Luxus im Römischen Reich - Ausprägungsformen, Kritik, Folgen und Bekämpfung


Seminararbeit, 2005
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Verzeichnis:

1. Einleitung

2. Ausprägungsformen des Luxus
2.1. Der Tafelluxus
2.2 Der Bauluxus und der Ausstattungsluxus
2.3. Kleider, Schmuck, Salben und Parfüm

3. Hintergründe der Kritik des Luxus durch die antiken Autoren

4. Die Folgen und Konsequenzen des Luxus auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene
4.1 Folgen auf wirtschaftlicher Ebene
4.2 Folgen auf sozialer Ebene

5. Ausbreitung und Bekämpfung des Luxus

6. Zusammenfassung

7. Bibliographie

1. Einleitung

Unzählige beschwerten sich darüber, viele befassten sich damit in ihren Schriften, einige schufen Gesetze dagegen und dennoch machte sich fast jeder der luxuria schuldig. Doch was bedeutete der Begriff luxuria für die Römer? In den Quellen findet man Begriffe wie Gefräßigkeit[1], Naturwidrigkeit und Verweichlichung[2], Zuchtlosigkeit und Sittenlosigkeit[3], Schamlosigkeit[4], Geiz[5], Genusssucht und Habsucht[6], Wollust und unzüchtiges Verhalten[7], Maßlosigkeit und Kraftlosigkeit[8], Prunksucht und Lasterhaftigkeit[9] sowie Verschwendungs- sucht[10], die in Verbindung mit luxuria erwähnt werden. Wenn die Ablehnung des Luxus jedoch so eindeutig und einmütig ausgefallen ist, wie durch die einstimmige Meinung der antiken Autoren suggeriert, wer zelebrierte den Luxus dann und aus welchem Grund? Wenn Tiberius in einem Brief an den Senat schreibt, dass er die zunehmende Lasterhaftigkeit eher durchgehen lassen würde, als offenbar zu machen, dass man den Missständen nicht mehr gewachsen sei, stellt sich die Frage wie es zu dieser Übermacht des Lasters überhaupt erst kommen konnte.[11] Zu welchem Zeitpunkt fing der Luxusgedanke an den römischen Verstand zu beherrschen? Und falls der Luxus die oben erwähnten Missstände zur Folge hatte und wie von Tiberius geschildert, ein nicht mehr zu kontrollierendes Maß erreichte, zu welchen Konsequenzen führte dies für die ihn Praktizierenden und für das Römische Reich in seiner Gesamtheit? Wurden Gegenmaßnahmen getroffen? Tiberius schreibt an den Senat:

So viele Gesetze sind von unseren Vorfahren ersonnen worden, so viele hat der göttliche Augustus erlassen; aber jene wurden durch Vergessenheit, diese, was noch schändlicher ist, durch Nichtbeachtung außer Kraft gesetzt und haben den Luxus noch unbekümmerter gemacht.[12]

Wie sahen diese Gesetzte aus, was wurde durch sie geregelt und weshalb wurden sie nicht beachtet?

Um all dieses Fragen in gebührendem Umfang beantworten zu können muss zu Anfang eine Übersicht über die Ausprägungsformen des Luxus erfolgen. Darauf aufbauend soll die in den Quellen umfangreich vorhandene Kritik antiker Autoren beschrieben und die Gründe für deren ablehnende Haltung gegenüber dem Luxus verdeutlicht werden. Folgen und Konsequenzen des Luxus sind Thema des darauf folgenden Kapitels. Abschließend wird auf die Ausbreitung des Luxus und deren Bekämpfung eingegangen werden. Grund für die Beschäftigung mit der Ausbreitung des Luxus am Ende dieser Arbeit, ist mit der inhaltlichen Zusammengehörigkeit und der parallelen Entwicklung dieser mit der Bekämpfung des Luxus zu begründen.

2. Ausprägungsformen des Luxus

Was soll ich denn als erstes zu verhindern oder auf das in der alten Zeit übliche Maß zurückzuführen versuchen? Die grenzenlose Ausdehnung der Landgüter? Die Unzahl und das völkische Gemenge der Dienerschaften? Die Masse des Silber- und Goldgeschirrs? Die Wunderwerke aus Erz und die Tafelbilder? Die von Männern und Frauen ohne Unterschied getragene Kleidung und jene besonderen Wünsche der Frauen, die dazu führen, dass um der Edelsteine willen unser Geld zu fremden oder gar feindlichen Völkern abwandert?[13]

Landgüter, Dienerschaften, Silber und Gold, Tafelbilder, Kleidung, Edelsteine und mehr haben nach Tiberius ein unübliches Maß erreicht. Doch wie viele Diener waren erlaubt und wann wurde ein Kleidungsstück zum Luxusgegenstand? Im folgenden sollen diese Fragen beantwortet werden. Zur übersichtlicheren Darstellung werden die Ausprägungsformen des Luxus grob in folgende verschiedene Kategorien eingeteilt – Tafelluxus, Bauluxus, Ausstattungsluxus und Kleider bzw. Schmuckluxus.

