Populismus - Fallbeispiel Venezuela und sein Präsident Hugo Rafael Chávez Frías


Essay, 2006
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Populismus

3. Fallbeispiel Venezuela – Populismus und die Person Hugo Chávez
3.1 Die Geschichte Venezuelas im 20. Jahrhundert
3.2 Hugo Chávez – der Populist?
3.2.1 Hugo Rafael Chávez Frías
3.2.2 Der populistische Politikstil von Hugo Chávez

4. Fazit

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Im Lateinamerika zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird ein Großteil der Staaten des süd- und mittelamerikanischen Kontinentes sowie eine Vielzahl von karibischen Inselstaaten von linken Parteien, die mit mehr oder weniger überwiegender Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung gewählt wurden, regiert. In den meisten Fällen waren und sind diese Regierungsaufträge seitens des Volkes das Ergebnis jahrzehntelanger Politik der Korruption, Ausbeutung, Plutokratie oder Einmischungen fremder Nationen in nationalstaatliche Angelegenheiten. Dabei setzen insbesondere die mittellosen und armen Schichten der Gesellschaft ihre Hoffnung in die Politik der sozialen Gerechtigkeit, die ihnen, teils in stark populistischer Manier von linken Politikern propagiert, versprochen wird. Um diesen Populismus geht es nun auch in der vorliegenden Hausarbeit, die sich dem Fallbeispiel Venezuela und seinem dato amtierenden Präsidenten Húgo Rafael Chávez Frías annehmen wird. Besonders bekannt dürfte Chávez für seinen Konfrontationskurs gegen die republikanische Regierung Bush in Washington sein, auf deren Liste der „Achse des Bösen“ (Staaten mit Konfrontationskurs gegen die USA) neben Iran, Kuba, Myanmar und Nordkorea auch Venezuela zu finden ist. Einführend zum Thema „Populismus – Fallbeispiel Venezuela“ erfolgt zunächst eine Definition des Begriffes Populismus, welche bei der weiteren Analyse des Populismusbegriffs in Venezuela Anwendung finden wird.

Im Hauptteil wird dann neben der politischen Geschichte Venezuelas und einer Kurzbiographie Hugo Chávez’ sein politisches Handeln in Zusammenhang mit „Populismus“ analysiert. Mit der Abfassung dieses Teils schließt dann der Hauptteil der Arbeit ab und mündet in einem zusammenfassenden Fazit.

2. Populismus

Da in der vorliegenden Hausarbeit, unter dem Titel „Populismus – Fallbeispiel Venezuela“, der Populismusbegriff am Beispiel des seit 1999 amtierenden, venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chávez erörtert wird, soll in diesem Abschnitt der Begriff des Populismus zum besseren Verständnis erläutert werden. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort „populus“ ab und bedeutet übersetzt Volk. Populismus bezeichnet im Allgemeinen eine Politik, die sich volksnah gibt, welche die Emotionen, Vorurteile und Ängste von Personen aufnimmt, diese dann für eigene Zwecke nutzt und den Menschen vermeintlich einfache und klare Lösungen für politische Probleme anbietet. Populisten sind in der Regel volksnah, appellieren häufig an das Sicherheitsbedürfnis oder gar den Nationalstolz der Bürger und buhlen mit teilweise unrealistischen Versprechungen um die Gunst ihrer Anhänger.[1] Die für den Laien gefühlsmäßig gut klingenden Forderungen eines Populisten nehmen nicht selten mit übergeneralisierten Ausdrücken wie „Ausländer raus – ihr nehmt uns die Arbeitsplätze weg!“ oder „Straftäter ans Kreuz und dann verbrennen!“ so genannten Stammtischcharakter an, ist demnach als häufig in Zusammenhang mit Nationalismus und Xenophobie zu sehen – dem sogenannten Rechts-Populismus. Häufig fällt der Begriff des Populismus auch in Zusammenhang mit Opportunismus (Anpassung an die zweckmäßige Lage die gegenüber den Grundsätzen Priorität genießt).[2] Während in Europa der Begriff Populismus meist negativ konnotiert ist, erfährt er in vielen Regionen Süd- und Ostasiens, im Mittleren Osten oder gar in den USA weitestgehend Akzeptanz. Als lebende Beispiele für Populisten nach den oben genannten Axiomen halten, unter negativer Konnotierung, unter anderem aktive Politiker wie Jörg Haider (BZÖ, Österreich), Evo Morales (Staatspräsident Boliviens) und Mahmud Ahmadinedschad (Staatspräsident Irans), aber auch Personen wie Osamah bin Laden, welcher bis jüngst sich in vielen Teilen der arabischen Welt, insbesondere bei radikalen Gruppierungen, als Kämpfer gegen westlichen Imperialismus und Ungläubige großer Beliebtheit erfreut.[3]

