Aggression und aggressives Verhalten bei Kindern


Hausarbeit, 2006
10 Seiten, Note: 2,1

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Inhaltsverzeichnis

Formen und Ziele

Anlage

Umwelt

Entwicklung von aggressivem Verhalten

Abbau von Risikofaktoren und einfache Behandlung

Aggressionen sind notwendig

Eigene Stellungnahme zum Thema

Literaturverzeichnis

Das Thema dieser Ausarbeitung ist „Aggression und aggressives Verhalten bei Kindern“. Dabei werde ich zunächst die Primärtexte von Petermann[1] und Kohnstamm[2] als Grundlage meiner Zusammenfassung des Themas benutzen und später eine persönliche Stellungnahme und Beurteilung vom christlichen Standpunkt aus geben.

Aggression und aggressives Verhalten

Formen und Ziele

Aggression beschreibt in erster Linie ein Verhalten, das darauf ausgerichtet ist, eine andere Person direkt oder indirekt zu verletzen.

Nach Petermann wird zwischen fünf Ausdrucksformen unterschieden:

- offen gezeigte und versteckt-hinterhältige Aggression
- körperliche und verbale Aggression
- aktiv-ausübende (Täter) und passiv-erfahrene (Opfer) Aggression
- direkte und indirekte Aggression, (direkt gegen eine Person oder indirekt gegen ihren Besitz gerichtete Aggression)
- nach außen und innen gewandte Aggression

Die zuletzt genannte Form wird hier nicht behandelt, da sich die Aggression weitgehend auf die eigene Person bezieht.

Eine nach Geschlechtern getrennte Betrachtung weist bei Jungen häufiger die offen gezeigte Aggression auf. Diese zeigen gegenüber anderen Menschen vor allem körperliche und verbale Aggression. Bei Mädchen zeigt sich eher die verstärkte hinterhältige Aggression, die über Dritte dem Anderen Schaden zufügt. Jungen sind, was aggressives Verhalten angeht, fünfmal auffälliger als Mädchen.

Bei der Aggression handelt es sich um ein äußert stabiles, nach Petermann sogar um das stabilste, Sozialverhalten des Menschen. Zudem stellt das aggressive Verhalten ein nur sehr schwer beeinflussbares Verhaltensmuster dar. Zwei Drittel der Kinder, die bis zum Schulalter Verhaltensprobleme zeigten oder zu aggressivem Verhalten neigten, zeigten dann auch im späteren Verlauf ihres Lebens mehr Aggressionen bis hin zu klinisch auffälligem Verhalten.

Niemand zweifelt daran, dass aggressives Verhalten bei jedem Menschen vorkommen kann und vorkommt. Nur die Intensität und die Auswirkungen sind unterschiedlich. Man kann zwei Grundformen der Aggressivität unterscheiden.

Gelingt es einem Kind nur schwer, sein soziales Verhalten zu kontrollieren und stört es unbeabsichtigt, so kann man von einem hyperaktiven Kind sprechen. Ein Kind aber, das bewusst seinen Vorteil durch Aggression sucht oder zielgerichtet seinen Willen Anderen durch sein Verhalten aufzwingt, weist egoistisch motiviertes Verhalten auf.

Prinzipiell kann versucht werden, seine Motivation (zum Beispiel Angst) oder Bedrohungsgefühle zu kontrollieren und zu regulieren. Dieses Verhalten kann auftreten, wenn Kinder sich der Zuneigung anderer ungewiss sind oder sie soziale Anerkennung erwarten.

Ursachen aggressiven Verhaltens oder wie sich Aggression entwickelt

Man kann zwei grundlegende Faktoren betrachten: Anlage und Umwelt. Anlage als das, was dem einzelnen Menschen vererbt wurde und Umwelt als die äußeren Einflüsse und Reize beziehungsweise die Reaktion auf diese Reize.

Anlage

Zu dem Thema Anlage kann nur sehr wenig geschrieben werden, da die Forschung erst damit beginnt, diese näher zu erforschen. Was aber sicher ist ist, dass das Gehirn bei Menschen verschieden auf Reize reagiert. Also reagieren Menschen auch unterschiedlich auf unterschiedliche Situationen. Menschen sind von Natur aus unterschiedlich. Manche Menschen sind eher introvertiert, andere extrovertiert. Aber Aggression als angeboren zu betrachten, wäre wohl falsch. Das widerlegen auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die im nächsten Teil über Umwelteinflüsse behandelt werden sollen. Auch wäre dann eine Therapie von aggressivem Verhalten fast nicht möglich. Zu den Anlagen eines Menschen gehören zum Beispiel auch Hyperaktivität und Temperament.

Umwelt

Die Anlage eines Menschen als Ursache für aggressives Verhalten ganz auszuschließen wäre genauso falsch wie die Umwelt als einzigen Auslöser für aggressives Verhalten zu benutzen. Vielmehr hängt beides zusammen. Das zeigt vor allem die Zwillingsforschung, wo beide Personen die gleichen Anlagen haben, aber doch oft völlig unterschiedliche Verhaltensmuster entwickelt haben.