2.1. Der Tafelluxus

Zum Tafelluxus wird hier alles Luxuriöse gezählt, was unmittelbar mit dem Mahl in Zusammenhang steht. So gehören eine prächtige Tischdekoration, silbernes Geschirr, die musikalische Begleitung des Essens, die Bedienung durch Sklaven wie auch die servierten Nahrungsmittel in diese Kategorie. Bei Gastmählern ging es also nicht nur um die Mahlzeit selbst, sondern auch um den Gesamteindruck, der sich aus den gerade erwähnten Bereichen zusammensetzte.

Dies bestätigt Martial in einem seiner Epigramme:

Heute dagegen bereitet das Speisen den Reichen keinerlei Lust, weder der Steinbutt noch das Reh schmeckt, zu stinken scheinen Parfüm und Rosen, falls nicht die breiten Tischplatten mächtiges Elfenbein trägt, ein mit offenem Rachen sich hochreckender Panther aus den Stoßzähnen, die das Tor Syenes schickt, die flinken Mauren und der Inder, noch dunkler als der Maure, und die im Nabatäischen Wald das Untier ablegte, da sie schon zu groß und für den Kopf zu schwer wurden. Von daher regt sich der Appetit, dies gibt dem Magen Kräfte; denn ein Fuß aus Silber ist für sie wie am Finger ein Ring aus Eisen.[14]

Die einzelnen Bereiche, die ein Gastgeber, wollte er der Anerkennung durch die Gäste gewiss sein, beachten musste, werden jetzt näher betrachtet.

Hier muss zuerst auf die Gedecke eingegangen werden, die auch aus Silber und Gold noch keine Exklusivitäten darstellten und zur Grundausstattung eines jeden namhaften Haushalts gehörten. Dies geht aus dem Brief des Tiberius an den Senat hervor, indem dieser bei der Aufzählung der Maßlosigkeiten, die sich im Reich ausgebreitet haben, unter Anderem auch die Masse des Silber- und Goldgeschirrs, erwähnt.[15] Funde wie das Tafelservice von Kaiseraugster, das sich aus 64 Objekten zusammensetzt, und praktisch aus reinem Silber besteht, unterstreichen die von Tiberius kritisierten Zustände.[16] Neben dem obligatorischen Tafelsilber gab es weitere unverzichtbare Elemente eines luxuriös gestalteten Mahls. Eines dieser Elemente war die Untermalung des Essens mit Musik. Das Ausmaß mit dem dieser neu eingeführte aus dem griechischen kommende Brauch praktiziert wurde, zeigt sich in einem Epigramm, dass Martial diesem Teilbereich des Tafelluxus widmet. Darin heißt es: „Welch Gastmahl wohl das beste sei, das fragt ihr mich? Bei dem es keinen Flötenspieler gibt.“[17] Die Musiker jedoch waren nicht das einzige Personal, welches zur Ausrichtung benötigt wurde. An Sklaven, welche die Bedienung der Speisenden übernahmen, wurden hohe Ansprüche gestellt: „Sie sollten jung, schön und gut gekleidet sein, bartlos und von glatter Haut.“[18] Bei Juvenal wurden die Diener wie folgt beschrieben: „Dasselbe Aussehen bei allen, die Haare geschnitten und glatt und nur heute wegen des Gastmahls gekämmt.“[19]

Doch nicht nur die ostentative Darstellung des eigenen Reichtums und die Verschwendung führten dazu, dass Gastmähler der Oberschicht in Verruf gerieten. So manche Kritik zielte auf die fehlende Sittsamkeit. So bezeichnet Weeber das Gastmahl mit anschließenden Trinkgelage als einen zentralen Ort erotischer Begegnungen und sexuellen Vergnügens und erklärt den Einsatz der mädchenhaften Jünglinge zur Bedienung mit homosexuellen Phantasien der Gastgeber und Gäste.[20]

