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Scholary Paper (Seminar), 1999, 36 Pages
Author: Markus Lenz
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Details
Institution/College: University of Marburg
Tags: Aktuelle, Entwicklungen, Grenzen, Unternehmensbewertung, Seminar, Kreditgeschäfte
Year: 1999
Pages: 36
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-08067-5
File size: 240 KB
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Fulltext (computer-generated)
Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Betriebswirtschaftslehre der Banken
Prof. Dr. Erich Priewasser
Bankwissenschaftliches Seminar
im Wintersemester 1998 / 1999
Seminararbeit zu Thema Nr. 13
des Seminars ,,Kreditgeschäfte"
,,Aktuelle Entwicklungen und Grenzen der
cash-flow-basierten Unternehmensbewertung"
vorgelegt von:
cand.rer.pol. Markus Lenz
Marburg an der Lahn, 23. November 1998
Meiner Lieben Oma
26.09.1998
I
Aktuelle Entwicklungen und Grenzen der
cash-flow-basierten Unternehmensbewertung
Seite
Inhaltsverzeichnis
I
Abkürzungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1. Einleitung
1
2. Grundgedanken zur Kreditvergabe
1
2.1 Die Rolle von Krediten im Wirtschaftsleben 1
2.2 Risiko der Kreditvergabe und Vermeidung durch rechtliche Vorschriften 2
2.3 Kreditwürdigkeitsanalyse 2
3. Unternehmensbewertung
3
3.1 Anlässe einer Unternehmensbewertung 3
3.2 Entwicklungsphasen der Unternehmensbewertung 4
3.2.1 Objektive Unternehmensbewertung 4
3.2.2 Subjektive Unternehmensbewertung 4
3.2.3 Funktionale Unternehmensbewertung 4
3.2.4 Exkurs: Entwicklungen in den USA 5
3.3 Methoden der Unternehmensbewertung 5
3.3.1 Substanzwertmethode 5
3.3.2 Marktwertmethode 6
3.3.3 Ertragswertmethode 6
3.3.4 Discounted Cash Flow Methode 7
I
4. Der Cash Flow
7
4.1 Begriffsdefinition und Entwicklung 7
4.1.1 Cash Flow, eine Kennzahl unabhängig von der Bilanzpolitik 8
4.1.1.1Bilanzpolitik in Bezug auf Abschreibungen 8
4.1.1.2Bilanzpolitik in Bezug auf Rückstellungen 9
4.1.2 Cash Flow als Indikator der wirtschaftlicher Lage 9
4.1.2.1Indikator der Finanzkraft 10
4.1.2.2Indikator der Ertragskraft 10
4.2 Berechnungsmethoden des Cash Flow 10
4.2.1 Die direkte Berechnungsmethode 11
4.2.2 Die indirekte Berechnungsmethode 11
4.2.3 Vergleich der direkten und indirekten Methoden 11
4.2.4 Berechnungsmethoden der Banken 12
4.2.5 Cash Flow nach DVGA / SG und Beispiele aus der Praxis 12
4.2.6 ,,Statement Of Cash Flow" 12
5. Die Aussagekraft des Cash Flow im Rahmen der Unternehmensbewertung
13
5.1
Retrospektiver und prospektiver Cash Flow 13
5.2
Finanz- und Ertragskraft durch Cash Flow Relationen 13
5.2.1 Bewertung der Ertragswertmethode und DCF-Methode 13
5.2.2 Dynamischer Verschuldungsgrad 14
6. Kritik und Grenzen des Cash Flow
14
7. Schlußwort
15
Anhang IV
Literaturverzeichnis V
Diese Arbeit steht als komprimierte PDF-Datei zum Download im Internet bereit:
http://www.multimediale-dienste.de /markus_lenz/publikationen.htm
II
Abkürzungsverzeichnis
AfA
Abschreibung auf Anlagevermögen
AG
Aktiengesellschaft
CAPM
Capital Asset Pricing Model
DCF
Discounted Cash Flow
d.h.
das heißt
DM
Deutsche Mark
DVFA
Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung e.V.
EBIL
Einzelbilanzauswertung
e.V.
eingetragener Verein
FASB
Financial Accounting Standards Board
HGB
Handelsgesetzbuch
GuV
Gewinn- und Verlustrechnung
i.a.
im allgemeinen
IASC
International Accounting Standards Committee
KWG
Kreditwesengesetz
Mio.
Millionen
Plan-GuV
Plan-Gewinn-und-Verlustrechnung
ROI
Return On Investment
SFAS
Statement Of Financial Accounting Standards
SG
Schmalenbach Gesellschaft e.V.
Sp.
Spalte
ZHH
Zentralverband Hartwarenhandel E.V
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 01 ,,Konkursanträge in Deutschland"
Seite 2
In Anlehnung an Dittmar, Thomas / Hilbert, Andreas Hilbert, ,,Bonitätsprüfung mit Hilfe
Künstlicher Neuronaler Netze", Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft, Heft 5/98
Abbildung 02 ,,Übersicht der Bewertungsmethoden in den USA"
Seite 5
Entnommen aus Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus,
Unternehmensbewertung eine praxisorientierte Einführung, S.10
Abbildung 03 ,,Anwendungshäufigkeit von Methoden der
Seite 7
Unternehmensbewertung von deutschen Banken"
In Anlehnung an die Empirische Erhebung für die BRD von Peemöller/Bömelburg/Denkmann
aus dem Jahr 1994, in Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus, Unternehmensbewertung eine
praxisorientierte Einführung, S. 61.
Abbildung 04 ,,Arten der Finanzierung"
Anhang
In Anlehnung an die Darstellungen von Schmidt, Reinhard / Terberger, Eva, Grundzüge der
Investitions- und Finanzierungstheorie, S. 19 sowie Drukarczyk, Jochen,
Finanzierung
, S. 9
Abbildung 05 ,,Direkte und Indirekte Berechnungsmethode des Cash Flow"
Seite 11
Entnommen aus Siegwart, Hans, Der Cash Flow als finanz- und ertragswirtschaftliche
Lenkungsgröße, S.20-21
Abbildung 06 ,,Konkretisierung der direkten und indirekten Cash Flow Berechnung" Anhang
Entnommen aus Siegwart, Hans, Der Cash Flow als finanz- und ertragswirtschaftliche
Lenkungsgröße, S.20-21
Abbildung 07 ,,Begründung für die Präferierung der indirekten Methode"
Seite 11
In Anlehnung an die bei Siener, Friedrich, Der Cash Flow als Instrument der Bilanzanalyse, S.63
aufgeführte Übersicht, die von Gibson / Klammer / Reed (1986) entnommen wurde;
die deutsche Übersetzung entstand in Eigenleistung
Abbildung 08 ,,Anwendungshäufigkeit der direkten / indirekten Methode
Anhang
bei der Cash Flow Ermittlung von deutschen Kreditinstituten"
Entnommen aus Siener, Friedrich, Der Cash Flow als Instrument der Bilanzanalyse, S. 62
Abbildung 09 ,,Sparkassen-Verfahren"
Seite 12
Entnommen aus Riebell, Claus, Die Praxis der Bilanzauswertung, Sp. 1483
Abbildung 10 ,,Aktienanalyse-Verfahren"
Seite 12
Entnommen aus Riebell, Claus, Die Praxis der Bilanzauswertung, Sp. 1484
Abbildung 11 ,,Berechnungsmethode nach DVFA/SG (1993)"
Anhang
Entnommen aus Gerke, Wolfgang [Hrsg.], Handwörterbuch des Bank- und Finanzwesens, S. 375
Abbildung 12 ,,Konzernabschluß der Pro Sieben Media AG 1997"
Anhang
Quelle: Pro Sieben Media AG im Internet, http://www.pro-sieben.com/aktie/finanzen/1997
Abbildung 13 ,,Berechnungsbeispiel DVFA/SG"
Anhang
III
Abbildung 14 ,,Statement Of Cash Flow"
Anhang
Zusammenfassung aus Gerke, Wolfgang [Hrsg.], Handwörterbuch des Bank- und
Finanzwesens, S. 380 sowie aus dem Internet: http://www.iasc.org.uk/frame/cen2_17.htm
Abbildung 15 ,,Kapitalflußrechnung der Deutschen Telekom AG 1997
Anhang
nach dem Statement Of Cash Flow"
Quelle: Deutsche Telekom AG, Jahresabschluß 1997,
Internet: http://www.telekom.de/untern/kurzprofil/g_zahl/g_bericht97/finanz.htm
Abbildung 16 ,,Retrospektiver und prospektiver Cash Flow"
Anhang
In Anlehnung an die Ausführungen der ,,Management-Enzyklopädie", S. 432ff.
Abbildung 17 ,,Finanz- und Ertragskraft durch Cash-Flow-Relationen"
Anhang
Entnommen und abgeändert für diese Arbeit aus Siegwart, Hans, Der Cash Flow als
finanz- und ertragswirtschaftliche Lenkungsgröße, S. 75ff.
Abbildung 18 ,,Anzahl der Jahre der expliziten Cash Flow Prognose"
Anhang
Entnommen aus Knüsel, Daniel, Die Anwendung der discounted cash flow Methode
zur Unternehmensbewertung, S. 44
Abbildung 19 ,,Prinzip der Kapitalwertmethode bei Ertragswert und DCF-Methode" Seite 13
Abbildung 20 ,,Übersicht der DCF-Methoden"
Anhang
Entnommen aus Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus, Unternehmensbewertung eine
praxisorientierte Einführung, S. 285
Abbildung 21 ,,Dynamischer Verschuldungsgrad anhand einer Beispielbilanz"
Anhang
Eine Beispielsrechnung in Anlehnung an den Zentralverband Hartwarenhandel e.V.
im Internet: http://www.zhh.de/ZHH/cashflow.htm
Seite 1
1. Einleitung
Täglich müssen im Wirtschaftsleben Entscheidungen getroffen werden. Entscheidungen können
der Strategie eines Unternehmens entweder zur Umsatzsteigerung oder zur Kostenreduktion die-
nen. Insbesondere Kreditinstitute müssen sich beispielsweise für oder gegen eine Vergabe von
Krediten entscheiden. Häufig bedient man sich dabei in der Betriebswirtschaft bestimmter Kenn-
zahlen, die als Entscheidungshilfe dienen sollen. Speziell bei Entscheidungen zur Kreditvergabe
muß man sich sowohl über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage als auch über die Umwelt
des Kreditnehmers informieren. Da diese Informationen jedoch eine Vielzahl von entscheidungs-
relevanten Daten beinhalten, soll durch die Bildung von Kennzahlen ein einfacher und über-
sichtlicher Bewertungsmaßstab geschaffen werden.
Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist es, die Kennzahl bzw. den Begriff
Cash Flow
im Rah-
men einer Unternehmensbewertung bei der Kreditvergabe zu analysieren. Beginnend mit kurzen
Grundgedanken zur Kreditvergabe sowie der Kreditwürdigkeitsprüfung im Firmenkundenge-
schäft der Banken, den Konzeptionen und Methoden der Unternehmensbewertung, hinführend
zu einer ausführlichen Betrachtung der Anwendung des Cash Flow und seiner Berechnungsme-
thoden, soll sich der Leser ein klares Bild über die Entwicklung und Möglichkeiten dieser Kenn-
zahl aneignen. Entlang dieses gedanklichen Pfades sollen aktuelle Entwicklungen, Untersuchun-
gen, aber auch Kritik und Grenzen des Cash Flow für den Leser sichtbar werden.
2. Grundgedanken zur Kreditvergabe
2.1 Die Rolle von Krediten im Wirtschaftsleben
Abgesehen von der Vielzahl der Privatpersonen, die aufgrund ihres Lebensstandards1 Geldmittel
in Form eines Kredites von ihrer Hausbank beziehen, sind Unternehmen in besonderem Maße
von Krediten zur Durchführung von bestimmten Projekten oder Investitionen abhängig. Beson-
ders in Phasen des volkswirtschaftlichen Konjunkturzyklus, beispielsweise der Rezession, sinkt
die
Investitionsfreude
vieler Unternehmen, da Geldmittel als knapp beurteilt werden bzw. auf-
grund fehlender Aufträge keine Geldmittel zur Innenfinanzierung2 vorhanden sind. Letztlich sind
Unternehmen in dieser Lage gezwungen, einen Kredit aufzunehmen. Diese Maßnahme spiegelt
sich aus Sicht der Banken darin wider, daß das Kreditgeschäft als die Hauptertragsquelle zu be-
zeichnen ist3.
1 Finanzierung des Lebensstandards, z.B. Finanzierung von Eigentum, Haus, Grundstück usw.
2 Innenfinanzierung im Sinne von Investitionen, Schuldentilgung oder Dividendenzahlungen
3 Priewasser, Erich,
Bankbetriebslehre
, S. 350 sowie Bischoff, Wolfgang,
Cash Flow And Working Capital
, S. 74
Seite 2
2.2 Risiko der Kreditvergabe und Vermeidung durch rechtliche Vorschriften
Aufgrund der volkswirtschaftlichen Stellung der Banken und der darin begründeten Bedeutung
des Kreditgeschäftes für Banken ist eine vollständige Risikovermeidung nicht möglich, denn
sonst würden Banken keine Kredite mehr vergeben4. Das Risiko besteht darin, daß die vom zu-
künftigen Schuldner zu erhaltenen Rückzahlungen und Zinsen sowie eventuellen Risikomargen5
teilweise oder gesamt ausfallen. Man spricht hierbei vom Bonitätsrisiko, welches das Ausfallri-
siko (Kreditnehmer ist zahlungsunfähig) und Terminrisiko (Kreditnehmer verzögert die Zahlun-
gen) umfaßt. Das Ausfallrisiko tritt dann ein, wenn Unternehmen bzw. Kreditnehmer zahlungs-
unfähig sind und somit den Konkurs an-
Konkursanträge in Deutschland
melden müssen. In Deutschland läßt sich
(Abbildung 01)
seit 1990 ein kontinuierlicher Anstieg
40.000
35.000
der Insolvenzen (Konkursanträge und
30.000
25.000
20.000
Vergleichsverfahren) beobachten (vgl.
15.000
10.000
Abbildung 01), so daß es für Banken
5.000
0
1980
1981
1982
1983
1984
1985
1986
1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
unabdingbar ist, das Risiko bei der Kre-
ditvergabe zu kalkulieren. Rechtliche
Vorschriften6, nämlich das Kreditwesengesetz KWG, schreiben den Kreditinstituten sogar vor,
sich bei Krediten von mehr als 500.000 DM die wirtschaftlichen Verhältnisse, durch Vorlage der
Jahresabschlüsse, offenlegen zu lassen7. Aber nicht nur bei Kreditbeträgen dieser Höhe, sondern
ganz allgemein werden die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreditnehmers geprüft. Ein geeig-
netes Instrument hierfür ist die Kreditwürdigkeitsanalyse.
2.3 Kreditwürdigkeitsanalyse
Im Rahmen der Kreditwürdigkeitsanalyse soll der Kreditnehmer auf seine Fähigkeit hin, den
Kredit und die Zinsen zurückzuzahlen, überprüft werden8. Denn die Fähigkeit des Schuldners,
seinen aus der Kreditnahme resultierenden Verpflichtungen pünktlich und vertragsgerecht nach-
zukommen, macht die eigentliche Kreditwürdigkeit aus. Wenn man sich vor Augen hält, daß nur
5,00% der Kreditbeträge von Banken an Firmenkunden durch deren Eigenmittel gedeckt sind9,
4 Büschgen, Hans E,
Bankbetriebslehre, Bankgeschäfte und Bankmanagement
, S.802
5 Eine Risikomarge, meist auch als Risikoprämie bezeichnet, ist ein im Kreditvertrag vereinbarter höherer Zinssatz,
der aufgrund der marktpolitischen Situtation eines Kreditnehmers ausgehandelt wird
6 Siehe hierzu ausführlich: Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen,
Rundschreiben 9/98
, im Internet:
http://www.bakred.de/schreibe/htm/rundsch/rs9_98.htm
7 Vgl. die aktuellen Vorschriften des §18 Satz 1 KWG, Kreditwesengesetz
8 Vgl. die Ausführungen von Brock / Ehlenz,
Alles über Kredite
, S. 45ff.
9 Braun, Peter ,,
Die Bank und das Unternehmen als Partner
" in ,,Unternehmensfinanzierung in schwieriger Zeit",
herausgegeben von Seibel, Johannes / Sterner, Siegfried
Seite 3
und die Eigenkapitalquote, gemessen an der Bilanzsumme, kontinuierlich sinkt10, muß eine Bank
als Kreditgeber die
Finanz- und Ertragskraft
des Kreditnehmers analysieren, um über die An-
nahme oder Ablehnung eines Kreditantrages zu entscheiden. Durch Beschaffung, Verarbeitung
und Bewertung relevanter Informationen aus dem Jahresabschluß soll mit Hilfe der Bilanzanaly-
se sowie der Kapitalflußrechnung die Kreditwürdigkeit ermittelt werden. Die Kreditwürdigkeits-
analyse kann im Sinne dieser Arbeit in zwei Verfahren aufgeteilt werden.
Retrospektives Verfahren
Statische Kreditwürdigkeitsprüfung
Prospektives Verfahren
Dynamische Kreditwürdigkeitsprüfung
Die Kreditwürdigkeitsanalyse versucht ein Unternehmen sowohl in der Vergangenheit und Ge-
genwart mit dem
retrospektiven Verfahren
auf Grundlage vergangenheitsbezogener Jahresab-
schlußanalysen als auch in der Zukunft mit dem
prospektiven Verfahren
auf Basis von Finanz-
plänen und Cash-Flow-Prognosen zu bewerten. Die Vergangenheits- bzw. Gegenwartsbetrach-
tung erlaubt es, eine Art Substanzwert11 des Unternehmens zu ermitteln, d.h. einen Überblick
von gegenwärtigem Vermögen und Verbindlichkeiten. Jedoch als weitaus wichtiger wird das
prospektive Verfahren
erachtet, denn die Kreditvergabe führt letztlich beim Kreditnehmer zu
einer Investition, welche auf die Zukunft ausgerichtet ist. Dementsprechend möchte man auch
die zukünftigen Erträge des Unternehmens in Form eines Ertragswertes12 bei der Unternehmens-
bewertung erfassen.
3. Unternehmensbewertung
3.1 Anlässe einer Unternehmensbewertung
Im Grundsatz ist festzustellen, daß der Unternehmenswert vom Bewertungszweck abhängig ist
und letztlich einem konkreten Bewertungsanlaß zu Grunde liegen muß. Anlässe zur Bewertung
sind mannigfaltig in der Praxis zu finden, so dient die Unternehmensbewertung beispielsweise
beim Kauf oder Verkauf eines Unternehmens, zur Auswertung von Geschäftsstrategien, bei Ver-
änderungen der Eigentumsverhältnisse und insbesondere als Entscheidungsgrundlage im Rah-
men der Kreditwürdigkeitsanalyse.
10 Vgl. die Ausführungen von Seibel, Johannes ,,
Kreditwürdigkeit ist ein Ergebnis und kein Zufall
" in ,,Unterneh-
mensfinanzierung in schwieriger Zeit", herausgegeben von Seibel, Johannes / Sterner, Siegfried
11 Siehe Gliederungspunkt 3.3.1
12 Siehe Gliederungspunkt 3.3.3 sowie 3.3.4
Seite 4
Damit der Leser ein besseres Gesamtbild erhält, sollen in kurzer Form die Entwicklungsphasen
der Unternehmensbewertung aufgeführt werden13.
3.2 Entwicklungsphasen der Unternehmensbewertung
3.2.1 Objektive Unternehmensbewertung
Bis in die 60`er Jahre hinein dominierte in der Literatur die Vorstellung, daß es einen objektiven
Unternehmenswert gäbe, der allgemein gültig sei14. Im Rahmen der objektiven Unternehmens-
bewertung orientierte man sich an den Bewertungsmaßstäben der Vergangenheit sowie der Ge-
genwart, jedoch nicht an zukünftigen Entwicklungen15. Diese statische Betrachtungsweise hatte
dem Substanzwertverfahren16 wesentliche Bedeutung zukommenlassen.
