Analyse eines Freifunknetzwerkes

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Details
Autor: Dipl. Inf. Stefan Hosbach
Fach: Informatik - Internet, neue Technologien
Institution/Hochschule: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Jahr: 2007
Seiten: 108
Note: 97,5
Literaturverzeichnis: ~ 75 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1493 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-05488-1
ISBN (Buch): 978-3-638-95715-1
Zusammenfassung / Abstract
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde in den 90er Jahren in Ostdeutschland mit OPAL ein modernes Telefonnetz basierend auf Glasfasertechnik aufgebaut. Erst Ende des Jahrzehnts stellte sich heraus, dass die erste Generation der bezahlbaren Breitbandanschlüsse für den Privatanwender - das ADSL - nur auf Kupferkabel eingesetzt werden kann. Aber nicht nur OPAL, sondern auch die ökonomisch orientierten Ausbaupläne der Telekom bezüglich ihres DSL Netzes waren unter anderem der erste Anstoß für die Entstehung von Funknetzen, die über die Grenzen der Grundstücke hinausgingen, um das Internet an Menschen zu bringen, die ansonsten keinen Zugang zu Breitband-Internetanschlüssen hatten. Das OPAL Netz im Osten von Berlin war einer der Auslöser für die Entstehung des ersten Freifunk Netzwerkes in Deutschland. In den folgenden Jahren sind Bürger in vielen Städten und Gemeinden dem Vorbild der Berliner Freifunker gefolgt und haben mit der gewonnen Erfahrung und bewährten Technik eigenständige Netze aufgebaut. Inzwischen ist nicht mehr alleine die Verbreitung von kostenlosen Internetzugängen das Hauptziel der Freifunk Gemeinschaft, sondern die Entstehung eines eigenen Netzes, das entgegen dem Trend des Internets nicht reglementiert und kontrolliert werden soll. Bereits kurz nach dem Beginn des Freifunk Netzwerkes in Hannover trat der Autor dieser Arbeit der stetig wachsenden Gemeinschaft der Freifunker bei. Aus diesem persönlichen Interesse für die Materie und der Tatsache, dass das Thema Freifunk bislang kaum wissenschaftlich untersucht wurde, begründet sich die Wahl für dieses Thema als Diplomarbeit. Im Rahmen der Diplomarbeit „Analyse eines Freifunk Netzwerkes“ sollen zunächst die Grundlagen der dem Freifunk zugrunde liegenden Techniken und Protokolle beschrieben werden. Darüber hinaus soll die Arbeit vermitteln, was sich hinter dem Freifunk Projekt verbirgt. Um überhaupt praktische Aussagen über das Freifunk Netzwerk treffen zu können, soll zunächst eine Anbindung an dieses erfolgen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse werden ebenfalls in die Arbeit einfließen. Da eine fundierte Analyse des Freifunk Netzwerkes ohne größeres Datenmaterial nur begrenzt möglich ist, wird eine Software entwickelt, die in der Lage sein soll Daten zu sammeln und zu analysieren. Dabei ist sowohl der praktische Nutzen in Form von Fehlerdiagnostik, als auch der wissenschaftliche Aspekte.
Textauszug (computergeneriert)
Fakultät II Informatik, Wirtschaft und Rechtswissenschaften
Department für Informatik
Abteilung Rechnernetze und Telekommunikation
Diplomarbeit
Analyse eines Freifunknetzwerkes
Oldenburg, den 21.12.06
Bearbeitet von
Stefan Hosbach
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 5
1.1 Hintergrund und Motivation 5
1.2 Ziel der Diplomarbeit 6
1.3 Aufbau der Arbeit 7
2 Grundlagen 8
2.1 Mesh Netzwerk 8
2.1.1 Vermaschtes Netz 8
2.1.2 Vermaschte Funknetze 9
2.1.3 Routing in Mesh Netzwerken 10
2.2 OLSR 13
2.2.1 Link State Routing 13
2.2.2 Optimierungen für Funknetze 16
2.3 Freifunk 20
2.3.1 Das Projekt 20
2.3.2 Pico Peering Agreement 20
2.3.3 Rechtslage 22
2.3.4 Freifunk Knoten 23
2.4 Funkübertragung 27
2.4.1 ISM Band 27
2.4.2 Sendeleistung 27
2.4.3 Störquellen 28
2.4.4 Strahlenbelastung 32
3 Analyse 35
3.1 Freifunk in Hannover 35
3.1.1 Das Projekt 35
3.1.2 Topologie des Netzes 36
3.1.3 Installation des Knotens 37
3.2 Vorhandene Software 41
3.2.1 Darstellung mit Google Maps 41
3.2.2 OLSR-Viz 42
3.2.3 Freifunk-Statistics 43
2
3.2.4 Vergleich 44
3.2.5 Gewonnene Erkenntnisse 46
3.3 Daten für die Analyse 47
3.3.1 Relevante Daten 48
3.3.2 Absolute Luftfeuchtigkeit 52
3.3.3 Störung durch benachbarte Funknetze 53
4 Entwicklung der Software 61
4.1 Ausgangssituation 61
4.2 Anforderungsdefinition 61
4.2.1 Einordnung der Arbeit 61
4.2.2 Einsatzbereich der Software 62
4.2.3 Funktionale Anforderungen 62
4.2.4 Nichtfunktionale Anforderungen 64
4.2.5 Benutzerschnittstellen 64
4.2.6 Fehlerverhalten 64
4.3 Entwurf 65
4.3.1 Technologiewahl 65
4.3.2 Architektur 67
4.3.3 Entwurf der Datenhaltung 68
4.3.4 Entwurf des Datensammlers 72
4.3.5 Entwurf des Web Frontends 74
4.4 Implementierung und Test 79
4.4.1 Implementierung des Datensammlers 79
4.4.2 Implementierung der Datenbank 80
4.4.3 Implementierung des Web Frontends 81
4.4.4 Test 82
4.5 Datenanalyse 83
4.5.1 Freifunk Verbindungen 83
4.5.2 Benachbarte Funknetze 86
4.5.3 Wetterdaten 88
4.5.4 Konfiguration der Router 90
5 Abschließende Überlegungen 92
5.1 Gewonnene Erkenntnisse 92
3
5.2 Fazit 92
5.3 Ausblick 94
5.3.1 Verbesserte Datenerfassung 94
5.3.2 Genauere Wetterdaten 95
5.3.3 Bestimmung der WLan Topographie 96
5.3.4 Einbindung der Wettervorhersage 97
Glossar 99
Literatur 101
4
1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Motivation
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde in den 90er Jahren in Ostdeutschland mit
OPAL ein modernes Telefonnetz basierend auf Glasfasertechnik aufgebaut. Erst Ende des
Jahrzehnts stellte sich heraus, dass die erste Generation der bezahlbaren Breitbandanschlüsse
für den Privatanwender - das ADSL - nur auf Kupferkabel eingesetzt werden kann. Aber nicht
nur OPAL, sondern auch die ökonomisch orientierten Ausbaupläne der Telekom bezüglich
ihres DSL Netzes waren unter anderem der erste Anstoß für die Entstehung von Funknetzen,
die über die Grenzen der Grundstücke hinausgingen, um das Internet an Menschen zu
bringen, die ansonsten keinen Zugang zu Breitband-Internetanschlüssen hatten. Das OPAL
Netz im Osten von Berlin war einer der Auslöser für die Entstehung des ersten Freifunk
Netzwerkes in Deutschland. In den folgenden Jahren sind Bürger in vielen Städten und
Gemeinden dem Vorbild der Berliner Freifunker gefolgt und haben mit der gewonnen
Erfahrung und bewährten Technik eigenständige Netze aufgebaut. Inzwischen ist nicht mehr
alleine die Verbreitung von kostenlosen Internetzugängen das Hauptziel der Freifunk
Gemeinschaft, sondern die Entstehung eines eigenen Netzes, das entgegen dem Trend des
Internets nicht reglementiert und kontrolliert werden soll.
Bereits kurz nach dem Beginn des Freifunk Netzwerkes in Hannover trat der Autor dieser
Arbeit der stetig wachsenden Gemeinschaft der Freifunker bei. Aus diesem persönlichen
Interesse für die Materie und der Tatsache, dass das Thema Freifunk bislang kaum
wissenschaftlich untersucht wurde, begründet sich die Wahl für dieses Thema als
Diplomarbeit.
