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Fassbinders Lesart des Romans Effi Briest

Subtitle: Im Vergleich: Theodor Fontanes Roman - Die filmische Umsetzung Rainer Werner Fassbinders

Termpaper, 2008, 15 Pages
Author: Sonja Crone
Subject: Theater Studies

Details

Event: Seminar: Effi Briest
Institution/College: University of Leipzig (Theaterwissenschaft)
Tags: Fassbinders, Lesart, Romans, Effi, Briest, Seminar, Effi, Briest
Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V94407
ISBN (E-book): 978-3-640-10624-0

File size: 96 KB

Abstract

„ Der Fontane hat, ähnlich wie ich, so eine Sicht von der Welt, die man sicherlich verurteilen kann: nämlich, dass die Sachen so sind, wie sie sind, und dass man sie so schwer verändern kann. Obwohl man begreift, dass man sie verändern müsste, setzt irgendwann mal die Lust aus, sie zu verändern, und man beschreibt sie dann nur noch.“ Der dreiundzwanzigste Film des avantgardistischen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder ist der vorläufig jüngste und auch anspruchsvollste einer Reihe von Effi Briest-Verfilmungen , die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts begonnnen haben. Fassbinders Adaption der Romanvorlage trägt den Titel „Fontane Effi Briest “. Es handelt sich dabei um die Umsetzung und Arbeit an seinem „Traumfilm“ und es war derjenige, in den er die meiste Arbeit investierte. Während er normalerweise Filme in neun bis zwanzig Tagen machte, erforderte dieser Film achtundfünfzig Drehtage, die sich über zwei Jahre hinzogen. Die Wahl des Themas ergibt sich, wie schon der Titel durch den Zusatz Fontane andeutet und wie auch das von mir ausgewählte Einleitungszitat unterstreichen soll, aus einer ganz besonderen Affinität des Regisseurs zu Fontane und seinem großen Respekt dem Autor des deutschen Realismus gegenüber. Obwohl Fassbinder Fontane in seiner Adaption bis auf wenige Schreibfehler exakt zitiert, ist seine Verfilmung der Romanvorlage dennoch nicht als das anzusehen, was man allgemein unter traditioneller Literaturverfilmung versteht, sondern als Versuch zu sehen, Fontanes Geist in seinem Sinne herauszufiltern. Fassbinder offeriert dem Rezipienten einen „filmischen Lesvorgang“ , „der sich radikal von der gängigen Praxis der Literaturverfilmung zur Zeit des Neuen Deutschen Films“ unterscheidet. Er sah es nicht mehr als nötig an, allein die Geschichte zu erzählen, die fast schon jeder kennt . Das heißt, ihm ging es nicht um eine direkte Nacherzählung, die somit an Stelle der Romanlektüre treten könnte. „Bietet Luderer also seinem Publikum eine Effi anstelle des Romans, so führt Fassbinder im filmischen Medium vor, wie er zu einem bestimmten Zeitpunkt Fontanes Roman gelesen hat.“ Mit „Fontane Effi Briest“ verfolgte der Regisseur, wie besonders die vielen Schriftinserts verdeutlichen, vorrangig eine Form der Auseinandersetzung mit Literatur im Medium Film. Dabei „lässt er in allen Phasen deutlich werden, dass er einen literarischen Text gelesen, gedeutet und in ein anderes Medium ... übertragen hat.“


Excerpt (computer-generated)

Fassbinders ,,Lesart" des Romans ,,Effi Briest"

IM VERGLEICH


THEODOR FONTANES ROMAN - DIE FILMISCHE

UMSETZUNG RAINER W. FASSBINDERS













Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung: Die persönliche Affinität Fassbinders zu Fontane 3

2. Fassbinders Interpretation oder ,,Lesefrüchte" 5

2.1 Instetten ,,als Personifikation dessen was der Regisseur an der Gesellschaft kritisiert.". 8

2.2 Symbole als Erklärungen der fassbinderschen Lesart 9

2.2.1 Schaukel und Sonnenuhr 9

2.2.2 Der Chinese 10

2.2.3 Die Raumgestaltung 11

3.Filmische Illusion? 12

4. Quellenverzeichnis 14

4.1 Literaturverzeichnis 14

2


1.Einleitung: Die persönliche Affinität Fassbinders zu Fontane

,, Der Fontane hat, ähnlich wie ich, so eine Sicht von der Welt, die man sicherlich

verurteilen kann: nämlich, dass die Sachen so sind, wie sie sind, und dass man sie so

schwer verändern kann. Obwohl man begreift, dass man sie verändern müsste, setzt

irgendwann mal die Lust aus, sie zu verändern, und man beschreibt sie dann nur noch."1

Der dreiundzwanzigste Film des avantgardistischen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder ist

der vorläufig jüngste und auch anspruchsvollste einer Reihe von Effi Briest-Verfilmungen2,

die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts begonnnen haben.

Fassbinders Adaption der Romanvorlage trägt den Titel ,,Fontane Effi Briest3".

Es handelt sich dabei um die Umsetzung und Arbeit an seinem ,,Traumfilm"4 und es war

derjenige, in den er die meiste Arbeit investierte. Während er normalerweise Filme in neun

bis zwanzig Tagen machte, erforderte dieser Film achtundfünfzig Drehtage, die sich über

zwei Jahre hinzogen.

