Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise - Beeinflusst die Arbeitslosigkeit die Identitätsbildung im Jugendalter?


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,7


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GLIEDERUNG

I. EINLEITUNG

II. IDENTITÄT
2.1 Definition:
2.2 Ablauf der Identitätsbildung
2.3 Berufsidentität

III. ENTWICKLUNGSKRISEN DES JUGENDALTERS:
3.1 Definition:
3.2 Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise
3.3 Auswirkungen der Krise auf die Identitätsbildung

IV. PROJEKT: KOOPERATIVE WEGE:

V. SCHLUSS
5.1 Zusammenfassung.
5.2 Fazit

VI. LITERATURVERZEICHNIS:

I. Einleitung

Arbeit hat in der westlichen Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Wer im Besitz einer Arbeitsstelle ist, fühlt sich nützlich, kann Kontakte zu anderen Menschen aufbauen. Gerade für junge Erwachsene ist ein Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle von großer Bedeutung, denn durch sie kann sich die Bildung der eigenen Identität fortsetzen (vgl. Strehmel, Ulich, 1998, S. 1088).

Seit einiger Zeit, so zeigen die Statistiken, steigt aber die Zahl der Arbeitssuchenden Jugendlichen immer mehr an. Das bedeutet, dass ein Übergang vom Schulsystem in das Berufsleben risikoreicher geworden ist. Der Weg in den Erwachsenenstatus wird vielen Jugendlichen verwährt.

Wie sieht die Identitätsbildung aus, wenn sich keine Ausbildungsstelle oder kein Arbeitsplatz finden lässt? Was bedeutet dies für die Jugendlichen? Und wie meistern sie solche Situationen?

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit und ihren Einflussfaktor auf die Identitätsbildung bei jungen, heranwachsenden Menschen. Es wird der Frage nachgegangen, ob die Arbeitslosigkeit die Identitätsbildung beeinflusst.

Zu Beginn der Verschriftlichung wird auf die Identität, genauer gesagt auf die Identitätsbildung im Jugendalter eingegangen. Es folgt eine Darstellung der Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit sowie im Kapitel 3.3 eine Ausarbeitung der eingangs gestellten Frage.

Der nächste Abschnitt der Arbeit befasst sich mit einem Projekt, welches vom Bayrischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen initiiert und finanziert wurde. Bei dem Projekt handelt es sich um den Modellversuch „kooperative Wege“, das zur Förderung der beruflichen und sozialen Integration Jugendlicher und junger Erwachsener beitragen soll.

Die Seminararbeit endet mit einer Zusammenfassung sowie einem Fazit.

II. Identität

Da der Begriff Identität in den folgenden Kapiteln eine wesentliche Rolle einnimmt, ist es von Nutzen, diesen zu Beginn dieser Seminararbeit zu definieren. Daher folgt nun ein kurzer Abschnitt, der sich eingehend mit der Definition von Identität befasst. Dabei beziehe ich mich unter anderem auf die Erläuterung aus dem psychologischen Wörterbuch Dorsch, welche zu Beginn des Sommersemesters 05 im Seminar Entwicklung von Selbst und Identität vorgestellt wurde.

2.1 Definition:

Die „einzigartige Kombination von persönlichen, unverwechselbaren Daten des Individuums wie Name, Alter, Geschlecht und Beruf, durch welche das Individuum gekennzeichnet ist und sich von allen anderen Personen unterscheiden lässt“ (Oerter, Dreher, 1998, S.346), bezeichnet man als Identität. Enger gefasst, lässt sich Identität als eine eigene Persönlichkeitsstruktur definieren sowie als das Bild das andere von dieser Struktur haben, definieren. Ebenso spielt die Selbsterkenntnis, das eigene Verständnis für die Identität, eine wichtige Rolle (vgl. ebd.).

Somit ist Identität gleichbedeutend mit dem Begriff Selbigkeit. „Die Einheit und letzthinnige Unveränderlichkeit eines „Selben“(Herv. im Orig.) in seinem Selbstsein. Damit ist Identität abgehoben von Gleichheit als Grenzfall der Ähnlichkeit“ zu sehen. „In der Person ist Identität das Fortbestehen eines anschaulich ausgesonderten in Raum und Zeit“ (Kratzer, 2005, S 3).

