Scholary Paper (Seminar), 2008, 28 Pages
Author: Manuel Berg
Subject: Pedagogy - Intercultural Pedagogy
Details
Institution/College: University of Osnabrück
Tags: Akkulturation, Erziehen, Vielfalt
Year: 2008
Pages: 28
Grade: 1.0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10235-8
File size: 349 KB
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Abstract
Wenn wir den Begriff Akkulturation hören, dann denken wir vielleicht zu aller erst an eine Verknüpfung des Begriffs mit anderen Begriffen aus der Pädagogik, wie der Assimilation oder der Akkomodation. Wir denken vielleicht an andere Länder, andere Menschen. An Wanderungen und an andere Kulturen. Denken an unsere eigene Kultur, und was sie eigentlich ausmacht, und von anderen unterscheidet. Nun, allgemein gehalten findet Akkulturation dann statt, wenn ein Mensch in ein anderes Land zieht, und versucht, dort „Fuß zu fassen“. Nur, wie findet dieser Vorgang statt? Wie muss man sich einen „Kultur-Schock“ vorstellen? Welche Rolle spielen dabei die Identität und die Rollenübernahme? Was fühlt ein Mensch, der sich plötzlich in einem „fremden“ Land – sei es freiwillig oder unfreiwillig – wiederfindet? Wie steht die einheimische Bevölkerung zu den „Fremden“? Werden diese problemlos akzeptiert? Welche Verhalten können Ausländer entwickeln, um im Aufnahmeland aufgenommen zu werden? Wie steht es um Immigranten, also Menschen, die ihr Heimatland verließen, und sich wieder dazu entschließen, zurückzukehren. Welche Stellung haben diese Menschen in Deutschland? Wie sehen sie sich selbst, und wie werden sie von den Einheimischen gesehen? Welche Gründe bewegen Menschen dazu, ihr Land zu verlassen, und woanders einen Neubeginn zu wagen? Wie verarbeiten Jugendliche den Prozess der Akkulturation? Welche Probleme stellen sich ihnen und wie können sie diese bewältigen? Von welchen Faktoren hängt eine erfolgreiche Eingliederung in die Aufnahmekultur ab? Wodurch lässt sich die außergewöhnliche Abneigung der Deutschen gegenüber den Türkinnen begründen? Ich werde versuchen, dies an einem Beispielfall aufzuzeigen. Im letzten Teil dieser Arbeit möchte ich noch auf jugendliche Einwanderer aus Polen näher eingehen, sowie an zwei Beispielen deren Situation widerspiegeln, die sie hier in Deutschland erfahren haben. Ich bin der Ansicht, dass die Deutsche Bevölkerung durch ihre Abwehrhaltung gegenüber den Migranten die Situation für beide Seiten zusätzlich verschärft. Denn durch rassistische Äußerungen und Handlungen durch die Deutsche Bevölkerung fühlen sich die Migranten nicht willkommen und gehen ihrerseits auch in Abwehrhaltung. Somit findet keine wirkliche Annäherung statt. Hier finde ich die Theorie der Abwehrreaktion sehr interessant.
