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Termpaper, 2006, 22 Pages
Author: Holger Schmidt
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society
Details
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Sektion für Sozialpsychologie und Anthropologie)
Tags: Fremde, Problem, Forschung, Sozialisation, Interaktion, Sozialisationsforschung, Bildungssoziologie, Ethnographie, Qualitative Sozialforschung, Jugendsoziologie
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10320-1
File size: 211 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Chancen und Problemen ethnographischer Forschungsansätze in der qualitativen Sozialforschung. Zur Bearbeitung lagen unterschiedliche Texte zum Thema vor. Während Christian Lüders zunächst Perspektiven ethnographischer Ansätze in der qualitativen Sozialforschungslandschaft Deutschlands darstellt, setzt sich Ralf Bohnensack ethnographisch mit Hooligangruppen und Rockbands auseinander. Schließlich liegen Arbeiten von Helga Kelle und Georg Breidenstein vor, in denen sie sich mit ethnographischen Ansätzen in der Kindheitsforschung auseinandersetzen. Lüders einführender Literaturbericht dient als Folie, um die Texte von Bohnsack und Kelle/Breidenstein im Hinblick auf ihr Verständnis ethnographischer Forschung rekonstruieren und gleichsam kritisch untersuchen zu können. Aufgrund der thematisch offensichtlich unterschiedlichen Forschungsgegenstände der Autoren, stellt diese Arbeit vielmehr einen Versuch dar, ein Verständnis auf paradigmatischer Ebene dafür zu ermöglichen, wo mögliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Verständnis ethnographischer Forschung liegen. Um dies zu erreichen möchte ich versuchen die zentralen Ideen ethnographischen Arbeitens auf ein handhabbares Maß herunter zu brechen. Die zentralen Fragestellungen sind dabei: Worum geht es in der Ethnographie? Was sind die möglichen Schwierigkeiten beim ethnographischen Arbeiten? Inwiefern ist der Autor ethnographischer Texte Literat oder „Überbringer“ gesellschaftlicher Wirklichkeit.
Excerpt (computer-generated)
Inhalt
1. Einleitung
3
2. Ethnographische Forschung
4
2.1
Ethnographische Forschung Ein Einblick
2.2
Entwicklung und Probleme der teilnehmenden Beobachtung
3. Methodologische Theorie und Praxis bei Bohnsack
6
3.1
Ethnographieverständnis
3.2
Theoretischer Bezugsrahmen
3.2.1
Anwendung
3.3
Darstellung von Information und deren fiktionaler Gehalt
4. Methodologische Theorie und Praxis bei Kelle und Breidenstein
14
4.1
Ethnographieverständnis
4.2
Anwendung
4.3
Darstellung von Information und deren fiktionaler Gehalt
5. Résumé
19
6. Literaturverzeichnis
22
2
1. Einleitung
,,Das Phänomen des Verstehens durchzieht nicht nur al e
menschlichen Weltbezüge. Es hat auch innerhalb der
Wissenschaft selbständige Geltung und widersetzt sich dem
Versuch, sich in eine Methode der Wissenschaft umdeuten zu
lassen"
Hans Georg Gadamer,
Wahrheit und Methode. Grundzüge
einer philosophischen Hermeneutik
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Chancen und Problemen
ethnographischer Forschungsansätze in der qualitativen Sozialforschung. Zur
Bearbeitung lagen unterschiedliche Texte zum Thema vor. Während Christian Lüders
zunächst
Perspektiven
ethnographischer
Ansätze
in
der
qualitativen
Sozialforschungslandschaft Deutschlands darstellt, setzt sich Ralf Bohnensack
ethnographisch mit Hooligangruppen und Rockbands auseinander. Schließlich liegen
Arbeiten von Helga Kelle und Georg Breidenstein vor, in denen sie sich mit
ethnographischen Ansätzen in der Kindheitsforschung auseinandersetzen. Lüders
einführender Literaturbericht dient als Folie, um die Texte von Bohnsack und Kelle/
Breidenstein im Hinblick auf ihr Verständnis ethnographischer Forschung
rekonstruieren und gleichsam kritisch untersuchen zu können.