Die Wahl des Themas ergibt sich, wie schon der Titel durch den Zusatz Fontane andeutet und

wie auch das von mir ausgewählte Einleitungszitat unterstreichen soll, aus einer ganz

besonderen Affinität des Regisseurs zu Fontane und seinem großen Respekt dem Autor des

deutschen Realismus gegenüber.

Obwohl Fassbinder Fontane in seiner Adaption bis auf wenige Schreibfehler exakt zitiert, ist

seine Verfilmung der Romanvorlage dennoch nicht als das anzusehen, was man allgemein

unter traditioneller Literaturverfilmung versteht, sondern als Versuch zu sehen, Fontanes

Geist in seinem Sinne herauszufiltern.

Fassbinder offeriert dem Rezipienten einen ,,filmischen Lesvorgang"5, ,,der sich radikal von

der gängigen Praxis der Literaturverfilmung zur Zeit des Neuen Deutschen Films"6

unterscheidet.

1 Rainer Werner Fassbinder im Interview mit C. Brocher 1972. In: Stuttgarter Zeitung, 1.12.1972.

2 Die anderen Verfilmungen sind: ,, Der Schritt vom Wege" (Gustaf Gründgens, Deutschland 1939), ,,Rosen im

Herbst" (Rudolf Jugert, BRD 1955), ,,Effi Briest" (Wolgang, Luderer, DDR 1968).

3 Fontane Effi Briest. Spielfilm. BRD 1972-1974, Tango Film.35mm-Film, s/w, Länge: 135Min.

Buch und Regie: Rainer Werner Fassbinder

nach dem Roman von Theodor Fontane

mit Hanna Schygulla, Wolfgang Schenck, Ulli Lommel, Irm Hermann, Karlheinz Böhm

Prädikat: besonders wertvoll. http: http://www.film-kultur.de/filme/fontane_effi_briest.html

4 Thomsen, Christian Braad: Rainer Werner Fassbinder.. Leben und Werk eines maßlosen Genies. Aus dem

dänischen von Ursula Schmalbruch. Hamburg 1993, S.193.

5 Lohmeier, Anke-Marie: Symbolische und allegorische Rede im Film. Die Effi Briest- Filme von Gustav

Gründgens und Rainer Werner Fassbinder. In: Text + Kritik, Sonderband 1989, S 233.

6 Kuchenbuch, Thomas: Einführung. Aufgaben eines Filmanfangs. Hochschule der Medien: Stuttgart 2005.

3


Er sah es nicht mehr als nötig an, allein die Geschichte zu erzählen, die fast schon jeder

kennt7. Das heißt, ihm ging es nicht um eine direkte Nacherzählung, die somit an Stelle der

Romanlektüre treten könnte.

,,Bietet Luderer also seinem Publikum eine Effi anstelle des Romans, so führt

Fassbinder im filmischen Medium vor, wie er zu einem bestimmten Zeitpunkt Fontanes

Roman gelesen hat."8

Mit ,,Fontane Effi Briest" verfolgte der Regisseur, wie besonders die vielen Schriftinserts

verdeutlichen, vorrangig eine Form der Auseinandersetzung mit Literatur im Medium Film.

Dabei ,,lässt er in allen Phasen deutlich werden, dass er einen literarischen Text gelesen,

gedeutet und in ein anderes Medium [...] übertragen hat."9

Auffällig eingesetzte Weißblenden, die einzelne Szenen voneinander trennen, ,,[...]fungieren

nicht allein als formale Textgliederungssignale, sondern sind lesbar als Geste des Umblätterns

oder des Anfangens und Beendens von Kapiteln.[...] Der Leser des Romans [ Fassbinder als

Regisseur] präsentiert sich somit selbst als solcher und vermittelt seinem Leser/Zuschauer die

Früchte seiner Lektüre, seine Interpretation."10

Mit der Wahl des barock anmutenden Untertitels,

,, Fontane Effi Briest oder Viele, die eine Ahnung haben von ihren Möglichkeiten und

ihren Bedürfnissen und dennoch das herrschende System in ihrem Kopf akzeptieren

durch ihre Taten und es somit festigen und durchaus bestätigen",

welches das einzige nicht von Fontane übernommene Zitat darstellt, verleiht Fassbinder dem

Film eine gewichtige, eigene Zutat und leitet das zentrale Thema des Widerspruchs der

Bedürfnisse des Individuums und den Normen der Gesellschaft ein. Der exemplarische,

zeitlose und parabelhafte Charakter der Geschichte wird durch diese Aussage deutlich, sowie

das Lehrstückhafte des Films offen zu Tage tritt.

7 Rainer Werner Fassbinder im Interview mit C. Brocher 1972. In: Stuttgarter Zeitung, 1.12.1972.

8 In der Forschung wird Luderes Film als besonders prägnantes Beispiel einer konservativen und somit als

Lesersatz dienende Literaturverfilmung angesehen. Vgl.: Wollff, Jürgen: Verfahren der Literaturrezeption im

Film, dargestellt am Beispiel der Effi Briest-Verfilmung von Luderer und Fassbinder. In: Der Deutschunterricht

33,4 1981, S. 47-75.

9 Reisner, Hanns-Peter, Siegle, Rainer: Lektürehilfen Theodor Fontane.

Effi Briest. Stuttgart 1993, S. 158.

10 Kuchenbuch, Thomas: Einführung. Aufgaben eines Filmanfangs. Hochschule der Medien:

Stuttgart 2005.

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Author: Florian Reimer
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