Ehrenamt im Sportverein - noch zeitgemäß?


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale des Sportvereins

3. Begriff Ehrenamt/Freiwilligenarbeit
3.1 Arten der Freiwilligenarbeit

4. Vor- und Nachteile der Freiwilligenarbeit
4.1. Leistungsvorteile der Freiwilligenarbeit
4.2. Schwächen der Freiwilligenarbeit

5. Motive der Freiwilligenarbeit

6. Engagementbereitschaft

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Deutschland wird viel Sport getrieben, größtenteils in Sportvereinen. Der kommerzielle Sportbetrieb muß im Moment noch hinten anstehen. Welches ist der Vorteil eines Sportvereins gegenüber kommerziellen Sportanbietern? Zum einen kann man sagen, dass der Sport im Sportverein billiger ist. So können alle, auch die finanziell schwachen Gruppen, Sport treiben. Es sind auch überall Sportvereine zu finden, auch in abgelegenen Orten und Dörfern. Der kommerzielle Sportanbieter konzentriert sich eher auf die Großstädte und Ballungszentren. Auch das Sportangebot eines herkömmlichen deutschen Sportvereins ist groß. Fast alle Interessen und Bedürfnissse der Menschen können so erfüllt werden. Der Sportverein ist außerdem nicht nur in sportlicher Hinsicht anzutreffen, sondern auch in kultureller, sozialer und gesellschaftlicher Hinsicht. Feste, Feiern, Abenteuer und Reisen sind ein Plus für die Attraktivität eines Sportvereins. All diese Vorteile des Sportvereins gegenüber dem kommerziellen Sport haben ihren Preis. Hier stellt sich folgende Frage: Wie ist der Sportverein im Groben aufgebaut und wie finanziert er sich, um mit den kommerziellen Sportanbietern mithalten zu können? Die Ehrenamtlichkeit und Freiwilligenarbeit spielt in Sportvereinen eine große, wenn nicht, die größte Rolle. Sie ist für den Sportverein überlebenswichtig. Es stellt sich aber auch die Frage, ob das Ehrenamt heutzutage noch zeitgemäß ist. Vielleicht können es sich die Vereinsmitglieder mittlerweile nicht mehr leisten, unentgeltlich zu arbeiten. Im Folgenden werden die besonderen Merkmale eines Sportvereins dargestellt. Es wird untersucht inwiefern der Sportverein interessant für die Mitglieder ist und wie der Sportverein im Allgemeinen funktioniert. Später wird dann auf die Hauptressource des Sportvereins, nämlich der Freiwilligenarbeit eingegangen. Es werden zunächst die Motive der Freiwilligenarbeit dargestellt. Dann werden die Vorteile und Schwächen der Freiwilligenarbeit aufgezeigt, um schlussendlich die Frage der Zeitgemäßheit des Ehrenamts im Sportverein beantworten zu können.

2. Merkmale des Sportvereins

In diesem Kapitel sollen für das weitere Verständnis der Arbeit, die wichtigsten Merkmale des Sportvereins dargestellt werden.

Der größte Unterschied zwischen kommerziellen Sportanbietern und einem Sportverein ist das Mitwirkungsrecht der Vereinsmitglieder. Jedes Mitglied hat ein Stimmrecht. Die Vereinsmitglieder können ihren Verein also mitgestalten und formen. Sie können ihre Interessen und Bedürfnisse durchsetzen. Gefallen z.B. einem Mitglied die Entscheidungen und Handlungen der Vereins nicht, so kann er ohne Weiteres aus dem Verein austreten.

Daraus folgend entsteht ein zweites Merkmal des Sportvereins, nämlich dass die Mitgliedschaft freiwillig ist. Man kann also jederzeit ein- bzw. austreten. „ Die Gefahr des Verlustes der Mitglieder zwingt ihn also zu einer hohen Sensibilität gegenüber den Interessen, Ansprüchen der Mitglieder und neuen Entwicklungen im Sport“ ( Heinemann & Schubert, 1994, S.15). Des weiteren ist der Sportverein unabhängig von Dritten und lebt vom Geld ihrer Mitglieder. Diese werden in Form von Mitgliedsbeiträgen gezahlt.

