Führer ohne Gefolgschaft - Deutscher Adel und der Untergang der Monarchie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

23 Seiten, Note: 1,7


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Gliederung

I. Einleitung

II. Deutscher Adel zwischen Selbstbehauptung und Niedergang
1.) Der Adel im Kaiserreich
2.) Weltkrieg und Revolution
3.) Der Adel und die Weimarer Republik
a) Der Kapp-Lüttwitz Putsch
b) Die Deutsche Adelsgenossenschaft
c) Der Deutsche Herrenklub

III. Schlussbetrachtung

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Am 23. März vor 70 Jahren verabschiedete der Reichstag das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“, das unter dem Namen „Ermächtigungsgesetz“, in die Geschichte eingegangen ist. Mit diesem Gesetz enthob sich das deutsche Parlament selbst der Macht und sprach der Regierung unter Reichskanzler Adolf Hitler die gesetzgebende Gewalt zu.[1] Diese Selbstaufgabe der ersten deutschen Demokratie nach nur dreimonatiger Kanzlerschaft Hitlers steht im Hintergrund jeder Beschäftigung mit der Weimarer Republik.[2] Für das Scheitern wurden unter anderem die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages, die politischen Strukturen und die wirtschaftlich-sozialen Bedingungen verantwortlich gemacht. Während sich aber für die Nachkriegshistoriographie wegen der drohenden „proletarischen Diktatur“ die Notwendigkeit der ergriffenen politischen Maßnahmen der Übergangsregierung ergaben,[3] wurde seit den 60er Jahren der Verlauf der Revolution von 1918/19, das Verhalten der sozialdemokratischen Volksbeauftragten und deren eventuell nicht genutzten Handlungsspielräume hinterfragt.[4] Schärfer als zuvor wurde nun die Kompromissbereitschaft der neuen Machthaber und ihr verhaltenes Vorgehen gegen offensichtliche Gegner der Republik kritisiert[5] und die Kontinuität antirepublikanischer Vorstellungen thematisiert: „Diejenige ‚Machtelite’, die am konsequentesten und erfolgreichsten die Liquidation Weimars betrieben hatte und auch im Januar 1933 bei der Machtübertragung an Hitler eine Schlüsselrolle spielte, die Klasse der ostelbischen Rittergutsbesitzer, war 1918 in ihrer Position niemals ernsthaft in Frage gestellt worden.“[6]

Der ostelbische Großgrundbesitz, dem Winkler eine Schlüsselrolle bei der Auflösung der Weimarer Republik zukommen lässt, war gleichzeitig für Jahrhunderte die Grundlage für preußisch-adlige Machtpositionen gewesen.[7] Untersuchungen über die Rolle des Adels bei der Machtübertragung an Hitler konzentrieren sich weitgehend darauf, entweder den Einfluss ostelbischer Großgrundbesitzer und ihrer Interessensverbände zu beleuchten,[8] die Bedeutung des verarmten, nicht mehr in den Führungspositionen sitzenden Adels aufzuzeigen,[9] oder die Verantwortlichkeit einzelner Personen mit engem Kontakt zu Hindenburg herauszuarbeiten.[10] Studien mit dieser Fokussierung werden zwar nicht der Heterogenität des deutschen Adels gerecht,[11] sind aber durch die tatsächlich erstaunliche Machtfülle und daraus resultierende Einflussmöglichkeiten, die sich einige Adlige über die Revolution hinaus retten konnten, unentbehrlich.

Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es, den Weg des Adels vom wilhelminischen Kaiserreich in die Weimarer Republik zu verfolgen und die Rolle Adliger bei der Auflösung der Republik zu beleuchten. Dabei muss hervorgehoben werden, dass sich der deutsche Adel spätestens nach 1918 als zu heterogene gesellschaftliche Gruppe darstellte, als dass man „das“ Verhältnis „des“ Adels zur Weimarer Republik beschreiben könnte. Gefordert ist vielmehr eine Betrachtung homogener Gruppen, die sich neben ihrer Abstammung durch gemeinsame wirtschaftliche und politische Interessen, sowie durch vergleichbare soziale Verhältnisse erkennen lassen.

Ausgangspunkt dieser Arbeit ist dabei die Situation vor dem Ersten Weltkrieg. Hier sollen im ersten Abschnitt grundsätzliche Schwierigkeiten, die sich einer Beschäftigung mit „dem“ deutschen Adel in den Weg stellen, aufgezeigt werden und traditionelle Domänen, von denen aus Adlige weit länger als ihre europäischen Nachbarn die Politik des Staates mitgestalteten, vorgestellt werden. Der Erste Weltkrieg und die Revolution von 1918 veränderte die Situation für Adlige maßgeblich und zwang sie, eine neu Position zum neuen System demokratisch legitimierter Herrschaft zu beziehen. Diese adligen Reaktionen auf die veränderten Verhältnisse, die sich zwischen Konfrontation, Konsolidierungsbemühungen und Kooperation bewegten, bilden den letzten Teil dieser Arbeit vor der Schlussbetrachtung.

II. Deutscher Adel zwischen Selbstbehauptung und Niedergang

1.) Der Adel im Kaiserreich

Ohne Zweifel war der Adel im Deutschen Kaiserreich der staatstragende Stand. Nicht nur in Preußen besetzten Adlige die Führungspositionen in Militär, Diplomatie und staatlicher Verwaltung, sondern auch in Süddeutschland hielt sich der Adel in den Spitzenpositionen.[12] Da der Adel selbst abhängig war von der Gunst der Krone,[13] galt er als Garant der kaiserlichen Ordnung und für immun gegen jede Art revolutionärer Umsturzgedanken. Die Identifizierung des Adels als gesellschaftliche Elite des Kaiserreichs liegt also auf der Hand. Dem entsprach auch das Selbstverständnis der Adligen, die sich aus dem exklusiven Kriterium der Geburt und ihrer spezifischen Sozialisation zu den Führungspositionen berufen fühlten.[14] Dabei ist jedoch die große Vielfalt und strenge interne Gliederung innerhalb des deutschen Adels leicht zu übersehen. Entsprechend der langen Periode, in der eine Vielzahl von Fürstentümern souverän nebeneinander existierten, ist der deutsche Adel noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch seine Heterogenität gekennzeichnet.[15] Relativ eigenständige Adelsgruppen lassen sich durch fünf Kriterien unterscheiden:[16] Erstens durch die regionale Herkunft, zweitens durch die jeweiligen Konfession, drittens durch die Hierarchie innerhalb des Adels,[17] viertens durch die Reputation einzelner Familien und fünftens durch die beruflichen und finanziellen Verhältnisse in denen sich Familien oder Personen befanden.

