Der Bassist Dave Holland - Eine Stilkritische Analyse anhand von ausgewählten Beispielen


Diplomarbeit, 2004

61 Seiten, Note: 1,3


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Inhalt

1.0 EINLEITUNG
1.1 Themeneingrenzung
1.2 Notation

2.0 BIOGRAFIE

3.0 SOUND

4.0 ANALYSE DES STÜCKE „SOLAR“
4.1 Themenbegleitung
4.2 Tonauswahl
4.3 II – V – I Verbindungen
4.3.1. Arpeggio
4.3.2 Terzen
4.3.3.Tonleiter
4.3.4 Beboptonleiter
4.3.5 Vermischung
4.4 Nonen
4.5 Chromatik
4.6 Vertikal-Horizontales Spiel
4.7 Pedale
4.7.1 Harmonische Aspekte
4.7.2 Repetition
4.7.3 Krebs
4.7.4 ¾ Puls
4.7.5 Rhythmische Pattern
4.7.6 Vermischung
4.8 Sequenz
4.9 Kennlinien.

5.0 ANALYSE DES STÜCKES „BEAUTIFUL LOVE“
5.1 Themabegleitung
5.2 Phrasierung
5.3 Solo
5.4 Punktierte Viertel

7.0 ZUSAMMENFASSUNG

8.0 DISCOGRAPHIE

9.1 QUELLENVERZEICHNISS
9.2 TRANSKRIPTIONEN
9.3 DANK

10.0 ERKLÄRUNG

1.0 Einleitung

Um 1996 begann ich mich intensiver mit der Musik im allgemeinen und dem E- Bassspiel im besonderen auseinander zusetzen. Beim Lesen eines Veranstaltungs- Kalenders bemerkte ich, dass am gleichen Abend Dave Holland, ein bekannter Bassist, spielen sollte. Kurzentschlossen fuhr ich am selben Abend mit einem Freund zu dem Konzert. Es stellte sich leider heraus, dass der Bassist bekannter war als ich dachte und das Konzert ausverkauft war.

Als wir etwas ratlos in der Nähe des Eingangs standen und nicht genau wussten was wir nun machen sollten, kam eine Frau auf uns zu und fragte uns auf englisch ob wir wüssten wo der Eingang sei. Wir sagten es ihr, fügten aber hinzu, dass sie wohl – wie wir auch – keine Karten mehr für das Konzert bekommen würde. Darauf meinte sie nur, das mache nichts und wir sollten ihr folgen. Nachdem wir ihr zum Eingang gefolgt waren, meinte sie nur kurz zum Türsteher: „ Die gehören zu mir“ und wir waren umsonst auf einem Wahnsinns - Konzert. Später stellte sich heraus, dass sie die Frau von Dave Holland gewesen war.

Nachdem ich mittlerweile an der Musikhochschule in Würzburg studierte besuchte ich einen Vorspielabend von Kommilitonen, welche Kompositionen von Dave Holland spielten. Hatte ich ihn bis dahin fast vergessen, es gibt schließlich sehr viele gute Bassisten, so faszinierten mich an diesem Abend seine Kompositionen.

Als er kurz darauf in Karlsruhe spielte war klar, dass ich das Konzert sehen musste.

Bei der Ankündigung vor dem Konzert wurde er schon in höchsten Tönen gelobt. So gewann er 2004 alleine bei der Zeitschrift „Downbeat“ bei den „Leserpolls“ in den folgenden Kategorien (Jahreszahlen in Klammern):

Best Jazz Artist of the Year (2002) Best Jazz Album of the Year (2002)

Best Acoustic Bass Player (1999,2000,2001,2002)

Best Acoustic Jazz Group (2000,2001,2002)1

Und das Konzert hielt wirklich was versprochen wurde. Nach dem Konzert war klar, dass ich diese Diplomarbeit über Dave Holland schreiben wollte.

1.1 Themeneingrenzung

Schon relativ kurz danach war absehbar, dass das Thema Dave Holland schier uferlos ist. So ist er nicht nur als Bassist, Bandleader und Komponist aktiv sondern spielt auch in fast allen Jazzstilen souverän und auf höchstem Niveau.

