Morbus Parkinson


Diplomarbeit, 2002
39 Seiten, Note: Sehr gut+

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Gliederung

1. Einführung

1.1. Auswahl und Begründung der Thematik

1.2. Klinisches Bild und Neuropathologie

1.3. Zielsetzung des Pflegeberichts

2. Aufbau der Pflegeplanung

2.1. Zur Auswahl der Heimbewohnerin

2.2. Biographie

2.3. Medikamente

2.4. Darstellung von Anamnese, Problemen, Ressourcen, Zielen, Maßnahmen und Auswertung anhand der AEDL´s nach Krohwinkel

2.4.1. AEDL - Kommunizieren / Orientierung

2.4.2. AEDL - Sich bewegen

2.4.3. AEDL - Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

2.4.4. AEDL - Sich pflegen

2.4.5. AEDL - Essen und Trinken

2.4.6. AEDL - Ausscheiden

2.4.7. AEDL - Sich kleiden

2.4.8. AEDL - Ruhen und Schlafen

2.4.9. AEDL - Sich beschäftigen

2.4.10. AEDL - Sich als Frau fühlen und verhalten

2.4.11. AEDL - Für eine sichere Umgebung sorgen

2.4.12. AEDL - Soziale Bereiche des Lebens sichern

2.4.13. AEDL - Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

3. Persönliche Auswertung und Schlussbetrachtung

4. Quellen

5. Anhang( nicht mehr vorhanden )

1.1. Auswahl und Begründung der Thematik

Ich habe mir für die ganzheitliche Pflegeplanung eine Bewohnerin mit dem Krankheitsbild des Morbus Parkinson ausgesucht. Meinen Schwerpunkt habe auf die Geriatrie gelegt.

Im Laufe meiner Tätigkeit in der Altenpflege, sei es als Pflegehelferin sowie die letzten drei Jahre als Schülerin, habe ich festgestellt dass Bewohner mit M. Parkinson im Allgemeinen selten in der stationären Pflege anzutreffen sind. Gehe ich nun von unserer Einrichtung aus, ist zu erkennen, dass auf einer Station mit ca. 41 Bewohnern durchschnittlich ein bis maximal zwei Bewohner mit dem Krankheitsbild M. Parkinson leben. Die meisten Bewohner sind an verschiedenen Demenzformen; Demenz Alzheimer Typ (DAT), Multi -Infarkt -Demenz (MID), etc., erkrankt. Hinzu kommen Bewohner mit Diabetes mellitus, Apoplex- bzw. Hemiplegiepatienten und auch Bewohner die aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr in der häuslichen Umgebung zurechtkommen. Ich möchte in meinem Pflegebericht deshalb intensiv auf das Krankheitsbild des M. Parkinson eingehen.

M. Parkinson verläuft bei jedem Erkrankten unterschiedlich. Es gibt, wie bei jeder Erkrankung, keine ,,Patentformel" für die Betreuung und die Pflege. Der fachgerechte Umgang mit den Betroffenen ist nur gewährleistet, wenn ich mich, sowie dass ganze Team, mit der Erkrankung auseinandersetze; Dazu benötigen die Pflegenden zwingend Kenntnisse über Ursachen, den Verlauf, medikamentöse Therapie und pflegerische Behandlung dieser Erkrankung. Besonders wichtig ist für den Erkrankten eine gut auf ihn abgestimmte medikamentöse Therapie. Dadurch können seine individuellen Symptome positiv beeinflusst bzw. behandelt und weitestgehend gelindert werden. Zudem ist es bei M. Parkinson Erkrankten von großer Bedeutung durch aktivierende Maßnahmen auf die Symptome einzuwirken und u.a. durch gezielte Übungen, Gymnastik, etc., Erleichterung zu verschaffen und die Selbständigkeit sowie die Bewegungen so lange wie möglich zu erhalten.

Mit meinem Pflegebericht möchte ich unter anderem deutlich machen, dass M. Parkinson von einer DAT abzugrenzen ist. Ein Mensch mit M. Parkinson ist selten in seinen kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt; im Gegensatz zu einem Menschen der an DAT erkrankt ist, unaufhaltsam fortschreitend seine kognitiven Fähigkeiten und im weiteren Verlauf den Bezug zu seiner Umwelt und auch zu sich verliert. Der M. Parkinson Erkrankte erlebt den Verlust seiner motorischen Fähigkeiten bei uneingeschränktem Bewusstsein, für ihn spürbar, mit. Und das meistens bis zu seinem Tod, wenn M. Parkinson die alleinige Erkrankung ist.

1.2. Klinisches Bild und Neuropathologie

Der englische ArztJames Parkinson(1755-1824) veröffentlichte 1817 seine Monographie,,An Essay on the Shaking Palsy".Er beschrieb die Symptome einer Erkrankung wie folgt:

- Unwillkürlicher Ruhetremor ( Zittern der Extremitäten im Ruhezustand) - Nachlassen der Muskelkraft - Nach vorn über gebeugter Rumpf - Propulsion (Gehstörung mit Tendenz nach vorne zu fallen) - Keine Störung des Bewusstseins und der Intelligenz Er wies darauf hin, dass die Krankheit fast unmerklich beginnt und langsam fortschreitet. Wegen des Zitterns nannte J. Parkinson die Krankheit ,,shaking palsy", was für Schüttellähmung steht. Da James Parkinson die Symptome ausführlich und klar beschrieb, wurde die Krankheit nach ihm benannt.

Die idiopathische (d.h. ohne bekannte Ursache) Form des M. Parkinson zählt zu den weltweit häufigsten neurologischen (die Nerven betreffend) Erkrankungen und trifft etwa 2% der Gesamtbevölkerung. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. M. Parkinson ist eine degenerative Erkrankung des Extrapyramidal (außerhalb der Pyramidenbahn gelegen) -motorischen-Systems kurz ESP, und zwar der Basal- oder Stammganglien (Anhäufungen von Nervenzellen, die die Summe der automatischen Bewegungen -Gehen, Laufen, Springen, Schwimmen -und die aufrechte Körperhaltung steuern). Es handelt sich um einen selektiven (abtrennend), progredienten (fortschreitend) Untergang von melaninhaltigen Dopamin- produzierenden Neuronen (Nervenzellen) im Nucleus niger (schwarzer Kern) mit konsekutivem Dopaminmangel in den Stammganglien. Durch den Mangel an Dopamin kommt es zu einem relativen Acetylcholinüberschuss. Zudem zeigt sich in einigen Regionen des Hirnstammes ein Serotonin- und Noradrenalinmangel. Diese genannten Stoffe dienen als Überträgerstoffe, sog. Neurotransmitter, um Reize zwischen den Nerven weiterzuleiten. Sind diese Neurotransmitter nicht ausreichend vorhanden, kommt es zu massiven Einschränkungen, hier im Bereich der Motorik, sowie im psychischen, sensorischen und vegetativen Bereich.

Neben den drei KardinalsymptomenRigor(Muskelsteifheit, Rigidität),Ruhetremor(rhythmisches Schütteln von Armen und Beinen) undAkinese(allgemeine Bewegungsarmut, auch Bradykinese oder Hypokinese genannt) kommt es auch zu einer Störung der Stellreflexe: Die Bewegungen des Erkrankten sind gebunden, die Haltung vorne über gebeugt, der Gang kleinschrittrig, die Wende mit Zwischenschritten, und der Stand oft unsicher, einhergehend mit erhöhter Fallneigung. Neben Hypomimie (herabgesetzte mimische Bewegungen) fällt auch oft eine leise, wenig modulierte Sprache auf. Es zeigen sich phasenhaft niedergedrückte Stimmung, Angst und Unlust, Schlafstörungen, Störungen im Temperaturempfinden, Schweißausbrüche, vermehrte Talgproduktion mit Bildung eines salbenartigen Gesichtsausdruck (Hyperseborrhö), vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation), Maskengesicht (Amimie), Bradyphrenie (geistige Verlangsamung).

1.3. Zielsetzung des Pflegeberichts

Ganzheitliche, personenbezogene Pflege durchzuführen heißt den Menschen als Individuum zu sehen und zu respektieren;

Der Mensch wird als Ganzes betrachtet und nicht nur auf die Diagnose reduziert. Pflege nach dem ganzheitlichen Menschenbild heißt; körperliche, soziale und geistige Bedürfnisse des Heimbewohners zu erkennen und zu berücksichtigen um sie in die Pflege mit einzubringen. Der Begriff ,,Pflegeprozess" macht deutlich, dass die Pflege eines Menschen ein lebendiger Vorgang ist, innerhalb dessen systematisch erfasst und gepflegt wird. Die Pflegeplanung ist ein Instrument um Pflege individuell zu planen. Durch die Pflegeplanung wird sichergestellt dass alle Pflegekräfte ein Ziel verfolgen und die Pflege individuell und gleich bleibend auf den Bewohner abgestimmt und von den Pflegenden ausgeführt wird.

Das Rahmenkonzept der Planung stellen dievier Metaparadigmendar:

Person(Mensch): Person meint in erster Linie den Pflegebedürftigen, schließt den Pflegenden aber mit ein; Der Person gilt das zentrale Interesse der Pflege. Der Mensch wird in einem ganzheitlichen Sinn gesehen, als ,,einheitliches, integrales Ganzes, das mehr und anders ist als die Summe seiner Teile, mit seiner Identität und Integrität(Rogers, 1970).

Umgebung(Umwelt): In der ganzheitlichen Sicht ist die Umgebung ein wesentlicher Faktor mit Einfluss auf das Leben, die Gesundheit und das Wohlbefinden. Mensch und Umgebung sind sich wechselseitig beeinflussende Systeme. Zur Umgebung zählen neben allen Lebewesen auch ökologische, physikalische, materielle und gesellschaftliche Faktoren

Gesundheit: Krohwinkel definiert Gesundheit und Krankheit als dynamischen Prozess (nicht als Zustand). Zentrale Gesichtspunkte sind dabei- in Anlehnung an die WHO (World Health Organisation)- Definition- Wohlbefinden und Unabhängigkeit als subjektiv empfundene Teile der Gesundheit.

Pflege(Pflegerischer Handlungsprozess): Er baut auf den Bedürfnissen/ Problemen und insbesondere den Fähigkeiten des pflegebedürftigen Menschen auf und bezieht deren Auswirkungen auf Unabhängigkeit und Wohlbefinden ein. Die Bedürfnisse und Fähigkeiten sind ganzheitlich zu sehen und können nicht in physisch- funktional, willentlich- emotional, kulturell oder sozial aufgespaltet werden, ohne die Zugehörigkeit auch zu den anderen Kategorien zu sehen.

Unter Berücksichtigung der Metaparadigmen dienen zur Strukturierung die AEDL´s (Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens).

Anhand der einzelnen AEDL´s werden die verschiedenen ,,Aktivitäten" des Lebens genau definiert und betrachtet und Probleme und Ressourcen können sichtbar gemacht werden. Die ,,Aktivitäten" sind nicht starr für sich zu sehen, sondern ineinander übergreifend, und dürfen lediglich zur Beschreibung getrennt gesehen werden.