Im Zentrum jedes Dinners stand natürlich das Kulinarische selbst. Für die Zutaten hierfür wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Besonders pompöse Mähler bestanden aus mehreren Gängen und erstreckten sich über mehrere Stunden. Die Gastgeber versuchten sich nicht nur im Preis, sondern auch in der Exotik ihrer Gerichte zu übertreffen. Flamingozungen[21], Saucen aus der Leber von Meerbarben oder Hahnenkämme[22] gehörten hier wohl zu den extravagantesten Kreationen. Preislich gesehen waren es vor allem Vitellius und Caligula, deren Genusssucht und Verschwendung der Überlieferung nach grenzenlos waren, und die sich immer auf der Suche nach exquisiteren noch teureren Gerichten befanden. Die Mahlzeiten des Vitellius, die Sueton zu Folge nie weniger als vierhunderttausend Sesterzen gekostet haben sollen[23] oder der Festschmaus des Caligula, der die wertvollsten Perlen in Essig aufgelöst schlürfte[24], können hier als extremste Beispiele des Tafelluxus angeführt werden. Nichts desto trotz war die Verschwendung von ungeheuren Geldsummen für den kulinarischen Hochgenuss innerhalb der Oberschicht kein Einzelfall. Dies beweisen unzähligen Quellen, welche an Personen wie Lucullus, Apicius, Elagabal und vielen anderen, die sich dieses Lasters schuldig gemacht hatten, heftigste Kritik übten.[25] Um sich eine Vorstellung von einem wahrlich kaiserlichen Festmahl zu machen, lohnt es sich abschließend den Bericht des Macrobius über ein Luxusessens des Lentulus zu betrachten. In diesem werden Seeigel, frische Austern, verschiedene Muschelsorten, Drosseln mit Spargel, Masthuhn, Ragout von Riesenmuscheln, Feigendrosseln, Lendenstücke vom Reh und Wildschwein, Purpurschnecken, Saueuter, Schweinskopf, gebratene Ente und Hasenbraten erwähnt.[26]

[...]


[1] Suet. Vit. 13, 1-3.

[2] Sen. ep. 90, 19.

[3] Tac. ann. XIV 20, 4.

[4] Sen. ep. 90, 20.

[5] Juv. XIV, 120.

[6] Sen. ep. 89, 21.

[7] Plin. NH XIV 140-142.

[8] Sen. ep. 122, 4f.

[9] Plin. NH XXXIII 150-152.

[10] Sen. ep. 86, 7.

[11] Tac. ann. III 53, 3.

[12] Tac. ann. III 54, 2: tot a maioribus repertae leges, tot quas divus Augustus tulit, illae oblivione, hae, quod flagitiosius est, contemptu abolitae securiorem luxum fecere.

[13] Tac. ann. III 53, 4: Quid enim primum prohibere et priscum ad morem recidere adgrediar? villarumne infinita spatia? familiarum numerum et nationes? argenti et auri pondus? aeris tabularumque miracula? promiscas viris et feminis vestes atque illa feminarum propria, quis lapidum causa pecuniae nostrae ad externas aut hostilis gentes transferuntur?

[14] Juv. XI 124-133: at nunc divitibus cenandi nulla valuptas, nil rhombus, nil damma sapit, putere videntur unguenta atque rosae, latos nisi sustinet orbis grande ebur et magno sublimis pardus hiatu dentibus ex illis quos mittit porta Syenes et Mauri celeres et Mauro obscurior Indus, et quos deposuit Nabataeo belua saltu iam nimios capitique graves. hinc surgit orexis, hinc stomacho vires, nam pes argenteus illis, anulus in digito quod ferreus.

[15] Tac. ann. III 53, 4.

[16] K.-W. Weeber, Luxus im Alten Rom. Die Schwelgerei, das süße Gift..., Darmstadt 2003, 32.

[17] Mart. IX 77: quod optimum sit quaeritis convivium? in quo choraules non erit.

[18] Weeber, Luxus, 130.

[19] Juv. XI 153f.: idem habitus cunctis, tonsi rectique capilli atque hodie tantum propter convivia pexi.

[20] Weeber, Luxus, 86.

[21] Plin. NH X 133.

[22] Hist. Aug. Elag. 20, 5.

[23] Suet. Vit. 13, 1f.

[24] Suet. Cal. 37, 1.

[25] Lucullus und Apicius werden in Plin. NH erwähnt, Elagabal in Hist. Aug.

[26] Macrob. Sat. III 13, 10.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Luxus im Römischen Reich - Ausprägungsformen, Kritik, Folgen und Bekämpfung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik)
Veranstaltung
Proseminar I: Der Prinzipat des Nero
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V111561
ISBN (eBook)
9783640096114
ISBN (Buch)
9783656240112
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luxus, Römischen, Reich, Ausprägungsformen, Kritik, Folgen, Bekämpfung, Proseminar, Prinzipat, Nero
Arbeit zitieren
Christian Weckenmann (Autor), 2005, Luxus im Römischen Reich - Ausprägungsformen, Kritik, Folgen und Bekämpfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111561

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