So sagt er z.B. auch selbst in einem Interview:2

„Ich möchte nicht als Musiker kategorisiert und auf eine Spielpraxis festgelegt werden.“

Bei der Recherche im Jazzinstitut in Darmstadt und im Internet stellte sich auch heraus, dass es erstaunlich wenig Noten und Textmaterial über ihn gibt. Wobei sich die Interviews erschreckenderweise fast ausschließlich mit der Frage beschäftigen: „Wie war das damals als Miles Davis dich im Londoner Ronnies Scotts entdeckt hat“ und dann auch schon wieder fast vorbei sind.

So kam ich zu dem Entschluss, diese Arbeit auf sein Spiel über Standards einzugrenzen und alle Transkriptionen selbst anzufertigen.

Diese Arbeit bezieht sich im Wesentlichen auf die Stü>· “Solar” und “All the things you are” von der CD „Question And Answer” mit Pat Metheney, Roy Haynes und Dave Holland. “Universal”

- “Beautiful Love” von der CD “The Oracle” mit Hank Jones, Billy Higgins und Dave Holland ,“Concord”
- “Work Song” und “Lazy Afternoon” mit Hank Jones, Keith Copeland und Dave Holland, “Concord”

Im Groben ist die Arbeit so gestaltet, dass „Solar“ und „Beautiful Love“ ausführlicher besprochen werden. „All the things you are“ und „Work song“ dienen dazu, weitere Notenbeispiele zu liefern.

Des weiteren soll „Solar“ dazu dienen, grundsätzliche Begleit - und Pedaltechniken von Dave Holland zu erläutern.

Bei „Beautiful Love“ liegt der Schwerpunkt bei Phrasierung und Solospiel.

1.2 Notation

Die in dieser Arbeit verwendeten Transkriptionen sind vollständig auf der CD im Anhang als Word Dokument enthalten.

Die Akkordsymbole entsprechen den Harmonien, die in der „Fifth Edition“ des

„Real Book“3 stehen und sollen eher der Orientierung dienen als die wirklich gespielten Akkordwiedergaben.

Hammer ons werden mit einem Bindebogen und dem Buchstaben H gekennzeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Pull offs werden mit einem Bindebogen und dem Buchstaben P gekennzeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Deadnotes werden mit einem x als Notenkopf gekennzeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Slides werden mit einem und den Buchstaben Sl gekennzeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorschlagsnoten als Slides, werden mit einer kleinen durchgestrichenen Note gekennzeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur genaueren Beschreibung dieser Techniken siehe Seiten 30-33

2.0 Biografie

Dave Holland4 wurde am 1. Oktober 1946 in Wolverhampton, England geboren. Schon in frühester Kindheit fühlte er sich zur Musik hingezogen. So begann er mit 4 Jahren Ukulele zu spielen, wechselte mit 10 Jahren zur Gitarre und mit 13 zum E-Bass. Mit Ausnahme von ein paar Klavierstunden war er zunächst Autodidakt. Er lernte durch das Radio und aus Songbüchern die aktuelle Popmusik. Im Alter von 13 Jahren gründete er mit Freunden eine Band und begann in lokalen Clubs und Tanzlokalen aufzutreten. Im Alter von 15 Jahren wurde er Mitglied einer anderen Band. Als diese Band regelmäßige Engagements hatte, entschloss er sich die Schule zu verlassen und seinen Lebensunterhalt als Musiker zu bestreiten. Etwa zu dieser Zeit, als er dabei war seine Ideen im Bassspiel zu erweitern, begann er Jazz zu hören, wie etwa die großartigen Bassisten Ray Brown und Leroy Vinnegar. Kurz darauf kaufte er sich eine Kontrabass und begann mit den Schallplatten zu üben. Obwohl er immer noch als E-Bassist arbeitete, begann er mit seinem Kontrabass in Jazzclubs zu gehen um sich mit lokalen Jazzmusikern zu treffen. Im Sommer 1963, im Alter von 17 Jahren, bekam er ein Angebot als Kontrabassist in einer Tanzband, für die Sommersaison in einem Urlaubsort zu arbeiten. Danach spielte er eine kleine Tour mit einer Bigband die den Sänger Johnny Ray begleitete. Im Anschluss daran nahm er das Angebot wahr in einem Restaurant in London zu spielen.

