Internationale Produktpolitik. Aufgaben, Strategien, Probleme und Produkthaftung


Hausarbeit, 2008

58 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Definitionen als Grundlage zum besseren Verständnis
2.1. Definition und Grundorientierung des internationalen Marketings
2.2. Definition Kultur

3. Aufgaben der internationalen Produktpolitik

4. Produktkomponenten und Entscheidungen über Veränderung des Produktprogramms
4.1. Produktkomponenten
4.2. Entscheidungen über Veränderungen des Produktprogramms
4.2.1. Produktinnovation
4.2.2. Produktvariation
4.2.3. Produkteliminierung
4.2.4. Standardisierung versus Differenzierung

5. Pruduktpiraterie

6. Internationale Produkthaftung
6.1. Ist-Situation
6.2. Deutsche Regelung
6.3. Praktische Relevanz

7. Fazit

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis:

Abb. 1: Kultur-Eisberg

Abb. 2: Product Component Model

Abb. 3: Varianten von länderübergreifenden Timingstrategien

Abb. 4: Produktlebenszyklus

Abb. 5: Entscheidungsprozess bei neuen Produkten

Abb. 6: Logo Bitburger

Abb. 7: Produkteigenschaften

Abb. 8: VW New Bora

Abb. 9: Möglichkeiten der Standardisierung

Abb. 10: Adapter

Abb. 11: Aspirin USA

Abb. 12: Interbrand Ranking 2007 Top 10

Abb. 13: Sportschuhplagiate im Hafen Hamburg

Abb. 14: Stihl Motorsäge / Swool Motorsäge

Tab. 1: Weltweite Markennamen von Langnese-Eis

Tab. 2: Internationale Bedeutung von Farben

Tab. 3: Abgrenzung der Produkthaftungsgrundlagen

Literaturverzeichnis:

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http://www.zoll.de/f0_veroeffentlichungen/c0_produktpiraterie/y0_2006/m31_ueber_5000/index.html

1. Einleitung

Im Zeitalter der Globalisierung entscheiden sich immer mehr Unternehmen dafür, ihre Produkte auch im Ausland anzubieten.

Durch die Schaffung von Freihandelszonen (z.B. europäischer Binnenmarkt), politische Veränderungen im ehemaligen Ostblock, die höhere Mobilität der Marktteilnehmer, den Aufbau von Wirtschafts- und Währungsunionen und die verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten (z.B. Internet, Mobiltelefon), wurde die Basis für den Welthandel geschaffen.

Für viele Unternehmen sind länderübergreifende Aktivitäten notwendig um einerseits Wachstumsziele zu erreichen und andererseits durch die Ausweitung der Unternehmensaktivitäten auf internationale Märkte wettbewerbsfähig zu bleiben und damit die eigene Existenz zu sichern.

Die Erschließung neuer und ausländischer Märkte ist für Unternehmen die Voraussetzung um Skaleneffekte und Markterweiterungspotenziale verstärkt zu nutzen. International agierende Unternehmen müssen eine weit und umfassend angelegte Betrachtungsweise des Marktes einnehmen.

Bevor sich ein Unternehmen dafür entscheidet international tätig zu werden, muss das internationale Marketingumfeld tief greifend verstanden werden, Ziele und Vorgehensweisen müssen klar definiert werden.

Das Marketing spielt für den Erfolg also eine ganz entscheidende Rolle.

Zur Realisierung der Marketingstrategie dient der systematische Einsatz der Marketinginstrumente. à 4P`s (Product, Price, Place, Promotion), welche in Deutschland als Produktpolitik, Preispolitik, Distributionspolitik und Kommunikationspolitik besser bekannt sind.

In dieser Arbeit wird auf die Aufgaben, Strategien, Probleme und die Produkthaftung im Rahmen der internationalen Produktpolitik eingegangen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach dem länderübergreifenden Standardisierungs- und Differenzierungsgrad der Produkte. Entscheidungsgebiete für die länderübergreifende Produktstandardisierung sind insbesondere der Produktkern, die Produktverpackung, die Marke, sowie über den Produktkern hinausgehende Dienstleistungen.

In der heutigen Zeit ist das Marketing nicht mehr nur wettbewerbs- und marktbezogen zu verstehen, sondern vielmehr spielt auch eine gesellschaftsbezogene Orientierung eine wesentliche Rolle. International gibt es Konflikte zwischen verschiedensten Gesellschaften mit ganz unterschiedlich ausgeprägten Kulturen. Alleine deshalb ist Marketing kulturgebunden.

