Eine Betrachtung des deutschen Zeitungsmarktes


Hausarbeit, 2003

42 Seiten, Note: noch keine Notenvergabe


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Zeitung
2.2 Messgrößen
2.3 Konzentration

3 Das Pressewesen
3.1 Politische Funktion der Presse
3.2 Wahrung der Pressevielfalt

4 Konzentrationsprozesse 2002
4.1 Gesamtauflage
4.2 Aktuelle Konzentrationsentwicklungen
4.3 Die zehn größten Verlagsgruppen in Deutschland
4.3.1. Axel Springer-Verlag AG
4.3.2. Verlagsgruppe WAZ, Essen
4.3.3. Verlagsgruppe Stuttgarter Zeitung/Die Rheinpfalz/Südwest Presse, Ulm
4.3.4. Verlagsgruppe DuMont-Schauberg, Köln
4.3.5. Ippen-Gruppe
4.3.6. Holtzbrinck, Stuttgart
4.3.7. Frankfurter Allgemeine Zeitung
4.3.8. Gruner + Jahr, Hamburg
4.3.9. Süddeutsche Zeitung, München
4.3.10. Madsack, Hannover

5 Konzentrationsbewegungen
5.1 Ökonomische Aspekte
5.1.1 Ursachen
5.1.2 Folgen

6 Ausblick

Literatur

1 Einleitung

In der Bundesrepublik herrscht Pressefreiheit. Die Presse ist vom Staat unabhängig. Eine große Vielfalt an Tageszeitungen erlaubt es den Bundesbürgern sich umfassend zu informieren. Soweit die Theorie, aber wie sieht der Zeitungsmarkt 2002 tatsächlich aus?

Mit rund 350 Tageszeitungen ist die Presselandschaft in Deutschland durch eine außerordentliche publizistische Vielfalt geprägt. Ungeachtet des erheblich erweiterten Medienangebotes seit Mitte der 80er Jahre durch Privatfernsehen und Internet stellen die deutschen Tageszeitungen mit knapp 23,3 Millionen Exemplaren den mit Abstand größten Tageszeitungsmarkt in West-Europa.

Die aktuelle Studie über den Zeitungsmarkt 2002 titelt: Wirtschaftliche Krise und steigende Konzentration. Was verbirgt sich also hinter der viel zitierten großen Zeitungskrise ? Jammern auf hohem Niveau?

Im Folgenden werde ich zunächst einige Begrifflichkeiten erläutern, die für die Betrachtung des Zeitungsmarktes relevant sind. Im 2. Kapitel meiner Arbeit werden die politischen Funktionen der Deutschen Presse und die staatlichen Mechanismen zur Wahrung der Pressevielfalt thematisiert. Daran anschließend werde ich auf die aktuelle Situation auf dem deutschen Zeitungsmarkt näher eingehen und anhand der zehn größten Verlage Auflagen-, Umsatzentwicklungen und Medienverflechtungen darstellen. Abschließend werde ich die Konzentrationsprozesse unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten, deren Ursachen und Folgen aufzuzeigen und versuchen mögliche Lösungsansätze aus der Krise zu skizzieren.

2 Begriffsklärungen

2.1 Zeitung

Als Zeitung wird heute eine Publikation bezeichnet, die vier Unterscheidungskriterien nach Groth[1] aufweist: Periodizität, Grad der Aktualität, Universalität und Publizität. Periodizität bezeichnet die Erscheinungsweise der Publikation. Nach Walter J. Schütz kann eine Publikation nur als Zeitung charakterisiert werden, die mindestens zweimal pro Woche erscheint (Schütz 2001a: 602). Der Grad der Aktualität ist bei einer Tageszeitung auf das Gegenwartsgeschehen bezogen, im Gegensatz dazu ist der Grad der Aktualität bei einer Zeitschrift kein wesentliches Charakteristikum. Universalität steht für das Breite Themenspektrums in Zeitungen. Die allgemeine öffentliche Zugänglichkeit bezeichnet das Kriterium Publizität. Pürer führt ein weiteres Kriterium an: Disponibilität, die Eigenschaft der Zeitung unabhängig von Ort und Zeit genutzt zu werden (Pürer 1994: 25).