Kurz nachdem er nach London gezogen war, begann er Unterricht bei James E. Merrit , dem ersten Bassisten des London Philharmonic Orchesters und Lehrer an der Guildhall Schule für Musik und Theater, zu nehmen. In Frühjahr 1964 bewarb er sich auf Empfehlung von Herrn Merrit für ein 3 Jahresprogramm bei der Guildhall Schule. Im September wurde er, nach bestandener Aufnahmeprüfung Vollstudent.

Damit begann eine Phase intensiver musikalischer Erfahrungen für Dave. Im zweiten Jahr an der Schule war er der erste Bassist im Schulorchester und begann mit einer großen Anzahl von Musikern aus der Londoner Jazzszene zu arbeiten. Seine ersten Jazzengagements spielte er mit Bands, die New Orleans Jazz von King Oliver und Louis Armstrong spielten. Bald darauf folgten Bands die Swing und modern Jazz spielten.

Im Jahr 1966 begann er mit John Surman, John Mc Laughlin, Evan Parker, Kenny Wheeler, John Taylor, Chris Mac Gregor und anderen Londoner Jazzmusikern zeitgenössischen Jazz zu spielen. Zu dieser Zeit war er am meisten von Charles Mingus, Scott la Faro, Jimmy Garrison, Ron Carter und Gary Peacock beeinflusst.

Sein Studium an der Guildhall Schule brachte ihm die Werke

zeitgenössischer klassischer Komponisten näher. Besonders die Musik von Belá Bartok. Andere Tätigkeiten zu dieser Zeit waren als „Freelancer“ die Arbeit in Kammerorchestern, diverse Studiojobs sowie Aufnahmen für Fernsehen, Film, Radio und Plattenaufnahmen.

1967 erschien Dave häufig im „Ronnie Scott´s“ mit Musikern wie Coleman Hawkins, Ben Webster und Joe Henderson. In dieser Zeit, im Juli 1968 besuchte Miles Davis den Club, hörte Dave spielen und fragte ihn, ob er in seine Band kommen wolle. Ein paar Wochen später zog er nach New York und tourte für die nächsten 2 Jahre mit Miles. Er nahm zahlreiche Platten mit ihm auf, unter anderen

„In a silent way” und “Bitches Brew”. Wenn er nicht auf Tour mit Miles Davis war, arbeitete er mit vielen anderen Musikern der New Yorker Szene.

In den späten Siebzigern verließ Dave die Band von Miles und gründete mit Chick Corea, Anthony Braxton und Barry Altschul die Gruppe „Circle“. Zu dieser Zeit begann er auf dem Cello ebenso zu spielen wie auf dem Bass. Nach einem Jahr ging die Band „Circle“ auseinander und Anfang 1972 kam Dave in die Band von Stan Getz. Er hatte zudem noch kurz die Möglichkeit mit Thelonious Monk zu spielen und begann eine lange musikalische Beziehung zu Sam Rivers. Später im Jahr 1972 nahm er sein erstes Album als Bandleader auf. „Conference of the Birds“. Er begann auch privat zu unterrichten und war Gastlehrer im “Creative Musikstudio” in Woodstock, New York, welches von Karl und Ingrid Berger geleitet wurde. Zu Beginn des Jahres 1973 verliess Dave die Band und konzentrierte sich auf die Arbeit mit Anthony Braxton, mit dem er im Duo und verschiedenen anderen Besetzungen spielte. Ebenso arbeitete er auch mit Sam Rivers im Duo und größeren Gruppen. 1975 wurde er Mitglied der Band

„Gateway“. Ein Trio mit John Abercrombie und Jack De Johnette. 1976 arbeitete er ein paar Monate mit Betty Carter. Des weiteren nahm er 1977 eine Solo CD mit dem Titel „Emerland Teares“ auf und begann Solokonzerte zu spielen.

1980 nahm er seine Arbeit mit Sam Rivers wieder auf, verliess die Band aber 1981 um seine Aufmerksamkeit mehr auf seine eigene Gruppe zu lenken. Nachdem er sein Cello Soloalbum „Live Cicle“ aufgenommen hatte, gründete er seine erste längerfristige eigene Band. Die erste Version davon war ein Quintett mit Kenny Werner, Julian Prieser, Steve Coleman und Steve Ellington. Spätere Mitglieder waren Marvin „Smitty“ Smith und Robin Eubanks. Die Band nahm drei grundlegende Alben auf: „Jumpin in“, „ Seeds of Time“ und „The Razors Edge“. Zudem tourte die Band ausgiebig bis 1987.