3.2.2 Subjektive Unternehmensbewertung
Hierbei gilt der Unternehmenswert nicht als allgemeingültiger Wert, sondern als Wert für ein
bestimmtes Bewertungssubjekt17. Es soll erfaßt werden, was das Unternehmen dem entsprechen-
den Bewertungssubjekt, unter Berücksichtigung seiner subjektiven Ziele und Erwartungen, wert
ist. Die Präferenzen des Bewertungssubjektes zielen nun darauf ab, die Zukunftsbezogenheit bei
der Bewertung in den Vordergrund zu stellen. Ein Zitat von Münstermann: ,,Für das Gewesene
gibt der Kaufmann nichts!"18 spiegelt diesen Gedanken wider. Das Substanzwertverfahren wurde
somit vom Ertragswertverfahren19 abgelöst. Der subjektive Unternehmenswert sollte dem Wert
aus zukünftigen Unternehmenserträgen entsprechen.
3.2.3 Funktionale Unternehmensbewertung
Die funktionale Unternehmensbewertung richtet sich nach den in der Realität auftretenden Be-
wertungsanlässen. Es ist die logische Konsequenz aus den Interessen der Bewertungssubjekte.
Eine Unternehmensbewertung zur Schaffung einer Entscheidungsgrundlage für den Verkauf
bzw. Kauf eines Unternehmens orientiert sich an anderen Gesichtspunkten als zur Schaffung
einer Entscheidungsgrundlage für die Vergabe eines Kredites. Mit der funktionalen Unterneh-
mensbewertung sollte eine zweckmäßige Bewertungsgrundlage geschaffen werden.
13 In Anlehnung an die Gliederung von Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus,
Unternehmensbewertung eine
praxisorientierte Einführung
, S.6-10
14 Dazu kritisch Heinold, Wolfgang,
Beraterbrief März 1998
, im Internet:
http://www.bmp.de/kettembeil/b9803.html
15 Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus,
Unternehmensbewertung eine praxisorientierte Einführung
, S.7
16 Siehe Gliederungspunkt 3.3.1
17 Bewertungssubjekt, d.h. Käufer, Kreditgeber, Aktionär usw.
18 Münstermann, Hans,
Wert und Bewertung der Unternehmung
, S.21
19 Siehe Gliederungspunkt 3.3.3
Seite 5
3.2.4 Exkurs: Entwicklungen in den USA
In den USA wurde die Unternehmensbewertung sehr früh als investitionstheoretisches Problem
angesehen20. Hier können drei grundlegende Ansätze unterschieden werden.
(1)
market approach / comparative company approach
(2)
income approach
(Abbildung 02)
(3)
cost approach / net asset value approach
Der Unternehmenswert wird beim ,,
market approach
" durch Vergleichsverfahren, sogenannte
,,fair market values", gebildet. Man richtet sich entweder nach Marktpreisen21, nach Werten22 für
vergangene abgeschlossene Transaktionen oder nach Preisen23 der erstmaligen Börsenplazierung
von vergleichbaren Unternehmen. Die häufigste Methode in den USA stellt der ,,
income ap-
proach
" dar. Hierbei kommt die ,,Discounted Cash Flow Method" zum Einsatz24. In Ausnahme-
fällen oder zur Ergebniskontrolle des ,,market approach" werden Unternehmenswerte auf Basis
des ,,cost approach", ein der Substanzwertmethode ähnliches Verfahren, ermittelt.
[Exkurs Ende]
Fazit: Die Entwicklungsphasen der Unternehmensbewertung sowie die Entwicklung in den USA
lassen eindeutig erkennen, daß sich ein Trend zur zukunftsorientierten Betrachtungsweise ent-
wickelt hat. Dieser Trend zeigt sich auch innerhalb der Methoden der Unternehmensbewertung.
3.3 Methoden der Unternehmensbewertung
3.3.1 Substanzwertmethode
Mit der Substanz eines Unternehmens bezeichnet man die
Wert der Vermögensgegenstände
materiellen und immateriellen sowie die betriebsnotwen-
./. Wert der Schulden
digen und nicht betriebsnotwendigen Vermögensgegen-
= Substanzwert
stände25, die in der Bilanz ausgewiesen werden. Der Sub-
stanzwert läßt sich durch die Gegenüberstellung von Vermögensgegenständen und Schulden
darstellen. Der resultierende Wert spiegelt lediglich die Vergangenheit wider, beinhaltet aber
20 Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus,
Unternehmensbewertung eine praxisorientierte Einführung
, S.10
21 Vergleich mit Börsenwerten (,,Similar Public Company Method")
22 Vergleich mit Transaktionspreisen (,,Recent Acquisitions Method")
23 Vergleich mit erstmaligen Börsenwerten (,,Initial Public Offerings")
24 Siehe dazu Gliederungspunkt 3.3.4
25 Born, Karl,
Unternehmensbewertung und Unternehmensanalyse
, S.25
Seite 6
somit keine Zukunftsperspektive26. Im Rahmen der dynamischen Kreditwürdigkeitsanalyse27
bietet der Substanzwert jedoch nur eine untergeordnete Bewertungsmöglichkeit, während er bei
der statischen Betrachtung vielmehr zur Ermittlung der Beleihungsfähigkeit dient28.
3.3.2 Marktwertmethode
Als Marktwert wird ganz allgemein der Preis bezeichnet, für den man ein Wirtschaftsgut am
Markt kaufen kann. Der Preis richtet sich dabei nach Angebot und Nachfrage. Im übertragenen
Sinne auf die Unternehmensbewertung wird der Marktwert durch Vergleiche mit
Verhältniszah-
len
oder Börsenwerten von branchengleichen Unternehmen ermittelt. Das Vorgehen entspricht
hierbei dem US-amerikanischen ,,market value"29. Ein Nachteil dieser Methode ist die angemes-
sene Bewertung der Zukunftserfolge, da bei der Bewertung der Umwelt des Unternehmens, den
Marktkonkurrenten sowie den Wettbewerbsverhältnissen in dieser Branche letztlich nur von ei-
ner statischen Betrachtungsweise ausgegangen werden muß30.
3.3.3. Ertragswertmethode
31
Der zum Schluß in Kapitel 3.2 angesprochene Trend, durch seine Blickrichtung in die Zukunft
charakterisiert, zeigt sich besonders bei der Ertragswertmethode wieder. Denn hierbei wird der
Unternehmenswert durch Diskontierung32 der in Zukunft erwarteten Erträge ermittelt33. Der da-
bei entstehende Barwert interpretiert den Unternehmenswert34 unter Berücksichtigung der Ko-
sten, die durch Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierung35 entstehen. Der Ertragswert zeigt
somit das
Finanzpotential
des Kapitalgutes36 eines Unternehmens im Hinblick auf die Zukunft
an. Grundlage dieser zukunftsorientierten Berechnung sind die künftigen Zahlungsströme (Cash
Flow) aus der Finanzplanrechnung bzw. aus den Ergebnissen der Plan-GuV. Der Diskontie-
rungssatz37 ergibt sich aus der bestmöglich alternativen38 Kapitalanlage, die auf dem Kapital-
markt angeboten und nachgefragt werden kann.
26 Rams, Andreas,
Strategisch-dynamische Unternehmensbewertung mittels Realoption
, in ,,Die Bank"
Ausgabe November 1998, S. 676
27 Siehe Gliederungspunkt 2.3
28 Die Beleihungsfähigkeit meint hierbei den Liquidationswert bzw. den Verkaufserlös, den ein Kreditgeber
oder Gläubiger im Fall der Insolvenz des Kreditnehmers erzielen würde
29 Siehe Gliederungspunkt 3.2.4
30 Vgl. Rams, Andreas,
Strategisch-dynamische Unternehmensbewertung mittels Realoption
, in ,,Die Bank"
Ausgabe November 1998, S. 676
31 Die Ertragswertmethode wird ausführlich im Kapitel 5.2.1 behandelt
32 Vgl. das Prinzip der Kapitalwertmethode aus der Investitions- und Finanzierungsrechnung
33 Born, Karl,
Unternehmensanalyse und Unternehmensbewertung
, S. 24
34 Vgl. Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus,
Unternehmensbewertung eine praxisorientierte Einführung
, S. 31
35 Vgl. Born, Karl, ,,
Überleitung von der Discounted Cash Flow Methode zur Ertragswertmethode bei der Unter-
nehmensbewertung"
, in ,,Der Betrieb", Heft 38 vom 20.September 1996, S. 1885
36 Vgl. Woll, Artur [Hrsg.],
Wirtschaftslexikon
, S. 177
37 Auch Kalkulationszinsfuß oder Kapitalisierungszinssatz
38 Vgl. mit dem Prinzip der Opportunitätskosten
Seite 7
3.3.4 Discounted Cash Flow Methode
39
Eine Spezialisierung bzw. Konkretisierung zur Bewertung des Kapitalgutes eines Unternehmens
und letztlich zur Ermittlung des Unternehmenswertes stellt die DCF-Methode dar. Auch hier
wird auf Grundlage der künftigen Zahlungsströme, die sich durch Planungen und Prognosen be-
rechnen lassen, der Unternehmenswert nach der Kapitalwertmethode mit einem Diskontierungs-
satz ermittelt. Während bei der Ertragswertmethode ausschließlich der Zinsfuß einer alternativen
Kapitalanlage in die Berechnung einfließt, richtet sich die DCF-Methode zur Bestimmung des
Diskontierungssatzes nach kapitalmarkttheoretischen Modellen, i.a. nach dem ,,Capital Asset
Pricing Model" oder ,,CAPM"40. Das Ergebnis dieser Methode ist der Marktwert des Gesamtka-
pitals41, der dem Unternehmen in Zukunft als Finanzmittel zur Verfügung steht.
