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Scholary Paper (Seminar), 2008, 20 Pages
Author: Swetlana Katolnik
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Details
Institution/College: University of Hannover (Geld und Internationale Finanzwirtschaft)
Tags: Dispositionseffekt, Sicht, Behavioral, Finance, Asset, Management
Year: 2008
Pages: 20
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 22 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10041-5
ISBN (Book): 978-3-640-11718-5
File size: 228 KB
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Abstract
Im Einklang mit der neoklassischen Finanzierungstheorie sollten Präferenzen für Kauf- und Verkaufsentscheidungen von Wertpapieren nicht in Abhängigkeit von deren historischen Kursverläufen gefällt werden. Die Annahme des Behavioral Finance basiert jedoch auf dem Grundkonsens, dass Wertpapieranleger in bestimmten Situationen gegen die systematischen Rationalitätsannahmen der klassischen Kapitalmarkttheorie verstoßen können. Solche wiederkehrenden Regelmäßigkeiten im Verhalten von einzelnen Investoren stützen sich auf differenzierte theoretische Erklärungsansätze und lassen sich in Rückgriff auf zahlreiche empirische und experimentelle Untersuchungen beobachten. Eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Analysen stellt der erstmals 1985 von Shefrin und Statman definierte Begriff des Dispositionseffektes dar („the disposition to sell winners too early and ride losers too long“ ). Er umschreibt die Tendenz von Kapitalanlegern, ihre Verlustpositionen in Bezug auf die Aktienanlage zu lange zu halten und Gewinnpositionen dagegen zu schnell zu verkaufen. Die Bedeutung des Dispositionseffektes kommt durch seine Verzerrungswirkung in der Tatsache zum Ausdruck, dass der Kaufpreis eines Wertpapiers für eine rationale Verkaufsentscheidung eigentlich irrelevant sein müsste, vielmehr sollte im Hinblick auf den zu maximierenden Ertrag und Nutzen eine Anlage dann verkauft werden, wenn man einen Absinken ihres Wertes in der Zukunft unterstellt und entsprechend weiterhin im Depot gehalten werden, wenn man von steigenden Kursen ausgeht. Auch unter steuerlichen Gesichtspunkten ist ein dem Dispositionseffekt gegensätzliches Verhalten vorzuziehen. Um die Steuerlast von den Einnahmen aus Kapitalvermögen zu mindern, sind Verlustpositionen eher kurzfristig und Gewinne eher langfristig zu realisieren. So handeln Anleger unter dem Dispositionseffekt anders, als sie unter der Voraussetzung steuerlicher Konsequenzen agieren würden. Damit wird insgesamt geurteilt: „Thus, disposition appears to be costly to investors.” Die differenzierten empirischen und experimentellen Studien für das Auftreten dispositiven Verhaltens werden in Abschnitt II erörtert. Kapitel III beschäftigt sich dann mit den wichtigsten theoretischen Erklärungen für das Auftreten dispositiven Verhaltens und überprüft deren Werthaltigkeit aus empirischer Sicht. Der IV. Teil fasst die wesentlichen Ergebnisse noch einmal zusammen und gibt einen Ausblick auf die künftige Entwicklung.
Excerpt (computer-generated)
Sommersemester 2008
Institut für Geld und Internationale Finanzwirtschaft, Leibniz Universität Hannover
Seminar: Behavioral Finance und Asset Management
Seminararbeit zum Thema
Dispositionseffekt aus theoretischer
und empirischer Sicht
Vorgelegt von:
Svetlana Katolnik
10. Fachsemester
Studienfach: Wirtschaftswissenschaften
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Nutzenfunktion der Prospect Theory
Seite 7
II
Inhalt
Abbildungsverzeichnis II
I Einleitung 1
II Empirische Evidenz 2
III Bestehende Erklärungsansätze 7
3.1 Prospect Theory und Mental Accounting 7
3.2 Regret Theory 10
3.3 Mean Reversion 11
IV Schlussbetrachtung 13
Literaturverzeichnis 14
III
I Einleitung
Im Einklang mit der neoklassischen Finanzierungstheorie sollten Präferenzen für Kauf- und
Verkaufsentscheidungen von Wertpapieren nicht in Abhängigkeit von deren historischen
Kursverläufen gefällt werden. Die Annahme des Behavioral Finance basiert jedoch auf dem
Grundkonsens, dass Wertpapieranleger in bestimmten Situationen gegen die systematischen
Rationalitätsannahmen der klassischen Kapitalmarkttheorie verstoßen können.1 Solche
wiederkehrenden Regelmäßigkeiten im Verhalten von einzelnen Investoren stützen sich auf
differenzierte theoretische Erklärungsansätze und lassen sich in Rückgriff auf zahlreiche
empirische und experimentelle Untersuchungen beobachten. Eines der wichtigsten Ergebnisse
dieser Analysen stellt der erstmals 1985 von Shefrin und Statman definierte Begriff des
Dispositionseffektes dar (,,the disposition to sell winners too early and ride losers too long"2).
