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4.-Mai-Bewegung und kulturelle Erneuerung 1915-1921 in China

Termpaper, 2006, 15 Pages
Author: Maria Melanie Heinicke
Subject: Orientalism / Sinology - Chinese / China

Details

Institution/College: University of Cologne
Tags: Erneuerung, China
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V92643
ISBN (E-book): 978-3-638-06228-2
ISBN (Book): 978-3-638-95095-4
File size: 172 KB

Abstract

Die 1919 von Studenten eingeleitete so genannte 4. Mai-Bewegung stellte einen Protest gegen den Aufstieg fremder Mächte, eine radikale Ablehnung der Tradition und ein Bestreben nach einer modernen Entwicklung nach westlichem Vorbild dar. Dabei kann der Begriff der 4. Mai Bewegung einmal verstanden werden als der Tag des 4. Mai 1919, an dem die Studentendemonstration gegen die Unterzeichnung des Versailler Vertrags ihren Lauf nahm, oder er kann verstanden werden als eine ganze Periode. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der Frage, gegen welche Institutionen der alten Gesellschaft sich die 4. Mai-Bewegung richtete und weshalb gerade gegen diese. Dabei wird die Periode 1915 -1921 den Kernzeitraum bilden. Die Ausführungen hierzu stellt die 4. Mai-Bewegung als eine anti-traditionelle und anti-feudalistische Bewegung dar, verbunden mit ihren Beweggründen. Dabei ist es unabdingbar, wichtige historische Vorläufer der 4. Mai-Bewegung und damit verbunden ihre geistigen Stellvertreter voranzustellen. Die Arbeit schließt mit einem Fazit über die alle sozialen Schichten ergreifende Bewegung des 4. Mai 1919.


Excerpt (computer-generated)

Universität zu Köln

Ostasiatisches Seminar / Institut für Moderne China-Studien

Neuere Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Chinas

Hausarbeit zum Thema:

4. Mai-Bewegung (Wusi Yundong- ) und kulturelle Erneuerung

1915-1921

Proseminar:

Grundzüge der modernen chinesischen Geschichte

WS 07/08

Vorgelegt von:

Dipl. jur. Maria Melanie Heinicke


Inhaltsverzeichnis

I.

Einleitung 2

II.

Historische Vorläufer 3

1.Die Reformbewegung von 1898 3

1.1 Yan Fu 4

1.2 Kang Youwei und Liang Qichao 4

2.Die Xinhai Revolution (xinhai geming-

) und Sun Yatsen 5

III.

Institutionen der alten Gesellschaft 6

1. Die 4. Mai-Bewegung als anti-traditionelle Bewegung 6

1.1 Die ,,Fünf Beziehungen" 6

1.2 Reaktion und Beweggrund 7

1.3 Das Schriftwesen der klassischen Literatur 7

1.4 Reaktion und Beweggrund 8

1.5 Religion 9

1.6 Reaktion und Beweggrund 9

2. Die 4. Mai Bewegung als anti-feudalistische Bewegung 9

2.1 Yuan Shikais Herrschaft 9

2.2 Reaktion und Beweggrund 10

IV.

Fazit 11

V.

Bibliographische Angaben 12

1


I.

Einleitung

Die 1919 von Studenten eingeleitete so genannte 4. Mai-Bewegung (Wusi Yundong -

) stellt einen Protest gegen den Aufstieg fremder Mächte, eine radikale Ablehnung der

Tradition und ein Bestreben nach einer modernen Entwicklung nach westlichem Vorbild dar.1

Dabei kann der der Begriff der 4. Mai Bewegung einmal verstanden werden als der Tag des

4. Mai 1919, an dem die Studentendemonstration gegen die Unterzeichnung des Versailler

Vertrages ihren Lauf nahm, oder er kann verstanden werden als eine ganze Periode2, dessen

Zeitraum in der Literatur uneinheitlich festgelegt ist.3 In dieser Arbeit wird die die Periode

1915-1921 den Kernzeitraum bilden. Mit dieser Periode wurde eine Phase des kulturellen

Umbruchs eingeläutet, die bereits vor der 4. Mai Bewegung ihre historischen Vorläufer besaß.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der Frage, gegen welche

Institutionen der alten Gesellschaft sich die 4. Mai-Bewegung richtete und weshalb gerade

gegen diese. Dem Begriff "Institution" soll hier eine Definition aus soziologischer Sicht

zugrunde gelegt werden, da das soziale Zusammenleben der Menschen in Gemeinschaften

und Gesellschaften sowie ihre damit verbundenen Werte und Normen betroffen ist. 4

"Institution" sei hiermit begriffen als ein "soziales Gebilde, Organisation und Prinzip, das als

Träger gesellschaftlicher Ordnung öffentlich anerkannt und garantiert ist. Hauptmerkmale

sind relative zeitliche Konstanz, das einem kulturellen Muster folgende Zusammenwirken

ihrer Glieder und normative Richtlinien, die mit Sanktionen und sozialer Kontrolle

durchgesetzt werden". 56 Diese Definition erfasst ein umfangreiches und variationsreiches