Wie in den letzten bei-
(Abbildung 03)
den Abschnitten und in
Anwendungshäufigkeit von Methoden der
Unternehmensbewertung von deutschen Banken
Abbildung 03 ersicht-
Substanzwertmethode
3,00%
lich, zeigt sich, daß sich
Vergleichszahlen
5,00%
Vergleichspreise
10,00%
im Laufe der Zeit eine
Börsenwert
12,00%
Kennzahl entwickelt hat,
DCF-Methoden
23,00%
Ertragswertmethode
40,00%
die sich besonders dazu
0,00%
5,00%
10,00%
15,00%
20,00%
25,00%
30,00%
35,00%
40,00%
45,00%
eignet, eine zukunftsori-
entierte Aussage zur Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens, und damit in besonderem
Maße für die Kreditwürdigkeitsanalyse der Banken, zu machen; nämlich der Cash Flow.
4. Der Cash Flow
4.1 Begriffsdefinition und Entwicklung
Der Begriff Cash Flow stammt aus den USA und wurde erstmals seit dem Ende des Zweiten
Weltkrieges benutzt42. In der deutschen Literatur läßt sich kaum eine adäquate Übersetzung fin-
den. Übersetzungsversuche, wie Kassen- oder Bargeldzufluß, Finanz- oder Bruttoüberschuß,
sind von der Praxis nicht angenommen worden43, so daß es bislang keine einheitliche Termino-
39 Die Discounted Cash Flow Methode wird ausführlich in Kapitel 5.x behandelt
40 Siehe Woll, Artur [Hrsg.],
Wirtschaftslexikon
, S.99: ,,Ein Modell des Kapitalmarktes, mit dem nachgewiesen
werden kann, daß ... ein Teil der Risiken von Finanzinvestitionen mit Hilfe von Diversifikationsstrategien
(Risikostreuung) neutralisiert werden können ... Erwartungswerte zukünftiger Rückflüsse werden mit einem
risikoangepaßten Kalkulationszinssatz diskontiert"
41 Ballwieser, Wolfgang, ,,
Unternehmensbewertung mit Discounted Cash Flow Verfahren"
, in ,,Die Wirtschafts-
prüfung", Heft 3/1998, S. 82 sowie Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus,
Unternehmensbewertung
, S. 37
42 Siegwart, Hans,
Der Cash Flow als finanz- und ertragswirtschaftliche Lenkungsgröße
, S.15
43 Riebell, Claus,
Die Praxis der Bilanzauswertung
, S.546
Seite 8
logie gibt44. Unter dem terminus technicus ,,Cash Flow" hat sich jedoch im deutschsprachigen
Raum eine Kennzahl entwickelt, die einen unangefochtenen Stammplatz im Zusammenhang mit
der Bilanzanalyse erreicht hat45 und sich als Spitzenwert46 für die Unternehmensbeurteilung eta-
bliert hat. Der Cash Flow dient dem Bilanzleser in Form einer Kennzahl zur Verbesserung der
Informationsfunktion. Denn bei alleiniger Betrachtung der Pflichtangaben im Jahresabschluß
eines Unternehmens, können keine hinreichenden Aussagen zur Vermögens-, Finanz- und Er-
tragslage getroffen werden. Nach Siener47 ist die Verbesserung darin zu sehen, daß eine Beseiti-
gung der
Manipulationen aus dem Jahresabschluß48
und zugleich eine verstärkte Betrachtung
unter
wirtschaftlichen Gesichtspunkten49
erreicht werden solle. Auch im Rahmen dieser Arbeit
sollen die grundsätzlichen Argumente des Cash Flow, nämlich einerseits die Reinheit bzw. Neu-
tralität in Bezug auf die Bilanzpolitik und andererseits schwerpunktmäßig die dynamischen50
Möglichkeiten zur Ermittlung der Finanz- und Ertragskraft beschrieben werden.
4.1.1 Cash Flow, eine Kennzahl unabhängig von der Bilanzpolitik
Um ein Unternehmen zu beurteilen bzw. zu bewerten, gibt es für außenstehende Bilanzleser
normalerweise keine anderen Informationsquellen als den offiziellen Jahresabschluß. Da aber der
Bilanzgewinn (Jahresüberschuß oder ggf. Jahresdefizit) sowie andere aus dem Jahresabschluß
entnommene Daten nicht frei von einer gewissen Bewertungswillkür51 im Sinne der Bilanzpoli-
tik sind, sondern ein Resultat der Gestaltungsmöglichkeiten von Abschreibungen und Rückstel-
lungen, muß eine Kennzahl gebildet werden, die von dieser Willkür bereinigt ist.
4.1.1.1 Bilanzpolitik in Bezug auf Abschreibungen
Abschreibungen werden in der GuV als Aufwand, aber nicht als Ausgabe dargestellt. Sie sind
somit
ausgabenloser
Aufwand, d.h. es fließen keine Geldmittel ab. Betreibt ein Unternehmen
Bilanzpolitik52, so wird es je nach Zielsetzung seiner Politik, besonders hohe oder niedrige Ab-
schreibungsbeträge in der Bilanz ansetzen53. Allerdings fließen dem Unternehmen aber Geld-
44 Siener, Friedrich,
Der Cash Flow im Rahmen der Bilanzanalyse
, S. 34
45 Siener, Friedrich,
Der Cash Flow im Rahmen der Bilanzanalyse
, S. 33
46 Riebell, Claus,
Die Praxis der Bilanzauswertung
, S. 546
47 Vgl. Siener, Friedrich,
Der Cash Flow im Rahmen der Bilanzanalyse
, S. 39 und die dort angegeben Quellen
48 Siehe Gliederungspunkt 4.1.1.1
49 Siehe Gliederungspunkt 4.1.1.2
50 ,,Dynamisch" meint hier die Ermittlung der Liquidität in Bezug auf Geldmittel, die zur Innenfinanzierung
von Investitionen, Schuldentilgungen sowie Dividendenzahlungen verwendet werden
51 Vgl. dazu Leffson, Ulrich,
Bilanzanalyse
, S.168 ,,Abschreibungen können aufgrund der Ungewißheit der Zukunft
nur geschätzt werden und daher nie richtig beziffert werden ... und gerade mit der Bemessung der
Abschreibungsbeträge könne Bilanzpolitik betrieben werden"
52 Beispiele, die hier zu nennen sind:
Sofortabschreibung
von GWG oder steuerliche
Vereinfachungsregeln
, d.h. im
1.Halbjahr angeschaffte Anlagegüter mit dem vollen Abschreibungsbetrag bzw. im 2.Halbjahr angeschaffte
Anlagegüter mit dem halben Abschreibungsbetrag in der Bilanz ansetzen
53 Vgl. hierzu die Ausführungen von Leffson, Ulrich,
Bilanzanalyse
, S. 168
Seite 9
mittel (Gegenwerte der Abschreibung54) durch Verkaufserlöse zu, so daß ein Unternehmen die
Abschreibungsbeträge, denen ja keine Ausgaben gegenüberstehen, zur Finanzierung neuer Inve-
stitionen oder zur Tilgung von Krediten verwenden kann. Die Abschreibungsbeträge stellen so-
mit einen bedeutenden Faktor der
unternehmerischen Selbstfinanzierung
dar.
4.1.1.2 Bilanzpolitik in Bezug auf Rücklagen
Rückstellungen sind ebenfalls als
ausgabenloser
Aufwand zu betrachten. Mögliche Formen der
Rückstellungen sind meist Pensionsrückstellungen, Prozeßkosten- oder Garantierückstellungen.
Durch die allgemeine Zulässigkeit von Aufwandsrückstellungen, wie sie im Handelsgesetzbuch
vorgeschrieben werden55, lassen sich Rückstellungen zwar als wahrscheinlich oder sicher, aber
in ihrer Höhe und im Zeitpunkt als ungewisse Verbindlichkeiten interpretieren56, so daß sie im
Rahmen der Bilanzpolitik den Gewinn beeinflussen können.
Da es sich bei Abschreibungen und Rückstellungen um selbsterwirtschaftete Potentiale aus der
laufenden Geschäftstätigkeit handelt, läßt sich der Bilanzgewinn dadurch
bereinigen
, indem Ab-
schreibungen und Rückstellungen hinzu addiert werden. Es ergibt sich somit ein allgemeines
Berechnungsschema57:
Cash Flow = Reingewinn + Abschreibungen + Rückstellungen58
4.1.2 Cash Flow als Indikator der wirtschaftlichen Lage
Unter dem Aspekt, die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu analysieren, stellt sich in
erster Linie die Frage, wieviel Geldmittel ein Unternehmen in einem Geschäftsjahr erwirtschaf-
ten konnte. Es soll der Überschuß der selbst erwirtschafteten Einnahmen über die Ausgaben er-
mittelt werden59. Eine einfache Möglichkeit, die wirtschaftliche Lage zu beurteilen, würde sich
ergeben, wenn man den Gewinn als Kennzahl betrachtet und daraus bestimmte Aussagen ablei-
tet. Da aber der Gewinn eine
manipulierbare
Kennzahl der Bilanzpolitik ist60, wird der Cash
Flow als Kennzahl benutzt. Denn er dient als geeigneter Maßstab sowohl für die Finanzkraft als
auch die Ertragskraft, da erstens der Gewinn Bestandteil des Cash Flow ist und zweitens durch
54 Riebell, Claus,
Die Praxis der Bilanzauswertung
, S.547
55 Vgl. hierzu die Ausführungen von §249 Abs. 2 HGB
56 Vgl. Woll, Artur [Hrsg.],
Wirtschaftslexikon
, S. 629
57 Siehe hierzu ausführlich den Gliederungspunkt 4.2
58 In der Literatur wird meist die Faustregel ,,cash flow = net income + depreciaton" angegeben
59 Gerke, Wolfgang,
Handwörterbuch des Bank- und Finanzwesens
, S. 374
60 Resultat aus Abschreibungen und Rückstellungen
Seite 10
die Bereinigung von Abschreibungen und Rückstellungen die wesentlichen Manipulationen des
Erfolgsausweises berichtigt sind61.
