Analyse der Auswirkungen von IFRS 16 auf die Unternehmensbewertung


Bachelorarbeit, 2020

104 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Formelverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

1. Problemstellung

2. Leasingverhältnisse nach IFRS 16 aus Sicht des Leasingnehmers
2.1 Vorgaben der internationalen Rechnungslegung für die Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IFRS 16.
2.2. Darstellung von IFRS 16 in Bestandteilen des Konzernabschlusses
2.2.1 Veränderung von Bestandteilen des Konzernabschlusses durch IFRS 16.
2.2.2 Ausgewählte Beispiele zur Umsetzung von IFRS 16 in aktuellen Konzernabschlüssen
2.3 Zwischenergebnis

3. Methoden der quantitativen Unternehmensbewertung
3.1 DCF-Methode
3.1.1 Grundlagen des WACC-Ansatzes
3.1.2 Ermittlung des Unternehmenswerts nach dem WACC-Ansatz
3.2 Multiplikator-Methode
3.2.1 Grundlagen der Multiplikator-Methode
3.2.2 Ermittlung des Unternehmenswerts mit Multiplikatoren
3.3 Konzept wertorientierter Unternehmenssteuerung im Kontext der Unternehmensbewertung
3.4 Zwischenergebnis

4. Analyse der Auswirkungen von IFRS 16 auf die Unternehmensbewertung
4.1. Auswirkung von IFRS 16 auf die Ermittlung des Unternehmenswerts und Implikationen des Investorenverhaltens
4.1.1 Unternehmenswert unter Anwendung der DCF-Methode
4.1.2 Unternehmenswert unter Anwendung der Multiplikator-Methode
4.1.3 Investoren verhalten und Aspekte der Bewertungspraxis nach Einführung von IFRS 16
4.2 Auswirkung von IFRS 16 auf Kennzahlen der wertorientierten Unternehmenssteuerung
4.3 Kritische Würdigung der Analyse-Ergebnisse

5. Fazit

Anhang

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

WpHG Wertpapierhandelsgesetz

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Erstmaliger Ansatz und Bewertung nach IFRS

Tabelle 2: Bilanzierungsbeispiel IFRS 16 aus Sicht des Leasingnehmers

Tabelle 3: Auswirkungen auf die Bilanz

Tabelle 4: Umgliederung in der Gewinn- und Verlustrechnung durch IFRS

Tabelle 5: Auswirkungen auf den Cashflow

Tabelle 6: Auszug Konzernbilanz der Deutsche Post AG zum

Tabelle 7: Gewinn- und Verlustrechnung Q3 2019, Deutsche Telekom AG

Tabelle 8: Auszug Cashflow-Rechnung Q3 2019, Deutsche Telekom AG

Tabelle 9: Ermittlung des Free Cashflows

Tabelle 10: Kernannahmen Bewertung der DCF GmbH

Tabelle 11: Bewertung der DCF GmbH

Tabelle 12: Gängige Multiplikatoren

Tabelle 13: Vergleichsgruppe Multiplikator-Bewertung der DCF GmbH

Tabelle 14: Multiplikator-Bewertung der DCF GmbH

Tabelle 15: Kernannahmen Bewertung DCF GmbH nach Einführung IFRS 16 unter Annahme

Tabelle 16: Bewertung der DCF GmbH nach Erstanwendung IFRS 16 unter Annahme

Tabelle 17: Verschuldungseinflüsse auf Kapitalkostensätze, Annahme

Tabelle 18: Verschuldungseinflüsse auf Kapitalkostensätze, Annahme

Tabelle 19: Kernannahmen Bewertung DCF GmbH nach Einführung IFRS 16 unter Annahme

Tabelle 20: Bewertung der DCF GmbH nach Erstanwendung IFRS 16 unter Annahme

Tabelle 21: Einfluss des Leasing-Multiplikators auf Entity-Multiplikatoren

Tabelle 22: Vergleich Multiplikatoren der DCF GmbH vor und nach Erstanwendung von IFRS

Tabelle 23: Bewertung der DCF GmbH auf Basis unangepasster Peer-Group Multiplikatoren

Tabelle 24: Bewertung der DCF GmbH auf Basis angepasster Peer-Group Multiplikatoren

Tabelle 25: Nettovermögensbilanz der DCF GmbH vor und nach Einführung von IFRS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufwandsprofile IAS 17 und IFRS

Abbildung 2: DCF-Verfahren im Überblick

Abbildung 3: Zirkularitätsproblem

Abbildung 4: Ablaufschema der Multiplikator-Methode

Abbildung 5: Sinnkette, Delevering und Levering von Beta-Faktoren

Abbildung 6: Auswirkung einer höheren Verschuldung auf den Beta-Faktor

Abbildung 7: Einfluss von IFRS 16 auf betrachtete Entity-Multiplikatoren

Formelverzeichnis

Formel 1: Unendliches Rentenmodell

Formel 2: Unendliches Wachstumsmodell

Formel 3: Grundsätzliche Berechnung des WACC

Formel 4: Berechnung des WACC mit Tax Shield

Formel 5: Berechnung des Eigenkapitalkostensatz nach CAPM

Formel 6: Berechnung des Beta-Faktors

Formel 7: Verschuldung des Beta-Faktors

Formel 8: Ermittlung Unternehmenswert im Entity-Approach

Formel 9: Berechnung Gesamtkapitalmarktwert nach dem WACC-Ansatz

Formel 10: Berechnung Unternehmenswert nach der Multiplikator-Methode

Formel 11: Berechnung eines Multiplikators

Formel 12: Capital-Charge-Formel

Formel 13: Ermittlung ROCE

Formel 14: Berechnung des risikolosen Zinses

Kurzfassung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

The increasing relevance of the new lease accounting according to IFRS 16 due to ongoing discussions in international accounting and through the man­datory application of IFRS 16 in international financial statements since Janu­ary 1, 2019 cannot be denied. IFRS 16 replaces the previous lease standard IAS 17 and thus also the possibility of the off-balance sheet treatment of les­see's leasing activities. Accordingly, the lessee must now report almost its com­plete leasing activity in the balance sheet via rights of use and corresponding leasing liabilities. Because of that the presentation of financial statements to users will change, also as key financial indicators and the capital structure. This analysis therefore examines the impact of IFRS 16 on the business valuation based on the changed financial reporting by IFRS 16. At the end of this paper the analysis will show that IFRS 16 does not improve the information useful­ness for better investment decisions.

1. Problemstellung

„Now we’re coming to the big ones, and all of them will have controversy there will be blood all over the streets.” - (Tweedie, 2004).

Mit diesen Worten verkündete der frühere IASB1 -Vorsitzende David Tweedie im Jahr 2004 die ersten Überlegungen zur neuen Leasingbilanzierung gegenüber der Zeitung Financial Times; Über ein Jahrzehnt später fanden diese Überlegun­gen ihren Weg in die internationale Rechnungslegung als neuer Standard IFRS 16 Leasingverhältnisse.

Seit dem 01.01.2019 ist die Anwendung von IFRS 16 verpflichtend für alle Unternehmen, welche einen Abschluss nach IFRS aufstellen.2 Damit löst der IFRS 16 den oft kritisierten und als intransparent geltenden IAS 17 Leasingver­hältnisse ab. Die Erstanwendung des IFRS 16 birgt nicht nur Herausforderungen im Bereich der technischen und prozessualen Implementierung, sondern verän­dert auch nachhaltig das Bild der Abschlussbestandteile von Anwendern der in­ternationalen Rechnungslegung. Spätestens die Aufnahme der neuen Leasing­bilanzierung nach IFRS 16 als ein Schwerpunkt der Abschlussprüfung für 2020 durch den DPR e. V. rückt den neuen Standard unmittelbar in die Aufmerksam­keit von Bilanzierenden in Deutschland.3

Die Änderungen des neuen Standards betreffen bisher nicht bilanzierte Leasingverhältnisse: So müssen Leasingnehmer nun zukünftig nahezu sämtliche Leasingverhältnisse nach dem Nutzungsrecht-Ansatz zusammen mit einer kor­respondierenden Leasingverbindlichkeit bilanziell erfassen, anstelle der bisheri­gen „Off-Balance“-Bilanzierung.4 Aufgrund dieser tiefgehenden Veränderung der Abschlussbestandteile, welche durch Tweedie als „blutig“ bezeichnet wurde, analysiert die vorliegende Arbeit die Auswirkungen von IFRS 16 auf die Unter­nehmensbewertung, welche auf Basis der Berichterstattung erstellt wird.5

Dabei zielt die Analyse auf eine Aussage ab, in welchem Umfang die Einführung von IFRS 16 den Abschlussadressaten6 zu entscheidungsnützlicheren7 Informa­tionen für die Unternehmensbewertung verhilft. Zur Messung der Entscheidungs­nützlichkeit werden die beabsichtigten Ziele8 des IASB hinter der Einführung von IFRS 16 zusammen mit den im Rahmenkonzept der internationalen Rechnungs­legung manifestierten qualitativen Anforderungen an den Abschluss9 genutzt, um damit die Ergebnisse der Analyse zu bewerten.