Nach dem Ende des Quintetts setzte er die Arbeit mit Jack de Johnette und Steve Coleman als Trio fort und gewann den Down Beat Poll 1988 für das Album Triplicate. Des weiteren spielte er mit Hank Jones und nahm 2 Alben mit ihm auf. Eins davon mit Billy Higgins.

1988 gründete er eine neue Band. Ein Quartett mit Steve Colemann, Kevin Eubanks und Marvin „Smitty“ Smith. Die Band nahm das Album „Extensions“ auf. Es wurde im Downbeat zum Album des Jahres gewählt und erhielt weltweiten Beifall dafür.

Dave unterrichtete auch weiterhin während der achtziger Jahre. 1983 wurde er zum künstlerischen Direktor des Sommer Jazzworkshops der Banff Schule in Banff, Canada ernannt. Eine Position die er bis 1990 ausübte. Von 1987 bis 1990 unterrichtete er am „New England Conservatory of Music“ in Massechusetts.

1990 war Dave Holland Mitglied der „Parallel Realities“ Band von Jack De Johnette, in der auch Herbie Hancock und Pat Metheney mitspielten. Des weiteren ist er mit Roy Haynes auf der für einen Grammy nominierten CD „Question and Answer“ von Pat Metheney zu hören. 1992 begann Dave regelmäßig im Trio von Herbie Hancock zu spielen und gewann mit Joe Henderson auf der CD „So Near, So Far“ einen Grammy.

1993 startete er eine Solotournee durch Europa in deren Anschluss er die CD

„Ones all“ aufnahm. Im weiteren Verlauf des Jahres unternahm er eine ausgedehnte Tour mit Betty Carter, Geri Alen und Jack de Johnette. Die Band nahm in der „Royal Festivall Hall“ in London eine CD auf, die 1994 unter dem Tietel „Feed the Fire“ veröffentlicht wurde.

1994 stellte er ein Quartett mit Steve Nelson, Eric Peterson und Gene Jackson zusammen. Außerdem tourte mit der Band „Gateway“ welche im Dezember bei dem Label ECM die CD „Homecoming“ aufnahm. Sein eigenes Quartett spielte in Europa und Amerika 1995 und nahm das Album „Dream of the Elders“ auf. Den Rest des Jahres tourte er mit dem Trio von Herbie Hancock, in dem auch Gene Jackson spielte.

1996 war er mit dem Quartett von Herbie Hancock auf Welttournee und tourte zudem mit der Band „Gateway“ und seiner eigenen Band. Er nahm auch ein Reihe von Studiojobs an und spielte auf drei Alben mit, die für einen Grammy nominiert wurden. „Tales from the Hudson“ mit Michaekl Brecker, “The new Standard” von Herbie Hancock und “The Child Within” von Billy Child. 1997 gründete er ein neues Quintett mit Steve Wilson, Robin Eubanks, Steve Nelson und Billy Kilson. Nach einer ausgedehnten Europatournee nahm die Band das Album „Points Of View“ auf, welches 1998 veröffentlicht wurde. Des weiteren war er Mitglied in der „Tales From the Hudson“ Band von Michael Brecker, Herbie Hancocks „New Standard“ Band und bei Joe Hendersons „Porgy and Bess“ Projekt.

Mit seinem derzeitigen Quintett erreichte Dave Holland ein größeres Maß an Anerkennung und Popularität. Die beiden letzten Alben, „Points of View“ und „Prime Directive“ wurden für eine Grammy nominiert. Die Band belegte den ersten Platz in der Kategorie beste akustische Jazzband im Downbeat Leserpoll. Beste Jazzband beim „Bell Atlantic Jazz Award“. Die Vereinigung der Jazzjournalisten vergab an das Quintett die Auszeichnungen „Best small Ensemble“ und „Best Album of the Year“5, des weiteren die Auszeichnungen

„Bassist des Jahres“ und „Musiker des Jahres“. Zudem wurde er auch von den

Lesern des „Downbeat“ zum besten Bassisten des Jahres 200 gewählt und erhielt Die „Ehrendoktorwürde“ von der „Berklee School of Music“.