4.1.2.1 Indikator der Finanzkraft
Unter Finanzierung werden allgemein die Tätigkeiten verstanden, die darauf gerichtet sind, ein
Unternehmen mit Geldmitteln auszustatten, die zur Realisation der betrieblichen Ziele erforder-
lich sind. Geldmittel können dabei durch Außen- oder Innenfinanzierung beschafft werden (vgl.
hierzu Abbildung 04 im Anhang). Im Rahmen der cash-flow-basierten Unternehmensbewertung
interessiert hierbei besonders die Innenfinanzierung. Der Cash Flow zeigt hierbei als Ergebnis
der
Finanzkraftanalyse
die Fähigkeit eines Unternehmens, einen Großteil seiner Investitionen,
Gewinnausschüttungen und Schuldentilgungen ohne Inanspruchnahme einer Außenfinanzierung,
durchführen zu können.62
4.1.2.2 Indikator der Ertragskraft
Unter der Ertragskraft wird die Fähigkeit definiert, nachhaltig Gewinne zu erzielen. Darunter
sind jene Geldbeträge zu verstehen, die nach Abzug der Ersatzinvestitionen ausgeschüttet wer-
den können. Ziel ist es, festzustellen, ob ein Unternehmen über ein ausreichendes Ertragspoten-
tial verfügt, und somit Aussicht auf Wachstum hat. Es muß zwar beachtet werden, daß der Cash
Flow nicht in seiner gesamten Höhe, so wie er zum Bilanzstichtag ausgewiesen wurde63, für
Neuinvestitionen64 eingesetzt werden kann. Vielmehr zeigt der Cash Flow als Indikator der Er-
tragskraft die Dynamik an, mit der Geldmittel entstanden und verwendet worden sind65.
4.2 Berechnungsmethoden des Cash Flow
Da für den Cash Flow keine gesetzliche Angabepflicht für den Jahresabschluß besteht66, muß der
Bilanzleser sich diese Kennzahl aus dem ihm zugänglichen Datenmaterial berechnen. Als
Grundlage der Berechnungsmethoden dienen entweder Angaben aus dem internen Rechnungs-
wesen oder die in den Jahresabschlüssen eines Unternehmens ausgewiesenen Daten und Bilanz-
positionen. Man unterscheidet die direkte und indirekte Berechnungsmethode. Im Anhang (Ab-
bildung 06) finden sich konkretisierte Methoden67.
61 Siener, Friedrich,
Der Cash Flow als Instrument der Bilanzanalyse
, S. 41
62 siehe Gliederungspunkt 5.2
63 Vgl. dazu die nachstehenden Berechnungsmethoden
64 ,,Neuinvestitionen" meint hier die für das Wachstum notwendigen Anschaffungen,
beispielsweise neue Anlagen oder zusätzliches Personal, und damit verbundenen Geldausgaben
65 Vgl. Gerke, Wolfgang [Hrsg.],
Handwörterbuch des Bank- und Finanzwesens
, S.376
66 Vgl. für Deutschland Chmielewicz, Klaus [Hrsg.],
Handwörterbuch des Rechnungswesens
, S. 302; jedoch für die
USA die Ausweispflicht des Cash Flow durch den ,,Statement Of Cash Flow", Gliederungspunkt 4.2.6
67 Siegwart hat die bestehende direkte und indirekte Grundformel der Ausführlichkeit wegen erweitert
Seite 11
4.2.1 Direkte Methode
4.2.2 Indirekte Methode
Es wird von Zahlungsvorgängen (Geldströmen) Grundlage ist der Jahresgewinn oder ggf. das Jah-
ausgegangen, indem vom einnahmewirksamen Er- resdefizit, wobei durch Addition von
nicht zu Aus-
trag der ausgabenwirksame Aufwand subtrahiert
gaben führenden
Aufwendungen sowie durch Sub-
wird.
traktion
von nicht zu Einnahmen
führenden Erträ-
gen der Cash Flow ermittelt wird.
Einnahmewirksamer Ertrag68
./. Ausgabenwirksamer Aufwand69
Jahresgewinn / Jahresdefizit
= Cash Flow
+ auszahlungslose Aufwendungen
./. einzahlungslose Erträge
(Abbildung 05)
= Cash Flow
4.2.3 Vergleich der direkten und indirekten Methoden
Beide Methoden führen letztlich zum gleichen Ergebnis70. Jedoch findet die Anwendung der
indirekten Methode eine weitaus größere Beliebtheit, da sie anwenderfreundlich ist. Denn die
notwendigen Zahlen können aus den
Begründung für die Präferierung der indirekten Bewertungsmethode
öffentlich zugänglichen Jahresberichten
Why Use Presentation Method
Percentage Responding
der jeweiligen Unternehmen entnom-
indirect
direct
men werden, während die direkte Me-
Help User Unterstand
60,80%
87,50%
More Information disclosure
23,00%
25,00%
thode Zahlenmaterial benötigt, das nur
Facilitate Cash Flow Analyses
28,40%
56,30%
Highlight Liquidity
8,10%
18,80%
sehr schwer für außenstehende Bilanz-
Soundest conceptual method
29,70%
12,50%
leser zu beschaffen ist. Eine kurze In-
Corresponds to analyses
18,90%
18,80%
Reflects industry practice
9,50%
-
terpretation der nebenstehenden Abbil-
Consistent with past
24,30%
6,30%
Recommended by FASB
12,20%
6,30%
dung verdeutlicht, daß besonders die
Conforms to international reporting
2,7%
18,80%
Habit
14,9%
-
Übereinstimmung mit der Vergangen-
(Abbildung 07)
heit, die Gewohnheit, die Empfehlung
des FASB71 und letztlich die Einfachheit72 dazu führen, daß die indirekte Methode in der Praxis
eine größere Anwendung findet. Eine Befragung von deutschen Kreditinstituten73 hat ergeben,
daß nur 9,5% die direkte, hingegen aber 90,5% die indirekte Methode zur Ermittlung des Cash
Flow anwenden.
68 Wird in der Literatur auch als Ertragseinzahlung bezeichnet
69 Wird in der Literatur auch als Aufwandsauszahlung bezeichnet
70 Vgl. Siegwart, Hans, S. 21 sowie Siener, Friedrich, S. 61
71 FASB: Financial Accounting Standard Board Vorschriften aus den USA für die Aufstellung und Ausgestaltung
einer Kapitalflußrechnung; siehe auch Gliederungspunkt 4.2.6 ,,Statement Of Cash Flow"
72 Vgl. Siener, Friedrich, Der Cash Flow als Instrument der Bilanzanalyse, S.63
73 Siehe dazu Abbildung 08 im Anhang
Seite 12
4.2.4 Berechnungsmethoden der Banken
Sparkassen-Verfahren
Aktienanalyse-Verfahren
Betriebsergebnis oder -verlust
Bilanzgewinn oder -verlust
+ planmäßige Abschreibungen
./. Gewinnvortrag
+ Erhöhung der langfristigen Rückstellungen
./. Entnahmen aus offenen Rücklagen
= Cash Flow vor Steuern
+ Einstellung in offene Rücklagen
./. EE-Steuern (bisher EEV-Steuern)
+ Verlustvortrag
= Cash Flow nach Steuern
= Jahresüberschuß, ggf. -fehlbetrag
(Abbildung 09)
+ planmäßige Abschreibungen
+ Erhöhung der langfristigen Rückstellungen
+ außerordentliche Abschreibungen
Speziell für die Ermittlung des Cash Flow von
+ sonstige außerordentlicher Aufwand
Kreditinstituten, insbesondere für Sparkassen
./. außerordentliche Erträge
= Cash Flow nach Steuern
und Landesbanken74, haben sich zwei Verfahren,
+ EE-Steuern (bisher EEV-Steuern)
= Cash Flow vor Steuern
nämlich das
,,Sparkassen-Verfahren"
und das
(Abbildung 10)
,,Aktienanalyse-Verfahren"
, etabliert, die unter Zuhilfenahme des EBIL-Programmes75 berech-
net werden. Der ,,Cash Flow nach Steuern" verdient bei Kapitalgesellschaften ein besonderes
Augenmerk, weil die zu zahlende Körperschaftssteuer als Aufwand in der Bilanz ausgewiesen
wird, aber einen Betrag darstellt, der durch den laufenden Geschäftbetrieb erwirtschaftet wurde.
4.2.5 Berechnungsmethode der DVFA/SG und Beispiele aus der Praxis
Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung e.V. (DVFA) und die Schma-
lenbach-Gesellschaft Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. (SG), haben ebenfalls
eine Empfehlung zur Berechnung des Cash Flow herausgegeben76. Die Berechnungsmethode der
DVFA/SG und ein praktisches Beispiel anhand des Konzernabschlusses der ,,PRO SIEBEN
MEDIA AG"77 sind in den Abbildungen 11 und 12 im Anhang angegeben.
4.2.6 ,,Statement Of Cash Flow"
Im Jahre 1987 verabschiedete das US-amerikanische ,,Financial Accounting Standards Board"
(FASB) das ,,Statement Of Financial Accounting Standards (SFAS) No. 95" mit dem Titel
,,Statements Of Cash Flow". Darin wurde erstmals die Ausweispflicht des Cash Flow im Rah-
men der Kapitalflußrechnung mit dem Zweck der Offenlegung relevanter Informationen über
Auszahlungs- und Einzahlungsströme eines Unternehmens vorgeschrieben78. Eine detaillierte
Übersicht sowie die Kapitalflußrechnung der ,,DEUTSCHEN TELEKOM AG" ist den Abbil-
dungen 14 und 15 im Anhang zu entnehmen.
74 Vgl. Riebell, Claus, Die Praxis der Bilanzauswertung, S. 546
75 Ein computerunterstütztes System zur Einzelbilanzanalyse speziell für Banken
76 Vgl. den Aufsatz der DVFA/SG ,,Zur Ermittlung des Cash Flow" in ,,Die Wirtschaftsprüfung", 1993, S.599ff.
77 Siehe im Internet: http://www.pro-sieben.com/aktie/finanzen/1997 Konzernabschluß der Pro Sieben Media AG
78 Siehe ausführlich Gerke, Wolfgang [Hrsg.],
Handbuch des Bank- und Finanzwesens
", S. 380
Seite 13
5. Die Aussagekraft des Cash Flow im Rahmen der Unternehmensbewertung
Aus der isolierten Betrachtung des Cash Flow kann nur sehr schlecht eine Aussage über die Fi-
nanz- bzw. Ertragslage eines Unternehmens abgeleitet werden79. Vielmehr kommt es in der heu-
tigen Praxis durch
relative80
Cash Flow Zahlen, d.h. in Relation zu anderen Größen des Jahres-
abschlusses, zu relevanten Aussagen, die letztlich als Entscheidungsgrundlage dienen sollen.
