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„Émeutes dans les Banlieues“ - Versuch einer sozialtheoretischen Analyse der Ausschreitungen in französischen Vorstädten im November 2005

Bachelor Thesis, 2007, 39 Pages
Author: Holger Schmidt
Subject: Sociology - Law, Delinquency, Abnormal Behavior

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2007
Pages: 39
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 50  Entries
Language: German
Archive No.: V94383
ISBN (E-book): 978-3-640-10322-5

File size: 292 KB

Abstract

In den drei Wochen zwischen dem 27. Oktober und dem 17. November 2005 kam es – ausgehend von Clichy-sous-bois, einer Vorortgemeinde Paris’ – in zahlreichen Vorstädten Frankreichs zu Ausschreitungen Jugendlicher, die das Ausmaß bisheriger Vorfälle bei weitem übertrafen: Nach Angaben des Innenministeriums sind mehr als 10 000 Autos und 30 000 Müllcontainer in Brand gesetzt worden. Doch was waren die Auslöser für Ausschreitungen eines derartigen Ausmaßes? Wie in vielen Fällen vorher, war ein Konflikt zwischen Jugendlichen der Banlieues und der Polizei ausschlaggebend. In der vorliegenden Arbeit wird versucht den Zusammenhang von Handlungen, Handlungswirkungen und Handlungsbedingungen der sozialen Unruhen darzustellen. Um dabei nicht einer Logik der Two Sociologies (Alan Dawe) – also der Vereinseitigung der Betrachtung von Sozialität zwischen der Sociology of social action und der Sociology of social system – zu verfallen, wird versucht, die Ausschreitungen in einer sozialtheoretisch übergreifenden Untersuchung darzustellen. Eine systemtheoretische Analyse der soziostrukturellen Situation stellt dabei die Grundlage der Untersuchung dar. Die akteurzentrierte Sozialtheorie findet sich auf der Mikroebene in Form des Akteursmodells des Identitätsbehaupters von Uwe Schimank wieder, um Dispositionen der Akteure und deren Bedeutung im Verstehensprozess darzustellen. Die Ausschreitungen werden als ein Ausdruck gelesen, bislang versagte gesellschaftliche, ökonomische und politische Partizipation einzufordern und die sich daraus konstatierende Identität der banlieusards anzuerkennen. Die Mesoebene fungiert in dieser Arbeit als Verknüpfung der system- und akteurtheoretischen Betrachtung.


Excerpt (computer-generated)

Ruhr-Universität Bochum

Fakultät für Sozialwissenschaft

,,Émeutes dans les Banlieues"

Versuch einer sozialtheoretischen Analyse der Ausschreitungen in französi-

schen Vorstädten im November 2005

B.A.-Arbeit

Vorgelegt von: Holger Schmidt

Bochum, Juni 2007


Inhalt

1. Einleitung

3

2. Sozialtheoretische Analyse

5

2.1

Makroebene

2.1.1

Das Erziehungssystem

2.1.2

Das ökonomische System

2.2

Mikroebene

2.2.1

Der Identitätsbehaupter ­ Grundlagen

2.2.2

Die Modi der identitätsbeschreibenden Äußerungen

2.2.3

Soziale Bestätigung

2.2.4

Identitätsbedrohung und Identitätsbehauptung

2.3

Mesoebene

2.3.1

Symbolischer Interaktionismus ­ Grundlagen

2.3.2

,,Être et paraître" ­ Stigmatisierungsprozesse in der Schule

2.3.3

,,Bande de racaille" ­ Stigmatisierung der Vorstadtbewohner

3. Résumé

32

4. Anhang

34

4.1

Literaturverzeichnis

35

2


Les journalistes font des modes la violence à l′école

éxistait déjà de mon temps, des rackets, les bastons,

les dégâts. Les coups de batte dans les pare -brises

des tires des instituteurs. Embrouilles à coup de cut-

ter. Mais en parler au journal tout les soires, ça de-

vient banal, ca s′imprime dans la rétine comme situa-

tion normale. Et si petit frère veut faire parler de lui Il

réitère ce qu′il a vu avant huit heures et demi

­ IAM ,,Petit Frère "1


1. Einleitung

In den drei Wochen zwischen dem 27. Oktober und dem 17. November 2005 kam es

­ ausgehend von Clichy-sous-bois, einer Vorortgemeinde Paris′ ­ in zahlreichen

Vorstädten Frankreichs zu Ausschreitungen Jugendlicher, die das Ausmaß bisheriger