5
1.2 Ziel der Diplomarbeit
Im Rahmen der Diplomarbeit ,,Analyse eines Freifunk Netzwerkes" sollen zunächst die
Grundlagen der dem Freifunk zugrunde liegenden Techniken und Protokolle beschrieben
werden. Darüber hinaus soll die Arbeit vermitteln, was sich hinter dem Freifunk Projekt
verbirgt. Um überhaupt praktische Aussagen über das Freifunk Netzwerk treffen zu können,
soll zunächst eine Anbindung an dieses erfolgen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen und
Erkenntnisse werden ebenfalls in die Arbeit einfließen.
Da eine fundierte Analyse des Freifunk Netzwerkes ohne größeres Datenmaterial nur begrenzt
möglich ist, wird eine Software entwickelt, die in der Lage sein soll Daten zu sammeln und
zu analysieren. Dabei ist sowohl der praktische Nutzen in Form von Fehlerdiagnostik, als
auch der wissenschaftliche Aspekt, wie zum Beispiel durch die Untersuchung des
Zusammenhanges zwischen Wetterverhältnissen und Stabilität des Freifunk Netzwerkes, das
Hauptziel der Entwicklung. So soll die Software aber auch eine zentrale Anlaufstelle bieten,
die dem Anwender alle wichtigen Daten des Freifunk Netzwerkes verfügbar macht.
Um einen Überblick über bereits vorhandene Analysesoftware zu gewinnen, ist es geplant,
dass verschiedene Anwendungen aus diesem Bereich getestet, beschrieben und miteinander
verglichen werden, um auf diesem Weg Erkenntnisse für die selbstständige Entwicklung
gewinnen zu können.
Darüber hinaus muss untersucht werden, welche Daten für die softwaregestützte Analyse
relevant sind. In diesem Rahmen können weitere Untersuchungen bezüglich bestimmter
Aspekte nötig sein. Die zu entwickelnde Software soll aus zwei eigenständigen Programmen
bestehen. Bei diesen handelt es sich um einen Datensammler, der alle relevanten
Informationen abruft und in eine Datenbank ablegt. Auf Basis dieser Informationen operiert
die zweite Anwendung. Diese soll dem Anwender nicht nur Zugriff auf die gesammelten
Informationen bieten, sondern diese auch auswerten können.
6
1.3 Aufbau der Arbeit
Der strukturelle Aufbau der Arbeit lässt sich grob in vier Teile gliedern. Der erste Teil
umfasst das Kapitel 2 und stellt zunächst die Grundlagen für das Verständnis von Freifunk
Netzwerken vor.
Der zweite Teil dieser Arbeit umfasst Kapitel 3 und beschäftigt sich mit der Analyse des
Freifunk-Netzwerkes.
Kapitel 4, der dritte Teil dieser Arbeit, beschreibt in Anlehnung an das Wasserfallmodell, den
der gesamte Entwurf der zu entwickelnden Software. Abschließend wir am Ende dieses
Kapitels die gesammelten Ergebnisse ausgewertet.
Der vierte und letzte Teil besteht mit Kapitel 5 aus den abschließenden Überlegungen. Nach
der Betrachtung von allgemeinen Erkenntnissen, gefolgt von einem Fazit, schließt der
Abschnitt Ausblick sowohl das Kapitel als auch die Arbeit ab.
7
2 Grundlagen
Das folgende Kapitel setzt sich mit den Grundlagen dieser Arbeit auseinander. Zunächst wird
in Abschnitt 2.1 auf das Mesh Netzwerk eingegangen. Beginnend mit der Vermittlung des
OLSR Protokolls in Abschnitt 2.2 und gefolgt von dem Beschreibung der Bereiche des
Freifunks Projekts in Abschnitt 2.3, schließt das Kapitel mit Abschnitt 2.4 ab, welcher die
notwendigen Grundlagen im Bereich Funkübertragung beschreibt.
2.1 Mesh Netzwerk
In diesem Abschnitt wird zunächst das vermaschte Netz vorgestellt. Im Anschluss daran
erfolgt die Hervorhebung der Besonderheiten in vermaschten Funknetzen. Zum Ende des
Abschnittes wird das Routing in Mesh Netzwerken erläutert.
2.1.1 Vermaschtes Netz
Abbildung 1 -
Vermaschtes Netzwerk [FHA]
8
Bei dem vermaschten Netz(eng. Mesh Network) handelt es sich um eine Netzwerktopologie
bei der alle Knoten mit einem oder mehreren anderen Knoten des Netzwerkes verbunden sind.