In einer Zeit der „All-Star Bands“ konzentrierte sich das Quintett darauf als Band zu arbeiten und viel zu touren. So spielte es in Nord und Südamerika Europa Asien sowie eine Tour in China. Ungeachtet der vollen Terminkalender jedes Einzelnen Bandmitglieds hat das Quintett bei allen Priorität.

3.1 Sound

Dave Holland verwendet folgendes Equipment6.

- französischer 3/4 Kontrabass
- Tomastik Spirocore Seiten
- AKG 406 C Kondensator Mikrofon
- Underwood Pickup
- Retrospec Röhren DI Box
- Gallien Krueger MB 150 Verstärker
- Hartke 410, 4x10 Zoll Box

Das Blockschaltbild veranschaulicht die Verkabelung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch wenn dies zunächst nach viel Equipment aussieht, ist es doch im Bezug auf die Saalgrößen in denen er spielt sehr wenig. Zudem verwendet er keine ausgefallenen Geräte.

Erwähnenswert, wenn auch nicht ungewöhnlich, ist, dass er ein Mikrofon benutzt welches direkt in das hauseigene Mischpult geht. Dies dürfte zweifelsohne für seinen akustischen Sound sehr wichtig sein.

Des weiteren ist es für seinen Sound ein großer Vorteil das seine Frau, welche ihn meistens begleitet, im Zweifelsfall selbst seinen Sound vom Mischpult aus regelt7. Dadurch vermeidet er es, den Tontechnikern während der Spielens hilflos ausgeliefert zu sein und kann sich mehr auf sein Spiel konzentrieren.

Nachfolgend will ich noch einen Teil aus einem Interview abdrucken, das meiner Meinung nach sehr viel über Dave Hollands Soundvorstellung deutlich macht und darüber hinaus zeigt, warum er mit „Standardequipment“ auskommt.

- Noch bevor wir erkennen können, welches Stück Sie spielen, erkennen wir Sie an Ihrem kräftigen, klaren, warmen Ton. Wie kommen Sie zu diesem beneidenswerten Baßsound?
- Vielen Dank. Anfangs wollte ich den Sound von Ray Brown. Lange Zeit tat ich alles dafür, was ich nur konnte. Doch es misslang, denn Ray Brown ist Ray Brown und nicht Dave Holland. Meine erste große Lektion war:

„Ich kann nicht wie jemand anders klingen. Ich muss meinen eigenen Sound finden." Aber der Versuch, wie Ray Brown klingen zu wollen, war ein guter Start. Der Sound ist es, der deine Gefühle ausdrückt. Ich habe solange daran gearbeitet, bis ich den Sound aus dem Instrument herausholte, den ich haben wollte. Ich könnte über Technik sprechen , aber es geht darum, innerlich einen Sound zu hören, den du willst, und einen Weg zu seiner Verwirklichung zu finden. Jeder hat andere Arme, andere Finger. Es gibt nicht einen einzigen Weg, den Sound hervorzubringen. Ich kann dir nicht beibringen, wie ich zu klingen. Ich muss dir zeigen, dass du den Sound bereits hast, den du haben willst.

- Bass und Saiten, die Sie verwenden, werden ja einen Einfluss haben. Sie würden auf jedem Bass den gleichen Klang erzeugen?
- Ich selbst habe darüber eine Lektion erhalten. Ich ging 1967 in ein Konzert, bei dem Archie Shepp und Miles Davis jeweils mit ihren Bands auftraten. Ron Carter spielte bei Davis, Jimmy Garrison bei Shepp. Ich verfolgte das Konzert Backstage. Nach dem Konzert erfuhr ich, dass beide Bassisten das gleiche Instrument benutzt hatten, da eines verloren gegangen war. Während des Konzertes klangen beide genau so, wie man es von ihnen erwarten würde. Bei diesem Konzert lernte ich, dass es wirklich nichts mit dem verwendeten Bass zu tun hat. Natürlich können eine bestimmte Qualität von Bass und Saiten mir helfen, einen bestimmten Sound zu erzeugen. Wenn aber ein Musiker einen eigenen Sound hat, wird er ihn auch hervorbringen. Es ist etwas persönliches, das nicht nur mit dem Instrument zusammenhängt. Das Instrument trägt nur ein klein wenig, keineswegs am meisten dazu bei. Wenn ich drei Instrumente hier hätte, würden Sie zwar einen Unterschied wahrnehmen, kämen Sie aber in das eine oder andere Konzert von mir, würden Sie sagen: ,Oh, er klingt, wie er selbst.8"

