen Redakteure dabei Mal für Mal Summen bis zu
30.000 DM investieren Kosten, die durch den weltweiten Verkauf der Senderechte nach
Aussagen des promovierten Historikers Knopp jedoch bei weitem wieder ausgeglichen
werden2.
Im thematischen Gegensatz zu Knopps meistbehandeltem Sachkomplex, der Zeit des
deutschen Nationalsozialismus, steht der ebenfalls für das ZDF produzierte
fünfundvierzigminütige Dokumentarfilm ,,Die wilden Siebziger" der beiden Autoren Ulrike
Grunewald und Peter Hartl, der unter dem emotionalisierenden Untertitel ,,Träume, Trotz und
Terror" einen Rückblick auf die bundesrepublikanische Studentenbewegung der 1968er-
Generation gibt und den Werdegang einiger ihrer Protagonisten bis in die Gegenwart verfolgt.
Der Film wurde erstmals am 28. März 2001 im ZDF ausgestrahlt und dann mit zeitlichem
Abstand im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Wiederverwertung auf den Spartenkanälen
PHOENIX und 3SAT gezeigt3. Anlass für den Beitrag bildete die damals heftig geführte
Debatte um die politische Vergangenheit von mittlerweile führenden Regierungsvertretern.
Im Zentrum der Kritik standen die beiden Bundesminister Joschka Fischer und Jürgen Trittin,
1 Vgl. Kellerhof, Sven Felix: Geschichte wird gemacht. In: Berliner Illustrierte Zeitung. Ausgabe 08.10.2000,
zitiert nach http://morgenpost.berlin1.de/archiv2000/001008/biz/story351892.html (Zugriff vom 03.03.2002).
2 Vgl. ebd.
3 Vgl. Die wilden Siebziger. In: http://www.3sat.de/service/pressetreff/21022002_13.html (Zugriff vom
28.02.2002); vgl. auch Die wilden 70er. In: http://www.phoenix.de/old/themen/topt/052001/01727/index.html
(Zugriff vom 18.03.2002).
2
denen
moralisch
zweifelhafte
Aktionen
während
der
außerparlamentarischen
Protestbewegung der Siebziger Jahre vorgeworfen wurden. Während sich Außenminister
Fischer mit einem wiederentdeckten Foto konfrontiert sah, welches ihn im offenen
Schlagabtausch mit einem Polizisten zeigte, wurde Umwelt-Ressortchef Trittin offene
Sympathiebekundung für die Mörder des 1977 getöteten Generalbundesanwaltes Siegfried
Buback zur Last gelegt4. ,,Heute tragen einige von ihnen Maßanzüge, sind Minister,
Abgeordnete oder Parteivorsitzende", erläutert der im Internet bereitgestellte Begleittext den
Hintergrund zur Sendung. ,,Vor einem Vierteljahrhundert gehörten sie zu einer Szene, die
dem Staat den Kampf ansagte"5.
Anhand der vorliegenden Untersuchung soll im Rahmen einer tiefergehenden Analyse auf
einige bedeutsame Aspekte der Dokumentation ,,Die wilden Siebziger" hingewiesen werden.
Dabei soll vor diesem Hintergrund insbesondere die Methodik im Umgang mit den
verschiedenen audiovisuellen Präsentationsformen kritisch hinterfragt und einer genaueren
Bestandsaufnahme unterzogen werden.
II.
1967 bis 1977: Ein Jahrzehnt im Zeitraffer Sequenzelemente und
Gesamtstruktur
Der Film ,,Die wilden Siebziger" lehnt sich in seiner Struktur an das bereits etablierte
Knopp′sche Konzept von Geschichte im Fernsehen ohne nennenswerte Abweichungen an:
,,Die Sprache verkürzt auf kurze, überschriftartige Texte, kein O-Ton länger als drei Sätze,
keine Szene länger als eine Minute."6 Die beiden größten szenischen Blöcke bilden
gewohntermaßen sorgsam angeordnete und bearbeitete Original-Dokumente auf der einen,
minimalistisch standardisierte Interviewausschnitte auf der anderen Seite7. Insgesamt gelang
es den Autoren, vierzehn Gesprächspartner allesamt Zeitzeugen für ihren Film zu
gewinnen, wobei der Person Daniel Cohn-Bendits als 68er-Galions- und Identifikationsfigur
eine leicht herausgehobene Rolle zugewiesen wird.8
4 Trittin war öffentlich scharf kritisiert worden, weil er sich bei einer zufälligen Begegnung mit dem Sohn des
Ermordeten, Michael Buback, im Januar 2001 nach dessen Angaben nicht deutlich genug von dem sogenannten
,,Mescalero"-Brief distanziert habe, einem polemischen Nachruf auf das Attentatsopfer, in dem von
,,klammerheimlicher Freude" die Rede war; vgl. Trittin-Affäre. Presserat rügt ,Bild′-Zeitung. In:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,druck-127823,00.html (Zugriff vom 28.02.2002).
5 Vgl. Die wilden Siebziger. a. a. O.
6 So legt Sandra Maischberger in ihrem Gespräch mit Guido Knopp die wichtigsten Elemente seiner Sendungen
fest; vgl. Maischberger, Sandra: ,,Auch ich musste weinen". In: Message. Ausgabe 2/1999, zitiert nach
http://www.message-online.de/arch0299/92knop.htm (Zugriff vom 03.02.2002).
7 Zum Element der schwarzen Leinwand vgl. ebd.
8 Cohn-Bendit ist sowohl der erste als auch der letzte der Interviewten im zeitlichen Ablauf des Films, zudem
liegt er mit acht Redebeiträgen zahlenmäßig mit Abstand an der Spitze (die zeitliche Summe seiner Beiträge
liegt bei rund vier Minuten).
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