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Essay, 2008, 26 Pages
Author: Dr. Stefan Schweizer
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
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Abstract
Vor dem Hintergrund des Booms kulturwissenschaftlicher Ansätze und Theorien in der Literaturwissenschaft erlangen traditionell-philologische Vorgehensweisen schnell den Ruf des Ordinären und Veralteten. Dies gilt auch für sogenannte formalistische Ansätze. Im Folgenden soll demonstriert werden, dass man (alleine) an Hand der Frage der Gattung literarische Produkte umfassend und tiefgründig analysieren kann. Der Aufsatz bewegt sich allerdings nicht auf der Ebene einer Primärtextanalyse. Vielmehr werden Sekundärliteraturtexte aus verschiedenen Zeitpunkten hinsichtlich der Gattungsfrage des „Guoten Gêrhart“ analysiert. Auf einer Beobachtungsstufe dritten Grades ergibt sich somit ein gehaltvoller wissenssoziologischer Ansatz, welcher zugleich Erkenntnis über den Primärtext und die Sekundärtexte erlaubt. Hierbei sollten die Differenzen zwischen den Eigenbeschreibungen historischer Systeme und den durch wissenschaftsimmanente Beobachter vorgenommene Fremdbeschreibungen späterer Zeiten zumindest immanent bewusst sein. Dieses Diktum Luhmanns gilt ebenso für mittelhochdeutsche Literatur. In diesem Aufsatz werden Forschungsstandpunkte und Positionen zu Rudolf v. Ems Werk „Der gute Gerhart“ referiert.
Excerpt (computer-generated)
Dr. Stefan Schweizer
Studienrat und Lehrbeauftragter am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Stuttgart
Gattung und Form Eine Sekundärtextanalyse zu Rudolf von Ems ,,Der
guote Gêrhart"
1. Einleitung und Themeneinführung 2
2. Gang der Untersuchung 3
3. Hauptteil 5
3.1 Gattungskategorisierungen des "Guten Gerharts" in Literaturgeschichten 5
3.1.1 De Boor: Exemplum bzw. Legendendichtung 5
3.1.2 Bäuml: Nachklassisch-chronistische Prosa 6
3.1.3 Bumke: Höfische Literatur 7
3.1.4 Walz: Späthöfische Epoche 7
3.2 Detailanalysen 8
3.2.1 Sengle: Patrizierdichtung 8
3.2.2 Ertzdorff: Höfischer Roman 14
3.2.3 Zöller: Eine Bispelgeschichte 18
4. Zusammenfassung und Ausblick 22
Literatur 24
2
1. Einleitung und Themeneinführung
Vor dem Hintergrund des Booms kulturwissenschaftlicher Ansätze und Theorien in der
Literaturwissenschaft erlangen traditionell-philologische Vorgehensweisen schnell den Ruf des Ordinären
und Veralteten. Dies gilt auch für sogenannte formalistische Ansätze. Im Folgenden soll demonstriert
werden, dass man (alleine) an Hand der Frage der Gattung literarische Produkte umfassend und tiefgründig
analysieren kann. Der Aufsatz bewegt sich allerdings nicht auf der Ebene einer Primärtextanalyse. Vielmehr
werden Sekundärliteraturtexte aus verschiedenen Zeitpunkten hinsichtlich der Gattungsfrage des ,,Guoten
Gêrhart" analysiert. Auf einer Beobachtungsstufe dritten Grades ergibt sich somit ein gehaltvoller
wissenssoziologischer Ansatz, welcher zugleich Erkenntnis über den Primärtext und die Sekundärtexte
erlaubt.1 Hierbei sollten die Differenzen zwischen den Eigenbeschreibungen historischer Systeme und den
durch wissenschaftsimmanente Beobachter vorgenommene Fremdbeschreibungen späterer Zeiten zumindest
immanent bewusst sein. Dieses Diktum Luhmanns gilt ebenso für mittelhochdeutsche Literatur. In diesem
Aufsatz werden Forschungsstandpunkte und Positionen zu Rudolf v. Ems Werk ,,Der gute Gerhart" referiert.