5.1 Retrospektiver und prospektiver Cash Flow
In Übereinstimmung mit der statischen bzw. dynamischen Kreditwürdigkeitsanalyse81 hat sich
ebenfalls in der Praxis eine retrospektive und prospektive Aussageform des Cash Flow
entwickelt. Eine Übersicht82 im Anhang soll dies verdeutlichen.
5.2 Finanz- und Ertragskraft durch Cash Flow Relationen
Es kann eine Vielzahl von Cash Flow Relationen gebildet werden. Alle diese hier aufzuführen,
würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Jedoch können zunächst in Abbildung 17 die nach
Siegwart83 wichtigsten Kennzahl-Relationen des Cash Flow entnommen werden.
5.2.1 Bewertung der Ertragswertmethode und DCF-Methode
Wie in Kapitel 3.3 beschrieben, dienen beide Bewertungsmethoden dazu, eine Aussage über den
zukünftigen Wert des Kapitalgutes und somit den Unternehmenswert auf Grundlage der Kapi-
talwertmethode zu erhalten. Born spricht sogar vom ,,Herausholbaren" der Zukunft84, weil durch
die zukünftige Finanzplanung und die Ergebnisse der Plan-GuV85 in Bezug auf den Cash Flow
der ,,einzig richtige Unternehmenswert mit der DCF-Methode" ermittelt wird86.
Methode
Zeitpunkt t0
Zeitpunkt t1
Zeitpunkt t2
Zeitpunkt tn
Ertragswert
t n
Cash Flow t
Cash Flow
Cash Flow
Cash Flow
= (1+i)t
(1+i)1
(1+i)2
(1+i)n
t
=1
t n
DCF-Methode
Cash Flowt
Cash Flow
Cash Flow
Cash Flow
= (1+r)t
(1+r)1
(1+r)2
(1+r)n
t
=1
[i] = Zinssatz aus der bestmöglich alternativen Kapitalanlage
[r] = Zinssatz entsprechend dem Marktwert des Kapitals, berechnet mit CAPM
(Abbildung 19)
79 Chmielewicz, Klaus [Hrsg.],
Handwörterbuch des Rechnungswesens
, S. 304 (1993)
80 In der Literatur oft auch als ,,cash flow ratio" bezeichnet
81 Siehe Gliederungspunkt 2.3
82 Siehe dazu Abbildung 16 im Anhang
83 Vgl. Siegwart, Hans,
Der Cash Flow als finanz- und ertragswirtschaftliche Lenkungsgröße
, S.75ff
84 Born, Karl, Bilanzbuch, S. 24 ,,Bewertungsgrundlage bildet das aus dem Unternehmen Herausholbare
und nicht die vergangenen Erträge"
85 Den Zeitraum für eine Finanzplanung und für die Plan-GuV zeigt Abbildung 18 im Anhang
86 In der Literatur gilt die DCF-Methode als ,,richtige Art" der Unternehmensbewertung, so Born, Karl,
Unterneh-
mensanalyse und Unternehmensbewertung
, S. 24; Mandel / Rabel,
Unternehmensbewertung
, S.33
Seite 14
Die Ergebnisse der Ertragswert- bzw. DCF-Methode, nämlich die Barwerte, geben Auskunft
über das Finanzpotential des Unternehmens und interpretieren somit einen
Maßstab für die Li-
quiditätslage
. Im Anhang findet sich eine Übersicht der verschiedenen DCF-Methoden87.
5.2.2 Dynamischer Verschuldungsgrad
Eine sehr wichtige Aussage88 in Bezug auf die Kreditwürdigkeit macht der
dynamische Ver-
schuldungsgrad
. Er gibt an, wieviel Perioden lang (auch Jahre) der Cash Flow wieder in den
Folgeperioden erwirtschaftet werden muß, um sämtliche Schul-
Netto-Verschuldung
Cash Flow
den des Unternehmens zu tilgen. Der dynamische Verschul-
dungsgrad ist der Quotient aus Gesamtverbindlichkeiten (Netto-Verschuldung)89 und Cash
Flow90. Der ermittelte Wert findet seine Ursache im Liquiditätsgedanken, so daß besonders gut
auf drohende Liquiditätskrisen hingewiesen werden kann. Denn ein sehr kleiner Quotient ist ein
Hinweis dafür, daß das zu analysierende Unternehmen relativ schnell in der Lage ist, das langfri-
stige Fremdkapital, sprich Kredite, vorzeitig zurückzuzahlen.
6. Kritik und Grenzen des Cash Flow
Um die Finanz- und Ertragskraft eines Unternehmens zu beurteilen, werden die absoluten Cash
Flow Zahlen über mehrere Jahre verglichen. Durch Zeit- und Branchenvergleiche soll ein Ent-
wicklungstrend erkennbar werden, der als Entscheidungshilfe bzw. als Beurteilungskriterium
dienen soll, ob ein aufgenommener Kredit vereinbarungsgemäß getilgt werden kann91. Nachste-
hend sind die wichtigsten Kritik- und Grenzpunkte des Cash Flow dargestellt sowie teilweise im
Anhang mit praktischen Beispielen verdeutlicht.
· Es kann ein verzerrter Cash Flow während der Investitionsphase eines Unternehmens entste-
hen und dieser dann zu falschen Aussagen führen. Der enge Zusammenhang zwischen der
Entwicklung von Gewinn und Cash Flow wird sehr deutlich, wenn der Cash Flow nach grö-
ßeren Investitionen durch die erhöhte Abschreibung ansteigt, während der Gewinn gleichzei-
tig zurückgeht92. Diese Situation läßt sich dadurch erklären, daß sich die erhöhten Abschrei-
bungen noch vor einer Ertragsverbesserung niederschlagen. Der Cash Flow weist hierbei ei-
ne gute wirtschaftliche Lage aus, obwohl die Gewinnbetrachtung das Gegenteil ausdrückt.
87 Siehe Abbildung 20 im Anhang
88 Siehe dazu Zentralverband Hartwarenhandel e.V. ,,
Cash Flow und Verschuldungsgrad
" im Internet:
http://www.zhh.de/ZHH/cashflow.htm
89 Siehe Abbildung 21 im Anhang
90 Vgl. dazu Bischoff,
Wolfgang, Cash Flow And Working Capital
, S. 74ff. sowie
Leffson, Ulrich,
Bilanzanalyse
, S. 162
91 Riebell, Claus,
Die Praxis der Bilanzauswertung
, Sp. 1246
92 Leffson, Ulrich, Bilanzanalyse, Sp. 393
Seite 15
· Der Cash Flow kann beim Unternehmensvergleich nur dann angewendet werden, wenn die
vergleichbaren Unternehmen auch halbwegs derselben Branche und mit dem gleichen Auf-
bau des Vermögens übereinstimmen. (Vergleiche den Konzernabschluß in der Abbildung 12
mit dem in der Abbildung 15)93.
· Durch die Prognoseprobleme bei der Finanzplanung, insbesondere beim Ertragswert und der
DCF-Methode, können die ermittelten Cash Flow durch die Unsicherheit in der Zukunft ver-
fälscht werden. Mandel und Raab sehen jedoch die Ursache darin, daß eine Fehlanwendung
durch den Bewerter bzgl. der CAPM-Ermittlung stattfindet94.
· Besonders bei international tätigen Unternehmen kommt es bei Fremdwährungsbeständen
durch Wechselkursänderungen zu Zu- und Abflüssen, die den Cash Flow verändern. Zwar
haben diese Zu- und Abflüsse im allgemeinen keinen Einfluß auf die wirtschaftliche Lage
des Unternehmens, jedoch ändert sich der Cash Flow.
· Der Cash Flow kann durch die Beschaffenheit des Anlagevermögens extrem beeinflußt wer-
den. Unternehmen, die einen Großteil ihres Anlagevermögens
geleast
haben, verbuchen re-
lativ kleine Abschreibungsbeträge95, während Unternehmen mit eigenem Anlagevermögen
dieses auch abschreiben müssen. Ein ähnliches Problem stellt die Altersstruktur des Anlage-
vermögens dar, denn hier fallen aufgrund der eventuell schon abgeschriebenen Vermögens-
gegenstände gar keine oder nur noch sehr kleine AfA-Beträge an.
7. Schlußwort
Trotz der eben beschrieben Probleme und Kritiken am Cash Flow wird in Jahresabschlüssen
mittelgroßer bis großer Unternehmen immer häufiger diese Kennzahl ausgewiesen. Als Gründe
dafür sprechen die Eindeutigkeit und Verwertbarkeit hinsichtlich vieler Unternehmensziele.
Nicht nur im Rahmen der Kreditwürdigkeitsanalyse, sondern auch für strategische Entscheidun-
gen eines Unternehmens oder deren Anteilseigner, spiegelt sich mit dem Cash Flow ein Ent-
scheidungsmaßstab wider, der heute nicht mehr wegzudenken ist. Sowohl vergangenheitsorien-
tiert als auch im Sinne eines Prognosewertes liefert der Cash Flow eine einfache, leicht zu inter-
pretierende Kennzahl, die einen weitaus größeren Informationsgehalt als die Betrachtung des
klassischen Gewinn- und Kostenverhältnisses beinhaltet.
93 Der Vergleich der ,,PRO SIEBEN MEDIA AG" und der ,,DEUTSCHEN TELEKOM AG" auf Grundlage des
Cash Flow bietet keine passenden Vergleichsaussagen
94 Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus,
Unternehmensbewertung eine praxisorientierte Einführung
, S.246
95 Beim Leasing fallen keine Abschreibungen für den Leasingnehmer an, sondern die Leasingkosten werden
direkt in der GuV als Aufwand verbucht, da Leasinggebühren zu Auszahlungen führen.
