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Seminararbeit, 2003, 23 Seiten
Autor: Christian Heger
Fach: Filmwissenschaft
Details
Tags: Haunted, Houses, Raum, Horrorfilm
Jahr: 2003
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 6 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-06224-4
Dateigröße: 128 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Arbeit versteht sich als Beitrag zum Themenfeld "Landschaft und filmischer Raum". Sie untersucht die Funktion und Bedeutung des häuslichen Raums im Kontext des filmischen Horrorgenres. Die Plotstrukturen des sogenannten "Haunted House"-Schemas sind dabei ebenso Gegenstand der Analyse wie die symbolische Funktion des Hauses als Schutz-, Kampf- und Initiationsraum.
Textauszug (computergeneriert)
Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
,,Haunted Houses" -
Der häusliche Raum im Horrorfilm
Von Christian Heger
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung: Vom Horror der Häuser _________________________________________ 3
II. ,,Haunted Houses" Plotstruktur und Storyelemente ___________________________ 5
Die ewige Wiederkehr des Gleichen _______________________________________________ 5
Beseelter Stein _________________________________________________________________ 7
Flucht über die Schwelle_________________________________________________________ 9
III. Das Haus und seine symbolische Funktion __________________________________ 11
Verfolgung und Konfrontation __________________________________________________ 11
Der abgeschiedene Raum _______________________________________________________ 13
Verbotene Zimmer, verborgene Kammern ________________________________________ 14
Das Haus als Schutzraum_______________________________________________________ 16
IV. Schlussbemerkung ______________________________________________________ 18
Literaturverzeichnis ________________________________________________________ 20
Filmographie _____________________________________________________________ 20
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I. Einführung: Vom Horror der Häuser
,,Ein altes, böses Haus. Dunkel. Geheimnisvoll. Wie ein unentdecktes Land, dass darauf
wartet, erforscht zu werden. 90 Jahre steht Hill House und vielleicht steht es noch weitere 90
Jahre. Unheimlich. Friedhofstill. Eine Stätte, die manche Leute ein Gespensterhaus nennen.
Ein Haus, in dem es umgeht." Mit diesen Worten beginnt Robert Wises Film BIS DAS
BLUT GEFRIERT (THE HAUNTING, GB 1962), welcher neben Jack Claytons SCHLOSS
DES SCHRECKENS (THE INNOCENTS, GB 1961) zu den ersten bedeutenden Vertretern
eines der populärsten Subgenres des modernen Horrorfilms zählt. Die Rede ist vom Motiv des
sogenannten ,,Haunted House", des Spukhauses, in dessen Mittelpunkt stets die Konfrontation
einer Gruppe von Menschen mit rätselhaften und übernatürlichen Phänomenen in
unheimlichen Gebäuden steht.
Bereits in Wises Film lassen sich zahlreiche der späterhin fast stereotyp verwendeten
Versatzstücke des Subgenres finden. Die Gruppe, die sich auf Einladung des Anthropologen
Dr. John Markaway (Richard Johnson) in dem entlegenen Landhaus Hill House einfindet,
präsentiert ein Typenarsenal, dass im folgenden nicht nur in Jan de Bonts Remake DAS
GEISTERSCHLOSS (THE HAUNTING, USA 1999) wieder Verwendung finden sollte. Mit
der von Julie Harris eindringlich verkörperten Eleanor Lance begegnet dem Zuschauer der