Diese entstammen unterschiedlichen Zeitpunkten. Somit verfährt der Aufsatz zugleich diachron und
wissenschaftshistorisch. Zuerst wird ein Aufsatz aus dem Jahre 1950 von dem Heidelberger Germanisten
Friedrich Sengle dargelegt und kritisch gewürdigt. Dieser Aufsatz wirkte zu seiner Zeit sehr
aufsehenerregend, und er produzierte viel wissenschaftlichen Widerspruch, da er in der Forschung bisher
stark vernachlässigte bzw. nichtbeachtete Aspekte an das Tageslicht brachte. Quasi als eine mögliche
Gegenposition zu Sengle wird die 1967 publizierte Position Xenja v. Ertzdorffs dargestellt. Bei Ertzdorffs
Werk handelt es sich um eine größere Abhandlung über die höfischen Romane des 13. Jahrhunderts. Als
letzter Abschnitt wird dann die neuere Forschung von Sonja Zöller aus dem Jahre 1993 miteinbezogen und
untersucht. Hierbei handelt es sich um eine Dissertation über Rudolf v. Ems′ Dichtung "Der guote Gêrhart".
Vor dieser detaillierteren Analyse von Forschungsstandpunkten erfolgt ein kurz gehaltener Überblick über
Darstellungen des ,,Guten Gerharts" in Literaturgeschichten. Gemeinsam ist diesen Texten, dass sie nicht ihr
Hauptaugenmerk auf die Gattungsfrage des "Guten Gerhart" legen, sondern eher inhaltlich-thematische
Aspekte, epochengeschichtliche Skizzierungen sowie sozialgeschichtliche Implikate fokussieren.
Gattungswissenschaftliche Detailfragen werden an diesen Orten weniger ausführlich diskutiert. Trotzdem ist
es interessant zu untersuchen, welche gattungstheoretischen Ansätze hier Präferenz erfahren. Ferner lohnt es,
einen Blick auf die jeweils gegebene Begründung zu werfen. Um die große Diversität und mögliche
Gegensätzlichkeit bzw. Nähe der Gattungsklassifizierungen des "Guten Gerhart" aus derartig beschaffenen
1 Vgl. zur luhmannschen Wissenssoziologie und dem Beobachterstandpunkt höherer Ordnung exemplarisch Niklas
Luhmann, Die Religion der Gesellschaft. Frankfurt am Main, S. 75 f. und zum Konzept des Beobachterstandpunktes
zweiter Ordnung bei Texten vgl. z.B. Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft. Zweiter Teilband. Frankfurt
am Main 1997, S. 876.
3
Sekundärliteraturwerken zu belegen, werden bereits an dieser Stelle zwei Beispiele dafür gegeben. Martini
sieht im "Guten Gerhart" "die ständische Gebundenheit des höfischen Romans."2 als durchbrochen an,
während Glaser/Lehmann/Lubos den "Guten Gerhart" unter der Gattung der Novelle subsumieren und
gesellschaftlich-soziale Veränderungen nicht direkt beim Namen nennen.3 Beide Ansätze müssen sich trotz
der scheinbaren Gegensätzlichkeit nicht unbedingt ausschließen, da man z.B. die Durchbrechung von
Standesschranken unter starren Gesellschaftsstrukturen als eine solch unerhörte Begebenheit betrachten
kann, so dass diese als ein vorzügliches Novellenkriterium fungieren kann.