Es gibt viele Global Player, deren Marken auf der ganzen Welt bekannt sind: einige Beispiele: Mc Donalds, Coca-Cola, Adidas, Nike, Disney, Microsoft.

Die auf der vorigen Seite genannte Basis für den Welthandel bedeutet für Unternehmen, dass sie schneller als je zuvor in neue Märkte expandieren können. Allerdings verwechseln viele das Zeitalter der Globalisierung mit einem der Homogenisierung. Einem global tätigen Unternehmen stehen neben den enormen Chancen auch zahlreiche Risiken gegenüber.

Ein solches Unternehmen muss vielseitige Aufgaben in Bezug auf die angebotenen Produkte bewältigen, besonders wenn es in verschiedenen Ländern aktiv ist. Es ist notwenig die kulturellen Besonderheiten zu beachten und jederzeit im Auge zu behalten. Die unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Länder an die angebotenen Produkte, deren Eigenschaften, Verpackung etc. sind in den seltensten Fällen mit dem Inlandmarkt vergleichbar. Schon bei der Betrachtung des eigentlichen Grundnutzens eines Produkts gibt es gravierende Unterschiede.

Die große Anzahl von Marktbedingungen und Verflechtungen erfordert, um nicht nur ökonomischen, sondern auch geographischen, technologischen, klimatischen, politischen, demographischen, sowie kulturellen Besonderheiten der verschiedenen Länder gerecht zu werden, eine Mehrdimensionalität der Methoden zur Entscheidungsfindung. Besonders soziokulturelle Umweltfaktoren wie unterschiedliche Einstellungen, Verbrauchs-gewohnheiten, Wertvorstellungen, Traditionen, Geschmacks- und Geruchspräferenzen, Sprache und Religion müssen dabei berücksichtigt werden.

Dem Leser wird in dieser Arbeit ein umfassender Einblick in die internationale Produktpolitik ermöglicht, wobei einige Bereiche der Arbeit mit Praxisbeispielen hinterlegt werden. Dabei wird ein Überblick über die Berührungspunkte zwischen unterschiedlichen Kulturen und der interkulturellen Produktpolitik gegeben.

Im Anschluss an die Einleitung, welche ein erstes Grundwissen vermittelt, werden die Begriffe „Kultur“ und „internationales Marketing“ kurz näher erläutert, was zu einem besseren Verständnis im weiteren Verlauf der Arbeit beitragen soll. Im dritten Kapitel werden die Aufgaben der internationalen Produktpolitik erläutert, wobei vor allem auf die aktuellen Marktanforderungen eingegangen wird.

Im vierten Kapitel werden die verschiedenen Produktkomponenten anhand des „Product-Component-Models“ erläutert. Im Anschluss daran werden verschiedene Möglichkeiten zur Veränderung des Produktprogramms erläutert. Dazu zählen unter anderem die Produktinnovation, die Produktvariation, die Produkteliminierung, sowie die Problemstellung der Standardisierung, bzw. Differenzierung. Im Rahmen der Produktinnovation werden Aspekte wie die Produkteinführung, Timingstrategien, Produktlebenszyklus, die Nähe zum Markt, der Entscheidungsprozess bei neuen Produkten und das Qualitätsmanagement näher betrachtet. Bei der Produktvariation wird näher auf die Produkteigenschaften, wie technische/funktionale, ästhetische und symbolische Eigenschaften sowie Zusatzleistungen eingegangen. Bei der Standardisierung bzw. Differenzierung wird auf den Produktkern, die Verpackung, die Markierung, die Dienstleistungen und gegebene interkulturelle Einflüsse eingegangen. Im Anschluss daran gebe ich einen sehr aktuellen Überblick zum Thema Produktpiraterie. Darauf folgt ein umfassender Einblick zur Produkthaftung. Im Fazit nehme ich eine kritische Problembetrachtung vor.

2. Definitionen als Grundlage zum besseren Verständnis

Für ein besseres Verständnis im weiteren Teil der Arbeit, wird nachfolgend der Begriff des „internationalen Marketings“ und der Begriff „Kultur“ kurz näher erläutert.