,,Das Ziel des Planens ist; zu verhindern, dass die erkannten möglichen Probleme zu tatsächlichen werden; bestehende Probleme zu lösen; die nicht lösbaren womöglich zu lindern und dem Bewohner zu helfen, mit den Problemen fertig zu werden, die weder gelindert noch gelöst werden können."( N. Roper 1987)

Mein Ziel ist es, mein theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen um so den individuellen Bedürfnissen von Frau D. gerecht zu werden, sie zu unterstützen wo es notwendig ist und ihre Selbständigkeit zu fördern, zu erhalten und soweit wie möglich wieder herzustellen. Es ist mir wichtig, mein Handeln in der Praxis durch mein theoretisches Wissen unterstützen und begründen zu können.

2.1. Zur Auswahl der Heimbewohnerin

Wie bereits unter Punkt 1.1. habe ich eine Bewohnerin mit M. Parkinson ausgewählt. Ihre Erkrankung zeigt sich als Rigor- Akinese- Dominanztyp. Ich habe bereits während meiner Jugendzeit im Alter von 13 Jahren die ersten Erfahrungen mit dieser Krankheit familienintern gemacht. Seither habe ich großes Interesse mich mit M. Parkinson auseinender zu setzen. Meine ausgewählte Bewohnerin heißt Frau D. und ist seit August 2001 in unserer Einrichtung auf der behütenden Station Wohnbereich ,,X.". Frau D. weiß, dass sie in einem Seniorenheim ist, auch dass sie auf einer behütenden Station lebt. Sie hat sich sehr gut eingelebt und fühlt sich nach eigener Aussage wohl in unserem Haus. Frau D. hat keinen Betreuer. Ihre Angelegenheiten regelt sie derzeit alleine. Sie ist aus eigenem Willen auf unserer behütenden Station.

Ihre Angehörigen, Sohn und Tochter, habe ich vor Beginn meiner Arbeit mit Frau D. über mein Vorhaben informiert. Die Tochter war sehr begeistert und bat mir sofort ihre Unterstützung, wenn nötig, an. Der Sohn konnte sich mit meinem Vorhaben nicht anfreunden und zeigte sich unkooperativ und uninteressiert, dem gesamten Team steht der Sohn überwiegend desinteressiert gegenüber. Aus Gesprächen mit der Tochter wird deutlich, dass der Sohn für die Mutter die Hauptperson in der Familie war bzw. auch noch ist. Das Verhältnis zwischen Frau D. und ihrer Tochter ist im Gegensatz zum Verhältnis Mutter - Sohn eher zwiespältig. Durch die Tochter sind mir familiäre Einzelheiten bekannt, die ich im Rahmen meines Berichtes nicht näher erläutern möchte. Wegen diesen Gegebenheiten habe ich auf nähere Zusammenarbeit mit dem Sohn verzichtet.

Frau D. ist eine sehr interessante Frau, nicht nur in Hinsicht auf ihre Biographie; Sie ist eine aufgeschlossene und meist fröhliche Frau. Sie zeigt sich entscheidungsfreudig und Konsequent in ihren Gedanken und ihrem Handeln. Frau D. äußert ihre Wünsche und Abneigungen deutlich. Sie zeigt je nach Tagesform großes Interesse am Tagesablauf der Station. Sie erzählt gerne aus verschiedenen Bereichen ihrer Vergangenheit, macht aber auch deutlich worüber sie nicht sprechen möchte. Unsrer Zusammenarbeit schaute sie mit Interesse und Begeisterung entgegen.

2.2. Biographie

Frau E.D., geboren M., wurde am 04.12.1926 in Betzdorf geboren. Sie wuchs als jüngstes Kind mit ihrem Bruder R., geboren am 24.01.1922, Ihrer Mutter Th.M., geborene St. am 21.12.1890, und ihrem Vater N.M., geboren am 31.01.1890, im Haus der Eltern auf.

Ihr Vater war Lehrer an der Volkschule und unterrichtete Geschichte. Ihre Mutter war Hausfrau.

Sie hatte wie ihr Bruder ein eigenes Zimmer und verlebte eine sehr glückliche Kindheit. Die Erziehung empfand sie als liberal, aber doch sehr streng. Die Eltern waren sehr liebevoll, legten jedoch hohen Wert auf ein ,,sehr stark betontes katholisches Familienleben". Jeden Sonntag besuchte die Familie den Gottesdienst.

Frau D. spielte gerne mit ihren ,,Kinderfreunden" in der freien Natur, malte und las gerne. All ihre Spielsachen, so sagt sie, passten in die Schublade des elterlichen Küchentischs.

Aufklärung gab es nicht; keinerlei schriftliche Information, auch von Seiten der Eltern nicht. Frau D. sagt, dass sie bis zu ihrem 18. Lebensjahr keine ,,Liebesfreundschaften" gehabt habe und dass die Aufklärung von selbst kam. Während Frau D. dies erzählt, lächelt sie und zwinkert mir mit dem Auge zu.

1932 kam Frau D. in die Schule. Sie besuchte vier Jahre die Volksschule. Anschließend ging sie zum Gymnasium; vier Jahre in Betzdorf und vier weitere Jahre in Siegen. 1938 wurde ihr Bruder R. eingezogen. Er war von 1938 - 1942 beim Russlandfeldzug dabei. Er fiel 1942 im Krieg. Darüber spricht Frau D. nicht weiter. Frau D. wohnte während des Krieges bei den Eltern und besuchte zudem den ,,Bund deutscher Mädchen". Sie empfand diese Zeit ,,ohne Begeisterung".

Nach Ende der Schulzeit trat Frau D. ihr 7-Jähriges Studium an. Sie studierte Fremdsprachen an der Uni Mainz und machte im September 1951 ihren Abschluss als Diplom- Dolmetscherin. Ihr Studium beinhaltete die Sprachen Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch. Während des Studiums verbrachte sie zwei Semester in Frankreich/ Toulouse, was ihr durch ein Stipendium ermöglicht wurde, und ein Sommersemester in Portugal/ Santarém. Begleitend zu ihrem Studium machte Frau D. ein Fernstudium in Italienisch, welches sie mit Zertifikat erfolgreich abschloss. Anfang September 1951 lernte sie auf der Zugfahrt nach Mainz ihren zukünftigen Mann O. D., geboren am 28.05.1924, kennen. Er war auf dem Weg zur Uni Mainz um sich dort für ein Studium einschreiben zu lassen. Er wurde allerdings nicht angenommen. So studierte er Brückenbau in Trier.

Frau D. arbeitete ab dem 10.09.1951 als Angestellte bei der französischen Kommandantur, Direktion für leitende Stellen im Bauwesen. Ihr Aufgabebereich beinhaltete das Dolmetschen, Übersetzen von Briefverkehr und Firmenankündigungen.

Am 14.08.1957 heiratete Frau D. ihren Mann standesamtlich, am 15.08.1957 fand die kirchliche Trauung statt. Sie lebten zu der Zeit in einer Mietwohnung in Montabaur.

Frau D. ´s Vater verstarb 1960 an Krebs. Weitere Angaben möchte Frau D. nicht machen.

Im Dezember 1965 adoptierten Frau D. und ihr Mann ihren Sohn N., geboren am 06.09.1965 in Köln. Frau D. blieb seither als Hausfrau und Mutter zuhause in Montabaur. Ihr Mann arbeitet als Bauingenieur den ganzen Tag und kam abends nach Hause. Im März 1968 zogen sie nach Koblenz/Karthause in ihr eigenes Haus. Zeitgleich mit dem Umzug wurde die Tochter S., geboren am 19.10.1967 in Frankfurt, adoptiert. (Frau D. möchte keine Angaben zu den Adoptionen machen). Auch mit ihren Kindern haben Herr und Frau D. nie offen über die Adoption gesprochen, so die Tochter.

Frau D. war, nach Aussagen der Tochter, sehr auf den Sohn bezogen. Ihre Tochter wurde streng behütet und auch streng erzogen. Frau D. war der führende Part der Eltern. Beide Kinder sollten Abitur machen und studieren. Dem widersetzte sich die Tochter, was zu ständigen Reibereien zwischen Mutter und Tochter führte. Dies macht sich auch heute noch bemerkbar.

Herr D. war ein lebensfroher Mann mit großem Durst...auf Wein, so beschreibt Frau D. ihren Mann und lacht dabei. Er ging diversen Hobbys nach; mittwochs und freitags Tischtennisverein, mittwochs Sauna und montags Skatabend, die Frau D. nicht mit ihm teilte. Sie blieb fast immer zuhause. Auch an den Semestertreffen, die alle fünf und ab 1985 alle zwei Jahre stattfanden, nahm Frau D. so gut wie nie teil.

1975 verstarb die Mutter von Frau D., auch hierzu möchte sie keine Angaben machen.

1986 zog der Sohn von zuhause aus nach Herdecke. 1988 zog die Tochter aus dem Elternhaus aus. Sie blieb in Koblenz und zog zu ihrem damaligen Freund, den sie auch geheiratet hat. Zu diesem Zeitpunkt konnte bereits der Tremor beobachtet werden, berichtet die Tochter.

Frau D. besuchte nie einen Arzt, auch als sich die Symptome Tremor und Rigor verstärkt zeigten. Auch gutes zureden der Familie blieb ohne Erfolg. Herr D., ihr Mann, hatte einen Bekannten, der Arzt ist und auch heute noch praktiziert. Ihn lud er als guten Bekannten getarnt sonntags zum Kaffee ein, damit er sich Frau D. mal ansehen konnte. Mit viel Gefühl und Überzeugungsarbeit konnte er Frau D. schließlich dazu überreden zu ihm in die Praxis nach Mülheim-Kärlich zu kommen. Die Diagnose war M. Parkinson.

Frau D. beschreibt die Krankheitsentstehung anders; Richtig bewusst habe sie die Krankheit 1990 bei einer Pilgerfahrt/Informationsreise nach Rom/Lourdes erlebt. Sie war mit ihrer Cousine dort. Als sie alles zusammen beim Mittagessen saßen, war Frau D. nicht in der Lage das Fleisch zu schneiden, sie sei zu schwach gewesen. Außerdem habe ihre rechte Hand gezittert. Die Cousine schnitt ihr das Fleisch. Das anfängliche Zittern habe sie auf ihr Alter geschoben, sei ja nichts Ungewöhnliches. Und sie habe sich ja nicht krank gefühlt, deshalb hätte sie auch nicht zum Arzt gemusst. Sie wäre damit gut zurechtgekommen, sagt sie. Nachdem sie längere Zeit in Mülheim-Kärlich bei dem Arzt in Behandlung war, überwies dieser sie zu einem Spezialisten nach Ahrweiler. 1992 wechselte sie dann zu einem Arzt in Koblenz. Anfang 2001 hielt er es für Zweckmäßig dass Frau D. zur medikamentösen Einstellung in ein Krankenhaus ginge. Es sollte ihr erster Krankenhaus Aufenthalt sein. Mit Widerwillen ließ sich Frau D. in die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach einweisen.

Während der ganzen Zeit kümmerte sich Herr D. fürsorglich um seine Frau. Sie blieben im eigenen Haus auf der Karthause. Herr D. hatte bis auf eine Hüft-OP keine Erkrankungen und war bis kurz vor seinem Tod am 26.08.2001 sehr agil. Lt. Frau D. starb ihr Mann an Krebs,,,es ging ganz schnell",sagt Frau D. Herr D. lag ab Mai 2001 immer wieder im Krankenhaus. Aus diesem Grund kam Frau D. Mitte Mai zur Kurzzeitpflege in die de Haye´schen Stiftung. Hier wollte sie aber nicht bleiben und lief immer wieder von dort fort, zurück zu ihrem Haus auf der Karthause. Nach drei Tagen Kurzzeitpflege zog Frau D. zu ihrer Tochter. Zwar habe die Tochter alles Erdenkliche versucht, konnte aber ihrer Mutter nicht gerecht werden. ,,Sie hielt uns alle Tag und Nacht auf Trapp", erzählt die Tochter.