2. Gang der Untersuchung
In älterer Sekundärliteratur findet sich zumeist eine relativ späte Datierung von Rudolf v. Ems′ Werk "Der
gute Gehrhart": so z.B. auf nach 1230.4 In der neueren Forschung hingegen wird die Dichtung auf einen
wesentlich früheren Zeitraum, nämlich zwischen 1208 und 1212, datiert.5
Nicht nur die richtige Datierung bereitet Schwierigkeiten, sondern man kann behaupten, dass das Werk in
mehr als nur einer Hinsicht problematisch ist. Es stellt bis zum heutigen Tage Literaturwissenschaftler vor
viele unaufgelöste Ungereimtheiten, Fragestellungen, Rätsel und Probleme. Eine dieser Frage- und
Problemstellungen, die bis zum heutigen Tage nicht zufriedenstellend aufgelöst worden ist, umfasst die in
der wissenschaftlichen Diskussion lebhaft und konträr geführte Frage, welcher Gattung die Dichtung
zuzuordnen ist. Zwei zentrale Fragen des Aufsatzes können so formuliert werden:
1. In welche Gattungskategorie wird Rudolf v. Ems′ Werk "Der gute Gerhart" in der Sekundärliteratur
eingeordnet?
2. Ist der Versuch einer solchen Gattungszuordnung überhaupt zulässig und sinnvoll?
Die erste Frage ist - dies sei an dieser Stelle vorweggenommen - kaum eindeutig auflösbar, da "Der gute
Gerhart" unterschiedlichste, einander beinahe antithetisch gegenüberstehende Gattungsmerkmale aufweist.
Die zweite Frage wird hier trotz der schieren Unmöglichkeit einer eindeutigen Beantwortung von Frage eins
zunächst einmal pauschal mit einem "Ja" beantwortet.
Der Aufsatz soll mitunter eine Begründung für die Bejahung dieser Frage sein und versuchen, eine
Argumentationslinie zu entfalten, die den der Gattungsfrage innewohnenden Gehalt ersichtlich werden lässt.
Der Forschungsstand ist bei der Gattungskategorisierung von Rudolfs Dichtung nicht zufriedenstellend. Das
ist nicht (nur) defizitärer Forschungsarbeit zuzuschreiben, sondern resultiert aus einem sehr komplex
konstruierten und einem äußerst vielschichtigen Werk.
2Martini, F., Deutsche Literaturgeschichte, S. 54
3Glaser/Lehmann/Lubos, Wege der deutschen Literatur, S. 36
4Frenzel, H. A. und E., Daten deutscher Dichtung, Band I, S. 49
5Zöller, S., Kaiser, Kaufmann und die Macht des Geldes, S. 220
4
Im Aufsatz wird nicht der Versuch unternommen, neue Forschungsansätze und / oder
Forschungsperspektiven zur Gattungsproblematik des "Guten Gerhart" zu erarbeiten bzw. zu eröffnen. Dies
würde den vorgegebenen Rahmen sprengen. Vielmehr werden verschiedene Forschungsansätze auf die
Gattungsproblematik von Rudolfs Dichtung "Der Gute Gerhart" in einem am ehesten als eklektisch zu
bezeichnenden Verfahren hin durchgesehen und die jeweiligen Forschungsergebnisse präsentiert. Wo es für
angebracht gehalten wird, wird auch eine kritische Würdigung an verschiedenen inhaltlichen (und eventuell
formalen) Punkten stattfinden. Der Aufsatz ist in fünf Teile gegliedert. Im Gegensatz zu den vier kurz
dargestellten Ansätzen aus Literaturgeschichten, werden drei Ansätze ausführlicher diskutiert und gewürdigt.
Jeder dieser drei Ansätze wird als ein Hauptteil betrachtet. Inhaltlich-thematische Aspekte werden bei diesen
drei verschiedenen Interpretationsansätzen im Vordergrund stehen und diese werden Schlussfolgerungen
über die Gattungsbeschaffenheit des "Guten Gerharts" erlauben. Dabei ist zu sagen, dass manchmal nicht
offensichtlich mit der Gattungsproblematik in Zusammenhang stehende Aspekte für diese doch
überraschenderweise aufschlussreich sein können. Im fünften Arbeitsschwerpunkt, dem Schlusskapitel,
werden die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel kurz und pointiert referiert. Es wird der Versuch
unternommen, die verschiedenen Ansätze zur Gattungsthematik in ein grobes Klassifizierungsraster einteilen
zu können. Aus diesem Klassifizierungsraster heraus wird zu belegen versucht, dass die verschiedenen
Ansätze - entgegen den ersten Eindrücken - nicht unbedingt all zu weit voneinander entfernt liegen müssen.
