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Examination Thesis, 2008, 80 Pages
Author: Nicole Schmitt
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Tags: Metaphorische, Ausdrücke, Schlagzeilen, Zeitungstexten, Politik)
Year: 2008
Pages: 80
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 48 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06960-1
File size: 307 KB
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Abstract
Ziel dieser Arbeit ist es, mit Einbezug des entsprechenden Artikels eine dokumentierende Abhandlung zu verfassen, wie oft Metaphern in der Journalistensprache verwendet werden, wie sie als Stilmittel wirken können und auch auf welche Probleme der Rezipient bei deren Interpretation stoßen kann. Außerdem soll die Frage beantwortet werden, aus welchen Bereichen metaphorische Ausdrücke stammen und welche Ziele mit deren Gebrauch verfolgt werden können. Um das Korpus zusammenzustellen, wurden Schlagzeilen im Politik- und Sportteil der drei Tageszeitungen Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung und Saarbrücker Zeitung untersucht. Die Arbeit ist in einen theoretischen und in einen empirisch-analytischen Teil gegliedert. Der theoretische Teil befasst sich mit Grundlagen, die zum Verständnis der Thematik notwendig sind. Dabei werden einige Konzepte lediglich in Ansätzen vorgestellt, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen. Der theoretische Teil beinhaltet außerdem einen semantisch-pragmatischen Teil, welcher sich mit dem Verstehen von Metaphern und kommunikativen Funktionen beschäftigt. Außerdem werden einige Kriterien vorgestellt, die eine Schlagzeile erfüllen soll. Diese Erkenntnisse werden mit ausgewählten Beispielen prägnant verdeutlicht. Somit ist eine Basis gesetzt, mit deren Hilfe das Textkorpus untersucht werden kann. In der darauf folgenden empirischen Analyse soll zunächst geklärt werden, wie häufig metaphorische Ausdrücke in der Pressesprache Verwendung finden und aus welchen bildspendenden Bereichen diese stammen. Diese statistische Auswertung des Textkorpus, bestehend aus insgesamt 729 Schlagzeilen, dient zur Verifikation meiner Ergebnisse. In der darauf folgenden Mikroanalyse, der Hauptuntersuchung, werden drei dieser bildspendenden Bereiche und einige repräsentative Metaphern unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse detailliert untersucht. Thema des empirisch-analytischen Teils ist somit die allgemeine dynamische Verwendung der Metapher und ihre Wirkung.
Excerpt (computer-generated)
Universität Trier
März 2008
Schriftliche Prüfungsarbeit zur Wissenschaftlichen Prüfung für das Lehramt an
Realschulen im Fach Deutsch
Metaphorische Ausdrücke in Schlagzeilen von Zeitungstexten
(Sport, Politik)
vorgelegt von:
Nicole Schmitt
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 3
THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1. Zentrale Metapherntheorien 5
1.1. Die Substitutionstheorie 6
1.2. Die Interaktionstheorie 7
1.3. Die Bildfeldtheorie 9
2. Die Metapher 11
2.1. Definition 12
2.2. Abgrenzung von Metonymie und Synekdoche hinsichtlich
zur Metapher 12
3. Das Erkennen und Verstehen von Metaphern 13
3.1. Die Searle′schen Bedingungen 14
3.2. Die Grice′schen Konversationsmaximen 15
3.3. Konventionelle Präsuppositionen 17
3.4. Das enzyklopädisch-kognitive Vorwissen 18
4. Metaphern als Sprachwerkzeuge 19
4.1. Die illustrative Funktion der Metapher 20
4.2. Die ästhetische Funktion der Metapher 20
4.3. Die ironische Funktion der Metapher 21
4.4. Die unterhaltende Funktion der Metapher 22
4.5. Die manipulative Funktion der Metapher 22
5. Die Zeitungsschlagzeile 23
5.1. Sprachökonomie und die Grice′schen Maxime:
www warum gerade innerhalb der Schlagzeile? 25
5.2. Metaphern-Roulette 25
