Steigende Anforderungen, immer weniger Zeit und doch mehr zu tun: Die Komplexität der Welt fordert uns Menschen heraus. Bereiche, die das betrifft, sind unter anderem Beruf, Organisation und das Privatleben. Daraus entstehende Spannungsfelder gilt es für ein erfülltes und zufriedenes Leben zu lösen. Ein Weg der angeleiteten Problemlösung ist das sogenannte Coaching. Coaching hat sich in den vergangenen Jahren zu einem etablierten Konzept entwickelt. Es steht eine personenzentrierte Beratung im Vordergrund. Eine genaue Definition ist schwierig, da unterschiedliche Herangehensweisen und Schwerpunktsetzungen möglich sind und der Beruf nicht geschützt ist. Mehr zur Begriffsabgrenzung finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Thema Coaching: Was ist Coaching? Eine Übersicht von GRIN

Coach kann demnach jeder werden und damit auch eigene Ideen in einen Coaching-Prozess einfließen lassen. Grundsätzlich steht jedoch das Begleiten eines Coachees in einem beruflichen oder privaten Problemlöseprozess im Vordergrund. Besonders die Arbeit mit Tieren innerhalb eines Coachings hat in den vergangenen Jahren Aufschwung genommen. Sprüche wie „Mein bester Freund hat noch nie ein Wort mit mir gesprochen“ zeigen, dass Menschen und Tiere seit jeher eine tiefe Verbundenheit auszeichnet. Darüber hinaus haben Tiere häufig die Möglichkeit, die Stimmung ihres Gegenübers zu spiegeln oder sie zu stützen und zu unterstützen. Diese Fähigkeiten kann sich der Coaching-Prozess zu Nutze machen. Hier werden wir genauer auf Formen des Tiergestützten Coachings eingehen und Ihnen verschiedene Prozesse vorstellen, in denen Tiere gezielt als Medium eingesetzt werden.

Abgrenzung zu Tiertherapie und Co.

Tiergestütztes Coaching muss zunächst von der ebenfalls bekannten und etablierten Tiergestützten Therapie abgegrenzt werden. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal des Coachings zu Therapieformen besteht darin, dass Therapeuten in der Regel klinische und psychologische Krankheiten und Symptome behandeln, während der Coach gesunde Menschen unterstützt. In der Hippotherapie steht die Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder des Stütz- und Bewegungsapparats im Vordergrund. Anderweitige tiergestützte Therapien mit Hunden oder ähnlichen Tieren haben die Förderung sozial-emotionaler und motorischer Einschränkungen zum Ziel. Auch psychiatrische, psychisch/neurotische und neurologische Erkrankungen und geistige Behinderungen können durch derartige Therapien gezielt behandelt werden. Das Alter des Patienten reicht dabei von Kleinkindern bis hin zu Senioren. Es sind pädagogische, psychologische und sozialintegrative Angebote zu finden.

Der Beruf des Therapeuten bedarf demnach einer detaillierten beruflichen und fachlichen Ausbildung zur gezielten Behandlung. Für einen Coach ist eine Ausbildung nicht notwendig. Hier kann vor allem auf Fähigkeiten wie Empathie und Menschenkenntnis gebaut werden, um einen erfolgreichen Coaching-Prozess durchführen zu können. Tiergestütztes Coaching ist also auch nicht mit tiergestützten Therapien vergleichbar. Hippotherapie oder ähnliche Formen setzen eine spezielle Ausbildung des Therapeuten voraus und haben damit einen fachlicheren Hintergrund als Coaching. Es ist auch eine Lizenz erforderlich, um ein derartiges Angebot anbieten zu dürfen, was beim Coaching nicht der Fall ist. Die eingesetzten Tiere in der Therapie durchlaufen ebenfalls spezielle Ausbildungen, um im Umgang mit den Menschen geschult zu werden. Ein in einem Coaching-Prozess eingesetztes Tier bedarf einer solchen Ausbildung nicht. Hier wird vor allem auf die Instinkte gesetzt. Wichtig ist dennoch, dass die Tiere so ausgewählt werden, dass sie den Coachee zu keiner Zeit durch ihr Verhalten gefährden. Beißende oder tretende Pferde sind demnach beispielsweise nicht geeignet. Bei der Auswahl des Coaches ist es ebenfalls ratsam, auch darauf zu achten, dass sie Kompetenzen im Umgang mit den Tieren mitbringen. Denn besonders das Deuten des Tieres bedarf Erfahrung.

Pferdegestütztes Coaching

Das Pferd ist als Fluchttier von der Natur aus bestimmt, auf jeden kleinsten Reiz aus der Umwelt zu reagieren. Diese Instinkte retten Pferden das Leben, sie sind darauf angewiesen. Gleichzeitig sind sie Herdentiere und leben in der Wildbahn in einem Miteinander aus verschiedenen Pferden zusammen. Auch hier sind Fähigkeiten des Pferdes von Nöten, die Reaktionen und Stimmungslagen der anderen Herdenmitglieder zu interpretieren und zu spüren. Das Pferdegestützte Coaching macht sich diese Eigenschaften zu Nutze. Das Pferd dient als Spiegel des Coachees und gibt ihm damit eine ideale Möglichkeit zur Selbstreflektion. Es fungiert als Medium zwischen Coach und Coachee. Durch verschiedene Aufgaben und Fragen, die der Coach während des Coachings stellt, können innere Blockaden und Problempunkte aufgespürt und gelöst werden. Ist man beispielsweise innerlich unruhig und findet nicht zu sich selbst, wird das Pferd es durch Aufregung, Hin und Herlaufen und Ignoranz symbolisieren. Öffnet sich der Coachee und bekennt sich zu seinen Schwierigkeiten, ist ehrlich zu sich selbst, kommt das Pferd zu ihm. Ehrlichkeit ist einer der Schlüsselbegriffe für das Pferdegestützte Coaching. Denn das Pferd spürt es, wenn der Coachee sich selbst belügt. So kann man sich selbst auf eine andere Art neu kennenlernen. Die Coachingerlebnisse können sowohl im privaten wie auch im beruflichen Leben weiterhelfen. Einige Anbieter coachen auch ganze Teams aus einer Firma, um eine neue Gruppendynamik zu etablieren und dort vorhandene Blockaden zu lösen. Ebenfalls beliebt ist das Coaching bei Führungskräften, da das Pferd nur dann auf den Coachee reagiert, wenn er in der Lage ist, eine Leitfigur zu repräsentieren. Der Coachee schult dadurch sein Auftreten, was positiven Einfluss auf seine Mitarbeiter hat.

Neben Coaching-Erlebnissen ist es inzwischen bei vielen Coaches selbst möglich, eine Ausbildung zum Coach zu machen. Viele der Kurse gehen über vier bis sieben Tage und enden mit einem Zertifikat. Besondere Vorkenntnisse sind in der Regel nicht erforderlich, was sich auf den nicht vorhandenen Berufsschutz zurückführen lässt. Hat man Interesse an einem solchen Angebot, kann man im Internet viele Anbieter vergleichen. Denn Pferdegestütztes Coaching ist nicht gleich Pferdegestütztes Coaching. Es gibt keine Methode, die alle Coaches gemein haben. Das Konzept ist ähnlich, unterscheidet sich aber. Es ist also wichtig, dasjenige auszuwählen, bei dem man sich selbst am besten wiedererkennt. Reitfähigkeiten sind dazu nicht erforderlich.

Hundegestütztes Coaching

Neben dem Pferdegestützten Coaching hat sich auch das Hundegestützte Coaching zu einer erfolgreichen Form des Coachings etabliert. Auch hier wird darauf gesetzt, dass der Hund die Fähigkeit hat, Stimmungen und Gefühle seines Gegenübers zu erkennen und darauf zu reagieren. Das wiederum sorgt dafür, dass der Hund dem Coachee bewusst macht, welche Persönlichkeit auf ihn wirkt. Ist es Ängstlichkeit oder Bestimmtheit? Schüchternheit oder Mut? Der Hund reagiert auf das Individuum und zeigt somit Blockaden an, die der Coachee anpassen muss, um an seinem Innen- und Außenbild zu arbeiten. Praktisch ist auch hier, dass eine direkte Umsetzung beziehungsweise Arbeit an den Blockaden durch den Hund ebenfalls positiv gespiegelt wird. Der Coachee erhält durch kleinste Veränderungen an seinem Auftreten ein unmittelbares Feedback, sodass der Coaching-Prozess von schnellen Erfolgen profitiert. Auch die Dynamik in Beziehungen kann von Hunden erkannt werden. Da sie als Rudeltier darauf angewiesen sind, die Kommunikation ihrer Artgenossen zu beobachten und zu deuten, sind sie als Profis für zwischenmenschliche Kommunikation bekannt. Dies kann sich der Coach ebenfalls zu Nutze machen. Wichtig ist grundsätzlich, dass der Hund als Hund verstanden wird. Er bedarf keiner Ausbildung, sondern soll seinem Instinkt nach unmittelbar auf den Menschen reagieren.

Weitere Coaching-Tiere

Grundsätzlich ist es denkbar, eine Vielzahl von Tieren in einem Coachingprozess zum Vorteil des Coachees einzusetzen. Zwar sind Pferde und Hunde die populärsten Co-Coaches, aber nicht die einzigen. Alle Tiere, die ähnliche Fähigkeiten haben wie Pferd und Hund, können eingesetzt werden. So kann man unter anderem ein Kuh-Coaching machen, in einem Coaching-Prozess mit einem Lama oder Alpaka gemeinsam Aufgaben lösen oder als Team gemeinsam eine Schafherde steuern. All diese Konzepte haben das Ziel, den Coachee zu seinem individuellen Erfolg zu führen. Was für einen selbst das ansprechendste und am besten geeignete Konzept ist, muss man am Ende für sich selbst entscheiden.

Unsere Buchempfehlungen zum Thema

Vor dem Hintergrund lebenslangen Lernens aufgrund der Komplexität unserer derzeitigen Umwelt steigt die Bedeutung von unterschiedlichsten Weiterbildungsmaßnahmen in der beruflichen wie privaten Praxis. In diesem Zusammenhang entstanden in den letzten Jahren unterschiedliche und vielfältige Trainingskonzepte und -maßnahmen. Auch Führungskräftetrainings mit Pferden finden zunehmend Verbreitung.

Unsere Autorin Tanja Hollinger stellt sich in ihrer Arbeit unter anderem die Frage, ob Menschen von Tieren lernen können. Können Tiere einen Teil dazu beitragen, die Persönlichkeit des Menschen zu entwickeln? Können Menschen mit Hilfe von Tieren ihr Verhalten positiv verändern? Welche Einsatzmöglichkeiten von Tieren im therapeutischen Bereich sind vorstellbar?

Führungskräftetraining mit Pferden. Können Menschen von Tieren lernen?

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34,99 €

Führen lernen: Führungsverhalten mit dem pferdegestützten Training entwickeln

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79,99 €

Die Bedingungen der Arbeitsumwelt unterliegen einem steten Wandel, der sich im Zuge der Globalisierung und Verdichtung der Kommunikationswege um ein Vielfaches beschleunigt. Hierin sehen sich Führungskräfte oft divergierenden Anforderungen gegenübergestellt. Das pferdegestützte Training widmet sich überdauernden, fundamentalen Komponenten, um die Teilnehmer in ihrer Persönlichkeitsentwicklung langfristig zu unterstützen.

Unsere Autorin Stefanie Lampert befasst sich in ihrer Arbeit mit evolutionstheoretischen bzw. soziobiologischen Entwicklungen von Mensch und Pferd, um eine erklärende Basis zu schaffen, inwiefern diese außergewöhnliche Mensch-Tier-Kooperation zum Erfolg führen kann. Des Weiteren werden unterschiedliche Führungsstile erläutert. Den umfassendsten Anteil nehmen die im Training vermittelten Grundkompetenzen ein, die als Basis gelungener Führung betrachtet werden. Hierzu zählen die Kapitel zu Kommunikation, Respekt und Vertrauen.

Neben Unsicherheiten in der heutigen Zeit kann auch Teamarbeit ein mögliches Spannungsfeld darstellen. Verschiedene Individuen, die über differenzierte Bedürfnisse, Wünsche und Ziele verfügen, können mitunter eine große Herausforderung für die alltägliche Interaktion im beruflichen Kontext darstellen. Pferde unterscheiden sich wie Menschen, haben unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten, beispielsweise verfügt ein Dressurpferd über andere Ressourcen als ein Pferd, das im Springreitsport eingesetzt wird. Christina Yüksel beschäftigt sich mit der Frage, wie sich pferdegestütztes Coaching auf Führungskräfte im Konfliktmanagement auswirkt.

Pferdegestütztes Coaching für Führungskräfte. Konfliktmanagement und Teamförderung

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12,99 €

Quellen

  • GRIN-Überblick zum Thema Coaching
  • https://www.mindmirror.academy/
  • https://www.cavallo.de/pferdeverhalten/was-kann-pferdegestuetztes-coaching/
  • https://www.coachdogs.com/
  • https://www.mydog-blog.de/coaching/
  • https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2936232/