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"Das Eismeer"/ "gescheiterte Hoffnung" Friedrich, Casper David"

Referat / Schulaufsatz, 2000, 4 Seiten
Autor: Tobias Petri
Fach: Kunst - Malerei

Details

Kategorie: Referat / Schulaufsatz
Jahr: 2000
Seiten: 4
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V96116
ISBN (E-Book): 978-3-638-08793-3

Dateigröße: 78 KB
Anmerkungen :
IE5 optimiert Kurzreferat, 3 Seiten



Volltext (computergeneriert)

Autor: Tobias Petri

"Das Eismeer"/ "gescheiterte Hoffnung" Friedrich, Casper David

Auf den ersten Blick fällt auf, daß das Bild extrem zerklüftet und sehr realistisch dargestellt ist. Man fühlt sich selbst in die arktisch wirkende Landschaft hineinversetzt. Die dargestellten Bildelemente erzählen dem Betrachter die Geschichte eines Schiffsunglücks mit tragischem Ausgang. Trotz allem wirkt das Bild sehr statisch, wie eingefroren auf den Betrachter. Keinerlei Dynamik überträgt sich zu diesem Zeitpunkt. Es ist mehr die Ruhe vor dem Sturm, das Gefühl das hinter dem Eispanzer etwas ist, das jeden Moment "geschehen" wird.

 Entstanden ist das Bild 1823/24, also zu einer Zeit als Casper David Friedrich (1774- 1840) bereits begann sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen, da er verbittert war über die Tatsache, daß seine Arbeit an Ruhm stark eingebüßt hatte. Das Bild trägt den Titel "Das Eismeer" oder "gescheiterte Hoffnung", wobei nicht klar ist welcher der beiden Titel vom Künstler selbst zuerst gewählt worden war. Das Bild selbst ist ...*... groß und im Querformat angelegt.

Das Bild selbst zeigt als Hauptmotiv ein versinkendes Schiff zwischen gigantischen Eisschollen, bei dem nur noch das Heck aus dem gefrorenen Wasser ragt. Das Schiff selbst ist verschwindend klein auf der rechten Seite der aufgeschichteten, übermächtigen Eismassen, unterhalb des klar erkennbaren Horizonts, zu entdecken. Deshalb "entdecken", weil die vielen übereinandergeschobenen Eisschollen den Blick vom, wahrscheinlich nicht einmal so kleinen, Schiff zunächst ablenken. Die "Entdeckung" des Schiffs erzeugt eine Art Aha- Effekt Der statisch wirkende blaue Himmel klart an der Stelle auf an der die Spitze des das Bild dominierenden Eisschollenkomplexes in den Himmel sticht. Man kann bei genauerer Betrachtung auch einige Bruchstücke des Schiffsmastes zwischen den Eisschollen verteilt entdecken.

 Das Bild wird an der Grenze zum oberen Drittel vom klar sichtbaren Horizont geteilt. In etwa der Mitte des Bildes findet sich außerdem noch eine weitere Linie parallel zum Horizont, welche das Bild nochmals in Vorder und Hintergrund teilt. Dies erzeugt eine gewisse Scenographie, einen bühnenbildhaften Aufbau bzw. Ausdruck des Bildes, welche jedoch geschickt durch die Plazierung der Objekte überspielt ist, da diese über die einzelnen Ebenen hinaus ineinander greifen. Obwohl eine klare Perspektive gewählt ist und die Bildelemente realistisch skaliert sind lassen sich dennoch keine wirklichen perspektivischen Fluchtlinien ausmachen, was zur Unordnung des Bildes beiträgt. Eine gewisse Ordnung ist dennoch gegeben, da zum einen praktisch alle Oberkanten der Eisschollen in der mittleren Ebene parallel nach links oben fluchten, und zum anderen eine gewisse Ausgewogenheit der Bildelemente gegeben ist. Je zwei Objekte lagern sich links bzw. rechts vom Zentralen Motiv an, wobei die linke Seite durch die perspektivische Verschiebung ein wenig nach oben verlagert ist. Insofern schlägt das Bild eine Brücke zwischen innerer Unruhe durch die vielen ungeordneten Linien und Elemente und der Ausgestrahlten Ruhe, die beim Betrachter Spannung hervorruft. Dies alles geht wie gesagt von den Parallelen, dem klaren Horizont und dem Himmel im Kontrast zur dargestellten Handlung (wobei die Handlung beim Betrachter liegt, da sie ja bereits vorüber ist) aus.

 Dem Betrachter kommt das Schiff winzig vor, man überlegt sich was geschehen sein könnte, wer an Bord war. Man soll die Übermächtigkeit der Natur sehen. Die gesamte Komposition zielt auf genau diesen Effekt ab. Zum einen die überdimensional großen Eisschollen, und ihr Verhältnis zum Schiff, und zum anderen der weit entfernte Horizont, welcher über die monotone Eisfläche, die nur hier und da von herausragenden Eisbergen durchbrochen wird, blicken läßt. Im Betrachter wird auch Einsamkeit und Hilflosigkeit hervorgerufen. Die Eischollen stehen deswegen mit ziemlicher Sicherheit für die Natur an sich und ihr gegenübergestellt ist die kleine machtlose Menschheit, die der Natur, bzw. den Naturgewalten in keiner Weise gewachsen ist.