5.2.1. Irreführende Schlagzeilen 26
5.2.2. Mehrdeutigkeit 26
5.2.3. Ironie 27
EMPIRISCH-ANALYTISCHER TEIL
1. Korpusuntersuchung 29
2. Makroanalyse 29
3. Mikroanalyse 36
3.1. Der bildspendende Bereich KRIEG/MILITÄR 37
3.1.1. Aggression 38
3.1.2. Wettkampf 41
1
3.2. Der bildspendende Bereich TIERWELT 43
3.3. Der bildspendende Bereich NATUR 45
3.3.1. Naturphänomene 46
3.3.2. Klimaphänomene 48
4. Die Politik der politischen Aussagen 51
5. Zusammenfassung der Ergebnisse 53
CONCLUSIO 55
BIBLIOGRAPHIE 56
ANHANG 60
2
EINLEITUNG
Die Massenmedien berichten über Sport und Politik als zwei voneinander
getrennt zu betrachtende Instanzen. Auf den ersten Blick weisen beide Gebiete
unterschiedliche Funktionen auf: während sich Politik vorrangig mit
Entscheidungen über die Gesellschaft beschäftigt, dient Sport unter anderem
der Freizeitgestaltung und der Verbesserung der Wirtschaftslage und besitzt für
viele einen höheren Attraktivitätsgehalt1. Interessanterweise teilen sich jedoch
beide Instanzen dasselbe Vokabular: Wenn über Ereignisse sowohl des Politik-
als auch des Sportgeschehens berichtet wird, ist oft die Rede von Krieg,
Turbulenzen oder Niederlagen. Bereits seit Beginn journalistischer
Aufzeichnungen besitzt gerade die metaphorische Gestaltung von Schlagzeilen
einen signifikanten Kommunikationszweck: durch die Metapher wird der
sprachlichen Routine der Rücken gekehrt. Dabei besitzen diese Sprachzeichen
das intentionale Potential, eine Botschaft zu übermitteln, was die korrekte2 Form
nicht annähernd in diesem Maße bewältigen könnte.
Wie eine Schlagzeile zu verstehen ist, und welche Voraussetzungen in ihr
gemacht werden, kann nicht aufgrund syntaktischer oder semantischer Regeln
aus dem Schlagzeilen-Ausdruck selbst abgeleitet werden; erforderlich ist
vielmehr eine Analyse ihrer Verwendungsweise im Textzusammenhang.
(Büscher 1996:98)
Ziel dieser Arbeit ist es nicht, anhand von Schlagzeilen eine formale Analyse zu
liefern, sondern mit Einbezug des entsprechenden Artikels eine
dokumentierende Abhandlung zu verfassen, wie oft Metaphern in der
Journalistensprache verwendet werden, wie sie als Stilmittel wirken können und
auch auf welche Probleme der Rezipient3 bei deren Interpretation stoßen kann.
Außerdem soll die Frage beantwortet werden, aus welchen Bereichen
metaphorische Ausdrücke stammen und welche Ziele mit deren Gebrauch
verfolgt werden können.
1 Die Spannweite der Funktionen reicht natürlich weiter. Außerdem besitzt der
Attraktivitätsgehalt keine allgemeingültige Aussage.
2 Mit korrekter Form ist die adäquate Verwendung von Formen und Strukturen gemeint. Vgl.
Dittgen S. 13-43.
3 Wenn im Folgenden von "Sprecher", "Rezipient" usw. die Rede ist, sind "Sprecherinnen",
"Rezipientinnen" etc. in dieses Feld mit einbezogen. Die männlichen Bezeichnungen in dieser
Arbeit werden nicht geschlechtsspezifisch gebraucht, sondern stehen auf Grund ihrer
sprachlichen Kürze für beide Geschlechter.
3
Um das Korpus zusammenzustellen, wurden Schlagzeilen im Politik- und
Sportteil der drei Tageszeitungen Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche
Zeitung und Saarbrücker Zeitung4 untersucht. Die Arbeit ist in einen
theoretischen und in einen empirisch-analytischen Teil gegliedert. Der
theoretische Teil befasst sich mit Grundlagen, die zum Verständnis der
Thematik notwendig sind. Dabei werden einige Konzepte lediglich in Ansätzen
vorgestellt, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen. Der theoretische
Teil beinhaltet außerdem einen semantisch-pragmatischen Teil, welcher sich
mit dem Verstehen von Metaphern und kommunikativen Funktionen beschäftigt.
Außerdem werden einige Kriterien vorgestellt, die eine Schlagzeile erfüllen soll.
Diese Erkenntnisse werden mit ausgewählten Beispielen prägnant verdeutlicht.
Somit ist eine Basis gesetzt, mit deren Hilfe das Textkorpus untersucht werden
kann. In der darauf folgenden empirischen Analyse soll zunächst geklärt
werden, wie häufig metaphorische Ausdrücke in der Pressesprache
Verwendung finden und aus welchen bildspendenden Bereichen diese
stammen. Diese statistische Auswertung des Textkorpus, bestehend aus
insgesamt 729 Schlagzeilen, dient zur Verifikation meiner Ergebnisse. In der
darauf folgenden Mikroanalyse, der Hauptuntersuchung, werden drei dieser
bildspendenden Bereiche und einige repräsentative Metaphern unter
Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse detailliert untersucht. Thema
des empirisch-analytischen Teils ist somit die allgemeine dynamische
Verwendung der Metapher und ihre Wirkung.
4 In der vorliegenden Arbeit werden neben den eigentlichen Titeln der Tageszeitungen auch
deren Kürzel verwendet: Süddeutsche Zeitung (=SZ), Frankfurter Allgemeine Zeitung (=FAZ),
Saarbrücker Zeitung (=SaarZ). Es wird angemerkt, dass das offizielle Kürzel der Saarbrücker
Zeitung SZ lautet. Um Missverständnissen mit dem gleichnamigen Kürzel der Süddeutschen
Zeitung entgegenzuwirken, erachte ich eine Umbenennung des Kürzels der Saarbrücker
Zeitung in SaarZ als sinnvoll.
4
THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1. Zentrale Metapherntheorien
Bereits in der Antike wurden Theorien entwickelt, die Herkunft, Charakteristika
und Funktion der Metapher veranschaulichen sollen, wodurch sich dieses
sprachliche Phänomen zu einem Forschungsgegenstand in ganz
unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen entwickelt hat. War die
Metapher zu Beginn dieser Entwicklung eine Frage der Rhetorik und Poetik, so
wurde sie im Laufe der Jahrhunderte auch im Rahmen der Philosophie,
Psychologie, Theologie und der Sprachwissenschaft untersucht. Wie bereits
vermuten lässt, waren vollkommen unterschiedliche Ergebnisse das Resultat
dieser Forschungen5.
Allein in der Linguistik existiert eine Vielzahl von Theorien, die sich unter
anderem bezüglich ihrer Ausgangspunkte unterscheiden. Während sich einige
zentrale Theorien wie die Prädikationstheorie oder die der generativen
Transformationsgrammatik auf syntaktische Funktionen von Metaphern
konzentrieren, liefern sowohl die Substitutions- als auch die Interaktionstheorie
eine semantische Interpretation und benennen gleichsam deren pragmatische
Funktionen. Da die vorliegende Arbeit unter anderem eine semantisch-
pragmatische Abhandlung in Bezug auf kommunikative Funktionen von
Metaphern und deren Bildbereiche liefert, dienen Substitutions- und
Interaktionstheorie als Basis für einen weiteren theoretischen Ansatz, denn sie
geben Aufschluss darüber, wie eine Metapher interpretiert werden kann.
Während die Substitutionstheorie die Ähnlichkeit zwischen zwei Gegenständen
bzw. Sachverhalten voraussetzt, wodurch das eigentlich gemeinte Wort durch
ein anderes ersetzt werden kann, gliedert die Interaktionstheorie die
metaphorische Aussage in zwei Gegenstandsbereiche, die untereinander in
Relation stehen. Abschließend wird die Bildfeldtheorie, die in Ansätzen auf
beiden Theorien aufbaut, bezüglich Weinrichs Theorien und Zhus
Weiterentwicklung in Ansätzen vorgestellt. Sie ist für den empirisch-
analytischen Teil dieser Arbeit von großer Bedeutung.
5 Vgl. Zhu (1993) S. 13.
5
1.1. Die Substitutionstheorie
Die Substitutionstheorie geht auf Aristoteles (384-322 v. Chr.) zurück und stellt
somit die älteste Metapherntheorie dar. In seinen beiden Büchern
Rhetorik
(1959) und
Poetik
(1994) beschäftigte sich der griechische Philosoph mit der
Charakterisierung der Metapher.
Eine Metapher ist die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher
Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art
oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach
den Regeln der Analogie. (Aristoteles 1994:67)
Dabei geht es darum, das eigentlich gemeinte Wort (
verbum proprium
) durch
ein anderes Wort (
immitatio
) zu ersetzen, wobei eine sachliche oder
gedankliche Analogie (
similitudo
) oder dieselbe Bildstruktur vorliegen muss6.