Der IASB selbst legt die Relevanz des neuen Standards für Konzernab­schlüsse in einer eigenen Studie vom Januar 2016 dar: Etwa 14.000 Anwender10 der Rechnungslegung nach IFRS oder US-GAAP nutzen zur Darstellung ihrer Leasingverhältnissen vornehmlich die Methode über den Anhang, wodurch eine Summe künftiger Mindestleasingzahlungen im Nominalwert von 2,86 Billionen USD11 in den Bilanzanhängen von Unternehmen zu finden sind.12

Die Auswirkungen der Einführung von IFRS 16 betreffen im Wesentlichen die Bilanzierung des Leasingnehmers. Die Vorgaben bezüglich der Bilanzierung des Leasinggebers gleichen dem bisherigen Vorgehen nach IAS 17, weshalb diese Arbeit fokussiert auf die Auswirkungen der Unternehmensbewertung aus Sicht des Leasingnehmers abstellt.13 Ebenfalls werden die Wahlrechte zur An­wendung von Erleichterungsvorschriften14 des IFRS 16 zur Reduzierung der Analyse auf die elementaren Treiber und Faktoren in dieser Arbeit nicht themati­siert.

2. Leasingverhältnisse nach IFRS 16 aus Sicht des Lea­singnehmers

Der Entstehungsprozess von IFRS 16 reicht zurück bis in das Jahr 2005, in wel­chem die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für Wertpapierhandel, die SEC, im Rahmen ihres „Off-Balance-Sheet“-Berichts Bedenken zur aktuellen Bilanzie­rungspraktik von Leasingverhältnissen äußerte und eine Anpassung der Rech­nungslegung für Leasingverhältnisse vom IASB und FASB15 forderte. Das SEC kritisierte die mangelnde Transparenz und die erschwerte Vergleichbarkeit von Abschlüssen für Investoren aufgrund von erheblichen, durch Vertragsgestaltung steuerbaren, Wahlmöglichkeiten in der bisherigen Leasingbilanzierung.16

Der FASB erkannte den Bedarf einer Neukonzeptionierung der Leasingbi- lanzierung17 und startete offiziell am 19. Juli 2006 gemeinsam mit dem IASB das Projekt „Leases“, um die internationale Leasingbilanzierung zu reformieren.18 Im Standardsetzungsprozess des IASB wurden bis zur Veröffentlichung19 des IFRS 16 am 13. Januar 2016 ein Diskussionspapier, zwei Expositionspapiere vom IASB veröffentlicht und über 1.700 Kommentierungspapiere ausgewertet.20

Der IASB verfolgt mit der Einführung des neuen Standards IFRS 16 das Ziel einer Verbesserung des Berichtwesens durch die Erhöhung der Transpa­renz, der verbesserten Vergleichbarkeit sowie der Reduzierung von Ermessens­spielräumen. Dadurch müssen Investoren und Analysten infolge von IFRS 16 weniger Annahmen über die Leasingintensität des betrachteten Unternehmens treffen, so der IASB.21 Ebenfalls zielt der IASB auf ein vollständigeres Bild der Berichterstattung ab, um durch IFRS 16 zu zeigen, welche Vermögensgegen­stände vom Unternehmen kontrolliert werden und in welchem Umfang unver­meidbare und betriebsnotwendige Leasingzahlungen auf den Leasingnehmer zu­künftig zukommen.22

Per Definition beschreibt ein Leasingverhältnis einen Vertrag oder einen Teil eines Vertrages, welcher auf Basis einer Entgeltzahlung den Leasingnehmer zur Nutzung eines identifizierbaren Vermögenswerts23 für einen bestimmten Zeit­raum berechtigt.24 Bei der Definition des Leasingverhältnisses setzt der IFRS 16 dabei auf das in IFRS 10 Konzernabschlüsse und IFRS 15 Erlöse aus Verträgen mit Kunden entwickelte und bereits erwähnte Kontrollkonzept25 auf, um eine ein­deutige Abgrenzung von bilanzwirksamen Leasingverhältnissen zu Dienstleis­tungen herzustellen.26 Ferner sieht IFRS 16 verschiedene Vorschriften zur Iden­tifizierung der Laufzeit eines Leasingverhältnisses vor. Grundsätzlich entspricht die bilanzierungsrelevante Laufzeit eines Leasingverhältnisses dem unkündba­ren Zeitraum der Vereinbarung unter Einbeziehung der möglichen Zeiträume ei­ner hinreichend sicheren Inanspruchnahme einer Verlängerungsoption und einer hinreichend sicheren Ablehnung einer Kündigungsoption.27 Im Folgenden wer­den nun die Bilanzierungsvorschriften des Leasingnehmers zum Ansatz und zur Bewertung erläutert sowie die Auswirkungen auf die Abschlussbestandteile auf­gezeigt, welche sich durch die Umstellung von IAS 17 auf IFRS 16 ergeben, er­gänzt durch Beispiele aktueller Konzernberichterstattung.

2.1 Vorgaben der internationalen Rechnungslegung für die Bi­lanzierung von Leasingverhältnissen nach IFRS 16

Die größte Änderung in der Bilanzierung des Leasingnehmers nach IFRS 16 be­steht im Entfall des „ Off-Balance “-Ansatzes, auch Operating-Leasingverhältnisse genannt, und damit der verpflichtende Ansatz der bisherigen Operating-Leasing- verhältnisse gemäß dem bereits erwähnten Nutzungsrecht-Ansatzes in IFRS 16. Demnach sind nun alle Leasingverhältnisse28 als Finanzierungsleasing zu bilan­zieren, woraus ein uniformes Bilanzierungsmodell folgt.29 So ist nun für den Lea­singnehmer, infolge des Nutzungsrecht-Ansatzes, zum Bereitstellungsdatum30 ein Nutzungsrecht zu aktivieren sowie eine Leasingverbindlichkeit zu passivie- ren.31 Zum Zeitpunkt der Einstellung entsprechen sich die Bilanzpositionen,32 je­doch kann es im Rahmen von besonderen Fällen, beispielsweise durch Voraus­zahlungen, Rückbauverpflichtungen oder Kosten des Vertragsschlusses, zu Ab­weichungen zwischen den eingebuchten Positionen kommen.33 Die erstmalige Bewertung des Nutzungsrechts zum Zeitpunkt der Bereitstellung erfolgt zu An- schaffungskosten.34

Die Leasingverbindlichkeit entspricht schuldrechtlich dem Erfüllungsbe­trag, welcher der Leasingnehmer dem Leasinggeber aufgrund der Erlangung des Kontrollrechts an der Nutzung schuldet.35

Rechnerisch entspricht die Leasingverbindlichkeit somit der Summe der diskon­tierten zukünftigen und noch nicht geleisteten Leasingzahlungen des Leasing­nehmers an den Leasinggeber. Die Diskontierung dieser Leasingzahlungen er­folgt mit dem dem Leasingverhältnis zugrunde liegenden Zinssatz.36 Wenn dieser nicht bestimmbar ist, so wird der Grenzfremdkapitalzinssatz des Leasingneh- mers 37 herangezogen.38 Die praktisch dominierende Methode der Zinsermittlung stellt der Grenzfremdkapitalzinssatz dar, da die erstgenannte Methode Informa­tionen über die Kalkulationsgrundlage des Leasinggebers voraussetzt, welche dem Leasinggeber für gewöhnlich nicht zugänglich sind.39 Zum Zeitpunkt der Be­reitstellung sind verschiedene Informationen zur Bewertung der Leasingverbind­lichkeit einzubeziehen und zu berücksichtigen. So sind beispielsweise Zahlungen wie feste Zahlungen oder „ de-facto“ feste Zahlungen 40, variable Leasingzahlun­gen, die an einen Index oder Zinssatz gekoppelt sind 41, Beträge, die im Rahmen von Restwertgarantien 42 voraussichtlich zu verrichten sind, Ausübungspreise für eine hinreichend sichere Wahrnehmung von Kaufoptionen sowie eventuelle Strafzahlungen für eine in der Laufzeit berücksichtigte Kündigung zu berücksich- tigen.43 Für die Erfassung und erstmaligen Bewertung des Nutzungsrechts und der Leasingverbindlichkeit lässt sich zusammenfassend die nachfolgende Tabel­le 1 aufstellen.

Tabelle 1: Erstmaliger Ansatz und Bewertung nach IFRS 16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Toferer, 2019, S. 28

Die Folgebewertung des Nutzungsrechts, somit der Zeitraum nach dem Bereit­stellungsdatum, erfolgt über das Anschaffungskostenmodell, sofern der Leasing­nehmer keine anderen Bewertungsmodelle44 für Leasingverhältnisse anwenden muss.45 Gemäß dem Anschaffungskostenmodell ist das Nutzungsrecht in der Folgebewertung abzüglich aller kumulierten Abschreibungen und aller kumulier­ten Wertminderungsaufwendungen sowie berichtigt um eventuelle Neubewertun­gen der Leasingverbindlichkeit anzusetzen.46 Die Folgebewertung des Nutzungs­rechts entspricht damit den in IAS 16 Sachanlagen aufgeführten Abschreibungs­vorschriften. Demnach ist das Nutzungsrecht über seiner wirtschaftliche Nutz­ungsdauer hinweg linear abzuschreiben.47

Wenn die wirtschaftliche Nutzungsdauer des zugrunde liegenden Vermögens­werts die Dauer der Leasingvereinbarung übersteigt, so ist das Nutzungsrecht über die Dauer der Leasingvereinbarung abzuschreiben.

Sofern absehbar ist, dass der zugrunde liegende Vermögenswert der Lea­singvereinbarung am Ende der Laufzeit auf den Leasingnehmer übergeht, so hat der Leasingnehmer das Nutzungsrecht stets über die gesamte wirtschaftliche Nutzungsdauer abzuschreiben.48 Zusätzlich hat ein Leasingnehmer gemäß IAS 36 Wertminderung von Vermögenswerten das Nutzungsrecht auf Wertmin­derung zu prüfen und gegebenenfalls eine Wertminderung zu erfassen.49

Die Folgebewertung der Leasingverbindlichkeit verläuft nach einer ähnli­chen Systematik wie zuvor in IAS 17.50 So erhöht sich der Buchwert der Leasing­verbindlichkeit um den Zinsaufwand für die Leasingverbindlichkeit und verringert sich um die geleisteten Leasingzahlungen.51 Die Leasingzahlung an den Lea­singgeber entspricht damit der Tilgung der Verbindlichkeit. Die im IFRS 16 neu eingeführte Möglichkeit der Neubewertung52 der Leasingverbindlichkeit wirkt sich ebenfalls auf den Buchwert aus.53 Allerdings wird auf diese nicht weiter einge­gangen, da die Möglichkeit der Neubewertung von Leasingverbindlichkeiten für den späteren Verlauf dieser Arbeit keinen weiteren Anwendungsfall findet.

Beim Ausweis der Leasingverbindlichkeit und des Nutzungsrechts in der Bilanz besitzt der Leasingnehmer ein Wahlrecht, ob er diese in eigenen Positio­nen der Aktiva und Passiva erfasst54 oder sie entsprechend in Positionen aus­weist, in welchen der zugrunde liegende Vermögenswert aufzunehmen wäre, wenn der Leasingnehmer Eigentümer des zugrunde liegenden Vermögenswerts wäre. Im letzteren Fall bedarf es im Anhang des Abschlusses Angaben darüber, in welchen Bilanzpositionen die Nutzungsrechte und Leasingverbindlichkeiten enthalten sind.55

Das nachfolgende Bilanzierungsbeispiel in der Tabelle 2 zeigt den Ansatz sowie die Zugangs- und Folgebewertung eines fiktiven Leasingverhältnisses aus Sicht des Leasingnehmers.

Tabelle 2: Bilanzierungsbeispiel IFRS 16 aus Sicht des Leasingnehmers

Bilanzierungsbeispiel IFRS 16 aus Sicht des Leasingnehmers

- Leasingvereinbarung über drei Jahre
- Jährliche Leasingzahlungen: Jahr 1) 15.000 €, Jahr 2) 17.500 €, Jahr 3) 20.000 €
- Grenzkapitalzinssatz: 3,85%
- Bereitstellungsdatum: 01.01.2020

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Ernst & Young GmbH, 2019, S. 72-73 (online) Aus dem Bilanzierungsbeispiel in Tabelle 2 wird deutlich, dass sich die Gesamt­periodenaufwendungen degressiv verhalten und mit zunehmender Leasinglauf­zeit geringer werden. Dieser Sachverhalt entsteht durch den zu erfassenden Zinsaufwand, welcher auf Basis der noch bestehenden Leasingverbindlichkeit berechnet wird. Diese Beobachtung wird auch „Front-Loading-Effekt“ genannt.56

In der Gewinn- und Verlustrechnung des Abschlusses sind die Aufwen­dungen für Zinsen der Leasingverbindlichkeiten57 und Abschreibungen des Nut­zungsrechts in getrennten Positionen auszuweisen.58

In der Kapitalflussrechnung (auch Cashflow-Rechnung) hat der Leasing­nehmer die Tilgung der Leasingverbindlichkeit in den Cashflow für Finanzie­rungstätigkeit aufzunehmen.59

Die Zinsaufwendungen sind auf Basis des Standards IAS 7 Kapitalflussrechnun­gen infolge eines Bilanzierungswahlrechts einem Mittelverwendungsbereich zu- zuordnen.60

Zusätzlich zu den eben genannten Anhangangaben infolge einer möglich­en Wahlrechtsnutzung des Ausweises in der Bilanz, fordert der IFRS 16 eine Reihe von weiteren detaillierten Anhangangaben für die Bilanzierung des Lea- singnehmers.61 Grundsätzlich sollen die Anhangangaben den Abschlussadres­saten gemeinsam mit den Ausweisen in Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Cashflow-Rechnung zu einer Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Er­tragslage des Unternehmens verhelfen.62

2.2. Darstellung von IFRS 16 in Bestandteilen des Konzernab­schlusses

Die vielfach zitierte Aussage aus einer Rede des früheren IASB-Vorsitzenden David Tweedie beschreibt zum einen die persönliche Intention Tweedies, aber auch die Auswirkungen auf die Abschlussbestandteile von Unternehmen durch die Einführung von IFRS 16, wonach nun die gesamte Leasingaktivität63 eines Unternehmens in ihren Bilanzen zu finden ist:

„One of my great ambitions before I die is to fly in an aircraft that is on an airline's balance sheet” - (Tweedie, 2008).

Im ersten Teil dieses Kapitels wird auf die Veränderung einzelner Abschlussbe­standteile durch IFRS 16 eingegangen. Anschließend wird anhand von zwei aus­gewählten Konzernabschlüssen die Umsetzung von IFRS 16 in aktueller Bericht­erstattung gezeigt.

2.2.1 Veränderung von Bestandteilen des Konzernabschlusses durch IFRS 16

Wie zuvor erwähnt, ergibt sich durch IFRS 16 ein Einfluss auf die Abschlussbe­standteile, aufgrund der nun zu passivierenden Leasingverbindlichkeiten und der zu aktivierenden Vermögenswerten in Form von Nutzungsrechten.64 Durch die Einstellung dieser zusätzlichen Verbindlichkeiten und Vermögenswerte steigen auch die damit zusammenhängenden Kennzahlen, wie beispielsweise der Ver­schuldungsgrad oder die Fremdkapitalquote.65

Der Umfang dieses Anstiegs ist branchenabhängig, so hat die Wirt­schaftsprüfungsgesellschaft PwC im Rahmen einer Studie den Einfluss von IFRS 16 auf die finanzielle Berichterstattung und Kennzahlen von verschiedenen Branchen analysiert und über alle betrachteten Unternehmen66 innerhalb der Stu­die einen Median der Verschuldungszunahme von +22% ermittelt. Am deutlichs­ten ist die Verschuldungszunahme in den Branchen Einzelhandel (Median der Verschuldungszunahme bei +98%), Luftfahrt (+47%) und Professional Services (+42%) zu erkennen.67 Im Rahmen der Diskussion über die Auswirkungen von IFRS 16 auf die Unternehmensbewertung wird der Einfluss von IFRS auf Kenn­zahlen an späterer Stelle dieser Arbeit thematisiert.68

Durch die neue Leasingbilanzierung sind ebenfalls Effekte auf den Buch­wert des Eigenkapitals zu erwarten. Allerdings ist der effektive Umfang der Aus­wirkung auf das Eigenkapital abhängig vom spezifischen Leasingportfolio und der verhandelten Konditionen der Leasingvereinbarungen des Leasingnehmers. Ein weiterer Einfluss in Bezug auf den Eigenkapitalbuchwert ergibt sich durch die unterschiedlichen Vorschriften der Folgebewertung von Nutzungsrechten (line­are Verteilung der Buchwertabnahme) und Leasingverbindlichkeiten (degressive Verteilung der Buchwertabnahme), wodurch der Buchwert der Leasingverbind­lichkeit über die Laufzeit in der Regel höher liegt als der Buchwert des Nutzung­srechts. Das Eigenkapital ist deswegen konstant um die Differenz zwischen Nut­zungsrecht und Leasingverbindlichkeit reduziert.69 Der daraus resultierende Steuervorteil bewirkt eine Einstellung von aktiven latenten Steuern gemäß IAS 12 Ertragssteuern, wodurch der temporäre negative Eigenkapitaleffekt durch den Unterschied zwischen Nutzungsrecht und Leasingverbindlichkeit um den Steuer­effekt kompensiert wird.70 Die nachfolgende Tabelle 3 fasst die Auswirkungen von IFRS 16 auf die Bilanz zusammen.

Tabelle 3: Auswirkungen auf die Bilanz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: IASB, 2016a, S. 42-43 (online), in Anlehnung an Toferer, 2019, S. 35

Die Veränderung der Gewinn- und Verlustrechnung durch IFRS 16 hängt eben­falls maßgeblich vom spezifischen Leasingportfolio des Leasingnehmers ab. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Bilanzierung von Leasingvereinba­rungen, welche zuvor nur im Anhang erwähnt wurden, zu einer Steigerung der EBIT- und EBITDA-Größen71 führt. Dies ist durch die Umgliederung von Leasing­zahlungen begründet, welche zuvor im IAS 17 in das operative Geschäft gezählt wurden.72 Durch IFRS 16 bestehen die zu erfassenden Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung nun aus den Abschreibungen für Nutzungsrechte und den Zinsen für Leasingverbindlichkeiten. Je höher der Anteil an Leasingver­einbarungen ist, welche aus dem Anhang in die Bilanz umgegliedert werden, desto stärker fällt auch der Effekt eines steigenden EBITDA in Höhe der Ab­schreibung für Nutzungsrechte und der Leasingzinsen sowie eines steigenden EBIT in Höhe der Leasingzinsen in der Gewinn- und Verlustrechnung aus.73

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der bereits im Kapitel 2.1 im Zusammenhang mit dem Bilanzierungsbeispiel er­wähnte Front-Load-Effekt, die degressive Verteilung der Gesamtperiodenkosten über die Berichtsjahre, zeigt sich auch in der Gewinn- und Verlust­rechnung. Durch die nebenstehen­de Abbildung 1 wird das Profil des erfassten Leasingaufwands nach IFRS 16 deutlich, insbesondere der Front-Load-Effekt über den die degressive Verteilung der zu erfassenden Leasingkosten ergibt sich auch ein Effekt auf die Gewinnkennzahl EBT, da zu Beginn des Leasingverhältnisses hö­here Kosten zu erfassen sind als zum Ende des Leasingverhältnisses. Über den gesamten Zeitraum betrachtet gleicht sich dieser Unterschiedsbetrag allerdings aus.74 Die nachfolgende Tabelle 4 zeigt die Umgliederung der Leasingzahlungen sowie die Auswirkungen auf die Gewinnkennzahlen der Gewinn- und Verlust­rechnung.

Tabelle 4: Umgliederung in der Gewinn- und Verlustrechnung durch IFRS 16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: IASB, 2016a S. 4 (online), Eigene Darstellung

Die Cashflow-Rechnung der Leasingnehmer wandelt sich ebenfalls durch die Umgliederung bisheriger Operating-Leasingverhältnisse zu Finanzierungslea­sing, allerdings ist der Zahlungsmitteltransfer zwischen den Leasingparteien durch IFRS 16 nicht betroffen. Da die Leasingzahlung bilanziell als Tilgung der Leasingverbindlichkeit erfasst wird, ist dieser Zahlungsstrom dem Cashflow der Finanzierungstätigkeit zuzurechnen. Damit sinkt der Finanzierungscashflow des Leasingnehmers um die Tilgung der Leasingverbindlichkeit, wohingegen der Cashflow aus der operativen Tätigkeit um ebendiesen Betrag ansteigt, da die Leasingzahlungen als operativer Aufwand zu Zeiten von IAS 17 zuvor dem letzt­genannten Cashflow zugeordnet wurden.76 Die Einstellung des Nutzungsrechts führt, im Gegensatz zu einer tatsächlichen Aktivierung eines Vermögenswerts, zu keinem Cashflow aus Investitionstätigkeit, da die Definitionskriterien für einen Zahlungsfluss aus Investitionstätigkeit aus IAS 7.16 nicht erfüllt sind.77

Die erfassten Zinsaufwendungen der Leasingverbindlichkeit werden, ab­hängig von der Wahlrechtsnutzung,78 vom Cashflow der betrieblichen Tätigkeit oder vom Cashflow der Finanzierungstätigkeit abgezogen. Somit ist aufgrund des steigenden Cashflows aus der betrieblichen Tätigkeit und keiner Änderung des Cashflows aus Investitionstätigkeit von einer Erhöhung des freien Cashflows79 in Höhe der Tilgung der Leasingverbindlichkeiten auszugehen, welcher dem Betrag der Leasingzahlung an den Leasinggeber entspricht. Da sich der Cashflow der Finanzierungstätigkeit analog verringert, ist keine Veränderung des Total Cash- flows80 festzustellen.81 Die nachfolgende Tabelle 5 fasst die Auswirkungen von IFRS 16 auf die Cashflow-Rechnung zusammen.

Tabelle 5: Auswirkungen auf den Cashflow

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Toferer, 2019, S. 37

Im Anhang sind durch die Einführung von IFRS 16 mehr Informationen zu den Leasingverhältnissen des Leasingnehmers anzugeben als unter Anwendung von IAS 17. Insbesondere sind nun detailliertere Angaben zur Steuerung von Rest­wertrisiken von zugrunde liegenden Vermögenswerten notwendig. Insgesamt soll den Berichtsadressaten eine bessere finanzielle Einschätzung der Leasingver­hältnisse ermöglicht werden.82

2.2.2 Ausgewählte Beispiele zur Umsetzung von IFRS 16 in aktu­ellen Konzernabschlüssen

Anhand aktueller Konzernabschlüsse wird nachfolgend der Einfluss von IFRS 16 auf die Bestandteile des Konzernabschlusses gezeigt. Dafür wird der Konzern­abschluss 2018 der Deutschen Post herangezogen, welcher bereits vorzeitig IFRS 16 anwendet. Ergänzend dazu wird ebenfalls der Konzernzwischenbericht für das dritte Quartal 2019 der Deutschen Telekom aufgezeigt, da die Deutsche Telekom unter den DAX30-Unternehmen83 die größte Position an Off-Balance­Leases im Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2019 umgliedern wird und somit bereits zum jetzigen Zeitpunkt im Rahmen der Quartalsberichterstattung ein anschauliches Beispiel zur Umsetzung von IFRS 16 darstellt.84

In der nachfolgenden Tabelle 6 ist ein Auszug aus der Bilanz der Deutschen Post mit allen von IFRS 16 betroffenen Positionen dargestellt. Die Deutsche Post macht dabei Gebrauch von der Bilanzierung der Nutzungsrechte und Leasing­verbindlichkeiten in Positionen, als wären die zugrunde liegenden Vermögens­werte ihr Eigentum, weshalb ergänzend Anhanginformationen heranzuziehen sind.85

Tabelle 6: Auszug Konzernbilanz der Deutsche Post AG zum 31.12.2018

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Post AG, 2019a, S. 90, 123, 138

Aus der aufgeführten Tabelle 6 wird unter Hinzunahme der Anhanginformationen deutlich, wie sehr der Anstieg der einzelnen Bilanzpositionen durch die Erstan­wendung von IFRS 16 beeinflusst wird. Etwa 91%87 der Zuwächse in den Sach­anlagen der Deutschen Post sind auf die aktivierten Nutzungsrechte zurückzu­führen, die Zuwächse in den langfristigen Finanzschulden bestehen zu 89%88 aus passivierten Leasingverbindlichkeiten.

In der nachfolgenden Tabelle 7 ist ein Auszug der Gewinn- und Verlust­rechnung der Deutschen Telekom aus dem Konzern-Zwischenbericht für das dritte Quartal dargestellt. Ergänzt wurde die Tabelle 7 um eine Spalte, welche die Differenz der Position zum Vorjahr zeigt. Ebenfalls wurde die Tabelle 7 um die Gewinnkennzahl EBITDA ergänzt, welche im Rahmen der Gewinn- und Verlust­rechnung. Zur besseren Veranschaulichung wurden Kosten- und Ertragspositio­nen über dem EBITDA zusammengefasst. Die von IFRS 16 beeinflussten Positi­onen wurden farblich markiert.

Tabelle 7: Gewinn- und Verlustrechnung Q3 2019, Deutsche Telekom AG

Gewinn- und Verlustrechnung Deutsche Telekom AG (in Mio. €) Q1-Q3 Q1-Q3

Konzern-Zwischenbericht 1. Januar bis 30. September 2019 2018 2019

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Telekom AG, 2019a, S. 34

In der Gewinn- und Verlustrechnung der Deutschen Telekom sind verschiedene Effekte aus der Einführung von IFRS 16 zu erkennen. So steigen die Aufwendun­gen für Abschreibungen um 3,2 Mio. € deutlich, was zum überwiegenden Teil auf Abschreibungen für Nutzungsrechte zurückzuführen ist.91

Korrespondierend dazu steigt die Gewinnkennzahl EBITDA um 23%92 auf­grund der höheren Abschreibungsaufwendungen. Die zusätzlich erfassten Zins­aufwendungen sind ebenfalls in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erkennen. In der Berichtsperiode erfasste die Deutsche Telekom 0,6 Mio. € Zinsaufwand für Leasingverbindlichkeiten, womit die Deutsche Telekom auch den Anstieg aller erfassten Zinsaufwendungen um 0,4 Mio. € im Vergleich zur Vorjahresperiode erklärt. Der Ausweis eines Teils der Leasingzahlungen als Zinsaufwendungen im Finanzergebnis trägt, neben weiteren nicht auf Leasing bezogenen Faktoren, zur Verbesserung des EBIT bei.93

Analog zu den Veränderungen in der Bilanz sowie in der Gewinn- und Ver­lustrechnung schlagen sich die Auswirkungen von IFRS 16 auch in den Cash- flow-Rechnungen der Unternehmen nieder.

In der nachfolgenden Tabelle 8 sind die Cashflows der Deutschen Telekom auf­geführt sowie die Unterpositionen, welche durch die Ersteinführung von IFRS 16 betroffen sind.

Tabelle 8: Auszug Cashflow-Rechnung Q3 2019, Deutsche Telekom AG

Auszug Cashflow-Rechnung Deutsche Telekom AG (in Mio €) Q1-Q3 Q1-Q3

Konzern-Zwischenbericht 1. Januar bis 30. September 2019 2018 2019

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Telekom AG, 2019a, S. 38

Der Cashflow aus Geschäftstätigkeit steigt um etwa 4 Mio. € im Vergleich zur Vorjahresperiode. Der Anstieg ist zum überwiegenden Teil auf ein verbessertes EBT und die bereits erwähnten höheren Abschreibungen aus der Folgebewer­tung von Nutzungsrechten zurückzuführen. Die Cashflow-Position „Gezahlte Zin­sen“ reduziert sich, da dort die zusätzlichen Zinsaufwendungen für die Leasing­verbindlichkeiten enthalten sind.94

Dasselbe gilt für den Cashflow aus Finanzierungstätigkeit, welcher auf­grund der Tilgung von Leasingverbindlichkeiten um etwa 1,6 Mio. € sinkt. Insge­samt verbessert sich der Free Cashflow der Deutschen Telekom um 5,4 Mio. € auf 7,3 Mio. €. Darin enthalten ist allerdings auch eine Reduzierung des Investi­tionscashflows von 1,4 Mio. € aus anderen Geschäftsvorfällen.

2.3 Zwischenergebnis

Im Rahmen des Kapitels 2 wurde die neue Leasingbilanzierung nach IFRS 16 aus Sicht des Leasingnehmers beleuchtet und anhand von zwei exemplarischen Konzernabschlüssen um Aspekte der Berichtspraxis erweitert. So führt der neue Leasing-Standard zur verpflichtenden Bilanzierung sämtlicher Leasingverhält- nisse95 und damit zum Ausweis zusätzlicher Leasingverbindlichkeiten und Nut­zungsrechte. Die nun zu erfassenden Positionen bilden sich hauptsächlich aus der Kapitalisierung zukünftiger Zahlungsverpflichtungen aus dem Leasingver­hältnis. Dadurch kommt es zu Verschiebungen sowohl in der Gewinn- und Ver­lustrechnung als auch in der Kapitalflussrechnung. So schlüsselt sich die zuvor operative Leasingzahlung in der Gewinn- und Verlustrechnung nun in einen Zins- und einen Abschreibungsanteil auf. In der Kapitalflussrechnung erhöht sich der freie Cashflow um die Höhe der Tilgung der Leasingverbindlichkeit, wohingegen die zusätzliche Tilgung der Leasingverbindlichkeit den Cashflow aus Finanzie­rungstätigkeit mindert. Die sich aus IFRS 16 ergebende Effekte auf die Bericht­erstattung ist branchenabhängig, so wie beispielsweise der Einzelhandel am stärksten betroffen ist, sind auf der anderen Seite Branchen wie die Pharma- und Chemie- sowie Immobilienbranche weniger stark betroffen.96 In Hinblick auf die spätere Analyse der Auswirkungen von IFRS 16 auf die Unternehmensbe­wertung bedeutet dies eine Branchenabhängigkeit der Effekte von IFRS 16. Ebenfalls ergibt sich aus dem Kapitel 2 nun das Verständnis der neuen Daten­grundlage zur Ermittlung des Unternehmenswerts unter Einfluss von IFRS 16.

3. Methoden der quantitativen Unternehmensbewertung Ein essenzieller Bestandteil der Unternehmensbewertung besteht in der quanti­tativen Darstellung des Unternehmenswerts, beispielsweise in Form eines Kauf­preises. Dabei stellt die Reduzierung der gesamten Komplexität eines Unterneh­mens auf eine Zahl seit jeher eine Herausforderung in der Finanzwelt dar.

Durch die Einführung von IFRS 16 müssen nun möglicherweise Ansätze und Vorgehensweisen überdacht werden. In Hinblick auf eine, im Verlauf dieser Arbeit, spätere Analyse der Auswirkungen von IFRS 16 auf die Wertermittlung eines Unternehmens werden nachfolgend verschiedene Konzepte der quantita­tiven Unternehmensbewertung aufgezeigt.97 Wichtig ist allerdings zu erwähnen, dass im Rahmen der funktionalen Werttheorie nicht der Unternehmenswert oder das Bewertungsverfahren existiert, da der Wert eines Unternehmens individuell von subjektiven Einflüssen und dem Zweck der Bewertung abhängt.98

Dennoch stellt die quantitative Bewertung eines Unternehmens ein im Rahmen der Entscheidungssituation99 des Investors wichtiges Instrument zur Operationalisierung der Entscheidungsüberlegung dar, da anhand der Ergeb­nisse einer quantitativen Unternehmensbewertung eine Vergleichbarkeit zwisch­en verschiedenen Investitionsalternativen geschaffen wird.100

Daher stellt die nachfolgende Analyse auf den Unternehmenswert als Sy­nonym für das Ergebnis aus Anwendung einer der nachfolgend vorgestellten Be­wertungsmethoden ab, genauer: Der Unternehmenswert als Ergebnis der quan­titativen Unternehmensbewertung entspricht dem Marktwert des Eigenkapitals. Grundlage des methodischen Vorgehens zur Unternehmenswertermittlung stellt im Folgenden der Standard 1 Grundsätze zur Durchführung von Unternehmens­bewertungen des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland dar, welcher den Rahmen zur Vorgehensweise setzt. Der Standard stellt für WirtschaftsprüferIn­nen eine Richtlinie dar, nach welcher Unternehmen zu bewerten und wie Unter­nehmensbewertungen zu prüfen sind.101

Dementsprechend hat der IDW S1 auch eine Relevanz für bilanzierende Unter­nehmen, da diese in der Regel durch ihre finanzielle Berichterstattung und Buch­führung die Grundlage für die Prüfung von Bewertungen bilden.102

3.1 DCF-Methode

Mithilfe der DCF-Methode wird das Ziel verfolgt, den zukünftigen Zahlungsmittel­zufluss an die Kapitalgeber als gegenwärtigen Betrag darzustellen und definiert damit den gesuchten Unternehmenswert als die Summe der diskontierten zu­künftigen Cashflows. Dabei werden zwei verschiedene Verfahren der DCF-Me- thode unterschieden. Das Verfahren nach dem Equity-Approach ermittelt aus den Cashflows direkt den Marktwert des Eigenkapitals, wohingegen das Verfah­ren nach dem Entity-Approach im ersten Schritt den Gesamtkapitalmarktwert des Unternehmens ermittelt und der Marktwert des Eigenkapitals als verbleibender Residualwert nach Abzug des Fremdkapitalmarktwerts definiert ist.103 Die einzel­nen Verfahren stellen auf verschiedene Zahlungsströme und Vorgehensweisen ab, jedoch führen sie grundsätzlich zu übereinstimmenden Ergebnissen, wenn konsistente Annahmen verwendet werden.104 Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt die verschiedenen DCF-Verfahren im Überblick.105 Da sich in der Bewer­tungspraxis das Entity-Verfahren nach dem WACC-Ansatz durchgesetzt hat, wird nachfolgend im Detail lediglich auf dieses Verfahren eingegangen.106

Abbildung 2: DCF-Verfahren im Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Langguth, 2008, S. 54

Am Ende des Detailplanungszeitraumes der Cashflows ist bei allen Ansätzen ein Terminal Value anzusetzen, um Cashflows zu berücksichtigen, welche über den Detailplanungszeitraum hinaus zukünftig anfallen und auf den Betrachtungszeit­raum zu diskontieren sind.107 Wenn von keiner Geschäftsfortführung nach Ende des Detailplanungszeitraumes auszugehen ist, so ist der Nettoliquidationswert108 oder Nettoveräußerungswert109 zum Ende des Planungszeitraums anzuset- zen.110 Ebenfalls ist die Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens in die Betrachtung des Unternehmenswerts miteinzubeziehen, welches als Barwert oder Veräußerungswert dem Gesamtkapitalmarktwert hinzugerechnet wird.111

3.1.1 Grundlagen des WACC-Ansatzes

Der WACC-Ansatz verfolgt einen Entity-Approach und ermittelt durch Diskontie­rung der Free Cashflows mithilfe des gewogenen Durchschnittskapitalkostensat­zes den Gesamtkapitalmarktwert, welcher vermindert um den Marktwert des Fremdkapitals zum Betrachtungszeitpunkt den Marktwert des Eigenkapitals bil- det.112 Methodisch stellt der Gesamtkapitalmarktwert nach dem WACC-Ansatz auf drei Kernbestandteile ab, welche es zu verstehen gilt: Die Ermittlung der Free Cashflows, die Konzeption der Cashflows nach Ende des Detailplanungszeitrau­mes (Unendlichkeitskalkül, auch „Terminal Value“ genannt, Nettoliquidationswert oder Nettoveräußerungswert) sowie die entsprechenden Kapitalkostensätze. Un­ter Berücksichtigung von gesellschaftsrechtlicher Ausschüttungsgrenzen stellen die zukünftigen Free Cashflows im WACC-Ansatz die finanziellen Überschüsse dar, welche zur Ausschüttung an die Kapitalgeber zur Verfügung stehen. Der Free Cashflow ist somit der finanzielle Überschuss an Zahlungsmitteln nach Des­investition und Investitionen sowie Unternehmenssteuern und Veränderungen im Nettoumlaufvermögen. Eventuelle Thesaurierungen von Cashflows sind damit bereits in den berücksichtigten Positionen abgebildet.

Die nachfolgende Tabelle 9 zeigt dabei die Methode zur Ermittlung des Free Cashflows gemäß des IDW S1.

Tabelle 9: Ermittlung des Free Cashflows

Jahresergebnis

- Unternehmenssteuerersparnis infolge der Abzugsfähigkeit von Fremd­kapitalzinsen (Tax Shield)
- Abschreibungen und andere zahlungsunwirksame Aufwendungen
- Zahlungsunwirksame Erträge
- Investitionszahlungen abzüglich Einzahlungen aus Desinvestitionen
- Verminderung/Erhöhung des Nettoumlaufvermögens
- Free Cashflow113

Quelle: IDW S1, Tz. 127

Bei der Unternehmenssteuerersparnis durch abzugsfähige Fremdkapitalzinsen (Tax Shield) ist auf übereinstimmende Konsistenz zwischen Cashflows und den genutzten Kapitalkostensätzen zu achten. Sofern der Tax Shield in den Free Cashflows enthalten ist, wie in Tabelle 9 dargestellt, so darf der Tax Shield nicht erneut im gewogenen Durchschnittskapitalkostensatz berücksichtigt werden. Ge­genteilig gilt: Sofern der Tax Shield in den Free Cashflows nicht berücksichtigt wird, muss er im gewogenen Durchschnittskapitalkostensatz gezeigt werden.114

Wie eingangs erwähnt ist am Ende des Detailplanungszeitraumes der Net­toliquidationswert, der Nettoveräußerungswert oder bei einer positiven Ge- schäftsfortführungsannahme115 ein Terminal Value anzusetzen. Der angesetzte Betrag wird dann auf den Betrachtungszeitpunkt mithilfe des gewogenen Durch­schnittskapitalkostensatzes abgezinst. Die Ermittlung des Terminal Value kann nach zwei verschiedenen Methoden erfolgen: dem unendlichen Rentenmodell oder dem unendlichen Wachstumsmodell. Das unendliche Rentenmodell geht dabei nach Ende des Detailplanungszeitraumes von identischen Cashflows über einen unendlichen Zeitraum aus.

Die nachfolgende Formel 1 stellt die Ermittlung des Terminal Values nach dem unendlichen Rentenmodell dar. Der Cashflow E entspricht dem Cashflow, wel­cher nach dem Detailplanungszeitraum über einen unendlichen Zeitraum konti­nuierlich anfällt.

Formel 1: Unendliches Rentenmodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ernst/Schneider/Thielen, 2012, S. 39

Das unendliche Wachstumsmodell unterstellt ein konstantes Wachstum der Cashflows über einen unendlichen Zeitraum ab dem Ende des Detailplanungs­zeitraums, beginnend mit dem zugrunde liegenden Cashflow E. Die nachfol­gende Formel 2 zeigt die Ermittlung des Terminal Values mithilfe des unendlich­en Wachstumsmodells.

Formel 2: Unendliches Wachstumsmodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ernst/Schneider/Thielen, 2012, S. 39

Zu beachten bei den Barwerten der Terminal Values ist, dass diese den Barwert zum Zeitpunkt darstellen, an welchem der angenommene Cashflow E angefallen ist. Wenn der Cashflow E beispielsweise in der zehnten Periode angefallen ist, so berechnet man mithilfe der Formeln 1 oder 2 den Barwert des Unendlichkeit­skalküls in der zehnten Periode. Folglich muss dieser Barwert auf den faktischen Betrachtungszeitpunkt der Bewertung abgezinst werden. Die Wahl des zugrunde liegenden Cashflows E sowie die Wahl des Zeitpunktes, ab welchem vom Termi­nal Value auszugehen ist, bedarf vorab einer gründlichen Evaluation, da modell­bedingt der Barwert des Terminal Value den größten Anteil am zu ermittelnden Unternehmenswert darstellen kann.116

Für die Abzinsung der Cashflows sind insgesamt drei Kapitalkostensätze nötig: der Eigen- und Fremdkapitalkostensatz sowie der sich daraus bildende gewoge­ne Durchschnittskapitalkostensatz, auch WACC genannt. Mit dem letztgenann­ten Kapitalkostensatz erfolgt die Diskontierung der Cashflows sowie den anstelle der nach dem Detailplanungszeitraum anfallenden Cashflows tretenden Betrag. Die nachfolgende Formel 3 stellt die grundsätzliche Berechnung des WACC für das Unternehmen j dar.

[...]


1 Der IASB ist ein Gremium der internationalen Rechnungslegung, welches neue Standards kon­zipiert und bestehende Standards weiterentwickelt. Vgl. Online: IASB, 2014, S. 1.

2 Zur Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards sind alle Mutterunternehmen im Sinne des § 290 (1) HGB verpflichtet, welche gemäß § 315e (1) HGB unter den Artikel 4 der Verordnung Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19.07.2002 fallen oder gemäß § 315e (2) HGB bis zum jeweiligen Bilanzstichtag die Zulassung eines Wertpapiers im Sinne des § 2 (1) WpHG zum Handel an einem organisierten Markt im Sinne des § 2 (11) WpHG im Inland beantragt haben.

3 Vgl. Online: Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung DPR e. V., 2019.

4 Vgl. IAS 17.35a-d: Angaben zu Leasingverhältnissen lediglich im Anhang des Abschlusses.

5 Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F.27-28.

6 Das Rahmenkonzept des IASB zählt in F.9a-g eine Vielzahl von Adressaten auf. Diese Arbeit beschränkt sich im Wesentlichen auf die Adressatengruppe der Investoren. Allerdings lässt sich nicht ausschließen, dass Bestandteile dieser Arbeit auch Anwendung für andere Abschlussad­ressaten finden; Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F.10.

7 Vgl. Die Entscheidungsnützlichkeit beschreibt das vornehmliche Ziel der internationalen Rech­nungslegung; Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F.12-14.

8 Vgl. Beispielsweise die Schaffung von Vergleichbarkeit und die Reduzierung von Ermessens­spielräumen; Vgl. Online: IASB, 2016a, S. 3. Im Kapitel 2. folgen nähere Ausführungen zur Ziel­setzung von IFRS 16.

9 Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F.24-F.46. Die vier wichtigsten qualitativen Anforderungen an den Abschluss sind dabei die Merkmale Verständlichkeit, Relevanz, Verlässlichkeit und Ver­gleichbarkeit; Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F.24.

10 Zum Zeitpunkt der Studie waren über 30.000 gelisteten Anwender von IFRS oder US-GAAP gelistet; Vgl. Online: IASB, 2016a, S. 14.

11 Der IASB schätzt den gegenwärtigen Wert der zukünftigen Leasingzahlungen auf 2,18 Billio­nen USD.

12 Vgl. Online: IASB, 2016a, S. 14.

13 Vgl. Köster/Repetz, 2016, S. 645 und Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, §15a Rz. 2.

14 Hierbei handelt es sich die Erleichterungen zu kurzfristigen Leasingverhältnissen und Leasing­verhältnisse über Vermögenswerte von geringem Wert; Vgl. IFRS 16.5a-b.

15 Der FASB ist ein nationales Gremium der Rechnungslegung in den USA und übernimmt dort ähnliche Aufgaben wie der IASB; Vgl. Online: FASB, 2020.

16 Vgl. Online: SEC, 2005, S. 105-107.

17 Vgl. Fehr, 2013, S. 25.

18 Vgl. Online: FASB, 2006.

19 Die Veröffentlichung des IFRS 16 Leasingverhältnisse ersetzt die bisherigen Standards und Interpretationen IAS 17 Leasingverhältnisse, IFRIC 4 Feststellung, ob eine Vereinbarung ein Lea­singverhältnis enthält, SIC-15 Operating-Leasingverhältnisse - Anreize und SIC-27 Beurteilung des wirtschaftlichen Gehalts von Transaktionen in der rechtlichen Form von Leasingverhältnis­sen; Vgl. IFRS 16.C21.

20 Vgl. Online: IASB, 2016b, S. 1.

21 Vgl. Online: IASB, 2016b, S. 5.

22 Vgl. Online: IASB, 2016b, S. 22.

23 Ein Vermögenswert beschreibt eine Ressource, die auf Grund von Ereignissen der Vergan­genheit in der Verfügungsmacht des Unternehmens steht und aus deren Nutzung ein künftiger wirtschaftlicher Nutzenzufluss erwartet wird; Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F 49a. Der Vermö­genswert ist dann identifizierbar, wenn er in einem Vertrag ausdrücklich spezifiziert wird oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Nutzung zur Verfügung gestellt wird und der Leasinggeber kein substanzielles Substitutionsrecht besitzt; Vgl. IFRS 16.B13-B15.

24 Vgl. IFRS 16.9 und IFRS 16.A. Nicht im Anwendungsbereich des IFRS 16 liegen Vereinbarun­gen in Bezug auf die Entdeckung und Nutzung von Mineralien, Öl, Erdgas und ähnlichen nicht regenerativen Ressourcen, Nutzungsüberlassungen betreffend biologischen Vermögenswerten, Dienstleistungskonzessionsvereinbarungen im Anwendungsbereich von IFRIC 12 Dienstleis­tungskonzessionsvereinbarungen, Lizenzen zur Nutzung von immateriellen Vermögenswerten, die ein Leasinggeber im Rahmen von IFRS 15 Erlöse aus Verträgen mit Kunden vergibt, sowie gehaltene Rechte eines Leasingnehmers an immateriellen Vermögenswerten im Anwendungs­bereich von IAS 38 immaterielle Vermögenswerte; Vgl. IFRS 16.3, für andere als in IFRS 16.3e aufgeführten immateriellen Vermögenswerte räumt IFRS 16.4 ein Wahlrecht zur Anwendung von IFRS 16 ein.

25 Die Kontrollanforderung auf Seiten des Leasingnehmers ist erfüllt, wenn ein identifizierbarer Vermögenswert vorliegt und der Leasinggeber dem Leasingnehmer das Recht zur Kontrolle der Nutzung übertragt. Vgl. Pellens, et al., 2017, S. 779.

26 Vgl. Pellens, et al., 2017, S. 778.

27 Vgl. IFRS 16.18 und Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, § 15a Rz. 115.

28 Mit Ausnahme der Leasingverhältnisse, die unter die erwähnten Erleichterungsvorschriften fal­len.

29 Vgl. Köster/Repetz, 2016, S. 645.

30 Das Bereitstellungsdatum entspricht dem Zeitpunkt, an welchem der Leasinggeber den zu­grunde liegenden Vermögenswert dem Leasingnehmer zur Nutzung bereitstellt. Vgl. IFRS 16.A.

31 Vgl. IFRS 16.22 und Pellens, et al., 2017, S. 787.

32 Im einfachsten Fall wird gebucht: Nutzungsrecht an Leasingverbindlichkeiten.

33 Vgl. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, § 15a Rz. 94.

34 Vgl. IFRS 16.23. Dabei bestehen die Kosten für das zu aktivierende Nutzungsrecht aus dem Betrag der erstmaligen Bewertung der Leasingverbindlichkeit sowie bei oder vor Bereitstellung geleistete Leasingzahlungen abzüglich erhaltener Leasinganreize (entsprechen etwaigen Zah­lungen, die ein Leasinggeber im Zusammenhang mit einem Leasingverhältnis an einen Leasing­nehmer leistet sowie Kostenübernahmen oder Rückerstattungen durch den Leasinggeber), an­fängliche direkte Kosten (entsprechen zusätzlichen Kosten, die durch eine Leasingvereinbarung entstehen, welche ohne den Abschluss einer Leasingvereinbarung nicht entstanden wären mit Ausnahme der Kosten für Finanzierungsleasing beim Leasinggeber) und geschätzte Kosten für eventuelle Rückbauverpflichtungen sowie Verpflichtungen, welche der Leasingnehmer zum Ende der Leasinglaufzeit erfüllen muss; Vgl. IFRS 16.24a-d und IFRS 16.A. Letztgenannte Kosten ge­mäß IFRS 16.24d sind mithilfe der Vorschriften des IAS 37 Rückstellungen, Eventualverbindlich­keiten und Eventualforderungen zu erfassen und zu bewerten. Wenn Kosten gemäß IFRS 16.24d im Rahmen der Leistungserstellung durch Inanspruchnahme des Nutzungsrechts anfallen, so sind diese Kosten als zurechenbare Kosten des IAS 2 Vorräte gemäß IAS 37 zu erfassen; Vgl. IFRS 16.25.

35 Vgl. Pellens, et al., 2017, S. 787.

36 Der dem Leasingverhältnis zugrunde liegende Zinssatz entspricht dem internen oder impliziten Zinssatz, welcher aus Sicht des Leasinggebers die erwartete Verzinsung seiner Investition zeigt; Vgl. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, § 15a Rz. 165.

37 Der Grenzfremdkapitalzinssatz entspricht dem Zinssatz einer alternativen Kreditaufnahme über den Leasingzeitraum; Vgl. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, § 15a Rz. 173.

38 Vgl. IFRS 16.26.

39 Vgl. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, § 15a Rz. 170.

40 Zahlungen ohne variablen Anteil an den Leasinggeber, welche den Leasingnehmer zur Nut­zung des zugrunde liegenden Vermögenswerts berechtigen; Vgl. IFRS 16.A.

41 Zahlungen an den Leasinggeber, die variieren, weil sich nach dem Bereitstellungsdatum Fak­ten und Umstände geändert haben, welche den Leasingnehmer zur Nutzung des zugrunde lie­genden Vermögenswerts berechtigen; Vgl. IFRS 16.A.

42 Eine Garantie einer nicht mit dem Leasinggeber verbundenen Partei gegenüber dem Leasing­geber, wonach der Wert eines zugrunde liegenden Vermögenswerts am Ende der Laufzeit des Leasingverhältnisses eine bestimmte Mindesthöhe erreicht; Vgl. IFRS 16.A.

43 Vgl. IFRS16.27a-e.

44 Wenn ein Leasingnehmer für Vermögenswerte, die unter die Definition des IAS 40 Als Finanz­investition gehaltene Immobilien fallen, das Zeitwertmodell nutzt, so hat der Leasingnehmer die­ses Bewertungsmodell auch für Nutzungsrechte anzuwenden, bei welchen der zugrunde lie­gende Vermögenswert unter die Definition des IAS 40 fällt. Dasselbe gilt für Leasingnehmer, wel­che Vermögenswerte unter der Definition des IAS 16 mit dem Neubewertungsmodell folgebewer­ten. Bei letzterem Fall besteht ein Wahlrecht. Vgl. IFRS 16.34-35 und Lüdenbach/Hoffmann/Frei- berg, 2019, § 15a Rz. 198.

45 Vgl. IFRS 16.29.

46 Vgl. IFRS 16.30.

47 Vgl. IFRS 16.31.

48 Vgl. IFRS 16.32 i.V.m Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, §15a Rz. 199 und Pellens, et al., 2017, S. 788.

49 Vgl. IFRS 16.33.

50 Vgl. Toferer, 2019, S. 29.

51 Vgl. IFRS 16.36a-b.

52 Vgl. IFRS 16.36c.

53 Vgl. Pellens, et al., 2017, S. 789.

54 In den Aktiva als „Nutzungsrechte“ und in den Passiva als „Leasingverbindlichkeiten“

55 Vgl. IFRS 16.47.

56 Vgl. Gruber/Hartmann-Wendels, 2016, S. 49-50.

57 Die Zinsaufwendungen der Leasingverbindlichkeit gelten als Finanzierungsaufwendung und ist gemäß des Paragrafen 82b Darstellung des Abschlusses IAS 1 und ist als solcher in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen.

58 Vgl. IFRS 16.49 und Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, § 15a Rz. 235.

59 Vgl. IFRS 16.50a.

60 Vgl. IFRS 16.50b und Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, § 15a Rz. 235.

61 Vgl. IFRS 16.52-60.

62 Vgl. IFRS 16.51.

63 Mit Ausnahme der Leasingverhältnisse, die unter die erwähnten Erleichterungsvorschriften fal­len.

64 Vgl. Toferer, 2019, S. 34.

65 Vgl. Online: IASB, 2016a, S. 52-54.

66 In der Studie wurden 3.199 Unternehmen analysiert.

67 Vgl. Online: PwC Netherlands, 2016, S. 4-5.

68 Vgl. Kapitel 4.

69 Online: IASB, 2016a, S. 42-43.

70 Vgl. Online: CFA Institute, 2019, S. 20-21 und Pferdehirt, 2007, S. 99-102.

71 Das EBIT entspricht dem Gewinn aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit vor Abzug von Zin­sen und Steuern. Das EBITDA entspricht dem EBIT ohne Abzug von Abschreibungen und Amor­tisationen; Vgl. Wöhe/Döring, 2013, S. 756.

72 Vgl. IAS 17.50.

73 Online: IASB, 2016a, S. 44-46.

74 Vgl. Toferer, 2019, S. 36.

75 Ohne Aufwendungen für Abschreibung, Amortisation und Zinsen.

76 Vgl. Online: IASB, 2016a, S. 50.

77 Vgl. Fischer, 2019, S. 187. Bei der Verbuchung von Nutzungsrechten als Zugang im Cashflow aus Investitionstätigkeit existieren widersprüchliche Meinungen. Einige Quellen sprechen von ei­nem zwingenden Ansatz der Einstellung des Nutzungsrechts im Cashflow aus Investitionstätig­keit; Vgl. Wolf/Stäwen, 2018, S. 228.

78 IAS 7.31 i.V.m. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, 2019, § 3 Rz. 109-110.

79 Der Cashflow, welcher für die Finanzierung des Unternehmens genutzt werden kann. Rechne­risch entspricht der freie Cashflow der Summe aus dem Cashflow der Investitionstätigkeit und operativen Tätigkeit.

80 Vereinfacht der gesamte Zahlungsstrom liquider Mittel im Berichtsjahr, welcher sich aus dem freien Cashflow unter Hinzurechnung des Cashflows aus Finanzierungstätigkeit ermittelt.

81 Vgl. Online: IASB, 2016a, S. 50.

82 Online: Ernst & Young GmbH, 2019, S. 111.

83 Der DAX30 ist ein deutscher Aktienindex und beinhaltet die 30 Unternehmen, welche die höchste Streubesitz-Marktkapitalisierung besitzen und in Deutschland börsennotiert sind. Der DAX30 entwickelte sich seit Einführung im Jahr 1988 zum international anerkannten Hauptindex der deutschen Börsenlandschaft; Vgl. Online: boerse.ard.de, 2011.

84 Vgl. Online: BDO AG, 2019, S. 6.

85 Vgl. IFRS 16.47.

86 Hier sind die Buchwerte der in den Abschlusspositionen enthaltenen Nutzungsrechte und Lea­singverbindlichkeiten zum 31.12.2018 angegeben. Die angegebenen Beträge sind im Konzern­abschluss 2018 in den Anhangziffern 23.2 und 41 zu finden.

87 9.503 / 10.420 = 0,9120

88 7.756 / 8.718 = 0,8897

89 Enthält Erträge und Kosten wie beispielsweise sonstige betriebliche Erträge, aktivierte Eigen­leistungen, Materialaufwand, Personalaufwand, Bestandsveränderungen und weitere.

90 In den Abschreibungen sind bereits Amortisationen berücksichtigt und werden nicht explizit ausgewiesen; Vgl. Deutsche Telekom AG, 2019a, S. 10.

91 Vgl. Deutsche Telekom AG, 2019a, S. 14.

92 ( 20.476 / 16.698 ) - 1 = 0,2262

93 Vgl. Deutsche Telekom AG, 2019a, S. 10.

94 Vgl. Deutsche Telekom AG, 2019a, S. 9.

95 Mit Ausnahme der erwähnten Erleichterungsvorschriften.

96 Vgl. Online: PwC Netherlands, 2016, S. 6.

97 Vgl. IDW S1, Tz. 8-11.

98 Unternehmensbewertungen verfolgen beispielsweise den Zweck einer Informations- oder Ar­gumentationsfunktion, wofür Verfahren zur quantitativen Unternehmensbewertung unterstützend herangezogen werden; Vgl. Langguth, 2008, S. 10-12.

99 Das Rahmenkonzept des IASB spricht hier von einer Kauf-, Halte- oder Verkaufsentscheidung von Anteilen am Unternehmen; Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F.14 und Peters, 2009, S. 21.

100 Vgl. Peters, 2009, S. 21-22.

101 Vgl. IDW S1, Tz. 1-2.

102 Vgl. Peemöller, 2001, S. 1401-1402.

103 Diese Definition entspricht der Eigenkapitaldefinition des Rahmenkonzepts im IFRS; Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F.49c.

104 Vgl. IDW S1, Tz. 124.

105 Eine Erklärung des Flow-to-Equity-Ansatzes und des APV-Ansatzes ist unter der Anhangzif­fer 4 zu finden.

106 Vgl. Schacht/Fackler, 2009, S. 209 und Drukarczyk/Schüler, 2016, S. 198.

107 Vgl. Drukarczyk/Schüler, 2016, S. 152-153.

108 Die Zahlungsmittel, welche bei vollständiger Auflösung des Geschäftsbetriebs freigesetzt wer­den, abzüglich der dadurch entstandenen Kosten.

109 Die Zahlungsmittel, welche bei Weiterverkauf des Unternehmens freigesetzt werden, abzüg­lich der dadurch entstandenen Kosten.

110 Vgl. IDW S1, Tz. 129-131.

111 Vgl. IDW S1, Tz. 125 und Langguth, 2008, S. 18-20.

112 Vgl. IDW S1, Tz. 125-126.

113 Der IDW S1 sieht hier die Berichtigung der Free Cashflows um gezahlte Fremdkapitalzinsen vor, allerdings steht dieses Vorgehen im Widerspruch mit verschiedenen anderen Quellen zur Berechnung des Free Cashflows. Fremdkapitalzinsen sind demnach nur für die Cashflows hin­zuzuziehen, welche beim Flow-to-Equity-Ansatz zugrunde legt werden; Vgl. Ballwieser/Hach- meister, 2016, S. 138.

114 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen, 2012, S. 36.

115 Vgl. Rahmenkonzept des IASB, F.23.

116 Vgl. Ernst/Schneider/Thielen, 2012, S. 39.

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Analyse der Auswirkungen von IFRS 16 auf die Unternehmensbewertung
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
104
Katalognummer
V1021483
ISBN (eBook)
9783346436368
ISBN (Buch)
9783346436375
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IFRS 16, Unternehmensbewertung, DCF, Multiples, Leasing, M&A
Arbeit zitieren
Hekim Savucu (Autor:in), 2020, Analyse der Auswirkungen von IFRS 16 auf die Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021483

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