Der Weg zum Sieg in Poltava

Entwicklungen und Ereignisse


Seminararbeit, 2005

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Verzeichnis:

1.Einleitung:

2. Die Ausgangssituation:

3. Der Ablauf des Großen Nordischen Krieges:

4. Der Weg zum Sieg:
4.1 Zustandsbeschreibung der russischen Armee vor und am Anfang des Großen Nordischen Krieges:
4.2 Die Reform des Heeres unter Peter dem Großen:
4.3 Strategisches und diplomatisches Geschick Peters:
4.3.1 Peters strategisches Geschick:
4.3.2 Peters Geschick und Karls Unfähigkeit in der Diplomatie:
4.4 Die Skrupellosigkeit Peters:
4.5 Glückliche Umstände und unbeeinflussbare Ereignisse:

5. Schluss:

Bibliographie:

Quellenbände:

Sekundärliteratur:

1.Einleitung:

Im Anschluss an die Unterzeichnung des Friedens von Nystad, mit dem der Große Nordische Krieg ein Ende hatte, schrieb Peter I. an den Fürsten Wassilij Dolgorukij folgende Zeilen:

Im allgemeinen haben die Studenten ihr Studium nach 7 Jahren abgeschlossen. Wir sind dreimal so lange in die Schule gegangen, aber – dem Herrn sei Dank – es ist so gut ausgegangen, wie man es gar nicht besser wünschen könnte.[1]

Und tatsächlich - am Ende des Großen Nordischen Krieges stand Peter I als Gewinner da. Er hatte das Baltikum erobert, die Schweden geschlagen, sein Heer reformiert und eine mächtige Flotte aufgebaut. Die europäischen Herrscher nahmen Russland jetzt als ernstzunehmenden Gegenspieler wahr. Doch wie war es möglich, dass das russische Heer, welches sich vor dem Ausbruch des Großen Nordischen Krieges in einem desolaten Zustand befand in kürzester Zeit solche Fortschritte machte? Wie war es möglich, dass es das als vorbildlich angesehene schwedische Heer in der Schlacht von Poltava schlug? Und was mussten die Russen, nach Peters Auffassung, in ihrem einundzwanzigjährigen Studium erst noch erlernen, um mit anderen Großmächten militärisch konkurrieren zu können? Diese Fragen zu beantworten soll das Ziel dieser Arbeit sein, in der zu Beginn auf die für den Verlauf des Großen Nordischen Krieges bedeutende Ereignisse vor dessen Ausbruch eingegangen wird. Ein grober Überblick über den Ablauf vermittelt das nötige Vorwissen um darauf folgende Ausführungen nachvollziehen zu können. Um die Unglaublichkeit des russischen Sieges nachvollziehen zu können, wird weiterhin eine Zustandsbeschreibung des russischen und schwedischen Heeres vor Kriegsausbruch gegeben, um dann darauf aufbauend die Entwicklungen, die zum Sieg des russischen Heeres über die Schweden führten, zu erläutern. Hierbei liegt der Fokus auf Peters Heeresreform. Des Weiteren wird evaluiert in wie weit Peters Eigenschaften als Stratege und Diplomat eine Rolle in der siegreichen Beendigung des Krieges spielten, wie auch Karls Anteil an diesem für Schweden desaströsen Ausgang. Abschließende Betrachtungen beziehen sich auf von beiden Monarchen unbeeinflussbare Ereignisse des Krieges und deren Auswirkungen auf diesen.

2. Die Ausgangssituation:

Peter I. übernahm im Februar des Jahres 1696 nach dem Tod von Ivan V. als alleiniger Herrscher die Führung Russlands. In den darauf folgenden Jahren sollte es auch in anderen Ländern zu Führungswechseln kommen, die für den Ausbruch des Großen Nordischen Krieges von Bedeutung waren. So wurde Polen ab 1697 von August II. regiert, der in Personalunion mit Sachsen stand. In Dänemark herrschte seit 1699 Friedrich IV. und in Schweden folgte der erst 14 Jahre alte Karl XII. seinem Vater auf den Thron.[2]

Russland, das seit 1687 mit der Türkei im Krieg lag, konnte seit langem den ersten militärischen Erfolg verzeichnen, indem es am 18. Juli 1696 die türkische Festung Asow eroberte.[3] Peter, der durch die Anbindung an das Asowsche Meer den Anschluss an das Mittelmeer sicherte, erzielte somit einen Teilerfolg und war seinem Ziel, zur „Drehscheibe des Welthandels“[4] zu werden, einen Schritt näher gekommen. Um seinen ehrgeizigen Plan jedoch realisieren zu können, bedurfte es auch der Kontrolle der Ostsee und somit den baltischen Häfen, die in Schwedischer Hand lagen.

