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Mittel der satirischen Verfremdung in Brechts - Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui - in der Inszenierung des Berliner Ensembles (R: Heiner Müller)

Termpaper, 2002, 20 Pages
Author: Nico Fischer
Subject: Theater Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 20
Grade: 1,5
Language: German
Archive No.: V9588
ISBN (E-book): 978-3-638-16249-4

File size: 320 KB


Excerpt (computer-generated)

Mittel der satirischen Verfremdung in Brechts

- Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui -
in der Inszenierung des Berliner Ensembles
- (R: Heiner Müller)

Nico Fischer

1 Einleitung 1
2 Analyse der Szenen 2


2.1 Szene 5 2
    2.1.1 Analyse 2
    2.1.2 Groteske zur Darstellung des dialektischen Verhaltens von Ui 6
2.2 Szene 7 7
    2.2.1 Analyse 7
    2.2.2 Parodistischer Charakter der Wiederholung 11
2.3 Szene 13 12
    2.3.1 Analyse 12
    2.3.2 Travestie der ,,Gartenszene(n)" 15

3 Zusammenfassung 16
4 Quellenverzeichnis 18

 

1 Einleitung

Die satirische Verfremdung des kulturellen Wissens in ,,Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" in der Inszenierung des Berliner Ensembles (unter der Leitung von Heiner Müller) nimmt dem Publikum ,,den Respekt vor den Tötern" (_Brecht), macht dadurch aber ebenso die andauernd aktuelle Gefahr deutlich, es den ,,starken Männern" gegenüber an Ernst fehlen zu lassen.

Ausgehend von dieser These soll im Folgenden untersucht werden, inwiefern die Inszenierung die Möglichkeiten der Farce 1 (Groteske 2 , Übertreibung, Persiflage 3 , Parodie 4 , Travestie 5 ) verwendet, um das kulturelle Wissen satirisch umzusetzen. Das Gewicht liegt auf den ästhetischen Strukturen, betrachtet werden auch der Bereich Sprache / Paralinguistik und die Figurenbewegung im Raum.

Ausschnitte folgender Beispielszenen sollen dazu verwendet werden:
Die Analyse von Szene 56 setzt ein, nachdem Dogsboroughs Sohn diesen von der geplanten Untersuchung des Kaianlagen-Falles unterrichtet hat, also kurz bevor Ui und Roma bei Dogsborough eindringen. Ui will Dogsborough für seine Sache gewinnen. In Szene 7 will Ui bei dem Schauspieler Mahonney angemessenes, d.h. für seine Zwecke wirksames (,,Selbstredend Ist´s für die kleinen Leute."7) öffentliches Auftreten erlernen. Die Analyse setzt ein, als Ui von seinem Stuhl aufsteht, um das ,,Reden" zu lernen. Der zweite Abschnitt von Szene 13 zeigt Ui und Betty Dullfeet sowie Givola und Ignatius Dullfeet in Givolas Blumenladen. Nachdem Dullfeet vorher eine Zusammenarbeit mit Ui bzw. dem Karfioltrust abgelehnt und er ,,sein" Versprechen, in seiner Zeitung keine negativen Schlagzeilen mehr über Ui zu veröffentlichen, auferlegt bekommen hat, wird nun seine geplante Ermordung deutlich.
Die Analyse der Szene geht jeweils zuerst auf die Faktoren Raum (ausführlich in 2.1.1) und Licht ein. Anschließend folgt, an Hand der mikrostrukturellen Beschreibung der Ostentationsstrukturen auf visueller und akustischer Ebene, die Hauptanalyse. In einem zweiten Abschnitt werden dann noch einmal die für die Beantwortung der Forschungsfrage relevanten Faktoren zusammenfassend dargelegt.
Die Analyse wird natürlich nicht auf jedes Detail der Dialoge eingehen können, tut dies nur an prägnanten bzw. an für das Verständnis der bezüglich der Forschungsfrage intendierten Absicht notwendigen Stellen. Die Darstellung des Handlungszusammenhangs innerhalb der jeweiligen Szene wird gewährleistet.

2 Analyse der Szenen

2.1 Szene 5
2.1.1 Analyse

Die Sukzessionsbühne ist zentralperspektivisch gestaltet. Als Proszeniumsbühne (Verhältnis Zuschauer - szenischer Raum: Konfrontation) sorgt sie für die Imagination der ,,vierten Wand". (Diese wird in Brechts epischem Theaterstück mehrere Male ,,durchbrochen".) Der szenische Raum ist folgendermaßen aufgebaut: Im Mittelpunkt der Raum-Bühne steht ein offener Kasten aus Metall, in dem sich der Motor eines Lastkraftwagens befindet. Der Kasten steht auf einer kleinen quadratischen, durch eine rote Umrandung abgegrenzten Bühnenfläche. Am oberen Teil des Kastens ist ein großer rechteckiger roter Rahmen angebracht, der bis an die sichtbare Bühnendecke reicht und auf den sich große Anteile des Zuschauerblicks fixieren. Diese Konstruktion ist ein Raumobjekt, welches einen Sockel bildet, auf dem, für den Zuschauer also ,,in der Rahmung" sichtbar, zu Beginn der Analysesequenz zwei Akteure stehen: Dogsborough und hinter ihm sein Sohn (- außerdem ein Stuhl als Requisit). Der Sockel ist durch eine Treppe erreichbar, die im hinteren Teil der Bühne, für den Zuschauer kaum sichtbar, hinaufführt. Die Bühne wird links und rechts durch (in dieser Szene dunkel-ockerfarben erscheinende) Wände begrenzt, die zick-zack-förmig gefaltet sind und bis zur Bühnendecke reichen. Sie verlaufen leicht schräg auf einen gemeinsamen Fluchtpunkt hin. Im Hintergrund des roten Rahmens (, diesen fast ganz ausfüllend und im oberen Bereich zu beiden Seiten über ihn hinausgehend,) sieht man das Bild einer Landschaft mit den Schattenrissen großer Bäume am oberen Bildrand. Dieses Bild (-die Bäume sollen wohl Pappeln darstellen-) verweist auf den Ort der Handlung, Dogsboroughs neues Landhaus. Im vorderen Bereich der Bühne ist eine große rechteckige Öffnung in den Boden eingelassen, die mit einer Gitter-Klappe verdeckt ist.

[...]


1 Farce: derbes, spottfreudiges Theaterstück. (1-5 vgl. Brockhaus)

2 Groteske: übersteigerte, lustig bis schaurig ,,verzerrte", derbkomische Wiedergabe von Mimik und Gestik des Menschen, bei Brecht Mittel zum Bewusstmachen der wahren Natur von Welt und Mensch.

3 Persiflage: feiner, versteckter Spott.

4 Parodie: satirische Darstellungsart, die ein anderes Literaturwerk, einen Stoff oder eine ganze Dichtungsgattung dadurch verspottet und ins Komische zieht, daß sie, im Gegensatz zur ·Travestie, Form und Ton des Vorbildes beibehält, dieses aber mit einem nicht mehr entsprechenden Inhalt versieht.

5 Travestie: behält, im Gegensatz zur ·Parodie, den Inhalt des Vorbildes bei, gibt diesem aber eine andere, nicht gemäße Form.

6 Die Szenenangaben richten sich nach der Textvorlage (s.Literaturverzeichnis), die mit der Inszenierung nicht immer übereinstimmt.

7 Ui, 56.


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