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Scholary Paper (Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Christian Heger
Subject: Film Science
Details
Tags: Zwischen, Hoffnung, Verzweiflung, Filmanalytische, Bemerkungen, Anfangssequenz, Eine, Stadt, Mörder, Fritz, Lang
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06524-5
File size: 107 KB
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Abstract
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Sequenzanalyse der berühmten 'Elsie'-Exposition aus Fritz Langs Filmklassiker "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" aus dem Jahr 1931. Die Untersuchung folgt weitgehend einem deduktiv-beschreibenden Ansatz mit traditionellem filmanalytischen Rüstzeug und verzichtet auf die Verflechtung mit ausufernden kulturhistorischen Diskursen. Im Zentrum der Betrachtung stehen klassische Inszenierungselemente wie Montage, Kameraführung, Ausstattung, Schauspiel, Ton und Beleuchtung.
Excerpt (computer-generated)
Christian Heger
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Filmanalytische Bemerkungen zur Anfangssequenz von M EINE STADT
SUCHT EINEN MÖRDER (1931) von Fritz Lang
I. EINFÜHRUNG
2
II. HANDLUNG, KAMERAFÜHRUNG UND MONTAGE
4
II.1. KONFLIKTANDEUTUNG UND PROTASIS
4
II.2. KAMERASPEZIFIK
5
II.3. CROSS-CUTTING UND EPITASIS
6
II.4. TODESAHNUNG UND KATASTROPHE
7
III. REQUISITE UND KÖRPERINSZENIERUNG
9
III.1. STADTPORTRAIT UND MILIEUSTUDIE
9
III.2. DIE BECKMANN-WOHNUNG: EIN HORT DER GEBORGENHEIT
10
III.3. DIE NEGATION DER FAMILIE
10
III.4. SCHAUSPIELROLLE UND FIGURENKONSTELLATION
11
IV. BELEUCHTUNG UNS STILISTIK
13
IV.1. DIE INNOVATION DES TONFILMS
13
IV.2. IM LICHT DES CALIGARISCHEN EXPRESSIONISMUS
14
V. SCHLUSSBEMERKUNG
16
LITERATURVERZEICHNIS
17
1
I. Einführung
Fritz Langs Film M EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER gehört zweifelsohne in den Kanon
der wichtigsten deutschen Filme der dreissiger Jahre1. 1931 uraufgeführt, hat dieser erste
Tonfilm des Regisseurs vielleicht wie kein zweiter ein verstörendes Porträt der deutschen
Gesellschaft am Vorabend des Dritten Reiches entworfen. Als sozio-psychologische Studie
deutscher Befindlichkeit verfügt M in seiner Historizität noch heute über eine ungeheure
Bannungskraft. In seiner Funktion als eindringliches Plädoyer gegen moralische Hybris und
zivilisatorischen Totalitarismus hat Langs Werk zudem nichts von seiner Aktualität
eingebüßt.
Die Handlung lässt sich kurz skizzieren: Bereits acht Opfer sind zu beklagen und noch immer
fehlt jede Spur von dem unbekannten Täter, der kleinen Kindern auf der Straße auflauert, mit
Süßigkeiten oder Spielzeug ihr Vertrauen gewinnt und sie dann an einem entlegenen Ort
kaltblütig umbringt. Während die Polizei ihren Ermittlungsapparat und -aufwand nach und
nach bis an die Grenzen des Möglichen steigert, wird letztlich auch die Berliner Unterwelt
repräsentiert durch die Führer der sogenannten ,Ringorganisationen′ tätig: Um den
ständigen Razzien der unter Erfolgsdruck stehenden Ermittlungsbehörden ein Ende zu setzen,
beschließen die Gangster, den Mörder auf eigne Faust dingfest zu machen. Mit Hilfe der
Bettlergenossenschaft überziehen sie die ganze Stadt mit einem dichten Netz von Spitzeln, so
dass jedes Kind auf Schritt und Tritt überwacht, jede verdächtige Person gegebenenfalls
verfolgt und ergriffen werden kann. Am Ende verrät sich der unentwegt pfeifende Mörder
jedoch selbst, da ihn ein blinder Luftballonverkäufer anhand der Melodie auf offener Straße
wiedererkennt. Unauffällig wird er durch ein symbolisches ,M′, das ihm auf die Schulter
gepresst wird, als Schuldiger gekennzeichnet. Kurz bevor ihn die herbeigeeilten Bettler und
Kleinganoven ergreifen können, gelingt ihm die Flucht in ein Bürohaus. In der folgenden
1 Fritz Langs Film M wurde am 27. April 1931 mit einer Länge von 3.208 m von der Berliner Filmprüfstelle
zugelassen und am 11. Mai 1931 uraufgeführt. Unter dem Titel M DEIN MÖRDER SIEHT DICH AN wurde der
Film im März 1960 in einer auf 2.693 m gekürzten Fassung erneut herausgebracht. Fehlende Szenen wurden
soweit möglich aus zeitgenössischen Kopien ergänzt, die in der
Cinémathèque Suisse
und im
Nederlands
Filmmuseum
aufbewahrt werden. Der Film hat jetzt eine Länge von 3.024 m. Die vorliegende Abhandlung
basiert auf der vom Sender
Arte
am 19. Februar 2001 (20.45 22.30 Uhr) gesendeten Filmversion. Fritz Lang
(geboren am 5.12.1890 in Wien, gestorben am 2.8.1976 in Los Angeles) zählt zu den führenden Filmregisseuren
des 20. Jahrhunderts. In den zwanziger und frühen dreissiger Jahren gehörte er zu den Meistern des deutschen
expressionistischen Films (u. a. DER MÜDE TOD, 1921; DR. MABUSE, DER SPIELER, 1922; DIE NIBELUNGEN,
1924; METROPOLIS, 1926; M, 1931; DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE, 1932). Nach der Machtergreifung durch
die Nationalsozialisten emigrierte Lang 1933 über Paris in die USA, wo er seine Arbeit international erfolgreich
fortsetzte (u. a. FURY, 1936; YOU ONLY LIVE ONCE, 1936; THE RETURN OF FRANK JAMES, 1949; HANGMAN ALSO
DIE, 1943; THE WOMAN IN THE WINDOW, 1944; RANCHO NOTORIOUS, 1952). Nach seiner Rückkehr in die
Bundesrepublik gelang es ihm nicht, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen (u. a. DAS INDISCHE GRABMAL,
1958; DIE TAUSEND AUGEN DES DR. MABUSE, 1960).
2
Nacht dringen die Mitglieder der Ringorganisationen daraufhin gewaltsam in das Gebäude
ein, fassen den Mörder und unterstellen ihn in einer leeren, abgelegenen Fabrikhalle ihrem
Verbrechertribunal. Kurz vor dem Akt der Lynchjustiz gelingt es der gerade noch rechtzeitig
eintreffenden Polizei, den Täter der mittlerweile als Hand Beckert identifiziert worden ist
einem ordentlichen Gericht zu übergeben und die Verbrecher festzunehmen2.
Die Story von M EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER beruht auf dem authentischen Fall des
Düsseldorfer Massenmörders Peter Kürten. Das Drehbuch Thea von Harbous basiert im
wesentlichen auf einem Zeitungsbericht von Egon Jacobson. Fritz Lang jedoch verlegt die
Handlung vom Ruhrgebiet nach Berlin, in die Hauptstadt der Weimarer Republik. Mit einer
unglaublichen atmosphärischen Dichte werden die Straßen und Häuser Berlins beschrieben
und eine Bevölkerung gezeigt, die deutliche Stigmata wirtschaftlicher Not und sozialen
Elends trägt. Die politische Krise des Weimarer Systems offenbart sich in M vornehmlich in
Form einer kollektiven Mentalitätskrise, deren Versatzstücke Angst, Hysterie und Paranoia
zu den Schlüsselfaktoren bei der Jagd nach dem Kindermörder avancieren3.
Geht es im Verlauf der Handlung zunehmend um kollektive Prozesse, um Massenszenen und
verallgemeinerte Vorgänge, so steht am Anfang des Films das konkret-emotionale
Einzelschicksal: der Mord an der kleinen Elsie Beckmann. Diese Elsie-Episode, mit großer
Eindringlichkeit inszeniert, führt uns das Schicksal des Kindes in Relation zu Verfassung und
Handlung ihrer Mutter vor Augen. Es ist diese Eingangssequenz, die bereits zu Beginn
exemplarisch gleichsam vorausdeutend der ungeheuren Konfusion, ja Verstörung
Ausdruck gibt, die den Film im ganzen prägt.
Anhand der vorliegenden Studie sollen im Rahmen einer Sequenzanalyse einige der
wichtigsten filmischen Aspekte der Elsie-Episode herausgearbeitet werden.
2 Vgl. Deleuze, Gilles: Das Zeit-Bild. Kino 2. Frankfurt am Main 1991, 183: ,,Die Darstellung von Lang ist
insofern einzigartig, als er aus dem Bösen eine Dimension des Menschlichen und nicht mehr des Faustischen
macht, sei es in Gestalt eines hypnotischen Genies (Mabuse), sei es in Gestalt eines unwiderstehlichen Triebes
(M). Deshalb wird die Frage nach der Wahrheit, das heißt die Frage nach dem Tribunal und dem Urteil, ihre
ganze Zweideutigkeit entfalten: M unterliegt dem Spruch eines Unterwelttribunals das wohl kaum von der Suche
nach Wahrheit motiviert ist".
3 Vgl. Kaes, Anton: Film in der Weimarer Republik. In: Jacobson, Wolfgang / Kaes, Anton / Prinzler, Hans
Helmut (Hg.): Geschichte des deutschen Films, 39-100, dort 67.
3
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