Sowjetische Kriegsvorbereitungen und die These vom deutschen Präventivkrieg


Hausarbeit, 2002

17 Seiten, Note: 1,2


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sowjetische Außen- und Sicherheitspolitik
a) Archivsituation und Quellenlage
b) Sowjetunion: Friedliebende Nation oder Aggressor – Was beweisen die Quellen?

3. Deutsches Russlandbild und Hitlers Entschluss zum Krieg
a) Die Wehrmacht und ihre Wahrnehmung der Sowjetunion
b) Hitlers Bild vom „jüdisch-bolschewistischen“ Russland

4. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zwei Stunden nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion in den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 verlas der deutsche Propagandaminster Joseph Goebbels über den Rundfunk eine Proklamation des Reichsführers.[1] In ihr wurde der deutsche Angriff als notwendige Abwehrmaßname gerechtfertigt, um auf eine wachsende Bedrohung durch die Sowjetunion zu reagieren. Eine russische Truppenkonzentration an der deutsch-sowjetischen Grenze hätte diesen Schritt provoziert.[2] Goebbels verkündete: „Damit aber ist nunmehr die Stunde gekommen, in der es notwendig wird, diesem Komplott der jüdisch-angelsächsischen Kriegsanstifter und den ebenso jüdischen Machthabern der bolschewistischen Moskauer Zentrale entgegenzutreten.“[3] Die Entfesselung des wohl barbarischsten Vernichtungskrieges der Geschichte am 22. Juni ist somit gleichzeitig die Geburtsstunde der noch heute kursierenden These eines deutschen Präventivkrieges.

Bis in die achtziger Jahre bestand weitestgehend die Übereinstimmung unter Historikern, dass es sich bei dem deutschen Überfall um einen klassischen Angriffskrieg handelte. Als solcher brach er gleich zweifach das bestehende Völkerrecht, einerseits den Kriegsächtungspakt von 1928 und andererseits den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag von 1939.[4] Stalins Außen- und Sicherheitspolitik wurde dahingehend interpretiert, Deutschland unter keinen Umständen eine Begründung für einen Angriff zu bieten.[5] Mitte der 80er Jahre hingegen mehrten sich die Stimmen, die dieser Auffassung widersprachen. Vertreter der wieder entdeckten Präventivkriegsthese stützen ihre Argumentation auf die im Juni 1941 gegebene Truppenkonstellation der russischen Armee und unterstellen Stalin langfristig geplante Kriegsabsichten. Die wortführenden Publizisten und Historiker dieser Theorien sind: der Soziologe Ernst Topitsch, der ehemalige Offizier der sowjetischen militärischen Abwehr GRU Viktor Suvorov und der Freiburger Militärhistoriker Joachim Hoffmann.[6] Topitsch und Suvorov geht es vor allem darum, die Rolle Stalins als geschickten Kriegstreiber zu entlarven und in ihm wenn nicht den „Urheber“, so doch die „Schlüsselfigur des Zweiten Weltkrieges“ zu erkennen.[7] Hoffmann hingegen legt seinen Schwerpunkt darauf, die Unvermeidbarkeit des deutsch-sowjetischen Krieges festzustellen[8], Stalins Verantwortung an dessen Eskalation zu betonen[9] und daraus den präventiven Angriff Deutschlands zu erklären.[10]

Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Überprüfung der Stichhaltigkeit der Präventivkriegsthese, wie sie vor allem durch Joachim Hoffmann vertreten wird. Für die Auseinandersetzung mit dieser These sind die sowjetischen Kriegsvorbereitungen und die Position Stalins zu einem möglichen deutsch-sowjetischen Krieg grundlegend. Die relevanten Quellen, die über Ziele und Absichten des Sowjetführers Aufschluss geben können, sind somit Ausgangspunkt jeder ernst gemeinten Diskussion und werden deshalb auch hier anfangs vorgestellt. Anschließend soll erörtert werden, welche Schlussfolgerungen die Quellenlage zur sowjetischen Außen- und Sicherheitspolitik zulässt. Grundlegend für die Präventivkriegsthese ist aber auch die Frage nach der Einschätzung Hitlers sowie der Führung der Wehrmacht von der Art der Bedrohung durch die Sowjetunion ausging. Das deutsche Russlandbild wird deshalb neben einer Darstellung anderer Erklärungen für den Entschluss der deutschen Entscheidungsträger zum Krieg im letzten Punkt vor dem Fazit behandelt.

2. Sowjetische Außen- und Sicherheitspolitik

a) Archivsituation und Quellenlage

Grundstein jedes Arguments, das für einen deutschen Präventivschlag spricht, ist die Annahme von offensiven militärstrategischen Planungen und intensiven Kriegsvorbereitungen Stalins und seiner Generale. Während sich jedoch solche konkreten Planungen für deutsche Angriffsabsichten bis in den Juli 1940 zurückverfolgen lassen[11], fehlt der Forschung eine vergleichbare Analyse der sowjetischen Außen- und Sicherheitspolitik wegen Mangels an Quellen.[12] Zwar änderte sich mit dem Beginn der Perestrojka die rigide Archivpolitik in der Sowjetunion und Positionen, die von der offiziellen Parteilinie abwichen wurden möglich, doch gibt es weiterhin nur wenige Dokumente, die direkte Rückschlüsse auf Stalins Kriegsvorbereitungen zulassen.[13] Darüber hinaus sorgt die schlechte Finanzlage der meisten russischen Archive und die Tatsache, dass diese oft nur einer kleinen Gruppe von Historikern zugänglich sind[14] für Vermutungen, dass hier durchaus noch Dokumente zu finden sind, die der klassischen These der friedlichen, überfallenen Nation widersprechen.