Excerpt (computer-generated)
Universität Osnabrück
Osnabrück, 25. März 2008
WS 07 / 08
Seminar: Erziehen in gesellschaftlicher Vielfalt
Thema der Hausarbeit
Akkulturation
Quelle: Internet, Autor unbekannt, Holzschnitt aus dem 18. Jahrhundert
Manuel Berg
2-Fächer-Bachelor 3. Semester
1. Einleitung
3
2. Definition der Akkulturation
4
3. Hintergrundinformationen zur Akkulturation
4 - 5
4. Die Entwicklung des ,,Selbst"
5
5. Bedingungen für die Aufnahme von Kontakten
6 - 7
6. Die Übernahme von Rollen
7 - 8
7. Der Akkulturationsprozess aus interaktionistischer Sicht
8
8. Akkulturation von Migranten als Interaktionsprozess
8 - 10
9. Randbedingungen in Deutschland
10 - 12
10. Theoretische Perspektiven auf Akkulturation am
12 - 14
Beispiel Deutschland
11. Kulturelle Identität am Beispiel deutscher Aussiedler
14 - 15
12. Konzept der kulturellen Identität
15 - 16
13. Die Relation zwischen Minorität und Majorität
16 - 17
14. Von Stabilität zu sozialem Wandel: das
Verhaltensrepertoire der Minderheiten
17 18
15. Soziale Einstellung der Deutschen gegenüber
ausländischen Männer und Frauen
18 - 21
16. Den Akkulturationsprozess behindernde Einflüsse
am Beispiel Jugendlicher Migranten aus Polen
21 - 24
17. Eigene Stellungnahme
25
1 Einleitung
Wenn wir den Begriff Akkulturation hören, dann denken wir vielleicht zu aller erst an eine
Verknüpfung des Begriffs mit anderen Begriffen aus der Pädagogik, wie der Assimilation oder
der Akkomodation. Wir denken vielleicht an andere Länder, andere Menschen. An
Wanderungen und an andere Kulturen. Denken an unsere eigene Kultur, und was sie
eigentlich ausmacht, und von anderen unterscheidet. Nun, allgemein gehalten findet
Akkulturation dann statt, wenn ein Mensch in ein anderes Land zieht, und versucht, dort ,,Fuß
zu fassen". Nur, wie findet dieser Vorgang statt? Wie muss man sich einen ,,Kultur-Schock"
vorstellen? Welche Rolle spielen dabei die Identität und die Rollenübernahme? Was fühlt ein
Mensch, der sich plötzlich in einem ,,fremden" Land sei es freiwillig oder unfreiwillig
wiederfindet? Wie steht die einheimische Bevölkerung zu den ,,Fremden"? Werden diese
problemlos akzeptiert? Welche Verhalten können Ausländer entwickeln, um im Aufnahmeland
aufgenommen zu werden? Wie steht es um Immigranten, also Menschen, die ihr Heimatland
verließen, und sich wieder dazu entschließen, zurückzukehren. Welche Stellung haben diese
Menschen in Deutschland? Wie sehen sie sich selbst, und wie werden sie von den
Einheimischen gesehen? Welche Gründe bewegen Menschen dazu, ihr Land zu verlassen, und
woanders einen Neubeginn zu wagen? Wie verarbeiten Jugendliche den Prozess der
Akkulturation? Welche Probleme stellen sich ihnen und wie können sie diese bewältigen? Von
welchen Faktoren hängt eine erfolgreiche Eingliederung in die Aufnahmekultur ab? Wodurch
lässt sich die außergewöhnliche Abneigung der Deutschen gegenüber den Türkinnen
begründen? Ich werde versuchen, dies an einem Beispielfall aufzuzeigen. Im letzten Teil
dieser Arbeit möchte ich noch auf jugendliche Einwanderer aus Polen näher eingehen, sowie
an zwei Beispielen deren Situation widerspiegeln, die sie hier in Deutschland erfahren haben.
3
2 Definition der Akkulturation
Von Akkulturation ist die Rede, wenn Menschen in ein anderes Land ziehen, und in Kontakt
mit der dortigen Kultur kommen. Die damit verbundene Veränderung bedeutet für den
Migranten vor allem eine psychische Veränderung, die als ,,psychische Akkulturation"
bezeichnet wird. Das in diesem Begriff befindliche Wort ,,Kultur" bezeichnet den
gemeinsamen Lebensstil einer Gruppe von Menschen. Dieser Lebensstil erfordert
Akkulturationsprozesse, damit zwischen Mitgliedern verschiedener Kategorien getrennt
werden kann. Durch interkulturelle Kontakte wird eine andere Umwelt aufgenommen oder
blockiert. Dabei stellt die Grundlage des Akkulturationsprozesses die Zugehörigkeit bzw.
