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Scholary Paper (Seminar), 2002, 23 Pages
Author: Christian Heger
Subject: Film Science
Details
Tags: Horrorfilm, Genrekonvention, Autoreflexion, Slasherkino, Jahrtausendwende
Year: 2002
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06222-0
File size: 145 KB
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Abstract
Die Arbeit untersucht die autoreflexiven Genremechanismen des zeitgenössischen Horrorfilms anhand einer Vielzahl von selbstreferentiellen Beispielen.
Excerpt (computer-generated)
Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
,,Es war wie in einem Horrorfilm..."
Genrekonvention und Autoreflexion im Slasherkino
der Jahrtausendwende
Von Christian Heger
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung ______________________________________________________________ 4
II. Motivische Standards und Ideenkonstrukte____________________________________ 6
III. Narratologische Grundmuster _____________________________________________ 9
IV. Stilistische Merkmale und Inszenierung_____________________________________ 11
V. Kino des Grauens, Kino der Zitate __________________________________________ 14
VI. Zerbrochene Realitäten: Horror als Medienkritik _____________________________ 17
VII. Schlussbemerkung: To be continued_______________________________________ 19
Literaturverzeichnis ________________________________________________________ 21
2
,,Es gibt was, dass Du wissen solltest. Das
hier ist kein gewöhnlicher Job. Er erfordert
Hunderte von Stunden der Planung und Hingabe. [...] Held dieser Stadt [...] das wird
man nicht einfach mir nichts, dir nichts. Das ist schwerer, als es aussieht. Es gibt
Regeln, denen man zu folgen hat. Die Filmregeln.
Du musst erstens wissen: Ab und zu sind Gewehre eine Hilfe, aber ein andermal richten
sie gar nichts aus. Und dann hilft nur noch mit etwas Glück einfrieren oder wenn
möglich verbrennen. Aber das kann man nie genau vorher wissen. Die Methode der
Monstervernichtung ändert sich alle Jahre, weil dieses verdammte Ding sich stets
anpasst. Du musst also jedes Mal einen neuen Weg finden, es zu töten.
Zweitens: Du darfst dich nie auf die anderen verlassen. Der Sheriff glaubt einem erst,
wenn es viel zu spät ist und die Nationalgarde ist jedes Mal schon lange unterwegs.
Wenn du also willst, dass die Arbeit erledigt wird, tue es selbst. [...]
Drittens: Wenn du einen Hund bellen hörst, sei auf der Hut! Das bedeutet Alarmstufe,
das Monster ist in der Nähe und du hast etwa drei Sekunden, um so schnell wie möglich
abzuhauen.
Nach der schrecklichen Autopsie der ersten ein, zwei Opfer tut der Arzt das ganze gern
mit einer ach so logischen Erklärung ab. Auf keinen Fall auf ihn hören, klar? Nicht mal,
wenn er der Vater deiner Freundin ist. [...]
Es gibt noch ein paar weitere Gesetzmäßigkeiten wie das Gewitter und der Sturm, die
die Stadt lahm legen und der Wagen, der leider keine Lust hat anzuspringen. Und dann
die unverzichtbare Mann-gegen-Mann-Showdown-Szene, die für gewöhnlich am Ende
in der Fabrik stattfindet."
(Filmveteran Lloyd Reeves in MONSTER, USA 1999, Regie: John Lafia)
Bei dem Titelzitat handelt es sich um einen Ausspruch von Gale Weathers in
SCREAM SCHREI! (SCREAM, USA 1996, Regie: Wes Craven).
3
I. Einführung
Im Jahr 1996 brach Wes Cravens Film SCREAM SCHREI! alle Rekorde an der Kinokasse
und verhalf damit einem längst tot geglaubten Genre zu einer sensationellen Renaissance im
amerikanischen Mainstream-Kino: Der lange Zeit verpönte Slasherfilm war wirtschaftlich
endlich wieder rehabilitiert1. Darüber hinaus stieß Cravens Film, der auf einem Drehbuch des
arbeitslosen Gelegenheitsschauspielers Kevin Williamson basierte, sogar bis auf wenige
Ausnahmen auf eine positive Resonanz bei der dem Horrormetier zumeist nicht gerade
wohlgesonnenen Filmkritik. Der Erfolg von SCREAM bewirkte eine regelrechte Flut von
Nachfolge-Produktionen, die alle mehr oder minder das offensichtliche Erfolgsrezept des
wegweisenden Vorgängers nachzuahmen suchten.
Cravens Film ist ein bewusstes Kino der Zitate, der postmodernen Anspielung. Unzählige
Verweise auf populäre Genre-Klassiker konfrontieren den Zuschauer mit einer vergnüglichen
Prüfung der eigenen Kenntnis der Filmgeschichte. Im Zentrum allerdings steht das Spiel mit
den Genrekonventionen, die Jamie Kennedy als Filmfreak Randy Meeks in SCREAM
schlagwortartig benennt: ,,Es gibt gewisse Regeln, die man beachten muss, um [...] in einem
Horrorfilm zu überleben. Nummer eins: Enthalte dich jeder Form von Sex. [...] Sex ist gleich
Tod! Nummer zwei: Nicht trinken und keine Drogen. Das alles fällt unter Sünde. Sünde ist
die Erweiterung von Nummer eins. Und Nummer drei, Du darfst nie, niemals, unter keinen
Umständen sagen, ,Ich komme gleich wieder′. Denn du kommst nicht wieder. [...] Jeden, der
gegen die Gesetze verstößt, erwartet der Tod." Tatsächlich jedoch folgen Craven und
Williamson dem von ihnen aufgestellten Regelkatalog in ihrem Film nicht lückenlos, sondern
zelebrieren immer wieder auch verwirrende Brüche im traditionellen Erzählgerüst eine
Vorgehensweise, die ihr Werk auf zwei Ebenen filmischer Wahrnehmung funktionieren lässt.