fortan unverzichtbare Hauptcharakter eines jeden ,,Haunted House"-Films. Eleanor,
alleinstehend und in mittleren Jahren, ist psychisch nach dem Tode ihrer Mutter ein wenig
angeknackst. Elf Jahre hat sie die alte Frau gepflegt und sucht nun Ablenkung und die
Verwirklichung des langersehnten Lebensglücks. In Hill House, in das sie aufgrund ihrer
außergewöhnlichen übernatürlichen Erlebnisse von Dr. Markaway zu parapsychologischen
Experimenten eingeladen wurde, hofft sie all dies zu finden. Doch das Haus ergreift mehr und
mehr Besitz von ihr, bis sie schließlich an ihm zugrunde geht. Genauso wie nach ihr Figuren
wie Ben Rolfe (Oliver Reed) in LANDHAUS DER TOTEN SEELEN (BURNT
OFFERINGS, USA 1976, R: Dan Curtis) oder Jack Torrance (Jack Nicholson) in SHINING
(THE SHINING, USA 1980, R: Stanley Kubrick) wird sie das Haus, das sie in froher
Erwartung betreten hat, nicht mehr lebendig verlassen. Absorbiert von der psychischen
Sogwirkung der besitzergreifenden Gebäude, sind die in ihrem Kampf unterlegenen
Bewohner fortan in Ewigkeit mit ihren Häusern verbunden assimiliert in der Bausubstanz,
zu leblosen Abbildern erstarrt. Jack Torrance zeigt die letzte Einstellung von SHINING auf
einem Foto in der Halle des Overlook-Hotels, Ben Rolfe ziert samt Sohn und Tante die
Fotosammlung der in Gestalt seiner Frau zurückgekehrten alten Hausherrin Mrs. Alladyce;
Eleanor Lance schließlich scheint Eingang gefunden zu haben in eine große Steinskulptur im
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Wintergarten von Hill House, wobei die portraitierten Figuren ebenso große Ähnlichkeit mit
den vormaligen Inhabern des verfluchten Hauses aufweisen wie mit der neurotischen Eleanor.
Doch BIS DAS BLUT GEFRIERT bietet neben seiner Protagonistin noch weitere Typen, die
in ihren Charakterausprägungen und Fähigkeiten späterhin stilbildend für das Genre
geworden sind. Da gibt es den stets bedachtsam und streng wissenschaftlich agierenden Dr.
Markaway, nach humanistischem Ideal edel, hilfreich und gut; dessen Ehefrau Grace (Lois
Maxwell), streng rationalistisch und dominant; die zuweilen aufbrausende und emanzipierte,
zugleich mit telepathischen Kräften ausgestatte Theodora (Claire Bloom); den kapitalfixierten
und skeptischen jungen Erben Luke Sennerson (Russ Tamblyn); schließlich noch das morbide
Hausmeisterehepaar Mr. (Valentine Dyall) und Mrs. Dudley (Rosalie Crutchley). Alle
reagieren sie unterschiedlich auf das, womit sie in Hill House konfrontiert werden und auf
verschiedene Art und Weise, siegreich oder unterlegen, werden sie am Ende den Kampf
gegen das Gebäude beenden. In Hill House nämlich, da wo es ,,nicht natürlich" zugeht, kann
man seinen Sinnen niemals ganz vertrauen; die Grenze zwischen Hausaußen- und -innenwelt
erscheint einmal überschritten nicht mehr ohne weiteres begehbar. Der Raum verdichtet
sich zu einer aus seiner Umwelt herausgelösten Sphäre von existentiellem Wert, in dem
Menschen ums Überleben kämpfen. Das Haus der Raum selbst spielt in dieser Art von
Filmen stets die eigentliche Hauptrolle. Er entwickelt ein bedrohliches Eigenleben, sei es in
Form von unheimlichen physikalischen Vorkommnissen, sei es mit Hilfe umherspukender
Dämonen oder Geister. Der Raum in diesen Filmen ist böse. Er bedroht die Menschen,
verletzt und attackiert. Er versucht zu zerstören. Nicht selten hat er damit Erfolg.