Wegen dieser Analogie kann das eigentlich gemeinte Wort, z.B. "Abend", durch
einen anderen Ausdruck, z.B. "Alter des Tages", substituiert werden7.
Da die Metapher in der Antike durch die Kategorisierung der Rhetorik
ausschließlich als funktional-schmückendes Stilmittel betrachtet wurde, ist die
Metapher laut der aristotelischen Auffassung ein sprachliches Ausdrucksmittel
mit einer rein ornamentellen Funktion. Diese Überlegungen basieren auf seiner
substanzontologischen Sprachphilosophie: durch dessen kategoriale Einteilung
der Sprache in eigentliche und uneigentliche Ausdrücke8 wird die Metapher
demnach als uneigentlicher Ausdruck charakterisiert:
Die sprachliche Form ist am klarsten, wenn sie aus lauter üblichen Wörtern
besteht; aber dann ist sie banal. [...] Die sprachliche Form ist erhaben und
vermeidet das Gewöhnliche, wenn sie fremdartige Ausdrücke verwendet. Als
fremdartig bezeichne ich [...] die Metapher [...] und überhaupt alles, was nicht
üblicher Ausdruck ist. (Aristoteles 1994:71)
Somit steht die Metapher im Gegensatz zur Alltagssprache und sollte demnach
nur in der Rhetorik und Poetik Verwendung finden. Quintilian (ca. 35-96)
entwickelte den aristotelischen Ansatz weiter. Er interpretiert die Metapher als
einen verkürzten Vergleich, dem die charakterisierenden Vergleichspartikel
entfallen sind: die Metapher "das Gold ihrer Haare" wäre demnach
gleichzusetzen mit dem Vergleich "ihr Haar ist wie Gold"9.
6 Vgl. Aristoteles (1994), S. 67 und Metzler Lexikon Sprache (2004), S. 5980.
7 Beispiel übernommen aus Aristoteles (1994) S. 69.
8 Da die Metapherntheorien lediglich in Ansätzen vorgestellt werden, wird die aristotelische
Unterscheidung in zwei Substanzen nicht weiter ausgeführt.
9 Beispiel übernommen aus Metzler Literatur Lexikon (1990) S. 301.
6
Aus heutiger Sicht existieren jedoch einige Kritikpunkte an der aristotelischen
bzw. quintilianischen Position, sodass "es der Substitutionstheorie offensichtlich
nicht gelingt, das sprachliche Phänomen ′Metapher′ angemessen zu erklären"
(Zhu 1993:25). Zwar möge es in einigen Fällen zutreffen, dass die Metapher in
ihrem Aufbau wie ein partikelloser Vergleich sei, jedoch können die beiden
sprachlichen Mittel Metapher und Vergleich nicht als gleichwertig angesehen
werden. In den 30er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts betonte I.A.
Richards (1936), dass die Metapher keineswegs eine Abweichung der
Alltagssprache ist10, wodurch die alleinige Verwendung dieses sprachlichen
Ausdrucks in der Rhetorik und Poetik hinfällig wurde. Weiter wurde kritisiert,
dass Aristoteles die Metapher als ein isoliertes Sprachphänomen ohne
Berücksichtigung des Kontextes betrachtete11.
Dieser Theorieansatz von Aristoteles und Quintilian und deren Fokussierung
auf die Poetik und Rhetorik dominierte lange in der Erforschung der Metapher,
wodurch dessen Analyse in anderen wissenschaftlichen Disziplinen und somit
in anderen Textsorten lange Zeit außer Acht gelassen wurde. Erst auf Grund
verschiedener Kritikpunkte erfolgte eine umfassende Untersuchung der
Metapher in weiteren wissenschaftlichen Disziplinen.
1.2. Die Interaktionstheorie
Die Interaktionstheorie ist eine weitere zentrale Metapherntheorie, die im
zwanzigsten Jahrhundert durch Richards (1936 und 1983) Kritik an der
aristotelisch-quintilianischen Substitutionstheorie ausgelöst und durch M. Blacks
(1954-55, 1962 und 1977) Überlegungen weitergeführt wurde.