Aufgrund der thematisch offensichtlich unterschiedlichen Forschungsgegenstände
der Autoren, stellt diese Arbeit vielmehr einen Versuch dar, ein Verständnis auf
paradigmatischer Ebene dafür zu ermöglichen, wo mögliche Gemeinsamkeiten und
Unterschiede im Verständnis ethnographischer Forschung liegen. Um dies zu
erreichen möchte ich versuchen die zentralen Ideen ethnographischen Arbeitens auf
ein handhabbares Maß herunter zu brechen. Die zentralen Fragestellungen sind
dabei: Worum geht es in der Ethnographie? Was sind die möglichen Schwierigkeiten
beim ethnographischen Arbeiten? Inwiefern ist der Autor ethnographischer Texte
Literat oder ,,Überbringer" gesellschaftlicher Wirklichkeit.
3
2. Ethnographische Forschung
Es sei vorneweg gestellt, dass ich aufgrund der hohen Informationsdichte der
vorliegenden Texte, nur für meine Arbeit relevante Kernthesen skizzieren kann. Ich
erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
2.1 Ethnographische Forschung Ein Einblick
Lüders beginnt zunächst mit einer Darstellung der Entwicklung qualitativer
Sozialforschung in Deutschland. Dabei konstatiert er, dass sich in Deutschland zwar
,,[...]
in nahezu allen Bereichen eine schwunghafte Entwicklung
[...]"1 vollzogen hat,
aber die Methodologiediskussion zur teilnehmenden Beobachtung bislang nur
zögerlich geführt worden ist. Ein Vergleich der deutschen mit der amerikanischen
Methodologieauseinandersetzung sei nahezu unmöglich, da erstere entweder auf
völlig veralteten Bahnen verläuft oder sich einzelne Disziplinen, wie die
erziehungswissenschaftliche
Schulforschung
fast
vollständig
von
den
englischsprachigen Entwicklungen abgekoppelt haben. Wie kann es zu derart stark
ausgeprägten Differenzen kommen? Lüders hält fest, dass der Begriff der
,,Ethnographie" in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen wurde, oder mit
Begriffen wie den der ,,teilnehmenden Beobachtung" oder ,,Feldforschung" synonym
gesetzt wurde. In der angelsächsischen Literatur hingegen, finden sich vielfältige
Begriffe wie u.a. ,,qualtitive approach", ,,interpretative research" oder auch ,,life history
method". Dieser undifferenzierte Gebrauch von Begrifflichkeiten innerhalb der
deutschen
Methodologieauseinandersetzung,
verweist
zum
einem
auf
unterschiedliche Verwendung, zum anderen auf verschiedene Konzepte der Begriffe.
So wird die teilnehmende Beobachtung mal lediglich als ergänzende
Forschungsmethode in der qualitativen Sozialforschung angewandt; wiederum ein
anderes Mal als eigenständige Forschungsstrategie angesehen. Differenzen zeigen
sich auch bei den verschiedenen Konzepten der Begrifflichkeiten. Es verbergen sich
zumeist heterogene Denktraditionen hinter den Begrifflichkeiten: Teilnehmende
Beobachtung verstanden als Feldforschung als Analyse von kulturellen Wissen (nach
Spradley). Andere Wissenschaftler hingegen rücken die Rekonstruktion der situativ
1 Lüders, Christian (1995): Von der teilnehmenden Beobachtung zur ethnographischen Beschreibung. Ein
Literaturbericht. In: König, E./Zedler, P. (Hrsg.): Bilanz qualitativer Forschung. Band II: Methoden. Weinheim:
Deutscher Studien Verlag., S. 311.
4
verwendeten Regeln und Handlungsmuster in den Fokus ihrer Betrachtung (nach
Goffmann/ Garfinkel). Aufgrund dieser Unterschiede kommt Lüders zu der Aussage,
dass die begriffliche, methodologische als auch die theoretische Vielfalt der
Begrifflichkeiten nicht zu ordnen sei.2
2.2 Entwicklung und Probleme der teilnehmenden Beobachtung
Lüders geht in seiner Darstellung sehr gezielt auf einzelne Momente der Entwicklung
der teilnehmenden Beobachtung ein. Ich möchte versuchen zentrale
Gedankengänge
und
Entwicklungen
der
teilnehmenden
Beobachtung
nachzuzeichnen. In der Darstellung der Bedeutungsentwicklung der teilnehmenden
Beobachtung stellt Lüders fest, dass Anfang der 60er Jahre der teilnehmenden
Beobachtung mehr Bedeutung zugemessen wurde. Ein Grund dafür war die
Tatsache, dass sich die teilnehmende Beobachtung in der Praxis als ein
gewinnbringendes Verfahren darstellte. Allerdings war das Verfahren nicht
ausreichend definiert und reglementiert, daher folgte die Zielsetzung der
Ausformulierung einer theoretischen-methodologischen Fundierung des Verfahrens.
Eines der zentralen Probleme mit denen sich die Forscher konfrontiert sahen und
noch heute sehen ist das der Rolle des teilnehmenden Beobachters. In ihm schien
der Moment der Ambivalenz bereits eingeschrieben zu sein: Einerseits sollte er als
wissenschaftlich distanzierter Beobachter agieren, andererseits aber auch als sozial
verträglich handelnder Akteur auftreten. Dieses Dilemma wurde versucht, durch
einen gewissen Grad der Standardisierung wenigstens zu entkräften. Dabei richtete
sich der Blick auf unterschiedliche Grade der Teilnahme, Typen der Beobachtung
etc. Zudem wurde die Einteilung der teilnehmenden Beobachtung. in verschiedene
Phasen (Feldeinstieg, Kontaktaufnahme etc.) und den dazugehörenden Aufgaben
problematisiert. Daraus ergab sich breites Feld an methodologischen
Problemstellungen, welche dann forschungspragmatisch ,,getestet" wurden und
deren Ergebnisse anschließend in der Fachpresse in ,, [...]
bestehende Konzepte
übernommen, modifiziert, differenziert oder gelegentlich auch verworfen[...] 3
"
wurden. Die Erwartungen durch Reflexion der Vorgehensweise zu einer
systematischen
Methodologie
zu
gelangen
wurden
enttäuscht;
die
Forschungsgegenstände und die spezifischen Vorgehensweisen waren zu
2 Ebd. S. 314.
3 Ebd. S.317.
5
unterschiedlich.4 Im Laufe der Zeit, so stellt Lüders fest, schwand der ,,[...]
Druck
teilnehmende Beobachtung als kontextunabhängige Methode begründen zu
müssen
."5 Zwar sei die teilnehmende Beobachtung weitestgehend nicht kohärent
strukturiert, allerdings waren durch sie unbestritten interessante Einsichten möglich.
Dieser Prioritätensetzung zugunsten der Forschungspraxis gegenüber der
methodologischen Theoriediskussion, steht zwar nach wie vor noch das Bemühen
nach stringenter, kontextunabhängiger Fundierung der teilnehmenden Beobachtung
als sozialwissenschaftliche Methode gegenüber, doch bildet sich vor diesem
Hintergrund deutlich ein Kompromiss dieser Positionen ab: Die Ethnographie als
flexible, kontextbezogene Strategie ,,[...]
in deren methodischen Mittelpunkt die
Reflexion der methodologischen Vorraussetzung und jeweiligen Erfahrung steh
t."6 An
diesem Punkt möchte ich einen Einschnitt in der Darstellung des theoretischen
Hintergrunds der teilnehmenden Beobachtung machen, um ihn an anderer Stelle
fortzusetzen.
3. Methodologische Theorie und Praxis bei Bohnsack
Nach der eingehenden Darstellung des theoretischen Hintergrunds der
teilnehmenden Beobachtung, möchte ich nun schauen wie sich das Verständnis
ethnographischer Forschung bei den von mir gewählten Autoren darstellt. Zunächst
gehe ich auf die Arbeit Bohnsacks ein, der zwei Beispiele aus der Jugendforschung
vorstellt. Dabei interessiert mich vor allem wie sich das Verhältnis zwischen
methodologischen Verständnis, theoretischen Bezugsrahmen und Forschungspraxis
darstellt. Wie werden die methodologischen Anforderungen umgesetzt? Ich möchte
darauf hinweisen, dass es keinesfalls in meiner Absicht liegt die Ergebnis Bohnsacks
in irgendeiner Form zu diskreditieren, sondern den Ethnologen als Konstrukteur einer
möglichen Wirklichkeit darzustellen
3.1 Ethnographieverständnis
Bohnsack versteht die Ethnographie, in Anlehnung an Lüders, nicht als eine
eigenständige und stringente Forschungsmethode innerhalb der qualitativen
4 Ebd. S.317.
5 Ebd. S.318.
6 Ebd. S.318.
6
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