Die größtenteils kontrovers geführte Debatte um die Gattungsproblematik lässt sich mit dem Argument
rechtfertigen, dass durch mögliche Gattungsverschiebungen auch inhaltliche Themenverschiebungen
stattfinden können. Diese Themenverschiebungen können z.B. so aussehen, dass im Gegensatz zur
vorherigen mittelalterlichen Dichtung "ritterlich-höfische Tugenden und Ideale offensichtlich nicht (mehr,
S.S.) die eigentlich ritterliche, d.h. adelige oder ministerialische Welt zur Voraussetzung haben."6 müssen.
Wenn das Diktum stimmt, dass die Form eines Werkes seinen Inhalt bestimmt, ist es von äußerster Relevanz,
Gattungskategorisierungen vornehmen zu können, um die inhaltlichen Aspekte richtig gewichten und
bewerten zu können. Dass dies insbesondere beim "Guten Gerhart" Not tut, wird im folgenden kurz zu
erklären sein.
6Wunderlich, W., Der "ritterliche Kaufmann", S. 161
5
3. Hauptteil
Für den ,,Guten Gerhart" ist das folgende Bibelzitat von besonderer Bedeutung: "Eher geht ein Kamel durch
ein Nadelöhr als dass ein Reicher in Gottes Reich kommt" (Matthäus 19,24). Im "Guten Gerhart" wird
ausdrücklich betont, dass ein reicher Kaufmann dem Reich Gottes durch sein gottgefälliges, aber durchaus
weltlich orientiertes Leben und Verhalten nahe ist und aussichtsreiche Chancen besitzt, als Reicher in das
Reich Gottes einziehen zu können. Diese an sich schon brisante Thematik wird gesteigert. Der Kaufmann
wird dem Kaiser durch Mithilfe von Engeln und damit göttlicher Hilfe als positives Beispiel für
Gottgefälligkeit und Demütigkeit vorgestellt. Kaiser Otto versündigt sich, weil er anmaßende
Stellungnahmen zu seinen eigenen Taten vor Gott äußert und Kaufmann Gerhart erfährt eine ethische
Handlungsmotivation alleine durch Gottes Gebot.7 Die Demütigkeit des Kaufmanns Gerhart liegt v.a. darin
begründet, dass er, ganz im Gegensatz zum Kaiser, sich nicht vor Gott seiner Taten rühmt und in einem als
kaufmännisch zu betrachtendem Verfahren seinen Himmelsplatz errechnen möchte. Die Thematik dieser
Gottesnähe und Gottgefälligkeit anhand eines Großkaufmanns und Fernreisekaufmanns zu exemplifizieren
war bis zum "Guten Gerhart" in der mittelalterlichen Literatur nicht vorgekommen und undenkbar,
weswegen eine inhaltliche Innovation Rudolf v. Ems′ Werk "Der gute Gerhart" immanent ist. Dies ist in der
Sekundärliteratur einhelliger Tenor. Dabei kommt es aber auf die unterschiedlichen Gewichtungen an, die
man diesen Innovationen konzediert. Ob Neuerungen im Bereich der Gattung stattgefunden haben, wird im
folgenden anhand von Sekundärliteraturtexten zu untersuchen sein.