Wochenzeitungen und Anzeigenblätter zählen nach dieser Definition zur Kategorie der Zeitschriften, da sie nicht das Kriterium der Periodizität nach Groth erfüllen.

Entsprechend dem Verbreitungsbiet können lokale, regionale und überregionale Zeitungen unterschieden werden. Man spricht von überregionalen Zeitungen, wenn 15 % der Zeitungsauflage überregional vertrieben wird. Reicht das Verbreitungsgebiet über eine Mittel- oder Großstadt hinaus, bezeichnet man eine Zeitung als regional, wie beispielsweise die Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

2.2 Messgrößen

Bevor auf die Konzentrationsvorgänge auf dem Pressemarkt eingegangen werden kann, müssen pressespezifische Termini der Tageszeitung erläutert werden. Statistiken des deutschen Zeitungsmarktes werden mit Hilfe unterschiedlicher Größen beschrieben, die wichtigsten sind: Zeitungsdichte, Reichweite, Auflage, Vertriebsart und Verbreitungsgebiet. Zeitungsdichte bezeichnet das Verhältnis zwischen Zeitungsexemplaren und Einwohnern einer Region. Die hohe Zeitungsdichte in Deutschland besagt, dass vergleichsweise viele Zeitungsexemplare die Bundesbürger erreichen. Folgende Grafik zeigt die Zeitungsdichte im Auslandsvergleich. Deutschland steht in diesem Vergleich hinter Japan, der Schweiz und England an vierter Stelle mit 371 Tageszeitungsexemplaren je 1000 Einwohner im Jahr 2001.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BDZV Jahrbuch Zeitungen 2002: 491

Eine hohe Zeitungsdichte sagt jedoch noch nichts hinsichtlich der Pressevielfalt aus und in wieweit es Pressekonzentrationen gibt. Unter Reichweite versteht man den Anteil der Zielpersonen, die durch ein Exemplar erreicht werden (Löffler 1999: 365). Auflage bezeichnet die Anzahl der hergestellten Exemplare einer Druckauflage (Löffler 1999: 290).

Auf welchem Distributionsweg eine Zeitung ihren Leser erreicht, wird mit der Vertriebsart angegeben. Diesbezüglich kann man die Tagespresse in Abonnementzeitungen und Straßenverkaufspresse unterteilen. Erstere dominiert auf dem Markt der deutschen Tagespresse. Dies gilt insbesondere für die regional und lokal vertriebenen Zeitungen. Die regionale Abonnementzeitung ist sehr beliebt, da sie den Leser über das aktuelle Zeitgeschehen in seiner unmittelbaren Umgebung informiert.

Ein Verbreitungsgebiet gibt die Region an, in der eine Zeitung vertrieben wird. Von der Zeitungs-Marketing Gesellschaft in Frankfurt wird regelmäßig eine Verbreitungsanalyse herausgegeben, welche die Verbreitung von Tageszeitungen auf Basis von Gemeinden in Deutschland erfasst (Löffler 1999: 385).

2.3 Konzentration

In der Wirtschaft beschreibt Konzentration die Zusammenballung ökonomischer Größen. Im Einzelnen können diese auf Betriebs-, Unternehmens-, Einkommens-, Verfügungsmacht- und Standortkonzentrationen bezogen werden. Neben den ökonomischen Faktoren ist bei der Konzentration auf dem Pressemarkt die Verdichtung publizistischer Elemente wesentlich. Pressekonzentration kann demnach als „(…) die Zusammenballung ökonomischer und publizistischer Faktoren, die bei der Herstellung, Verbreitung und Wirkung der Zeitungen eine gewisse Bedeutung erlagen“ (Diekel 1999: 33) definiert werden.