Grundlage für diese Machtpositionen war überall, über Jahrhunderte hinweg der adlige Landbesitz.[18] Vor allem in Ostelbien, das heißt in Schlesien, Ostpreußen, Brandenburg, Pommern und Mecklenburg, verteidigte der Adel seine Position als Gutsbesitzer über äußerst große, zusammenhängende Ländereien. Die Mehrheit beschränkte sich hier auf die Produktion von Getreide und machte sich dadurch von Schutzzöllen, Heereslieferungen und direkter staatlicher Unterstützung abhängig.[19] Hier bildete sich der agrarische Gegenpol zum modernen Industriekapitalismus, der mit erstaunlichem Erfolg seine Interessen gegen diejenigen breiter bürgerlicher Schichten durchsetzten konnte.[20] Aber auch durch seinen großen Anteil am gesamten Adel fällt der ostelbische besonders ins Gewicht. Berufliche Perspektiven boten sich adligen Söhnen, die nicht die Verwaltung des familiären Gutsbesitzes übernehmen konnten, in dem durch Heeresvergrößerungen aufgeblähten Offizierskorps oder in den höheren Stellen der Bürokratie und der staatlichen Verwaltung.[21] 1911 waren 11 von 12 Oberpräsidenten Adlige, 23 von 36 Regierungspräsidenten und 268 von 481 Landräten und Oberamtmännern. Noch 1918 gehörten 55 Prozent aller Regierungsassessoren zum Adel und auch von den 548 Diplomaten in der Zeit von 1871 bis 1914 waren 377 oder 69 Prozent adlig.[22]

Auch in den übrigen Ländern des Deutschen Reiches beeindruckt der Adel durch seine Fähigkeit, sich in den Schlüsselpositionen der Macht zu halten. Ihr Einfluss auf die Rekrutierung neuen Führungspersonals erscheint so gewichtig, dass in der Forschung unter anderem von einer Feudalisierung des Bürgertums ausgegangen wird:[23]

„Während die Aristokratie sich durch Anpassungsfähigkeit auszeichnete, tat sich die Bourgeoisie durch blinden Nachahmungseifer hervor. Die ‚Großbürger’ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verleugneten und diskreditierten beständig den eigenen Stand, in dem sie sich der Aristokratie in jeder Beziehung zum Vorbild nahmen […]. Die Großen der Geschäfts- und Finanzwelt kauften sich Ländereien, schickten ihre Söhne auf Elitenschulen und gewöhnten sich aristokratische Posen und Lebensformen an.“[24]

Diese Beeinflussung konnte natürlich nicht einseitig sein. Denn auch wenn Bürger in den Spitzenpositionen den adligen Erwartungen entsprechen mussten, gerieten auch Adlige unter den Druck bürgerliche Tugenden wie individuelle Leistung, Fleiß und Erfolg.[25] In diesem Zusammenhang steht auch der Befehl des Kaisers vom 29. März 1890 über die Öffnung des Offizierskorps für den „Adel der Gesinnung“:

Nicht nur der Adel der Geburt allein kann heutzutage wie vordem das Vorrecht für sich in Anspruch nehmen, der Armee ihre Offiziere zu stellen. Aber der Adel der Gesinnung, der das Offizierskorps zu allen Zeiten beseelt hat, soll und muß demselben unverändert erhalten bleiben. [26]

Demnach ist es übereilt, von einer generellen Rückständigkeit des Adels auszugehen. Jedoch vergrößerte das Scheitern der 1848er Revolution, die die Grundlage für eine Neubildung einer adlig-bürgerlichen composite élite hätte schaffen können,[27] die Distanz zwischen Adel und Bürgertum. Die Vision des preußisch dominierten Deutschen Kaiserreichs untermauerte das Bündnis zwischen Adel und Krone und festigte das adlig-altpreußische, feudale Orientierungssystem. Dennoch zeigt sich der Adel durch unterschiedliche Anpassungsstrategien in der Lage, auf die wachsende Konkurrenz aufstrebender Bürger zu reagieren.[28]

Um so erstaunlicher erscheint die Selbstbehauptung des Adels in den Führungspositionen, wenn man ihren Anteil an der gesamten Bevölkerung betrachtet. Während nämlich in der Zeit von 1890 bis 1913 die Reichsbevölkerung von 49,2 auf 67 Millionen anstieg, nahm die Zahl Adliger, trotz Nobilitierungen, stetig ab. Lebten zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa 140.000 Adlige auf dem Gebiet des späteren Deutschen Reiches, so waren es 1925 auf dem gleichen Gebiet nur noch ca. 60.-70.000. Daraus ergibt sich ein Adelsanteil von knapp 0,1 Prozent.[29] Parallel dazu vervielfältigten sich die zu besetzenden Stellen in Armee und Verwaltung. Es gab schlichtweg nicht genügend Adlige, um sämtliche gehobenen Positionen mit ihnen besetzen zu können. Daraus resultierte eine auf alle staatlichen Institutionen übertragbare „Adelspyramide“: Je höher die Stellung, desto höher war der Adelsanteil.[30]

Ein anderes Problem neben der Abnahme des Adels an der Gesamtbevölkerung, das sich schon relativ früh abzuzeichnen begann, brachten die von Adligen bevorzugten Posten mit sich. Vor allem beim Militär zogen Adlige repräsentative, stark sichtbare und prestigeträchtige Stellen den technischen und organisationsreichen vor.[31] Wie der Krieg zeigen sollte, waren aber gerade diese unbeliebten und deshalb oft dem Bürgertum überlassenen Einheiten, wie Eisenbahn-Bataillone oder Artillerie-Regimenter, die zukunftsweisenden.

2.) Weltkrieg und Revolution

Die drei Einigungskriege hatten dem preußischen Offizierskorps, in dem der Adel die Führungspositionen besetzte, einen unglaublichen Prestigegewinn beschert und die preußische Armee zum Vorbild im Deutschen Kaiserreich gemacht.[32] In keinem anderen europäischen Land prägte der Militarismus das öffentliche Leben so sehr wie im preußisch dominierten Kaiserreich.[33] Die militärischen Erfolge im Osten steigerten noch einmal den Einfluss des Generalstabs auf die deutsche Politik, was sich in der schwindenden Bedeutung des Kaisers als Oberstern Kriegsherrn und im Machtgewinn der Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff manifestierte. Die Einschätzungen und Bedürfnisse der OHL prägten mehr und mehr die Richtlinien der Politik.[34] Doch schon während des Krieges war die Armee Veränderungen ausgesetzt. Nicht nur, dass durch die mörderische Realität des Krieges große Teile des alten Offizierkorps wegfielen, auch veränderten sich die Ansprüche an den Offizier durch die Erfordernisse des modernen Krieges.[35]

Mit dem verlorenen Krieg und der Flucht des Kaisers ins niederländische Exil geriet aber nicht nur die adligen Offiziere, sondern das gesamte monarchische System in eine Legitimationskrise. War der Adel noch 1917 in der Lage, die Reformierung des preußischen Dreiklassenwahlrecht zu verhindern,[36] sah er nach der Revolution seinen generellen Führungsanspruch in Gefahr. Die hohen Verluste, von denen auch der Adel schwer getroffen wurde, erwiesen sich als ungeeignet, das alte Ordnungssystem zu bewahren. Nach dem Ende des Kaiserreiches schien der Niedergang des Adels besiegelt: „Der ganze Zusammenbruch Deutschlands war für uns ein viel schwereres Erleben als der 1945“ erinnert sich Antonie Gräfin zu Eulenburg.[37] Durch eine drohende Sozialisierung, durch Bodenreformen und neue Siedlungspläne war die wirtschaftliche Grundlage des Adels in Gefahr.