Anhang IV
Abbildung 04 ,,Arten der Finanzierung"
In Anlehnung an die Darstellungen von Schmidt, Reinhard / Terberger, Eva, Grundzüge der
Investitions- und Finanzierungstheorie, S. 19 sowie Drukarczyk, Jochen,
Finanzierung
, S. 9
Arten der Finanzierung
Außenfinanzierung
Innenfinanzierung
Kapitaleinlagen durch
· Finanzierung durch Abschreibungen
· bisherige Eigentümer (Eigenfinanzierung)
· Finanzierung aus Rückstellungen
· neue Eigentümer (Beteiligungsfinanzie-
· Finanzierung durch Gewinneinbehaltung
rung)
· Finanzierung durch Vermögensumschichtung
· Gläubiger (Fremdfinanzierung) Kreditge-
währung
Abbildung 06 ,,Konkretisierung der direkten und indirekten Cash Flow Berechnung"
Entnommen aus Siegwart, Hans, Der Cash Flow als finanz- und ertragswirtschaftliche Lenkungsgröße, S.20-21
Grundformel zur indirekten Berechnung
Grundformel zur indirekten Berechnung
Einnahmewirksamer Ertrag
Jahresgewinn / Jahresdefizit
./. Ausgabenwirksamer Aufwand
+ auszahlungslose Aufwendungen
= Cash Flow
./. einzahlungslose Erträge
= Cash Flow
Erweiterte Grundformel
Erweiterte Grundformel
Brutto-Erlös
Ausgewiesener Jahresgewinn / -verlust
./. Erlösminderung
./. Gewinnvortrag*
= Nettoerlös
+ Verlustvortrag
./. Personalaufwand
+ Erhöhung der Rücklagen
./. Materialaufwand
./. Auflösung der Rücklagen
./. Zinsaufwand
+ Erhöhung langfristiger Rücklagen
./. Unterhalt und Wartung
./. Auflösung langfristiger Rücklagen
./. Versicherungsprämien
+ Abschreibungen und Wertberichtigungen
./. Energie
+ außerordentliche Aufwendungen
./. Werbung
./. außerordentliche Erträge
./. Büro- und Verwaltungsaufwand
= Cash Flow
= Cash Flow
Anhang IV
Abbildung 07 ,,Begründung für die Präferierung der indirekten Bewertungsmethode"
In Anlehnung an die bei Siener, Friedrich, Der Cash Flow als Instrument der Bilanzanalyse, S.63 aufgeführte Übersicht,
die von Gibson / Klammer / Reed (1986) entnommen wurde; die deutsche Übersetzung entstand in Eigenleistung)
Begründung für die Präferierung der indirekten Bewertungsmethode (englisch / deutsch)
Why Use Presentation Method
Percentage Responding
,,Begründung"
Angaben in Prozent
indirect
direct
Help User Unterstand
,,Einfaches Verständnis für Anwender"
60,80%
87,50%
More Information disclosure
,,Mehr Informationen bekanntgeben"
23,00%
25,00%
Facilitate Cash Flow Analyses
,,Cash Flow Analyse vereinfachen"28,40%
56,30%
Highlight Liquidity
,,Liquidität betonen"
8,10%
18,80%
Soundest conceptual method
,,Schlüssigste konzeptuelle Methode"
29,70%
12,50%
Corresponds to analyses
,,Stimmt mit Analysewerten überein"
18,90%
18,80%
Reflects industry practice
,,Spiegelt Praxis in der Industrie wider"
9,50%
-
Consistent with past
,,Übereinstimmend mit Vergangenheit"
24,30%
6,30%
Recommended by FASB
,,Empfohlen durch den FASB"
12,20%
6,30%
Conforms to international reporting
,,Entspricht dem internen Rechnungswesen"
2,7%
18,80%
Habit
,,Gewohnheit"
14,9%
-
Abbildung 08 ,,Anwendungshäufigkeit der direkten / indirekten Methode bei der Cash Flow
Ermittlung von deutschen Kreditinstituten"
entnommen aus Siener, Friedrich, Der Cash Flow als Instru ment der Bilanzanalyse, S. 62
Diese Umfrage hat erge-
ben, daß nur 9,5% der
indirekt
90,50%
deutschen Kreditinstitute
die direkte, aber 90,5%
die indirekte Methode bei
direkt
9,50%
der Berechnung des Cash
Flow anwenden.
0,00%
20,00%
40,00%
60,00%
80,00% 100,00%
Anhang IV
Abbildung 11 ,,Berechnungsmethode nach DVFA/SG (1993)"
Entnommen aus Gerke, Wolfgang [Hrsg.], Handwörterbuch des Bank- und Finanzwesens, S. 375
(1)
Jahresüberschuß / fehlbetrag
(2)
+
Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens
(3)
-
Zuschreibungen zu Gegenständen des Anlagevermögens
(4)
+ / -
Veränderung der Rückstellungen für Pensionen (langfristige Rückstellungen)
(5)
+ / -
Veränderungen der Sonderposten mit Rücklageanteil
(6)
+ / -
Andere nicht zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge
(7)
=
Jahres-Cash-Flow
(8)
+ / -
Bereinigung ungewöhnlicher zahlungswirksamer Aufwendungen / Erträge
(9)
=
Cash Flow nach DVFA / SG
Abbildung 12 ,,Konzernabschluß der Pro Sieben Media AG 1997"
Quelle: Pro Sieben Media AG im Internet, http://www.pro-sieben.com/aktie/finanzen/1997
Positionen in der Bilanz
Geschäftsjahr 1997
Geschäftsjahr 1996
Jahresüberschuß
104 Mio. DM
169 Mio. DM
Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens
72 Mio. DM
85 Mio. DM
Abschreibungen / Zuschreibungen auf Programmvermögen
811 Mio. DM
734 Mio. DM
Veränderung der Drohverlustrückstellungen für Programmvermögen
-37 Mio. DM
53 Mio. DM
Cash Flow nach DVFA / SG
950 Mio. DM
1.041 Mio. DM
Die ,,PRO SIEBEN MEDIA AG" hat in
Abbildung 13 ,,Berechnungsbeispiel DVFA/SG"
Ihrem Jahresabschluß den Cash Flow
(1) Jahresüberschuß
104 Mio. DM
nach DVFA / SG betont, so daß es im
(2) Abschreibung auf Anlagevermögen
72 Mio. DM
(2) Abschreibung auf Programmvermögen
811 Mio. DM
Rahmen dieser Arbeit sehr gut möglich
(4) Drohverlustrückstellung
37 Mio. DM
ist, die Berechnungsweise des Cash Flow
(9) Cash Flow nach DVFA / SG
950 Mio. DM
nachzuvollziehen.
Anhang IV
Abbildung 14 ,,Statement Of Cash Flow"
Zusammenfassung aus Gerke, Wolfgang [Hrsg.], Handwörterbuch des Bank- und Finanzwesens, S. 380
sowie aus dem Internet: http://www.iasc.org.uk/frame/cen2_17.htm
( 1 )
( 2 )
Primäre Absichten des
Möglichkeiten zur
,,Statement Of Cash Flow"
Beurteilung dieser Absichten
1.
Abschätzung der Fähigkeit des Unternehmens, zu- 1.
Cash Flow aus betrieblicher Tätigkeit
künftig positive Zahlungsüberschüsse zu erwirt- 2.
Cash Flow aus Investitionsaktivitäten
schaften
3.
Cash Flow aus Finanzaktivitäten
2.
Abschätzung der Fähigkeit des Unternehmens zur
Schuldenbegleichung, Dividendenzahlung und Er-
(3)
haltung der Bonität
Berechnung der
3.
Einschätzung der Gründe für die Divergenz zwi-
jeweiligen Cash Flow Kennzahl
schen Jahresergebnis und den damit verbundenen
Zahlungen
Jahresüberschuß / -fehlbetrag
4.
Einschätzung der Auswirkungen finanzwirksamer +/- Aufwendungen / Erträge aus Anlagenabgängen
und nicht-finanzwirksamer Investitions- und Finan- +/- Abschreibungen / Zuschreibungen
zierungstransaktionen auf die Finanzlage des Unter- +/- Veränderungen langfristiger Rückstellungen
nehmens
+/- Veränderung des Netto-Umlaufvermögens
= Cash Flow aus der Betriebstätigkeit
Mittelzufluß aus Desinvestitionen im Anlagevermögen
- Mittelzufluß für Investitionen ins Anlagevermögen
+/- Veränderung von Finanzforderungen
= Cash Flow aus der Investitionstätigkeit
Kapitaleinzahlungen durch Eigenkapitalgeber
- Kapitalrückzahlungen an Eigenkapitalgeber
- Gewinnausschüttungen
+/- Veränderung von Finanzierungsschulden
= Cash Flow aus der Finanzierungstätigkeit
Anhang IV
Abbildung 15
,,Kapitalflußrechnung der Deutschen Telekom AG nach dem Statement Of Cash Flow"
Quelle: Deutsche Telekom AG, Jahresabschluß 1997,
Internet: http://www.telekom.de/untern/kurzprofil/g_zahl/g_bericht97/finanz.htm
Deutsche Telekom AG
Kapitalflußrechnung 1997 nach dem ,,Statement Of Cash Flow"
Anhand dieser Kapitalflußrech-
Position und Bemerkungen
in Mio. DM
nung soll gezeigt werden, wie der
Jahresüberschuß
3.588
,,Statement Of Cash Flow" in der
Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens
18.597
Praxis zum Einsatz kommt.