Er umschreibt die Tendenz von Kapitalanlegern, ihre Verlustpositionen in Bezug auf die
Aktienanlage zu lange zu halten und Gewinnpositionen dagegen zu schnell zu verkaufen.3
Die Bedeutung des Dispositionseffektes kommt durch seine Verzerrungswirkung in der
Tatsache zum Ausdruck, dass der Kaufpreis eines Wertpapiers für eine rationale
Verkaufsentscheidung eigentlich irrelevant sein müsste, vielmehr sollte im Hinblick auf den
zu maximierenden Ertrag und Nutzen eine Anlage dann verkauft werden, wenn man einen
Absinken ihres Wertes in der Zukunft unterstellt und entsprechend weiterhin im Depot
gehalten werden, wenn man von steigenden Kursen ausgeht.4 Auch unter steuerlichen
Gesichtspunkten ist ein dem Dispositionseffekt gegensätzliches Verhalten vorzuziehen. Um
die Steuerlast von den Einnahmen aus Kapitalvermögen zu mindern, sind Verlustpositionen
eher kurzfristig und Gewinne eher langfristig zu realisieren.5 So handeln Anleger unter dem
Dispositionseffekt anders, als sie unter der Voraussetzung steuerlicher Konsequenzen agieren
würden.6 Damit wird insgesamt geurteilt: ,,Thus, disposition appears to be costly to
investors."7
Die differenzierten empirischen und experimentellen Studien für das Auftreten dispositiven
Verhaltens werden in Abschnitt II erörtert. Kapitel III beschäftigt sich dann mit den
wichtigsten theoretischen Erklärungen für das Auftreten dispositiven Verhaltens und
1 Vgl. Kottke, N. (2005), S. 208.
2 Shefrin, H./ Statman, M. (1985), S. 777.
3 Vgl. Dhar, R./Ning, Z. (2005), S. 2 oder Ritter, J. R. (2002), S. 5 bzw. Barberis, N./Xiong, W. (2006), S. 2 und
Gomes, F. J. (2005), S. 687.
4 Vgl. Camerer, C. F. (1998), S. 2.
5 Vgl. Ferris, S. P./Haugen, R. A./Makhija, A. K. (1988), S. 677.
6 Vgl. Odean, T. (1998), S. 1775.
7 Shumway, T./Wu, G. (2006), S. 18.
1
überprüft deren Werthaltigkeit aus empirischer Sicht. Der IV. Teil fasst die wesentlichen
Ergebnisse noch einmal zusammen und gibt einen Ausblick auf die künftige Entwicklung.
II Empirische Evidenz
Empirisch ließ sich der Dispositionseffekt in differenzierten Ausführungen und über
unterschiedliche Zeitperioden hinweg nachweisen, die weitere ökonomische Diskussion
weitete sein Vorhandensein neben privaten auch auf professionelle Anleger aus.8 Die
praktische Analyse fokussiert dabei vorwiegend auf den Zeithorizont zwischen Kauf und
Verkauf eines Wertpapiers. Hierbei ist zu prüfen, ob die Zeitspanne der Gewinnrealisation
von der der Verlustrealisation abweicht und, bei Vorliegen einer Abweichung, welche Art von
Differenz zugrunde liegt und wie die Intensität der beiden Partialeffekte zu bewerten ist.
Unter der zusätzlichen Berücksichtigung steuerlicher Konsequenzen, müssten Verluste
kurzfristig und Gewinne eher langfristig realisiert werden. Die Aussage des
Dispositionseffektes argumentiert jedoch in die genau umgekehrte Richtung.9
Eine wichtige definitorische Grundsatzfrage für empirische Analysen bezieht sich auf die
Wahl des Referenzpunktes zur Messung von Gewinnen und Verlusten, die in der Literatur
insgesamt sehr kritisch bewertet wird. Obwohl nach Kahneman und Tversky (1979) der
Referenzpunkt zumeist am Status Quo, also an der aktuellen Vermögensposition ausgerichtet
wird, können dennoch Erwartungen oder Hoffnungen eine Lotteriewahl herbeiführen, die ein
Investor sonst nicht akzeptiert hätte.10 So sollten die Analysen empirischer Studien, die den
Referenzpunkt zumeist mit dem Kaufpreis gleichsetzen, dahingehend erweitert werden, dass
auch ein beliebiger anderer Vergangenheitskurs gewählt werden kann, von dem aus eine
risikoaverse Einstellung gegenüber Gewinnen und ein risikofreudiger Standpunkt gegenüber
Verlusten zum Tragen kommt.11 Insbesondere bei längerfristigen Wertpapierengagements
können vergangene Extremwerte die Bildung der Benchmark maßgeblich beeinflussen.12
Frühe Untersuchungen des Dispositionseffektes bestätigen, dass Anleger dazu neigen,
Gewinneraktien zu schnell zu verkaufen und Verlustpositionen zu lange zu halten, dennoch
treffen sie keine Unterscheidung zwischen den Motiven für das Auftreten des Effektes. Neben
8 Vgl. Weber, M./Welfens, F. (2005), S. 5 und Jin, L./Scherbina, A. (2005), S. 1f und Locke, P. R./Mann, S. C.
(2005), S. 402.
9 Vgl. Shefrin, H./ Statman, M. (1985), S. 785.
10 Vgl. Odean, T. (1998), S. 1776f.
11 Vgl. Oehler, A./Heilmann, K./Läger, V./Oberländer, M. (2002), S. 4.
12 Vgl. Odean, T. (1998), S. 1777.
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