Der Schock saß dem Adel also tief in den Knochen, als im Verlauf der ersten Novemberwochen ein Herrschaftshaus nach dem anderen abdankte. Aber auch wenn dieser Verzicht deutscher Monarchen auf ihre Herrschaftsansprüche weitgehend friedlich und zum Wohle der Öffentlichen Ordnung in enger Kooperation mit den neuen Machthabern von statten ging,[38] lässt sich daraus nicht auf die Haltung ihrer adligen Standesgenossen zu der neuen Übergangsregierung schließen. Denn die Unterordnung unter eine sozialdemokratische Regierung in einem demokratischen System war für weite Teile des Adels, wie auch des Bürgertums undenkbar:

Zur heutigen Regierung kann der Alldeutsche Verband ebensowenig Vertrauen fassen, wie er die heutige Regierungsform als die dem deutschen Volk angemessene anerkennt. […] Die Ereignisse nach dem 9. November 1918 haben unzweideutig erwiesen, daß ein Volk, das so sehr sicheren politischen Sinnes entbehrt, wie das unsrige, für die sogenannte freistaatliche Staatsform nicht geschaffen ist, sondern der festen Führung anvertraut werden muß, wie sie die Monarchie besser verbürgt, als die Republik.[39]

Die russische Revolution vor Augen, in der eine kleine radikale Gruppe die unklaren Machtverhältnisse zwischen Provisorischer Regierung und den Arbeiter- und Soldatenräten ausnutzen konnte, um die Regierungsgewalt zu übernehmen,[40] weckte in der Übergangszeit beim Adel ähnlich wie in anderen konservativen Kreisen die Angst vor einer Bolschewisierung der Verhältnisse.[41] Die Tatsache, dass im neu gegründeten Rat der Volksbeauftragten mehrheitssozialdemokratische Vertreter zusammen mit Vertretern der Unabhängigen sich an den Aufbau der verkündeten Republik machten, beruhigte die Gemüter nicht. Mehr Zuversicht hingegen ergab sich aus der Bitte des neuen Reichskanzlers, der die alten Kräfte um ihre Mithilfe zur Lösung der anstehenden Probleme aufforderte:

Ich weiß, daß es vielen schwer werden wird, mit den neuen Männern zu arbeiten, die das Reich zu leiten übernommen haben, aber ich appelliere an ihre Liebe zu unserem Volke. Ein Versagen der Organisation in dieser schweren Stunde würde Deutschland der Anarchie und dem schrecklichsten Elend ausliefern.

Helft also mit mir dem Vaterlande durch furchtlose und unverdrossene Weiterarbeit ein jeder auf seinem Posten, bis die Stunde der Ablösung gekommen ist.[42]

In der Tat gingen die neuen Machthaber relativ behutsam mit der kaiserlichen Beamtenschaft um, so dass eher von einem langsamen Niedergang, als von einem abrupten Ende die Rede sein kann.[43] Doch trotz dieser demonstrativen Geste, die die Bereitschaft der Mehrheitssozialdemokratie zur Zusammenarbeit mit den alten Kräften des Kaiserreichs zeigte, ist es beispielhaft, dass diese Kooperation nicht ein Adliger, sondern der bürgerliche Aufsteiger Wilhelm Groener prägte.[44] Allerdings gelang es Groener in der Tat durch den Rückhalt, den Hindenburg ihm verschaffte, die „Auslieferung der Macht an die radikalere Richtung zu verhindern, also zu retten, was zu retten war“.[45] Wahrscheinlich ermöglichte es auch diese Autorität Hindenburgs und die Hoffnung, durch eine Zusammenarbeit den Einfluss auf die Zukunftsgestaltung nicht zu verlieren, dass sich jüngere Adlige des Offizierskorps’ in erstaunlich kooperativer Haltung zu einer Zusammenarbeit mit den Soldatenräten bereit erklärten.[46] Weitaus üblicher war jedoch, dass „die ältere Generation der adligen Repräsentanten des Ancien Régime die Räte als ‚zerstörerisch’ total ablehnte“.[47] Und auch dass die anfängliche Furcht vor dem „russischen Wahnsinn“, den Philipp Scheidemann jetzt auch in Deutschland vermutete,[48] doch nicht so begründet war und sich die Mehrheitssozialdemokratie als gebürtiger Gegner aller revolutionären Bemühungen erwies,[49] änderte nichts an der generell ablehnenden Haltung Adliger gegenüber der neuen Regierung. Für sie war die Revolution eine illegitime „Besitzergreifung der staatlichen Macht durch das Industrieproletariat“.[50]

Mit den noch im Kaiserreich begonnenen parlamentarischen Reformen und der Abschaffung des preußischen Dreiklassenwahlrechts, mit dem verlorenen Krieg und vor allem mit der Flucht Kaiser Wilhelm II., der paradigmatisch für den adligen Anspruch auf Führungspositionen an der Spitze des Reiches gestanden hatte, schien ein für alle Mal die Legitimation politischer Gewalt durch Erbschaft abgelöst und der Zugang zu politischen Ämtern vom Vertrauen der Bevölkerung und der eigenen Profession abhängig zu sein.[51] Die in der Realität aber sehr unterschiedlichen Auswirkungen der Revolution auf den Adel ergaben schließlich durchaus vielfältige Erscheinungen adliger Lebenswelten. Diese führten dazu, dass der Adel noch weniger als im Kaiserreich als einheitliche gesellschaftliche Gruppe zu erkennen war.[52]

3.) Der Adel und die Weimarer Republik

Das Scheitern des monarchischem Systems machte die Adligen zu den Hauptverlierern der Revolution. Denn neben jenen Adelsgruppen, die sich durch ihre Leistung, durch professionelle Netzwerke, Lobbyismus oder der gesicherten wirtschaftlichen Machtposition als Landbesitzer weiterhin Gehör und Einfluss sichern konnten, traf der Verlust der alten Privilegien die meisten Adligen hart.[53] Nach der Revolution brachen für weite Teile des Adels die alten traditionellen Berufsfelder weg. Eine Beschreibung der Adelsgruppen, die sich durch ihr Verbleiben im Offizierkorps, in den höheren Beamtenbahnen, der Diplomatie und in der Landwirtschaft den gewohnten Lebenswandel weiterhin ermöglichen konnten, muss deshalb ergänzt werden durch die aus ihren Positionen gedrängten Gruppen, die durch ihre Sozialisation an einer Integration in die demokratische Gesellschaft weitgehend behindert waren.

Die Reichsverfassung der Weimarer Republik sah mit dem Artikel 109, Absatz 3 eine Abschaffung adliger Vorrechte, ein preußisches Gesetz vom 23. Juni 1920 sogar die „Auflösung [adliger] Hausvermögen“ vor.[54] Die Bestimmungen des Versailler Friedenvertrages erforderten zudem eine Reduzierung des stehenden Heeres auf 100.000 Mann. Ein Ausscheiden vieler Adliger aus dem Offizierkorps war dadurch unerlässlich. Jedoch verbesserten „weiche“ Rekrutierungskriterien, in denen schwer messbare Anforderungen wie „Persönlichkeit“ oder „Charakter“ berücksichtigt wurden, Adligen die Chancen auf Wiedereinstellungen, nicht zuletzt deshalb, weil der Neuaufbau der Reichswehr in den Händen der alten, aristokratisch geprägten Offiziere lag.[55] Für den Adel ergab dies, dass sich sein Anteil im Offizierskorps seit der Jahrhundertwende zwar halbierte, sich mit rund 20 Prozent seit den 20er Jahren aber relativ konstant halten konnte.[56]

Die wachsende Desorientierung in der Nachkriegszeit lässt sich auch an den steigen Mitgliederzahlen der Deutschen Adelsgenossenschaft ablesen.[57] Dieser noch im Kaiserreich gegründete Verband hatte sich den Schutz adliger Standesgenossen vor den Bedrohungen der modernen Massen- und Industriegesellschaft zur Aufgabe gemacht.[58] Die Arbeit dieses Verbandes war jetzt gefragter denn je, denn für die meisten Adligen schieden vorerst „bürgerliche“ Berufsfelder als nicht standesgemäß aus.[59]

Mit dem Rückzug aufs Land entging, wer konnte, dem wachsenden Druck, sich neuen Einnahmenquellen zuwenden zu müssen. Denn anders als erwartet, wurde von keiner der folgenden Regierungen die anfänglichen Pläne einer Bodenreform je ernsthaft umgesetzt, so dass der Adel vor allem im östlichen Preußen seine alte Position als Gutsherr weiterhin behaupten konnte.[60] Hier hielt sich das alte preußische Herrschaftsverhältnis. Revolutionäre Bewegungen scheiterten an der eigenen ideologischen und organisatorischen Schwäche und der Zusammenarbeit zwischen Landarbeitern und Gutsbesitzern, die sich in paramilitärischen Verbänden zusammenfanden.[61]