Farblich geht das Bild von Ockertönungen im Vordergrund zu einem hellen Ultramarinblau im Hintergrund über, was den Tiefeneindruck, die Weite (und dadurch die Einsamkeit) verstärkt. Auch die Dunkelheit, also die dunklen Stellen nehmen zum oberen Bildrand hin ab. Als dunkler Keil, der in den hellen oberen Teil hinein ragt wirkt wiederum der zentrale Eiskomplex. Die parallele Linie zum Horizont ist eine der wenigen Stellen im unteren, dunkleren Teil um die sich lichtere Partien anlagern. Durch die Dunkelheit des Vordergrunds im unteren Teil liegt hier ganz deutlich die Betonung, der Blickfang des Bildes. Der Horizont büßt an Wichtigkeit ein.

Die Belichtungssituation im Bild ist relativ klar. An den Mastbruchstücken und am aufgeklärten Himmel in der Mitte des Bildes zeigt sich, daß das Licht, obwohl es im Bild selbst diffus wirkt, knapp über dem gewählten Bildausschnitt auf den Betrachter hin zeigt. Die Sonne (als bei einem Freiluftbild wahrscheinlichste Lichtquelle) kann unter Umständen eil des Polartages sein, was die Statik und seltsam wirkende Spannung noch unterstreichen würde. Aus zahlreichen Skizzen (der zugefrorenen Elbe) Friedrichs geht außerdem hervor, daß er enormen Wert auf Realismus gelegt hat, in jeder Hinsicht. Wohl um die Natur als möglichst glaubhaft darzustellen, um den Eindruck der Größe der Natur noch zu verstärken.

Friedrichs Intention bei diesem Bild zu erfassen läßt sich auf unterschiedliche Weise gestalten, da das Bild in meinen Augen sowohl auf Friedrichs eigenes Leben, als auch als Mahnung an die Menschheit gesehen werden kann. Auch ein epochenspezifischer Hintergrund ist nicht auszuschließen. Friedrichs eigenes leben wird dann einbezogen, wenn man sieht, daß sein kleiner Bruder als kleines Kind ins Eis eingebrochen und ertrunken ist. Es könnte also eine Art späte Vergangenheitsbewältigung sein. Vielleicht wurde der Gedanke an den Tod seines Bruders zu diesem Zeitpunkt wiedererweckt, weil Friedrich sich in Gedanken ausmalte wie es im ewigen Eis sei, angeregt durch die Nordpolexpedition des Engländers Edward William Parrys im Jahre 1820. Allerdings vergißt eine solche Deutung die Tatsache, daß Friedrich eingefleischter Symbolist war und seine Bilder selten ohne sozial- politische Kritik, dargestellt in Allegorien und Symbolen konzipierte. Das Bild zeigt also auch die Resignation über die nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon nicht erlangte innenpolitische Freiheit. Noch immer waren die Landesfürsten streng im Bezug auf ihre Untertanen. Die Kälte der politischen Landschaft im "Vormärz" nach dem Wiener Kongreß (1815) war endgültiger Ansatzpunkt für Friedrich die nach 1819 eintretende Vereisung des Klimas in politischer und sozialer Hinsicht zu kritisieren und seine Meinung darzustellen. Doch zeigt das Bild auch einen Funken Hoffnung, welcher sich im aufklarenden Himmel manifestiert.


Kommentare

M.
08.11.2001 14:43:52
Verbesserungsvorschläge
An sich erhält man ganz befriedigende Aspekte in der Ausarbeitung. Allerdings halte ich es für vorteilhafter, wenn sich der Einleitungssatz am Anfang des Textes befindet. Denn wenn man sofort mit den Beobachtungen beginnt, weiß man nicht worum es sich handelt. Sonst hat man ja den Einleitungstext, in dem u.a. beschrieben wird: Der Titel, der Maler, das Entstehungsjahr usw. Desweiteren sollte man Wiederholungen vermeiden "selbst" und einfacher und sachlicher den Ort beschreiben, statt "an der Grenze zum oberen Drittel".
Hratch
03.04.2001 09:06:15
Zu DAS EISMEER
Ich glaube mit realistisch meinst du naturalistisch, oder. Mit realistisch ist meistens ein Darstellungsprinzip gemeint, deren Intention es ist gesellschaftskritik auszuüben.
Andreas N
21.10.2001 19:30:00
eine Glanzleistung
http://www.lpg.musin.de/kusem/lk/kompana/petri/eismeer.htm
maik kaiser
01.04.2003 16:38:18
bildinterpretation
Ich wollte diskutieren und ne ne stunde warten!
maik kaiser
01.04.2003 16:36:18
Bildinterpretation
Wo hast du die vielen Infos her?
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