Vorfälle bei weitem übertrafen: Nach Angaben des Innenministeriums sind mehr als

10 000 Autos und 30 000 Müllcontainer in Brand gesetzt worden.2 Mehrere hundert

öffentliche Gebäude ­ die Mehrheit davon schulische Einrichtungen, aber auch

Sporteinrichtungen und Rathäuser ­ wurden zum Teil schwer beschädigt. Der fran-

zösische Verband der Versicherungsgesellschaften schätzte den gesamten Sach-

schaden auf eine Höhe von ungefähr 200 Millionen Euro. Die juristische Bilanz ist

gleichwohl nicht weniger belastend: Die Ordnungskräfte nahmen rund 5200 vorläufi-

ge Festnahmen zur Überprüfung der Personalien und ca. 800 Inhaftierungen vor. Es

wurden 11 500 Polizisten und 7 Helikopter eingesetzt. Die sozialen Unruhen, die sich

bisweilen auf 280 Kommunen ausbreiteten, forderten über 200 Verletzte. Doch was

waren die Auslöser für Ausschreitungen eines derartigen Ausmaßes? Wie in vielen

Fällen vorher, war ein Konflikt zwischen Jugendlichen der Banlieues und der Polizei

ausschlaggebend. Über den genauen Verlauf der Konfrontation gehen die Informati-

onen in den folgenden Wochen auseinander.3 So gibt der Jugendliche Muhittin Altun

1 Alle Übersetzungen in dieser Arbeit, stammen, sofern sie nicht anders gekennzeichnet sind, von mir.

,,Die Journalisten machen daraus was Neues, die Gewalt an der Schule existierte bereits zu meiner Zeit: die Er-

pressung, die Schlägereien, die Beschädigungen, das Einschlagen der Windschutzscheiben der Lehrer, Stress

mit Messern. Aber man redet jeden Abend darüber in den Nachrichten, es wird immer banaler. Es brennt sich in

die Netzhaut ein, als wäre diese Situation normal. Und wenn der kleine Bruder von sich reden machen will, ahmt

er nach, was er vor halb acht gesehen hat."

Entnommen aus dem Lied ,,Petit Frére" der französischen Gruppe IAM. IAM (1997):

L′ecole du micro d′argent

.

Delabel/Virgin.

2 Vgl. Mucchielli, Laurent/Le Goaziou, Véronique (2006): Quand les Banlieues brûlent ... Retour sur les émeutes

de novembre 2005. Paris: Éditions La Découverte, S. 8 f.

3 Vgl. ebd., S. 11 f. ; vgl. ebenfalls: http://www.collectifdu29mai.org/3-ados-27-octobre-Clichy-s-Bois.html

3


an, sich am 27. Oktober 2005 mit seinen zwei Freunden Bouna Traore und Zyed

Benna auf dem Heimweg von einem Fußballspiel befunden zu haben, bis Bouna sei-

ne Freunde aufforderte wegzurennen, da er einen Polizeiwagen gesehen habe. Der

Grund für die Flucht lag laut Muhittin Altun darin, dass Bouna gesehen habe, dass

einer der Polizisten eine

Flash-Ball

4 bei sich führte. Da die Jugendlichen keine Aus-

weise bei sich führten und bei der Justiz bereits bekannt gewesen sind, versuchten

sie eine Identitätsfeststellung zu umgehen.5 Die Polizei habe daraufhin die Verfol-

gung aufgenommen. Während der Flucht, versuchten die Jugendlichen sich hinter

einem Stromgenerator zu verstecken. Dabei erleiden Bouna Traore und Zyed Benna

einen Stromschlag, an dessen Verletzungen sie am selben Tag sterben; Muhittin Al-

tun erleidet schwerste Verbrennung. Der Standpunkt, den zunächst das Innenminis-

terium dazu eingenommen hat sieht anders aus: Die Polizei sei zwar zugegen gewe-

sen, da sie aufgrund eines vermeintlichen Einbruchs einer Gruppe von Jugendlichen

in eine nahe gelegene Bauhütte gerufen wurden. Doch, der damalige Innenminister

Nicolas Sarkozy hielt daran fest, dass keine konkrete Verfolgung der drei Jugendli-

chen durch die Polizei stattgefunden habe.6 So stellt sich ihre Flucht vielmehr als das

Ergebnis eines gruppendynamischen Prozesses dar. Diese Version wurde doch als-

bald vom Innenministerium aufgegeben; die tatsächlichen Umstände blieben unklar.