Die wichtigsten veröffentlichten Quellen, die Rückschlüsse auf sowjetische Angriffsabsichten ermöglichen, sind deshalb schnell genannt:

- Die Rede Stalins vor einer Versammlung des Politbüros des ZK der KPdSU vom 19. August 1939, in der er seine Entscheidung zum Nichtangriffspakt mit Deutschland begründete. Danach soll Stalins Motivation für die Unterzeichnung des Vertrages darin gelegen haben, den unausweichlichen Krieg Deutschlands mit Frankreich und Großbritannien bei einem Überfall auf Polen und deren daraus resultierende Schwächung auszunutzen, um zu einem späteren, für Russland günstigeren Zeitpunkt in den Krieg einzutreten.[15] Die Echtheit der Rede ist jedoch umstritten.[16]

- Stalins Rede vom 5. Mai vor Absolventen der sowjetischen Militärakademien. Da die Rede weder aufgezeichnet noch mitstenographiert wurde, kursieren verschiedene Versionen von ihr. Die letzte Veröffentlichung stammt von Lev Bezymenskij.[17] Bei ihm heißt es, Stalin hätte eine neue Rolle und veränderte Aufgaben der Roten Armee betont, die „von der Verteidigung zum Angriff übergehen“ muss und deutlich eine offensive Strategie der Landesverteidigung ankündigte.[18]

- Die Militärstrategischen „Erwägungen“ vom 15. Mai 1941. Ausgearbeitet vom Generalstab der Roten Armee unter Leitung des Volkskommissars für Verteidigung, Semen Timošenko, und dem Chef des Generalstabs, Georgij Žukov, adressiert an Stalin. Dieses Dokument stellt wohl die wichtigste Quelle im Bezug auf konkrete Angriffspläne dar. Erstmals veröffentlicht wurde es 1992 von einem Mitarbeiter des Instituts der Militärgeschichte des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation.[19] In den „Erwägungen“ heißt es:

„[…] so kann es [das deutsche Heer; d. V.] uns beim Aufmarsch zuvorkommen und einen Überaschungsschlag [sic] führen.

Um dies zu verhindern und die deutsche Armee zu zerschlagen (letzteres durchgestrichen), erachte ich es für notwendig, dem deutschen Kommando unter keinen Umständen die Initiative zu überlassen […] und das deutsche Heer dann anzugreifen. [sic] wenn es sich im Aufmarschstadium befindet […].“[20]

- Das TASS -Kommuniqué vom 13. Juni 1941 der staatlichen Nachrichtenagentur, mit dem auf immer häufigere Warnungen eines bevorstehenden deutschen Angriffs reagiert wurde. Ziel der Verlautbarung war es, die Warnungen als provokatorische Gerüchte abzuweisen und das friedliche deutsch-russische Verhältnis zu unterstreichen.[21]

Zur Erklärung Stalins Absichten können auch das deutsch-sowjetische Wirtschaftsabkommen vom 10. Januar 1941, die schlechte Situation der Roten Armee und nicht zuletzt die veröffentlichten Erinnerungen einstiger Sowjetgenerale herangezogen werden. In dem Wirtschaftsabkommen verpflichtete sich die Sowjetunion zu immensen Rohstofflieferungen bis Sommer 1941, während das Deutsche Reich zunächst lediglich noch ausstehende Lieferungen aus dem Vorjahresabkommen zu erbringen hatte.[22] Selbst als die deutschen Lieferungen kurz vor Kriegsbeginn offensichtlich verschleppt wurden, erfüllte die Sowjetunion weiterhin ihre Verpflichtungen, teilweise auf Kosten der eigenen nationalen Reserven.[23] Bei den Umständen, in denen sich die Rote Armee befand, handelte es sich um eine Situation, in die sie Stalins Machtkampf um die unangezweifelte Führungsposition im Staate gebracht hatte.[24] Durch die Verschleppung und Ermordung großer Teile der Armeeführung wurde die Armee faktisch enthauptet.[25] Hinzu kam eine mangelnde militärische Ausbildung[26] und teilweise veraltetes Kriegsgerät schlechter Qualität. Obwohl bei den Memoiren der Sowjetgenerale, die teilweise erst posthum veröffentlicht wurden, davon auszugehen ist, dass sie durch Zensur und Ergänzungen auf Parteilinie gebracht wurden,[27] stellen sie doch einen großen Fundus für Historiker dar. Allen voran die „Erinnerungen und Gedanken“ des Chefs des Generalstabs Žukov,[28] der erklärt, dass die sowjetische Armeeführung zwar mit einem deutschen Angriff rechnete, Stalin aber nicht von der Umsetzung der eigenen Aufmarsch- und Mobilmachungsplänen überzeugen konnte.[29]

Für die sowjetischen Beschwichtigungsbemühen sprechen darüber hinaus noch die fast ohne Proteste hingenommene ständige Verletzung des russischen Luftraums durch deutsche Aufklärungsflugzeuge[30] sowie die faktische Anerkennung Hitlers Eroberungen in Belgien, Norwegen, Jugoslawien und den Niederlanden durch den Abbruch diplomatischer Beziehungen zu den jeweiligen Regierungen im Mai 1941.

b) Sowjetunion: Friedliebende Nation oder Aggressor – Was beweisen die Quellen?

Die erste Erkenntnis, die sich aus der Quellenlage ziehen lässt, ist: Die Quellenlage ist dünn. Sie bietet sowohl Argumenten eine Grundlage, die Stalin Angriffsabsichten unterstellen, als auch solchen, die Stalins Beschwichtigungsbemühen in den Vordergrund stellen. Jedoch reicht sie nicht aus, um eine der Positionen zu disqualifizieren. Das bedeutet, Untersuchungen, die Stalin eindeutige Absichten zuschreiben, sollte mit Skepsis, wenn nicht mit Ablehnung begegnet werden. Das gilt besonders für Beiträge von Autoren, die gleichzeitig durch Veröffentlichungen in revisionistischen und rechtsextremen Verlagen auffallen.[31] In solchen Fällen liegt es nahe, eine eher politische als wissenschaftliche Motivation zu vermuten.[32]

Obwohl an allen Dokumenten berechtigte Zweifel ob ihrer Echtheit und Aussagekraft bestehen, ist die Annahme von militärischen Angriffsplanungen des sowjetischen Generalstabs wie auch deren Zurkenntnisnahme durch Stalin in meinen Augen gerechtfertigt. Unklar bleibt jedoch die Frage, in welchem Ausmaß diese Erwägungen umgesetzt wurden und welches Ziel durch sie verfolgt wurde. Denn allein das Vorhandensein von offensiven Strategien einer hochgerüsteten Armee wie der sowjetischen belegt wenig, da solche Planungen zu den Aufgaben der Landesverteidigung und Interessensdurchsetzung jeder Armee gehören. Dies besonders in einer Situation, in der von allen Seiten Warnungen vor einem deutschen Angriff in Moskau eingingen.[33]

Vergleicht man die militärstrategischen „Erwägungen“ mit vorangegangenen Strategieplänen Moskaus, – was Hoffmann nicht tut – so stellt man fest, dass sich diese nur durch die Miteinbeziehung eines Präventivschlages unterscheiden, jedoch weiterhin von einem unmittelbar bevorstehenden deutschen Angriff ausgingen.[34] Seit den dreißiger Jahre sahen die sowjetischen Militärpläne eine offensive Verteidigung vor.[35] Ein Angriff sollte im Grenzbereich aufgefangen und der Kampf ins Gebiet des Gegners getragen werden. Angriffsabsichten lassen sich daher nicht allein durch die gegebene Truppenkonstellation unterstellen, weil Angriffs- und Verteidigungspositionen nur partiell von einander abwichen. Darüber hinaus lässt die Existenz dieser „Erwägungen“ des Generalstabs keinerlei eindeutige Rückschlüsse auf Stalins tatsächliche Position zu einem möglichen Angriff zu.

Kritisiert werden muss bei den meisten Präventivkriegstheoretikern auch die Vorgehensweise und der Umgang mit Quellen, die der eigenen Theorie widersprechen. So werden Publikationen häufig mit der Ankündigung neuer Dokumentenfunde eingeleitet, die sich jedoch als altbekanntes, ungesichertes Material erweisen.[36] Obwohl klar sein sollte, dass bei einer derartigen Quellenlage nur Vermutungen über Stalins Absichten abgegeben werden sollten, die für glaubwürdig gehalten oder als abwegige Spekulation abgewiesen werden können, stellen Suvorov, Topitsch und Hoffmann immer wieder ihre Thesen als „nunmehr unbestreitbar gewordene Tatsache[n]“[37] und „endgültig gesicherte“[38] Angaben dar. Derartige Formulierungen tragen nicht sonderlich zu einem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess bei, sondern verwirren und verstellen den Blick auf Forschungskontroversen.

Hoffmann, der seine Thesen auf Aussagen von kriegsgefangenen russischen Soldaten und Offizieren aufbaut, verpasst es darüber hinaus, darauf hinzuweisen, dass solche Äußerungen keinesfalls als frei und unbefangen gelten können.[39] Unklar und zweifelhaft bleibt, inwieweit ein einfacher sowjetischer Offizier vor Kriegsbeginn in die Ausarbeitung von Strategien eingebunden oder über Planungen des Generalstabs informiert gewesen ist und ob er seine Angaben nicht vielleicht nur machte, um seinem Peiniger das zu sagen, was der hören wollte. Suvorov versteift sich in seinem Buch auf eine Interpretation ideologisch festgelegter Absichten der sowjetischen Außenpolitik und eine Deutung rüstungstechnischer Entwicklungen. Nicht Stalins Außen- und Sicherheitspolitik stehen im Mittelpunkt des Interesses, sondern die Verurteilung der Sowjetunion und ihr nie aufgegebenes Ziel der Weltrevolution.[40]

Jedoch machen es sich auf der anderen Seite auch einige Gegner der Präventivkriegsthese zu leicht, wenn sie die Umsetzung der sowjetischen Aufmarschpläne einfach leugnen und von Stalin als nicht akzeptiert erklären.[41] Denn auch die deutsche Abteilung Fremde Heere Ost, die für die Aufklärung von feindlichen Truppenbewegungen zuständig war, dokumentierte am 20. Mai ein beachtliches Truppenaufgebot der Roten Armee an der gemeinsamen Grenze.[42] Auch wenn dies durch die Feindaufklärungsabteilung grundsätzlich nicht als Bedrohung angesehen und weiterhin mit defensivem Verhalten gerechnet wurde, erschien die Möglichkeit eines russischen Präventivschlages zwar als sehr unwahrscheinlich, aber gegeben.[43] Und auch die verdeckte Teilmobilmachung durch Einberufung wehrpflichtiger Reservisten – insgesamt 800.000 Mann – und die Verschiebung weiterer Truppenverbände aus dem Landesinneren an die Westgrenze ist nicht so einfach von der Hand zu weisen.[44] Zusammen mit einer parallel angelaufenen Propagandakampagne, die deutlich Offensive, Stärke und Optimismus hinsichtlich der Ausbreitung des Kommunismus verbreitete und das Land auf einen Krieg vorzubereiten begann[45], ist hier in der Tat Raum für Spekulationen um sowjetische Angriffsabsichten geschaffen worden.

Aber auch wenn die Aufmarschpläne des sowjetischen Generalstabs größtenteils umgesetzt worden wären, die einen präventiven Angriff ermöglichten, heißt das noch lange nicht, dass der Angriffsbefehl von Stalin tatsächlich gekommen wäre. Die Umsetzung der „Erwägungen“ eröffneten Stalin lediglich eine weitere Handlungsoption. Diese hätte notwendig werden können, falls es im Zuge des Heßfluges nach Schottland und den daraus resultierenden Spekulationen um geheime Friedensverhandlungen des Hitlerstellvertreters tatsächlich zu einer deutsch-britischen Einigung gekommen wäre, die Deutschlands Westfront beseitigt hätte.[46] Stalin bemühte sich jedoch weiterhin und primär um eine Konfliktvermeidung durch die fortgeführten Rohstofflieferungen und eine offensichtliche Gesprächsbereitschaft, die durch das TASS -Kommuniqué erklärt wurde.

3. Deutsches Russlandbild und Hitlers Entschluss zum Krieg

Um die Präventivkriegsthese zu untermauern, ist aber mehr notwendig als die Annahme von sowjetischen Kriegsabsichten. Einen Präventivkrieg macht aus, dass der Angreifer seinem zum Aggressionskrieg bereiten Gegner zuvorkommen will. Die Einschätzung der Sowjetunion sowohl durch die führenden Militärs und die so genannten Russlandexperten als auch durch den Reichsführer spielen daher eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung des Charakters des Krieges.

a) Die Wehrmacht und ihre Wahrnehmung der Sowjetunion

Zwei unterschiedliche Russland-Bilder haben bei der deutschen Militärführung lange Tradition.[47] Einerseits wurde das Land oft als „tönerner Koloss“ unterschätzt, der durch einige harte Militärschläge von selbst zum Zusammenbruch gebracht werden könnte. Andererseits fürchtete man das enorme Wachstumspotential und den unstillbaren „Drang nach Westen“, dem offensiv zuvorgekommen werden müsste. Nach der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 wollten nur noch wenige von der ersten Einschätzung etwas wissen. Generaloberst Jodl, Chef des Wehrmachtführungsstabes, erklärte den deutschen Angriff als Resultat eben jener Furcht vor einer sowjetischen Offensive.[48] Doch ein Blick auf die Einschätzung der Sowjetunion durch die Wehrmachtsführung vor dem Angriff beweist, dass die Angst vor dem Osten kaum eine Rolle bei dem Entschluss zum Krieg gespielt hat. Vielmehr waren sich sämtliche Instanzen, die bei der Lageeinschätzung beteiligt waren, darüber einig, dass ein Krieg gegen die Sowjetunion im Vergleich zu den Konfrontationen im Westen und Süden Europas ein „Sandkastenspiel“[49] werden würde.

Der Chef des Generalstabs der 18. Armee, Marcks, hielt es in einer Studie vom Juli 1940 sogar für leider hinzunehmen, dass die „Russen […] uns nicht den Liebesdienst eines Angriffs erweisen“ werden.[50] Und auch der Generalstabsoffizier des Heeres, von Loßberg, kam in seiner Einschätzung für das Oberkommando der Wehrmacht/Wehrmachtführungsstab (OKW/WFSt) zu dem Schluss, dass mit dem Zusammenbruch des Sowjetstaates zu rechnen sei, sobald die russischen Westgebiete besetzt und der Zugang zu den Meeren genommen wären.[51] Ein Bericht der Abteilung Fremde Heere Ost, der auf Einschätzungen des deutschen Militärattachés in Moskau, Köstring, aufbaute, erklärte es zwar für voreilig, die militärische Stärke der Roten Armee zu unterschätzen, sah aber keine Gefahr von der Sowjetunion ausgehen und rechnete mit rein defensivem Verhalten.[52] In einem Handbuch über die „Kriegsmacht der UdSSR“ dieser Abteilung gestehen sich die Verfasser zwar einerseits ein, nichts wirklich über Stärke, Ausbildung und Kompetenzen der Roten Armee zu wissen, trauen ihr aber andererseits nicht zu, den Anforderungen zur Führung eines modernen Krieges gewachsen zu sein.[53] Ähnlich orientierungslos wie die Abteilung Fremde Heere Ost, was die Informationen über die Sowjetunion anging, war das Wirtschafts- und Rüstungsamt im OKW unter Leitung des General Thomas. In einer Zusammenstellung über das sowjetische Kriegspotential vom März 1941 wurden zwar die erstaunlichen Wachstumsraten der russischen Rüstungsindustrie betont und die UdSSR als drittgrößte Industrienation der Welt erkannt, am raschen Sieg wurde jedoch nicht gezweifelt, da sich die lebenswichtige Industrie fast ausschließlich im Westen befände und schnell erobert werden könnte.[54]

Ausschlaggebend für diese optimistischen Einschätzungen, dass der Krieg innerhalb weniger Monate, wenn nicht Wochen zu gewinnen sei, ist die Überschätzung der eigenen Stärke, resultierend aus den Triumphen über Frankreich und auf dem Balkan. Die Führung der Wehrmacht unterschätze die Probleme, die durch mangelnde Feindaufklärung und logistische Schwierigkeiten auf die Wehrmacht zukommen sollte, und war in den weit verbreiteten Vorurteilen gegenüber den russischen Militärs die als stumpfsinnig, in Schemata denkend, verantwortungsscheu, zögernd und misstrauisch angesehen wurden, befangen[55].

Obwohl dieses Russland-Bild der Militärs nicht mit dem nationalsozialistischen gleichzusetzen ist, das auf der Unterprivilegiertheit der „slawischen Masse“ und der verbrecherischen jüdisch-bolschewistischen Führungsschicht aufbaute[56], verstrickte sich die Führung der Wehrmacht von Anbeginn in die ideologisch-rassistisch begründete Vorbereitung des Vernichtungskriegs, durch ihr Mitwirken an verbrecherischen Befehlen zur Kriegsführung.[57]

b) Hitlers Bild vom „jüdisch-bolschewistischen“ Russland

In Hitlers Weltbild fällt es nicht schwer, zwei Hauptfeinde zu erkennen, die immer und immer wieder als „Untermenschen“, „Parasiten“ und größte Bedrohung seiner völkischen Utopie beschrieben und für alles Übel der Welt verantwortlich gemacht wurden: Das internationale Judentum und der Bolschewismus.[58] Bei der Auseinandersetzung mit der „jüdisch-bolschewistischen“ Sowjetunion musste es sich daher um den „Kampf zweier Weltanschauungen“ handeln, der nichts anderes zum Ziel hatte als die „Ausrottung“ des Kommunismus „für alle Zeiten“ und die „Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und kommunistischen Intelligenz“.[59]

Die Gewinnung von Lebensraum im Osten war zentraler Baustein Hitlers Weltanschauung und Ziel seiner Außenpolitik.[60] Dass er dieses Ziel mit der Machtübernahme nicht aufgegeben hat, erschließt sich aus einer Rede vor Befehlshabern der Reichswehr am 3. Februar 1933. Hitler verkündete hier, welche Aufgabenfelder er der neu aufgebauten Wehrmacht zugedacht hatte: Erkämpfung von Absatzmärkten, Eroberung von Lebensraum sowie dessen rücksichtslose Germanisierung.[61] Obwohl Hitler diese Pläne vor seinen Generalen auch durch wirtschaftlich strategische Erwägungen zu erklären versuchte, ist davon auszugehen, dass seinem Entschluss zum Angriff auf die Sowjetunion ideologische, langfristig geplante, programmatische Ziele zugrunde lagen. Die Ziele dieses „Ostprogramms“ waren[62]: 1. Ausrottung der jüdisch-bolschewistischen Führungsschicht sowie der jüdischen Wurzeln in Ostmitteleuropas. 2. Gewinnung von Lebensraum und Kolonien für das Deutsche Reich. 3. Dezimierung und Unterwerfung der slawischen Massen in vier zu errichtenden „Reichskommissarien“. 4. Aufbau Deutschlands zur Weltmacht in Europa und Ausbeutung der Rohstoffreserven in den eroberten Gebieten für die Konfrontation mit den USA.

Zwar ist auch von Hitler zu vernehmen gewesen, dass der Angriff auf die Sowjetunion so bald wie möglich durchgeführt werden sollte, da sich die Rote Armee noch im Aufbau befände und es für dieses Unternehmen vielleicht bald zu spät sein würde, wenn sich erst die volle Rüstungsproduktion und Wirtschaftshilfe der USA für England entwickelt hätte.[63] Doch daraus eine Furcht Hitlers vor der Sowjetunion abzuleiten, die ihm zum Angriff gedrängt hätte, ist absurd. Wie seine Generale ging er davon aus, die Sowjetunion durch einen unerwarteten Blitzkrieg in wenigen Wochen zu zerschlagen und England dadurch an den Verhandlungstisch zwingen zu können.[64]

Weder bei der Führung der Wehrmacht und der von ihr beauftragten Instanzen zur Beobachtung der Sowjetunion noch bei Adolf Hitler finden sich unmittelbar vor Kriegesbeginn Äußerungen, die auf eine dringende Furcht vor einem sowjetischen Angriff rückschließen lassen. Vielmehr wurde der Krieg von Anbeginn als Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug geplant und durchgeführt.[65]

4. Fazit

Der deutsche Angriff vom 22. Juli 1941 war keine präventive Maßnahme, um einen drohenden Überfall der Sowjetunion zu vereiteln. Seine Ziele waren Eroberung von Land und Rohstoffen, Versklavung der dort ansässigen Bevölkerung und Vernichtung der jüdisch-bolschewistischen Elite. Auch die umstrittene und unterschiedlich interpretierte sowjetische Truppenformation am Vorabend des Überfalls an der deutsch-russischen Grenze, die als Angriffsstellung gedeutet werden kann, ändert daran nichts. Wenn auch bei den führenden deutschen Militärs am Ende des Krieges die Meinung überwog, mit dem deutschen Angriff eben jene Situation verhindert haben zu wollen, dass in weiten Teilen Europas Truppen der Roten Armee standen, so muss ergänzt werden, dass sie doch erst durch den Verlauf des Krieges zu dieser Ansicht gekommen waren.[66]

Theorien, die dennoch aus einer Unvermeidbarkeit der Konfrontation der zwei unterschiedlichen Weltanschauungen einen präventiven Charakter der deutschen Offensive betonen, verdrehen die Tatsachen und höhlen den Begriff des Präventivkrieges aus. Denn quasi jeder erste Angriff bei Auseinandersetzungen, in denen sich zwei Armeen vor Kriegsbeginn gegenüberstehen, kann als präventiv angesehen werden. Die spätere Erklärung dieses Überfalls als vorbeugende Maßnahme wirkt jedoch unweigerlich als rechtfertigend und apologetisch, weil nicht überprüft werden kann, was geschehen wäre, wenn der Angriff nicht erfolgt hätte. Bei einer derartig eindeutigen Dokumentenlage, wie sie für die deutschen Kriegsvorbereitungen zur Verfügung steht und die zweifelsfrei erkennen lässt, dass auf der deutschen Seite nicht mit einem gegnerischen Angriff gerechnet wurde, rückt sich jeder Präventivkriegstheoretiker selbst ins rechte Aus.