So zog Frau D. im Juni 2001 in das Blindenaltenheim in Koblenz. Sie zeigte sich dort sehr auffällig durch eine ausgeprägte Weglauftendenz, da der Heimaufenthalt nicht akzeptiert wurde. Aufgrund einer ausgeprägten Weglauftendenz kam Frau D. im August 2001 zu uns in die Senioren-Stätte Wohnbereich ,,X.", eine behütende Station im geronto-psychatrischen Bereich.

Anfänglich war Frau D. mit ihrer neuen Umgebung alles andere als zufrieden. Sie neigte zu akuten Verwirrtheitszuständen und wollte des Öfteren nach Hause. Durch wiederkehrende Erklärungen und ruhiges Reden gewöhnte sich Frau D. an unsere Station.

Nach intensiver Untersuchung durch einen Facharzt für Psychiatrie wurde eine Medikamentenänderung angeordnet. Innerhalb einer Woche zeigten sich Veränderungen zum Positiven bei Frau D. Sie wurde ruhiger und ausgeglichener. Die Verwirrtheitszustände ließen nach. Und auch mit ihrem Heimaufenthalt kam sie mit der Zeit besser zurecht. Mittlerweile hat sich Frau D. sehr gut eingelebt und in die Gruppe integriert.

2.3. Medikamente

Frau D. ist medikamentös sehr gut eingestellt. Zwar bekommt sie zur Reduktion der Nebenwirkungen ein anderes Präparat, welches aber die Wirkung des Parkinson - Medikamentes auch verlängert. Frau D. erhält folgende Medikamente nach ärztlicher Anordnung:

Levodopa- ratiopharm comp. 200/50

Dopaminagonist mit Decarboxylasehemmer (eine Tablette enthält Levodopa 200mg und 54mg Carbidopa- Monohydrat ( entspricht 50mg Carbidopa)). 90% des zugeführten L- Dopa werden ohne Decarboxylasehemmer bereits im Gewebe umgewandelt und gelangen so nicht bis in das Gehirn. Durch Carpidopa als Decarboxylasehemmer ist eine enorme Dosisreduzierung und eine verbesserte Verträglichkeit möglich. Bei Akinese das Mittel der Wahl. Bei mehrjähriger Behandlung kommt es zu Schwankungen der Wirksamkeit (,,End of dose-Akinese, ,,On-Off-Phänomene").

Nacom 100

Dopaminagonist und Decarboxylasehemmer (eine Tablette enthält Levodopa 100mg und 27mg Carbidopa 1 H2O (entspricht 25mg Carbidopa)). Als Zusatzbehandlung von M. Parkinson bei Patienten, bei denen unter Behandlung mit Levodopa in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer oder Levodopa alleine Phasen der Beweglichkeit abwechselnd mit Phasen der Unbeweglichkeit auftraten.

Nacom 100 Retard

Siehe Narcom 100 nur als Retardpräparat mit verzögertem Wirkungseintritt und längerer Wirkungsdauer.

Parkotil 0,25

Dopaminagonist für die Zusatzbehandlung des M. Parkinson mit Levodopa oder Levodopa/ Decarboxylasehemmer (eine Tablette enthält 0,326mg Pergolidmesilat (entspricht 0,25mg Pergolid)). Stimulieen direkt prä- und postsynaptische Dopamin- Rezeptoren, die D1- und D2- Rezeptoren (,,Ahmen" Dopamin nach, Stimulation des Rezeptors). Bewirkt eine Reduktion der Levodopa- Nebenwirkungen und verlängert die Wirkung des Levodopa.

Oxazepam AL 10

Wirkstoff Oxazepam 10mg aus der Gruppe der Benzodiazepine u.a. zur Behandlung von symptomatischen Schlafstörungen.

Kalinor Brausetabletten

Kalium in Form von Brausetabletten zum Auflösen in reichlich Wasser (eine Brausetablette enthält ca. 40 millimol Kaliumsalze (entspricht ca. 40mg Kalium)). Zur Behandlung von Hypokaliämie (erniedrigte K+ - Konzentration im Blut) aufgrund von Anwendung verschiedener Pharmaka und /oder durch Erkrankung. Zur Unterstützung der Muskelarbeit.

Movicol

Mildes osmotisches Abführmittel mit dem Hauptwirkstoff Macrogol 3350 (Polyethylenglykol) 13,125mg um den Stuhl weich zu halten.

Medikamentenplan

Levodopa-ratio. Comp. 200/50: 1 - 1 - 1 - 1

Nacom 100 : 1 ½ ½ ½ ½ ½ -

Nacom 100 retard : - - - - - - 1

Parkotil 0,25 : 1 - 1 - - - -

Oxazepam AL 10 : - - - - - - 1

Kalinor Brausetbl. : 1 - - - - 1 -

Movicol Btl. : 1 - - - - - -

Die Einnahmezeiten sind um: 8 Uhr, 10 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr, 18 Uhr und 20 Uhr. 2.5.1. AEDL - Kommunizieren

Anamnese:

Frau D. zeigt zeitweise bzw. Tagesformabhängig Wortfindungsstörungen. Sie ist in der Lage die Wörter zu umschreiben, was sie auch macht. Sie spricht leise und monoton. Je nach Tagesform kann sie sich nur schwer bis gar nicht in ihrer Sprache durch Mimik und Gestik unterstützen. Aufgrund medikamentöser Nebenwirkungen zeigen sich bei Frau D. sporadisch und kurzzeitig psychische Phänomene in Form von Halluzinationen und situativer Desorientierung. Frau D. hat ein gestörtes Wärme- und Kälteempfinden, kleidet sich dadurch nicht immer den Außentemperaturen entsprechend. Schmerzen und Unwohlsein teilt Frau D. uneingeschränkt mit.

Ressourcen:

- Bew. merkt und zeigt ihre Sprachstörungen, indem sie die Worte umschreibt die sie sucht - Bew. unterhält sich gerne - Bew. ist gerne in Gesellschaft - Bew. macht Ängste deutlich, geht auf das Pflegepersonal ein und ist zugänglich - Bew. kennt die Nebenwirkungen der Medikamente - Bew. lässt sich durch Gespräche beruhigen - Bew. liest und schreibt gerne - Bew. macht deutlich wenn es ihr persönlich zu kalt/warm ist durch an- und auskleiden. - Bew. ist kooperativ

Probleme:

- Bew. zeigt zeitweise Wortfindungsstörungen aufgrund Bradyphrenie (verlangsamte Denkabläufe) - Bew. spricht leise und monoton (Rigor der Gesichtsmuskulatur) - Bew. zeigt zeitweise Unvermögen sich in ihrer Sprache durch Mimik und Gestik zu unterstützen (Akinese, Rigor) - Bew. zeigt zeitweise psychotische Phänomene (Halluzinationen, situative Desorientierung) aufgrund medikamentöser Nebenwirkungen von Levodopa 200/50 bzw. Narcom 100 retard - Bew. hat ein gestörtes Wärme/ Kälteempfinden

Ziele:

- Bew. fühlt sich verstanden - Bew. fühlt sich akzeptiert und angenommen - Bew. kann individuelle Wünsche und Abneigungen äußern - Sprache, Mimik und Gestik soweit wie möglich erhalten - Bew. ist in die Gruppe integriert - Bew. fühlt sich wohl und sicher (angstfrei) - Bew. hat eine strukturierten Tagesablauf - Nebenwirkungen durch angeordnetes Medikament weitestgehend reduzieren - Fähigkeiten erhalten

Maßnahmen und Durchführung:

- Bew. Gespräche anbieten und ermöglichen - Bew. Zeit beim Sprechen geben - Aufmerksames zuhören - Interesse deutlich zeigen durch direkten Blickkontakt im Gespräch - Sprachübungen; Gegenstände benennen lassen, lautes lesen - auf Mimik und Gestik achten

- Gesichtsgymnastik um Gesichtsmuskulatur beweglich zu halten,z.B.:

° rechtes und linkes Auge abwechselnd zukneifen, beide Augen zu,

° Stirn runzeln,

° Nase rümpfen,

° abwechselnd Ober- und Unterlippe aufpusten,

° Mund auf und zu, dabei die Vokale A,E,I,O,U zu Unterstützung sprechen lassen,

° Mundwinkel hochziehen nach rechts und nach links,

° Wangen abwechselnd aufpusten rechts links,

° Zunge rausstrecken.

- durch Gespräche Sicherheit, Ruhe und Vertrauen vermitteln - Kontakte zu Mitbewohnern fördern und erhalten - Bew. auffordern, bewusst und deutlich zu sprechen, nicht ins Wort fallen - Medikamentengabe nach ärztlicher Anordnung - Dokumentation

Auswertung:

Frau D. hat auf die Gesichtsgymnastik anfangs sehr positiv reagiert. Ihre Idee war noch das Lachen und dann einen Spitzmund zu machen mit einzubringen. Besonders gut tat ihr, so sagt sie, dass ich die Übungen immer mit ihr zusammen durchgeführt habe. Nach ca. einer Woche äußerte Frau D. den Wunsch die Übungen zu reduzieren. Das Lachen und Spitzmund- machen, sowie Augen zukneifen und Nase rümpfen war bzw. ist ihr am angenehmsten. Diese Übungen wurden beibehalten. Dass direkte Gegenstände benennen lassen sagte ihr nicht zu, aber das Umschreiben von Gegenständen seitens des Pflegepersonals, damit sie sie erraten konnte, fand großen Anklang bei Frau D. Denn auch sie umschrieb Gegenstände, damit dann raten konnte. So kamen wir auf das Spiel ,,Ich sehe was, was Du nicht siehst". Im Gespräch zeigt sich Frau D. sicher und auf ihren Wortstil bedacht sobald sie Sicherheit und Aufmerksamkeit vermittelt bekommt. Durch zustimmendes Kopf nicken konnte ich mein Interesse unterstreichen. Sie erzählt gerne von ihrem Studium und oft unterhielten wir uns auch über meine Ausbildung, denn Frau D. ist sehr interessiert an den Fächern und Themen der Schule. Während meiner fachpraktischen Erprobung machte eine Abiturientin ein zweiwöchiges Praktikum auf unserer Station. Sie stand kurz vor ihrer Französischprüfung. Frau D. erklärte sich sofort bereit sie mit Rat und Tat zu unterstützen. Sie arbeitete jeden Tag mit Fr K., unserer Praktikantin. Frau D. liest gerne und viel in überwiegend französischen Romanen. Sie mag es wenn man ihr zuhört und sie den Text ins Deutsche übersetzen kann.

Durch die Bradyphrenie zeigen sich bei Frau D., abhängig von ihrer Tagesform, Wortfindungsstörungen. Sie weiß wohl was sie sagen möchte, aber zeitweise ist sie nicht in der Lage das passende Wort einzusetzen und auszusprechen. Dann umschreibt sie es oder macht eine Pause im Gespräch um sich zu sammeln, wie sie selber sagt. Mit viel Zeit und Aufmerksamkeit konnten ich, auch das Team, Frau D. die Unsicherheit im Gespräch nehmen. Es ist auch gut erkennbar, dass Frau D. in Notsituationen in der Lage ist laut und deutlich mitzuteilen was sie möchte. Während der Pflege im Frühdienst hat eine ihrer Mitbewohnerinnen einmal ihren Trinkbecher vom Tisch geworfen und der Boden war nass. Frau D. nahm ein Handtuch und wischte den Boden auf als ich in den Aufenthaltsraum kam. Frau D. teilte mir ganz aufgeregt mit was geschehen war; ohne stocken klar und deutlich.

Auch wenn Frau D. sich etwas vorgenommen hat, sei es dass sie in ihr Zimmer geht oder zum spazieren in den Garten, sie kann in solchen Situationen ihre Sätze klar formulieren. Nur auf direkte Fragen im Gespräch reagiert sie manchmal unsicher und es kommt zu Wortfindungsstörungen. Ich habe gelernt dass es wichtig ist Frau D. langsam an ein neues Thema heranzuführen. Im Gespräch von einem zum andern überzugehen bereitet ihr Schwierigkeiten.

2.4.2. AEDL - Sich bewegen

Anamnese:

Frau D.s Beweglichkeit ist abhängig von ihrer Tagesform. Frau D. läuft selbständig und ohne Hilfsmittel, da sie diese ablehnt. Sie hat eine nach vorne übergebeugte Körperhaltung beim sitzen, stehen und gehen. Frau D. bewegt sich mit kleinschrittrigem, schlurfendem Gang vorwärts und neigt in ihren Bewegungen dazu nach vorne zu schießen (Propulsion). Je nach Tagesform schwingen die Arme kaum oder gut erkennbar mit. Nach längeren Ruhephasen, z.B. am Morgen oder nach der Mittagsruhe, kommt es sporadisch zu Anlaufschwierigkeiten. Zeitweise zeigt Frau D. eine absolute Bewegungsunfähigkeit (Freezing). Frau D. trägt gerne offene Hausschuhe in Form von Birkenstocksandalen. Zeitweise ist Frau D. nicht in der Lage sich nachts vom Rücken auf die Seite zu drehen.

Ressourcen:

- Bew. meldet sich wenn sie Hilfe braucht - Bew. lässt sich in ihrem Gang korrigieren - Bew. hat Freude an Gehübungen und Gymnastik - Bew. geht gerne spazieren - Bew. ist kooperativ - Bew. nutzt die Handläufe auf der Station - Bew. kennt die Wichtigkeit der Medikamenteneinnahme

Probleme:

- Bewegungseinschränkung der willkürlichen Bewegungen - Bew. hat eine nach vorne über gebeugte Körperhaltung (Rigor) - Bew. geht mit kleinschrittrigem, schlurfendem Gang (Rigor und Akinese) - Bew. neigt dazu in ihren Bewegungen nach vorne zu schießen - Bew. zeigt wechselnde Phasen guter und stark eingeschränkter Beweglichkeit (Freezing) - Bew. lehnt Gehhilfen ab - Bew. ignoriert die Wichtigkeit von festem Schuhwerk - Dekubitusgefahr an den Fersen - Bew. lehnt Lagerung in der Nacht ab - Sturzgefahr

Ziele:

- Stürze vermeiden und diesen entgegenwirken - Bew. hat keine Kontrakturen - Beweglichkeit der Gelenke erhalten - Bew. trägt haltgebendes Schuhwerk - Bew. kennt Möglichkeiten ihre Haltung sicher zu ändern - Bew. kennt Lagerungsmöglichkeiten und die Wichtigkeit der Lagerung - Bew. nutzt Gehhilfen - intakte Haut - Fähigkeiten erhalten

Maßnahmen und Durchführung:

-Gymnastik und Gehübungenum die Beweglichkeit zu fördern und zu erhalten, z.B. °Kreisen der Schultern abwechselnd nach vorne und hinten, ° Schultern hoch und ab, ° Schwingen der Arme nach vorne und hinten, ° trockenes Brustschwimmen mit den Armen vor dem Körper, ° auf dem Tisch Klavier spielen, ° im Gang die Füße weit vom Boden abheben (Storchengang), ° langsames Umdrehen aus der Grätsche, dabei Beine nicht kreuzen!,

- Stuhlübungen, z.B. ° aufstehen und wieder hinsetzen dreimal hintereinander, ggf. Hilfestellung geben, ° im sitzen auf der Stelle laufen, ° Beine abwechselnd nach vorne ausstrecken und wieder absetzen, (Wichtig: nach den Übungen die Muskeln lockern durch ausschütteln von armen und Beinen)

- Frau D. wird die Wichtigkeit von festem Schuhwerk erläutert. Zur Auswahl bekommt sie ihre eigenen Turnschuhe sowie ein Paar orthopädische Sandalen mit Riemen. Die Schuhe bekommt sie am Morgen bereit gestellt, ggf. noch mal auf die Wichtigkeit hinweisen. - Medikamentengabe nach ärztlicher Anordnung zu den angegebenen Zeiten mit ausreichend Flüssigkeit - für die Nacht bekommt Frau D. ihre Fellschuhe an - Bew. bekommt die 30° Grad Lagerung gezeigt und erklärt - Bew. bekommt in Rückenlage die Fersen frei gelagert - Bew. in ihren Gang beobachten und ggf. korrigieren - Hilfestellung bei Anlaufschwierigkeiten geben, z.B. ° Hände reichen und vor Frau D herlaufen, mit dem Gesicht zu ihr ° neben Frau D. hergehen und den Arm zum einhaken reichen ° zählen; Eins, Zwei, Drei und LOS als Startwort ° Klatschen als Startzeichen

Auswertung:

Frau D. stand den Gymnastik- und Gehübungen mit großem Interesse gegenüber. Ich habe ihr die einzelnen Übungen vorgemacht und erklärt. Frau D. kennt durch eigene Initiative einige Übungen, nahm meine Vorschläge aber dankbar entgegen. Frau D. macht ihre Übungen täglich nach der Morgentoilette und nachmittags nach dem Kaffee. Sie hat seit dem sie bei uns ist ihre festen Gewohnheiten, was ihre Bewegung angeht. Was ihr besonders zugute kam war das reichen der Hände, wenn sie nach dem aufstehen vom Stuhl nicht sofort loslaufen konnte. Sie greift nach den Handgelenken und macht dann den ersten Schritt. Sie ruft auch wenn sie nicht starten kann und hält dabei die Hände hoch. Zählen als Startkommando sagte ihr gar nicht zu. Ich möchte hier erwähnen, dass ich weit vor und auch weit über diesen Bericht hinaus darauf geachtet habe, dass Frau D. haltgebendes Schuhwerk trägt. Aber sowohl ich und auch das gesamte Team stehen dem eher machtlos gegenüber. Hin und wieder trägt Frau D. geschlossene Schuhe, leider nicht von langer Dauer. Aber sie fühlt sich wohl und sicher mit Ihren Birkenstocksandalen, sagt sie. So habe ich sie nicht weiter intensiv damit konfrontiert. Findet Frau D. ihre Schuhe mal nicht direkt weil sie unter das Bett gerutscht sind und ich komme um sie zu unterstützen, fragt sie mit einem Lächeln: "Sag mal Michaela, Du hast nicht zufällig meine Schuhe gesehen?" Wenn ich sie ihr dann gebe, ist sie immer ganz zufrieden. Gestürzt ist Frau D. bis heute nicht, sie bewegt sich trotz ihre Einschränkungen sehr sicher.

Lagerungen in der Nacht nimmt sie gerne an. Auch hier wurden Kompromisse mit Frau D. getroffen; zur Seitenlagerung möchte sie ein großes Kissen in den Rücken und eins unter das Knie auf die Seite, auf der sie gerade liegt. Anstatt eines Kissens zwischen die Knie, legt sie sich selbst die Bettdecke dazwischen. Auch Fersen frei empfindet sie als recht angenehm. Frau D. hatte im vergangenen Jahr einen Dekubitus an der rechten Ferse. Aus diesem Grund lässt sie auch die Lagerung zu. Mit einem Gehwagen, den ich Frau D. angeboten habe, möchte sie nicht gehen. Eine Begründung hierzu möchte sie nicht äußern. Der Gehwagen steht griffbereit in ihrem Zimmer. Ich habe ihr den Gebrauch erklärt und gezeigt. Sie würde ihn nutzen, wenn sie ihn braucht, so Frau D.

Ich habe mir vom behandelnden Facharzt für Psychiatrie erklären lassen, dass Frau D. aufgrund der Nebenwirkungen von L- Dopa zu sog. psychischen Phänomenen neigt. Diese zeigen sich in Form von situativer Desorientierung und ausgeprägten Ängsten. Um die Nebenwirkungen des L- Dopa weitestgehend zu reduzieren, erhält Frau D. Parkotil 0,25 mg. Laut Arzt wäre eine intensivere Therapie der Nebenwirkungen und der psychischen Phänomene nicht erforderlich. Hierauf möchte ich unter Punkt 2.4 Medikamente näher eingehen.

Frau D. bekommt die Medikamente nach ärztlicher Anordnung durch das Pflegepersonal zu den gegebenen Zeiten gerichtet. Sie kennt die Wichtigkeit der Medikamente und weis, dass die Einnahme wichtig für ihre Bewegungen sind.

Frau D. ist sehr auf die Nähe des Pflegepersonals bedacht. Sie sucht nicht den Körperkontakt, sondern ist im Ganzen ruhiger und ausgeglichener, wenn einer von unserem Team in ihrem Blickfeld ist.

2.4.3 AEDL - Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

Anamnese:

Frau D.s Atemverhalten ist ruhig, weder oberflächlich oder erschwert. Regelmäßige Vitalzeichenkontrollen 1x die Woche zeigen Werte im Bereich des für Frau D. normalen: BZ zwischen 75 - 140 mg/dl, RR zwischen 110/80 - 130/90 mm/Hg, Puls zwischen 60 - 75. Alle vier Wochen bekommt Frau D. von der Ärztin Blut abgenommen wegen möglicher Blutbildveränderungen durch die Medikamente. Frau D. neigt zu abnormem Schwitzen in Form von Schweißausbrüchen.

Ressourcen:

- Bew. legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres - Bew. weiß dass ihre Erkrankung sich auf ihre Atmung auswirken kann - Bew. liest und singt gerne

Problem:

- abnormes Schwitzen

Ziele:

- Bew. trägt keine synthetische Kleidung - Bew. ist gepflegt und fühlt sich wohl - keine Infekte - Atemfunktion fördern und erhalten durch Atemübungen - Fähigkeiten erhalten

Maßnahmen und Durchführung:

Das abnorme Schwitzen gehört mit zu den Sekundärsymptomen des M. Parkinson und kann daher nur reduziert werden. Um das Schwitzen nicht zusätzlich zu fördern, habe ich mein Augenmerk besonders auf angemessene Kleidung gelegt. Hierbei wird stets auf Kleidung aus Baumwolle geachtet, um dafür zu sorgen, dass die Haut frei atmen kann und es nicht zu Hitzestauungen unter der Kleidung kommt; So wäre es bei synthetischer Kleidung der Fall. Bezüglich der Kleidung verweise ich auf AEDL - Sich kleiden. Zudem haben ich sowie das ganze Team darauf geachtet, dass Frau D. den Außentemperaturen angemessen gekleidet ist, um so möglichen Infekten vorzubeugen.

Ich habe Frau D. die verschiedenen Atemübungen in ihrem Sinn und ihrer Technik erklärt. Sie zeigte sich sehr interessiert und kooperativ. Durchgeführt habe ich die Zwerchfellatmung, die Flankenatmung und die Rippenatmung bevorzugt nach dem Mittagessen, um so eine optimale Sauerstoffversorgung des Blutes zu erzielen und dadurch die Darmtätigkeit zu unterstützen.

Erklärung und Durchführung der Zwerchfellatmung:

Ich habe Frau D. gebeten sich rücklings auf ihr Bett zu legen, die Arme locker neben den Körper. Nun habe ich sie 10x ruhig ein- und ausatmen lassen. Dabei sollte sie die Bauchdecke bewusst anspannen und in den Bauch hineinatmen, sodass sich die Bauchdecke hebt und wieder senkt. Den Brustkorb sollte sie nicht im Rhythmus ihrer Atmung bewegen. Nach einer kleinen Pause habe ich Frau D. langsam tief einatmen lassen mit der Bitte, sich ganz auf die Ausdehnung ihrer Bauchdecke zu konzentrieren. Anschließend habe ich sie gebeten ganz intensiv auszuatmen. Um eine Atmung des Zwerchfells in kurzen Stößen zu erzielen, habe ich Frau D. erklärt, dass sie kurze Atemzüge durch die Nase machen muss.

Erklärung und Durchführung der Flankenatmung:

Nach der oben genannten Atemübung habe ich Frau D. nach einer kurzen Pause gebeten ihre Hände rechts und links an die unteren Rippenbögen zu legen. Hierbei habe ich ihr Hilfestellung geben. Nun soll sie so Atmen, dass sie durch die Hände fühlen kann wie sich ihre Flanken zur Seite ausdehnen, ohne dass sich Bauch und Brustkorb heben.

Erklärung und Durchführung der Rippenatmung:

Ich habe Frau D. gebeten, auf dem Rücken liegen zu bleiben und ihre Arme nach oben auszustrecken. Dabei soll sie einatmen, dann die Arme zur rechten und linken Seite des Körpers führen und dabei ausatmen. Dann werden die Arme wieder nach oben ausgestreckt und Frau D. soll einatmen. Nun bitte ich Frau D. sich aufrecht hinzustellen, die Arme locker am Körper herabhängend. Die Arme sollen gemeinsam nach vorne hochgeführt und dabei eingeatmet werden. Über den Kopf lasse ich Frau D. die Arme langsam nach rechts und links über die Seiten herunterführen. Dabei wird ausgeatmet. Ich habe darauf verzichtet, dass Frau D. in die Knie geht und diese mit den Armen umschließt um dann während der Ausatmung einen Druck mit den Knien auf die Rippen auszuüben. Ich sehe ein in die Knie gehen und wieder hoch als sehr belastend und unangebracht für Senioren an, es sei denn, sie führen solche Übungen regelmäßig durch.

Um die Atmung von Frau D. zu intensivieren habe ich mich im Spätdienst oft mit ihr hingesetzt um mir von ihr aus französischen Romanen vorlesen zu lassen. Dabei habe ich darauf geachtet, dass sie laut und deutlich liest.

Frau D. singt gerne in der Runde, die einmal pro Woche durch den SKD organisiert wird. Auch während der Pflege oder zwischendurch stimmte ich mit Frau D. und den anderen Bewohnern ein Lied an. Zudem werden in den Angeboten des SKD Sitztänze und Gymnastik angeboten.

Auswertung:

Frau D. nimmt regelmäßig an den Aktivitäten des SKD teil. Besonders die Singnachmittage bereiten ihr große Freude. Außerdem tritt der positive Nebeneffekt der Atemübung hierbei eher in den Hintergrund. Die Atemübungen empfand Frau D. bereits nach zweimaliger Durchführung als ,,lästig". Ich habe innerhalb von zwei Wochen die Zeiten für die Atemübungen verlegt auf den Morgen und auch auf den Abend. Frau D. zeigte sich zwar dankbar für meine Bemühungen und Angebote in dieser Hinsicht, mochte aber nicht weiter auf die Atemübungen eingehen. Ich habe als Alternative vorgeschlagen, dass sie auch während der Gymnastik auf eine vertiefte Ein- und Ausatmung achten könne und ihr erklärt, dass sie so einer Einschränkung ihrer Atemmuskulatur vorbeugen könne. Zur Unterstützung der Atmung legte ich ihr nah, dass sie durch einfaches lautes zählen der Schritte und der anderen Übungen die Atmung automatisch vertiefen kann. Seither zählt Frau D. bei ihren Übungen. Als ich einmal im Frühdienst war und während der Grundpflege über die Station ging, machte Frau D. ihre Gehübungen auf dem Flur. Als sie mich dann sah, rief Frau D. mir zu: ,,Zähl Deine Schritte mal laut mit. Und heute Abend schauen wir, wer mehr gegangen ist."

2.5.4. AEDL - Sich pflegen

Anamnese:

Frau D. benötigt bei der Körperpflege Unterstützung seitens des Pflegepersonals. Sie wäscht sich Gesicht, Oberkörper und Intimbereich vorne herum selbständig unter Anleitung. Der Rücken und die Beine und Füße werden von der Pflegekraft gewaschen. Frau D. benutzt medizinische Waschlotion und Deoroller. Eine Körperlotion benutzt sie nur an den Beinen, da diese trocken sind. Mund- und Zahnpflege führt Frau D. selbständig 3x täglich durch. Die Fingernägel werden von der Pflegekraft geschnitten und gefeilt. Frau D. geht bei Bedarf, mind. alles vier Wochen, zur Fußpflege. Frau D. ist nicht in der Lage sich selbständig zu duschen und ihre Haare zu waschen sowie zu fönen.

Ressourcen:

- Bew. ist orientiert - Bew. ist mobil, kann stehen, laufen und sitzen - Bew. legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres - Bew. äußert Wünsche, Abneigungen und Unbehagen - Bew. führt Mund- und Zahnpflege selbständig durch - Bew. kann sich unter Anleitung Gesicht, Arme, Oberkörper und vorderen Intimbereich selbständig waschen - Bew. kann sich die Haare selbständig kämmen

Probleme:

- Bew. kann sich nicht ohne Anleitung waschen - Bew. kann sich nicht selbständig duschen - Bew. kann Fingernägel nicht selbständig pflegen - Bew. kann die Fußpflege nicht selbständig durchführen - Bew. kann sich die Haare nicht selbständig waschen und fönen - Bew. neigt zu abnormen Schwitzen - Bew. neigt zu trockener Haut an den Beinen

Ziele:

- Bew. hat intakte Haut - Bew. ist gepflegt und fühlt sich wohl - Bew. trägt keine synthetische Kleidung - Bew. führt Körperpflege so weit wie möglich selbständig durch - Bew. hat gepflegte Finger- und Fußnägel - Fähigkeiten erhalten Maßnahmen und Durchführung:

Frau D. wir jeden Morgen um 7.00 Uhr geweckt. Dann wird sie mit Unterstützung seitens des Pflegepersonals auf die Bettkante gesetzt. Sie benötigt kurze Zeit um richtig wach zu werden, so sagt sie. In der Zeit werden ihr die Hausschuhe angezogen. Frau D. steht mit Hilfe des Pflegepersonals auf und geht am Arm selbständig in das Badezimmer. Nach dem Toilettengang wird lauwarmes Wasser in das Waschbecken gefüllt, Waschlappen und Handtücher bereit gelegt. Dann kleidet sich Frau D. aus und stellt sich vor das Waschbecken. Sitzen möchte sie nicht, da sie sich noch sehr gut im stehen waschen kann und es auch von früher nur so kennt. Frau D. dosiert ihre Waschlotion selber. Das Gesicht wäscht sie sich nur mit klarem Wasser. Frau D. wird gebeten sich das Gesicht zu waschen, dann die Arme und den Oberkörper. In der Zeit wird das Bett von der Pflegekraft gemacht. Frau D. ruft wenn sie soweit fertig ist. Dann bekommt Frau D. den Rücken und den Intimbereich vom Pflegepersonal gewaschen. Anschließend nimmt Frau D. auf dem Badehocker Platz und bekommt das Unterhemd gereicht, welches nur vom Pflegepersonal am Rücken herunter gezogen werden muss. Dann bekommt Frau D. die Unterhose von der Pflegekraft angezogen. Dazu stellt sich Frau D. hin und zieht die Unterhose selbst hoch. Für den Tag bekommt Frau D. eine gelbe Einlage von Tena. Frau D. nimmt wieder auf dem Hocker Platz und bekommt von der Pflegekraft die Beine und Füße gewaschen. Die Beine werden mit der medizinischen Lotion dünn eingecremt. Dann trägt die Pflegekraft den Deoroller in die Achselhöhlen auf. Pullover zieht sich Frau D. alleine an, diese müssen am Rücken runter gezogen werden. Beim ankleiden von Blusen benötigt sie Unterstützung seitens des Pflegepersonals. Dann bekommt Frau D. Strümpfe, Hose und Schuhe angezogen. Sie stellt sich hin und zieht sich die Hose selber hoch. Nun geht Frau D. zum Spiegel um sich die Haare zu kämmen. Zum Schluss führt Frau D. die Mund- und Zahnpflege durch.

Frau D. wird 2x wöchentlich und auf Wunsch geduscht. Hierzu sitzt sie auf dem Badehocker. Frau D. fühlt mit den Händen die Wassertemperatur und sagt bescheid wenn die Temperatur für sie angenehm ist. Dann wird sie von den Füssen an aufwärts abgeduscht. Frau D. wäscht sich wie gehabt, Rücken. Intimbereich und Füße werden von der Pflegekraft gewaschen. Zur Intimpflege stellt sich Frau D. auf ein Handtuch an die Haltestange. Dann erst möchte sie die Haare zweimal gewaschen bekommen und anschließend im stehen noch mal gründlich abgeduscht werden. Zum abtrocknen setzt sich Frau D. wieder auf den Hocker, der vorab trocken gerieben und mit einem trockenen Handtuch versehen wird. Auf Wunsch wird Frau D. am ganzen Körper mit der Lotion eingecremt. Nach dem Ankleiden bekommt Frau D. vor dem Spiegel stehend die Haare gefönt. Sie frisiert noch mal nach und führt dann die Mund- und Zahnpflege durch. Zum Schluss bekommt Frau D. auf Wunsch die Fingernägel schnitten und gefeilt.

Frau D. wird regelmäßig einmal die Woche gefragt, ob sie zum Friseur oder zur Fußpflege möchte. Frau D. wird zu den Terminen gebracht und wieder abgeholt; Friseur und Fußpflege kommen ins Haus.

Auswertung:

Frau D. hat seit eh und je ihr Pflegeritual im Bezug auf die Reihenfolge und legt auf die Einhaltung großen Wert. Sie macht keinen Unterschied zwischen männlichen oder weiblichen Pflegekräften. An manchen Tagen möchte Frau D. den Rücken und die Beine nicht gewaschen bekommen, was sie dann auch der Pflegekraft mitteilt. Jedoch bittet sie dann den Spätdienst dies bei der Abendtoilette zu übernehmen. Frau D. ist sehr gewissenhaft in ihrer Pflege und bittet, wenn notwendig, das Pflegepersonal um Unterstützung. Im Verlauf meiner Zusammenarbeit mit Frau D. stellte sich heraus, dass sie im Gegensatz zu früher ein sehr reduziertes Schamgefühl zeigt. Durch Gespräche mit der Tochter wurde deutlich, dass nicht einmal die Tochter Frau D. unbekleidet sehen durfte. Heute möchte Frau D. dass während der Pflege die Badezimmer Türe etwas aufsteht. Als ich ihr sagte, dass doch mal jemand hineinschauen könne, sagte sie dass das nicht schlimm sei. Wenn ich die Türe hinter mir schloss, bat Frau D. dass ich sie öffnen soll. Auch im Umgang mit männlichen Pflegekräften ist Frau D. offen. Auf mein Angebot, dass es durchaus möglich sei dass nur weibliche Pflegekräfte zur Pflege kommen können, reagierte sie für mich recht überraschend: ,,Ich habe doch nichts, was andere Frauen nicht auch haben. Und jeder von den Pflegern hat doch sicher eine Frau. Also sehen sie nicht Neues, oder?" Aus diesem Grund sehe ich das herabgesetzte Schamgefühl nicht als direktes Problem an, habe es auch als autonomes Problem nicht eingesetzt, jedoch achten wir im Team darauf, dass Frau D. ausschl. von weiblichen Pflegekräften versorgt wird. Sicher ist das in personeller Hinsicht nicht immer zu realisieren, jedoch wird stets darauf Rücksicht genommen.

2.4.5. AEDL - Essen und Trinken

Anamnese:

Frau D. hat bei der Größe von 161 cm ein Körpergewicht von 48 kg. Im Verhältnis zu früher ist ihr Gewicht reduziert. Bei ihrem Einzug wog Frau D. jedoch nur 45 kg. Frau D. ist nicht in der Lage ihre Mahlzeiten selbständig herzurichten. Essen kann sie alleine. Frau D. isst gut und gerne, braucht Zeit zum essen, da Frau D sehr gut und lange kaut. Frau D. trinkt ungern und ohne Anleitung zu wenig.

Ressourcen:

- Bew. kann selbständig essen und trinken - Bew. isst gerne und gut - Bew. isst gerne Vollkornbrot - Bew. isst gerne Suppen und Eintopf - Bew. trinkt gerne Tee und Saft - Bew. kann sich über Wünsche und Abneigungen äußern

Probleme:

- Bew. kann sich die Mahlzeiten nicht selbständig herrichten - Bew. kann Fleisch u.ä. nicht schneiden - Bew. isst sehr langsam; Essen wird zwischenzeitlich kalt - Bew. trinkt ohne Anleitung zu wenig - Bew. neigt zu Obstipation - Exikosegefahr

Ziele:

- Bew. ist ausreichend ernährt - Bew. trinkt ausreichend 2L (mind. 30 ml/kg Körpergewicht = 1440 ml/24 Std.) - Bew. ist in einem guten Allgemeinzustand - keine Obstipation - keine Exikose - Fähigkeiten erhalten Maßnahmen und Durchführung.

Frau D. bekommt die Mahlzeiten von der Küche hergerichtet. Das Mittagessen wird vom Pflegepersonal gerichtet und portioniert. Zum Frühstück bekommt Frau D. zwei halbierte und geschmierte Brötchen, zwei Scheiben Vollkornbrot, ein Schüsselchen Quark. Zum Frühstück trinkt Frau D. gerne Kaffee. Ich habe ihr zu Beginn unserer Zusammenarbeit erklärt, dass Kaffee zusätzlich ausschwemmt und dass das für ihren Flüssigkeitshaushalt eher schlecht sei. Ich bat ihr an Milchkaffee zu trinken, was sie gerne annahm. Zum Frühstück bekommt sie zusätzlich Saft mit Mineralwasser gereicht. Eine Flüssigkeitsbilanz wurde angelegt, in die alle Flüssigkeiten eingetragen werden, ausgenommen von Kaffee. Zu Mittag einigte ich mich mit Frau D. ihr die Mahlzeit in kleine Portionen einzuteilen, damit sie immer warmes Essen hat. So kann Frau D. in Ruhe essen und sich Nachschlag holen, wenn sie möchte. Frau D. isst auch zu Mittag sehr gut, vor allem die Vorsuppe. Ich habe ihr angeboten dass sie auch gerne eine größere Portion an Suppe haben kann, was sie aber nicht mochte. Das Fleisch o.ä. bekommt Frau D. am Platz vom Pflegepersonal geschnitten. Dann isst Frau D. mit Messer und Gabel selbständig. Zum Nachmittagskaffee isst Frau D. gut und gerne zwei Stück Kuchen, besonders gerne mag sie Obstboden. Dazu trinkt sie eine Tasse Milchkaffee. Zum Abendbrot isst Frau D. zwei Scheiben Vollkornbrot mit Käse und Wurst, die von der Küche geschmiert werden. Zudem isst sie jeden Abend einen Joghurt. Frau D. trinkt gerne Tee zum Abendessen, den sie mit einem Schuss Saft verfeinert. Wenn Frau D. zwischen den Mahlzeiten Appetit hat, äußert sie diesen. Meistens möchte sie frisches Obst, das sie vom Pflegepersonal geschält und geschnitten bekommt. Frau D. wird einmal die Woche gewogen.

Frau D. wird zum trinken animiert. Neben den Getränken zu den Mahlzeiten bekommt sie Saft und Wasser an ihren Sitzplatz gestellt. Sie kann sich die Getränke selbständig eingießen. Sie trinkt in kleinen Schlücken und muss angehalten werden regelmäßig zu trinken. Zur Medikamenteneinnahme bekommt sie ein Glas Saftschorle gereicht. Dieses trinkt sie aus, wenn man ihr sagt, dass Flüssigkeit wichtig für die Wirkung der Medikamente ist. Eine Flüssigkeitsbilanz wurde angelegt.

Auswertung:

Unter Anleitung trinkt Frau D. ausreichend, oft bis zu 1900 ml am Tag, plus ein bis zwei Gläser in der Nacht. Die Flüssigkeitsbilanz lässt einen ausgewogenen Flüssigkeitshaushalt erkennen.

Die genannten Maßnahmen ermöglichen einen guten Ernährungszustand von Frau D. Durch das Wiegen zeigte sich ein konstant bleibendes Körpergewicht. Durch die Ernährung alleine ist eine Obstipation bei Frau D. nicht zu vermeiden, da sie aufgrund der Erkrankung zu Darmträgheit neigt. Ihre Darmtätigkeit wird medikamentös durch ein mild wirkendes Präparat unterstützt.

2.4.6. AEDL - Ausscheiden

Anamnese:

Frau D. neigt aufgrund der Akinese zeitweise zu Urininkontinenz. Es gelingt ihr nicht rechtzeitig die Toilette zu erreichen und sich zu entkleiden, sodass die ersten Tropfen daneben gehen. Eine Störung des Miktionszentrums liegt bislang nicht vor, denn Frau D. spürt den Harndrang und kann Harn willentlich entleeren. Frau D. ist Stuhlkontinent. Sie neigt aufgrund der Nebenwirkungen von Medikamenten zu Obstipation. Die Darmperistaltik ist herabgesetzt.

Ressourcen:

- Bew. ist orientiert - Bew. spürt den Harndrang und teilt das Bedürfnis mit - Bew. ist weitergehend selbständig - Bew. meldet sich wenn sie zwei Tage keinen Stuhlgang hatte - Bew. akzeptiert Inkontinenzartikel und wünscht diese - Bew. akzeptiert Pflegemaßnahmen

Probleme:

- Bew. ist zeitweise Urininkontinent - Bew. neigt zu Obstipation - abnormes Schwitzen

Ziele:

- Bew. ist kontinent - Bew. hat keine Obstipation - Bew. hat intakte Haut - Bew. fühlt sich sauber und wohl - Bew. ist in Gemeinschaft sicher - Bew. hat einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt - Fähigkeiten erhalten

Maßnahmen und Durchführung.

Frau D. hat einen gut strukturierten Tagesablauf. Dieser beinhaltet das Toilettentraining alles zwei Stunden und bei Bedarf. Während des Toilettengangs habe ich Frau D. gebeten zu versuchen den Harnstrahl willentlich zu stoppen. Es wäre Beckenbodentraining und würde sich positiv auf ihre Blase auswirken. Dazu ist Frau D. in der Lage und macht es unter Anleitung regelmäßig. Ich habe Frau D. Mut zugesprochen sich zu melden, wenn sie merkt dass sie zur Toilette muss. Um ihr den Toilettengang zu erleichtern, wird darauf geachtet, dass Frau D. Hosen mit Gummizug am Bund trägt. Diese kann sie schnell hinunter ziehen. Frau D. kennt Inkontinenzartikel und wünscht diese auch. Am Tag wird sie mit einer gelben Einlage versorgt, zur Nacht bekommt sie ein geschlossenes System, welches sie ggf. ohne Hilfe aus- und wieder anziehen kann. In der Nacht wird Frau D. von der Nachtwache alles drei Stunden zur Toilette begleitet. Jedoch nur wenn Frau D. es wünscht. Denn in der Nacht ist sie überwiegend kontinent. Bei Bedarf wird Frau D. mit frischen Inkontinenzartikeln versorgt, mind. alle vier Stunden. Zudem wird auf eine gute Intimpflege geachtet und auch ggf. durchgeführt.

Frau D. wird darüber informiert, dass es wichtig sei dem Pflegepersonal mitzuteilen, wann sie Stuhlgang hatte. Neben ballaststoffreicher Nahrung erhält sie morgens und abends einen Beutel MOVICOL nach ärztlicher Anordnung zur Unterstützung der Darmperistaltik.

Auswertung:

Das Anlegen eines Miktionsprotokolls erwies sich als Problem, da Frau D. selbständig zur Toilette geht und die Toilettengänge so nicht überprüft werden können.

Frau D. führt regelmäßig ab und teil uns dies auch mit. Bislang zeigten sich keine akuten Probleme. Frau D. meldet sich wenn sie zwei Tage keinen Stuhlgang hatte, sodass rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden können. Hier haben sich Bauchmassagen zur Prophylaxe positiv ausgewirkt. Durch ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und die ballaststoffreiche Ernährung wurde die Verdauung ebenfalls zweckmäßig beeinflusst.

2.4.7. AEDL - Sich kleiden

Anamnese:

Frau D. kann sich aufgrund des Rigors nicht selbständig kleiden, sie benötigt Unterstützung seitens des Pflegepersonals. Frau D. ist nicht in der Lage sich den Außentemperaturen angemessen zu kleiden, da ihr Temparaturemfinden gestört ist. Ihre Kleidungswünsche kann Frau D. mitteilen.

Ressourcen:

- Bew. kann sich mit Unterstützung des Pflegepersonals ankleiden - Bew. wählt Kleidung alleine aus - Bew. ist einsichtig hinsichtlich evtl. Änderungsvorschläge im Bezug auf Kleidung und Außentemperatur - Bew. lässt Hilfe zu - Bew. legt Wert auf gepflegte Kleidung

Probleme:

- Bew. kann sich nicht selbständig kleiden - Bew. hat ein gestörtes Temperaturempfinden - abnormes Schwitzen

Ziele:

- Bew. kleidet sich mit Unterstützung selbständig

- Bew. trägt keine synthetische Kleidung

- Bew. fühlt sich sauber und gepflegt

- Bew. ist nach ihren Wünschen gekleidet

- Bew. an die Temperaturen angemessen gekleidet

- Bew. schwitzt nicht

- Bew. friert nicht

- Fähigkeiten erhalten

Maßnahmen und Durchführung:

Frau D. wählt ihre Kleidung selbständig aus. Änderungsvorschläge nimmt sie gerne an, denn nicht immer wählt sie ihre Kleidung den Außentemperaturen entsprechend. Frau D. bekommt die Oberbekleidung gereicht und kann diese selbständig anziehen. Die Oberbekleidung muss am Rücken vom Pflegepersonal herunter gezogen werden. Frau D. kann durch ihre eingeschränkte Feinmotorik kleine Knöpfe nicht zumachen. Das wird vom Pflegepersonal übernommen. Unterhose und Hose werden vom Pflegepersonal bis an die Knie angezogen, Frau D. zieht sie sich alleine hoch. Es wird darauf geachtet, dass Frau D. keine synthetische Kleidung trägt, um Hitzestauungen zu vermeiden und so unnötigen Schweißausbrüchen entgegen zu wirken. Frau D. werden aufgrund ihrer Urininkontinenz Hosen mit Gummizug am Bund angeboten, damit sie sich beim Toilettengang schnell und einfach entkleiden kann. Frau D. wird auf die Wichtigkeit von haltgebendem Schuhwerk hingewiesen, damit sie in ihrem Gang mehr Sicherheit bekommt.

Auswertung:

Frau D. zeigte in der Zeit unserer Zusammenarbeit keine Veränderungen in diesem AEDL. Auch alle Mühen sie dazu zu ermuntern feste Schuhe zu tragen, blieben ohne wirklichen Erfolg. Zeitweise trägt sie ihre Turnschuhe, aber meistens geht sie auf ihre Sandalen zurück. Zu Spaziergängen oder allgemeinen Aktivitäten außerhalb des Hauses zieht sie sich ihre Turnschuhe jedoch alleine an.

2.4.8. AEDL - Schlafen und Ruhen

Anamnese:

Frau D.s Nachtruhe beginnt um 21.00 Uhr und endet um 7.00 Uhr. Frau D. leidet unter Ein- und Durchschlafstörungen. Sie schläft selten bis zum Morgen durch und meistens nur vier bis fünf Stunden am Stück. Danach schläft sie in Etappen. Sie bleibt auch während der Wachphasen im Bett liegen um zu ruhen. Frau D. kann zeitweise ihre Lage im Bett nicht selbständig ändern.

Am Tag legt sich Frau D. oft in der Zeit von 10.00 - 11.30 in ihr Bett und schläft auch meistens in dieser Zeit. Frau D. zieht sich im Tagesverlauf zurück und liest zur Entspannung. Mittagsruhe lehnt sie meistens ab, sitzt aber gerne im Sessel und liest. Nach eigenen Angaben fühlt sie sich ausreichend erholt und nicht müde. Sie habe bereits früher eher wenig geschlafen und sei es so gewohnt.

Ressourcen:

- Bew. ist kurze Schlafphasen gewohnt - Bew. merkt ihr Ruhe- und Schlafbedürfnis am Tag - Bew. legt sich am Tag zum schlafen hin - Bew. kennt Möglichkeiten zu entspannen und zu ruhen - Bew. lässt sich lagern

Probleme:

- Bew. leidet an Ein- und Durchschlafstörungen - Bew. ist im Bett zeitweise in ihren Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt - Dekubitusgefahr

Ziele:

- Bew. hat einen erholsamen Schlaf - Bew. hat ausreichend Schlaf- und Ruhephasen am Tag und in der Nacht - Bew. ist ausgeglichen - intakte Haut - Medikamentengabe nach ärztlicher Anordnung

Maßnahmen und Durchführung:

Frau D. führt die Abendtoilette selbständig durch. Um 21.00 Uhr erhält sie ihre Nachtmedikation nach ärztlicher Verordnung. Erst dann legt sich Frau D. zur Nachtruhe hin. Zeitweise ist Frau D. nach besonders aufregenden Tagesabläufen am Abend noch sehr aktiv. Hier habe ich die basale Stimulation in Form der beruhigende Ganzkörperwaschung, eingebracht. Leider war mir diese Methode bis kurz vor Abschluss meiner fachpraktischen Erprobung nicht bekannt. So konnte ich sie nicht auf Dauer mit einbeziehen. Jedoch hat sich die beruhigende Ganzkörperwaschung positiv auf Frau D. ausgewirkt und sie hat sie als sehr angenehm empfunden.

Durchführung der beruhigenden Ganzkörperwaschung (GKW):

Da es in den einzelnen Bädern grundsätzlich immer angenehm warm ist, begleite ich Frau D. zu Abendtoilette in das Bad und stelle ihr die beruhigende GKW vor indem ich sie ihre kurz erkläre. Während Frau D. sich auskleidet, lasse ich Wasser in das Waschbecken laufen. Die Wassertemperatur lege ich bei 39° Grad fest. Es kommt keine Waschlotion in das Wasser. Ich bitte Frau D. auf dem Hocker vor dem Waschbecken Platz zu nehmen. Mit einem weichen und gut ausgewrungenen Waschlappen beginne ich den rechten Arm, dann den linken Arm ohne Druck mit der Haarwuchsrichtung langsam zu waschen. Um Frau D. ein intensives Gefühl zu vermitteln achte ich darauf, dass sich meine Hand ihrem Körper genau anpasst. Ich wasche von der Schulter zu Handgelenk und setze dann an der Schulter erneut an. Mit meiner linken Hand halte ich die Hand des jeweiligen Arms von Frau D. um zu vermeiden, dass sie den Arm aus eigener Kraft hochhalten muss. Das Abtrocknen erfolgt wie das Waschen mit einem weichen, auf der Heizung angewärmten Handtuch mit der Haarwuchsrichtung. So verfahre ich weiter über den Rücken und die Beine. Anschließend reibe ich Frau D. mit ihrer medizinischen Lotion ein, beginnend an den Armen, mit beiden Händen in Haarwuchsrichtung. Den Rücken sowie die Seiten des Oberkörpers reibe ich mit kreisenden Bewegungen ein, wobei ich die Wirbelsäule ausspare. Ich beende die Einreibung mit einem deutlichen Abstrich vom Nacken zum Steiß.

Dann helfe ich Frau D. das Nachthemd anzuziehen und begleite sie zu Bett. Im Liegen reibe ich ihr die Beine noch ein, ziehe ihr die Fellschuhe an und lagere die Fersen mir einem Rundkissen frei.

Zuvor habe ich Frau D. warme Milch gereicht oder ihr vor dem zu Bett gehen auf Wunsch die Beine warm abgeduscht. Auch Einreibungen des Rücken und der Beine mit Franzbranntwein habe ich auf Wunsch von Frau D. durchgeführt.

In der Nacht wird Frau D. von der Nachtwache versorgt und gelagert. Wenn sie wach ist und nicht einschlafen kann, führt die Nachtwache oft Gespräche mit Frau D.

Auswertung:

Im Allgemeinen habe ich darauf geachtet und Wert gelegt, dass Frau D. keine schwere Kost am Abend zu sich nimmt oder anregende Getränke, z.B. schwarzen Tee. Im Laufe unserer Zusammenarbeit stellten sich bei Frau D. keine Veränderungen in ihrem Schlafverhalten ein. Sie empfand die Einreibungen und auch die beruhigende GKW als entspannend und angenehm. Sie äußert sich zufrieden mit ihrem Schlafrhythmus und den Ruhephasen am Tage, sie machte auch auf das Team einen erholten Eindruck.

2.4.9. AEDL - Sich beschäftigen

Anamnese:

Frau D. hat in diesem AEDL keine Probleme. Sie nimmt Angebote des Hauses wahr und ist in der Lage sich selbständig zu beschäftigen. Je nach ihrer momentanen Verfassung macht Frau D. Gymnastik die ich mit ihr geübt habe oder sie liest Bücher. Frau D. wird gerne in den Stationsablauf bzw. die dort anfallenden Arbeiten mit einbezogen. Sie hilft gerne beim Verteilen der Mahlzeiten. Frau D. erledigt gerne Reinigungsarbeiten; Sie räumt die Tische ab und stellt das Geschirr zusammen, wischt die Tische feucht ab, kehrt den Aufenthaltsraum und gießt die Blumen. Frau D. geht gerne unserer Putzfee zur Hand, indem sie mit einem feuchten Tuch die Wasserhähne der einzelnen Bäder abwischt oder die Fingerabdrücke von den Glastüren entfernt. Besonders mag Frau D. wenn ich mit ihr zusammen Gymnastik mache. Das stellte sich im Laufe unserer Zusammenarbeit heraus.

2.4.10. AEDL - Sich als Frau fühlen und verhalten

Anamnese:

Frau D. fühlt sich meines Erachtens als vollwertige Frau und ist als diese in die Gruppe integriert. Sie legt Wert auf ihre Haare und Frisur. Auch ihre Kleidung wählt sie mit Hilfe des Pflegepersonals selbständig aus. Sie trägt Hosen weil diese praktisch sind. Auch in ihrer Jugend hat sie überwiegend Hosen getragen. Im Verhältnis zu ihrer Biographie zeigen sich Veränderungen in ihrem Verhalten; ihr ausgeprägtes Schamgefühl ist heute reduziert, was sie aber nicht als Problem empfindet. Sie macht keine Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Pflegekräften. Sie legt heute, genau wie früher, keinen Wert auf Schminke und Kosmetik jeglicher Art.

Ressourcen:

- Bew. hat ein intaktes Selbstwertgefühl

- Bew. ist orientiert

- Bew. akzeptiert gesellschaftliche Normen - Bew. akzeptiert die Regeln des Zusammenlebens auf der Station

Problem:

- Bew. hat ein reduziertes Schamgefühl

Ziele:

- Intimsphäre ist beachtet und gewahrt

Maßnahmen und Durchführung:

Die Pflege wird, soweit es die personelle Situation betrifft, von weiblichen Pflegekräften durchgeführt. Frau D. möchte während der Pflege dass die Badezimmertüre offen bleibt. Ihren Wünschen wird entsprochen, jedoch stets darauf geachtet das ihre Intimsphäre gewahrt wird, z.B. durch anlehnen der Türe.

Auswertung:

Frau D. reduziertes Schamgefühl blieb unverändert. Auf ihre Intimsphäre wurde seitens des Pflegepersonals geachtet und diese gewahrt. Im Umgang mit ihren Mitbewohnern kommt Frau D.s reduziertes Schamgefühl nicht zum Ausdruck. An einem Tag kam mir Frau D. ohne Pullover und Hose aus dem Aufenthaltraum entgegen. Sie kam auf mich zu und sagte: ,,Das sind die Medikamente schuld, ich musste das jetzt tun." Es war ihr sichtlich unangenehm, da sie die Situation einschätzen konnte. Ich beruhigte sie und sagte ihr, dass die Kleidungsstücke sicher zu unbequem gewesen seien und sie eingeengt hätten. Und dass sie deshalb reflexartig gehandelt hätte. Sie konnte sich das nicht genau erklären, stimmte mir aber indirekt zu. Eine solche Situation hat sich nicht mehr wiederholt.

Ich habe den Facharzt für Psychiatrie auf dieses Verhalten angesprochen. Er führt es auf die medikamentösen Nebenwirkungen zurück.

2.4.11. AEDL - Für eine sichere Umgebung sorgen

Anamnese:

Frau D. hat ein normales Sicherheitsbedürfnis. Frau D. ist sturzgefährdet durch ihre Bewegungseinschränkung ihre nach vorn übergebeugte Körperhaltung und durch unsachgemäßes Schuhwerk. Sie neigt dazu in ihrem Gang nach vorne zu schießen. Frau D. ist in ihren Bewegungen stark abhängig von der Einnahme ihrer Medikamente.

Ressourcen:

- Bew. kennt die Einnahmezeiten der Medikamente und meldet sich - Bew. lässt sich in ihrem Gang korrigieren - Bew. kann sich auf räumliche Gegebenheiten einstellen - Bew. erkennt die Selbstgefährdung (Weglauftendenz)

Probleme:

- Bew. kann Medikamente nicht selbständig beschaffen, richten und einnehmen - Bew. ignoriert die Wichtigkeit von festem Schuhwerk - Bew. neigt bei zu schnellem Gang dazu nach vorne zu schießen - Sturzgefahr - Weglauftendenz

Ziele:

- Medikamenteneinnahme ist gewährleistet - Bew. findet sich zurecht - Bew. fühlt sich sicher - Selbstgefährdung ist vermieden - Bew. kontrolliert ihren Gang - Bew. trägt festes Schuhwerk - Stürze vermeiden und diesen entgegenwirken - Fähigkeiten erhalten

Maßnahmen und Durchführung:

Das Pflegepersonal trägt Sorge dafür, dass die Medikamente ausreichend vorhanden sind und nach ärztlicher Anordnung gerichtet und verabreicht werden. Hier zeigt sich Frau D. sehr auf die Medikamente bedacht. Die einzelnen Einnahmezeiten sind ihr bekannt und sie kommt frühzeitig um das Pflegepersonal darauf aufmerksam zu machen. Manchmal vergisst Frau D. sich zu melden. Dann habe ich die Tabletten pünktlich geholt und habe sie gefragt, ob wir was vergessen haben oder alles erledigt ist. Dann fielen ihr die Medikamente ein. Frau D. äußert sich positiv zur Art und Weise, wie ich sie an die Medikamente erinnere. Um Frau D. in ihrem Gang zu unterstützen, macht sie regelmäßig Gehübungen. Diesbezüglich verweise ich auf Punkt 2.4.2. AEDL - Sich bewegen und Punkt 2.4.9. AEDL - Sich beschäftigen. Die Wichtigkeit von festem Schuhwerk wird Frau D. regelmäßig erläutert

Stolperfallen in Form von Teppichen, mittig stehendem Mobiliar u.ä. sind auf unserer Station nicht vorhanden. Auf diese wird vorsorglich weitestgehend verzichtet, ausgenommen sind die individuell eingerichteten Bewohnerzimmer. Frau D. hat ein sehr geräumiges Zimmer nach ihren Wünschen und Bedürfnissen eingerichtet.

Frau D. ist aus eigenem Willen auf unserer behütenden Station. Diese Station in einem Nebengebäude für sich. Der Haupteingang ist geschlossen und durch Monitore überwacht. Jeder der Mitarbeiter unserer Station hat einen Schlüssel. Die Türe kann durch Türöffner im Stationszimmer, im unteren Aufenthaltsbereich und einem Türöffner oberhalb der Türe geöffnet werden. Es sind Klingeln außerhalb des Hauses und innen an der Türe angebracht. Der Garten hinter dem Haus ist für die Bewohner frei begehbar. Frau D. zeigt eine Weglauftendenz, die sich durch Unruhe und Aufbruchstimmung zeigt. Meistens steht sie dann mit einer Jacke bekleidet an der Türe und möchte hinaus. Durch Gespräche lässt sich Frau D. jedoch immer beruhigen. Sie kann ihre Situation und ihr Verhalten einschätzen und zeigt sich einsichtig.

Auswertung:

Im Verhältnis zu ihren Medikamenten und den Gewohnheiten zeigten sich keinerlei Veränderungen. Sie konnten konstant beibehalten werden. Frau D. macht oft und gerne ihre Gehübungen und zeigt sich darin zunehmend sicherer. Festes Schuhwerk lehnt Frau D. jedoch weitestgehend ab; hier zeigt sie sich wenig kooperativ und trägt überwiegend ihre Birkenstocksandalen.

Frau D. zeigt weiterhin ihre Weglauftendenz, überwiegend in der Zeit zwischen 14.00-15.00 Uhr. Ein Grund für diese Zeit konnte auch anhand der Biographie von Frau D. nicht festgemacht werden Es kam vor, dass ich oder auch meine Kollegen sie nicht beruhigen konnten. Dann habe ich mich angezogen und bin mit ihr spazieren gegangen. Frau D. geht gerne spazieren. Der SKD organisiert einmal die Woche Spaziergänge in kleinen Gruppen, an denen Frau D. jedoch nicht immer teilnehmen möchte.

2.4.12. AEDL - Soziale Bereiche des Lebens sichern

Anamnese:

Frau D. hat sich seit ihrem Einzug sehr gut eingelebt. Sie ist in die Gruppe integriert und fühlt sich lt. eigener Aussage und Aussagen der Tochter wohl auf unserer Station. Sie geht offen auf ihre Mitbewohner und das Pflegepersonal zu und macht ihre Bedürfnisse deutlich. In Hinsicht auf ihre bisherige Lebensweise zeigt sich Frau D. aktiver im Umgang mit ihren Mitmenschen, nimmt auch gerne an hausinternen Veranstaltungen teil. Sie ist interessiert an Neuem und an ihrem Umfeld. Gerne bringt sie ihre Hilfe in die täglich anfallenden Hausarbeiten mit ein, z.B. kehren, Tische abwischen, essen verteilen, etc. Darauf legt sie großen Wert.

Sie pflegt die Kontakte zu ihrem Sohn und ihrer Tochter, die sie regelmäßig besuchen und sie oft mitnehmen um etwas mit Frau D. zu unternehmen.

2.4.13. AEDL - Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

Anamnese:

Frau D. weicht Gesprächen über den Tod ihrer Eltern, ihres Bruders und Ihres Mannes aus. Sie möchte hierzu keine Angaben machen. Als ich ihr Fragen im Rahmen meiner Arbeit zu ihrer Biographie stellte, erzählte sie zwar von ihren Eltern, ihrem Bruder und ihrem Mann, ging aber nicht weiter darauf ein. Die Themen Sterben und Tod lehnt sie deutlich ab Auch über die Adoptionen der beiden Kinder spricht sie nicht. Ihre Erkrankung nimmt sie an und möchte ,,das Beste daraus machen", so sagt sie. Sie ist froh über die notwendige Unterstützung des Pflegepersonals, was sie im Gespräch äußert. Warum sie nicht mehr in die Kirche zum Gottesdienst gehen möchte, teilte sie mir nicht mit.

Durch Gespräche mit der Tochter wurde deutlich, dass Frau D. auch mit den Kindern nicht über diese Themen gesprochen hat.

3. Persönliche Auswertung und Schlussbetrachtung

Einleitend möchte ich erwähnen, dass ich durch meine enge Zusammenarbeit mit Frau D. erfahren durfte, wie wichtig es ist, nicht nur die Krankheit zu sehen; Das Pflegeverständnis der einzelnen Pflegepersonen, des Teams, beeinflusst die Pflegequalität wesentlich. Eine qualifizierte Pflege ist- auch wenn die Altenpflege eine professionelle Dienstleistung ist- ohne ehrliches Interesse an der Person, ohne Empathie und Zuwendung, ohne Wertschätzung und Respekt nicht möglich.

Gerade in der Altenpflege entwickeln sich zwischen Bewohnern und Pflegenden intensivere zwischenmenschliche Beziehungen im Gegensatz zur Krankenpflege bzw. im Krankenhaus, wo ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Wir, die Pflegenden, begleiten den Heimbewohner fast täglich auf seinem Lebensweg und erleben all seine Höhen und Tiefen mit, unterstützen ihn, diese anzunehmen, zu verarbeiten oder sich damit auseinanderzusetzen.

Durch die gezielte, individuelle Pflegeplanung, unter Berücksichtigung der Biographie, können wir Pflegenden den Bedürfnissen des Bewohners angemessen gerecht werden. Dabei steht immer der Bewohner im Mittelpunkt. Seine Entwicklung in der stationären Pflege macht deutlich, ob die geplante Pflege positiv oder negativ auf ihn wirkt. Dadurch wird erkennbar, ob und inwieweit Änderungen in der Pflegeplanung angezeigt sind. Dies setzt jedoch die genaue Beobachtung des Bewohners voraus. Nur wenn ich den Heimbewohner als Individuum und ganzheitlich betrachte, kann ich Veränderungen an ihm bzw. seinem Verhalten registrieren und umsetzen. So wird deutlich, dass die Pflegeplanung ein immer wiederkehrender Prozess ist, der sich an den Bedürfnissen und dem Befinden des einzelnen Bewohners orientiert.

Während meiner Zusammenarbeit mit Frau D. und durch die Erstellung ihrer Pflegeplanung im Rahmen meines Pflegeberichts konnte ich mein theoretisches Wissen in die Praxis einbringen und umsetzen. Frau D. stand unserer Zusammenarbeit aufgeschlossen und experimentierfreudig gegenüber. Sie äußerte klare Kritik, Wünsche und Bedürfnisse, welche in die Pflegeplanung aufgenommen und umgesetzt wurden. Durch das einheitliche Pflegeverständnis im Team wurde die ganzheitliche, individuelle Pflegeplanung von Frau D. durchgeführt, überprüft, dokumentiert und ausgewertet. Meine erstellte Planung für Frau D. wird weiter durchgeführt und auch nach Beendigung meines Berichtes weiter ausgearbeitet, was mir besonders wichtig ist.

Nicht jede Maßnahme fand dass von mir ,,erhoffte" Interesse bei Frau D., sodass auch nicht alle Ziele erreicht werden konnten und durch Neuplanung der Ziele und Maßnahmen verändert wurden. Im Ganzen erlebte ich meine Arbeit mit Frau D. als durchweg positiv. Mein pflegerisches Handeln wurde durch die einzelnen Erfolge bzw. Veränderungen bestätigt, insbesondere durch die gemeinsame Reflexion mit Frau D. und dem gesamten Team.

4. Quellen

- Bewohnerakte von Frau D. sowie Frau D. persönlich und Frau D.s Tochter zur Erfassung detaillierten biographischen Daten

- Unterlagen und Literatur aus der Schule

-,,Die Pflege des Menschen im Alter" von M. Seel und E. Hurling

-"Medikamentöse Therapie des Morbus Parkinson" von Priv.-Doz. Dr. Th. Müller

-"Die Parkinson- Krankheit" Trias Verlag

-"Parkinson" von Piet Hein van Seggelen

- Gespräche mit dem Hausarzt und dem behandelnden Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

39 von 39 Seiten

Details

Titel
Morbus Parkinson
Note
Sehr gut+
Autor
Jahr
2002
Seiten
39
Katalognummer
V107187
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Anhang ist leider nicht mehr vorhanden.
Schlagworte
Morbus, Parkinson
Arbeit zitieren
Michaela Legner (Autor), 2002, Morbus Parkinson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107187

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