Der Tod von Bouna Traore und Zyed Benna löste landesweite Empörung aus und

war einer der Auslöser, die zu den sozialen Unruhen führten. Die Ursachen für die

Ausschreitungen, sind jedoch vielmehr auf unterschiedlichen Ebenen der Lebenswelt

der Jugendlichen zu suchen, die meist durch soziostrukturelle Benachteiligungen

gekennzeichnet sind. In der vorliegenden Arbeit möchte ich daher den Zusammen-

hang von Handlungen, Handlungswirkungen und Handlungsbedingungen der sozia-

len Unruhen darstellen. Um dabei nicht einer Logik der

Two Sociologies

(Alan Dawe)

­ also der Vereinseitigung der Betrachtung von Sozialität zwischen der

Sociology of

social action

und der

Sociology of social system

­ zu verfallen, möchte ich versu-

chen, die Ausschreitungen in einer sozialtheoretisch übergreifenden Untersuchung

darzustellen.7 Eine systemtheoretische Analyse der soziostrukturellen Situation stellt

Letztes Update: Unbekannt, Recherche: 02.05.2007.

4 Pistole zum Verschießen von Gummigeschossen. Diese verursachen Verletzungen beim Opfer, die in der Regel

nicht tödlich sind. Flash-Ball Pistolen gehören zur Ausstattung der französischen Gendarmerie.

5 Nach Aussagen vieler Jugendlicher sind derartige, meist erniedrigende Identitätsfeststellungen bei franko-

maghrebinischen Personen ­ die Jugendlichen sind tunesischer, mauretanischer und türkischer Herkunft ­ an der

Tagesordnung. ­ Vgl.: Mucchielli, Laurent/Le Goaziou, Véronique (2006):

Quand les Banlieues brûlent ... Retour
sur les émeutes de novembre 2005.

Paris: Éditions La Découverte, S. 104 f.

6 ,,La police ne poursuivait pas physiquement [les adolescents]" ­ Vgl. ebd., S. 11.

7 Vgl. Dawe, Alan (1970):

The two Sociologies.

In: British Journal of Sociology, Bd. 2: S. 214 f.

4


dabei die Grundlage meiner Untersuchung dar. Die akteurzentrierte Sozialtheorie

findet sich auf der Mikroebene in Form des Akteursmodells des

Identitätsbehaupters

von Uwe Schimank wieder, um Dispositionen der Akteure und deren Bedeutung im

Verstehensprozess darzustellen. Ich lese die Ausschreitungen als ein Ausdruck bis-

lang versagte gesellschaftliche, ökonomische und politische Partizipation einzufor-

dern und die sich daraus konstatierende Identität der

banlieusards

anzuerkennen.

Dabei ist festzuhalten, dass ich keinesfalls versuche die offenbarte Gewalt zu legiti-

mieren; vielmehr besteht mein Anliegen darin, eine mögliche Perspektive des Ver-

stehens freizulegen. Die Mikroebene liefert neben der Makroebene weitere mögliche

Ursachen und Erklärungsmuster für das Verstehen der Ausschreitungen. Doch erst

die Mesoebene ermöglicht dieses Verstehen durch die Berücksichtigung der Emer-

genz der Interaktion: Neben soziostrukturellen Gegebenheiten und individuellen Dis-

positionen und Handlungsmustern, stellt die Interaktion das verbindende Glied dar.

Mittels Bedeutungszuschreibungen und Situationsdefinitionen entstehen Handlungs-

effekte, die weder aus dem einen, noch aus dem anderem Teil zu erklären wären.