Mit Urteilen über Stalins Absichten im Bezug auf eine militärische Konfrontation mit dem Deutschen Reich muss der Quellenlage entsprechend vorsichtig umgegangen werden. Da eindeutige Ziele schwer auszumachen sind, sollten Aussagen daher nicht als letzte Erkenntnis, sondern als Vermutung kenntlich gemacht werden. Auch erscheint mir bei den sowjetischen Kriegsvorbereitungen nicht die Frage als die wichtigste, ob es offensive Planungen gegeben hat. Eine Armee die keine offensiven Strategien für die Landesverteidigung und Interessensdurchsetzung entwirft, verfehlt schlicht und einfach ihren Zweck. Bei der erdrückenden Wahrscheinlichkeit eines deutschen Angriffs, die Stalin von unterschiedlichster Seite aus dargelegt wurde, muss man sich eher fragen, warum Stalin sich so sicher war, einen deutschen Angriff abwenden zu können.

Literaturverzeichnis

a) Quellen

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b) Darstellungen

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Žukov, Georgij Konstantinovič: Erinnerungen und Gedanken. Stuttgart 1969.

[...]


[1] Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte und mit Unterstützung des Staatlichen Archivdienstes Rußlands. Hg. von Elke Fröhlich, Teil 1, Aufzeichnungen 1923-1941, 9 Bde. München 1998. Bd. 9, Dezember-Juli 1941, S. 396 (22.6.41).

[2] Vgl. Wolfram Wette: „Die propagandistische Begleitmusik zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. In: Gerd R. Ueberschär und Wolfram Wette (Hrsg.): Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“ 1941. Frankfurt/M. 1991, S. 45-66, hier 52-54.

[3] Zitiert nach: Ian Kershaw: Hitler. 1936 – 1945. Stuttgart 2000, S. 511.

[4] Vgl. Wolfram Wette: „Die These vom Präventivkrieg und der Überfall auf die Sowjetunion.“ In: Klaus Meyer; Wolfgang Wippermann (Hg.): Gegen das Vergessen. Der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 1941-1945. Deutsch-Sowjetische Historikerkonferenz im Juni 1991 in Berlin über Ursachen, Opfer, Folgen des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion. Berlin 1991, S.43-56. Hier S. 43.

[5] Vgl. Andreas Hillgruber: Hitlers Strategie. Politik und Kriegsführung 1940 – 1941. Frankfurt/M. 1965. Bianka Pietrow-Ennker: Stalinistische Außenpolitik 1939-1941: Ein Beitrag zur Vorgeschichte des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. In : Meyer; Wippermann: Gegen das Vergessen, S. 21-32. Gabriel Gorodetsky: Stalin und Hitlers Angriff auf die Sowjetunion. In Bernd Wegner (Hg.): Zwei Wege nach Moskau. Vom Hitler-Stalin-Pakt zum „Unternehmen Barbarossa“. München 1991, S. 347-366.

[6] Ernst Topitsch: Stalins Krieg: Moskaus Griff nach der Weltherrschaft – Strategie und Scheitern. 2., überarb. und erw. Aufl. Herford 1993. Viktor Suvorov: Der Eisbrecher: Hitler in Stalins Kalkül. Stuttgart ³1989. Joachim Hoffmann: Stalins Vernichtungskrieg 1941 – 1945. München 1996.

[7] Topitsch: Stalins Krieg. S. 27.

[8] Joachim Hoffmann: Stalins Vernichtungskrieg. S. 14: „Ebenso wie man jetzt mit Sicherheit nachweisen kann, daß der von Hitler als unvermeidbar angesehene Waffengang – nach dem Molotov-Besuch – zeitlich gesehen nur knapp einem von Stalin […] vorbereiteten Eroberungskrieg zuvorgekommen ist, […].“

[9] Ebd.: S. 14: „Ein Zusammenstoß zweier diktatorisch geführter sozialistischer Militärmächte lässt anscheinend von vornherein überhaupt nur wenig Spielraum für Erwägungen der Menschlichkeit oder auch nur für die Anwendung der Regeln und Gebote der Internationalen Konventionen, die im Übrigen wohl vom Deutschen Reich anerkannt worden waren, während die Sowjetunion eine Anerkennung strikt verweigerte.“ Und auf S. 15: „Diese Darstellung hat also vorzugsweise die sowjetischen Untaten zum Inhalt, […].“

[10] Ebd. S. 299. Hier heißt es: „Stalin […] war auch durch den präventiven Angriff Hitlers anfangs nicht aus dem Konzept gebracht worden.“

[11] Kershaw: Hitler, S. 413f. Gerd R. Ueberschär: Hitlers Entschluß zum „Lebensraum“-Krieg im Osten. Programmatisches Ziel oder militärisches Kalkül? In: Ueberschär; Wette: Unternehmen Barbarossa. S. 13-43. Hier 28f.

[12] Rainer F. Schmidt: „Eine verfehlte Strategie für alle Fälle. Stalins Taktik und Kalkül im Vorfeld des Unternehmens ‚Barbarossa’.“ In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. 45 (1994), S. 368-379, hier S. 369.

[13] Vgl. Stefan Voß: Stalins Kriegsvorbereitungen 1941. Erforscht, gedeutet und instrumentalisiert. Eine Analyse postsowjetischer Geschichtsschreibung. Hamburg 1998. Hamburger Beiträge zur Geschichte des östlichen Europa; Bd. 3, S. 19.