Bei der Entstehung von aggressivem Verhalten ist das Elternhaus maßgeblich beteiligt. Ein erhöhtes Risiko zu aggressivem Verhalten zeigen Kinder aus Familien aus niedrigen sozioökonomischen Schichten, junges Alter der Mutter, Geschlecht des Kindes, eine geringe Vitalität bei der Geburt und eine lange Austreibung bei der Geburt. Es wäre aber falsch zu sagen, dass diese Kinder mit negativen Voraussetzungen automatisch aggressives Verhalten zeigen. Das Verhalten der Eltern gegenüber den Kindern ist noch viel wichtiger als äußere Einflüsse. Viele Faktoren beeinflussen die Entwicklung, zum Beispiel, wie viel Aufmerksamkeit das Kind bekommt, welche Regeln und Einschränkungen es bekommt, ob es eine sichere Bindungsperson in der Familie hat, wie das Kind selbst Aggression von den Eltern oder Geschwistern erfährt, ob die Eltern zu aggressivem Verhalten neigen, wie die Beauf­sichtigung der Kinder ist und in welchem Maß die Eltern an den Aktivitäten der Kinder Anteil nehmen.

Aber auch das Umfeld des Kindes ist oft entscheidend. Hier können Faktoren genannt werden wie zum Beispiel der Kindergarten, die Schule oder Freunde. Welche Erfahrung macht das Kind mit anderen Kindern, wie wird es angenommen und akzeptiert, macht es die Erfahrung, dass es mit Gewalt weiter kommt als mit reden, wie begegnen ihm andere Kinder, wird es gehänselt oder fertig gemacht, kann es enge Beziehungen aufbauen oder ist es ein Einzelgänger, spielt häufig alleine oder mit anderen Kindern?

Entwicklung von aggressivem Verhalten

Aggressives Verhalten ist nicht einfach da, es entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum und hat viele verschiede Faktoren, die es beeinflussen. Meist beginnt es schon in der frühen Kindheit. Es hängt davon ab, wie ein Kind gebunden ist, in welcher Interaktion es zu den Eltern steht, wie es angenommen wird, wie das Kind seine Ziele erreicht. Später gewinnt neben dem Elternhaus der Freundeskreis eine enorm hohe Bedeutung. Meist aber sind hier schon gewisse Weichen gestellt. So wird das Kind zum Beispiel, wenn es bereits Anzeichen von aggressivem Verhalten zeigt, oft automatisch mit diesem Verhalten weiter machen, da es von seinem Umfeld meist Ablehnung erfährt beziehungsweise dann durch sein aggressives Verhalten nach fehlender Bestätigung sucht. Zusätzlich kann es durch sein auffälliges Verhalten oder die mangelnde Beziehungsfähigkeit Schwierigkeiten haben, sich in einer Gruppe zu integrieren. Dies wiederum führt oft zu einem Rückzugsverhalten. Dem Kind fällt es immer schwerer, Beziehungen aufzubauen, Konflikte oder Streit anders als durch Aggression zu lösen. Grenzen oder Einschränkungen werden als Angriff empfunden und andere als Gegner, die es böse meinen.

Mit der Einschulung beginnen oft Probleme mit den Noten und ein schlechtes Verhältnis zu den Lehrern und Mitschülern, was zu völligem Zurückziehen führen kann. Das heißt aber nicht, dass der Weg zum aggressiven Verhalten in der Kindheit beginnen muss. Oft sind es bestimmte Erlebnisse oder der Erziehungsstil der Eltern.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass aggressives Verhalten nicht angeboren ist, aber negative Einflüsse die Anlage verstärken können und Schwierigkeiten erst zum Vorschein kommen. Äußere Einflüsse und der Erziehungsstil der Eltern sind genauso entscheidend bei der Frage, ob das Kind, später der Jugendliche oder Erwachsene ein aggressives Verhalten entwickelt.

Abbau von Risikofaktoren und einfache Behandlung

Wenn das aggressive Verhalten nicht nur von der Anlage kommt, sondern auch abhängig ist von Umweltfaktoren, dann muss man das Risiko besonders bei auffälligen Kindern minimieren beziehungsweise das entwickelte Verhalten dann auch therapieren können. Das frühzeitige Erkennen von Aggression ist deshalb so wichtig, da sich das aggressive Verhalten erst mit der Zeit festigt. Wenn dies aber frühzeitig erkannt werden kann, festigt sich dieses Verhaltesmuster beim Kind nicht. Eine Therapie zeigt meist erst Erfolge, wenn geklärt wurde, woher das Verhalten des Kindes kommt und kann dann schrittweise erfolgen.