Demnach fungiert die Mesoebene als Verknüpfung der system- und akteurtheoreti-

schen Betrachtung. Ich werde zudem versuchen mit Hilfe der Erkenntnisse des sym-

bolischen Interaktionismus die Dynamik und die Ausweitung der sozialen Unruhen zu

analysieren.

2. Sozialtheoretische Analyse

2.1 Makroebene

Die Systemtheorie als makrotheoretischer Ansatz dient in dieser Arbeit dazu, objekti-

ve Faktoren wie System und Struktur der Lebenssituation, der in den Banlieues le-

benden Individuen nachzuzeichnen. Dabei gehe ich zunächst auf das Erziehungs-

und dann auf das ökonomische System ein. Hinter der von mir gewählten Gliederung

steht der Grundgedanke eines

grassroots

-Prinzips, also die Bewegung von grundle-

genden, kleineren Systemen zu größeren und umfassenderen Systemen.8 Dazu sei

zweierlei angemerkt: gemäß der systemtheoretischen Logik ist es offensichtlich, dass

die dargestellten Systeme

autopoietisch

ergo voneinander isoliert operieren.

8 So produziert das Erziehungssystem zeitlich vorgelagerte und sachlich elementare

Informationen

, die von ande-

ren Systemen als Irritationen beobachtet und gegebenenfalls der systemspezifischen

Codierung

entsprechend in

die systemeigenen

Operationen

und

Programme

übernommen werden.

5


Dennoch existieren zwischen den einzelnen Teilssystemen Beziehungen, die sich in

Form von

Interpenetrationen

oder

struktureller

Kopplungen

manifestieren. Daraus

resultiert die zweite Feststellung: Die gewählte Gliederung soll lediglich eine Hilfestel-

lung beim Verstehen systemischer, sich wechselseitig irritierender Operationen sein

und legt keinen determinierenden Verlauf systemischer Prozesse oder gar eine Hie-

rarchie unter den System nahe.9 Ich werde wesentliche Merkmale der Systemtheorie

Niklas Luhmanns skizzieren und sie auf die soziostrukturellen Gegebenheiten der

Vorstädte anwenden.

2.1.1 Das Erziehungssystem

In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den sozialen Unruhen der Banlie-

ues wird vielfach die Frage nach der Integration der Individuen gestellt. So stellt der

Integrationsaspekt auch einen zentralen Bestandteil meiner makrotheoretischen Be-

trachtung dar, insofern als er im systemtheoretischen Begriff der

Inklusion

respektive

Exklusion

bei nicht gelungener Integration, behandelt wird. Das Erziehungssystem

ist, wie das ökonomische System, ein Teilsystem des sozialen Systems; demnach

verfügen diese über gemeinsame Merkmale, die ich kurz darstellen möchte. Bei die-

ser Illustration werde ich zunächst allgemeine systemtheoretische Charakteristika

und Begriffe sozialer Systeme anhand des Erziehungssystems erläutern, auf die die

spätere Analyse des ökonomischen Systems aufbaut: Wie andere Systemarten auch,

zeichnet sich das Handeln des gesellschaftlichen Teilsystems `Erziehung′ durch

Selbstreferentialität

aus: Die

Autopoiesis

des Systems besteht darin, dass es sich in

seinen Operationen auf sich selbst bezieht und sich auch durch diese selbst produ-

ziert: Es ist

operativ

bzw.

rekursiv

geschlossen. Die für soziale Systeme charakteris-

tische Operationsweise ist

Kommunikation

. Die Kommunikation des sozialen Sys-

tems verläuft dabei stets in der Erwartung einer darauf folgenden Kommunikation; sie

ist

anschlussfähig

. Würde die Anschlusshandlung nicht erfolgen, wäre die innersys-

temische Ausdifferenzierung und die Autopoiesis des Systems gefährdet. Durch die

Merkmale der operativen Geschlossenheit und der Anschlussfähigkeit der Operation

ergibt sich, dass Kommunikation immer nur Kommunikation erzeugen und sich auch

9 Luhmann vermerkt beim Erstellen der Gliederungen von

Soziale

Systeme

und

Die Gesellschaft

der

Gesellschaft

selbst, dass seine gewählte Darstellung durch eine gewisse Willkür geprägt ist. Diese sei der systemtheoreti-

schen Komplexität verschuldet, da systemtheoretische Begriffe Wissen voraussetzen, welches erst zu einem

späteren Zeitpunkt vermittelt wird ­ Vgl. Luhmann, Niklas (1997):

Die Gesellschaft der Gesellschaft. Erster und
zweiter Teilband

. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 1138. ; Luhmann, Niklas (2002):

Einführung in die Systemtheorie

.