Nach Schütz können Konzentrationsprozesse auf dem Zeitungsmarkt anhand der Kriterien: Ausgaben, Verlage als Herausgeber und Publizistische Einheiten bestimmt werden. Als Ausgabe bezeichnet man die kleinsten pressestatistischen Einheiten. Die Besitzverhältnisse werden mit der Kategorie Verlage als Herausgeber benannt. Das Impressum einer Zeitung gibt über die Verlagsstuktur Auskunft.

Konzentration als Prozess kann in verschiedene Formen unterteilt und unterschiedene werden:

Im Bereich der Lokalpresse spricht man von Lokalkonzentration, wenn das Verbreitungsgebiet einer lokalen oder regionalen Tageszeitung wächst. Auflagenkonzentration liegt vor, wenn zunehmende Vereinigungen der Auflagen- (oder Reichweiten-) Anteile bei einer Publikation verzeichnet werden. Wenn immer weniger Verlage hinter den Tageszeitungen stehen, spricht man von Verlagskonzentration. Publizistische Konzentration bezeichnet die rückläufige Anzahl der Vollredaktionen, wenn Publizistische Einheiten durch Zusammenlegung oder Einstellung der Publikationen zurück gehen (Tonnemacher 1996: 95f.).

Folgende Grafik zeigt in einer Übersicht Formen der Pressekonzentration auf dem Tageszeitungsmarkt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: K.P. Kisker et a. 1979: 54

Nach Richtung der Konzentration können horizontale, vertikale und diagonale Konzentration unterschieden werden. Der Zusammenschluss von Unternehmen auf der gleichen Produktionsstufe, beispielsweise zweier Zeitungsverlage, bezeichnet man als horizontale Konzentration. Als vertikale Konzentration bezeichnet man Zusammenschlüsse von Unternehmen, die auf unterschiedlichen Produktionsstufen tätig sind. Hinsichtlich der publizistischen Vielfalt ist der Zusammenschluss eines Verlags mit einem Papierproduzenten (vorgelagerte Produktionsstufe) unproblematisch. Jedoch besteht bei vertikalen Konzentrationen auch die Gefahr, dass Verlagshäuser auf den Handel und deren Vertriebsnetz Einfluss nehmen. Unter diagonaler Konzentration versteht man Unternehmenszusammenschlüsse ohne medienwirtschaftliche Synergien (DIEKEL 1999: 35 f.).

Ferner kann zwischen absoluter und relativer Pressekonzentration unterschieden werden: Die Anzahl der selbstständigen Presseunternehmen und publizistischen Einheiten geben den Grad der absoluten Pressekonzentration an. Die relative Pressekonzentration veranschaulicht, wie einflussreich, publizistisch mächtig und wirtschaftlich stark ein Presseunternehmen im Vergleich zu seinen Konkurrenten auf dem Markt ist.

In den jährlich veröffentlichten Daten zur Konzentration der Tagespresse in Deutschland werden unter anderen vier Kriterien der Konzentrationsmessung angegeben:

1. Verlagsgruppen bestehen aus verschiedenen Verlagen, die jeweils mit mindestens 25 % aneinander beteiligt sind. Beim Bundeskartellamt bilden 25 % ebenfalls die Prozentmarke, bei der eine Fusionskontrolle eingeleitet wird.
2. Für die Definition einer Verlagsgruppe wird als erster Schritt der so genannte Mutterverlag bestimmt. Der Mutterverlag steht im Zentrum der Verlagsgruppe, dessen Beteiligungen an anderen Verlagen ab 25 % verleihen diesen den Status eines Tochterverlags.
3. Bei der Berechnung von Marktanteilen werden analog zur Kapitalbeteiligung die Auflagenanteile der Tochterverlage berücksichtigt. Kapitalbeteiligungen ab 79 % fließen in voller Höhe als Auflage des Tochterverlags in die Verlagsgruppe mit ein.
4. Die Kriterien 1. und 2. gelten ebenfalls für die Berechnung der Gesamtauflage einer Verlagsgruppe hinsichtlich der Tochterfirmen: Ist ein Tochterverlag X an der 10.000 Exemplar starken Auflage eines anderen Verlages beteiligt und der Mutterverlag verfügt über 50 % Beteiligung an dem Tochterverlag X, fließen in die Gesamtauflage der Verlagsgruppe 25% - 2.500 Exemplare – von der Beteiligung der Tochterfirma X ein (Röper 2002: 482).