Der Verlust von über 6000 Offiziersstellen und die wachsende Konkurrenz nach dem Wegfall der monarchischen Protektion in den staatlichen Institutionen[62] zwang aber einen Großteil des Adels, sich Gedanken über zukünftige Betätigungen zu machen. In der Not etablierte sich eine Reihe neuer Berufsfelder, die zwar weit von den alten Machtpositionen und traditionellen Führungspositionen entfernt waren, aber wenigstens das völlige Absinken in die Hilfsbedürftigkeit verhinderten. Der Beteiligung im demokratischen Parteiensystem stand ein breites Ressentiment entgegen. Dem Adel am nächsten standen die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und die Deutsche Volkspartei (DVP), für den katholischen Adel das Zentrum. Verbreiteter als das Engagement in politischen Parteien war dagegen die Mitgliedschaft in so genannten „Herrenklubs“, konservativen Gesprächskreisen, die in der Ring-Bewegung zusammengefasst waren und der Sammlung reaktionärer Kräfte dienten.[63]

Es lassen sich demnach drei Adelsgruppen ausmachen:[64] Erstens jene kleine Gruppe, die sich wie zuvor in den Spitzenfunktionen von Militär, staatlicher Verwaltung und Diplomatie halten konnten oder auf dem familiären Gutsbesitz die alten landwirtschaftlichen Interessen verteidigen konnte. Zweitens eine Gruppe, die sich den wandelnden Ansprüchen wie Profession und Leistung anzupassen wusste und sich den verpönten „bürgerlichen“ Erwerbsfelder zuwandte. Und drittens eine ständig wachsende Gruppe verarmter Adliger ohne nennenswerten Landbesitz oder Zugang zu etablierten Berufsfeldern: das „Adelsproletariat“, das nichts weiter mitbrachte als seine Standeszugehörigkeit.

In dieser für viele Adlige wirtschaftlich wie sozial schwierigen Lage, in der die alten traditionellen beruflichen Perspektiven verbaut und das Ansehen in der Öffentlichkeit schwer beschädigt waren, schien die Zeit für einen stillen Niedergang des deutschen Adels gekommen. Denn die Rückkehr zur Monarchie und damit zur Restauration feudaler Herrschaft fand weder im Offizierskorps und schon gar nicht in der Bevölkerung eine Mehrheit.[65] Das sture Beharren großer Teile des Adels auf angestammte Führungspositionen, die nicht im geringsten mit den realen sozialen Verhältnissen koalierten, erschwerten darüber hinaus eine adlig-bürgerliche Zusammenarbeit.[66] Der Umsturz des alten Ordnungssystems hatte nicht primär die Gemeinsamkeiten zwischen adlig-bürgerlichen reaktionären Kreisen gefördert, sondern schien nur punktuell die Möglichkeit zur Kooperation geschaffen zu haben.

Entsprechend der Heterogenität des Adels nach der Revolution, die zwar eine Diversifizierung adliger Lebenswelten nach sich zog, nicht aber das adlige Selbstverständnis zerstören konnte, waren die Haltungen gegenüber dem neuen Staat vielfältig. Im Folgenden sollen hier drei Beispiele adliger Reaktionen auf die veränderten Umstände vorgestellt werden. Von Interesse ist hierbei auch die Interaktion mit bürgerlichen Kreisen. Sie können Aufschluss über die letzte Phase der Weimarer Republik geben, in der Adlige aktiv an der Auflösung der Republik beteiligt waren.

a) Konfrontation: Der Kapp-Lüttwitz Putsch

Für viele adlige Offiziere war der Krieg auch nach dem Abschluss des Waffenstillstandes am 11. November noch nicht vorbei. Die OHL sah sich vor die Aufgabe gestellt, die immer noch außerhalb der alten Reichsgrenzen stehenden Truppenverbände vor der Kriegsgefangenschaft durch schnellstmögliche Rückführung zu schützen und die Neubildung von verlässlichen militärischen Einheiten unter dem eigenen Befehl voranzutreiben, womit der revolutionären Auflösung entgegengewirkt und den autonom entstehenden bewaffneten Gruppen nicht das Handlungsfeld überlassen werden sollte.[67] Denn die revolutionären Auflösungserscheinungen des Heeres und die Furcht vor dem Bolschewismus im eigenen Land wie auch an den Ostgrenzen des alten Reiches, veranlasste die spontane Gründung so genannter Freikorps, die sich als Fragmente der alten Armeen oft nicht der zentralen Kommandogewalt unterwarfen, sondern nur ihren direkten Vorgesetzten.[68] Hier wie aber auch in der regulären Armee fanden adlige Offiziere die Möglichkeit ihre anfänglich konkreten Ziele – Niederschlagung der Revolution und Sicherung alter Besitztumsverhältnisse – umzusetzen.[69] Die „private[n] und halbstaatliche[n] Wehrorganisationen, in deren Händen ein großer Teil der Waffen und militärischen Geräte lag“ führten letzten Endes aber „zu einer Militarisierung der innenpolitischen Konflikte, die die Reichswehr und ihre Politik schließlich selbst bedrohten.“[70]

Geprägt durch die Schrecken des Krieges, die Heroisierung der eigenen Fronterfahrungen und die Umdeutung der militärischen Niederlage in einen heimtückischen Verrat von Subjekten, die die Nation zersetzen, herrschte in den meisten selbständig gegründeten Freikorps eine ablehnende Haltung gegenüber der neuen Regierung und der mit ihr zusammenarbeitenden OHL. Vereint in der Verweigerung, die „vaterlandsverräterischen“ Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages umzusetzen, wuchs die Bereitschaft, die direkte Konfrontation mit der neuen Reichsleitung zu suchen. Auch für große Teile des Offizierkorps waren die alliierten Forderungen, die am 10. Januar 1920 mit dem Versailler Friedensvertrag in Kraft getreten waren, unzumutbar.[71] Die Pflicht zur Auslieferung oder zumindest Aburteilung deutscher Kriegsverbrecher galt als Affront und die Truppenreduzierung auf 100.000 Mann bedrohte sowohl die Angehörigen der Reichswehr, als auch die Freiwilligenverbände in ihrer Existenz. All das vergrößerte die Bereitschaft zur Aktion.[72]

Als am 29. Februar 1920 vom Reichswehrminister Noske der Auflösungsbefehl für die Marinebrigade Ehrhard, einer der schlagkräftigsten militärischen Einheiten, erlassen wurde und am 9. März in der Nationalversammlung der Antrag von DNVP und DVP zur Auflösung der Nationalversammlung und Ausschreibung der Reichstagswahl abgelehnt wurde, war für viele die Zeit zur offenen Auseinandersetzung gekommen. Rückwirkend erinnert sich Kuno Graf von Westrap, Chefredakteur der „Neuen Preußischen (Kreuz-)Zeitung“, dessen „Beziehungen zur Vorbereitung und Durchführung des von Kapp geplanten Staatsstreiches“ nach eigenen Angaben „enger gewesen [sind], als ich es damals […] mitgeteilt habe“, so:[73]

Der Grund, aus dem Kapp und v. Lüttwitz ihren Vorstoß unternahmen, war die leidenschaftliche Gegnerschaft gegen das System, dem der Umsturz vom 9. November 1918 Deutschland ausgeliefert hatte, und die tiefe Sorge, daß dessen Träger und Nutznießer nicht fähig, auch nicht fest und klar entschlossen seien, das daraus hervorgegangene Elend zu meistern und die von außen und innen drohende Gefahr der bolschewistischen Revolution abzuwenden. […] Anstatt ferner die Herabsetzung auf 100 000 Mann entsprechend der von v. Lüttwitz aufgestellten Forderung abzulehnen oder wenigstens hinauszuschieben, hatten sie [die Träger des Systems] Deutschlands Wehrlosigkeit und die Not und Unruhe der verdienten Frontkämpfer vergrößert, indem sie die Auflösung der Freikorps nicht nur zögernd und unter Druck der Entente, sondern von eigener Gegnerschaft und Furcht getrieben beschleunigt ins Werk setzten.

