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Entwicklungen des Parteiensystems der BRD

Termpaper, 2002, 40 Pages
Author: Gero Birke
Subject: Politics - Political Systems - Germany

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 40
Grade: 2,4
Language: German
Archive No.: V9976
ISBN (E-book): 978-3-638-16549-5
ISBN (Book): 978-3-638-67631-1
File size: 648 KB

Abstract

„Die Geschichte der ganzen bisherigen Gesellschaft bewegte sich in Klassengegensätzen, die in den verschiedenen Epochen verschieden gestaltet waren.“ (Karl Marx) Haben die jeweiligen gesellschaftlichen Konfliktlinien Auswirkungen auf das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland gehabt und wenn ja, welche Tendenzen kann man daraus für die Zukunft ableiten? Punkte, deren Klärung zum allgemein besseren Verständnis der Problematik beitragen, sind Rolle und Aufgaben von Parteien sowie ihre verfassungsrechtliche Stellung. Zudem erscheint eine nähere Betrachtung ihrer Funktionen in Bezug auf die Ge¬sellschaft sowie die von ihr erbrachten Leistungen für das demokratisch-pluralistische System sinnvoll. Letztendlich sind noch die Funktionsgegensätze, also Probleme denen sich Parteien gegenübersehen, bedeutsam. Die eigentliche Untersuchung erfolgt in Anlehnung an Oskar Niedermayers zeitliche Unterteilung der „Entwicklungen des Parteiensystems“, der mittels ausgewählter Systemeigenschaften eine reine Funktionsanalyse des Parteiensystems durch¬führt. Dieses Konzept wird allerdings um die historischen Zusammenhänge zu verdeutlichen, um eben diese Variante erweitert, sodass der vorab ein historischer Rück¬blick beginnend im Kaiserreich über die Weimarer Republik sowie die NS-Zeit hin zur Zeit nach dem 2. Weltkrieg und der Gründung der BRD erfolgt. Darauf aufbauend schließt sich die eigentliche Analyse des Parteiensystems der BRD an, wobei es nicht allein bei einer reinen Funktionsanalyse bleibt, sondern zudem auf die gesellschaftlichen Konfliktlinien und deren Auswirkungen auf das Parteiensystem eingegangen wird. Denn letztlich ist es die Bevölkerung, die den Parteien und somit folglich auch dem Parteiensystem ihre Legitimation erteilt. Folglich ist das Parteiensystem stark mit den Konflikten innerhalb der Gesellschaft verbunden. Diese gesellschaftlichen Konfliktlinien und ihre Wirkung auf die Parteien und deren ideologische Flügel sowie daraus resultierend auf das Parteiensystem werden abschleißend betrachtet. Hieraus lassen sich dann auch möglichen zukünftige Entwicklungen des Parteiensystems ableiten.


Excerpt (computer-generated)

Hausarbeit
WS 2001/2002

Proseminar: Einführung in das politische System der Bundesrepublik
Neuere Entwicklungen und Diskussionslinien

Thema:  
Entwicklungen des Parteiensystems
der Bundesrepublik Deutschland

Verfasser: Gero Birke

Abgabetermin: 05.04.2002


1.

Einleitung
 
1.1.

Problemstellung

1
 
1.2.

Rolle und Aufgaben von Parteien
   
1.2.1.

Gesetzliche Grundlagen

3
   
1.2.2.

Hauptfunktionen von Parteien

4
 

2.

Entwicklungen des Parteiensystems
 
2.1.

Systemeigenschaften

6
 
2.2.

Das Parteiensystem der BRD
   
2.2.1.

1945-1950

8
   
2.2.2.

Die Konsolidierungsphase der 50er Jahre

10
   
2.2.3.

Die Phase des stabilen ,,Zweieinhalbparteiensystems" der 60er
und 70er Jahre

12
   
2.2.4.

Die Pluralisierungsphase der 80er Jahre

18
   
2.2.5.

Das gesamtdeutsche Parteiensystem
     
2.2.5.1.

Die DDR in den Jahren 1989/1990

21
     
2.2.5.2.

Die 90er Jahre

23
 

3.

Fazit

29
 

Quellenverzeichnis
 
   

Anhang

Parteienstammbaum - Kaiserreich und Weimarer Republik
 

Parteienstammbaum - Bundesrepublik Deutschland
 

Bundestagswahlen 1949-1998
 

Regierungen und Koalitionen
 

 

1. Einleitung
1.1. Problemstellung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den ,,Entwicklungen des Parteiensystems" der Bundesrepublik Deutschland auseinander. Um den Zugang zum eigentlichen Thema zu erleichtern, werden vorab ,,Rolle und Aufgaben von Parteien" dargestellt.

Es hat sich die Zentrale Fragestellung ergeben, ob die jeweiligen gesellschaftlichen Konfliktlinien Auswirkungen auf das Parteiensystem haben und wenn ja, welche Tendenzen man daraus für die Zukunft ableiten kann?

Ein Blick in die gesetzlichen Grundlagen soll die verfassungsrechtliche Stellung von Parteien zeigen. Darauf folgt eine nähere Betrachtung ihrer Funktionen in Bezug auf die Gesellschaft sowie die von ihr erbrachten Leistungen für das demokratisch-pluralistische System.

Nach diesen einleitenden Überlegungen soll die Analyse des eigentlichen Themas aufgenommen werden.
Erst einmal stellte sich das Problem nach einer sinnvollen zeitlichen Unterteilung der ,,Entwicklungen des Parteiensystems", um der Zielsetzung der vorliegenden Arbeit gerecht zu werden. Hierzu findet man in der Literatur unterschiedliche Ansätze:
Einige Autoren bevorzugen die Einteilung des bundesrepublikanischen Parteiensystems nach den Bundestagswahlen, den Bundeskanzlern oder den jeweiligen Koalitionen. Hier werden jedoch nur einzelne Aspekte betrachtet: z.B. Personen oder Parteien, die unbestreitbar Bestandteile des Parteiensystems sind, aber eine funktionsausgerichtete, ganzheitliche Betrachtung unterbleibt. Eine Alternative schlägt Ulrich von Alemann vor, der auf ,,[...] die Dynamik der Parteien [...]"1 eingeht. Doch auch diese Untersuchungsmethode scheint kein erfolgsversprechender Ansatz im Sinne der dieser Arbeit zu Grunde liegenden Fragestellung zu sein, da auch sie sich eher mit den Parteien und nicht mit dem System befasst. So scheint hier letztlich die Variante von Oskar Niedermayer am geeignetsten, der mittels ausgewählter Systemeigenschaften eine reine Funktionsanalyse des Parteiensystems durchführt.2 Um die historischen Zusammenhänge zu verdeutlichen, wird dieses Konzept um eben diese Variante erweitert.
Doch soll nicht allein eine reine Funktionsanalyse vollführt, sondern zudem, wie bereits in der leitenden Fragestellung angesprochen, auf die gesellschaftlichen Konfliktlinien und deren Auswirkungen auf das Parteiensystem eingegangen werden. Denn letztlich ist es die Bevölkerung, die den Parteien und somit folglich auch dem Parteiensystem ihre Legitimation erteilt. Folglich ist das Parteiensystem stark mit den Konflikten innerhalb der Gesellschaft verbunden.

Abschließend soll eine Bestandsaufnahme vor allem in Hinblick auf die gesellschaftlichen Konfliktlinien und ihre Wirkung auf die Parteien und deren ideologische Flügel sowie daraus resultierend auf das Parteiensystem gemacht werden.

Im Anhang befinden sich ergänzende, das Angesprochenen verdeutlichendere Materialien: ein Parteienstammbaum, ein Diagramm der Bundestagswahlen, eine Auflistung der Regierungen und deren Koalitionen u.a.

1.2. Rolle und Aufgaben von Parteien

In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff ,,Partei" wie folgt verwandt. ,,Partei (P.; von lat. pars = Teil, Abteilung) meint im allgemeinsten Begriffsverständnis eine Gruppe gleichgesinnter Bürger, die sich die Durchsetzung gemeinsamer polit. Vorstellungen zum Ziel gesetzt haben."3

1.2.1. Gesetzliche Grundlagen

Die Legitimation demokratischer Parteien für die politische Willensbildung wurde erst mit Inkrafttreten des Grundgesetzes am 24.05.1949 verfassungsrechtlich verankert. In der Verfassung von 1871 wurden sie überhaupt nicht und in der Weimarer Reichsverfassung nur im negativen Kontext erwähnt.4
Die auch weiterhin konservative Staats- und Verfassungslehre der Weimarer Republik sah in den Parteien mehr den Einbruch partikularistisch-ideologischer Interessen in die Staatsorganisation als notwendige Elemente zur politischen Willensbildung.5
Die verfassungsrechtliche Legitimation der politischen Parteien ist vor allem darauf zurückzuführen, dass man die Wiederholung von in der Vergangenheit begangener Fehler möglichst ausschließen wollte. Zum einen sollte im Gegensatz zur Weimarer Verfassung die Möglichkeit eines Verbots von Parteien, die gegen die demokratische Grundordnung verstoßen, gegeben sein. Zum anderen erschien es den Vätern der Verfassung notwendig, Parteien als Organe der politischen Willensbildung verfassungsrechtlich zu legitimieren.
Jedoch ist Art. 21 GG, der die Parteien betrifft bis dato noch nicht endgültig, da der Parlamentarische Rat eine spätere Ausgestaltung durch den Bundesgesetzgeber vorsah. So wurden am 24.07.1967 mit dem Parteiengesetz erstmals in der deutschen Geschichte alle Aspekte des Parteienlebens in eine rechtlich verbindliche Form gegossen.6 Das Parteiengesetz gesteht den Parteien zu, ein ,,verfassungsrechtlich notwendiger Bestandteil" der parlamentarischen Demokratie zu sein und eine vom Grundgesetz ,,verbürgte öffentliche Aufgabe" wahrzunehmen.7 Die wichtigsten Abschnitte des Parteiengesetzes betreffen die innere Ordnung und die finanzielle Rechenschaftslegung der Parteien.

[...]


1 Alemann, Ulrich von: Das Parteiensystem der BRD; Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2001, S. 41

2 Siehe hierzu: Niedermayer, Oskar: Das deutsche Parteiensystem: Stabilität oder Wandel?. In: 50 Jahre Bundesrepublik Deutschland, Anspruch - Erwartungen - Wirklichkeit; Ringvorlesung an der Technischen Universität Braunschweig im WS 1998/99, S.25-36; ders.: Das gesamtdeutsche Parteiensystem. In: Gabriel, Niedermayer, Stöss (Hrsg.): Parteiendemokratie in Deutschland; Westdeutscher Verlag 1997, S. 106-130

3 Schultze, Rainer-Olaf: Partei. In: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik; Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2001, S. 350

4 Vgl. Niclauß, Karlheinz: Das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland; Schöningh Verlag 1995, S. 15

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. Lehmann, Hans Georg: Deutschland-Chronik 1945 bis 2000; Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2000, S. 162f

7 Vgl. Gesetz über die politischen Parteien (Parteiengesetz) § 1, Abs.1, S. II


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