3. Fallbeispiel Venezuela – Populismus und die Person Hugo Chávez

Der im vorhergehenden Abschnitt erläuterte Begriff des Populismus soll nun am besonders aktuellen Fallbeispiel Venezuela untersucht werden. Dazu erfolgt nun in Punkt 3.1 einführend die politische Geschichte Venezuelas im 20. Jahrhundert bis zur Präsidentschaft von Hugo Chávez, um das Phänomen Populismus aus historischer Perspektive verstehen zu lernen. In Punkt 3.2 wird dann die Person Chávez nach einer Kurzbiographie anhand des Populismusbegriffes eben diesem zugeordnet. Im Anschluss an diesen Abschnitt mündet die Arbeit in einem abschließenden Fazit.

3.1 Die Geschichte Venezuelas im 20. Jahrhundert

Nach seiner Unabhängigkeit von der spanischen Krone 1821 unter Führung Simón Bolívars war Venezuela noch bis 1830 integraler Bestandteil der 1819 unabhängig gewordenen Republik Groß-Kolumbien, welche sich ungefähr auf das Gebiet der heutigen Staaten Ecuador, Kolumbien und Panamá erstreckte.[4]

Bis 1958 war Venezuela von politischer Instabilität und der Herrschaft autokratischer Caudillos gekennzeichnet. 1908 putschte sich General Juan Vicente Gómez an die Macht und kontrollierte mit diktatorischen Vollmachten über 25 Jahre den an der Karibikküste gelegenen Staat. Nach ihm folgte der Diktator Marcos Pérez Jiménez, welcher 1948 die ersten demokratischen

Ansätze der venezolanischen Bevölkerung unterdrückt hatte. Erst nach seinem Sturz am 23.01.1958 entwickelte sich Venezuela zu einer parlamentarischen Demokratie mit starker Stellung des Präsidenten. Die beiden bestimmenden