2.2 Ablauf der Identitätsbildung:

Der Entwicklungsprozess der Bildung einer eigenen Identität, der Ausbildung des privaten und des sozialen Selbst (vgl. Reuthner, 2002, S.25), lässt sich nach Marcia in einen idealtypischen Ablauf, eine theoretische Typologie gliedern.

Marcia, ein Schüler des Entwicklungsforschers Eriksons, griff bei der Entwicklung seiner Methode zur Erfassung der Identität auf das Konzept Eriksons zurück. Er entwickelte einen Fragenkatalog zu unterschiedlichen Themengebieten wie Politik und Gesellschaft und legte diesen verschiedenen Versuchspersonen vor (vgl. Oerter, Dreher, 1998, S. 351ff).

Bei der Auswertung der Daten war es dem Wissenschaftler möglich, jedes Individuum einer Kategorie von Identität zu zuordnen. Dabei spielten die Dimensionen Krise, Verpflichtung (Entschiedenheit) und Exploration (Aktivität) eine entscheidende Rolle. Sie kennzeichnen die

einzelnen Bereiche des Lebens mit denen sich die Jugendlichen auseinander setzen müssen. Je nach Intensität dieser Merkmale konnte das Individuum einer bestimmten Identität zugeordnet werden Es handelt sich dabei um vier verschiedene Arten von Identität,

- die übernommene Identität,
- Moratorium,
- die diffuse Identität und
- die erarbeite Identität.

Diese 4 Typen der Identität werden nun in Anlehnung an Oerter und Dreher (vgl. ebd. ff) kurz skizziert.

Bei der übernommenen Identität gibt es eine klare Verpflichtung gegenüber Werten. Meist stammen die Festlegungen der Werte von den Eltern, die ohne Hinterfragung übernommen wurden. Charakteristisch für eine Person mit einer übernommenen Identität ist ihr ruhiges, unauffälliges und wohlerzogenes Verhalten, das überwiegend nur stereotype Beziehungen eingeht. Das Selbstwertgefühl ist bei diesen Personen vom Geschlecht abhängig. Frauen haben hohes, Männer hingegen ein niedriges Selbstwertgefühl.

Moratorium ist gekennzeichnet durch eine gegenwärtige Auseinandersetzung mit Wertefragen. Eine Person die sich in dieser Phase befindet sucht aktiv nach eigenen Werten und Einstellungen. Das Selbstwertgefühl ist somit hoch. Die Person ist in der Lage, eine intensive Beziehung einzugehen, was von ihr auch angestrebt wird. Andere Autoren bezeichnen diesen Identitätsstatus als kritische Identität.

Existieren keine Festlegungen für Werte und sucht man auch nicht nach eigenen Werten so befindet sich der Mensch im Zustand der diffusen Identität. Der Heranwachsende ist desorientiert, ohne Interessen und ohne Entscheidungswillen. Er lebt zurückgezogen, fühlt sich von seinen Eltern nicht verstanden und sucht die Festlegung von Werten bei Gleichaltrigen oder nicht selten bei fremden Autoritäten.

Die letzte Typologie umfasst die erarbeitete Identität. Die Person hat die Wertepositionen selbst ausgewählt und festgelegt. Das Selbstwertgefühl dieses Menschen ist hoch. Er hat einen festen Standpunkt, ist zielstrebig, bestimmt, wirkt ruhig und kann sich ohne Selbstsucht für andere einsetzen.

Die eben beschrieben Typologien der Identität nach Marcia sind rein auf das Subjekt beschränkt. Die Umwelt des Individuums blieb dabei außer Acht (vgl. ebd.). Da aber der Mensch in die Umwelt eingebettet ist und von den verschiedenen Systemen, wie Exosystem und Mesosystem, umgeben ist, bedarf es einer Beachtung dieses Feldes. Im folgenden Abschnitt wird ein Blick auf das System Arbeit, genauer gesagt auf den Zusammenhang beruflicher Arbeit und Selbstkonzept, gerichtet.

2.3 Berufsidentität

Schon die Umwelt wirkt prägend auf Kinder ein. Dass Kinder sich über die Wichtigkeit eines Berufes bewusst sind, zeigen uns ihre Spiele und ihre Berufswünsche. „Während Grundschüler Berufe nur nach ausgewählten, besonders schönen oder abstoßenden Eigenschaften beurteilen, orientieren sich Jugendliche nach den Interessen, nach den selbst- attribuierten Fähigkeiten und nach den grundsätzlichen Werten, denen ein Beruf dient, um schließlich zu einem realistischen Kompromiss zwischen allen Aspekten zu kommen“ (Flammer, Alsaker, 2001, S. 253). Die Berufswahl entscheidet sich somit nach den Fähigkeiten, Interessen eines Menschen und den auf dem Arbeitsmarkt existierenden Angeboten. Jugendliche versuchen ihre Berufswahl, was sie einmal werden möchten, so zu treffen, wie sie ihrer Annahme nach am authentischsten ist (vgl. Fend, 2003, S. 376).

Biographien zeigen, dass differentielle Wege bei der Berufswahl existieren. Um nun einer Person eine Berufsidentität zu schreiben zu können, griff Fend die Typologie der Identität von Marcia auf. Statt 3 Dimensionen, verwendete Fend nur 2 Merkmale. Es handelte sich dabei um die Verpflichtung und Exploration, so dass 4 verschiedene berufliche Identitäten entstanden, die von der Bezeichnung her denen Marcias ähneln. Die folgende Darstellung ist aus Oerter und Dreher (1998, S. 392) entnommen:

1. erarbeitete Identität: hohe Verpflichtung und hohe Exploration (Aktivität)
2. übernommene Identität: niedrige Exploration (Aktivität) und hohe V]erpflichtung
3. Moratorium: hohe Exploration und geringe Verpflichtung
4. diffuse Identität: niedrige Exploration und geringe Verpflichtung

Jungendliche mit einer erarbeiteten oder einer übernommenen beruflichen Identität haben schon eine Lehrstelle in Aussicht oder schon einen Vertrag unterzeichnet (vgl. ebd.), dagegen sind die im beruflichen Moratorium angesiedelten Jugendlichen bezüglich ihrer beruflichen Zukunft verunsichert. Unschlüssige und nicht motivierte, einen Arbeitsplatz suchende Schüler sind in der diffusen beruflichen Identität anzusiedeln.

Diese Identitätsunterscheidungen zeigen eine Analogie zur Berufswahl. Wie die Berufswahl, so sind auch die Identitätsunterscheidungen von persönlichen Vorraussetzungen, wie Interessen und Schulleistungen, abhängig (vgl. Flammer, Alsaker, 2001, S. 255). Die berufliche Identitätsfindung ist stark mit der Wahl des Berufes gekoppelt.

Bei vielen Jugendlichen, die die Schule im Alter von 16 Jahren verlassen, ist die Identitätsfindung noch im vollen Gange. Oft fällt es ihnen schwer, sich für einen Beruf zu entscheiden. Hinzukommt, dass viele Schulabgänger Probleme bei der Lehrstellensuche haben. Die wirtschaftliche Lage gestattet es den Jugendlichen kaum noch, bei gefundenem Berufwunsch sich in diesem ausbilden zu lassen, da zu wenige Lehrstellen auf dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen. Die Folge: Schulabgänger, die in die Berufswelt eintreten wollen, befinden sich in der Ausbildungsarbeitslosigkeit und nachfolgend in der Arbeitslosigkeit.

Das nun folgende Kapitel befasst sich mit der Thematik Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise, von der immer mehr Jugendliche betroffen sind.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise - Beeinflusst die Arbeitslosigkeit die Identitätsbildung im Jugendalter?
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V110943
ISBN (Buch)
9783640182442
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitslosigkeit, Entwicklungskrise, Beeinflusst, Arbeitslosigkeit, Identitätsbildung, Jugendalter
Arbeit zitieren
Valerie Berner (Autor), 2005, Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise - Beeinflusst die Arbeitslosigkeit die Identitätsbildung im Jugendalter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110943

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