Ertragssteueraufwand
2.958
Zinserträge und Aufwendungen
6.368
Ergebnis aus dem Abgang von Anlagevermögen
1.165
Zuführung zur Rückstellung für Personalanpassungsmaßnahmen
-
Veränderung der Pensionsrückstellung
(241)
Ergebnis aus assoziierten Gesellschaften
1.520
Im Hinblick auf den vollzogenen
Sonstige zahlungsunwirksame Aufwendungen und Erträge
(79)
Veränderung der Forderungen
(421)
Börsengang der Telekom AG, ist
Veränderung der Vorräte
243
Veränderung der Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung
(758)
es verständlich, daß man eine
Übrige Veränderungen
(140)
Gezahlte Ertragssteuern
(3.574)
international vergleichbare
Erhaltene Dividenden
173
Operativer Cash Flow
29.399
Rechnung vorlegen möchte, um
Gezahlte Zinsen
(7.344)
sich selbst oder von Dritten im
Erhaltene Zinsen
586
Cash Flow aus Geschäfts- bzw. Betriebstätigkeit
22.641
Rahmen eines Branchen- oder
Auszahlungen für Investitionen in immaterielle VG
(13.282)
Zeitvergleiches bewerten zu las-
Auszahlung für Investitionen in Finanzanlagen
(1.567)
Einzahlungen aus Abgaben des Anlagevermögens
643
sen. Insbesondere die angegebe-
Veränderung des Umlaufvermögens
3.383
Sonstiges
254
nen Beträge der Finanzverbind-
Cash Flow aus Investitionstätigkeit
(10.569)
lichkeiten und der daraus resul-
Veränderung kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten
(2.445)
Aufnahme mittel- und langfristiger Finanzverbindlichkeiten
266
tierende Cash Flow dienen der
Rückzahlung mittel- und langfristiger Finanzverbindlichkeiten
(9.934)
Ausschüttung
(1.646)
Aussagekraft der Kreditwürdig-
Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit
(13.759)
keit.
Hinweis: Negative Zahlungsströme sind in Klammern dargestellt!
Anhang IV
Abbildung 16 ,,Retrospektiver und prospektiver Cash Flow"
In Anlehnung an die Ausführungen der ,,Management-Enzyklopädie", S. 432ff.
Aussagefähigkeit der
Cash Flow Rechnung
Retrospektive Sichtweise
Prospektive Sichtweise
Der Cash Flow dient als Maßstab für die Selbstfi- Bedingt durch die Definition des Cash Flow, letzt-
nanzierungskraft in der Vergangenheit. Es wird lich mehr Einnahmen als Ausgaben zu erwirtschaf-
untersucht, in welchem Umfang ein Unternehmen ten, soll durch eine zukunftsorientierte Betrachtung
in der Lage war, aus dem Umsatzprozeß heraus und Planung, der Cash Flow prognostiziert werden.
Einnahmen zu erzielen, die über die laufenden Aus- Es bieten sich zwei Verfahren an.
gaben hinausgehen. Es gibt drei Möglichkeiten,
diesen Maßstab im Unternehmensvergleich zu er- 1) Planung von Einnahmen und Ausgaben
mitteln.
Speziell für kurze Planungszeiträume läßt sich
im Hinblick auf des Ergebnis des Cash Flow
1) Allgemeiner Unternehmensvergleich
eine zukünftige Struktur des Finanzpotentiales
Es werden unterschiedliche Unternehmen ver- erreichen, um so einen zukünftigen Wert der
glichen, die als relevant im Markt erscheinen
Zahlungsfähigkeit bzw. der Finanzkraft zu er-
halten.
2) Branchenvergleich
Es findet eine Konkretisierung statt, indem 2) Gewinnkorrektur
branchengleiche Unternehmen bewertet bzw.
Hierbei wird die Plan-Gewinn- und Verlust-
verglichen werden. Besonders bei Überein-
rechnung um die nicht einnahmewirksamen Er-
stimmung z.B. des Produktionsprogrammes, der
träge und die nicht ausgabenwirksamen Auf-
Absatzwege etc. ergeben sich Vergleichszahlen.
wendungen korrigiert, um so den Cash Flow zu
erhalten. Die Zahlen der traditionellen Ergeb-
3) Periodenvergleich
nisplanung werden letztlich zum allgemeinen
Es werden die eigenen Cash Flow Werte im
Finanzplan weiterentwickelt, um damit aufzu-
Unternehmen von Periode zu Periode oder ins-
zeigen, welche Finanzquellen das Unternehmen
gesamt betrachtet. Dabei ergeben sich Informa-
aus eigener Kraft erwirtschaften könnte.
tionen über die Kontinuität des Selbstfinanzie-
rungspotentials über einen längeren Zeitraum.
Anhang IV
Abbildung 17 ,,Finanz- und Ertragskraft durch Cash-Flow-Relationen"
Entnommen und abgeändert für diese Arbeit aus Siegwart, Hans, Der Cash Flow als
finanz- und ertragswirtschaftliche Lenkungsgröße, S. 75ff.
Ertragskraft
Finanzkraft
Um sich als Kreditinstitut über die zukünftigen Die Finanzkraft dient innerhalb der Kreditwürdig-
Erfolge des Kreditnehmers zu informieren, stellt keitsanalyse zu einer Aussage über das Selbstfinan-
sich die Frage nach der Ertragskraft als Kriterium zierungspotential, d.h. die Möglichkeit, sich aus
eines erfolgreichen Wirtschaftens. Um dieses Krite- eigener Kraft zu finanzieren. In Bezug auf anderen
rium zu verdeutlichen, werden Kennzahlen gebil- Größen des Jahresabschlusses ergeben sich auch
det.
hier Kennzahl-Relationen.
1) Die Umsatzrendite auf Basis des Cash Flow 1) Die sogenannte ,,Funds Position" zeigt, ob die
zeigt die finanzwirtschaftliche Ergiebigkeit der
Unternehmung in der Lage war, die langfristi-
Umsatztätigkeit an:
gen Investitionen aus eigener Kraft zu finanzie-
ren oder ob dafür Fremdkapital aufgenommen
=
CashFlow
ite
Umsatzrend
×100
Netto
-
Umsatz
werden mußte.
2) Die Messung der Ertragskraft kann auch durch Cash Flow
cash-flow-bezogende Kapitalrentabilitäten ver-
./. langfristige Investitionen
wendet werden. Man erhält das Verhältnis für
= Funds Position
die Ergiebigkeit des Gesamtkapitals, d.h. des
ROI ,,Return On Investment":
2) Eine wichtige Größe stellt der ,,dynamische
Verschuldungsgrad" dar. Der Quotient zeigt die
CashFlow
+
Periodendauer an, die anfällt, um mit dem er-
ROI
=
alkosten
Fremdkapit
×100
mittelten Cash Flow die gesamten Verbindlich-
tal
Gesamtkapi
keiten zu tilgen.
Verbindlichkeiten
3) Wie in 2) ermittelt, so kann ebenfalls die Ergie-
ngsdauer
Entschuldu
=
CashFlow
bigkeit des Eigenkapitals ermittelt werden.
CashFlow
-
alkosten
Fremdkapit
×100
al
Eigenkapit
Anhang IV
Abbildung 18 ,,Anzahl der Jahre der expliziten Cash Flow Prognose"
Entnommen aus Knüsel, Daniel, Die Anwendung der discounted cash flow Methode
zur Unternehmensbewertung, S. 44
w e n i g e r a l s 5 J a h r e
5 b i s 7 J a h r e
8 bis 10 Jahre
mehr als 10 Jahre
0 , 0 0 %
10,00%
2 0 , 0 0 %
3 0 , 0 0 %
4 0 , 0 0 %
5 0 , 0 0 %
Abbildung 20 ,,Übersicht der DCF-Methoden"
Entnommen aus Mandel, Gerwald / Rabel, Klaus, Unternehmensbewertung eine
praxisorientierte Einführung, S. 285
DCF-Verfahren
Entity Approach
Equity Approach
Adjusted Present Value
"Bruttoverfahren"
"Nettoverfahren"
Verfahren
Die einzelnen Verfahren der DCF-Methode aufzuführen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, so daß hier der
Gesamtheit wegen nur eine Übersicht steht. Zu erwähnen bleibt, daß die DCF-Verfahren aufgrund verschiedener
Bewertungsziele spezialisiert wurden und es daher eine Vielfalt von Methoden in der Praxis gibt.
Anhang IV
Abbildung 21 ,,Dynamischer Verschuldungsgrad anhand einer Beispielbilanz"
Eine Beispielsrechnung in Anlehnung an den Zentralverband Hartwarenhandel e.V.
im Internet: http://www.zhh.de/ZHH/cashflow.htm
1995
1996
1997
Bilanzgewinn
112.000,00 DM
120.000,00 DM
240.000,00 DM
Abschreibungen
6.000,00 DM
9.000,00 DM
14.000,00 DM
Pauschalwertberichtigung auf Forde rungen
5.000,00 DM
3.000,00 DM
6.000,00 DM
Veränderungen der Rückstellungen
3.000,00 DM
-6.000,00 DM
-2.000,00 DM
Unternehmerlohn bei Einzelfirmen
-60.000,00 DM
-60.000,00 DM
-60.000,00 DM
Cash Flow (brutto)
66.000,00 DM
66.000,00 DM
198.000,00 DM
Bestandsveränderungen / Inventurergebnis
-5.000,00 DM
-10.000,00 DM
3.000,00 DM
Vereinbarte Dividenden an Gesellschafter
-10.000,00 DM
-10.000,00 DM
-10.000,00 DM
Cash Flow (netto)
51.000,00 DM
46.000,00 DM
191.000,00 DM
Summe der langfristigen Kredite
100.000,00 DM
90.000,00 DM
80.000,00 DM
Summe der Lieferantenkredite
25.000,00 DM
17.000,00 DM
20.000,00 DM
Summe der kurzfristigen (sonstigen) Kredite
65.000,00 DM
70.000,00 DM
60.000,00 DM
Brutto-Verschuldung des Unternehmens
190.000,00 DM
177.000,00 DM
160.000,00 DM
Liquide Mittel (Bank und Kasse)
33.000,00 DM
17.000,00 DM
21.000,00 DM
Netto-Verschuldung des Unternehmens
157.000,00 DM
160.000,00 DM
139.000,00 DM
Netto
-
ng
Verschuldu
3,10 Jahre
3,50 Jahre
0,72 Jahre
(
CashFlow
)
netto
Der Verschuldungsgrad entspricht nur einem statischen Zustand. In der Praxis muß man die Dynamik der Zahlungs-
ströme berücksichtigen. Das bedeutet, daß nicht der gesamte Cash Flow zur Schuldentilgung zur Verfügung steht,
weil durch den laufenden Geschäftsbetrieb weitere Zahlungsverpflichtungen etc. entstehen, die den Cash Flow in
seiner Größe minimieren.
VI
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