Hg. v. Dirk Baecker. Heidelberg: Carl-Auer Verlag, S. 81.

6


nur an Kommunikation anschließen kann. So besteht das Erziehungssystem nicht

aus psychischen Systemen (oder auch

Personen

genannt), sondern nur aus den

Operationen die im Erziehungssystem ablaufen. Nun mag man sich die Frage stel-

len, wie das Erziehungssystem ohne psychische Systeme funktionieren kann?

Selbstverständlich spielt das psychische System mit in das Erziehungssystem ein,

doch stellt dessen Existenz zunächst eine einfache Voraussetzung des sozialen und

somit des Erziehungssystems dar:

Man kann angesichts der Komplexität der Welt nicht alle Bedingungen der Möglichkeit

eines Sachverhaltes in den Begriff dieses Sachverhaltes aufnehmen; denn damit wür-

de der Begriff jede Kontur und jede theoriebautechnische Verwendbarkeit verlieren.10

Bei der innersystemischen Ausdifferenzierung dient die System/Umwelt-Differenz als

Leitmotiv. Systeme erzeugen sich immer in Relation zu der für sie unzugänglichen,

als ,,wirr" wahrgenommenen Umwelt ­ also auch mit dem als Umwelt wahrgenom-

menen psychischen System. Dieses zeigt sich dem Erziehungssystem lediglich als

Irritation

.11 Diese Störung ist jedoch für die Ausdifferenzierung des Systems notwen-

dig. So werden Prozesse erst durch die von der System/Umwelt-Differenz erzeugten

Spannungen (

Irritationen

) angeregt. Was von dem System in systemrelevante

Infor-

mation

umgewandelt wird und somit Eingang in systemspezifische Prozesse findet,

entscheidet die

binäre

Codierung

des Systems. Die binäre Codierung des Erzie-

hungssystems ist `Wissen/Nicht-Wissen′. ,,Diese bestimmt, was dem systemischen

Sinnkontext entspricht und setzt bei Vorliegen des positiven Wertes, die internen

Prozesse in Gang."12 Diese Differenzierung ist auch für die Inklusion bzw. Exklusion

der Individuen von tragender Bedeutung. Schaut man sich den Ausländeranteil von

Clichy-sous-bois an, so stellt man fest, dass dieser mit 33% signifikant über dem des

Départements Seine-Saint-Denis mit 18,7 % liegt.13 Dieser Wert wird noch eklatan-

ter, vergleicht man ihn mit dem nationalen Durchschnitt von 7,5%.14 Allerdings ist

festzuhalten, dass der Ausländeranteil ,,[...] aufgrund des französischen Staatsange-

hörigkeitsrechts und der z.T. fehlenden statistischen Erfassung von Bewohnern aus-

10 Luhmann, Niklas (1995):

Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch

: Opladen, S. 114 f.

11 Allerdings, so weist Luhmann darauf hin, ist die wechselseitige Störung zwischen sozialen und psychischen

Systemen ,,privilegiert" ist, insofern als die

strukturelle

Kopplung

, die zwischen ihnen existiert, durch eine

Co

-

Evolution

verfestigt wurde. Luhmann nennt diese, in Rückgriff auf Parsons′ Bezeichnung, auch

Interpenetration.

12 Hartmann, Anja (2000

)

:

Zwischen Differenzierung und Integration. Die Entwicklung des Gesundheitssystems in
den Niederlanden und der Bundesrepublik Deutschland

. Diss. Bochum, S. 22.

13 Clichy-sous-bois liegt im Département Seine-Saint-Denis.

14 Vgl.

Contrat urbain de cohesion sociale de la commune de Clichy-sous-bois 2007­2009

, S. 7.

Zu beziehen unter: www.clichy-sous-bois.fr/download/CUCS_2007_2009.pdf.

Letztes Update: Unbekannt, Recherche: 24.04.2007.

7



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