2.1. Definition und Grundorientierung des internationalen Marketings

Von internationalem Marketing ist die Rede, wenn ein Unternehmen in mehr als einem Land geschäftstätig ist und Marketingaktivitäten ausübt.[1]

Mit der Entscheidung zur Internationalisierung tritt ein Situationswandel ein. Das Unternehmen muss sich mit einem höheren Maß an Ungewissheit, höheren und zusätzlichen Risiken, komplexerer Informationsbeschaffung sowie gesteigertem Koordinationsaufwand befassen.[2] Die Entscheidung zur Internationalisierung führt daher zu einer Veränderung und vor allem zu einer Komplizierung der Marketingaktivitäten.

„Internationales Marketing soll daher verstanden werden als Analyse, Planung, Durchführung, Koordination und Kontrolle marktbezogener Unternehmensaktivitäten bei einer Geschäftstätigkeit in mehr als einem Land.“[3]

Im Rahmen einer verfeinerten Betrachtung werden in der Literatur häufig das multinationale und das globale Marketing unterschieden. Während beim multinationalen Marketing einzelne Ländermärkte differenziert bearbeitet werden, wird beim globalen Marketing mit einem hohen Standardisierungsgrad gearbeitet. Zum Beispiel bieten Unternehmen wie Coca-Cola, Adidas und Nike ihre Produkte in einer weitgehend standardisierten Form an.[4]

2.2. Definition Kultur

Unternehmen haben im Umgang mit dem internationalen Marketing zwangsläufig Berührungspunkte mit der Kultur eines jeweiligen Landes. Kultur ist ein schwer definierbarer, jedoch für ein Unternehmen sehr wichtiger Einflussfaktor. Unter Kultur versteht man den gemeinsamen Wissensvorrat den eine Gruppe von Personen teilt, der sie von Mitgliedern anderer Kulturen unterscheidet. Verhaltensweisen, Wahrnehmungsmuster, Artefakte und der Umgang mit und die Interpretation von Emotionen sind kulturspezifisch.

Die Kultur beeinflusst das Verhalten Einzelner und bietet einer Gesellschaft Identität und Zusammenhalt.[5]

Abbildung 1: Kultur-Eisberg

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Anlehnung an Hollensen (1998), S.167

Bei der Betrachtung kann man 2 Ebenen von Kultur unterscheiden:

Das Bekannte: alles was eine Personengruppe von seiner Kultur zu erkennen gibt, was man von außen beobachten kann. (z.B. Sprache, Kleidung, Essgewohnheiten)

Das Unbekannte: psychologische Faktoren

(z.B. Werte, Normen, Denkweisen)

3. Aufgaben der internationalen Produktpolitik

Produkte müssen im Rahmen der Produktpolitik so gestaltet werden, dass sie den aktuellen Marktanforderungen entsprechen. Die Produktpolitik und die damit verbundene Markenpolitik sind die zentralen Marketinginstrumente, auf die sich die anderen Marketinginstrumente beziehen. Die Produktpolitik nimmt also eine Art Vorreiterfunktion ein, denn selbst kreative Werbung und ein günstiger Preis können den Verwender nicht zum Kaufen überzeugen, wenn das Produkt nicht seinen Vorstellungen entspricht. Zwar können durch einen günstigen Preis, gute Verfügbarkeit und attraktive Werbung die eigentlichen Produkteigenschaften in den Hintergrund gestellt werden, doch langfristig wird der Verwender darauf achten, dass das Produkt genau der von ihm gewünschten Qualität entspricht.[6]

„Ein Produkt ist, was einem Markt angeboten werden kann, um es zu betrachten und zu beachten, zu erwerben, zu gebrauchen oder zu verbrauchen und somit einen Wunsch oder ein Bedürfnis zu befriedigen.“[7]

Anfangs stellt sich also die Frage, welche relevanten Produkteigenschaften notwendig sind, um sich am Markt zu behaupten.