Identifikation des Migranten mit der Herkunfts- und / oder Aufnahmekultur dar. Akkulturation
ist daher ein Gruppenprozess. Der Migrant kann bei diesem Prozess entweder vollständig von
dem kulturellen System absorbiert, sowie auch gänzlich ausgeschlossen werden. Die
Erfahrungen, die die Einwanderer dabei machen, können sich sowohl in Glücks-, wie auch
Stressgefühlen, oder im Extremfall in Protesthandlungen äußern. Eine spezifische Form der
Akkulturation stellt die Adaption dar, bei der die Identifiaktions- und
Kategorisierungsprozesse des Aussiedlers bei der Akkulturation eine entscheidende Rolle
spielen.1
3 Hintergrundinformationen zur Akkulturation
Wenn wir von Akkulturation sprechen, dann ist damit immer auch das menschliche Bestreben
verbunden, die bisherige Heimat zu verlassen, was wir als Migration bezeichnen. Gründe
hierfür können z. B. Nahrungsknappheit oder Arbeitsmangel sein. Ebenso gibt es politisch
oder religiös motivierte Migrationen. Am Beispiel Deutschland lässt sich schon seit Jahren ein
Trend erkennen, der einer kritischen Haltung gegenüber Ausländern gleicht, und nicht selten
zu rassistischen Äußerungen und Handlungen führt. Leider lässt sich mit dem steigenden
Ausländeranteil in Deutschland auch eine ansteigende Zahl der ausländischen Straftäter
erkennen. Hier muss sich der Staat fragen, wie es dazu kommen kann. Denn eines ist doch
klar: Wenn ich in einem anderen Land von der Bevölkerung nicht akzeptiert werde, wenn ich
mich in diesem für mich fremden Land nicht willkommen fühle, dann kann ich mich mit
diesem Land und seiner Kultur nicht identifizieren. Dies wiederum würde zu einem Zwiespalt
der Identität führen und somit zu gesteigertem Unbehagen und Aggressionen.
4
1 Vgl. Silbereisen Rainer K, Lantermann, Ernst-Dieter, Schmitt-Rodermund (Hrsg.) Aussiedler in Deutschland,
Akkulturation von Persönlichkeit und Verhalten 303 304.
In Deutschland nicht als Deutscher anerkannt zu werden, empfinden viele Aussiedler als
schmerzliche Erfahrung. Woanders sind sie ,,Faschisten", in ihrem Heimatland ,,Deutsche". In
Deutschland lebende Migranten sind dem Gesetz nach zwar Deutsche, im Auftreten aber
fremd, und somit bereitet die Annäherung an die Einheimischen Probleme. Die Zugehörigkeit
zu einer Gruppe legt sich weniger über die Abstammung, denn über Merkmale wie Kultur,
Sprache, Werte, Sitten, und Gebräuche fest. Viele Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion, in
Rumänien und in Polen sprechen beispielsweise kaum noch die deutsche Hochsprache. Auch
gegenseitige Wertorientierungen tragen zu einem Gefühl der gegenseitigen Fremdheit bei.
Während den Deutschen eine eher individualistische Werthaltung zu eigen ist, legen
gesellschaftsorientierte Kulturen mehr Wert auf Familie und Gemeinschaft. Diese Kluft
zwischen Ursprungs- und Aufnahmekultur ist hier weitaus geringer, als bei den Immigranten.
Die Immigranten wollen in ihr Heimatland zurückkehren, und finden sich dabei plötzlich mit
dem Problem konfrontiert, dass sie sich einerseits mit ihrem Heimatland identifizieren
können, jedoch andererseits die eigene, als die ihnen vertraute, mit der Zeit jedoch fremd
gewordene Kultur, wiederaufzunehmen2
4 Die Entwicklung des ,,Selbst"
Der Prozess der Rollenübernahme beinhaltet durch die Reflexivität der Alter-Rolle immer
auch die Validierung eines Selbstbildes.
,,Das Ziel ist, das Selbst in einer Weise zu präsentieren, die der Rollenkonzeption des
relevanten Anderen entsprechen soll, durch die der Akteur sich repräsentiert sehen möchte."
Dadurch, dass ich mich in andere hineinversetze, kann ich mich von außen selbst als Objekt
betrachten. Das Selbst entsteht in und durch Interaktionen. Nach und nach entwickelt das
Individuum die Fähigkeit, sein eigenes Verhalten aus einer Vielzahl von Perspektiven heraus
zu betrachten und zu bewerten um daraufhin sein Handeln auszurichten. Liegt jedoch keine
Kongruenz der Bedeutungsmuster beider Personen vor, so tritt eine soziale und psychische
Desorganisation des Handelnden ein.3
5
2 Vgl. Silbereisen Rainer K, Lantermann, Ernst-Dieter, Schmitt-Rodermund (Hrsg.) Aussiedler in Deutschland,
Akkulturation von Persönlichkeit und Verhalten 15 17.
3 Vgl. Schmidt-Koddenberg, Angelika, Akkulturation von Migrantinnen 33 34.
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