In der Unerfahrenheit des jungen schwedischen Königs sahen Peter I., August II. und Friedrich IV. eine Chance sich Gebietserweiterungen mit geringem Aufwand zu sichern. Für August II. war ein kurzer erfolgreicher Krieg mit Gebietsgewinnen für Polen ein Weg seinen Sitz auf dem polnischen Thron zu festigen und auch Friedrich IV. von Dänemark wollte die Gelegenheit nutzen, die Gebietsverluste, die durch den Krieg von 1645-60 resultierten, wieder zu revidieren.[5]

Jedoch waren die drei Monarchen nicht geneigt ohne Verbündete in einen Krieg gegen Schweden einzutreten, dessen Heer als sehr leistungsfähig und modern angesehen wurde. 1699 verdichteten sich die Angriffpläne gegen Schweden und Sachsen, Dänemark und Russland schlossen eine Allianz.[6]

Peter jedoch, der zu diesem Zeitpunkt noch im Krieg mit der Türkei lag und dem die Gefahr eines Zweifrontenkriegs bewusst war, koppelte die Allianzbedingungen an einen vorherigen Friedenschluss mit der Türkei.

Die Aussichten auf einen erfolgreichen Feldzug gegen die Schweden, die somit einen Dreifrontenkrieg fürchten mussten und sich auf das Geschick eines jugendlichen Monarchen verließen, waren sehr erfolgsversprechend.

Die Wahrscheinlichkeit der Einmischung anderer Großmächte hingegen war verschwindend gering, da diese nach dem Tod Karls II. von Spanien am 1. November 1700 vollends mit dem spanischen Erbfolgekrieg beschäftigt waren.[7]

3. Der Ablauf des Großen Nordischen Krieges:

Obwohl die Ausgangsituation der Bündnispartner viel versprechend zu sein schien, traten bald Probleme in der Koordination des Krieges auf. August II., der sich durch die schnelle Eroberung Rigas ein Vorrecht auf Livland sichern wollte, lag viel an einem frühzeitigen losschlagen seiner Truppen.[8] Er überschritt im Februar 1700 die livländische Grenze. Auch Friedrich IV. zögerte nicht länger und führte seine ersten militärischen Aktionen gegen Schweden im März desselben Jahres durch.[9] Peter hingegen verhielt sich vorerst neutral und beteuerte seine friedlichen Absichten mit Schweden, indem er den Kardis-Frieden im November 1699 erneuerte. Die Aufmerksamkeit Karls richtete sich somit auf Friedrich und August.[10] Als Peter nach dem Friedenschluss mit der Türkei letztlich Schweden den Krieg erklärte, war Friedrich durch das schnelle und harte Eingreifen Karls schon geschlagen und aufgrund der Belagerung Kopenhagens am 19. August zum Frieden von Travendal gezwungen worden.[11] Auch Augusts Versuche Riga zu nehmen scheiterten kläglich, was nicht zuletzt daran lag, dass August über keine Seestreitkräfte verfügte, die die Versorgung der Stadt vom Meer aus hätten unterbinden können und an der Tatsache, dass sich der livonische Adel nicht, wie von Patkul[12] prophezeit, auf Augusts Seite schlug.

