Ferntourismus als Entwicklungsfaktor (Seminararbeit plus Präsentation)


Seminararbeit, 2000

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

GLIEDERUNG:

1. Einleitung
1.1 Daten und Fakten
1.2 Gründe für Wachstum des Fernreisemarktes
1.3 Reisemotive und Typologie von Dritte-Welt-Touristen

2. Fernreisen – Chancen und Risiken
2.1 Ökonomische Aspekte
2.1.1 Arbeitsplätze und Einkommen
2.1.2 Deviseneffekte
2.1.3 Infrastruktur
2.1.4 Monostrukturierung
2.2 Sozio-kulturelle Aspekte
2.2.1 Auswirkungen auf Sozialstruktur und Wertesystem
2.2.2 Auswirkungen interkultureller Begegnungen
2.2.3 Auswirkungen des Sextourismus
2.3 Ökologische Aspekte
2.3.1 Umweltschäden durch Tourismusprojekte
2.3.2 Umweltschäden durch besondere Tourismusformen

3. Alternativen
3.1 Alternative Tourismusformen
3.2 Entwicklungspolitische Maßnahmen im Tourismus
3.2.1 Motivationstraining für Reiseleiter
3.2.2 Sympathie Magazine

1. Einleitung

Wir alle brauchen von Zeit zu Zeit Erholung, Geist und Körper verlangen nach Veränderung. Manchmal genügen ein paar Kilometer, um Abstand vom Alltag zu erhalten, manchmal treibt uns das Fernweh auch weiter weg. Prognosen weisen zudem darauf hin, daß gerade der Fernreisemarkt in den kommenden Jahren weiter anwachsen wird. Hieraus ergeben sich sowohl positive als auch negative Aspekte für die Zielländer, insbesondere für die große Anzahl der Entwicklungsländer, die wir im Folgenden näher betrachten wollen.

1.1 Daten und Fakten

[NR1] Laut WTO fanden im Jahre 1996 620 Mio. grenzüberschreitende Touristenankünfte statt. Der Reisemarkt wächst mit jährlichen Raten von ca. 4% und bis zum Jahr 2020 prognostiziert die WTO 1,6 Milliarden Reisen im internationalen Tourismus. Dieser spielt sich nach wie vor hauptsächlich zwischen und in den westlichen Industrienationen ab. Der Anteil des Dritte-Welt-Tourismus zeigt sich demnach wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung[1]: Touristenankünfte in der Dritten-Welt und im gesamten Welttourismus (in Mio.)

Der Begriff „Dritte Welt“ bzw. „Entwicklungsland“ wird als Sammelbegriff verwendet, für den es keine einheitliche Definition gibt. Allerdings bestehen gemeinsame Merkmale, die für diese Dritte-Welt-Länder charakteristisch sind: ungenügende Versorgung mit Nahrungsmitteln, schlechte medizinische Versorgung, Bildungsdefizite, niedriges Pro-Kopf-Einkommen, hohe Arbeitslosenquote, Kapitalmangel für Investitionen, wachsende außenwirtschaftliche Schwierigkeiten aufgrund hoher Verschuldung und niedriger Lebensstandard verbunden mit ungleicher Verteilung vorhandener Güter und Dienstleistungen[2]. Hinsichtlich ihrer Touristenankünfte (in Mio.) gehören 1996 u.a. folgende Länder zu den wichtigsten Dritte-Welt-Reisezielen: China (26,05), Mexiko (21,73), Malaysia (7,74) und Südafrika (4,64)[3].

Die Deutschen gehören mit 61,2 Mio. Urlaubsreisen im Jahre 1996 zu den Reiseweltmeistern[4]. Mit 7,4 Mio. (1995) Fernreisen, wovon 4,5 Mio. auf den Dritte-Welt-Tourismus entfallen, sind sie eines der wichtigsten Quellgebiete in diesem Segment[5].

1.2 Gründe für Wachstum des Fernreisemarktes

Eine Reihe von Faktoren begünstigen den Anstieg der Nachfrage nach Fernreisen. Die Wünsche der Urlauber werden durch eine Veränderung im Angebotsbereich realisiert, indem zielgruppengerechte Angebote zusammengestellt werden und ein offensives Marketing seitens der Reiseveranstalter betrieben wird. Diese Angebote passen sich dem veränderten Konsumverhalten an: der Urlaub wird zum letzten Abenteuer, zur Herausforderung, zur Suche nach Authentizität und Risiko. Der Erlebniskonsum und die Selbstverwirklichungsbedürfnisse der Reisenden stehen in Verbindung mit der Suche nach dem Außergewöhnlichen, das durch die Medienpräsenz über fremde Länder zusätzlich unterstützt wird. Die zunehmende Reiseerfahrung, insbesondere die Auslandsreiseerfahrung, läßt die Ferne immer näher rücken, wodurch es in altbekannten Urlaubsländern zu einer gewissen „Sättigung“ kommt. Außerdem zählen Fernreisen nach wie vor zu den Prestigefaktoren.

Ein weiterer wichtiger Grund für den Anstieg des Ferntourismus liegt in den Preissenkungen, ausgelöst durch die Konkurrenz der Urlaubsländer untereinander, das Aufkommen immer neuer Fernreisedestinationen und den aufgrund wachsenden Konkurrenzdruckes fallenden Flugpreisen[6].

1.3 Reisemotive & Typologie von Dritte-Welt-Touristen

„Je weiter man sich von der Heimat und der bekannten und gewohnten Umgebung wegbegibt, desto stärker wird das Bedürfnis, viel zu sehen und zu erleben, aktiv zu sein und „das Beste“ aus der kurzen Zeit herauszuholen. Fernreisende (...) unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen und Verhaltensweisen von Urlaubern im Nahbereich“[7], zum Beispiel ist ihre Neugier auf Fremdes wesentlich stärker ausgeprägt.

Dritte-Welt-Touristen lassen sich charakteristisch in drei unterschiedliche Typen einteilen:

Etwa ein Drittel dieser Touristen sucht den kulturellen und sozialen Kontakt mit den Einheimischen, ein weiteres Drittel zählt zu den Sightseeing/Badetouristen, die nur begrenzten Kontakt zur Bevölkerung wünschen und ein Drittel verkörpert den Typus des Strand- und Erholungsurlaubers, der lieber Kontakt mit anderen Touristen sucht als zu Einheimischen[8].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: Dritte-Welt-Urlauber-Typen und ihre Positionierung auf dem deutschen Urlaubsreisemarkt

Diese drei Urlaubertypen sind in unterschiedlichen Urlaubsregionen anzutreffen:

Der Strand- und Erholungsurlauber reist vor allem in die Karibik, während der Sightseeing/Badetourist in Mittel- und Südamerika und in weiten Teilen Afrikas und Asiens vorzufinden ist. Der dritte Typus, der des unabhängigen Reisenden mit Interesse für Land und Leute, ist der dominierende Typus in Asien (Vgl. Dr. P.Aderhold,in:Int.Tourismus, Landgrebe)

Folgende Positionierungs-Matrix[9] soll dies graphisch veranschaulichen:

Wie die Touristen ihre Reise organisieren, hängt sehr stark mit der Entfernung zusammen. Der größte Teil (ca. 80%) der Fernreisenden tendiert zur organisierten Pauschalreise. Gründe hierfür sind die Verbilligung der Transportkosten, die hohe Sicherheit einer Vollpauschalreise, die Bequemlichkeit der Reisenden und der Boom der All-Inclusive-Reisen. Die Reisezielentscheidung bei Fernreise-Touristen hängt zum einen von persönlichen Informationsquellen und zum anderen von Print- bzw. elektronischen Medien ab. Die persönlichen Informationsquellen beinhalten die Empfehlungen von Verwandten, Bekannten oder Reiseführern, da die Vertrauensbasis gerade bei Fernreisen, die ja mit einem relativ hohem Risiko verbunden sind, sehr wichtig zu sein scheint. Das steigende Informationsbedürfnis, hervorgerufen aus Angst vor Mißerfolg einer Fernreise, geht immer mehr über die eigentliche Reise und Unterkunft hinaus (vgl. hierzu Kap.3.2.2).

2. Fernreisen - Chancen und Risiken

„Der Entwicklungsstand eines Landes, die Beschaffenheit seines Ressourcenpotentials, das Zusammenspiel einer Vielzahl von Faktoren ökonomischer, sozialer und kultureller Art, entscheiden darüber mit, ob sich Tourismus unter dem Strich für die Gesamtentwicklung eines Landes der Dritten Welt auszahlt.“[10]

Der Tourismusboom hat gravierende Auswirkungen auf die globale und regionale Umwelt sowie auf die sozialen und kulturellen Strukturen in den Zielländern.

