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»Je pense, donc je suis« - c'est tout ? - Bemerkung zum Akteursmodell des Identitätsbehaupters von Uwe Schimank unter Berücksichtigung der anthropologischen Fundierung der Identität nach Helmuth Plessner.

Termpaper, 2004, 19 Pages
Author: Holger Schmidt
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V94382
ISBN (E-book): 978-3-640-10321-8

File size: 176 KB

Abstract

In der vorliegenden Arbeit wird Uwe Schimanks Akteursmodell des Identitätsbehaupters vorgestellt, der neben den bekannteren Akteursmodellen, wie das des Homo Oeconomicus, menschliches Handeln zu erklären sucht. Darüber hinaus wird versucht die anthropologische Fundierung des Modells des Identitätsbehaupters zu beleuchten, indem auf die leiblichen und körperlichen Konstitution und deren Bedeutung für die Bildung personaler Identität eingegangen wird. Dabei werden vor allem die kulturtheoretischen Erkenntnisse der philosophischen Anthropologie Helmuth Plessners angewandt.


Excerpt (computer-generated)

1. Einleitung

3

2. Identität

3

2.1

Identitätsbehauptung als Handlungstrieb

2.2

Identität ­ ein Konstrukt

2.3

Die Modi der identitätsbeschreibenden Äußerungen

2.4

Identität als Selbststeuerungsmechanismus des Akteurs

3. Formen und Bedingungen der Identität

6

3.1

Identität von kollektiven und korporativen Akteuren

3.2

Soziale Bestätigungen

4. Identitätsbedrohungen

9

4.1

Arten und sozialstrukturelle Auslöser von Identitätsbedrohungen

4.2

Praktiken der Identitätsbehauptung

5. Körper und Leib

14

5.1

Körperlichkeit und Leiblichkeit als Vorrausetzung der Identität

6. Literaturverzeichnis

19

2


1.

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit möchte ich Uwe Schimanks Akteursmodell des

Identitätsbehaupters vorstellen, der neben den bekannteren Akteursmodellen wie

das des Homo Oeconomicus, menschliches Handeln zu erklären sucht. Darüber

hinaus möchte ich versuchen die anthropologische Fundierung des Modells des

Identitätsbehaupters zu beleuchten, indem ich auf die leiblichen und körperlichen

Konstitution und deren Bedeutung für die Bildung personaler Identität eingehe. Dabei

werde ich vor allem die kulturtheoretischen

Erkenntnisse der philosophischen

Anthropologie Helmuth Plessners anwenden.

2.

Identität

2.1

Identitätsbehauptung als Handlungstrieb

Schimank geht zunächst davon aus, dass es Handlungsweisen bei Menschen gibt,

die weder durch den Einsatz von sozialtheoretischen Akteursmodellen wie dem des

Homo Oeconomicus oder des Homo Sociologicus zu erklären sind. Derartige

Handlungen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nach der Rational Choice-

Theorie dem Akteur im Sinne eines Kosten-Nutzen Kalküls nicht zweckdienlich sind

d.h., dass die aufzubringenden Ressourcen in keinem Verhältnis zum zu

erwartenden Nutzen stehen. Zudem verstoßen manche Handlungen auch gegen

feststehende Normen und sind auch nicht als situative Gefühlsauslebung im Sinne

des Akteursmodells des ,,Emotional Man" zu verstehen. Ein mögliches Beispiel wäre

das eines Wissenschaftlers der einer bestimmten Entdeckung auf der Spur ist. Trotz

der Möglichkeit, dass das Ergebnis seines Experimentes ihm keinen Nutzen

eventuell sogar Schaden zuführen kann führt er es fort. Möglicherweise, so illustriert

Schimank es, entfremdet er sich von seiner Familie oder widersetzt sich geltenden

Normen. All diese Handlungsformen stellen einen klaren Widerspruch zu den

gängigen Handlungsmustern dar. Doch was bewegt den Wissenschaftler in unserem

Bespiel dazu seine Forschungen trotz aller negativen ,,Begleiterscheinungen"

fortzuführen?

3


An dieser Stelle konstatiert Schimank dass alle bisherigen Akteursmodelle nicht zum

gewünschten Ergebnis, also dem Verstehen der Handlungsweisen des Akteurs

führen. Aufgrund dessen führt Schimank das Modell des Identitätsbehaupters ein. In

unserem Beispiel bedeute dies, dass es für den Wissenschaftler weitaus mehr als

eine Rolle ist und sich der subjektive Sinn seines Lebens in seiner ausgeübten

Tätigkeit manifestiert. Somit stellt das Festhalten an selbst fragwürdigen

Handlungsweisen in diesem Fall eine Form der Identitätsbehauptung dar.