Doch der Horrorfilm kennt nicht nur destruktive Häuserräume. Er kennt auch den Typus der
rettenden Schutzzone, des Rückhalt gewährenden Bereichs der Sicherheit, der sich allerdings
nur allzu oft als trügerisch erweist, da das Böse listenreich, die räumliche Schutzhülle
lückenhaft ist. Bereits Regiepionier David Wark Griffith verwendet dieses Motiv in einer
Szene seines Monumentalwerks DIE GEBURT EINER NATION (THE BIRTH OF A
NATION, USA 1915), in der sich eine Gruppe amerikanischer Südstaatler in einer kleinen
Blockhütte verschanzt, die von wütenden Attacken aufrührerischer Schwarzer heimgesucht
wird. Als die Verteidigung schließlich zusammenbricht, die Tür dem Drängen der Angreifer
endlich nachgibt, verkündet Richard Wagners Walkürenritt auf der Tonebene die für die
Eingeschlossenen rettende Ankunft des Ku-Klux-Klans. Dreiundfünfzig Jahre später sollte
Griffiths Landsmann George A. Romero in seinem effektvollen Regie-Erstling DIE NACHT
DER LEBENDEN TOTEN (NIGHT OF THE LIVING DEAD, USA 1968) eine ähnliche
Situation inszenieren gewiss mit dem kleinen Unterschied, dass die Gruppe der Aggressoren
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nun nicht mehr aus schwarzen Marodeuren, sondern untoten Zombies besteht. Diesmal ist es
auch nicht der Ku-Klux-Klan, sondern eine Spezialeinheit der Polizei, welche die
Gebäudebelagerer eliminiert, doch die Funktion des Hauses ist dieselbe. Zu Anfang des Films
gewährt es Zuflucht und Schutz, im Laufe der Handlung wird es zum Kampfschauplatz, durch
die Scharen der es umzingelnden Untoten avanciert es daneben mehr und mehr zum
Gefängnis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Am Schluss steht bei Romero die für den
Zuschauer bittere Erkenntnis, dass das abgelegene Haus zum Grab für alle darin
Eingeschlossenen geworden ist. Den letzten erwischte eine Kugel der heranrückenden
Befreiungstruppe.
Ausgehend von solcherlei Betrachtungen soll das Motiv des Hauses im Horrorfilm in der
vorliegenden Untersuchung etwas näher analysiert werden. Repräsentative Filmbeispiele
sollen dabei die unterschiedlichen Funktionen und Bedeutungen zu verdeutlichen helfen, die
dem (häuslichen) Raum im Horrorfilm mitunter beigemessen werden. Eine Liste der für die
Studie herangezogenen Filme findet sich am Ende des Textes.
II. ,,Haunted Houses" Plotstruktur und Storyelemente
Die ewige Wiederkehr des Gleichen
Ein Auto fährt inmitten einer weiträumigen Landschaft die Straße entlang, meist
mutterseelenallein, ohne Andeutungen menschlichen Lebens außerhalb des Wagens. Im
Fahrzeug selbst unterhält sich eine Gruppe von Personen über das Ziel ihrer Reise: Ein Haus,
das auf bestimmte oder unbestimmte Zeit zum neuen Heim der Menschen werden soll1. Über
den Aufenthaltsort ist meist nicht allzu viel bekannt, es umweht ihn meist von Anfang an die
Aura des Unheimlichen. Im Overlook-Hotel, zu dem der erfolglose Schriftsteller Jack
Torrance mit Ehefrau Wendy (Shelley Duvall) und Sohn Danny (Danny Lloyd) in SHINING
aufbricht, ermordete einst ein Hausmeister seine Familie; im Haus von Amityville, das von
der fünfköpfigen Familie Lutz in AMITYVILLE HORROR (THE AMITYVILLE HORROR,
USA 1978, R: Stuart Rosenberg) bezogen wird, gab es ein Jahr zuvor ein Massaker, als ein
junger Mann im Wahnsinn seine gesamte Familie umbrachte. Durch derlei Vorgeschichten
erfährt der Zuschauer schon zu Beginn von der Unwirtlichkeit des Ortes, an dem die nun
folgende Geschichte angesiedelt ist. Das Böse im Raum ist zeitlich unbegrenzt. Der Raum
1 Eine derartige Sequenz findet man u. a. bei LANDHAUS DER TOTEN SEELEN, SHINING, bei Sam Raimis
legendären Splatterfilmen TANZ DER TEUFEL (THE EVIL DEAD, USA 1982) und TANZ DER TEUFEL II
JETZT WIRD NOCH MEHR GETANZT (EVIL DEAD II DEAD BY DAWN, USA 1986), aber auch neueren
Produktionen wie HAUS DER VERLORENEN SEELEN (LOST SOULS, KAN 1998, R: Jeff Woolnough). In
BIS DAS BLUT GEFRIERT malt sich Eleanor Lance selbst per Voice-Over während der Anfahrt das schöne
Leben in Hill House aus.
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