[14] Ebd.: S. 28.

[15] Vgl. Ebd.: S. 23f.

[16] Ebd. S. 24. Gabriel Gorodetsky hält sie für eine Fälschung des französischen Geheimdienstes. Vgl. auch: Bernd Bonwetsch: Die Forschungskontroverse über die Kriegsvorbereitungen der Roten Armee 1941. In: Bianka Pietrow-Ennker (Hg.): Präventivkrieg? Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Frankfurt/M. 2000, S. 170-189, hier S. 174f.

[17] Lew Bezymenski: Die Rede Stalins am 5. Mai 1941. Dokumentiert und interpretiert. In: Osteuropa 42 (1992), S. 242-264.

[18] Zitiert nach Ebd. S. 260.

[19] Vgl.: Voß: Kriegsvorbereitungen, S. 20ff.

[20] Zitiert nach ebd. S. 21. Vgl. auch: Lev Besymenski: „Zur Frage des „Žukov-Plans“ vom 15. Mai 1941.“ In: Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte, 4. Jahrgang 2000, Heft 1, S. 127-144. Besymenski hält diesen Plan für von Stalin nicht akzeptiert und militärisch nicht umgesetzt.

[21] Vgl.: Voß: Kriegsvorbereitungen, S. 25f.

[22] Manfred Zeidler: Deutsch-sowjetische Wirtschaftsbeziehungen im Zeichen des Hitler-Stalin-Paktes. In: Wegner: Zwei Wege. S. 93-110. Hier S. 104f.

[23] Stefan Voß: Stalins Kriegsvorbereitungen 1941: Halten die Quellen was Historiker versprechen? Hamburg 1995, S. 36.

[24] Bernd Bonwetsch: Die Repression des Militärs und die Einsatzfähigkeit der Roten Armee im „Großen Vaterländischen Krieg“. In: Wegner: Zwei Wege, S. 404-424. Hier S. 404ff.

[25] Lurij J. Kiršin: Die sowjetischen Streitkräfte am Vorabend des Großen Vaterländischen Krieges. In Wegner: Zwei Wege, S. 389-403.

[26] Ebd. S. 391 und 398.

[27] Voß: Kriegsvorbereitungen. S. 26.

[28] Georgij Konstantinovič Žukov: Erinnerungen und Gedanken. Stuttgart 1969.

[29] Vgl.: Voß: Kriegsvorbereitungen. S. 27.

[30] Schmidt: Verfehlte Strategie, S. 371.

[31] So schreibt Ernst Topitsch gelegentlich für rechtsextremistische Blätter wie „Criticon“ oder „Junge Freiheit“ und Joachim Hoffmann irritierte mit einer gutachterlichen Stellungnahme zugunsten einer den Holocaust leugnenden Veröffentlichung: Grundlagen zur Geschichtsforschung, 1. Jg., Nr. 3/September 1997, S. 205-207, worin er zwar keine inhaltliche Stellungnahme abgibt, aber dem Sammelband einen formal wissenschaftlichen Charakter bescheinigt.

[32] Armin Pfahl-Traughber: „Präventivkrieg oder Überfall? Zu neuen Interpretationen des deutschen Krieges gegen die Sowjetunion von 1941.“ In: Neue Politische Literatur, Jg. 43 (1998), S. 264-277. Hier S. 273f.

[33] Voß: Kriegsvorbereitungen, S. 34f.

[34] Bonwetsch: Forschungskontroverse, S. 177.

[35] Ebd. S. 176.

[36] Pfahl-Traughber: Präventivkrieg? S. 274f. Bonwetsch: Forschungskontroverse, S. 172.

[37] Hoffmann: Vernichtungskrieg, S. 15; hier heißt es weiter: „[…] daß Hitler mit der Eröffnung der Kriegshandlungen dem von Stalin vorbereiteten Angriffskrieg nur kurzfristig zuvorgekommen ist.“

[38] Topitsch: Stalins Krieg, S. 9.

[39] Vgl. Pfahl-Traughber: Präventivkrieg? S. 271.

[40] Suvorov: Eisbrecher: „Entlarvt man aber die deutschen Faschisten, dann muß man auch die sowjetischen Kommunisten entlarven, die die Nazis zu ihren Verbrechen ermunterten, weil sie darauf hofften, sich die Resultate dieser Verbrecher zunutze zu machen.“ S. 14. „Der ganze Erste Weltkrieg war ein Spatziergang im Vergleich zu der Stalinschen Industrialisierung. […] Rußland zum Beispiel hat während des Ersten Weltkrieges insgesamt nur 2,3 Millionen Menschen verloren. Aber in Friedenszeiten hat Stalin um seiner Autobahnpanzer und Angriffsflugzeuge willen sehr viel mehr Menschen umgebracht. Der kommunistische Frieden war weitaus schrecklicher als der imperialistische Krieg.“ S. 42.

[41] So beispielsweise Gabriel Gorodetsky in: Der Mythos des „Eisbrechers“. Vgl. Bonwetsch: Forschungskontroverse, S. 180f.

[42] Schmidt: Verfehlte Strategie, S. 376: „Die Rote Armee steht mit der breiten Masse der Verbände des europäischen Teils der UdSSR, […] entlang der Westgrenze von Odessa bis Murmansk.“

[43] Ebd. S. 377.

[44] Vgl. Bonwetsch: Forschungskontroverse; S. 181f.

[45] Vgl. Bonwetsch: Forschungskontroverse; S. 178f. Bonwetsch stützt sich hier auf die Untersuchungen von Michail I. Meltjuchow.

[46] Vgl. Schmidt: Verfehlte Strategie, S. 377ff.