Ist diese Ermittlung für den nationalen Markt abgeschlossen, muss eine Ermittlung für den internationalen Markt erfolgen. Die Grundfunktionen dürften dabei fast immer gleich sein, aber bei den Zusatzfunktionen bestehen teilweise erheblich große Unterschiede zwischen verschiedenen Ländermärkten. (z.B. Auto muss fahren, Sonderausstattung ist immer anders). Für den Anbieter des Produkts sind vor allem die Vereinheitlichung des Produktkerns und die Standardisierung der markenpolitischen Aktivitäten von besonderer Bedeutung, wenn er sein Produkt global anbieten möchte. Hierzu zählen insbesondere der Produktkern, die Produktverpackung, die Marke sowie die über den Produktkern hinausgehenden Dienstleistungen.[8]

Durch die Vereinheitlichung können Kostensenkungspotenziale, Lern- und Erfahrungskurveneffekte realisiert werden. Dabei muss der Anbieter jedoch jederzeit darauf achten, dass er nicht zu viel standardisiert. Der Verwender betrachtet das Produkt nämlich nach seinen individuellen Anforderungen, welche auf verschiedenen Ländermärkten stark abweichen können.

(Das Problem „Standardisierung vs. Differenzierung“ wird im weiteren Verlauf der Arbeit genauer analysiert.)

In der heutigen Zeit stehen dem Verwender viel mehr Informationen zur Verfügung, welche viel einfacher abrufbar sind als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. (Internet, Mobiltelefon etc.) Der Verwender weiß also genau was er von einem Produkt erwarten darf und wird demnach beim Kauf selektieren.

Bei der Entscheidung der produktpolitischen Maßnahmen, muss der Anbieter also eine ganze Reihe an unterschiedlichen Einflüssen berücksichtigen.

„Formal definiert ist ein Produkt die Summe aller physischen und psychologischen Befriedigungen von Bedürfnissen, die der Käufer (oder Benutzer) als Ergebnis des Kaufs und/oder der Verwendung eines Produkts erhält“[9]

4. Produktkomponenten und Entscheidungen über Veränderung des Produktprogramms

In diesem Kapitel wird zunächst ein Überblick über die verschiedenen Produktkomponenten gegeben. Anschließend wird auf verschiedene produktpolitische Entscheidungen eingegangen.

4.1. Produktkomponenten

Abbildung 2: Product Component Model

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kohlert (2006), S.247

Das vielschichtige Marktangebot umfasst eine Vielzahl von einzelnen Komponenten. Das „Product-Component-Model“ zerlegt das Marktangebot in einzelne Komponenten, um verschiedene Bestandteile, die bei der Anpassung an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten wichtig sind, herauszufinden.

Die Kernkomponenten umfassen die eigentliche Produktplattform, das Design sowie funktionale Komponenten. àGrundnutzen

Die Verpackungskomponenten beinhalten neben Stil und Art der Verpackung, den Markennamen, das Warenzeichen, den Preis, Qualitätsanforderungen und rechtliche Vorschriften.

Die Dienstleistungskomponenten spielen besonders in hart umkämpften Märkten eine wichtige Rolle, oft ist es möglich über diese Faktoren einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Auf der anderen Seite können sie aber auch dafür verantwortlich sein, dass ein Marktangebot nicht erfolgreich war.

In dem Fall haben sie dann die Erwartungen der Verwender nicht erfüllt.

Die Dienstleistungskomponenten umfassen dabei neben elementaren Bestandteilen wie Garantieleistungen und Reparaturen auch Bereiche wie Ersatzteilversorgung, Gebrauchsanleitung und andere Dienstleistungen.

Möchte ein Unternehmen seine Produkte auf verschiedenen Ländermärkten anbieten, ist es zwingend notwendig diese Komplexität zu verstehen und dementsprechend zu handeln. Das „Product-Component-Model“ ist nicht nur in der Phase der Markteinführung hilfreich, sondern auch später wenn Anpassungen an die lokalen Bedürfnisse der Verwender notwendig sind.

Dabei muss sich ein Unternehmen immer wieder die zentrale Frage stellen, wie weit standardisiert werden darf.

4.2. Entscheidungen über Veränderungen des Produktprogramms

Nach Festlegung der Komponenten, die einen internationalen Einsatz ermöglichen, werden nach und nach Entscheidungen über die Veränderung des Produktprogramms getroffen. Anbieter müssen ihre Produkte z.B. an veränderte Kundenbedürfnisse oder neue Wettbewerbsangebote anpassen.[10]

Zunächst geht es um die Markteinführung eines neuen Produktes, die Produktinnovation. Im Laufe der Zeit müssen die Produkte möglicherweise auf Grund geänderter Marktbedingungen angepasst werden, dabei spricht man von der Produktvariation. Wird ein Produkt aus dem Programm gestrichen, z.B. weil es nicht erfolgreich ist oder das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat, spricht man von Produktelimination. Neben den Unterschieden in zeitlicher Hinsicht unterscheidet man bei der Frage des Standardisierungsgrads auch in sachlicher Hinsicht. (Produktkern, Verpackung, Markierung, Dienstleistungen)