2.1 Ökonomische Aspekte

Die wirtschaftliche Lage der Dritte-Welt-Länder sieht alles andere als rosig aus. Es fehlt vor allem an Geld, um den Anschluß an die Weltwirtschaft zu finden. Der Tourismus wird als Chance gesehen, Devisen ins Land zu bringen, um Zahlungsbilanzprobleme (z.B. Schuldenabbau) zu lösen, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen und notwendige Infrastruktur aufzubauen.

2.1.1 Arbeitsplätze und Einkommen

Im Tourismus wird eine sehr hohe Anzahl an Arbeitskräften benötigt. Die positiven Beschäftigungseffekte zeigen sich sowohl direkt, durch die Schaffung von Arbeitsplätzen im Tourismus selbst, als auch indirekt, durch die Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten in vor- oder nachgelagerten Sektoren (z.B. in der Bauindustrie). Somit haben die Tourismusarbeitsplätze eine Art Multiplikatorwirkung, denn theoretisch ermöglicht ein Arbeitsplatz bis zu fünf weitere Arbeitsplätze in anderen Sektoren[11]. Diesem überaus positiven Effekt stehen allerdings negative Effekte gegenüber. Nur ein sehr geringer Anteil der Arbeitsplätze setzt eine Qualifikation voraus. Die meisten Tätigkeiten sind unqualifizierte Arbeiten, wie die der Kellner, Putzfrauen, usw. Da in der Regel jede Menge Arbeitswillige zur Verfügung stehen und die Arbeitskräfte beliebig austauschbar sind, sind die Einkommensmöglichkeiten meist sehr gering, zumal sich die Arbeitsbedingungen als nicht besonders günstig erweisen. In Spitzenzeiten wird bis zu 18 Stunden gearbeitet[12]. Da im Tourismus, bedingt durch Klima und Ferienzeiten, der Arbeitskräftebedarf saisonal schwankt, werden die meisten Beschäftigten nur saisonweise eingestellt. Nur sehr wenige Arbeitsplätze setzen eine höhere Qualifikation voraus, wie z.B. Manager oder Chefkoch. Da aber der Ausbildungsstand in den Entwicklungsländern nicht besonders hoch ist, rekrutieren sich diese Arbeitsplätze sehr häufig aus den Industrieländern. Außerdem erweist sich die Schaffung von Tourismus-Arbeitsplätzen als sehr kapitalintensiv.

Ein Hotelleriearbeitsplatz erfordert eine fünfzigmal höhere Investition als ein Arbeitsplatz in der Landwirtschaft[13]. Viele Menschen sehen im Tourismus ihre Chance und geben ihren ursprünglichen Beruf auf bzw. siedeln in Tourismusregionen um. Diese Arbeitskräftezuwanderungen stehen zudem oft im Gegensatz zur staatlichen Regionalpolitik. Die hieraus resultierende große Abhängigkeit der Bevölkerung vom Tourismus liegt vor allem in den saisonalen Schwankungen und in politischen bzw. naturräumlichen Krisen (Erdbeben etc.), wodurch es vermehrt zu Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen kommt.

[...]


[1] Vgl. C. Stock, 1997, S.14

[2] Vgl. J. Horlemann, 1988

[3] Vgl. WTO 1997

[4] Vgl. FUR-Reiseanalyse 1997

[5] Vgl. Studienkreis f. Tourismus u. Entwicklung, 1997

[6] Vgl. Dr. D. v. Laßberg und Dr. P. Aderhold, in: Int. Tourismus, Landgrebe

[7] Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V., 1997, S. 5

[8] Vgl. C. Stock, 1997, S.19

[9] Vgl. Dr. P. Aderhold, in: Int. Tourismus, Landgrebe

[10] Dr. P. Aderhold u.a., 1993, S.29

[11] Vgl. G. Spreitzhofer, 1995, S. 47

[12] Vgl. C. Stock, 1997, S. 39

[13] Vgl. G. Spreitzhofer, 1995, S. 48

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ferntourismus als Entwicklungsfaktor (Seminararbeit plus Präsentation)
Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen  (Fachbereich Wirtschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
20
Katalognummer
V11252
ISBN (eBook)
9783638174619
Dateigröße
1201 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Powerpoint-Präsentation im PDF-Format besteht aus 12 Folien. 1,4 MB
Schlagworte
Ferntourismus, Entwicklungsfaktor, Präsentation)
Arbeit zitieren
Nadine Reede (Autor), 2000, Ferntourismus als Entwicklungsfaktor (Seminararbeit plus Präsentation), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11252

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