Aus diesen Merkmalen, die den Sportverein kennzeichnen, lässt sich unschwer erkennen, dass der Sportverein eine „Selbsthilfeorganisation und damit das Gegenstück zum Markt und staatlicher Daseinsfürsorge“ (Heinemann & Schubert, 1994, S.15) ist.

Als letztes Merkmal und als wichtigte Ressource des Sportvereins ist die Freiwilligenarbeit zu nennen. Im folgenden Kapitel soll der Begriff des Ehrenamts bzw. der Freiwilligenarbeit erläutert werden.

3. Begriff Ehrenamt/Freiwilligenarbeit

„Unter Freiwilligenarbeit soll eine freiwillige, unentgeltliche Erstellung von Leistungen für und in freiwilligen Vereinigungen verstanden werden“ ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 14). Der Begriff „freiwillig“ ist schwierig zu definieren. In unserem Fall bedeutet es, aus eigenem Entschluss bzw. aus eigenen Stücken zu handeln. Es gibt also keinen Zwang jeglicher Art. Unter einer „unentgeltlichen Leistung“ wird eine Leistung verstanden, die nicht bezahlt wird. Es soll hier aber nicht der Eindruck enstehen, dass keine Gegenleistung erbracht wird. Sie wird nur nicht in Form von Geld erbracht, sondern z.B. in Form einer Aufwandsentschädigung ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 14).

Im Folgenden wird auf die Arten der Freiwilligenarbeit eingegangen.

3.1 Arten der Freiwilligenarbeit

Der Umfang der Freiwilligenarbeit wird oft unterschätzt. In diesem Kapitel werden verschiedene Ausprägungsformen der Freiwilligenarbeit aufgezeigt. Sie beinhaltet nicht nur die ehrenamtliche Tätigkeit. Erst durch die Kenntnis dieser Arten des Engagements kann auf die Bedeutung der Freiwilligenarbeit im Sportverein eingegangen werden.

Die Leistungen von Mitgliedern aber auch von Nicht-Mitgliedern ist eine Art der Freiwilligenarbeit. Nicht-Mitglieder können z.B. Eltern, Freunde, Bekannte oder auch Partner sein. Sie helfen dem Verein indirekt, indem sie z.B. Jugendliche zum Sport fahren oder sich einfach für Mitglieder in jedlicher Form einsetzen.

Unter der Freiwilligenarbeit gehört auch die sogenannte Mitgliedsverpflichtung. Ein Beispiel dafür ist die Platzpflege nach dem Tennisspielen. Nach jeder absolvierten Tenniseinheit ist das Mitglied also dazu verpflichtet, den Tennisplatz nach der Vereins­ordnung zu pflegen.

Bei der Freiwilligenarbeit ist zwischen kollektiver und individueller Freiwilligenarbeit zu unterscheiden. Bei kollektiver Freiwilligenarbeit wird durch das Zusammenwirken mehrerer Mitglieder eine Leistung erstellt. Ein Streik ist ein Beispiel für eine kollektive Leistung. Demgegenüber steht die individuelle Freiwilligenarbeit. Hier werden Leistungen durch einzelne Personen erstellt. Ein Beispiel dafür ist der freiwillige Trainer und Jugendwart.

Die formelle und informelle Freiwilligenarbeit sind weitere Arten der Freiwilligenarbeit. „Von formeller Freiwilligenarbeit soll dann gesprochen werden, wenn sie ein „Amt“, also an eine feste, dauerhafte Position und Aufgabenübertragung gebunden ist... ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 15). Formelle Freiwilligenarbeit hingegen ist keine feste und dauerhafte Arbeit, sondern eher kurzfristig und spontan ( Heinemann & Schubert, 1992, S.15 - S. 16).

4. Vor- und Nachteile der Freiwilligenarbeit

Bevor ein Urteil über die Zeitgemäßheit der Freiwilligenarbeit im Sportverein gemacht werden kann, wird in diesem Kapitel auf die Stärken und Schwächen der Freiwilligenarbeit eingegangen. Aus diesen Schwächen könnten sich später die Nachteile gegenüber einer hauptamtlichen Mitarbeit ergeben.

4.1. Leistungsvorteile der Freiwilligenarbeit

Die Freiwilligenarbeit ist für ein Sportverein sehr wichtig. Ein wichtiges Merkmal des Sportvereins ist die Unabhängigkeit von Dritten, also von Nicht-Mitliedern, die z.B. durch finanzielle Mittel dem Verein helfen könnten. In diesem Kapitel wird dargestellt, welche Rolle die Freiwilligenarbeit für die Unabhängigkeit des Sportvereins spielt.

Die freiwillige Mitarbeit wird vom Sportverein nicht bezahlt. Dies ist ein großer Leistungsvorteil der Freiwilligenarbeit. Außerdem sind die freiwilligen Mitarbeiter im Allgemeinen motivierter als „Nichtfreiwillige - Arbeiter“, also bezahlte Arbeit ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 16).

Die Freiwilligen, die die Ämter bzw. Positionen im Sportverein einnehmen, müssen nicht spezialisiert sein. Sie können sogar in mehreren, sich überschneidenen Aufgabenfeldern arbeiten. Ihrer Arbeit und Leistung ist keine Grenze gesetzt.

Ein Vorteil für den Verein sind die verschiedenen Berufe und Qualifikationen der freiwilligen Mitarbeiter. Es ist auch erwiesen, dass ehrenamtliche Mitarbeiter im Durchschnitt überqualifiziert sind, was dem Verein zu Gute kommt ( Winkler 1988, 99 – 109, zitiert nach Heinemann & Schubert, 1992, S. 16). Meistens haben diese Leute auch viele verschiedene Beziehungen zu anderen Personen, politischen Parteien, Organisationen oder Institutionen, die dem Verein in jeglicher Weise helfen könnten.

Die Kosten des Sportvereins werden durch die Freiwilligenarbeit extrem minimiert. Es ergeben sich bei der Freiwilligenarbeit Vorteile bei der Leistungsbereitschaft und in der Motivation der Mitarbeiter. Dies hat im Endeffekt zur Folge, dass die Kosten für die Durchsetzung von Wahlen oder auch Entscheidungen zum Beispiel, gering ausfallen und tendenziell unbürokratisch ablaufen ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 18).

Den in diesem Kapitel dargestellten Leistungsvorteilen sollen im nächsten Kapitel mögliche Schwächen der Freiwilligenarbeit gegenübergestellt werden, um später Vor -und Nachteile der Ehrenamtlichkeit abwägen zu können.

4.2. Schwächen der Freiwilligenarbeit

Die erste Schwäche der Freiwilligenarbeit bzw. eines Ehrenamts liegt in der Rekrutierung der freiwilligen Mitarbeiter. Bei Wahlen und bei der Amtsverteilung darf theoretisch jeder kandidieren. Der Kandidat muss keine speziellen Kriterien erfüllen. Im Endeffekt wird also nach subjektivem Empfinden gewählt. Der Wähler kann also nur nach Eigenschaften wie z.B. Sympathie, Bekanntheit, Charisma, Ausstrahlung usw. wählen. Diese „Hilfskriterien“, wie sie auch Heinemann & Schubert (1992) beschreiben, sind sehr riskant (S. 25). Dies kann im Folgenden zur zweiten Schwäche der ehrenamtlichen Mitarbeit führen.

Die zweite Schwäche der ehrenamtlichen Mitarbeit liegt in der Tauglichkeit des Mitarbeitenden. Seine berufliche Qualifikation ist meistens ungeeignet für die jeweiligen Ämter. Oft sind es nur die beruflichen Erfahrungen, die einen Vorteil darstellen. Wenn es einige wenige qualifizierte Mitarbeiter gibt, sind sie doch oft überlastet. Ein Beispiel dafür kann ein Berufsgärtner sein, der freiwillig die Anlage eines Sportvereins pflegt. Dies nimmt jedoch meistens genauso viel Zeit in Anspruch wie die Arbeit in seinem Beruf. Man bräuchte 3-4 freiwillige Gärtner. Da sich selten 4 freiwillige Gärtner in einem Sportverein für die Mitarbeit anbieten, werden sozusagen „Laien“ diese Arbeit übernehmen. In diesem Beispiel muss die fehlende Qualifikation kein Nachteil sein. Es hängt immer vom jeweiligen Verein ab, wie gut die Arbeit im Endeffekt sein soll. Dieses Beispiel zeigt nur eine von vornherein mögliche, unveränderbare Schwäche der freiwilligen Mitarbeit.

Aus der zweiten Schwäche, also der Tauglichkeit des Mitarbeitenden, ergibt sich die dritte Schwäche der ehrenamtlichen Mitarbeit. Der Sportverein kann sich im Grunde genommen nie sicher sein, dass die Aufgabe gut oder überhaupt erfüllt wird.

Der Verein bittet eine Person um sein freiwilliges Engagement für eine Aufgabe oder ein Amt. Der Verein kann aber diese freiwillige Person nicht zu einer angemessenen Aufgabenerfüllung verpflichten. Es gibt in der Regel keine Kontrollen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter können auch nicht sanktioniert werden. Sanktionen könnten sich höchstens in Form von Imageverlust oder Nicht-Wiederwahl ergeben.

Aus dieser Sicherheitslücke können sich mehrere weitere Schwächen ergeben. So ist oft das Problem des „falschen Interesses“ zu sehen. Dabei werden die ehrenamtlichen Positionen für eigene, egoistische, private Interessen mißbraucht. Viele ehrenamtliche Ämter bringen ein großes Beziehungsnetz mit sich. Dieses Netz könnte z.B. für die eigene Karriere von großem Nutzen sein. Oder auch Kundengewinnung ist durch Mißbrauch möglich ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 22-25).

Die in diesem Kapitel aufgezeigten Schwächen der ehrenamtlichen Arbeit bieten genügend Diskussionsstoff für die eigentliche Frage dieser Arbeit. Ist ein Ehrenamt, vorzugsweise in einem exemplarischen Sportverein, noch zeitgemäß? Aus der im letzten Absatz genannten Sicherheitslücke kann man egoistische Motive für die Arbeit in einem Ehrenamt erkennen. Ob diese Motive in deutschen Sportvereinen nun Gang und Gebe sind, ist nicht bekannt und soll für diese Arbeit nicht von Bedeutung sein. Im nächsten Kapitel sollen die „wahren“ und üblichen Motive der Freiwilligenarbeit aufgezeigt werden.

5. Motive der Freiwilligenarbeit

In diesem Kapitel sollen Motive der Freiwilligenarbeit aufgezeigt werden. Diese Motive sind entscheidend für das Überleben der Ehrenamtlichkeit und somit auch für das wirtschaftliche Überleben von Sportvereinen.

Zum einen gibt es altruistische Motive für die Freiwilligenarbeit. Der Freiwillige arbeitet für das Wohl der anderen Vereinsmitglieder und empfindet dabei eine persönliche Befriedigung. Ein Problem könnte entstehen, wenn der freiwillig Arbeitende das Wohl der Vereinsmitglieder anders definiert als die Vereinsmitglieder selbst. Wenn sich z.B. ein älteres ehrenamtliches Vereinsmitglied für den Jugendsport einsetzt, so ist es für ihn schwierig die Bedürfnisse und Erwartungen der Jugendlichen zu erfassen, alleine aufgrund des Altersunterschiedes.

Beim zweiten Motiv der Freiwilligenarbeit erreicht der freiwillig Arbeitende wieder eine persönliche Befriedigung. Er erzielt sie aber nunmehr durch das eigene psychische Wohl und nicht mehr durch das Wohl der anderen Vereinsmitglieder. Er sucht in Vereinigungen Anerkennung, Dank, Prestige, Einbindung in einer Gruppe oder freundschaftliche Beziehungen, die er im Beruf und Familie möglicherweise vermisst. Diese Motivation der freiwillig Arbeitenden muss vom Sportverein unterstützt werden. Der Verein muss Raum für Geselligkeit, freundschaftliche Beziehungen und eine familiäre Atmosphäre schaffen und gleichzeitig effizient und geschäftsmäßig arbeiten, was nicht immer leicht zu kombinieren ist. Negativ auf die Effizienz und sachgemäße Arbeit von Vereinigungen können sich auch andere Motive persönlicher Natur auswirken, die den Zielen der Vereinigung entgegen stehen wie: “Identifikation mit dem Regelgefüge und den Richtlinien..., in der Lösung von komplizierten Problemen liegen..., ohne daß der Inhalt dieser Probleme etc. von Bedeutung ist“ ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 28). Das Interesse des Vereins wird dabei des öfteren nicht mit einbezogen.

Das dritte Motiv des freiwilligen Mitarbeiters ist eine Gegenleistung für die Arbeit, die er verrichtet. Diese Gegenleistung kann verschiedene Formen annehmen. In vielen deutschen Sportvereinen sind Aufwandsentschädigungen üblich.

Zudem kann der freiwillige Mitarbeiter mehr Mitspracherecht im Verein verlangen. Auch Urlaubsreisen können eine Form der Gegenleistung sein.

Es gibt also durchaus Motive, um freiwillig und unentgeltlich für den Sportverein zu arbeiten. Ganz kostenlos ist die Freiwilligenarbeit für den Verein jedoch nicht. Es müssen die oben genannten Gegenleistungen erbracht werden. Im folgenden Kapitel wird auf die Engagementbereitschaft der Vereinsmitglieder eingegangen. Es besteht nämlich ein wichtiger Kontext zwischen ihr und den Motiven der Freiwilligenarbeit.

6. Engagementbereitschaft

Nach Heinemann & Schubert scheint die Engagementbereitschaft der Vereinsmitglieder zu sinken ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 30). Dies hat verschiedene Gründe und ist von großer Bedeutung für die Zeitgemäßheit der Freiwilligenarbeit. In diesem Kapitel geht es um mögliche Gründe der sinkenden Engagementbereitschaft.

Zum Einen kann die sinkende Engagementbereitschaft aus der fehlenden Zeit der Vereinsmitglieder resultieren. Sie gehen nicht nur ihren beruflichen Verpflichtungen nach, sondern auch ihren Hobbys. Heinemann & Schubert sprechen von „fluktuierenden Freizeitinteressen“ ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 30). Dies bedeutet, dass die Vereinsmitglieder vermehrt andere Hobbys ausprobieren, sodass wenig Zeit für ein ehrenamtliches Engagement übrig bleibt. Das breite Spektrum an Hobbybetätigungen ist im heutigen Zeitalter sehr groß und bietet den Mitgliedern reichlich Alternativen. Daraus resultiert eine verringerte Bindungsbereitschaft, da Bindung gleichbedeutend mit weniger Zeit einhergeht.

Zum Anderen sinkt die Engagementbereitschaft aufgrund fehlender Motivation. Um sich ehrenamtlich zu engagieren, ist Motivation zwingend notwendig. Diese Motivation ergibt sich aus einer langen Verbundenheit zum Verein. Ehrenamtliche Mitarbeiter identifizieren sich regelrecht mit dem Verein und arbeiten für das Wohl des Vereins. Diese Einstellung zum Verein fehlt jedoch zunehmend. Das „moderne“ Vereinsmitglied bzw. die heutige Erwartung eines Vereinsmitglieds hat sich drastisch geändert. Er erwartet eine Gegenleistung für den Mitgliedsbeitrag, den er dem Verein monatlich zahlt ( Heinemann & Schubert, 1992, S. 30-31).

Im vorigen Kapitel wurde das Motiv des Altruismus beschrieben. Bei diesem Motiv erlebt der freiwillige Mitarbeiter eine gewisse persönliche Befriedigung, indem er für das Wohl des Vereins arbeitet. Heinemann & Schubert haben herausgefunden, dass dieser Altruismus abhängig von der Nähe zu den anderen Vereinsmitgliedern ist.

„ Je größer also die Vereine , um so geringer wird die Bereitschaft bzw. die Möglichkeit bzw. die Notwendigkeit der einzelnen Mitglieder, sich ehrenamtlich zu engagieren“ ( Heinemann & Schubert, 1994, S. 232). Die Vereinsmitglieder merken, dass ihr freiwilliger Arbeitsbeitrag wenig ins Gewicht des Gesamtbeitrags fällt. Sie fühlen sich klein und unbedeutend. Bezogen auf den Altruismus, ist die Anonymität, die in größeren Sportvereinen stark vorhanden ist, der Grund für die sinkende Engagementbereitschaft. Um ein höheres Engagement in Sportverein zu erreichen, muss demnach versucht werden, die geleistete Arbeit zu honorieren und bekannt zugeben ( Heinemann & Schubert, 1994, S. 232-234).

7. Fazit

Ist das Ehrenamt in einem Sportverein noch zeitgemäß?

Dies ist die wissen­schaftliche Fragestellung dieser Arbeit gewesen. Sie ist nicht mit einem „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Es sprechen sowohl Argumente für den Verbleib der Freiwilligenarbeit, als auch Argumente dagegen. Zu Anfang dieser Arbeit wurden die besonderen Merkmale des Sportvereins aufgezeigt. Hervorzuheben ist zum Einen das Recht der Vereinsmitglieder zur Mitgestaltung des Sportvereins. Zum Anderen ist der Sportverein das Gegenstück zum Markt, nämlich eine Selbsthilfeorganisation. Sie finanziert sich selbst; hauptsächlich durch die Geldbeiträge und durch ehrenamtliche, freiwillige Arbeit ihrer Mitglieder. Das ehrenamtliche Engagement ist im Vergleich zu anderen Vereinstypen die wichtigste Ressource eines Sportvereins in Deutschland. Sie minimiert nicht nur die Kosten für den Sportverein, sondern fördert Zusammenhalt, Integrationsgefühl und alles was damit in Verbindung steht. Demgegenüber steht jedoch z.B. die sinkende Engagementbereitschaft. Diese sinkt aufgrund von mangelnder Zeit. Das Spektrum an Hobbys bzw. anderen sportlichen Betätigungen außerhalb der Sportvereins ist riesig.

Je größer der Sportverein ist, desto weniger Zusammenhalt, Bindung und Anerkennung gibt es. Die Folge ist „sinkende Engagementbereitschaft“. Der wohl wichtigste Grund für die sinkende Engagementbereitschaft ist die sich ändernde Einstellung der Mitglieder zum Verein. Sie erwarten eine Gegenleistung für ihren finanziellen Beitrag, den sie dem Sportverein monatlich zahlen. Hier wird die Konkurrenz sichtbar. Kommerzielle Sportanbieter sind im Bereich Service stark präsent. In Sportvereinen mit wenig ehrenamtlichen Engagements herrscht der so genannte Professionalisierungsdruck. Ehrenamtliche Mitarbeiter werden durch hauptamtliche Mitarbeiter ersetzt und bezahlt. Diese drastischen Veränderungen in einem Verein tragen gravierende Konsequenzen mit sich. Die Grundidee eines Sportvereins, nämlich der einer Selbsthilfeorganisation, würde zunichte gemacht.

Die wichtigste Baustelle des Sportvereins ist die Rekrutierung und die Motivation von freiwilligen Mitarbeitern. Je größer der Sportverein, desto weniger finden sich freiwillige Mitarbeiter. Es bilden sich innerhalb des Vereins viele kleine Gruppen. Es herrscht kein Zusammenhalt zu anderen Mitgliedern und zum Verein. Ihre ehrenamtliche Arbeit ist nur ein kleiner prozentualer Bestandteil des Ganzen. Das Mitglied empfindet seine Leistung als unwichtig und nutzlos. Hier liegt die Aufgabe eines Sportvereins, die freiwilligen Arbeiter zu belohnen und ihnen Anerkennung zu geben.

Um die Frage der Zeitgemäßheit des Ehrenamts im Sportverein beantworten zu können, muss zusätzlich die soziologische Perspektive bezüglich der Engage­mentbereitschaft hinzugezogen werden. Hier müsste sich herausstellen, ob und inwiefern sich die Einstellung der Vereinsmitglieder im Bezug auf unentgeltliche Leistung geändert hat. Es ist nämlich davon auszugehen, dass sich in unserer heutigen egoistischen Gesellschaft immer weniger Vereinsmitglieder finden, die unentgeltlich arbeiten.

Literaturverzeichnis

Baur, J. & Braun, S. (2000): Freiwilliges Engagement und Partizipation in ostdeutschen Sportvereinen. Empirische Befunde zum Institutionentransfer. Köln: Sport und Buch Strauss.

Heinemann, K./Schubert, M. (1992): Ehrenamtlichkeit und Hauptamtlichkeit in Sportvereinen. Eine empirische Studie zur Professionalisierung am Beispiel eines ABM-Programms. Schorndorf.

Heinemann, K./Schubert, M. (1994): Der Sportverein. Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung. Schorndorf.

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Ehrenamt im Sportverein - noch zeitgemäß?
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V111573
Dateigröße
360 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ehrenamt, Sportverein
Arbeit zitieren
Denis Sina (Autor), 2008, Ehrenamt im Sportverein - noch zeitgemäß?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111573

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