3 Das Pressewesen

3.1 Politische Funktion der Presse

Die politische Funktion der Presse umfasst die Herstellung von Öffentlichkeit, die politische Sozialisations- bzw. Bildungsfunktion sowie die Kritik- und Kontrollfunktion (Burkart 1998: 368). In den Landespressegesetzen werden die öffentlichen Aufgaben der Presse konkretisiert: Sie beschafft und verbreit Nachrichten, nimmt zu den Nachrichten Stellung und kritisiert diese. Schließlich soll die Presse bei der Meinungsbildung mitwirken und einen Beitrag zur Bildung leisten (www.djv.de).

Der lokalen Tageszeitung kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu: Sie ist in der Lage lokale und regionale Ereignissen zu behandeln und damit im politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich einen Diskurs auf einem überschaubaren Gebiet anzuregen (Diekel 1999: 15). Lokalkonzentrationsprozesse bedeuten nicht, dass die Lokalinformationen entfallen, sondern führen zu einer ungenügenden publizistischen Repräsentation verschiedener Meinungen. Einseitige Berichterstattung kann den demokratischen Meinungsbildungsprozess nicht gewährleisten (Diekel 1999: 18). Eine große Zahl selbstständiger Presseerzeugnisse, die nach ihrer Tendenz und politischen Färbung miteinander konkurriert, erfüllt diese politische Funktion in parlamentarischen Demokratien.

Ein vielfältiges Pressewesen soll durch marktwirtschaftliche Konkurrenz realisiert werden. Ständig fortschreitende Konzentrationsprozesse verdeutlichen, dass publizistische Vielfalt ein normativer Anspruch ist, der durch ökonomischen Wettbewerb in der Realität schwierig umzusetzen ist. 1999 wurde bereits in jedem zweiten Kreis/ Kreisstadt nur eine lokale Tageszeitung angeboten (Diekel 1999: 11).

3.2 Wahrung der Pressevielfalt

Um die politische Meinungs- und Willensbildung zu ermöglichen, sind institutionelle Eigenständigkeit und Pressevielfalt wichtige Faktoren. Seit der zweiten Hälfte der 50er Jahre ist eine starke Konzentration auf dem Pressemarkt zu beobachten. Der konservative Springerkonzern brachte Mitte der 50er Jahre bereits ein Drittel aller in Deutschland verkauften Zeitungen heraus. Insbesondere mit dem Titel der Bild-Zeitung, der 1952 erstmals verlegt wurde, schien sich ein Meinungsmonopol der Springerpresse herauszukristallisieren.

[...]


[1] Dieser formale Zeitungsbegriff umfasst allerdings alle Massenmedien. Auch Radio und Fernsehen lassen sich mit diesen vier Kriterien beschreiben. In der "Münchner Schule der Zeitungswissenschaft", der dieser Zeitungsbegriff entwachsen ist, wird die Zeitung als "geformte Gesamtidee" betrachtet, d.h. der Begriff "Zeitung" soll im ursprünglichen Wortsinn den Vorgang beschreiben, der der Massenkommunikation zu Grunde liegt, nämlich die aktuelle gesellschaftliche Kommunikation, das "Zeitgespräch der Gesellschaft"( http://www.riefler.net).

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Eine Betrachtung des deutschen Zeitungsmarktes
Hochschule
Universität Erfurt  (Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Aspekte politischer Kommunikation
Note
noch keine Notenvergabe
Autor
Jahr
2003
Seiten
42
Katalognummer
V10538
ISBN (eBook)
9783638169325
ISBN (Buch)
9783656622451
Dateigröße
1623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitung, Presse, Konzentration
Arbeit zitieren
Nadine Urban (Autor), 2003, Eine Betrachtung des deutschen Zeitungsmarktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10538

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Eine Betrachtung des deutschen Zeitungsmarktes



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden