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Berlinisch - Soziolinguistisches zu Ost und West, Studie zur r-Vokalisierung

Presentation (Handout), 2005, 9 Pages
Author: B.A. Niels Ott
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Category: Presentation (Handout)
Year: 2005
Pages: 9
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V93017
ISBN (E-book): 978-3-638-06282-4

File size: 190 KB
Notes :
Die Arbeit ist ein ausführliches Handout zu einem Vortrag.


Abstract

Der Inhalt des Referats gliedert sich in folgende Teile: Zunächst erfolgt eine kurze Einführung in die Geschichte der Trennung der Stadt. Diese gab den Anlass zu diversen Studien im soziolinguistischen Bereich. Anschließend soll eine Studie von Schlobinski (1996) ein bestimmtes Phänomen näher beleuchten: Die Endsilbe -er wird im Berlinischen meist -a ausgesprochen. Sprecher können anhand der Eigenschaften des gesprochenen -a unterscheiden, aus welchem Teil der Stadt ein Sprecher stammt.


Excerpt (computer-generated)

Berlinisch:

Soziolinguistisches zu Ost und West,

Studie zur r-Vokalisierung

Niels Ott

16. Juni 2005

Handout zum Referat.

Seminar: Phonologie und Phonetik Deutscher Dialekte.

Seminar f¨

ur Sprachwissenschaft ­ Universit¨

at T¨

ubingen.

1 Einf¨

uhrung

Der Inhalt des Referats gliedert sich in folgende Teile: Zun¨

achst erfolgt eine kurze

Einf¨

uhrung in die Geschichte der Trennung der Stadt. Diese gab den Anlass zu diversen

Studien im soziolinguistischen Bereich.

Anschließend soll eine Studie von Schlobinski (1996) ein bestimmtes Ph¨

anomen n¨

aher

beleuchten: Die Endsilbe -er wird im Berlinischen meist -a ausgesprochen. Sprecher

onnen anhand der Eigenschaften des gesprochenen -a unterscheiden, aus welchem Teil

der Stadt ein Sprecher stammt.

2 Historischer Umriss

Im Jahr 1949 wurden die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokrati-

sche Republik gegr¨

undet. Damit war der Weg f¨

ur ein geteiltes Deutschland ­ oder zwei

getrennte Deutschlands geebnet. Mit der Entstehung des Kalten Krieges wurde die in-

nerdeutsche Grenze zu einer Grenze nicht nur zwischen zwei Deutschlands, sondern nach

und nach auch zu einer Grenze zwischen zwei Ideologien und den Einflußbereichen zweier

Superm¨

achte.

Bereits 1951 durften westberliner B¨

urger nicht mehr frei nach Ost-Berlin einreisen.

Letztendlich wurde die Grenze zwischen diesen zwei Welten im Jahr 1961 durch den

Bau der Berliner Mauer manifestiert. 1971 wurde die Grenze durch das Vier-M¨

achte-

Abkommen (auch bekannt als Berlin-Abkommen) und das Transitabkommen f¨

ur Zivil-

personen etwas durchl¨

assiger.

Dennoch galt nach wie vor: Was vorher eine Stadt war, das waren nun zwei und so

sollte das bis zum Fall der Mauer 1989 bleiben. Was vorher eine Sprache war, das wurde

dialekte-handout.tex ­ 26. Mai 2008

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Abbildung 1: Zeitstrahl

nun. . . Anlass einiger soziolinguistischer Nachforschungen und Diskussionen. (Wikipedia,

2005, Berliner Mauer, Vier-M¨

achte-Abkommen)

Die Bezirke Berlins wurden bereits 1920 mit dem Erlass des Groß-Berlin-Gesetzes als

Verwaltungsbezirke festgelegt. (Wikipedia, 2005, Groß-Berlin-Gesetz)

3 Soziolinguistische Betrachtungen

3.1 Ein Blick auf den Wortschatz

Die Hypothese, daß der soziale Unterschied zwischen Ost und West am ehesten am Wort-

schatz zu beobachten sei, liegt nahe. Nach dem Fall der Mauer mußten sich ostberliner

Sprecher in k¨

urzester Zeit an die Begriffe der "westlichen Welt" gew¨

ohnen. Schlobinski

und Sch¨

onfeld (1992) beleuchten dies anhand einiger Beispiele und bemerken einf¨

uhrend:

Von den sich daraus ergebenden kommunikativen Schwierigkeiten sind beson-

ders die Ostberliner betroffen. Manche W¨

orter sind zum schnellen Verst¨

andnis

otig und m¨

ussen sofort ¨

ubernommen werden, z.B. Hamburger statt Grillet-

ta.

Leider sind die anhand zweier Umfragen gewonnenen Ergebnisse schon weniger eindeutig.

Hierbei wurden Ost- und West-Berliner nach den berliner Varianten f¨

ur Begriffe aus dem

Standarddeutschen befragt. Beispiele siehe Tabelle 1.

Unter Auslassung jeglicher Aussage ¨

uber die Signifikanz der angegebenen Daten, daf¨

ur

nach zahlreichen etymologischen Erkl¨

arungsversuchen, kommen Schlobinski und Sch¨

onfeld

(1992) zu folgendem Schluß:

Die Analysen bei den einzelnen regionalen Varianten lassen f¨

ur beide Teile

Berlins gemeinsame, aber auch getrennte Entwicklungen erkennen. Zudem

wurden Schwierigkeiten bei der Aufdeckung der Wandlungen deutlich. [. . . ]

dialekte-handout.tex ­ 26. Mai 2008

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Abbildung 2: Berlin: Bezirke und Mauer. (Barbour und Stevenson, 1998)

Berlinische Varianten

West

Ost

Berlinische Varianten

West

Ost

schwofen

84,2

84,7

Keule

56,6

51,3

scherbeln

7,0

1,5

Atze

37,7

40,2

Sonstige

9,2

13,9

Sonstige

5,7

6,7

Tabelle 1: Prozentuale Verteilung der Varianten f¨

ur "tanzen" und "Bruder"

3.2 Berlinisch als "Sozialslang"?

Eckert (1988) befasst sich mit soziologischen Unterschieden im Sprachgebrauch des Ber-

linischen. ¨

Uber die Haltung der Westberliner zum Dialekt schreibt er:

Es wird mit Vulg¨

arem, Proletenhaftem assoziiert und der Unterschicht zu-

geordnet. Die Angeh¨

origen der Mittel- und Oberschichten distanzieren sich

von seinem Gebraucht, der Dialekt dient ihnen als Negativbild zur sozialen

Abgrenzung.

Der Dialekt ist im b¨

urgerlich gepr¨

agten Zehlendorf weit weniger ausgepr¨

agt als im Ar-

beiterbezirk Wedding.

In Ost-Berlin (also zu Zeiten von Eckert (1988) in der DDR) wird der Dialekt sehr

viel st¨

arker akzeptiert. Hier dient er unter anderem zur Abgrenzung von den Sachsen,

die h¨

aufig in Partei¨

amtern und Funktion¨

arsposten anzutreffen sind und dadurch den

angezweifelten Staatsapparat repr¨

asentieren.

Der Gebrauch des Berlinischen [. . . ] markiert Zugeh¨

origkeit zur Gruppe der

Berliner und schafft ein Wir-Gef¨

uhl. Als Sprache des Alltags und der Pri-

vatsph¨

are dr¨

uckt es bis zu einem gewissen Grade auch eine Oppositionshal-

tung zum Staat und dessen Werten und Normen aus.

dialekte-handout.tex ­ 26. Mai 2008

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