Einige Maßnahmen will ich hier nennen:

- Einübung motorische Ruhe
- differenzierte Fremd- und Selbstwahrnehmung
- angemessene Selbstbehauptung
- Kooperation und Hilfeverhalten
- positives Einfühlungsvermögen

Wichtig ist es, das Problem ernst zu nehmen und je nach Fortschritt oder Stadium dann professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Aggressionen sind notwendig

Aggressives Verhalten ist nicht nur schlecht. In Not- oder Extremsituationen kann die Aggression sogar Leben retten. Zum emotionalen (Stress-) Abbau, aber auch zum Streiten, sind Aggressionen oft unvermeidlich. Wichtig ist nur, dass gelernt wird, mit Aggressionen umzugehen, dass die Energie nicht in verbaler oder körperlicher Gewalt ausgedrückt wird, sondern sie zur Veränderung der Situation genutzt wird.

Eigene Stellungnahme zum Thema

Für mich war die Erkenntnis sehr wichtig, dass Aggression nicht nur so einfach getan oder gemacht wird. Aggression ist nicht einfach da, denn mit Aggression wird fast immer ein Ziel verfolgt. Sei es, dem Anderen seine Meinung aufzuzwingen oder sich zu verteidigen oder um nicht-verarbeitete Probleme oder Konflikte, zumindest für den Moment, zu verarbeiten. Aggression kann Ausdruck von Emotionen sein.

Gerade in der Kinder- und Jugendarbeit kommt es oft vor, dass Kinder ein solches aggressives Verhalten zeigen. Zwar mache ich in meinem Teenkreis oft Spiele, bei denen die Teilnehmer auch körperlich sehr aktiv werden müssen -und auch oft gegen andere. Dabei finde ich nicht, dass dies aggressive Verhalten nahe kommt. Sie versuchen, sich zu messen, aber das ist ein ganz normaler Vorgang. Das meine ich nicht, wenn ich davon spreche, dass mir aggressives Verhalten auffällt, sondern Teens, die gar nicht anders können als sich ständig verbal zu wehren oder gleich zu treten oder zu stauchen. Ich meine die Kinder und Jugendlichen, die in Konfliktsituationen keine Lösung durch Kommunikation suchen, sondern versuchen, auf ihre Art das Problem zu lösen. Das ist dann meist durch Aggression, welcher Art auch immer.

Seither habe ich durch Ermahnen oder Zurechtweisen, im Einzelnen dann auch durch Gespräche, versucht, das Problem zu lösen. Jetzt muss ich allerdings sagen, dass die Aggression oft nicht das eigentliche Problem ist, sondern nur die Auswirkung. Natürlich muss nicht jeder in eine Therapie, aber mein Verhalten sollte sich ändern. Im ersten Moment kann es oft nur die Ermahnung sein, aber dann sollte doch einmal gefragt werden, warum sich der Teeny oder das Kind so verhalten hat. Was versucht ein Mensch durch sein aggressives Verhalten zu bewirken und zu bezwecken?

Dann sollte ich mir die Frage stellen, wie ich dem anderen helfen kann. Vielleicht ist es dran, ihm in der Kommunikation mit anderen zu helfen oder ihm zu zeigen, dass ich es nicht böse meine, wenn ich Regeln vorgebe oder, dass ich ihn mit dem, was ich tue nicht angreifen will. Den meisten ist es wahrscheinlich nicht bewusst, warum sie sich genau so verhalten. Natürlich bin ich mir durchaus auch bewusst, dass dies auch nicht von heute auf morgen geht oder einfach durch ein Gespräch zu klären ist und es manchmal sogar dran sein kann auf andere Hilfe zu verweisen.

Aber darauf möchte ich nicht näher eingehen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Faktoren die Entwicklung eines Kindes beeinflussen und wie entscheidend das Kindesalter für das spätere Leben ist.

Hielt ich doch den Satz:

„Ich hatte eine schwere Kindheit…“ immer für eine Ausrede, kann er noch immer keine Ausrede für ein bestimmtes Verhalten sein, aber kann doch helfen, den anderen in einem anderem Licht zu sehen anstatt ihn pauschal zu verurteilen. Es ist wichtig, Menschen zu helfen, sich zu verändern beziehungsweise sich verändern zu lassen indem man auch -aber nicht nur- nach dem sucht, warum ein Mensch so geworden ist wie er ist.

Literaturverzeichnis

Petermann, F.: Aggressives Verhalten. In: Oerter/Montana, Entwicklungspsychologie, Weinheim 31995.

Kohn R.: Praktische Kinderpsychologie. Bern/Stuttgart 31990.

[...]


[1] F. Petermann, Aggressives Verhalten in: Oerter/Montana, Entwicklungspsychologie, Weinheim 31995, 1016- 1023.

[2] R. Kohn, ‚Praktische Kinderpsychologie Bern/Stuttgart 31990, 131- 140.

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Aggression und aggressives Verhalten bei Kindern
Note
2,1
Autor
Jahr
2006
Seiten
10
Katalognummer
V111536
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggression, Verhalten, Kindern
Arbeit zitieren
Ronnie Berzins (Autor), 2006, Aggression und aggressives Verhalten bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111536

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