Somit ist ein Knoten in der Lage jeden beliebigen Knoten des Netzwerkes direkt oder indirekt
über seine Nachbarknoten zu erreichen. Sind alle Knoten direkt miteinander verbunden, so
handelt es sich um ein vollvermaschtes Netz. Alle anderen vermaschten Netz werden auch als
teilvermaschtes Netz bezeichnet. Ein solches ist auf Abbildung 1 dargestellt. [KES]
2.1.2 Vermaschte Funknetze
Die meisten Funk Netzwerke arbeiten in dem auf Abbildung 2 gezeigten
,,Infrastrukturmodus" und basieren somit auf einem funkgestützten Access Point. In dem
dabei entstehende Netzwerk übernimmt der Access Point die Funktion eines kabellosen
Switches und erzeugt damit eine Stern Topologie. Verbindet man die Access Points über
Ethernet so entsteht eine Zell Topologie. Eine Möglichkeit die Abdeckung eines WLANs zu
erhöhen ist das Wireless Distribution System (WDS). Bei diesem handelt es sich um einen
nicht standardisierten Modus der in der Lage ist Access Points auf OSI Schicht 2 drahtlos zu
verbinden. Da die Informationen zwischen den Access Points auf dem gleichen Kanal
übertragen werden auf der auch die Kommunikation mit den Clients läuft, wird die zur
Verfügung stehende Bandbreite halbiert.
Abbildung 2 -
Infrastructure und Ad-Hoc [OL1]
9
Wird ein Funknetzwerk ohne Access Point betrieben, so steht nur der ebenfalls auf Abbildung
2 ersichtliche Ad-Hoc Modus zur Verfügung. Diese Netze werden auch Mobile Ad-hoc-Netze
(MANet) bezeichnet. Hier sind die Teilnehmer in der Lage eine Verbindung zu allen
Teilnehmen in ihrer Sende- / Empfangsreichweite aufzunehmen, die im selben Modus
betrieben werden. Das dabei entstehende vermaschte Netz wird auch als Mesh Netzwerk oder
,,WLAN Wolke" bezeichnet. In diesem kann ohne Routing Protokolle nur bei direkter
Verbindung miteinander kommunizieren werden. Von einem vermaschten Netzwerk wird
aber nicht nur im Zusammenhang mit drahtlosen Netzwerken geredet, sondern auch große
Teile des Internet basieren auf dieser Topologie. [DCH] [THW] [NWR] [FF1] [FF7]
2.1.3 Routing in Mesh Netzwerken
Das Routing ist im ISO/OSI Modell eine der Hauptaufgaben der dritten Schicht, auch
Vermittlungs-Schicht genannt. Die einfachste Art der Wegwahl ist das statische Routing, bei
welchem es sich um ein nicht-adaptives Routingverfahren handelt. Das Routing ist statisch da
für jeden Knoten vor der Inbetriebnahme eine feste Tabelle angelegt wird, in welcher für alle
zu erreichenden Ziele die optimalen Wege gespeichert werden. Anwendung findet das
statische Routing vor allem bei Netzwerken mit einer festen Struktur und einer vermaschten
Netzwerktopologie.
In großen dynamischen Mesh Netzwerken, wie unter anderem in großen Teilen des Internets,
finden wir jedoch eine Umgebung vor, in der laufend neue Wege entstehen und alte
wegfallen. Aufgrund der riesigen Menge an angeschlossenen Teilnehmern und ihren nicht
vorhersagbaren Verhalten kann es in kürzester Zeit zu stark fluktuierenden Belastungen auf
den einzelnen Knoten des Netzwerkes kommen. Um diesem Problem Rechnung zu tragen
bedarf es einer Lösung die über eine statische Wegwahl hinausgeht. Die Klasse der adaptiven
Verfahren bietet eine Reihe von Lösungen für dieses Problem, da sie in der Lage ist aufgrund
von äußeren Einflüssen dynamisch die Wegwahl zu bestimmen.
Bei den adaptiven Routingprotokollen unterscheidet man zwischen zentralisierten, isolierten
und verteilten Verfahren. Die zentralisierten Routingverfahren bestimmen die
Übertragungsleitung zentral für das gesamte Netz auf einem Knoten, welcher auch Routing
Control Center (RCC) genannt wird. Bei den isolierten Routingverfahren übernimmt ein
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