Parteien Acción Democrática (AD) und COPEI stellten von da an bis in die neunziger Jahre die Präsidenten in Caracas.[5] Im September 1960 begründete der erdölreiche Staat zusammen mit Iran, Irak, Kuwait und dem Königreich Saudi-Arabien in Bagdad die OPEC (Organisation of the Petroleum Exporting Countries), um sich der bereits Jahrzehnte währenden Preisdiktate internationaler Mineralölkonzerne entziehen und diese gemeinsam bestimmen zu können.[6] Unter dem Präsidenten Carlos Andrés Pérez erwirtschaftete Venezuela im Zuge der gestiegenen Rohölpreise während der Ölkrise 1973 bis 1983 rund 240 Milliarden US$ und entwickelte sich schnell dank einer populistischen Verteilungspolitik zu einem der wohlhabendsten Länder Südamerikas. Nach dem Verfall der Weltmarktpreise für Rohöl ab 1984 brachen die Öleinnahmen allmählich weg; die mangelnden Investitionen in andere Wirtschaftszweige, die trotz der hohen Erdöleinnahmen größtenteils über günstige Kredite aus dem Ausland finanziert wurden, um sich der Abhängigkeit vom Erdöl entledigen zu können, und die überwiegende Konzentrierung der venezolanischen Wirtschaft auf den Handel mit dem schwarzen Gold bürdeten der Regierung in Caracas teure Kredite (so unter anderem beim Internationalen Währungsfonds) zur Haushaltskonsolidierung und Konjunkturförderung auf.[7] 1989 wurde er in seinem Amt bestätigt und schlug einen neoliberalen Wirtschaftskurs ein, der zunehmend auch zu Disparitäten zwischen einer elitären Oberschicht und zahlreichen Mittellosen führte. Ein unter dem Begriff Caracazo bekannter Armenaufstand am 27. Februar 1989 in Caracas gegen die sich verschlechternden Lebensbedingungen wurde blutig niedergeschlagen und forderte nach inoffiziellen Angaben mehrere hundert Menschenleben. Nach zwei Putschversuchen im Februar 1992 – unter Führung von Hugo Chávez - und am 27. November 1992, einem Volkswirtschaftsjahr mit Minuswachstum, wurde Pérez nach schweren Korruptionsvorwürfen und zurückgehendem Rückhalt seitens der Bevölkerung vom Obersten Gerichtshof in Caracas abgesetzt und im darauf folgenden Jahr 1994 Rafael Caldera Präsident. Caldera gelang es zwar die politische Stabilität weitgehend wieder herzustellen, der sich verschärfenden Wirtschaftskrise wurde aber auch er nicht Herr.[8] Bei den Präsidentschaftswahlen 1998 erreichte dann Hugo Chávez mit seiner Partei Movimiento Quinta República (MVR) 56% der Wählerstimmen und wurde neuer venezolanischer Staatspräsident. Der Verehrer des Freiheitskämpfers Simón Bolívars ließ das Land in die Bolivarische Republik Venezuela umbenennen, um somit Beginn einer neuen politischen Ära in Venezuela zu untermauern.[9] Am 12. April 2002 kam es zu einem Putsch der Opposition gegen die Regierung Chávez, die trotz der breiten Unterstützung der venezolanischen Privatmedien an der Bevölkerungsmasse scheiterte, die für Chávez auf die Straße ging. Mit Hilfe der Streitkräfte nahm Chávez so am 14.04.2002 seine Amtsgeschäfte wieder auf. Diejenigen Putschisten, die nicht ins Exil flohen, wurden nicht inhaftiert.[10]

[...]


[1] Vgl. Duden Fremdwörterbuch, S.823

[2] Vgl. Das neue Universallexikon, S.758

[3] Vgl. Hackensberger, Alfred 2006 <http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23406/1.html>, letzter-Zugriff: 26.09.06

[4] Vgl. Informationen zur politischen Bildung, 226: Lateinamerika: Geschichte-Wirtschaft--Gesellschaft, S.8-9

[5] Vgl. Informationen zur politischen Bildung, 244: Lateinamerika II: Politische Entwicklung seit-1945, S.8

[6] Vgl. Le Monde diplomatique Nr. 7991 vom 9.6.2006, S.4

[7] Vgl. Informationen zur politischen Bildung, 244: Lateinamerika II: Politische Entwicklung seit-1945, S.9

[8] Vgl. Informationen zur politischen Bildung, 244: Lateinamerika II: Politische Entwicklung seit-1945, S.9 und-Vgl. Auswärtiges Amt 2006 <http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/-Venezuela/Geschichte.html>, letzter Zugriff: 15.09.06

[9] Vgl. de Villa/Neubauer 2006, S.253

[10] Vgl. Becker-Becker 2003, S.22-24

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Populismus - Fallbeispiel Venezuela und sein Präsident Hugo Rafael Chávez Frías
Hochschule
Universität zu Köln  (Iberische und Lateinamerikanische Abteilung des Historischen Seminars)
Veranstaltung
Herrschaft und Gesellschaft in der Neuen Welt – Eine Einführung in die Politikgeschichte Lateinamerikas
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V112763
ISBN (eBook)
9783640122547
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Populismus, Fallbeispiel, Venezuela, Präsident, Hugo, Rafael, Chávez, Frías, Herrschaft, Gesellschaft, Neuen, Welt, Eine, Einführung, Politikgeschichte, Lateinamerikas
Arbeit zitieren
Niclas Dominik Weimar (Autor), 2006, Populismus - Fallbeispiel Venezuela und sein Präsident Hugo Rafael Chávez Frías, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112763

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Populismus - Fallbeispiel Venezuela und sein Präsident Hugo Rafael Chávez Frías


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden