Autoren: Dipl.-Ing. Alexander Schnell, Goretzki Lothar, Christian Kaps
Fach: Bauingenieurwesen
Details
Jahr: 2004
Seiten: 7
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 611 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-06312-8
Zusammenfassung / Abstract
Seit etwa einem Jahrzehnt wird neben herkömmlichen mechanischen oder chemischen Abtragsmechanismen zunehmend die Laserstrahlreinigung als berührungsloses Reinigungsverfahren für verschiedene mineralische Werkstoffoberflächen eingesetzt. Beispiele hierfür sind vor allem der Abtrag dünner Schmutzkrusten und Filme von Sandstein-, Marmor- oder Glasoberflächen (auch farblich gefasst) in der Denkmalpflege sowie seit kurzem die Reinigung von verschmutzten keramischen Oberflächen von Druckwalzen. Die eingesetzten gepulsten Nd-YAG Laser arbeiten im infraroten Wellenlängenbe¬reich mit Pulsdauern um 6 Nanosekunden. Die Pulsspitzenleis¬tung ist hoch, so dass die abzutragenden Materialien durch thermische Spannungen abgesprengt bzw. zersetzt oder verdampft werden. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass bei zu hohen Energiedichten des Lasers der zu reinigende Werkstoff selbst verändert werden kann. Dieser ungewollte Nebeneffekt ist ebenso wie der Abtragsmechanismus selbst in der Regel thermischer Natur und tritt auf, wenn die Modifikationsschwelle (Energiedichte, bei der eine Veränderung erfolgt) des zu reinigenden Materials gering ist. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurden Zustände von lasergereinigten Oberflächen dokumentiert und analysiert. Die Dicke der veränderten Materialschichten beträgt einige hundert Nanometer bis 1 Mikrometer. Die Veränderungen der laserbehandelten Oberflächen wurden analytisch mittels ESEM, EDX und XRD erfasst. In diesem Beitrag werden einige wichtige Ergebnisse zu Untersuchungen an Marmoroberflächen sowie verschiedenen Pigmenten, die in Farbfassungen (beispielsweise auf Sandstein) enthalten sind, vorgestellt.
Textauszug (computergeneriert)
Abtrag dünner Krusten und Korrosionsschichten von
mineralischen Werkstoffoberflächen mittels Laserbestrahlung
Schnell, A.; Goretzki, L.; Kaps, Ch.
Bauhaus-Universität Weimar Fachbereich Bauchemie, Coudraystr. 13c
D-99423 Weimar/ Thüringen
Abstract
Seit etwa einem Jahrzehnt wird neben herkömmlichen mechanischen oder
chemischen Abtragsmechanismen zunehmend die Laserstrahlreinigung als
berührungsloses Reinigungsverfahren für verschiedene mineralische
Werkstoffoberflächen eingesetzt. Beispiele hierfür sind vor allem der Abtrag
dünner Schmutzkrusten und Filme von Sandstein-, Marmor- oder
Glasoberflächen (auch farblich gefasst) in der Denkmalpflege sowie seit kurzem
die Reinigung von verschmutzten keramischen Oberflächen von Druckwalzen.
Die eingesetzten gepulsten Nd-YAG
Laser arbeiten im infraroten
Wellenlängenbereich mit Pulsdauern um 6 Nanosekunden. Die Pulsspitzenleis-
tung ist hoch, so dass die abzutragenden Materialien durch thermische
Spannungen abgesprengt bzw. zersetzt oder verdampft werden. Gleichzeitig
besteht jedoch die Gefahr, dass bei zu hohen Energiedichten des Lasers der zu
reinigende Werkstoff selbst verändert werden kann. Dieser ungewollte
Nebeneffekt ist ebenso wie der Abtragsmechanismus selbst in der Regel
thermischer Natur und tritt auf, wenn die Modifikationsschwelle (Energiedichte,
bei der eine Veränderung erfolgt) des zu reinigenden Materials gering ist.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurden Zustände von lasergereinigten
Oberflächen dokumentiert und analysiert. Die Dicke der veränderten
Materialschichten beträgt einige hundert Nanometer bis 1 Mikrometer. Die
Veränderungen der laserbehandelten Oberflächen wurden analytisch mittels
ESEM, EDX und XRD erfasst. In diesem Beitrag werden einige wichtige
Ergebnisse zu Untersuchungen an Marmoroberflächen sowie verschiedenen
Pigmenten, die in Farbfassungen (beispielsweise auf Sandstein) enthalten sind,
vorgestellt.
- 1 -
Ausgangssituation
Zum Abtrag dünner Krusten und Korrosionsschichten von verschiedenen
mineralischen Oberflächen in der Denkmalpflege (z. B. Naturstein oder Glas)
werden vornehmlich gepulste Nd-YAG Laser eingesetzt typische Daten eines
solchen Lasersystems sind:
- Wellenlänge = 1064 nm
- Energiedichte = 0,2 bis 1,0 J/cm²
- Pulsdauer tH = 6 bis 10 ns
- Pulsfolgefrequenz fP = 1 bis 50 s-1
Abb. 1: Prinzip der Laserstrahlreinigung
Die abzutragende Schmutzschicht absorbiert das Laserlicht und wird zersetzt,
verdampft oder durch thermische Spannungen abgesprengt. Vollständig
reflektierende Oberflächen (Fall
a) bzw. Materialien, die das Laserlicht
transmittieren lassen (Fall b), führen zu einem ,,selbstregulierenden Prozess"
(Abb. 1). Absorbiert auch der Untergrund das Laserlicht (Fall c), kann dies zu
Veränderungen am zu reinigenden Werkstoff selbst führen. Dieser Effekt ist
selbstverständlich in der Praxis unerwünscht und tritt auf, wenn die
Modifikationsschwelle (Energiedichte, bei der eine Veränderung erfolgt) des zu
reinigenden Materials geringer als die applizierte Laserenergiedichte ist.
Im folgenden werden Zustände von Pigment- und Marmoroberflächen nach
einer Laserbehandlung dokumentiert. Diese Materialen sollen jeweils
beispielhaft für einen durch den Restaurator zu reinigenden gefassten und
ungefassten Untergrund stehen. Gleichzeitig soll hier angemerkt werden, dass
in den vergangenen Jahren vermehrt versucht wurde, neben ungefassten
Natursteinoberflächen auch farblich gefasste Objekte mittels Laserablation von
Schmutzkrusten und anderen Auflagerungen zu befreien. Dabei wurde
festgestellt, dass Schäden an den Farbfassungen (Verfärbungen, vollständiger
Abtrag) auftreten können. Zu ähnlichen Erfahrungen kam man bei der
Reinigung von ungefassten Marmoroberflächen.
- 2 -
Experimentelle Methoden, Analyseverfahren
Im Rahmen eines Forschungsprojektes
wurden Werkstoffoberflächen mit
unterschiedlichen Energiedichten laserbe-
handelt. Beim verwendeten Lasergerät
handelt es sich um einen in der Praxis
eingesetzten Nd-YAG Laser (Abb. 2) mit
einer festen Wellenlänge von 1064 nm und
einer Pulsdauer von 6 ns. Es wurden
Energiedichten verwendet, die deutlich
oberhalb der Modifikationsschwelle des
jeweiligen Materials liegen (etwa 500 bis
750 mJ/cm²), jedoch problemlos vom
eingesetzten Lasergerät erreicht werden
können.
Die Veränderungen der laserbehandelten Abb. 2: Nd-YAG Lasergerät
Oberflächen wurden analytisch mittels
ESEM, EDX und XRD erfasst. Aufgrund
der geringen Dicke der veränderten Materialschichten konnte der Zustand
dieser Schichten selbst mittels XRD im streifenden Einfall (GID, grazing
incidence diffraction) nur in wenigen Fällen charakterisiert werden. Der
Schwerpunkt bei den folgenden Ergebnissen liegt daher bei der optischen
Charakterisierung mittels ESEM.
Ergebnisse
Trifft Laserlicht auf eine Materialoberfläche und absorbiert dieses Material das
Laserlicht, führt die absorbierte Energie bei Überschreitung der
Schwellenergiedichte zu Dissoziations-, Anregungs- oder Schwingungsprozes-
sen (Wärmeentwicklung). Photochemische Prozesse können mittels Laserlicht
nur ausgelöst werden, wenn die Photonenenergie oberhalb der
Bindungsenergie liegt. Dies ist in der Regel nur mit UV-Lasern möglich. Die
vom eingesetzten Nd-YAG-Laser (IR-Laser) emittierte Photonenenergie reicht
hierfür nicht aus. Die Photonenenergie des infraroten Laserlichts kann jedoch in
begrenztem Umfang thermisch induzierte Prozesse einleiten.
- 3 -
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: