Geschichte der Zensur


Seminararbeit, 2001
7 Seiten, Note: angenommen

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Inhaltsverzeichnis:

1. Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse zur Geschichte der Zensur

2. Literaturverzeichnis

1. Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse zur Geschichte der Zensur

Die Zensur im Kontext des Presse- und Medienrechts wird allgemein definiert als „zumeist staatliche Kontrolle von veröffentlichten oder zur Veröffentlichung bestimmten Presseerzeugnissen, von Rundfunk- oder Fernsehsendungen und Filmen.“1

Zur genauen Abgrenzung des Begriffes „Zensur“ muss zwischen Vorzensur und Nachzensur unterschieden werden. Als Vor zensur werden einschränkende Maßnahmen vor der Herstellung oder Verbreitung von Geisteswerken verstanden. Besonders die Abhängigkeit der Veröffentlichung von einer (behördlichen) Vorprüfung und Genehmigung des Inhalts ist für die Vorzensur kennzeichnend. Im Gegensatz dazu wird von Nach zensur gesprochen, wenn Kontrollmassnahmen nach Veröffentlichung eines Geisteswerkes durchgeführt werden.

Bereits im Jahre 450 v. Chr. lassen sich im römischen Zw ö lftafelgesetz einschränkende, zensurartige Regelungen für die freie Meinungsäusserung erkennen. Unter anderem wurden Spott- und Schmähgedichte durch das Gesetz mit der Todesstrafe bedroht.2 Die eigentliche Aktualisierung des Problems der Zensur setzt jedoch erst mit Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern Mitte des 15. Jh. in Mainz ein.3 Schon wenige Jahrzehnte nach dieser Erfindung erliessen die Bischöfe von Würzburg und Basel die ersten kirchlichen Zensuredikte. 1485 verordnete der Erzbischof von Mainz die Errichtung einer Zensurkommission für sein gesamtes Bistum.4 Zwei Jahre später folgte die erste päpstliche Zensurverordnung von Papst Innozenz VIII., die für jegliche Drucke eine Erlaubnis notwendig machte.5 Durch das Konzil von Trient 1564 und mit der Einführung des „ Index librorum prohibitorum “ erhielt die kirchliche Zensurpolitik eine dauerhafte Form. Dieser päpstliche Index wurde erst 1966 von Papst Paul VI. ausser Kraft gesetzt. Die anfänglich rein kirchliche Zensur wurde „zunehmend subsidiär von weltlichen Instanzen übernommen“.6 Als Reaktion auf die einsetzende Reformation wurde 1521 die Pr ä ventivzensur (auch Vorzensur, s.o.) durch ein kaiserliches Edikt eingeführt. Die Massnahmen zur Pressekontrolle wurden im Laufe des 16. Jh. mehrfach verschärft, was darauf hinweist, dass sie nicht den gewünschten Erfolg hatten. Grundsätzlich hatte dieses staatliche System der Zensur Bestand bis zur Auflösung des Deutschen Reichs 1806.7 In Frankreich hingegen genoss die Presse in einer ersten Phase8 nach der Franz ö sischen Revolution 1789 eine „praktisch unumschränkte Freiheit“.9 Napoleon führte in Frankreich 1810 die Zensur wieder ein und legte in seinem Überwachungssystem besonderes Gewicht auf die Vorzensur. Im Jahre 1811, zwanzig Jahre nach der Französischen Revolution, waren in Paris noch vier Zeitungen zugelassen, während es 1790 über 300 gewesen waren.10

Im zweiten Deutschen Reich11 trat 1874 das Reichspressegesetz in Kraft und hob die nach Landesrecht bestehenden Beschränkungen der Pressefreiheit auf.12 Allerdings gelang es Reichskanzler v. Bismarck durch geschickte Auslegung der Rechtsschrift, 1878 die Sozialistengesetze zu erlassen. Damit hatte v. Bismarck ein Zensur-Werkzeug gegen die sozialdemokratisch gesinnte Presse in der Hand, das bis zum 1. Weltkrieg seine Wirkung nicht verlor.13 Nach einer Milt ä rzensur während des Weltkrieges14 wurde mit der Weimarer Reichsverfassung auch das Zensurverbot eingeführt. Bedingt durch die politischen und sozialen Gegebenheiten der ersten Nachkriegjahre kam es allerdings in der Weimarer Republik zu Eingriffen in die Pressefreiheit. Erwähnt sei hier die Republikschutz- gesetzgebung und das Notverordnungsrecht. Für die Jahre zwischen 1918 und 1933 ist die Zensur vornehmlich „...dem Ordnungsverlangen zuzurechnen, mit dem das politische System [...] auf die tiefgreifende Krise der sozialen und kulturellen Modernisierung reagierte.“15 Im nationalsozialistisch regierten Deutschland kam es ab März 1933 zum bis anhin einmaligen Vorgang der Gleichschaltung der Presse. Das Schriftleitergesetz vom Oktober des selben Jahres errichtete gravierende Zugangsschranken zum Journalistenberuf. Der Presse und den Medien insgesamt wurden eine „...öffentliche, staatsbezogene Aufgabe“16 zugewiesen und die liberale Idee der Pressefreiheit strikt abgelehnt. Ihren Höhepunkt fand die nationalsozialistische Zensur in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges. In diesen Jahren bestanden die Zensurmassnahmen im Prinzip ausschliesslich aus vorzensorischen Eingriffen.

In der Bundesrepublik wurde die Pressefreiheit verfassungsrechtlich durch Artikel 5 im Grundgesetz wiederhergestellt. Es besteht ein Vorzensurverbot. Das Reichspressegesetz von 1874 (s.o.) galt zunächst noch bis in die 60er Jahre und wurde dann von Landespressegesetzen der Bundesländer abgelöst. Vom Mittel der Nachzensur wurde seit Bestehen der Bundesrepublik unterschiedlich häufig Gebrauch gemacht. Proportional überdurchschnittlich oft fand Nachzensur unter Verweis auf das Schund- und Schmutzgesetz 17 Anwendung. So wurden und werden in Deutschland durch eine Bundesprüfstelle jugendgefährdende Werke indiziert. Bis in die 70er Jahre spielte auch das Staatsschutzrecht eine entscheidende Rolle bei nachzensorischen Aktivitäten. So entbrannte zum Beispiel anlässlich der „Spiegel-Affäre“ 1962 eine Diskussion über „publizistischen Landesverrat“18.

Der Deutsche Presserat, eine Vereinigung von Verleger- und Journalistenverbänden, stellt heute die Richtlinien für die Presse auf, ohne jedoch eine Zensur auszuüben.19 Der Jugendschutz und das Recht auf persönliche Ehre sind bei diesen Selbstkontrollmassnahmen die wichtigsten begrenzenden Elemente. Für den Film besteht vergleichbar die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft.

2. Literaturverzeichnis

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[...]


1 Bertelsmann Universal Lexikon in 20 Bde. Bd. 20. Gütersloh 1994, S. 105

2 Düll, Rudolf: Das Zwölftafelgesetz. München 1944, S. 17ff

3 Wilke, Jürgen: Pressefreiheit. (Wege der Forschung, Band 625). Darmstadt 1984, S. 3

4 Bollinger, Ernst: Pressegeschichte I. 1500 - 1800 Das Zeitalter der allmächtigen Zensur. Freiburg / Schweiz 1995. Zur Einf.

5 Rest, J.: Die erste allgemeine päpstliche Zensurordnung. In: Zentralblatt f. Bibliothekswesen XXXI (1914) S. 68

6 Wilke, 1984, S. 4

7 Vgl. Lindemann, Margot: Deutsche Presse bis 1815 (= Geschichte der deutschen Presse T. 1). Berlin 1969.

8 bis Aug. 1792, Proklamation der Jakobinischen Republik

9 Bollinger, 1995, S. 123ff

10 Vgl. Bollinger, 1995, S. 131

11 Gründung Jan. 1871

12 Vgl. Häntzschel, Kurt: Reichspressgesetz und die wichtigsten pressrechtlichen Vorschriften des Reiches und der Länder. Berlin 1927

13 Vgl. Wilke, 1984, S. 31

14 Fischer, Heinz-Dietrich (Hrsg.): Pressekonzentration und Zensurpraxis im Ersten Weltkrieg. Berlin 1973. Kurt Koszyk: Entwicklung der Kommunikationskontrolle zwischen 1914 und 1918. S. 152-188.

15 Petersen, Klaus: Zensur in der Weimarer Republik. Stuttgart/Weimar 1995. S. 5

16 Wilke, 1984, S. 35

17 u.a. Gesetzgebung zum Jugendschutz aus dem Jahr 1953

18 Vgl. Fuss, Ernst-Werner: Pressefreiheit und Geheimnisschutz. In: NJW 15 (1962). S. 2225-2228.

19 Vgl. International Press Institute (Hrsg.): Press Councils and Press Codes. 2. Aufl. Zürich 1962

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Details

Titel
Geschichte der Zensur
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Veranstaltung
Proseminar Medienkunde
Note
angenommen
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V105194
Dateigröße
336 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kurz aber präzise. Recht ausführliches Literaturverzeichnis!
Schlagworte
Geschichte, Zensur, Proseminar, Medienkunde
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MA Erik Thiel (Autor), 2001, Geschichte der Zensur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105194

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