4.2.1. Produktinnovation

Als Produktinnovation wird im Marketing die Einführung eines völlig neuen Produktes auf dem Markt verstanden oder wenn das Produkt mindestens eine wesentliche technische Neuerung gegenüber einem bereits bestehenden Produkt vorweisen kann.[11] Innovationen sind aus betriebswirtschaftlicher bzw. marketingpolitischer Sicht ein Muss, um im Wettbewerb zu bestehen. Andererseits gibt es das Problem hoher Flop-Raten von Neuprodukten im Marketing.[12] Trotz des hohen Risikos eines Produkt-Flops müssen Unternehmen Produktinnovationen durchführen, da Umsatzzuwächse normalerweise nur durch neue Produkte ermöglicht werden können. Hat ein Unternehmen mit einer Innovation Erfolg, sind Wachstum und Ertrag gesichert. Andererseits kann im Falle eines Flops, die Existenz des Unternehmens bedroht sein.

Gerade in der heutigen Zeit, wo Produktlebenszyklen immer schneller durchlaufen werden, ist eine hohe Innovationsrate in vielen Branchen überlebenswichtig.

4.2.1.1 Möglichkeiten für die Produkteinführung auf internationalen Märkten

Wenn ein Produkt neu auf einen internationalen Markt kommt, stellt sich die Frage ob das Produkt völlig neu entwickelt wurde oder ob es schon in ähnlicher Form auf dem nationalen Markt existierte.

Dabei unterscheidet man die folgenden 3 Möglichkeiten:

1. Für den internationalen Markt wird ein völlig neues Produkt geschaffen.
2. Ein bereits auf dem nationalen Markt eingeführtes Produkt wird für den internationalen Markt verändert.
3. Ein bereits auf dem internationalen Markt bestehendes Produkt wird verändert

Die zweite Variante ist in der Praxis der Regelfall, da man so die Erfahrungen aus dem nationalen Markt nutzen kann.[13]

4.2.1.2. Timingstrategien

Bei der zeitlichen Vorgehensweise einer Produktinnovation im Ausland werden die zwei folgenden Timingstrategien unterschieden:

Sprinklerstrategie: Im Fall einer Sprinklerstrategie führt das Unternehmen gleichzeitig Produkte auf mehreren Auslandsmärkten ein.

Wasserfallstrategie: Im Fall der Wasserfallstrategie führt das Unternehmen schrittweise die neuen Produkte ein.

Abbildung 3: Varianten von länderübergreifenden Timingstrategien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schmid (2006), S.21

Vorteile der Wasserfallstrategie:

- zeitlich versetzter Ressourcenbedarf
- kalkulatorischer Ausgleich zwischen Ländermärkten
- Verlängerung der Lebenszyklen bestimmter Technologien und Produkte
- Ausnutzen von Referenzmärkten oder Brückenköpfen
- Begrenzung des Risikos des Scheiterns
- Lernen von früheren Markteintritten

Nachteile der Wasserfallstrategie:

- Gefahr des verspäteten Markteintritts
- Fehleinschätzungen, wenn Erfahrungen einfach auf andere Länder übertragen werden

Vorteile der Sprinklerstrategie:

- früher Markteintritt in mehrere Länder
- First-Mover-Vorteile sichern (Aufbau von Markteintrittsbarrieren)

Nachteile der Sprinklerstrategie:

- hoher kurzfristiger Kapital- und Personalbedarf
- bei Scheitern hohe Verluste

4.2.1.3. Unterschiede beim Produktlebenszyklus

Der Produktlebenszyklus spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, denn die einzelnen Phasen können in verschiedenen Ländern unterschiedlich lang sein. So kann es wie in diesem Beispiel sein, dass sich ein Produkt in Land A noch in der Einführungsphase befindet, in Land B bereits in der Wachstumsphase ist und sich im Heimatmarkt bereits am Ende der Reifephase befindet.

Die sukzessive Markteinführung in verschiedenen Ländern verlängert den Gesamtlebens-zyklus eines Produkts.

Abbildung 4: Produktlebenszyklus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Albaum/Strandskov/Duerr (2001), S.396

4.2.1.4. Standort / Nähe zum Markt

Die neuen Absatzmärkte sind in der Phase des Markteintritts oft schon zu einem hohen Grad gesättigt. Zudem sind die Produkte oft bereits sehr ausgereift, so dass es schwer fällt, mögliche Verbesserungspotenziale aufzudecken. Wenn ein Unternehmen Wettbewerbsvorteile über die Qualität erzielen will, sind vor allem Forschungs- und Entwicklungspotenziale gefragt. Dabei stellt sich die Frage, ob das Unternehmen die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten ins Ausland verlagern soll oder nicht.

Die Marktorientierung des internationalen Unternehmens ist dabei ein wichtiges Kriterium. In vielen Märkten ist die unmittelbare Nähe zum bearbeiteten Markt sehr wichtig um die genauen Anforderungen mitzubekommen und berücksichtigen zu können. Natürlich ist dieses bei einem kleineren Exporteur fraglich, dieser wird wohl eher einen zentralisierten Ansatz bei seinen Exportoperationen verwenden.[14]

Neben der Möglichkeit selbst zu forschen und neue Produkte zu entwickeln, gibt es die Alternative der Unternehmensübernahme bzw. -beteiligung, welche aber sicherlich nicht immer die wirtschaftlichste darstellt. Das übernommene Unternehmen kann ein Unternehmen im Inland des Käufers sein oder aber ein ausländisches Unternehmen, dessen Produkte auf den eigenen Inlandmarkt und vielleicht auch auf Drittmärkte zugeschnitten sind. (z.B. hat das in Japan ansässige Unternehmen Matsushita Electrical den Fernsehbereich von Motorola in den USA übernommen) Solche Fusionen führen oft zu größerer Marktmacht oder zur Diversifikation. (z.B. ergab die Fusion von Dunlop und Pirelli ein mächtigeres Reifenunternehmen für die Marktentwicklung in den USA) Obwohl viele Übernahmen sehr kostspielig waren, scheint die teure Übernahme von anderen Unternehmen langfristig günstiger zu sein, als die Investition in den Aufbau neuer Unternehmen und Marken.[15]

4.2.1.5. Entscheidungsprozess bei neuen Produkten

Die interne Produktentwicklung kann man als evolutionären, aus mehreren Phasen bestehenden Prozess sehen. Mit Fortschritt der einzelnen Prozessschritte wird zunehmend mehr Geld benötigt. Die Kosten erhöhen sich zudem bei einer falschen Entscheidung von Phase zu Phase.

Beispielhaft beträgt der Zeitraum zwischen Entdeckungsphase und ersten realisierten Umsätzen bei der Entwicklung von Arzneimitteln ca. 10-15 Jahre. So bleibt z.B. von anfänglich 10.000 Arzneimitteln, eines am Ende übrig.[16]

[...]


[1] vgl. Homburg/ Krohmer (2003), S.905

[2] vgl. Meffert (1998)

[3] vgl. Meffert (1998), S.1142

[4] vgl. Homburg/ Krohmer (2003), S.906

[5] vgl. Müller, S. (2004), S.61

[6] vgl. Schlick (2005), S.52

[7] vgl. Lindner (2004), S.33

[8] vgl. Homburg/ Krohmer (2003), S.935

[9] vgl. Albaum/Strandskov/Duerr (2001), S.371

[10] vgl. Homburg/Krohmer (2003), S. 508

[11] vgl. Schlick (2005), S.53

[12] vgl. Runia/Wahl/Geyer/Thewissen (2007), S. 143

[13] Schlick (2005), S.55

[14] vgl. Albaum/Strandskov/Duerr (2001), S.377 f.

[15] ebenda S.372

[16] ebenda S.373

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Internationale Produktpolitik. Aufgaben, Strategien, Probleme und Produkthaftung
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Veranstaltung
Außenhandel / Internationales Marketing
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
58
Katalognummer
V112686
ISBN (eBook)
9783640117505
ISBN (Buch)
9783640117963
Dateigröße
1387 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internationale, Produktpolitik, Aufgaben, Strategien, Probleme, Produkthaftung, Außenhandel, Internationales, Marketing
Arbeit zitieren
Gerrit Witte (Autor), 2008, Internationale Produktpolitik. Aufgaben, Strategien, Probleme und Produkthaftung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112686

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