Am 10. März forderte Lüttwitz den Reichspräsidenten ultimativ auf, den Antrag der DNVP und DVP umgehend umzusetzen, die Minister des Auswärtigen Amtes, des Wirtschafts- und des Finanzministeriums auszuwechseln und ihn zum Oberbefehlshaber der Reichswehr zu ernennen. Doch anstatt den offenbar zum Putsch bereiten General festzusetzen und anzuklagen, wurden seine Forderungen von Ebert lediglich abgelehnt und ihm der Rücktritt empfohlen.[74] Lüttwitz hatte dadurch die Möglichkeit, seine Pläne zu verwirklichen und marschierte am 13. März mit der Marinebrigade in Berlin ein. Zu den offenen Auseinandersetzungen kam es indes nicht, weil in einer Besprechung in der Nacht zum 13. März zwischen dem Reichswehrminister, Gustav Noske, dem Chef der Heeresleitung, General Reinhard, und leitenden Offizieren des Wehrministeriums die Anwendung von Gewalt gegen die Aufständischen abgelehnt wurde.[75] Der Putsch scheiterte dennoch rasch. Neben der dilettantischen Organisation und Durchführung lag das vor allem an der Passivität der Bürokratie und an dem erfolgreichen Generalstreik, der noch am selben Tag ausgerufen wurde.[76]

Der Kapp-Lüttwitz Putsch war keine adelspezifische Reaktion auf die gegebenen Umstände, sondern wurde von Adligen wie Bürgerlichen gleichermaßen getragen.[77] Den meisten Rückhalt fand er in den ostelbischen Provinzen, in denen sich schon früh antirepublikanische und konterrevolutionäre Keimzellen bildeten.[78] Der Putsch hatte nicht die Wiederherstellung der Monarchie zum Ziel.[79] Die Attraktivität, die er aber auf viele adlige Offiziere hatte, lassen die gewachsenen adlig-bürgerlichen Gemeinsamkeiten in dem Kampf gegen die verhasste Republik erkennen. Das Fehlschlagen des Putsches bedeutet jedenfalls nicht, dass reaktionäre oder konterrevolutionäre Bewegungen generell keinen Rückhalt in der politischen Rechten gehabt hätte. Die mangelnde Bereitschaft des konservativen und rechten Adels und Bürgertums den Putsch tatkräftig zu unterstützen, ist wohl eher auf Unstimmigkeiten in strategischen Fragen zurückzuführen.[80]

b) Konsolidierungsbemühungen: Die Deutsche Adelsgenossenschaft

Der Übergang in die moderne Industriegesellschaft war für weite Teile des Adels eine Herausforderung, der sie nicht gewachsen waren. Schon kurz nach der Reichsgründung manifestierte sich diese Erkenntnis in der Gründung der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG).[81] Ihr Ziel war es, einen Ausweg aus der Legitimationskrise adliger Führungsansprüche zu finden. Nach dem Ersten Weltkrieg gewann die DAG durch die weit verbreitete Haltung Adliger, lieber kärgliche Existenzen am Rande der Gesellschaft zu führen als sich an bürgerliche Lebenswelten anzupassen, erneut an Bedeutung. Die erste Reaktion auf die Bedrohung, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, war die Rückbesinnung auf die gemeinsame Herkunft, der man bisher die Führungsansprüche verdankte. Dennoch sprach die DAG auch als größter Adelsverein nie für „den“ deutschen Adel, ihre Anhängerschaft konzentrierte sich auf den schwächeren Teil des preußischen Kleinadels, Offiziere niederen Ranges und kleine Gutsbesitzer.[82] Erwartet wurde von der DAG einerseits, dass sie die dem Adel verbliebenen Besitztümer schützte und andererseits, dass sie sich für die hohen Erwartungen der aus den Ämtern und Stellungen verdrängten Standesgenossen einsetzte.[83]

Entsprechend der regionalen Unterschiedlichkeit des Adels, prägten von Region zu Region unterschiedliche Nuancen das Bild der DAG. Als überregionaler und interkonfessioneller Verband wurde die Satzung in ihrer Zielsetzung dennoch recht deutlich.[84] Sie lässt das Bedürfnis der Mitglieder der DAG erkennen, sich selbst als homogenen Stand an der Spitze der Gesellschaft zu sehen. Die aggressive Abgrenzung gegenüber der modernen kapitalistisch-materialistischen Geschäftswelt und im Gegenzug die Stilisierung der eigenen adlig-ländlichen Lebenswelten als einzig geeignet, Anstand, Sitte, Ehrbarkeit und christlichen Glauben zu wahren, diente den Bestrebungen, den deutschen Adel zu homogenisieren und seine weitere Existenzberechtigung als „vorübergehend funktionslose Führungsschicht“[85] zu legitimieren.

Verknüpft waren diese politischen Grundzüge mit einem äußerst aggressiven Antisemitismus, der zuerst wirtschaftlich-kulturell, später auch biologisch-rassisch begründet wurde.[86] Die regionale Heterogenität, die unterschiedlich radikale Positionen mit sich brachte, wirkte sich bei der Durchsetzung dieses Antisemitismus zwar bremsend aus,[87] konnte die Entwicklung aber nicht aufhalten. So wurden bereits 1900 Stimmen in der DAG laut, die eine Stigmatisierung und Ghettoisierung von Juden forderten.[88] Auf dem 34. Adelstag der DAG im Sommer 1920 in Berlin führte der Verband nach kontroverser Debatte seinen ersten „Arierparagraphen“ ein: Adlige die unter ihren Vorfahren einen „Nichtarier“ hatten oder mit jemandem verheiratet waren, bei dem dies zutraf, wurden von der Mitgliedschaft in der DAG ausgeschlossen.[89]

Der „Arierparagraph“ der DAG war ein Schritt auf dem Weg, den alten Adelsbegriff umzuwerten. Die adlige Herkunft als zweifelhafte Qualität adligen Führungsanspruchs war in der Gesellschaft kaum noch gefragt. Den Adligen, die nicht dazu bereit waren, von ihren überholten Erwartungen abzuweichen, blieben daher nicht viele Möglichkeiten. Weil vom Weimarer System nicht zu erwarten war, dass es je wieder den Ansprüchen verarmter Adliger auf Führungspositionen gerecht werden würde, erwiesen sich Adlige, die sich nicht mit der Gleichstellung zu bürgerlichen Schichten abfinden konnten, als undemokratisierbar. Die fehlenden Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklung mussten aber kompensiert werden. In dieser Situation schwenkten Teile der DAG in eine „adelsmythologisch-völkisch“[90] geprägte Bewegung ein, die schon früh deutliche Überschneidungen mit dem Nationalsozialismus zeigten.[91] Bei der Suche nach dem „Neuadel“, den der nationalsozialistische Agrarpolitiker Walter Darré im „Neuadel aus Blut und Boden“ ausmachte, verloren sich aber die alten Kriterien des Adels gänzlich.[92]

Dass mit dem „Neuadel aus Blut und Boden“ nicht der alte Namensadel gemeint war, irritierte den neuen DAG-Vorsitzenden, Fürst Adolf zu Bentheim-Tecklenburg- Rheda, nicht. Für ihn und für die DAG, die seinem Kurs nach dem Juli 1932 gefolgt war,[93] ergab sich aus der Krise der Weimarer Republik die einmalige Chance, das Rad der Zeit zurückzudrehen und mit Hilfe der nationalsozialistischen Massenbewegung, die man im Grunde für führerlos hielt, wieder in alte Positionen zurückzukehren.[94]

Die anfänglichen Konsolidierungsbemühungen der DAG, zu denen auch die Suche nach standesgerechten „bürgerlichen“ Berufen gehörte,[95] wurden in der Endphase der Weimarer Republik mehr und mehr aufgegeben. In den Vordergrund rückte die Schaffung eines neuen Adelideals. Die Anbiederung an nationalsozialistische Vorstellungen brachte der DAG letztendlich kaum Vorteile. Zwar entging die Genossenschaft somit der Auflösung, konnte ihre angestrebten Führungspositionen im Dritten Reich aber nicht erobern.

c) Kooperation: Der Deutsche Herrenklub

Die elitäre „Antithese“ zur Deutschen Adelsgenossenschaft bildete der Deutsche Herrenklub (DHK).[96] Dieser auserlesene Kreis, mit adligen und bürgerlichen Vertretern aus den Spitzenpositionen aller gesellschaftlich relevanten Bereiche, ist jedoch keineswegs als adlige Institution zu sehen.[97] Seine Aufgabe sah der DHK, der Ende 1924 aus den Juni-Klubs hervorgegangen war, in der Sammlung bürgerlich-adliger Führungspersönlichkeiten, um die Politik durch die partikularen Interessensverbände am Parlament vorbei gestalten zu können.[98] Nach dem Berliner Vorbild gründeten sich in den 20er Jahren in ganz Deutschland unabhängige „Herrengesellschaften“, die zusammengenommen in der Zeit ihrer größten Einflussmöglichkeiten auf eine Mitgliederzahl von 5.000 kamen. Vernetzt waren die einzelnen Gesellschaften durch die Ring- Bewegung. Der hohe Adelsanteil in den einzelnen Klubs von 30-60 Prozent zeigt,[99] wie gut es Teilen des Adels gelang, sich über die Wirren der Revolution und den Zusammenbruch der Monarchie hinaus in den Schlüsselpositionen der Macht zu halten.

Im Gegensatz zur DAG war die Mitgliedschaft im DHK überhaupt nur für wenige Auserwählte möglich,[100] die Mitgliedszahl des Berliner Klubs von vornherein auf maximal 500 begrenzt. Auffällig war die große Zahl von titulierten Adligen wie Freiherren, Grafen, Prinzen oder Fürsten. In den Klubs vereinigten sich höhere Offiziere, Beamte und Diplomaten sowie Vertreter aus mittelständischen Unternehmen, Fabrikanten, Industrielle und Finanziers. Stärker als die Großindustrie, waren agrarische Verbände vertreten.

Neben dem Zusammenbringen dieser einflussreichen Kreise bemühte sich der DHK die Tradition des Juni-Klubs aufrechtzuerhalten, der durch eine eigene Zeitschrift und politischen Schulungen der Neuen Rechten ein Diskussionsforum geschaffen hatte.[101]

Umstrittener als bei der DAG ist das Verhältnis des DHK zur nationalsozialistischen Bewegung.[102] Dabei kann allein der Nachweis von antisemitischen Grundzügen kein schlagender Beweis für eine generelle Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie sein. Stärker als bei der DAG ergab sich eine Distanz zur NS-Bewegung durch die einflussreiche Position des DHK. Ihre Mitglieder saßen bereits in den Spitzenpositionen und erhofften sich nicht, erst durch den totalitären Staat dorthin zu gelangen.

Aber auch ohne die nationalsozialistische Bewegung war die Perspektive der adlig-bürgerlichen Elitenbildung des DHK begrenzt. Denn auch die nach Rechtsaußen verlagerte Republik hätte mit den grundlegend unterschiedlichen Interessen zwischen Industrie und Landwirtschaft zurecht kommen müssen. Nicht zuletzt diese Interessensgegensätze sprengten die Assimilationsfähigkeiten des DHK.

III. Schlussbetrachtung

Mit dem Untergang der Monarchie verlor der Adel seine begünstigte Sonderstellung im Staat. Dieser Verlust bedeutete für viele Adlige die Notwendigkeit zur völligen Umorientierung. Ihr Anspruch auf privilegierte Stellen in Militär und staatlicher Verwaltung fand im neuen System kaum Berücksichtigung. Als gesellschaftliche Elite hatte ein Großteil des deutschen Adels damit ausgedient.

Wie aber schon Thomas Mann 1918 feststellte, war „die Revolution […] eben die deutsche, wenn auch Revolution“,[103] sprich sie war von der Bereitschaft der neuen Machthaber gekennzeichnet, mit den alten Führungskräften zusammenzuarbeiten. Adlige Interessen wurden folglich nicht explizit geschützt, das Ausbleiben von Sozialisierung und Bodenreform sicherten aber die alten Machtverhältnisse, die sich aus der Verteilung des Eigentums ergaben. Auf die Ausrichtung der Politik konnten daher weiterhin Adlige Einfluss nehmen, die sich durch ihre Leistung in den Führungspositionen behaupten konnten oder sich in Verbänden zur Sicherung ihrer Interessen organisierten.

Sich mit den neuen Verhältnissen der parlamentarischen Demokratie abzufinden, fiel jedoch den meisten Adligen schwer. Hier ergaben sich Schnittstellen, die eine bürgerlich-adlige Zusammenarbeit ermöglichten. Das Zusammenwirken adlig-feudaler und nationalistisch-autoritärer Kräfte belegt der Kapp-Lüttwitz Putsch. Die verhaltenen Reaktionen adlig-konservativer Kreise auf den missglückenden Staatstreich sind aber nicht als Schulterschluss mit den demokratischen Prinzipien zu verstehen. In diesen Kreisen überwogen vielmehr die Zweifel, dass die Gegenrevolution tatsächlich das beste Mittel sei, um den Staat nach Rechts zu drängen. In diesem Prozess, die rechte Gesinnung im Staat zu verstärken, war der Adel aber nur partikulär involviert. Die exklusiven „Herrenklubs“, als adlig-bürgerliche Elitenkooperation, scheiterten mit ihrem Versuch, die Politik des Staates aus den Spitzenpositionen der Gesellschaft ohne den Rückhalt in der Bevölkerung zu bestimmen, an dem absoluten Machtanspruch der nationalsozialistischen Bewegung.

Die große Adelsgruppe, die mit der Revolution sämtliche Einflussmöglichkeiten verloren hatte, war lange Zeit viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. In der DAG sammelten sich Adlige, die, von ihren privilegierten Positionen verdrängt, den alten Führungsanspruch zu erneuern suchten. In ihren internen Auseinandersetzungen über die qualifizierenden Kriterien des deutschen Adels höhlten sie den Adelsbegriff so weit aus, dass er problemlos in dem des nationalsozialistischen „Neuadels aus Blut und Boden“ aufging. Ihr aggressiver Antisemitismus und ihre antibürgerlich-völkischen Grundsätze beschleunigten die völlige Gleichschaltung in der nationalsozialistischen Bewegung.

Das Ende der Weimarer Republik mit der Machtübertragung an Adolf Hitler war nicht zwangsläufig, zeichnete sich aber mit der Ausschaltung des Parlaments durch die Regierung über die Präsidialkabinette ab.[104] Die Bereitschaft des Adels zur Zusammenarbeit mit der NS-Bewegung war durch unterschiedliche Vorhaben motiviert. Gescheitert sind letztlich alle Versuche, Hitler zu zähmen oder die preußisch-feudalen Traditionen mit der modernen Massengesellschaft durch den Nationalsozialismus zu vereinen. Auch der Adel, von dem sich große Teile nie mit dem demokratischen System abfinden konnten, trug seinen Teil dazu bei.

VI. Quellen und Literaturverzeichnis

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2.) Literatur

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Winkler, Heinrich August: Weimar. 1918-1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. München 1998.

[...]


[1] Ian Kershaw: Hitler 1889-1936. Stuttgart 1998, S. 591ff.

[2] Karl Dietrich Erdmann: Die Geschichte der Weimarer Republik als Problem der Wissenschaft. In: Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte, 3 (1955), S. 1-19, hier S. 2f.

[3] Ebd., S. 7.

[4] Eberhard Kolb widerlegte mit seiner Studie über die Zusammensetzung der Arbeiterräte Erdmanns These, es habe 1918 lediglich die Alternative zwischen Zusammenarbeit mit den alten Eliten oder bolschewistischer Diktatur gegeben. E. Kolb: Die Arbeiterräte in der deutschen Innenpolitik 1918-1919. Düsseldorf 1962.

[5] Vgl. u. a. Susanne Miller: Die Bürde der Macht. Die deutsche Sozialdemokratie 1918-1920. Düsseldorf 1978. Heinrich August Winkler: Von der Revolution zur Stabilisierung. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1918 bis 1924. Berlin, Bonn 1984. Hans Mommsen: Die verspielte Freiheit. Der Weg der Republik von Weimar in den Untergang 1918 bis 1933. Berlin 1989.

[6] Heinrich August Winkler: Die Revolution von 1918/19 und das Problem der Kontinuität in der deutschen Geschichte. In: Historische Zeitschrift, 250 (1990), S. 303-319, hier S. 317. So ders. auch aktuell in einem Interview: „Die so genannte Kamarilla – das waren ostelbische Rittergutsbesitzer und Konservative um den früheren Reichskanzler von Papen, Hindenburgs Sohn Oskar und der Staatssekretär Otto Meißner – […] sahen in einer konservativ eingerahmten Kanzlerschaft Hitlers die ungefährlichste Krisenlösung.“ Der Spiegel Nr. 13/24.3.03, S. 81.

[7] Heinz Reif: Adel im 19. und 20. Jahrhundert. München 1999, S. 9ff.

[8] Stephanie Merkenich: Grüne Front gegen Weimar. Reichs-Landbund und agrarischer Lobbyismus. Düsseldorf 1998.

[9] Georg H. Kleine: Adelsgenossenschaft und Nationalsozialismus. In: Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte, 26 (1978), S. 100-143. Stephan Malinowski: „Führertum“ und „Neuer Adel“. Die Deutsche Adelsgenossenschaft und der Deutsche Herrenklub in der Weimarer Republik. In: Elitenwandel in der Moderne. Hg. von Heinz Reif in Zusammenarbeit mit René Schiller, Bd. 2. Adel und Bürgertum in Deutschland II. Entwicklungslinien und Wendepunkte im 20. Jahrhundert. Berlin 2001, S. 173-211. Malinowski beschränkt die Zuarbeit Adliger nicht auf einzelne „Querköpfe“. Vgl. ebd. S. 209f. und Fußnote 134. Hier ist auf die Veröffentlichung seiner Dissertation zu achten, die dieses Jahr im Akademie Verlag mit dem Titel „Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel“ erscheint.

[10] So die detaillierte Verlaufsbeschreibung bei Heinrich August Winkler: Weimar. 1918-1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. München 1998, S. 557-594.

[11] Zur Heterogenität Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 1-9, 32ff.

[12] Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 21f.

[13] Wilhelm II. konnte über die Zivil- und Militärkabinette direkten Einfluss auf die Beförderungen adliger Söhne in der Verwaltung und dem Offizierkorps nehmen: Martin Kohlrausch: Die Flucht des Kaisers – Doppeltes Scheitern adlig-bürgerlicher Monarchiekonzepte. In: Reif: Elitenwandel (wie Anm. 9), S. 73. Für Preußen spricht Francis L. Carsten von einem festen Bündnis zwischen Adel und Krone: F. L. Carsten: Der preußische Adel und seine Stellung in Staat und Gesellschaft bis 1945. In: Hans-Ullrich Wehler (Hg.): Europäischer Adel 1750-1950. Göttingen 1990, S. 112-125, hier S. 123.

[14] Johannes Rogalla von Bieberstein: Adel und Revolution 1918/1919. In: Mentalitäten und Lebensverhältnisse. Beispiele aus der Sozialgeschichte der Neuzeit. Rudolf Vierhaus zum 60. Geburtstag. Hg. von Mitarbeitern und Schülern. Göttingen 1982, S. 243-259, hier S. 247.

[15] Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 1ff.

[16] Unterscheidung nach Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 176.

[17] Das Adelsrecht unterschied grundlegend zwischen hohem und niederem, den Landesherren untergeordnetem Adel. Vgl. Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 2ff.

[18] Reif: Adel (wie Anm. 7.), S. 9.

[19] Carsten: Preußischer Adel (wie Anm. 13), S. 121.

[20] Hans-Ulrich Wehler: Das Deutsche Kaiserreich 1871-1918. Göttingen 41980, S. 48-59.

[21] Reif: Adel (wie Anm. 7.), S. 17ff.

[22] Zahlen nach Carsten: Preußischer Adel (wie Anm. 13), S. 120.

[23] So die These von Arno J. Mayer: Adelsmacht und Bürgertum. Die Krise der europäischen Gesellschaft 1848-1914. München 1984, S. 19f, 83-128.

[24] Mayer: Adelsmacht und Bürgertum (wie Anm. 23), S. 19.

[25] Mark R. Stoneman: Bürgerliche und adlige Krieger: Zum Verhältnis von sozialer Herkunft und Berufskultur im wilhelminischen Armee-Offizierskorps. In: Reif: Elitenwandel (wie Anm. 9), S. 25-63, hier S. 34.

[26] Zitiert nach Hans Meier-Welcker (Hg.): Offiziere im Bild von Dokumenten aus drei Jahrhunderten. Stuttgart 1964, S. 197.

[27] Einleitung von Reif: Elitenwandel (wie Anm. 9), S. 7ff.

[28] Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 14f.

[29] Zu den Zahlen der Reichsbevölkerung: Wehler: Kaiserreich (wie Anm. 20), S. 49. Zu den Angaben zum Adel: Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 8f. Die genaue Anzahl ist aber unbekannt.

[30] Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 21f.

[31] So konzentrierte sich der Adel vor allem auf elitäre Regimenter wie die Garde oder die Kavallerie: Stoneman: Offizierskorps (wie Anm. 25), S. 31.

[32] Heiger Ostertag: Bildung, Ausbildung und Erziehung des Offizierskorps im deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Eliteideal, Anspruch und Wirklichkeit. Frankfurt a. M. 1990, S. 36.

[33] Francis L. Carsten: Reichswehr und Politik 1918-1933. Köln, Berlin 21965, S. 13f.

[34] Ebd.

[35] Marcus Funck: Schock und Chance. Der preußische Militäradel in der Weimarer Republik zwischen Stand und Profession. In: Reif: Elitenwandel (wie Anm. 9), S. 127-171, hier S. 137ff.

[36] Bieberstein: Adel und Revolution (wie Anm. 14), S. 248.

[37] Zitiert nach Ebd., S. 247.

[38] Helmut Neuhaus: Das Ende der Monarchien in Deutschland. In: Historisches Jahrbuch, 111 (1991), S. 102-136, hier vor allem S. 126, 133f.