2.2

Identität ­ ein Konstrukt

Schimank stellt fest, dass die Identität einer Person durch ihr Selbstbild bestimmt

wird. Die Antwort auf die Frage ,,Wer bin ich?" kann dabei aber durchaus

unterschiedlich ausfallen. Für viele Personen erfüllt ihre jeweilige gesellschaftliche

Rolle eine sinnstiftende Funktion hinsichtlich ihrer Selbstcharakterisierung. Bei

Männern ist dies häufig die Berufsrolle und die damit zusammenhängenden

Erwartungen, die einen großen Teil der Identität ausmachen. Bei nicht-berufstätigen

Frauen ist es oft die Rolle in der Familie, die sich vielleicht dadurch auszeichnet,

dass sie eine fürsorgliche Mutter ist. Widerrum andere Menschen mögen sich in ihrer

Wahl der Freizeitaktivität verwirklicht sehen. So ist es möglich dass sich jemand als

begeisterter

Sportler

oder

als

leidenschaftlicher

Sammler

bezeichnet.

Weltanschauliche oder politische Überzeugungen beinhalten ein immanentes

Identifikationspotential an dem man sein Selbstbild festmachen kann. Bereits an

dieser Stelle wird deutlich in welch hohem Maß die Selbstbilder untereinander

differieren

können.

Doch

ist

es

nach

Schimank

möglich

diese

Identitätsbeschreibungen in drei Modi von Äußerungen zu differenzieren, welche ich

wie folgt darstellen möchte.

2.3

Die Modi der identitätsbeschreibenden Äußerungen

Der erste Modus ist der der

evaluativen Selbstansprüche

. Schimank bezeichnet sich

mit Ernst Blochs Begriff der ,,konkreten Utopien". Darunter versteht er die Vorstellung

der Person wer sie zu einem späteren Zeitpunkt sein oder wie sie leben will.

Derartige Ansprüche können an sich selbst gestellt werden, indem sich die Person

sich dazu verpflichtet entsprechend zu handeln um das jeweilige Ziel zu erreichen.

4


Die evaluativen Selbstansprüche können auch durch restriktive Forderung an die

eigenen

Handlungsweisen

versucht

werden

zu

erreichen

d.h.

durch

Handlungsweisen die das Erreichen des Zieles stören zu unterlassen. Doch die

Forderungen können auch an die soziale Umwelt der Person gerichtet sein.

Vorstellbar ist z.B. ein Student der eine Wissenschaftskarriere anstrebt. Um sein Ziel

zu erreichen, verpflichtet er sich dazu stets fleißig zu sein und nicht zuviel Zeit mit

seinen Freunden zu verbringen. Zudem mag er der Ansicht sein dass man ihn

finanziell unterstützen sollte damit er nicht zuviel arbeiten muss und somit

Lerneinbuße erfährt. Wichtig für diese ,,konkreten Utopien" ist, dass sie erreichbar

sein müssen, da ansonsten die Differenz zwischen Real- und Idealselbst zu groß ist,

woraus entweder Identitätsbehauptendes Verhalten oder aber auch Resignation

resultieren kann. Schimank konstatiert das für jedes Selbstbild eine ,,[...]

Selbstüberschreitung, ein ,,Noch-Nicht" [...] konstitutiv"1 sei. Ist das Ziel erreicht,

fallen die erreichten evaluativen Selbstansprüche weg und man kann sich der

Verfolgung neuer Lebensziele widmen. Derartige evaluative Selbstansprüche werden

von den

normativen Selbstansprüchen

flankiert. Dieser zweite Modus bezeichnet

normative Sollensvorgaben, die bei Nichteinhaltung als Fehlschlag des eigenen

Lebens begriffen wird. Schimank führt an, dass diese Selbstansprüche auf

internalisierte Normen zurückgehen können. Um bei unseren Beispiel des

aufstrebenden Wissenschaftlers zu bleiben, wäre es denkbar, dass er um eine

möglichst gute Klausurnote zu erreichen sich in der Klausur unfairer Mittel bedient.

Dies allerdings könnte seinen normativen Selbstansprüchen bezüglich seiner

Ehrlichkeit zuwiderlaufen und somit könnte er sich an seinem möglichen Erfolg nicht

erfreuen. Wie aus dem Beispiel ersichtlich wird, handelt es sich bei normativen

Selbstansprüchen stets um restriktive Rahmenwerte, die dem Erreichen der

evaluativen Selbstansprüche gewisse Handlungsgrenzen aufweist. Des Weiteren

werden die normativen und auch die evaluativen Selbstansprüche durch

kognitive

Selbsteinschätzungen

relativiert. Diese setzten die Fähigkeiten eines Menschen zu

deren evaluativen und normativen Selbstansprüchen in Relation. So ist es für die

Person möglich zu beurteilen ob sie ihre evaluativen und normativen

Selbstansprüche einlösen können oder nicht ­

ein Vergleich zwischen Real ­ und

Idealselbst. Durch diesen Vergleich offen gelegte Diskrepanzen können auf zweierlei

1 Schimank, Uwe (2000):

Handeln und Strukturen. Einführung in die akteurtheoretische Soziologie

.

Grundlagentexte Soziologie, 2. Auflage, Weinheim und München: Juventa Verlag, S. 124

5



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