3.1 Gattungskategorisierungen des "Guten Gerharts" in
Literaturgeschichten
3.1.1 De Boor: Exemplum bzw. Legendendichtung
Die "Geschichte der deutschen Literatur Band II" von de Boor und Newald stellt fest, dass in Rudolf v. Ems′
Dichtung "Der gute Gerhart" zum ersten Mal der Stand des Bürgers als Neuerung und Erweiterung zu den
bis dahin in der mittelalterlichen Literatur häufig auftauchenden Ständen der Geistlichen, Ritter und Bauern
hinzugefügt wird.8 Aus dieser Aussage ergibt sich, dass de Boor in der Dichtung vorkommende
Standestransparenzen zwischen bürgerlichen und ritterlichen bzw. adeligen Ständen erkennt. Seine
Gewichtung in der Gattungskategorisierung legt er aber auf die Rahmengeschichte mit ihrem Exemplum und
7Walliczek, W., Rudolf von Ems, "Der guote Gerhârt", S. 163-164
8Boor, H., de, Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bd. 2, S. 169
6
dessen Nähe zur Legende.9 Aus den transparenter gewordenen Standesschranken zieht de Boor folglich keine
gattungstechnischen Konsequenzen. Sowohl das Exemplum als auch die Legende sind zwei Gattungen,
welche lange Zeit vor Rudolfs Dichtung "Der gute Gerhart" existierten. Unter Exempel sind "allgemein
kurze Erzählformen mit prakt. Nutzanwendung"10 zu verstehen, welche sowohl in epischen Werken als auch
in Predigten vorkommen können. Legende meint die "Darstellung einer heiligmäß., vorbildhaften
Lebensgeschichte oder einzelner exempl. Geschehnisse daraus."11 Als eigentlich neues Moment am "Guten
Gerhart" sieht de Boor, dass real-historisches Hintergrundgeschehen in die Dichtung miteinbezogen wird
und ferner, dass "der Einstrom der staufisch-höfischen Idealität in den Bezirk der Legende."12 spürbar wird.
De Boor erkennt und benennt die wesentlichen innovativen literarischen Neuerungen im "Guten Gerhart". Er
betont, dass zum ersten Mal ein Kaufmann in einer durchweg positiven Art und Weise in einer Dichtung
dargestellt wird. Auch das eigentlich Revolutionäre daran, dass diese positive Darstellung sich im religiösen
Bereich abspielt, wird von de Boor benannt. An dieser Stelle wäre meines Erachtens allerdings eher auf den
in der Dichtung beinahe ständig existenten Dualismus des säkularisiert-kaufmännischen und des religiös-
transzendenten Charakters hinzuweisen. Tiefgreifende, die Gattungsthematik betreffende Konsequenzen
zieht de Boor aus seinen Erkenntnissen nicht. Alte, bis zu diesem Zeitpunkt tradierte Gattungsformen wie
das Exemplum und eng damit verbunden die Legendendichtung halten trotz der analysierten thematischen
Neuerungen als Gattungskategorisierung(en) her.
3.1.2 Bäuml: Nachklassisch-chronistische Prosa
Gedanklich knüpft Franz. H. Bäuml in der "Geschichte der deutschen Literatur" an de Boor an, ohne
allerdings dessen Gattungsanalyse und -kategorisierung nachzuvollziehen. Einig ist Bäuml mit de Boor in
dem Punkt, dass staufisch-höfische Idealität das Neue am "Guten Gerhart" ist; allerdings in einem pseudo-
geschichtlichem Rahmen mit einem Kölner Kaufmann als Protagonisten.13 Bäuml betont, dass der "Gute
Gerhart" sowohl räumlich als auch zeitlich bestimmt ist: "die Zeit Ottos I. und die Stadt Köln ergeben einen
Rahmen, der die vom Guten Gerhart, einem Kaufmann, erzählte Geschichte in Verbindung bringt mit
identifizierbarer, außerpoetischer Welt."14 Bäumls Ansatz geht also dahin, eine Entfiktionalisierung der
Dichtung festzustellen. Außerpoetische Realität wird in Fiktionales transformiert. Gattungstechnische
Transformierungen sieht er in diesem Vorgehen nicht. Die eigentliche Gattungsklassifizierung Bäumls muss
9Ebd., S. 170
10Metzler Literatur Lexikon, S. 141
11Boor, H., de, S. 261
12Ebd., S. 170
13Bäuml, F.H., Mittelalter, in: Bahr, E. (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur, Band 1 Vom Mittelalter bis zum
Barock, S. 197
14Ebd., S. 196
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