[39] Auszug aus der Bamberger Erklärung des Alldeutschen Verbandes vom 16. Februar 1919. Abgedruckt in: Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte. Hg. und Bearbeiter Dr. Herbert Michaelis und Dr. E. Schraepter unter Mitwirkung von Dr. G. Scheel. Bd. 2, Berlin 1958, S. 218. Natürlich ist der Alldeutsche kein ausgesprochen adliger Verband. In ihm ergab sich aber schon relativ früh eine adlig-bürgerliche Zusammenarbeit auf radikaler, nationalistisch-antisemitischer Grundlage, auf die später noch einzugehen ist. Vgl. hierzu auch Reif: Adel (wie Anm. 7), 51f.

[40] Zur Bolschewismusfurcht, die auch die MSPD ergriffen hatte: Eckhard Jesse: Friedrich Ebert und das Problem der Handlungsspielräume in der deutschen Revolution 1918/19. In: Rudolf König u. a. (Hg.): Friedrich Ebert und seine Zeit. Bilanz und Perspektiven der Forschung. München 1990, S. 89-110, hier S. 95f.

[41] Bieberstein: Adel und Revolution (wie Anm. 14), S. 250.

[42] Auszug aus dem Aufruf Friedrich Eberts an die Behörden und Beamten vom 9. November 1918. Abgedruckt in: Gerhard A. Ritter, Susanne Miller: Die deutsche Revolution 1918-1919. Dokumente. Hamburg 21975, S. 80.

[43] Reif: Adel (wie Anm. 9), 24f.

[44] Stoneman: Offizierskorps (wie Anm. 25), S. 60ff.

[45] Wilhelm Groener: Lebenserinnerungen. Jugend, Generalstab, Weltkrieg. Hg. von Friedrich Freiherr Hiller von Gärtingen. Göttingen 1957, S. 453.

[46] Bieberstein: Adel und Revolution (wie Anm. 14), S. 252.

[47] Ebd., S. 251.

[48] Zitiert nach: Ebd., S. 250.

[49] Reinhard Rürup: Friedrich Ebert und das Problem der Handlungsspielräume in der deutschen Revolution 1918/19. In: König: Friedrich Ebert (wie Anm. 38) S. 69-87.

[50] So Walther von Altrock, zitiert nach Axel Schildt: Der Putsch der „Prätorianer, Junker und Alldeutschen“. Adel und Bürgertum in den Anfangswirren der Weimarer Republik. In: Reif: Elitenwandel (wie Anm. 9), S. 103-125, hier S. 103f.

[51] Martin Kohlrausch: Die Flucht des Kaisers – Doppeltes Scheitern adlig-bürgerlicher Monarchiekonzepte. In: Reif: Elitenwandel (wie Anm. 9), S. 65-101, hier S. 85f.

[52] Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 53f.

[53] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 175.

[54] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 104.

[55] Funck: preußischer Militäradel (wie Anm. 35), S. 160.

[56] Zum Adel im Offizierkorps Detlef Bald: Vom Kaiserheer zur Bundeswehr. Sozialstruktur des Militärs: Politik der Rekrutierung von Offizieren und Unteroffizieren. Frankfurt a. M. 1981, S. 35-39, Tabelle 3 S. 37.

[57] Wolfgang Zollitsch: Adel und adlige Machteliten in der Endphase der Weimarer Republik. Standespolitik und agrarische Interessen. In: Die deutsche Staatskrise. Hg. von Heinrich August Winkler unter Mitarbeit von Elisabeth Müller-Luckner. München 1992, S.239-256, hier S. 241.

[58] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 181.

[59] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 101.

[60] Bieberstein: Adel und Revolution (wie Anm. 14), S. 255.

[61] Zollitsch: Adlige Machteliten (wie Anm. 57), S. 242.

[62] Reif: Adel (wie Anm. 7), S. 26-29.

[63] Schildt: Der Putsch (wie Anm. 50), S. 106f.

[64] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 177.

[65] Funck: Preußischer Militäradel (wie Anm. 35), S. 156.

[66] Zollitsch: Orientierungskrise und Zerfall des autoritären Konsenses: Adel und Bürgertum zwischen autoritärem Parlamentarismus, konservativer Revolution und nationalsozialistischem Führeradel 1928-1933. In: Reif: Elitenwandel (wie Anm. 9), S. 213-233, hier S. 216.

[67] Funck: Preußischer Militäradel (wie Anm. 35), S. 151.

[68] Ebd., S. 149f.

[69] Ebd., S. 148.

[70] Michael Geyer: Aufrüstung oder Sicherheit. Die Reichswehr in der Krise der Machtpolitik 1924-1936. Wiesbaden 1980, S. 24.

[71] Winkler: Weimar (wie Anm. 10), S. 118ff.

[72] Schildt: Der Putsch (wie Anm. 50), S. 113.

[73] Kuno Graf von Westrap: Konservative Politik im Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Bearbeitet von Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen unter Mitwirkung von Karl J. Mayer und Reinhold Weber. Düsseldorf 2001. Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, S. 200. Nachstehendes Zitat ebd. S. 211.

[74] Winkler: Weimar (wie Anm. 10), S. 119.

[75] Carsten: Reichswehr (wie Anm. 33), S. 89ff.

[76] Schildt: Der Putsch (wie Anm. 50), S. 112ff, 123f..

[77] Ebd., S. 115.

[78] Ebd., S. 110.

[79] In dem Aufruf des selbsternannten neuen Reichskanzlers Kapp gibt es überhaupt wenige Hinweise, wie sich die neu Regierung die Zukunft des Reiches vorstellte. Abgedruckt in: Ernst Rudolf Huber (Hg.): Deutsche Verfassungsdokumente 1918-1933. Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte, Bd. 4. Stuttgart 1992, S. 210f.

[80] Schildt: Der Putsch (wie Anm. 50), S. 122-125.

[81] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 102f.

[82] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 103.

[83] Ebd., S. 105.

[84] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 181f.

[85] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 103.

[86] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 181ff.

[87] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 110.

[88] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 183.

[89] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 187.

[90] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 111.

[91] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 187f, 195f.

[92] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 113f.

[93] Seine Linie musste sich erst gegen erhebliche Widerstände v. a. von den süddeutschen Landesverbänden durchsetzen. Vgl. Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 187f, 196f.

[94] Kleine: Adelsgenossenschaft (wie Anm. 9), S. 116.

[95] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 192f.

[96] Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 197.

[97] Ebd., S. 198.

[98] Ebd., S. 199.

[99] Ebd., S. 198.

[100] Ebd., S. 201f.

[101] Ebd., S. 202f.

[102] Unterschiedliche Position bei: Joachim Petzold: Wegbereiter des deutschen Faschismus. Die Jungkonservativen in der Weimarer Republik. Köln 1978, S. 320-336, 350-364; Yuji Ishida: Jungkonservative in der Weimarer Republik. Der Ring-Kreis 1928-1933. Frankfurt a. M., Bern, New York , u. a. 1988, S. 238-263 und Berthold Petzinna: Erziehung zum deutschen Lebensstil. Ursprung und Entwicklung des jungkonservativen Ringkreises 1918-1933. Berlin 2000, S. 274-286. Vgl. Malinowski: „Führertum“ (wie Anm. 9), S. 207.

[103] Thomas Mann: Tagebücher 1918-1921. Hg. von Peter de Mendelsohn. Frankfurt a. M. 1979, S. 67, zitiert nach Neuhaus: Das Ende der Monarchien (wie Anm. 38), S. 129.

[104] Kershaw: Hitler (wie Anm. 1), S. 473f.

23 von 23 Seiten

Details

Titel
Führer ohne Gefolgschaft - Deutscher Adel und der Untergang der Monarchie
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Deutsche Eliten im 20. Jahrhundert
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V108663
ISBN (eBook)
9783640068586
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Führer, Gefolgschaft, Deutscher, Adel, Untergang, Monarchie, Deutsche, Eliten, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Steffen Schwitalla (Autor:in), 2003, Führer ohne Gefolgschaft - Deutscher Adel und der Untergang der Monarchie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108663

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