[47] Andreas Hillgruber: Das Rußland-Bild der führenden deutschen Militärs vor Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion. In: Wegner: Zwei Wege, S. 167-184. Hier 167.

[48] Hillgruber: Rußland-Bild, S. 168.

[49] So Hitler zu General Keitel am 25. Juni 1940. Zitiert nach Ueberschär: Hitlers Entschluß, S. 25.

[50] Zitiert nach Hillgruber: Rußland-Bild, S. 170.

[51] Hillgruber: Rußland-Bild, S. 171f.

[52] Hillgruber: Rußland-Bild, S. 176.Vgl. auch Schmidt: Verfehlte Strategie, S. 376f.

[53] In Auszügen veröffentlicht in: E. Moritz (Hg.): Fall Barbarossa. Dokumente zur Vorbereitung der faschistischen Wehrmacht auf die Aggression gegen die Sowjetunion (1940/41). Berlin 1970, S. 79. Vgl. auch Hillgruber: Rußland-Bild, S. 176.

[54] Vgl. Hillgruber: Rußland-Bild, S. 179f.

[55] Hillgruber: Rußland-Bild, S. 178f.

[56] Vgl. Ueberschär: Hitlers Entschluß, S. 16f.

[57] So bei den „Richtlinien auf Sondergebieten auf Sondergebieten zur Weisung Nr. 21 (Fall Barbarossa)“ vom 13. März 1941, der „Erlaß über die Ausübung der Gerichtsbarkeit im Gebiet ‚Barbarossa’“ vom 13. Mai 1941 sowie die „Richlinien für die Behandlung politischer Kommissare“ vom 6. Juni 1941. Vgl. Ueberschär: Hitlers Entschluß, S 41.

[58] Vgl. Rede Hitlers vom 12. April 1922. Abgedruckt in: Erhard Klöss (Hg.): Reden des Führers. Politik und Propaganda Adolf Hitlers. 1922-1945. München 1967, S. 33-41.

[59] Franz Halder: Kriegstagebuch. Tägliche Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabs des Heeres 1939-1942. Bearbeitet von Hans-Adolf Jacobsen, hg. vom Arbeitskreis für Wehrforschung, 3 Bd. Stuttgart 1962-1964. Bd. II: Von der geplanten Landung in England bis zum Beginn des Ostfeldzuges (1.7.1940-21.6.1941), Stuttgart 1963, S. 335f.

[60] Vgl. Ueberschär: Hitlers Entschluß, S. 18

[61] Ueberschär: Hitlers Entschluß, S. 18f.

[62] Vgl. Hillgruber: Strategie, S. 519f.

[63] Ueberschär: Hitlers Entschluß, S. 29f.

[64] Hillgruber: Strategie, S. 274ff.

[65] Jürgen Förster: Hitlers Wendung nach Osten. Die deutsche Kriegspolitik 1940-1941. In: Wegner: Zwei Wege, S. 113-132, hier 125ff.

[66] Hillgruber: Rußland-Bild, S. 181.

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Sowjetische Kriegsvorbereitungen und die These vom deutschen Präventivkrieg
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Das nationalsozialistische Deutschland und die Sowjetunion
Note
1,2
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V108664
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sowjetische, Kriegsvorbereitungen, These, Präventivkrieg, Deutschland, Sowjetunion
Arbeit zitieren
Steffen Schwitalla (Autor), 2002, Sowjetische Kriegsvorbereitungen und die These vom deutschen Präventivkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108664

Kommentare

  • Torsten Steinbeck am 18.8.2010

    Der folgende Satz, der dem Fazit voraus geht, ist völlig falsch.

    "Weder bei der Führung der Wehrmacht und der von ihr beauftragten Instanzen zur Beobachtung der Sowjetunion noch bei Adolf Hitler finden sich unmittelbar vor Kriegesbeginn Äußerungen, die auf eine dringende Furcht vor einem sowjetischen Angriff rückschließen lassen. Vielmehr wurde der Krieg von Anbeginn als Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug geplant und durchgeführt.65"

    Das völlige Gegenteil ist der Fall und auch nachweisbar, denn die Säuberungsaktionen und der Millionenfache Mord der Bolschewisten im eigenen Land war im Westen bekannt und sorgte für Angst und Schrecken, da die Kommunisten auch in den westeuropäischen Staaten mit Unterstützung aus Moskau versuchten an die Macht zu kommen. Ernst Nolte hat auf diesen kausalen Zusamenhang frühzeitig hingewiesen und genügend Material geliefert, das diese These beweisen.

    Daraus ist auch der sogenannte Historikerstreit entstanden, worüber der Verfasser dieser "Hausarbeit" offenbar zu wenig weiss, zumindestens zu wenig darauf eingeht. Berücksichtigt man diese Furcht vor den Kommunisten realistisch, kann das Fazit so nicht bestehen bleiben. Hilters Äusserungen zum Lebensraum im Osten können durchaus auch in der Weise interpretiert werden, dass er aufgrund der innersowjetischen Zerfallserscheinungen und Auslöschung von Millionen Menschen durch die Kommunisten die Übernahme von dortigen Lebensräumen unter deutsche Obhut als für alle Seiten erstrebenswertes Resultat dieser Entwicklung betrachtete und anstrebte.

  • Steffen Schwitalla am 5.10.2010

    Torsten Steinbeck. Kandidat der NPD bei den bayrischen Landtagswahlen 2008.

  • Torsten Steinbeck am 6.10.2010

    Tja Herr Schwitalla, Die Wahrheit hat kein Parteibuch!

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Titel: Sowjetische Kriegsvorbereitungen und die These vom deutschen Präventivkrieg



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