4.0 Analyse des Stücke „Solar“

Solar ist eine 12 taktige Komposition von Miles Davis, die aus einer Akkordstudie über einen Blues entstanden ist.9

Sie beginnt auf einer Molltonika und wechselt, ähnlich dem Blues, in Takt 4 auf die Subdominante. In diesem Fall als Großseptakkord. In Takt 8 bis 12 findet eine Verdichtung des harmonischen Rhythmus statt und das Stück moduliert kurzzeitig.

Melodisch gesehen zeigt sich eine diatonisch/chromatisch fallende Linie von C2 bis F1, welche immer mit einer oberen und unteren Wechselnote umspielt wird. Ähnlich dem traditionellen Blues sind die Takte 5-8 eine Sequenz der Takte 1-4 und in den Takten 9-12 folgt eine „Antwortphrase“.

Diese endet mit einem Tonleiterausschnitt aus C Harmonisch Moll aufwärts zum Anfangston, welche allerdings bei der hier betrachteten Version nicht gespielt wird.

4.1 Themenbegleitung

Das auf der nächsten Seite abgebildete Notenbeispiel „Solar Thema“ zeigt in der oberen Zeile des Notensystems das Thema in der Realbookversion10. In den unteren 2 Systemen sieht man die Basslinie von Dave Holland im ersten und zweiten Themenchorus.

Dave begleitet in den Themenchorussen im „Halbefeeling“, im Gegensatz zu Roy Haynes der von Anfang an „in 4“ spielt.

In den ersten acht Takten des Themas kann man schon beim Betrachten des Notenbildes feststellen, dass es immer einen Wechsel zwischen Bewegung (Takte 1,3,5,7) und weniger Bewegung (Takte 2,4,6,8) gibt. In den Takten 9-12, in denen sich der harmonische Rhythmus kontraktiert ist die Melodie 2 Takte in Bewegung und ruht 2 Takte, da der eigentliche Aufgang am Ende des Themas von Pat Metheny nicht gespielt wird.

Im Gegensatz zur Melodie kann man in der Basslinie sehen, dass sie sich kontrapunktisch11 zur Melodie verhält. Hat die Melodie viel Bewegung, so hat die Basslinie weniger und umgekehrt. Zusätzlich schafft Dave Holland noch einen weiteren Kontrast, indem er die stetig fallende Melodielinie ausgleicht. So spielt er in beiden Chorussen in den Takten 1,4,5,8,9 und 10 jeweils immer seine Linie nach oben wenn das Thema in der Tonhöhe fällt.

4.2 Tonauswahl

Harmonisch betrachtet spielt Dave Holland eher traditionell. Das heißt er spielt immer den Grundton des Akkords auf die Zählzeit 1 im Takt und die Quinte auf Zählzeit 3.(In Takt fünf wird die Zählzeit „4 und“ als vorgezogene 1 des sechsten Takts empfunden).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 http://www.downbeat.com/default.asp?sect=search

2 Jazz Podium 22/11 Nov 1973 S 20-23

3 Seite386

4 http://www.daveholland.com/

5 http://www.oberlin.edu/cgi-bin/cgiwrap/events/calendar.pl?display=college&s=&_e=4897

6 http://www.daveholland.com/band

7 Gespräch mit Prof. Rudi Engel

8 Jazz Podium 45/4 Apr 1996S 14-16

9 Davis,Miles: “Autobiografie”

10 Realbook: Sammlung von Jazzstandards Anm d.

11 Vergl.dtv Atlas Musik Band 1 S. 92

61 von 61 Seiten

Details

Titel
Der Bassist Dave Holland - Eine Stilkritische Analyse anhand von ausgewählten Beispielen
Hochschule
Hochschule für Musik Würzburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
61
Katalognummer
V110311
Dateigröße
2859 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bassist, Dave, Holland, Eine, Stilkritische, Analyse, Beispielen
Arbeit zitieren
Thomas Bugert (Autor), 2004, Der Bassist Dave Holland - Eine Stilkritische Analyse anhand von ausgewählten Beispielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110311

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