Karl, der sich nach dem Sieg über Dänemark gleich in Richtung Riga aufmachte, zwang die Sachsen die Belagerung der Stadt kampflos aufzugeben. Erst jetzt widmete sich Karl den Russen, die, obwohl sie eine fast dreifache Übermacht auf ihrer Seite hatten, bei Narva eine herbe Niederlage mit dem Verlust von 8000 Männern und 145 Kanonen verzeichnen mussten. Diese Niederlage bestätigte die europäische Auffassung von der Überlegenheit des schwedischen Heeres gegenüber dem russischen, was auch indirekt durch Peters Abreise vom Schlachtfeld am Abend vor der Schlacht Ausdruck zu finden schien.[13] Nach seinem Sieg entschied sich Karl jedoch gegen einen weiteren Einmarsch ins praktisch ungeschützte Russland, was Peter die Zeit gab sich von der Niederlage zu erholen und erneut ein Heer auszubilden. Über die möglichen Folgen einer schwedischen Invasion in Russland zu diesem Zeitpunkt gibt es unterschiedliche Einschätzungen.[14] Karl konzentrierte sich von nun an auf August II. und setzte alles daran dessen Abdankung zu erzwingen. Da Karl jedoch nur ein großes schlagkräftiges Heer besaß, konnte er nicht gleichzeitig in Polen gegen August kämpfen und die schwedischen Provinzen im Baltikum verteidigen. Diese, nur mit einer geringen Anzahl von Soldaten geschützt, hatten Peters neu formierter Armee nichts entgegenzusetzen. Nacheinander fiel Nöteborg, Nyen, Dorpat und Narva.[15] Mit diesen Erfolgen im Hintergrund und den beträchtlichen Kosten des Krieges vor Augen[16], suchte Peter den Frieden mit Schweden. Karl jedoch, von der Übermacht seiner Armee überzeugt, schlug jede Friedensverhandlung aus, wodurch die Konfrontation zwischen ihm und Peter unausweichlich wurde. Peter, der sich über die Konsequenzen einer erneuten vollständigen Niederlage seines neu gebildeten Heeres bewusst war, ging vorerst jedoch jeder großen kriegerischen Auseinandersetzung aus dem Weg. Als Karl auf Poltava zumarschierte um sich der Lebensmittel dort zu bemächtigen, machte auch Peter mobil, der nicht bereit war Poltava aufzugeben.[17] Die Schlacht endete mit der völligen Vernichtung des schwedischen Heeres und Karls Flucht nach Bender in der Türkei. Obwohl der Große Nordische Krieg damit nicht beendet war und noch einige Jahre andauerte, war es Karl nicht mehr möglich die Russen in ernste Bedrängnis zu bringen.

[...]


[1] Vallotton, Henry. Peter der Grosse. 2. Aufl., München, Callwey, 1978, 232.

[2] Frost, Robert I. The Northern Wars: War, State and Society in Northeastern Europe, 1558-1721. Harlow, Longman, 2000, 226-227.

[3] Stökl, Günther. Russische Geschichte: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 4. erw. Aufl., Stuttgart, Kröner, 1983, 343.

[4] Zernack, K. (Hg.): Handbuch der Geschichte Russlands. Band 2: 1613-1856: Vom Randstaat zur Hegemonialmacht. Stuttgart, Hiersemann, 1986, 249.

[5] Frost, The Northern Wars, 227.

[6] Frost, The Northern Wars, 228.

[7] Zernack, Handbuch der Geschichte Russlands, 258.

[8] Zernack, Handbuch der Geschichte Russlands, 260.

[9] Zernack, Handbuch der Geschichte Russlands, 261.

[10] ibid.

[11] Stökl, Russische Geschichte, 351.

[12] ständepolitischer Sprecher der Ritterschaften Vgl. Zernack, Handbuch der Geschichte Russlands, 254.

[13] Stökl, Russische Geschichte, 352.

[14] Vgl. hierzu Bushkovitch, Paul. Peter the Great: The Struggle for Power, 1671-1725. Cambridge, Cambridge UP, 2001, 243. ; Frost, The Northern Wars, 243. ; Stökl, Russische Geschichte, 352.

[15] Zernack, Handbuch der Geschichte Russlands, 268–269.

[16] 1705 flossen 95% des Staatshaushaltes in die Kriegsausgaben; Vgl. hierzu Zernack, Handbuch der Geschichte Russlands, 269.

[17] Gitermann, Valentin. Geschichte Russlands. Zweiter Band. Nachdruck der dreibändigen Ausgabe von 1944, 1945 und 1949, Frankfurt a. M., Olten, Wien, 1987, 421.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Weg zum Sieg in Poltava
Untertitel
Entwicklungen und Ereignisse
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Osteuropäische Geschichte )
Veranstaltung
Proseminar I: Peter I.: Reformer und Despot
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V111563
ISBN (eBook)
9783640096138
ISBN (Buch)
9783656236955
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sieg, Poltava, Proseminar, Peter, Reformer, Despot
Arbeit zitieren
Christian Weckenmann (Autor), 2005, Der Weg zum Sieg in Poltava, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111563

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