Zum einen ist SCREAM parodistische Hommage, zum anderen wirkt er aber auch als seriöser
Horrorfilm ein Phänomen, das als geradezu typisch für die postmoderne Filmkultur gelten
kann2.
Der Erfolg ihres Films veranlasste Regisseur und Drehbuchautor zu zwei Fortsetzungen,
Williamson zeichnete darüber hinaus verantwortlich für das Skript mehrerer anderer Teen-
1 SCREAM spielte in den USA insgesamt 103 Millionen Dollar ein und avancierte damit zeitweise zum
kommerziell einträglichsten Horrorfilm aller Zeiten, bis er zwei Jahre später durch BLAIR WITCH PROJECT
(THE BLAIR WITCH PROJECT, USA 1998, Regie: Daniel Myrick, Eduardo Sanchez) mit einem
Einspielergebnis von 142, 8 Millionen Dollar übertroffen wurde.
2 Als Beispiel sei hier auf das Werk der Brüder Joel und Ethan Coen verwiesen, deren Filme ebenfalls stets als
Grenzgang zwischen Genre-Konvention und Genre-Parodie konzipiert scheinen. Zu nennen ist an dieser Stelle
beispielhaft der bizarre Thriller FARGO BLUTIGER SCHNEE (FARGO, USA 1996).
4
Horror-Filme, die in den folgenden Jahren entstanden. Ihnen allen gemeinsam ist die
Auseinandersetzung mit den etablierten Wirkungsmechanismen ihres Genres, der Blick
zurück gerät zu einer identitätsstiftenden Vergewisserung der eigenen filmhistorischen
Position. Doch Craven, Williamson und ihre Nachfolger imitieren nicht nur, sie erneuern
auch, setzen andere Schwerpunkte, entwickeln neue Hintergrundkonstrukte. Die Referenz
freilich bleibt seit SCREAM eine unerlässliche Ingredienz. Nicht selten fungiert sie dabei als
Mittel der Ironisierung und Parodie des Slasher-Subgenres, das seit seiner ersten Blütephase
Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre vielleicht wie kein zweites auf standardisierte
inszenatorische Kodizes und vorgeprägte Handlungsmuster festgelegt war3.
Die zahlreichen in dieser Periode ersonnenen Serienkiller avancierten schon recht bald zu
Ikonen einer modernen jugendlichen Subkultur, deren Interesse und finanzieller
Investitionswille die Einnahmen an Merchandising übertrafen die reinen Filmeinnahmen
rasch um ein Vielfaches unweigerlich zahlreiche Fortsetzungen nach sich zogen. Die dabei
weitaus populärsten Slasherfiguren Tobe Hoopers
Bubba ,Leatherface′ Sawyer
aus
BLUTGERICHT IN TEXAS (USA 1974), John Carpenters
Michael Myers
aus
HALLOWEEN DIE NACHT DES GRAUENS (USA 1978), Sean S. Cunninghams
Jason
Vorhees
aus FREITAG, DER 13. (USA 1980) und Wes Cravens
Freddy Krueger
aus
NIGHTMARE MÖRDERISCHE TRÄUME (USA 1984) brachten es bis zum Jahr 2005
in der Summe auf nicht weniger als 29 Filme4, daneben überschwemmten zahllose, zwar
minder erfolgreiche aber dennoch wirtschaftlich selten unrentable Streifen den internationalen
Kino- und in zunehmender Weise auch Videomarkt. Mitte der neunziger Jahre waren
solcherlei Produktionen jedoch weitestgehend aus dem Bewusstsein der großen Masse von
Filminteressierten verschwunden, das Genre hatte sich in endlosen Selbstwiederholungen und
fortschreitender Ideenlosigkeit erschöpft bis ihm dann SCREAM in die großen Kinosäle
zurück verhalf. Fortan bevölkerten abermals Horden von hübsch anzusehenden Teenagern die
Leinwände der Lichtspielhäuser. Und wieder hefteten sich mehr oder minder wahnsinnige
Schlitzer an ihre Fersen, freilich nicht ohne den bekannten Vorgängern auf einprägsame
Weise ihre Ehrerbietung zu erweisen...
3 So lassen sie auch die Vielzahl von entstandenen Parodien erklären, etwa SCARY MOVIE (SCARY MOVIE,
USA 2000, Regie: Keenen Ivory Wayans) und dessen Sequels SCARY MOVIE 2 (SCARY MOVIE 2, USA
2001, Regie: Keenen Ivory Wayans) und SCARY MOVIE 3 (SCARY MOVIE 3, R: David Zucker, USA 2003).
4 BLUTGERICHT IN TEXAS wurde bisher dreimal fortgesetzt (1986, 1989, 1994), das Original ferner einmal
neu aufgelegt (2004), HALLOWEEN zog bislang sieben Sequels nach sich (1981, 1982, 1988, 1989, 1995,
1997, 2002), FREITAG, DER 13. zehn (1981, 1982, 1984, 1985, 1986, 1988, 1989, 1993, 2000, 2003) und
NIGHTMARE sechs (1985, 1987, 1988, 1989, 1991, 1994). Allerdings kommen sowohl der erste Teil von
FREITAG, DER 13. als auch der dritte der HALLOWEEN-Serie primär ohne ihre populären Killerfiguren aus.
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