Im Unterschied zu der aristotelischen Substitutionstheorie wird der
Ausgangspunkt modifiziert: die Interaktionstheorie betrachtet nicht die Metapher
als allein stehendes Wort, sondern als "metaphorische Aussage" (Zhu
1993:18). Metaphern sind demnach nicht isoliert zu betrachten, sondern
innerhalb deren sprachlichen oder sogar außersprachlichen Kontextes. Um es
10 Vgl. Zhu (1993) S. 38f.
11 Es existieren noch weitere Kritikpunkte, auf die jedoch auf Grund der Kürze dieser Arbeit
nicht eingegangen werden kann. Da der empirisch-analytische Teil dieser Arbeit auf der
Bildfeldtheorie basiert, werden die anderen beiden Metapherntheorien lediglich in Ansätzen
präsentiert. Vgl. Weydt (1988) S. 308; Jäkel (1997) S. 284 und Strauß/Haß/Haaras (1989) S.
661f. Außerdem ist anzumerken, dass dieser klassisch-rhetorische Ansatz auch heute noch
vertreten wird, wie beispielsweise die Arbeiten von Lausberg (1990) und Ueding/Steinbrink
(1994) verdeutlichen.
7
mit Worten von Katthage zusammenzufassen: "Ohne Kontext keine Metapher"
(Katthage 2006:44). Der Metapher werden also kognitive Eigenschaften
zugeteilt, sodass sie als eine sprachliche Form des bildlichen Denkens definiert
wird: "Indem wir fragen, wie Sprache funktioniert, fragen wir auch danach, wie
Denken, Fühlen und alle anderen Arten der Verstandestätigkeit verfahren"
(Richards 1983:35).
In seinem Erklärungsmodell betont Richards außerdem, dass eine Metapher
aus zwei Teilen besteht, die miteinander in Relation stehen: Tenor und
Vehikel12. Zu einem gewissen Thema, welches durch den Tenor repräsentiert
wird, wird ein metaphorisches Vehikel zur genaueren Charakterisierung dieser
Thematik hinzugezogen. Um diese "beiden Hälften der Metapher" (Richards
1936:96) zu verdeutlichen, wird Blacks Beispiel "Man is a wolf" übernommen:
während "man" den Tenor darstellt, ist "wolf" das hinzugezogene
metaphorische Vehikel13.
Black hat diesen Ansatz des Erklärungsmodells weiterentwickelt: der Rezipient
projiziert allgemeine Wissensbestände auf den Tenor, die mit dem Vehikel
assoziiert werden. Dabei kann diese Assoziation
aus lauter laienhaften Vorurteilen und regelrechten Unwahrheiten bestehen. [...]
Die metaphorische Übertragung dieser ′Wissensbestände′ auf den Tenor führt
nun zu einer neuen Sichtweise, in welcher bestimmte Eigenschaften des
Erstgegenstandes selektiv betont, andere dagegen unterdrückt werden. (Jäkel
1997:101)14
Black fügt dem hinzu, dass viele metaphorische Ausdrücke nicht wörtlich
paraphrasierbar sind, da dies einen Verlust des kognitiv-assoziierten Inhaltes
bedeuten würde15.
Obwohl die Interaktionstheorie mit ihren kognitiven Ansätzen überzeugend
erscheint, existieren wiederum Kritikpunkte, wie beispielsweise Richards These,
dass wir lediglich metaphorisch denken16. Außerdem liefern sowohl Richards als
auch Black eine eher vage und offene Beschreibung der Beziehung zwischen
Tenor und Vehikel, was zu unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten und
12 Weinrich nennt diese Termini bedeutungsgleich ,,Bildspender" und ,,Bildempfänger",
wohingegen Black ,,Fokus" und ,,Rahmen" bevorzugt. Da sich die vorliegende Arbeit im
Folgenden auf Weinrichs Theorien bezieht, werden lediglich in diesem Unterkapitel Richards
Termini übernommen. In Anlehnung an Weinrich wird somit in den folgenden Kapiteln von
,,Bildspender" und ,,Bildempfänger" gesprochen.
13 Beispiel übernommen von Jäkel (1997) S. 104. Vgl. Black (1954).
14 Dieses so genannte enzyklopädisch-kognitive Vorwissen wird im 3. Kapitel näher untersucht.
15 Vgl. Jäkel (1997) S. 103.
16 Vgl. Weinrich (1966) S. 4.
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