Feld, aus dem sich für dieses Thema wichtige Elemente der alten Gesellschaft entnehmen

lassen, gegen die sich die 4. Mai-Bewegung richtete. Die Arbeit stellt die 4. Mai-Bewegung

als eine anti-traditionelle und anti-feudalistische Bewegung dar, verbunden mit ihren

Beweggründen. Dabei ist es unabdingbar, wichtige historische Vorläufer der 4. Mai-

Bewegung und damit verbunden ihre geistigen Stellvertreter voranzustellen. Die Arbeit

schließt mit einem Fazit über die festgestellten Beweggründe.

1 MacFarquhar 119.

2 Spence 299.

3 Chow (1) definiert den Zeitraum von 1917-1921, Eastman (123) definiert den Zeitraum von 1915-1923,

Schwartz (406-407) gibt keine feste Definition, sondern schreibt, dass bestimmte zu kombinierende Faktoren vor

und nach dem 4. Mai 1919 zu dem Begriff

4. Mai Bewegung

geführt haben. Er lässt die Phase der

,,intellektuellen Transformation" bereits mit der Gründung der Peking Universität beginnen.

4 Joas 36.

5 Meyers Lexikon Online 2.0.

6 Definition Duden: (bes. Soziol., Anthrop.) ,,bestimmten stabilen Mustern folgende Formen menschlichen

Zusammenlebens: die Institution der Ehe, der Familie (...)".

2


II.

Historische Vorläufer

1.Die Reformbewegung von 1898

In der Geschichte Chinas kennzeichnet die ,,Hundert Tage Reform" 1898 einen wichtigen

historischen Vorläufer der 4. Mai Bewegung von 1919. Nach der Niederlage Chinas im sino-

japanischen Krieg (August 1894 ­ April 18957) fanden die Reformpläne ihren Ansatz nicht

per se in einer Ablehnung traditioneller Moralvorstellungen und althergebrachter sozialer

Ordnungssysteme, sondern vielmehr in der Bewahrung traditioneller Grundgedanken und

Normen, insbesondere der Beibehaltung der bisherigen Staatsform. Yan Fu, Anhänger von

Smith, Rousseau, Montesquieu, Huxley und insbesondere Darwin und Spencer8 sowie der

Anführer der Reformisten, Kang Youwei, waren die Stellvertreter der Reformisten von 1898.9

Die Bildung der intellektuellen Kampagne ,,Gesellschaft zum Studium westlicher

Errungenschaften und Reformmöglichkeiten in China" 1895 10 um Kang Youwei und seinem

Schüler Liang Qichao sahen ihre Aufgabe darin, eine fundamentale Änderung sämtlicher

autarker Institutionen umzusetzen,11 mit dem Ziel der Beendigung des bisher autokratisch

regierten Kaiserreichs und der Etablierung einer konstitutionellen Monarchie.12 Die folgende

abrupte Beendigung der Reformen infolge des von der Kaiserinwitwe Cixi mit Hilfe Yuan

Shikais inszenierten Staatsstreiches 1898 geschah jedoch nicht aus einer grundsätzlichen

Ablehnung gegenüber Reformen heraus, sondern resultierte aus verschiedenen politischen

Standpunkten zwischen dem Kaiser Guangxu und der Kaiserinwitwe Cixi. 13 Letzterer ging es

um die Erhaltung ihrer politischen Macht, die ihr infolge einer Verschwörung des Kaisers

unter Zuhilfenahme von Kang Youwei entzogen werden sollte.14 Das Ziel der Errichtung

einer konstitutionellen Monarchie ist damit nicht erreicht worden. Dennoch wurden einige

Reformen erfüllt wie beispielsweise die Errichtung der Universität Peking und Schulen sowie

die Abschaffung des staatlichen Prüfungssystems im Jahr 1905.15 Die Prüfungen hatten in der

Geschichte Chinas eine lange Tradition, in denen sich die Prüflinge an den Auslegungen der

kanonischen Schriften sowie an den vier Büchern des Konfuzianismus zu orientieren hatten.16

7 Spence 221.

8 Hu 120.

9 Schwartz, Themes in Intellectual History: May Fourth and After 410.

10 Franke, Das Jahrhundert der chinesischen Revolution 1851-1949. 72.

11 "(...) Still, to attain our objectives on a grand scale, we have to change institutions." (Hu 112).

12 Franke, Chinas kulturelle Revolution. Die Bewegung vom 4. Mai 1919 90.

13 Franke, Das Jahrhundert der chinesischen Revolution 1851-1949. 74,78.

14 Bartke 53.

15 Franke, Chinas kulturelle Revolution. Die Bewegung vom 4. Mai 1919 34.

16 Ess 21.

3



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